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Dienstag, 6. Marz MH

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Nr. 55 Drittes Blatt

Blick in die Gießener Volkshalle bei der großen

Aus der Provinzialhauptstadt

das Beiwort mit oem zinitei oem ^ornumeii i uu - nY 1' Äfüm Wnmen fnridit

setzte (Heinrich der Lange, Fritz der Kleine usw.). mehr offen ans allen Namen^prick^

durch die Einführung des Christentums, das neue Namen entstehen ließ, längst eine Vermehrung erfahren, die Verbreitung der Sitte, einen Familien­namen anzunehmen, kam jedoch erst im 12. Jahr­hundert auf. Da bei zunehmender Vergrößerung der Volksstämme die gesellschaftlichen Verhältnisse künstlicher wurden, ermöglichte der Vorname allein nicht mehr die nötige Unterscheidung zwischen den einzelnen Personen, weshalb man zu Familien­namen überging. Der Adel kannte wohl schon etwas früher den Geschlechternamen, der sich meist auf den Besitz oder die Herkunft bezog. Zum größten Teil entlehnte man die Familiennamen den Vornamen, die ursprünglich nur eine Person bezeichnet hatten, nun aber fest wurden und sich auf die Nachkom­men vererbten. In der Hauptsache bilden also jene uralten Mannesnamen den Grundstock zu unseren heute gebräuchlichen Familiennamen. Sie sind in der Mehrzahl von einstigen väterlichen Vornamen abgeleitet und durch vielfache Veränderungen und Verstümmelungen auf uns übergekommen. Man wählte aber auch solche Namen, welche den Cha­rakter, ein äußeres Merkmal des Menschen, die Be­schäftigung, das Gewerbe oder den Stand beschrie­ben. Das geschah dann oft in der Weise, daß man das Beiwort mit dem Artikel dem Vornamen nach-

Unsere Familiennamen sind also nicht ganz Schall und Rauch, denn sie waren ehedem sinnvoll und bewußt gewählt, wenn dieser Sinn auch heute nicht

sonders in den Reihen der Gießener SA. allezeit in hohen Ehren im Gedenken fortleben. In der Heimat im Bild" des Gießener Anzeigers war Major Kempff als unser geschätzter Mitarbeiter wiederholt bei der Verbreitung und Vertiefung der Geschichte unserer engeren Heimat in anerkennens­werter Arbeit tätig.

Gedenkfeier derpolizei undGendannerie zum Jahrestag der Machtübernahme.

In dankbarer Erinnerung an den Tag 6. M ärz v. I. der die Macht im Reiche in die Hand des Führers und Volkskanzlers Adolf Hitler brachte und damit eine grundlegende bedeutsame Wende zum Besseren einleitete, veranstaltet unsere Gießener Polizeibeamtenschaft gemein­sam mit der hiesigen Gendarmerie am heu­tigen Dienstag nachmittag eine Gedenkfeier, die der Dankbarkeit an den Führer und Volkskanz­ler Ausdruck geben soll. Die Polizei- und Gendar­meriebeamten treten um 15,30 Uhr vor dem P o - lizeiamtsgebäude auf dem Landgraf-Phi- lipp-Platz an und marschieren von dort in geschlos-

Zum Briefessen verurteilt.

Es ist wohl des öfteren vorgekommen, daß aber­gläubische Menschen einen Brief oder ein Stück Pa­pier aufgegessen haben, um sich die Kraft eines Zau­berspruches oder den Inhalt einer Liebesbeteuerung ganzeinzuverleiben". Aber es hat auch Zeiten ge­geben, in denen Menschen zumGenuß" solch un­verdaulicher Speise verurteilt wurden. In der Nie­derdeutschen Zeitschrift für Volkskunde beschäftigt

Unser Familienname.

Heute ist es selbstverständlich und eine unerläß­liche Notwendigkeit, einen. Familiennamen zu be­sitzen. Es war jedoch nicht immer so, daß man neben dem Vornamen auch einen Geschlechtsnamen führte. Der Vorname genügte bei den einfachen Rechtsverhältnissen und der Gesellschaftsordnung früherer Zeiten vollauf. Es waren echt deutsche Namen, deren man sich bediente und die man un­terschiedslos den Gliedern vornehmer Familien, wie auch den Gliedern niederen Standes gab. Die Namen der Germanen zeichneten sich durch ihre klare Bedeutung aus, denn der Deutsche wollte ihn verstehen, sein Name sollte klingen und irgendwie in Beziehung zu seinem Träger selbst, zu seinen Eigenschaften stehen. Der Träger hatte deshalb auch Freude an ihm, wußte von seinem Sinn und machte ihm Ehre. Unsere Vorfahren in grauer Zeit nannten sich kurzweg Sigimer, Siegbert, Sigufried, Gibich, Hiltgund, Wolfbert usw. Bei Nennung des Namens trat das Bild seines Trägers deutlich vor Augen, denn der Name umschrieb den Mann.

Bis in die Zeit der hohenstaufischen Kaiser hin­ein hatte man von einem anderen als dem Vor­namen keine Kenntnis. Wohl hatte die Zahl dieser

sich der Herausgeber Prof. G r o h n e mit derTor­tur des Briefessens". Das ist eine Strafform, die ich aus den Tagen des Faustrechtes vom Mittel- alter bis ins 18? Jahrhundert erhalten hat. Man rächte sich auf diese merkwürdige Weise an dem Ueberbringer schlimmer Kunde. So meldet z. B. die Chronik, daß die Bürger der Stadt Alzey im Jahre 1432 einen Boten von Höchst, der ihnen unliebsame Nachrichten brachte, ein Eisen um den Hals legten und an den Pranger stellten, sodann wurde eine Tonne vor ihn gesetzt mit einer Schüssel voll Was­ser, in das der zerrissene Brief eingebrockt war, worauf dann Wasser und Brieffetzen dem Unglück­lichen vom Büttel in den Hals geschüttet wurden. 1501 taten die Bürger von Worms das Nämliche mit einem Abgesandten des Reichs, der die unbot­mäßige Stadt durch Mahnbriefe zum Gehorsam bringen sollte. Aus den Briefen wurde ihm eine höchst unangenehme Mahlzeit bereitet, die er her­unterwürgen mußte. Noch im Jahre 1716 ließ der hessische Kommandant von St. Goar nach einem Bericht des bekannten Juristen Franz Joseph Bod- mann den Fronboten von Rüdesheim, der ihm einen geschlossenen Brief des französischen Kommandanten von Homburg überreichte, ins Stockhaus setzen und zum Verzehren des Briefes zwingen. Allerdings ging man im Zeitalter der Aufklärung schonhumaner zu Werke, denn es wird ausdrücklich berichtet, daß der Briefmit Essig und Baumöl angemacht" war und so als eine ArtSalat" gereicht wurde. Der Sinn dieses so lange hartnäckig geübten Brauches ist klar: Der Bote muß auf sich nehmen, was man am liebsten dem Absender selbst zugefügt hätte. In Kriegszeiten, auch noch während des Weltkrieges, ist es öfters vorgekommen, daß Boten, die schrift­liche Befehle ober Mitteilungen zu überbringen hat» ten, wenn sie vom Feinde aufgegriffen wurden, vor der Leibesunterfuchung das gefährliche Papier rasch hinunterschlangen.

der Seine. . v _ . ., M

Es sind Köpfe dabei, die, wie der Heinrichs 11. von Frankreich, die furchtbare Agonie eines grauen­vollen Todes, überlichtet von einer schmerzlichen Erlösung, zeigen. Köpfe, wie Heinrichs IV. von Frankreich, eines zualeich skeptischen wie lebens­bejahenden typischen Kavaliers des 16. Jahrhunderts, Kopfe, wie das tote Greifengesicht Gottfried Scha- dows oder das völlig verhängte Walter Scotts. Die beiden herrlichsten Köpfe von allen: das Ge­fickt Friedrichs des Großen voll unnahbarster und überlegenster Majestät des Todes und der Kopf Na­poleons. Das zugleich tiefste und zarteste Geheim­nis des Todes aber schwebt in dem undurchdring­lichen Lächeln der Unbekannten aus der Seine, deren Namen niemand weiß, deren Schicksal nie­mand kennt. Es ist der einzige Kopf welcher den ,Tod in der Jugend" zeigt, den Tod als Freund und Geliebten, als Beglücker und Befreier. Von einer unerhörten Dämonie des wie ein Sturmwind hinfahrenden Genies und Willens zur Macht ist die Maske Friedrich Nietzsches.

Es gibt große Ueberrafchungen: Bertel Thor- waldsen, der Bildhauer, sieht aus wie ein römischer Schlemmerkaiser, satt und wohlwollend aus Laune. Der Kops des wahnsinnigen Lenau atmet unerschüt­terlichste Ruhe. Das Gesicht Georg Wilhelm Fried­rich Hegels erscheint wie eine aus Urtiefen auftau­chende Idee. Lorenzo Medici, der Liebhaber der Kunst und der Wissenschaft, der auf Fnede und Wohlergehen Bedachte, der Verneiner des Soldaten­handwerkes und der Kriegführung, sieht aus wie ein urwäldlicher, brutaler, von jeder Vergewaltigung gezeichneter Zermalmer, fast einer fremden Rasse der Vernichtung zugehörig.

Im Laufe der Zeiten fiel dann aber der Artikel fast völlig fort, fo daß auch Hans der Lange ein­fach Hans Lange wurde.

Bezeichnete ein derartiger Name feinen Träger trefflich, fo stimmte die Charakterisierung bei den Nachkommen, auf die er überging, meist nicht mehr. Die Beibehaltung diente dann lediglich nur noch praktischen Zwecken. Andere Familien nannten sich nach einem Tiere. Sie wollten sich aber keineswegs durch solche Namen mit dem Tiere identifizieren, sondern sich nur eine hervorragende Eigenschaft des Tieres beilegen. Wahrscheinlich aber sind der­artige Tiernamen, die als Familiennamen vorkom­men, einst bloße Hausnamen gewesen. Es war früher ein alter Brauch, daß man in den Städten, Häusern und auf dem Lande dem Hofe einen Namen verlieh. Die Stadt hatte nur wenige Häuser, fo daß die Bezeichnung nach Straßen und Nummern noch nicht erforderlich war. Man unterschied die Häuser deshalb mit Namen. Sie waren über dem Eingang an das Haus geschrieben, oder in einem Bilde im Stein festgehalten. Der Hausname übertrug sich später auf die Familie. Auf Wirtshausschildern und bei der Bezeichnung für eine Apotheke spielt der Hausname noch heute eine Rolle.

Namen, die dem Wohnsitz und der Herkunft ent­liehen sind, finden wir schon in älterer Zeit. Es ist jedoch zu bezweifeln, ob es sich hier um die früheste Form des Familiennamens handelt. Wer über Grundbesitz verfügte, nannte sich eben nack diesem. Bei Aenderung des Besitzes wurde auch meist der Name gewechselt und der des neuen Wohnortes angenommen. Es kann nicht für wahr­scheinlich gelten, daß es sich bei den uns überliefer­ten Familiennamen, die mit dem Wörtchenvon" geschmückt sind, um lauter Namen adeliger Fami­lien handelt. Auch bürgerliche Familien nannten sich mit dieser Präposition, da ja naturgemäß der Name eines Hofes allein nicht zur Namensbezeich­nung verwendet werden konnte. Erst im 17. Jahr­hundert verbreitete sich dann langsam die Vorstel­lung, daß dasvon" nur dem Adel zukommen dürfe. Allmählich sind deshalb auch die von bürger­lichen Familien verwendeten Präpsitionen von, zu, auf, in usw. weggefallen oder mit dem Namen verschmolzen worden (Vomberg, Imhof, Vonder- heid, Vondevsand).

Momentbild der Kundgebung in der Volkshalle. Don Unks nach rechts: Gauschulungsleiter und Gauinspekteur Professor Dr. Werner, stellvertretender Kreisleiter Hopsenmuller, Kreispropagandaleiter Schmelz. (Aufnahme: Photo-Pfaff, Gießen.)

Am Ende des Lebens liegt auf dem Totenbett eine von Schmerz und Freude, Not, Verzweiflung und Lust bis in die letzte Faser durchgeformte Ge­stalt, deren Antlitz die ganze Runengeschichte eines menschlichen Lebens trägt. Dieses Gesicht des Toten, kurz vor dem Zerfall, an der Grenze der Aus­lösung und der Rückgabe an die Natur, dieses Ge­sicht ist ein Dokument des Daseins überhaupt.

Der Abguß eines solchen Kopses enthält.Dinge, die nicht mehr auszusprechen sind. Es ist em Av- druck, den das Schicksal an der Grenze von Leben und Tod zurückläßt wie Siegel und Bestätigung.

Hier vereinigen sich äußerste.Sachlichkeit und tiefste Persönlichkeit zu einem einmaligen Jnviio menschlicher Seele.

Es ist das große Verdienst Ernst ®enfar s, eine Sammlung von 112 unzweifelbar echten Toten­masken vorgelegt zu haben.Das ewig l i tz". Die Anmerkungen zu ieder Maske sind gleich falls sehr wertvoll, ebenso wie der elf Kopfe um fassende Anhang, welcher die zweifelhaften.Maske enthält. Die zu Beginn gegebene Geschichte Ö Totenmaske bringt wohl zum er^enf n >>e5 knappe und zusammenhängende Darstellung Themas. Dabei ist es überraschend, ,feWtßߣ; daß der Abguß des Totengesichts Ursprung!ch woh nur panopti^en Zwecken öffentlicher Schaustellung gedient hat. Erst später wurde die Maske tn Der Erkenntnis der unmittelbaren Bedeutung an s ch °^e°"pfe,' die in diesem Werke wie Erscheinun­gen vor uns hintreten, sind äußerst mannigfaltig. Friedrick Schiller, Joseph Haydn, Moreau, Scharn­horst, Napoleon, Hegel^Beethoven, Puschkin.Hebbel, Uhland, Dostojewski, Monte, Friedrich der Große,

------------37TT7 , I Karl XII. von Schweden, Oliver Cromwell, Lenin, (TVr rtfa C*)rf)iumL Ium nur einige zu nennen, und von Frauen Alma

VJUflUf« I n Goethe, die Sängerin Malibran, die Königin

Von Kranz Gchauwecker, (510(5 I Luise, die Herzog ..s «IN«

° 9 Weimar, Charlotte Wolter und die Unbekannte aus

Major a. O. Kempff f.

Nach schwerer Krankheit ist am Sonntagabend im 61. Lebensjahre der Kgl. preuß. Major a. D. Otto Kempfs in Gießen verstorben. Der Verewigte, eine von vorbildlicher Liebe zu Volk, Vaterland und Heimat erfüllte Persönlichkeit, hat im Welt­krieg für das deutsche Vaterland mitgekämpft. In Gießen gliederte er sich schon vor einer Reihe von Jahren in die Kämpferreihen der NSDAP, ein, der er als Mitglied Nr. 85 580 angehörte, womit er zur alten Garde des Führers in unserer Stadt zu zählen ist. Major Kempfs hat sich allezeit als ein warmherziger Förderer der Gießener SA. erwiesen, der u. a. die erste Sturmsahne der Gießener SA. gestiftet hat, bit heute als die alte Traditionsfahne angesehen wird. Bis zuletzt gehörte Major Kempff der SA. an, und zwar diente er jetzt als Schar­führer im Sturm 3/R116 dem großen Werke des Führers mit vorbildlicher Hingabe. Auch hier wie­der offenbarte er feine beispielgebende Uneigen­nützigkeit und Opferbereitschaft dadurch, daß er dem Sturm 3 der Gießener SA.-Reserve die Sturmfahne stiftete. Der alte Kämpfer wird be-

Und wiederum: Blaise Pascal hat das Gesicht der strengen Logik, Beranger sieht aus wie er war: bürgerlicher Spötter. Breit und mystisch, rätselhaft durchfurcht und ttunken das Gesicht Fedor Michaj­lowitsch Dostojewskis. Feldherr und Denker: Hel- muth von Moltke. Behäbig und noch vergnüglich der Lustspieldichter Eduard von Bauernfeld. Instinkt und Bewußtheit künstlerischen Ranges im Kopf Hans von Marses.

Wiederum eine Ueberrafchung: das Gesicht Ri­chard Wagners erscheint ein wenig entblößt. Wir sehen durch dieses sonderbar hilflose Lächeln in einen Hintergrund, welcher uns Unsicherheit zu ver­raten scheint.

Völlig unähnlich der Herzog von Reichstadt, der Sohn Napoleons, fast mongolisch-mandschurisch. Sehr bäuerisch und erdhaft der Kopf Scharnhorsts. Wi­derwärtig, hinterhältig, intrigant das vom Tode verzerrte Gesicht Marats. Lessing beinahe unberührt, sehr sachlich. Friedrich Wilhelm I. von Preußen be­leibt, kräftig, selbstbewußt, Erzieher der Armee, manchmal mit dem Knüppel. Peter der Große: her­risch wie ein genialer Feldwebel, brutal wie ein Stockmeister und zugleich aufgezwirbelt wie ein Bauernkavalier.

Das Buch gehört zu den wenigen Werken, denen man allerweiteste Verbreitung wünschen muß. Aus­stattung und Einband sind entsprechend.

Kundgebung der NSDAP, am vorigen Sonntag. Auf der Bühne in der Mitte der Gauschulungsleiter bei seiner Rede. (Aufnahme: Photo-Pfaff, Gießen.)