Nr. 55 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhesien)____________Dienstag, ö.Mrz MH
Emael den Kopf des Lanaye-Abfchnittes
deckt,
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durch den der Kanal führt. Dieses Fort sichert den Kanal in der ganzen Länge der holländischen Grenze, aber es deckt auch die Viss-Brücke und das Mouland-Gebiet. Auf diesen Ausbau haben die belgischen Generalstäbler um so größeren Wert gelegt, als hier im Krieg 1914 bis 1918 schwache Punkte in der belgischen Verteidigungsbasis zu
Und weil er ohne Angehörige gelebt Hütte, erschien alsbald die Gerichtskommission, um den Nachlaßbestand aufzunehmen, Bargeld zu verwahren und die Wohnung zu versiegeln.
Bei solcher Verrichtung sind Manschetten unbequem. Der Gerichtsschreiber Birngruber entledigte sich daher seiner Röllchen und stellte sie auf den verwaisten Schreibtisch.
Hier erblickte sie eine der die Wohnung schwermutvoll durchstreifenden Damen. Und sie blieb stehen.
Wie unmittelbar doch unter dem Schreibzeug und den Lichtbildern, neben dem noch aufgeschlagenen Buch diese Manschetten zum Herzen sprachen! Mit ihren Rändchen, ihren chronisch anmutenden Rändchen, wie es nun einmal der Linnenweiße so naturwahr nur der Gebrauch verleiht! Es war wie eine letzte Erdverbundenheit des Entschlafenen.
Verweilend sann ihr die Dame nach. Sann ihr nach mit der ganzen Melancholie eines schon höheren Semesters. Dann sah sie sich behutsam um, griff zu, barg wie einen köstlichen Talisman die Röllchen des Herrn Birngruber unter ihrem Umhang, an ihrer Brust, und verschwand.
Rach vollbrachter Amtshandlung wollte aber Herr Birngruber neuerdings sich mit den Röllchen schmücken. Da waren sie fort. Er suchte und fand sie nicht.
Er erklärte: „Ich weiß bestimmt: hier auf den Schreibtisch hab' ich sie hergelegt. Genau da her. Mitsamt den Knöpfen. Aber auch die sind weg!"
Welche Pedanterie! Was für eine Kleinlichkeit! Ja, hätte vielleicht die Dame, der es doch um ein höchst persönliches Andenken aus des Verlebten geschlossener Individualität heraus, um ein Erinnerungszeichen von unschätzbarem Affektionswert zu tun war, erst die Knöpfe loslösen und mit der Leinwand allein sich entfernen sollen? Herr Birngruber, dieses Verlangen wäre unbillig und wurde überdies der Frauenseele nicht gerecht, die gern aufs Ganze geht; ganz abgesehen davon, daß es, wie Sie selbst am besten wissen mußten, unechte, wert- und geschmacklose, einen Goldkäfer' kitschig darstellende Knöpfe waren. Für Sie, Herr Birngruber, der Sie noch rüstig im Erwerbsleben Ihren Mann stellen, eine Bagatelle; für die Dame hingegen, der von allen Lebenswerten nur die Resignation verbleibt, ein nie versiegender Quell bittersüßer Erinnerung.
So ehrt denn die Dame auch heute noch den so glücklich erhaschten Hemdärmelfortsatz als ihren teuersten Besitz und birgt ihn hinter' Schloß und Riegel vor den Augen neidischer Freundinnen.
Es schüttelt aber andererseits auch heute noch verständnislos das Haupt Herr Anton Birngruber, so oft er auf jenen Todesfall zu sprechen kommt und
Belgiens „panama"-Kanal
Ein strategisches und wirtschaftliches Riesenwerk soll Lüttich mit Antwerpen verbinden.
Von unserem k.-Äerichterstatter.
folgungswahnsinn „nach dem Osten" aufbringen
Es gibt in bezug auf diesen strategischen Kanal auch noch eine „dritte Seite". Sie bezieht sich auf Holland direkt und erwächst aus der Tatsache, daß die belgische Flußschiffahrt durch den neuen Kanal, dessen Fertigstellung im Jahre 1937, falls keine ernstlichen Störungen auftreten, garantiert sein soll, von der Notwendigkeit entbunden wird, holländisches Gebiet zu passieren, um Antwerpen zu erreichen vom Maasbassin aus. Das nimmt Holland einige Einflußnahme und Kontrolle des belgischen Handels, der hier passierte. Für Belgien aber bedeutet die angeführte Tatsache eine Steigerung der wirtschaftlichen und — der politischen Unabhängigkeit.
Es kommt in der Geschichte öfters vor, daß große «nach Deutschland eingeführt worden war, beschrankte sich seine Kenntnis zunächst auch wieder nur auf den engen Kreis der gelehrten Rechenmeister. Wenn später Adam Riese, von dessen "Leben noch die Rede sein soll, vom Volk vielfach als der erste
stellt dazu immer noch fest, in leise nachklingendem Schmerz: „Es wird ewig ein Geheimnis bleiben, wo meine Manschetten mitsamt den Knöpfen damals hingekommen sind!"
Sähe er jedoch, wie jene Dame von Zeit zu Zeit in einsamen Stunden ihren Schatz ans Tageslicht hervorholt, ihn vor sich aufbaut und liebevoll ihn mit zarten, hingebenden Gedanken umspinnt, er wäre stolz auf eine Huldigung, wie sie den Röllchen eines einfachen Gerichtsschreibers niemals zuteil geworden ist.
Eine Mumien-Operaiion.
Die Mumie Ra-Nofers, die 1891/92 bei der Pyramide von Snefru ausqegraben wurde, war seit langem die Sorge der Aegyptologen, denn das kostbare Fundstück aus der Zeit um ungefähr 3000 v. Ehr., die älteste Mumie der Welt, war in fast allen Teilen ernsthaft beschädigt. Jetzt ist sie im Laboratorium des Britischen Museums einer kunstgerechten Operation unterzogen worden, so daß man auf eine Langlebigkeit hofft, die sich zumindest mit der Zeitspanne messen kann, die seit der Mumifizierung verstrichen ist. Die Mumie hatte ein gebrochenes Genick, Brüche beider Schlüsselbeine, Beschädigungen an beiden Armen, an einem Bein und am unteren Teil des Rückgrats; außerdem waren fast sämtliche Rippen gebrochen. „Es war eine der schwierigsten Aufgaben, vor die ich jemals gestellt worden bin", erzählte der Leiter der Arbeiten, „die Gebeine waren so spröde und zerbrechlich, daß es kaum möglich war, sie anzufassen, ohne das ganze Skelett zu zerstören." Eine Rippe, die vermißt wurde, ist übrigens durch eine künstliche ersetzt worden. Im Ganzen mußten mehr als 30 Brüche ausgebessert werden."
Sochschulnackricktten.
Der Privatdozent an der Technischen Hochschule in D a r m st a d t Dr.-Jng. Karl Lieser wurde zum Kanzler ernannt. Die feierliche Verpflichtung nahm Ministerialrat Ringshausen im Beisein des Rektors vor. Mit dieser Ernennung findet ein langgehegter Wunsch der Darmstädter Studentenschaft seine Erfüllung.
Der bekannte Freiburger Philosoph Professor Dr. Edmund Husserl hat einen Ruf an die Uni- versity of Southern California in Los Angeles erhalten.
Der ao. Professor Dr. Johannes Stein. Oberarzt an der Medizinischen Klinik der Universität Heidelberg, wurde zum Ordinarius und zum Direktor der Heidelberger Medizinischen Klinik ernannt.
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Rechenmeister überhaupt gefeiert wurde, oder man ihm gar die Erfindung des Rechnens zuschrieb, so wird das verständlich, wenn man bedenkt, daß er es war, der diese Kunst als Erster der Volksgemeinschaft nahebrachte. Schöner konnte sich die Dankbarkeit der durch das neue Wissen Bereicherten nicht zeigen, als in dem zum Sprichwort gewordenen Ausdruck „nach Adam Riefe", der als ein unsterbliches Denkmal des großen Meisters, sich von Generation zu Generation forterbte.
Adam Riese wurde 1492 zu Staffelstein in Franken geboren, über seinen Lebenslauf sind nur wenige Nachrichten erhalten. Als junger Mann war er vier Jahre lang in der Eigenschaft als Rechenmeister in Erfurt tätig. Dann siedelte er nach der Stadt Annaberg im sächsischen Erzgebirge über, die damals infolge des Aufblühens des dortigen Bergwesens einen großen Aufschwung erlebte. Die R e ch e n s ch u l e, die er hier ins Leben rief, erfreute sich bald eines guten Rufes und machte seinen Namen weit und breit bekannt. Im Jahre 1528 ernannte ihn Herzog Georg von Sachsen zum Rezeß-Schreiber bei den Annaberger Bergwerken, aus welcher Stellung er bald zum Amt des Gegenschreibers aufrückte. In dieser Eigenschaft verblieb er bis zu seinem Tode in seiner zweiten Heimat. Er starb im Alter von 67 Jahren, sein Todestag jährt sich am 30. März zum 375. Male. Mehr noch als durch die Lehrtätigkeit an seiner Rechenschule hat Adam Riese durch seine weitverbreiteten Schriften für die Einführung des Rechnens in Deutschland gewirkt. Seine Bücher, die in der Folgezeit auch im Rechenunterricht der Schulen Verwendung fanden, haben erst das allgemeine Interesse für die so wichtige und praktische Kunst zu erwecken vermocht. Als ein Kuriosum dürfte es angesehen werden, daß der große Rechenmeister 1536 in Annaberg die Brotordnung schuf, eine Tabelle, die fast allgemein zur amtlichen Grundlage für den Berkaus von Backwaren gemacht wurde und deren Formulierung so zweckentsprechend war, daß sie sich bis ins 19. Jahrhundert erhielt. Die Stadt Annaberg errichtete im Jahre 1893 ihrem einstigen großen Bürger zu Ehren anläßlich seines 400. Geburtstages ein Denkmal, das nach einem zeitgenösischen Holzschnitt, der sich in einem der Rechenbücher Adam Rieses fand, geschaffen wurde.
„Rach Adam Riese.
Der Rechenmeister des deutschen Volkes.
Von H. W. Ludwig.
„Der Tunnel."
Lichtspielhaus.
„Der Tunnel", eine Vandor-Produktion der Bayerischen Filmgesellschaft m. b. H., wurde aus Grund eines Manuskriptes von Kurt Bernhardt und Reinhart Stein dicker nach dem bekannten Roman von Bernhard Keller mann gedreht. Er gehört in eine Reihe mit Filmen wie „Metropolis", „Frau im Mond" und „F. P. 1 antwortet nicht". Sein Thema ist eine technische Utopie großen Stiles: die Verbindung der alten und der neuen Welt durch einen riesigen Tunnel unter dem Meereskunde. Es ist hier nicht die Frage und kann nicht unsere Aufgabe sein, zu entscheiden, ob em derartiges Projekt in seinen politischen, wirtschaftlichen und vor allem technischen Voraussetzungen jemals verwirklicht werden kann. Sondern es gondelt sich hier nur um die Frage, wie die Fabel mit ben teln des Films bewälttgt worden ist. Man wird zugeben müssen, daß dies auf eine groß
zügige und imponierende Weise geschehen ist. Bearbeiter, Drehbuchverfasser und Regisseur, waren klug genug, um ei nzu sehen, daß die rem technische Seite des Problems, so reizvoll sie vom Blickpunk des Kameramannes und des Spielleiters aus. e- scheinen mußte, und so sehr sie dem
Denken unserer Zeit entgegenkommt, doch wohl allein für einen nachdrücklichen Er olg mcht ausg reicht haben würde: schon ein Bück auf d.e oben angesührten früheren Filmdramen d>e,-r Gattung mußte derartige Ueberlegungen b-gunstlger Das technische Projekt konnte nur in eine Splelhand lung eingebaut und in diesem Zusammenhang sich bar gemacht werden. Der Film gestaltet also nicht bloß die Durchführung des phantastischen Plan . sondern er gliedert die handelnden Personen m Spieler und Gegenspieler, die "bcktert kur uno wider die Verwirklichung der Nee und inity gegeneinander kämpfen. Neben der techn^chen Seck des Problems wird die weltwirtschaftliche uns oie soziale Bedeutung des Projektes ang°d°utetund besonders gegen Ende Hin, «»ch -'N allgeme n menschliches Motiv angeschlagen^das J« aus der Entwicklung der Fabel ergibt. Auf deje Art g- winnt der Film feine starken dramatischen >ner qien. Die Gestaltung einer Naturkatastrophe m der ESk di- Auswirkungen der Gegenaktion Mit drohendem Streik der ringen Belegschaft und e uer von furchtbaren Folgen begleiteten Werksabotage find entschieden die Brennpunkte der filmischen G - Haltung. Der Regisseur Kurt Bernhardt arbeitet mit erheblichen und sicher verwalteten Mit-
Schöpfer fragt.
Wer von uns im Kopfrechnen-schwach war, hat wohl schon in der Schule manches Mal, wenn hje Lösung der Rechenaufgabe nicht stimmte, vom Lehrer spöttisch lächelnd die Redensart zu hören bekommen: „Nach Adam Riese" kommt soundsoviel heraus. Man konnte sich dabei zwar nicht viel denken, aber man ahnte, daß der genannte Adam Riese wohl ein sehr guter Rechner gewesen sein müsse. Später wandte man dann selbst diese Redewendung bei jeder passenden Gelegenheit an, ohne ihrem tieferen Sinn nachzuforschen. Wollte jemand heute eine Rundfrage an alle Zeitgenossen, die gute Rechner sind, ergehen lassen, wer Adam Riese eigentlich war, so würden die Antworten aller Voraussicht nach wenig befriedigend ausfallen.
Wenn wir die Verdienste, die sich der Rechenmeister Adam Riese um unser Vaterland erworben hat, richtig würdigen wollen, müssen wir uns in die Zeit seines Wirkens zurückversetzen. Unsere heute gebräuchliche Rechenweise mit den arabischen Ziffern ist bekanntlich erst wenige Jahrhunderte alt. Jrn Mittelalter rechnete man bis ins 16. Jahrhundert hinein in Deutschland allgemein nach der seinerzeit von den Römern eingeführten Weise, bei der nicht Einer, Zehner, Hunderter, Tausender usw., sondern die 50 und die 500 die grundlegenden Rechengrößen waren. Zum Errechnen einfacherer Aufgaben bediente man sich der fünf Finger und der zwei Hände, während man für schwierigere Lösungen auf das Hilfsmittel des sogenannten Abacus angewiesen war, ein Fächer- oder Linienbrett, auf dem zur Feststellung des Resultates Zählpfennige umständlich mit den Fingern hin- und hergeschoben werden mußten. Da zu dieser Tätigkeit viel Geschick und Hebung gehörte, blieb sie den weiten Volkskreisen verschlössen und wurde nur von den Rechenmeistern ausgeübt, die ihres geheimnisvollen Tuns wegen als Hexenmeister galten.
Obwohl das im Vergleich zur römischen Rechen- Iweise bedeutend einfachere arabische Ziffernlund Rechensyste m bereits im 15. Jahrhundert
Es kommt in der Geschichte öfters vor, daß große i Männer durch einen Kranz von Legenden, der sich um ihre Gestalt gebildet hat, im Laufe der Jahrhunderte zu wirklichkeitsfremden Begriffen werden, so daß schließlich ein großer Teil der Nachwelt nur noch ihre Namen kennt, ohne zu glauben, daß ihre Träger jemals Menschen von Fleisch und Blut gewesen sind. Hinzu kommt noch die Tatsache, daß wenn die Werke längst verstorbener genialer Geister erst einmal zum selbstverständlichen Allgemeingut geworden sind, niemand mehr nach ihrem
Sreipläfcc für die Mütter kinderreicher Familien im Landestheater.
LPD. Darmstadt, 5, März. Das Staatspresseamt teilt mit: Die nunmehr fertiggestellten Eintragungsliften weisen weit über 1500 Müt- t e r mit mehr als drei Kindern aus allen Kreisen unserer Volksgemeinschaft auf, ein schöner Beweis für die begeisterte Aufnahme, die der hochherzige Entschluß des Herrn Staatsministers in der Darmstädter Bevölkerung fand. Die Durchführung geschieht nun so, daß zunächst allen diesen 1500 Müttern je eine Karte ausgehändigt wird, auf der eine fortlaufende Nummer von 1 bis 1500 aufgedruckt ist. Genau wie bei den Mieten wird von nun an im Spielplan angegeben werden, welche Nummern an bestimmten Abenden einen Frei- platz erhalten.
Nach der Winterhilfe die neue Arbeitsschlacht!
Kämpfer der Ratton!
die ihr in jahrelangem Kampf um das tägliche Brot an Erfahrungen reich geworden seid, stellt euch in den Kampf um Arbeit für unsere arbeitslosen Volksgenossen!
Arbeiter der Stirn und der Faust!
Ihr habt euch ganz gewiß schon sehr oft Gedanken darüber gemacht, wie der Arbeitslosenpeft zu Leide gerückt werden kann.
Jeder gute Gedanke, der sich in die Tat Umsetzen läßt, muß verwirklicht werden, das letztmögliche muß geschehen. Macht brauchbare Vorschläge und gebt sie umgehend an das in unserem Gau bestehende Kontrollamt für Arbeitsbeschaffung, das alle Vorschläge prüft, um sie einzureihen in das Arbeitsbeschaffungsprogramm.
Der Vorschlag muß enthalten:
Stichwort über den Inhalt;
50 Zeilen Schreibmaschinentext; Genaue Anschrift des Einsenders.
Kontrollamt für Arbeitsbeschaffung.
Kranzspenden mit Schleifen in den Neichsfarben.
Die Ministerialabteilung für Bildungswesen, Kultus, Kunst und Volkstum bringt in einem Erlaß an die unterstellten Behörden die nachstehende Verfügung des Reichsministers des Innern zur Kenntnis:
Nach einem Rundschreiben vom 25. Januar 1929 : — 14010/17.1. — mitgeteilten Beschluß des Reichs- ' kabinetts, find Kranzspenden der Reichsbehörden [ und Reichsstellen zu Ehren verstorbener Beamten, ' Angestellten und Arbeiter oder in Erfüllung fonfti- 1 ger repräsentativer Pflichten mit einer Schleife in ■ den Reichsfarben zu versehen. Um etwa bestehende ’ Zweifel über die Farbe der Kranzschleife zu be= ! fettigen und ein einheitliches Verfahren in der 1 Reichsverwaltung herbeizuführen, bitte ich, die 1 Kranzschleifen bis zur endgültigen Regelung der 1 Reichsfarben so zu gestalten, daß der eine Teil der ! Schleife drei gleich breite Längs st reifen 1 in den Farben schwarz-weiß-rot trägt, der ' andere Teil der Hakenkreuzflagge entsprechend in roter Farbe gehalten ist uno in der 1 Mitte das Hakenkreuz im weißen Feld zeigt. Ich bitte, für Ihren Geschäftsbereich das Entsprechende zu veranlassen.
Neichsstatthalter Gauleiter Sprenger in Bad Ems.
LPD. Bad Ems, 5. März. Reichsstatthalter Gauleiter Sprenger stattete dieser Tage der Stadt Bad Ems einen kurzen Besuch ab. Er betätigte zunächst die vor 14 Tagen aufgenommenen Quellenbohrungen und nahm mit Interesse von dem Fortgang der Arbeiten Kenntnis. Gleichzeitig nahm er Gelegenheit, im Krankenhaus „Diakonissenheim" einen alten Parteigenossen, den Schreinermeister Georg K r e i d e l aus dem benachbarten Nassau, zu besuchen, der seit mehreren Wochen krank barnieberliegt. Etwa eine halbe Stunde weilte der Reichsstatthalter bei seinem ehemaligen Mitkämpfer.
Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! '
Brüssel, Januar 1934. \
Baqgermaschinen, Kettenwagen, Hunderte von । Arbeitern an Zementbecken, prustende Arbeiterklein- ' bahnen, tiefe Ausschachtungen — das sind die ersten i Eindrücke, die man zwischen Lüttich und Sanne am großen Kanalbau gewinnt. Man baut einen Kanal, irgend einen Kanal, den man schon im voraus Albert-Kanal taufte. Dieser Bau, der in vier Jahren vollendet sein wird, hat eine außerordentliche Bedeutusig für Belgien, vielleicht für ganz Europa, er wird Lüttich mit Antwerpen direkt verknüpfen. Als Verkehrsweg also eine Lücke füllen und strategisch den Generalstäblern Belgiens eine neue Wehr in die Hand geben. Wenn im kommenden Sommer der erste Abschnitt Lüttich—Canne der Oeffentlichkeit übergeben wird, dürfte man in den offiziellen Reden nur sehr wenig auf diese strategische Seite eingehen. Denn zu einer guten Strategie gehört, daß man wenig über sie spricht.
Im Jahre 1930 begann man auf eindringliches Betreiben der Strategen mit dem Bau. Man bewilligte im Handumdrehen die 300 Millionen Mark, die zu dem Bau benötigt werden und startete so das größte öffentliche Arbeitsprogramm, das in Belgien jemals begonnen wurde. Man nahm damit der seinerzeit unangenehm werdenden Arbeitslosigkeit in Belgien ein gutes Teil der krassesten Folgen. Eine stattliche Anzahl Arbeiter wurden herangezogen. Man brauchte Maschinen und Menschen, galt es doch, 30 Millionen Kubikmeter Erde zu bewegen. Sechs Riesenschleusen, 12 große Brücken, Dämme, Uferausbauten — das sind einige der notwendigen Bauten, die in dem Riesenprogramm stehen.
Kürzlich sagte ein belgischer Politiker: „Dieser Kanal ist Belgiens Panama-Kanal". Er stutzte einen Augenblick bei des Wortes zweifacher und im zweiten Sinne unangenehmer Bedeutung und fuhr dann fort: „Der Panama-Kanal verbindet den Atlantik mit dem Pazifik. Hier wird die Maas mit d e r Schelde verbunden. Das sind Belgiens wichtigste Wasserwege und Lebensadern." Es ist kein Zweifel, daß die Pläne, die die Politiker, die den Bau durchsetzen, ebenso viel Hintergrund haben, wie die Ideen der Wirtschaftler, die sich da in Gedankengänge hineinträumen, die in Deutschland nicht ohne aufmerksames Interesse bleiben können. Der Albert-Kanal soll außer der Arbeitsbeschaffung für den Augenblick sich in ferner Zukunft auswirken. Die Berechnungen gehen bis in das Jahr 1960. Man schafft mit dem Kanal eine billige Verbindung zwischen den neu entdeckten, sehr reichen Kohlenfeldern von Campine und den hauptsächlichsten Konsumenten. Ferner wird eine direkte Verbindung hergestellt zwischen dem Hafen von Antwerpen und der Lütticher Metall-, Zement- und Kurzwaren-Jndustrie. „Wir machen in 25 bis 30 Jahren aus dem bisher trostlosen und öden Campine ein Industriezentrum, durch das das Ruhrgebiet kaltge stellt und übertrumpft wird!" sagte einer der bel- gi chen Wirtschaftler, die sich mit ihrer ganzen Kraft für das Projekt des Albert-Kanals einsetzten.
Doch nun zu der anderen Seite, zu der indirekten Bedeutung des Kanals, über die man nicht so deutlich und direkt spricht. Jeder Wasserweg ist ein strategisches Hemmnis, das man in Rechnung setzen kann. Der Kanal ist, wenn er vollendet ist, eine absolute Barriere gegen einen „Einfall von Osten , wie die Generalstäbler Belgiens sich immer ausdrückten. Die Verteidigung des Kanals wird umso leichter möglich, als das neue, oft besprochene, in seiner Bedeutung schon berühmte Riesenfort Eben-
teln. Er schildert die Arbeit des Tunnelbaues sehr geschickt und einprägsam, und er versteh es, die Massen seiner Statisterie mit dramatischem Impuls — gerade an jenen Höhepunkten der Handlung - einzusetzen, llebrigens beweist er auch Sinn für die rein aufnahmetechnischen Möglichkeiten seines Drehbuches, in jenen Szenen nämlich, welche die Weltstadt Neuyork in Gestalt einer filmischen Vision dem Zuschauer vor Augen stellen. Für die beiden wichtigsten Gegenspieler hat die Regie eine ausgezeichnete Besetzung gefunden: Paul Hartmann als geistiger Urheber des Tunnelprojettes, Ingenieur Mac Allan; man kennt ihn aus einer ähnlichen Rolle in „F. P. 1 . Er ft>rmt das Wesensbild dieses Mannes aus tiefem Glauben an feine Idee und aus einer zähen, alle Widerstände überwindenden Energie; ernst, mannjid), be- herrlcht und überzeugend in jedem Wort. Ihm gegenüber Gustav Gründgen s, jetzt .Staatstheaterintendant in Berlin, erstaunlich vielseitige und immer interessante schauspielerifche Begabung; er gibt den gewissenlosen, kühl rechnenden Spekulanten, äußerlich und innerlich das vollkommene Gegenbild 'Mac Allans. Em neues Gesicht. Olly v o n F l i n t als Mary Allan, eine zarte, zärtliche und sehnsüchtige Frau. Ferner nennen wir Otto Wernicke, Attila Hörbiger, jüngeren Bruder des berühmteren Paul, Max S ch r e ck und Ferdinand Marian. — Der Film läuft feit gestern tm L i ch ts p i e lh a u s; er war bisher allenthalben em großer Erfolg und dürfte auch bei uns ferne Anziehungskraft nicht verfehlen. —r—"
Ewiges Geheimnis.
Von Michael Kohlhaas.
Mein Freund, der Schriftsteller Plurian, Junggeselle und Liebling der Frauen, war tot Schnell, wie er gelebt, war er dahingegangen. Mitten aus dem Leben heraus, ohne Krankheit und Todesahnen, tn unverblichener Jugendfrische, aber deshalb um so erschütternder für alle, die chn gekannt und seinen Geist und Humor, seine Stimme, seine Lebenslust, kurz, «anze Persönlichkeit geliebt und bewundert hat- einen in unserer Kleinstadt ließ die unglaubliche, unfaßbare Kunde unbewegt. Selbst jenen, die ihm nicht nähergestanden waren, kam das Ereignis wie ein Irrtum, ein Fehlgriff des Todes vor
Gleich auf das erste Gerücht hm hatten sich nach und nach eine Anzahl Damen, alte und junge, em- qefunben, den Verehrten, Gefeierten, Bewunderten, Geliebten ein letztes Mal in feiner trauten, mit erlesenem Geschmack eingerichteten Behausung zu sehen.
Belgien versichert, daß damit die oft sehr pein- _ lichen Kontraversen zwischen Brüssel und dem Haag,
suchen waren. Es ist den Belgiern nicht unange-1 die aus der Gebietsüberschneidung erwuchsen, für nehm, den Holländern versichern zu können, daß so immer beseitigt würden. Und deshalb wird der auch die niederländischen ^Grenzen gesichert seien, I Albert-Kanal, der Panama-Kanal von Belgien, obwohl Holland wenig Verständnis für den Ver-1 vorerst in des Wortes guter Bedeutung...


