Nr. 80 Erster Matt
184. Jahrgang
Freitag, 6. April 1954
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Oesterreichs Berfaffungsreform.
Das jetzige Regierungssystem in Oesterreich entbehrt einer verfassungsmäßigen Grundlage. Während der Nationalsozialismus in Deutschland die Macht aus legalem Wege erreicht hat, kann sich die Diktatur Dollfuß- Star Hemberg auf keinerlei Parlamentsentscheid oder Volksabstimmung stützen. Nun soll eine neue Verfassung entstehen, ein „autoritärer" Staat, der das Wort „Republik" vorsichtig vermeidet, eine Verfassung, die dem Bundespräsidenten Miklas etwa die Befugnisse eines „Reichs- verwesers" nach ungarischem Vorbilde verleiht. Im übrigen soll der Aufbau der Verfassung ihr einen „b e r u f s st ä n bischen" Charakter geben. Die Stadt Wien soll der Regierung unmittelbar unterstellt sein und etwa 50 Gemeinderäte erhalten, die der Bürgermeister als der Vertrauensmann der Bundesregierung ernennt. Abgeschlossen ist das Werk noch keineswegs. Kennzeichnend ist besonders, daß als voraussichtliche Rechtsgrundlage der neuen Verfassung das kriegswirtschaftliche Ermächtigungsgesetz aus dem Jahre 1916 genannt wird.
Dieses Zurückgreifen auf eine Ermächtigung aus der längst untergegangenen Habsburger Zeit verrät eine merkwürdige Scheu der gegenwärtigen Leiter der öftereichifchen Politik, mit den lebendigen Strömungen des V o l k s w i l l e n s in Fühlung zu treten und das ganze Volk an dem Neubau des Staates zu beteiligen. In diesem Punkt liegt wohl die größte Schwäche der österreichischen Verfassungsreform, die durch das Fehlen einer sie tragendenVolksbewegung ganz den Charakter einer Improvisation und damit eine brüchige Grundlage erhält.
Dieser Mangel einer großen positiven Idee macht sich auch für den Außenstehenden schon im jetzigen Vorbereitungsstadium peinlich bemerkbar. Im vorigen Jahr war allerdings häufig von den päpstlichen Enzykliken Rerum novaruni und Quadrat gesimo anno die Rede, andererseits hat die monarchistische Propaganda in den letzten Monaten in Oesterreich zugenommen,. Aber in den offiziellen Steuerungen zu dem „Osterentwurf" ist weder die eine noch die andere Idee, noch auch eine Verbindung von beiden festzustellen.
Der österreichische Bundeskanzler hat dieser Tage in einem Zeitungsaufsatz erklärt, daß der neue Verfassungsentwurf d i e B e r u f s st ä n d e zur Grundlage, zu Trägern des politischen und wirtschaftlichen Gemeinschaftslebens mache, und er geht dabei von der Voraussetzung aus, daß sie die einzigen Träger dieses Gemeinschaftslebens sein sollen. Dr. Dollfuß nahm bisher eine etwas anderen Standpunkt ein, entsprechend den parlamentarischen Grundsätzen der Christlichsozialen Partei. Sein Verfassungsentwurf vom September 1933 wollte die wirtschaftlichen Fragen einer ständisch aufgebauten Kammer, die kulturellen und politischen Fragen einem reorganisierten Nationalrat zuweisen, es war also immerhin für einen Teil der Volksvertretung das Recht auf politische und nicht nur ständische Willensbildung vorgesehen. Einer der offiziellen Gründe für den Verzicht auf diese Idee und die völlige Ausschaltung des N a t i o n a l r a t e s in den neuen Entwürfen ist die Botschaft Mussolinis vom November 1933, in der erklärt wurde, daß in einem korporativ aufgebauten Staat künftig für ein gewähltes Parlament nach Art der bisherigen Kammer fein Platz mehr sein werde. Hat man aber in Oesterreich den Unterschied der politischen Struktur beider Länder berücksichtigt, vor allem das Vorhandensein der faschistischen Partei mit allen ihren Organisationen, die einen denkbar entschiedenen politischen Willen repräsentieren und denen Oesterreich nichts Entsprechendes gegenüber zu stellen hat? .
Es ist zu verstehen, daß ein so diskutables Prm- zip wie die rein berufsständische Volksvertretung um so größere Schwierigkeiten bietet, je konkreter »eine Verwirklichung in Angriff genommen wird. Der Osterentwurf sieht zur vorbereitenden Prüfung der Gesetze vier „beratende Körper" von ungleicher Größe und mit Z^nnnen «S bis 188 Mitgliedern cor. Staatsrat, Kulturrat, Wirtlchasts- rat, Lünderrnt. Als eigentlich gesetzgebendes aber nur selten zusammentretendes Organ soll em B un- d e s t a g fungieren, der aus 59 Mitgliedern, nämlich 20 ■ernannten Staatsräten, 20 Wirtschaftsraten 10 Kulturräten und 9 Länderräten bestehen soll. Dieser Bundestag wird die von der Regierung und den beratenden Körpern vorbereitenden Gesetze nur annehmen ober ablehnen, nicht aber ändern können. ,
Das ist eine bequeme Losung Es fragt sich aber. Wo soll der Schwerpunkt der Staatsgewalt und der tatsächlichen Macht li^en, be, den Berufsständen, bei der Regierung oder be, dem Staatsoberhaupt, dessen Rolle be, den M°nwar- tiqen Beratungen am umstrittensten zu fern scheint. Wird in der Praxis die Politik IN der Hand der Berufsstände cersachlicht werden wie man es er- hosft, oder wird nicht das ganze Beruss-^unü W,rt- schastsleben noch mehr p ° l 11 is ie r 1 werden, als dies bisher schon der Fall war? Das sind Fingen, die man sich auch in Oesterreich stellt, h s beantworten zu können. Um den f - 5
einen geschlossenen Staatswillen zu ersetzen, g. g es offenbar nicht, daß der Bundeskanzler v Jahr erklärte, „dieses Parlament, diese Parteien werden nie wiederkehren", und daß der Derfassungs minister Ender jetzt die Verwirklichung dieser Worte in der Weise vorsieht, daß er em ganzes Bündel neuer Parlamente und Jnteressentengruppen, zwar ohne politisches Programm aber mit politischen Befugnissen, schaffen will.
Inzwischen sucht der Anhang des Bundeskanzlers Dollfuß durch eine große Agitation den notwen-
Gtaatskrisis in Rumänien.
Oie Führer der Eisernen Garde im Ouca-Prozeß freigesprochen. - Schwere moralische Niederlage der Regierung.
Kommt eine Diktatur?
LebenslänglicheZwangsarbeit für die Mörder Ducas.
Die Eiserne Garde rehabilitiert.
Bukarest, 5. April. (DRV.) 3m Prozeß gegen die Mörder des Ministerpräsidenten D u c a fällte das Kriegsgericht des zweiten Armeekorps nach vierzehntägiger Verhandlung das Urteil. Der Student Lonsianlinefcu, der die tödlichen Schüsse auf Duca abgegeben hatte, erhielt lebenslängliche Zwangsarbeit, ebenso feine beiden Helfershelfer, die Studenten V e l i m a c e und C a r a n i c a. Alle übrigen Angeklagten wurden freigefprochen, darunter der Führer der Eifernen Garde, Eodreanu, und der General Eantacuzino.
Das Urteil Hal in Bukarest einen außerordentlich starken Eindruck gemacht, weil es in der Praxis auf eine Rehabilitierung der Eisernen Garde hinausläuft und eine schwere innenpolitische Riederlage der Regierung Papa r e s c u bedeutet. Vor allem wird jetzt die Eiserne Garde wahrscheinlich einen außerordentlichen Zulauf bekommen. Was die Regierung tun wird, läßt sich im Augenblick noch nicht sagen. Bereits vor einer Woche hieß es, daß sie im Falle eines Freispruches der Führer der Bewegung z u - rücktreten und einer Regierung des Feldmar- schalls A v e r e f c u Platz machen müsse. Die Entscheidung darüber liegt jedoch bei der Krone. Diese Entscheidung mag ausfallen wie sie will, eines ist sicher, der große Kampf zwischen liberalistischer und faschistischer Idee hat vor dem Kriegsgericht mit einem moralischen Sieg der letzteren geendet und seine Umwandlung in einen tatsächlichen dürfte nach Lage der Dinge nur noch eine Frage der Zeit sein.
Die innerpotitische Lage ist noch ungeklärt. Sämtliche Minister haben sich in die Wohnung des Mi- niskerpräsidenten begeben, wo unter dem Vorsitz des Ministerpräsidenten Paparescu ein 7Ninist e r r a t stattfindel, der zu der neuen Lage, die durch den Freispruch des Führers der Eisernen Garde geschaffen ist, Stellung nehmen soll. Die Kammer hat das Gesetz zum Schuhe des Staates, das dem ehemaligen deutschen Repu- blikschuhgeseh entspricht, angenommen und sich bis zum 16. April vertagt. Da am Freitag bereits mit Rücksicht auf das rumänische Osterfest d i e parlamentarischen Ferien beginnen, nimmt man an, daß vor den Festtagen eine Aende- rung der Lage nicht eintreten wird. Ueberraschun- gen sind jedoch nicht ausgeschlossen, da alles Weitere von dem Ergebnis der Ministerratsbesprechungen abhängt.
Kein parlamentarischer Ausweg.
Budapest, 6. April. (DNB. Funkfpruch.) Sämtliche Budapester Morgenblätter bringen Bukarester Meldungen, wonach die rumänische Regierung dem König bereits ihren Rücktritt angeboten habe. Der König soll jedoch den Rücktritt nicht angenommen haben. Sicher sei, daß Titulescu seine Mitarbeit an
Das ungarische Echo der Titulescu-Rede.
Ungarn beharrt auf der Forderung nach Revision.
B u d a p e st, 5. April. (DNB.) Im Oberhaus brachte Graf Wladislaus Somsfich die Interpellation Manius und die Antwort T i tute s c u s zur Sprache und trat als seinerzeitiges Mitglied der ungarischen Friedensdelegation der Behauptung Titulescus mit Nachdruck entgegen, als hätte die ungarische Friedensdelegation Gelegenheit gehabt, die Festsetzung der Friedensbedingungen zu beeinflussen. Der Redner erklärte, daß die ungarische Friedensdelegation sozusagen gefangengehalten wurde und ledig- lich zur Uebernahme der Friedensbedingungen vor den Fünferrat bestellt worden sei. Die Behauptung, daß mit der ungarischen Delegation Verhandlungen geführt worden seien, sei eine zynische Entstellung.
Auch die Sitzung des Abgeordnetenhauses war ein gewaltiger Protest gegen die Ausführungen Manius und Titulescus. Der Abgeordnete Geza Desi bezeichnete die Interpellation Manius als eine b e st e l l t e Rede. Es scheine, daß der Heißhunger Rumäniens noch immer nicht gesättigt sei. Ungarn stehe mit seinem Glauben an die Revision nicht allein. In England beginne man den Fehler einzusehen. Es werde die Zeit kommen, wo sich die Sieg er untereinander verzanken würden. Es werde niemals Frieden geben, solange keine Revision stattfinde.
Oie Pariser Presse zur Rede Titulescus.
Paris, 5. April. (DNB.) In der französischen Presse wird die Rede des rumänischen Außenministers Titulescu geteilt ausgenommen. Die offiziösen Blätter suchen wie immer auch diese Rede einfach für die französische Politik zu beschlagnahmen und scheuen in diesem Zusammenhang vor keinem Lob zurück. Abweichend hiervon hat nur die linksradikale Abendzeitung „N o t r e Temps"
einer neugebildeten Regierung a b l e h n e n werde. Als Sensation wird von den Budapester Blättern das Gerücht verbreitet, der König trage sich mit dem Gedanken, den Führer der Eisernen Garde, Codreanu, in Privataudienz zu empfangen. „Magyarsag" stellt fest, daß in Rumänien keine Möglichkeit zur Lösung der Regierungskrise auf parlamentarischer Grundlage bestehe. Man rechne infolgedessen in politischen Kreisen mit einer Diktatur unter Feldmarschall Avarescu und Goga.
den Mut, die Ausführungen Titulescus als beunruhigend und entmutigend zu bezeichnen. Auch bemüht sie sich, die Titulescu-Rede ebenso wie die kürzlichen Erklärungen Beneschs in den Rahmen einer einheitlichen Politik der Kleinen Entente zu stellen. Der „T e m p s" begrüßt, daß Titulescu entschieden der Revisionskampagne entgegengetreten sei und mit großer Freimütigkeit einen soliden Standpunkt zum Ausdruck gebracht habe. Das „Journal des Debats" rühmt die eindeutige Redeweise des rumänischen Außenministers, der 91 o m eine geschickte Warnung habe zugehen lassen. Die Unabhängigkeit Oesterreichs, die für den Frieden in Europa fo notwendig fei, könne nur durch den vereinigten Widerstand, also durch die gemeinsame Aktion Frankreichs, Italiens und der Kleinen Entente, aufrechterhalten werden. Das fei die hauptsächliche Schlußfolgerung der Rede Titulescus.
Ungarische Minderheilenpolttik.
Budapest, 5. April. Im ungarischen Oberhaus stellte Eugen Sz o n t a g h offensichtlich unter dem Eindruck der Erklärungen Titulescus im rumänischen Parlament eine Anfrage, in der er die Verordnung zur Namens-Magyarisierung als unglücklich bezeichnete. Diese Maßnahme könne leicht als Beweis für die Unterdrückung der Minderheiten in Ungarn gewertet werden. Der ungarische Innenminister Keresztes Fischer -bestritt, daß eine Verordnung ergangen wäre, es habe sich lediglich um ein informatives Rundschreiben gehandelt, in dem die Regierung nur auf die Wichtigkeit der Namens-Magyarisierung hingewiesen habe. Der Minister gab zu, daß dies fälschlich ausgelegt wurde und daß man sich in der Provinz im Interesse der Namens-Magyarisierung verschiedener Zwangsmittel bediene, die nicht in der Absicht der Regierung gelegen hätten. Der Innenminister erklärte, Anweisung gegeben zu haben, daß die Empfindungen der Minderheiten zu achten seien und keinerlei Zwangsmittel in bezug auf die Namens- Magyarifiernng angewendet werden dürften. Die Träger fremd klingender Namen hätten keinerlei Nachteile für sich zu erwarten.
Gegen den Widersinn der Verträge.
digen Anklang im Lande zu finden. Besonders die (bisher größtenteil marxistische) Arbeiterschaft soll für die „Vaterländische Front" gewonnen werden. Doch ist die Opposition unter der Decke noch lebhaft tätig, fo daß die mit Hilfe Italiens gewonnene Machtstellung der jetzigen Wiener Regierung keineswegs mit der Auffassung der breiten Schichten übereinstimmt.
Keine Einigkeit im österreichischen Aegiernngslager.
Wien, 5. April. (DNB.) Die Flucht der Nationalsozialisten und Schutzbündler aus dem Linzer Strafgefängnis beschäftigt in hohem Maße die Oef- fentlichkeit. Wie verlautet, steht der Rücktritt des Präsidenten des Obersten Gerichtshofes Dr. D i n g h o f e r, der Mitglied der Großdeutschen Volkspartei ist, bevor. Auch die Stellung des Staatssekretärs der Justiz Dr. Glaß gilt als erschüttert.
Es verstärkt sich der Eindruck, daß die Gegensätze innerhalb der Regierung über die grundsätzlichen Fragen der neuen Verfassung zu weitgehenden Personalveränderungen innerhalb des Kabinetts führen werden. Insbesondere sollen sich die Gegensätze zwischen den Forderungen der Christlich-Sozialen auf einen föderalistischen Aufbau der Verfassung und den Heimwehrforderungen auf eine zentralistische Lösung erheblich verschärft haben. Eine entscheidende Rolle spielt die bisher noch völlig ungeklärte Frage, ob dem Bundespräsidenten die Befugnis zu einer Aenderung der Verfassung eingeräumt werden soll. Dieser Frage wird naturgemäß in legitimistischen Kreisen eine entscheidende Bedeutung beigemessen. Die Verkündung der Verfassung wird infolge der bestehenden Schwierigkeiten voraussichtlich sich noch auf einige Zeit hinauszögern.
Bei dem großen Empfang der n euen Wiener Gemeindeverwaltung im Rathaus blieb die offizielle Ernennung des neuen Bürgermeisters und feiner Stellvertreter überraschenderweise aus. Hinter den Kulissen soll e i n heftiger Kampf um die Besetzung der Dize- bürgermeisterstellen zwischen den christlich-soMlen
Sturmscharen des Ministers Schuschnigg, den Heimwehren und der alten Christlich-Sozialen Partei toben. Die Ernennung soll nun im Ministerrat am Freitag erfolgen.
Oie französische Antwort auf Englands Rückfrage.
Paris, 6. April. (DNB.-Funkfpruch.) Die Minister treten heute vormittag erneut zu einem Ministerrat zusammen, in dem neben dem zweiten Abschnitt der Sparmaßnahmen auch die Antwort auf die letzten englischen Fragen in der Abrüstungsangelegenheit fertiggestellt werden soll. Diese Antwort, so schreibt der „Matin", sei vom Außenminister bereits aufgestellt und bedürfe nur noch der Zustimmung des Ministerrats. Sie sei sehr kurz und enthalte die Mindestgaran- tieforberungen vor dem Abschluß eines Abrüstungsabkommens. Die Antwort sei außerdem sehr klar gehalten und schließe zweideutige Auslegungen der französischen Sicherheitsforderungen aus. Die Note werde voraussichtlich noch heute nach London gekabelt.
Die radikalsozialistische „Ere Nouvelle" schreibt, man werde sich von Tag zu Tag klarer darüber, daß der Locarnovertrag unvollstän- d i g sei und erst an dem Tage wirklich wirksam werde, an dem d i e moralischen Garanti e n , die er enthalte, sich nicht nur auf die Reichsgrenzen beschränkten, sondern auch auf die Kleine Entente ausgedehnt würden. Es fei zu hoffen, daß England diesen Standpunkt verstehe und den Bemühungen zur Organisierung einer internationalen Sicherheit beipflichten werde.
„Oeuvre" weist darauf hin, daß man in England einen großen Unterschied zwischen den Durchführungsgarantien des Abrüstungsabkommens und der Erhöhung der allgemeinen Sicherheit mache. Man sei in England wohl bereit, sich an den Durchführungsgarantien zu beteiligen, werde aber keinen Schritt tun, um die Sicherheit der Grenzen auch auf die O st grenzen auszudehnen, die heute nur durch den Kelloggpakt geschützt seien. Macdonald und Sir Lohn Simon feien
sich darüber einig, in der Frage der Durchführungsgarantien eine Reihe von aufeinanderfolgenden Sanktionen vorzusehen, falls das Abrüstungsabkommen verletzt werden sollte. Diese Maßnahmen würden aber erft in allerletzter Linie in militärischen Sanktionen bestehen, die erst dann einsetzen sollten, wenn alle anderen Druckmittel erfolglos geblieben feien. England werde jede französische Forderung zurück- weisen, die eine Erhöhung der allgemeinen Sicherheit anstrebe.
Die indischen Nationalisten beteiligen sich wieder an den Wahlen.
Kalkutta, 5. April. (DNB.) Die nationalistisch gesinnten Parteigruppen beschlossen, die alte Swa - raj-Partei wieder zu beleben. Ihre Mitglieder sollen sich als Kandidaten für die Ende 1934 zu erwartenden Wahlen aufstellen lassen. Das Wahlprogramm wird eine geschlossene Front gegen dir im Weißbuch vorgeschlagenen Reformen vorsehen.
Gandhi hat sich dazu in einem Schreiben wie folgt geäußert: Ich begrüße die Wiederbelebung der Swaraj-Partei und deren Entscheidung, sich an den Wahlen zu beteiligen. Ich stehe unter Dem Eindruck, daß es nicht nur das Recht, sondern die Pflicht jedes Mitgliedes der Kongreßpartei ist, sich als Kandidat aufstellen zu lassen und auf diesem Wege zu versuchen, das Programm durchzusetzen, das er für richtig hält. Ich stehe daher der Partei jederzeit zur Verfügung und werde ihr helfen, soweit es in meiner Macht steht.
Gandhis Entscheidung bedeutet, daß alle diejenigen Elemente zur Macht kommen, die für p o - sitive Mitarbeit an Stelle des passiven berftanbes waren. Der passive Wiberstanb von Einzelpersonen würbe im Sommer 1933 an Stelle bes pasiven Wiberstanbes ber Masse zum Programm ber Kongreßpartei erhoben. Durch Ganbhi» Erklärung wirb bie Swaraj-Partei zu einer Art Flügel ber Kongreßpartei unb eine Spaltung zwischen ber gemäßigteren unb ben extremen Nationalisten wird auf diese Weise oermieben.


