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!Rosemarie,

!Rosemarie...

Roman von Käthe Metzner.

8. Fortsetzung. Nachdruck verboten!

Oft hatte sie sich in einsamen Nächten den alten Kopf zergrübelt und sich gefragt, ob es recht ge­wesen war, daß sie Doktor Wangenheim damals lo kalt abgewiesen hatte. Aber was hätte er ihr schon sagen sollen? Eine banale Entschuldigung viel­leicht, die war ja billig.

Nein, Tante Berta verzieh ihm nicht, daß er an jenem Abend nicht zu Rosemarie gekommen war und sie dadurch in die tiefste Verzweiflung ge­trieben hatte.

Zwei Jahre lag das alles zurück. Zwei lange Jahre... Wie schwer hatte sie das Alleinsein ge­tragen, wie bitter hatte sie Rosemaries sonniges, strahlendes Wesen vermißt!

Eigentlich wäre mal wieder ein Briefchen fällig!" sagte Tante Berta soeben leise, während ihre nimmermüden Hände durch schwarze raschelnde Seide glitten.

In der Schrreiderstube rasselten die Nähmaschinen ihrer beiden jungen Gehilfinnen, die von Frau Bergmanns Selbstgespräch nichts gehört hatten. In diesem Augenblick klingelte es.

Der Briefträger!" sagte lachend die flinke kleine Grete Wendt, die sofort an die Tür gelaufen war, und schwenkte ein feines zartrosa Briefchen.

Tante Berta lachte, als sie ihren heimlichen Wunsch so blitzhaft schnell erfüllt sah. Sonst nahm sie sich immer Zeit mit Rosemaries Briefchen, las sie oft erst nach dem Mittagessen in ruhiger Feier­stunde, aber heute, da sie so lange schon auf Post aewartet hatte, konnte die alte Dame ihre Ungeduld kaum zügeln. Schnell griff sie nach einer Schere und schon chatte sie den feinen Umschlag geöffnet.

Plötzlich zerriß ein freudiges Schluchzen das rasselnde Geräusch der Nähmaschinen. Die jungen Mädchen schauten verwundert auf. In den gütigen alten Augen ihrer Chefin standen große Tränen. Hatte sie oöse Nachricht bekommen? Die beiden waren erst nach Rosemaries plötzlichem Weggang hierher ?ekommen und hatten sie persönlich nicht mehr ge- annt. Aber aus Frau Bergmanns Erzählungen und den Photographien, die ihrey Briefchen oft­mals beilagen, stand ihnen Rosemarie schon längst sehr nahe, und das feine, schöne Mädchen, das ein­mal eine ganz große Künstlerin werden sollte, hatte ihre hellste Bewunderung.

Aber Frau Bergmann stillte schon die Erwartung: Denkt nur, sie hat es erreicht. Am Samstag tritt sie zum ersten Male in Vertretung einer plötzlich erkrankten Schauspielerin auf. ÖH, das Kind, das liebe Kind! Und sie bittet mich dringend,

dieser ersten Vorstellung belzuwohnen. Ich soll hier alles stehen und liegen lassen und nach Berlin kommen. Alles hier stehen und liegen lassen? Wie einfach sie sich das denkt! So leicht geht das doch nicht!"

Aber die jungen Mädchen waren Feuer und Flamme. Ach, gewiß ginge das schon. Es wär doch jetzt sowieso nicht so sehr viel zu tun, und allzu­lange bliebe doch Frau Bergmann nicht weg. Heute sei Donnerstag: wenn sie Freitagabend wegführe und Sonntagabend wieder hier sei, müßte es doch unbedingt gehen.

Mit einem kleinen, feinen Briefchen war plötzlich ein fremder Hauch, der Hauch aus einer anderen Welt, in die Stille der kleinen Schneiderstube ge­flattert, und er löste unter den einfachen, beschei­denen Menschen große Verwirrung aus.

Aber was zuerst unmöglich erschienen war, ge­lang. Frau Bergmann würde fahren.

Sechs Hände schafften mit einem Eifer, wie er sonst nur in der Hochsaison zu sehen war. Ein ge­borgter Fahrplan, in diesen Räumen ein unbe­kannter Gast, wurde genauestens studiert. Am beste war es, sie fuhr schon Freitag mittag. Wenn sie den D-Zug ab 14 Uhr benutzte, konnte sie um 17 Uhr in Berlin sein.

Und als Tante Berta dann wirklich um diese Zeit in ihrem schlichten dunklen Reisekleid im Zug saß, klopfte ihr Herz trotz aller Freude auf das Wiedersehen mit Rosemarie doch etwas zaghaft in Erwartung der großen, neuen, unbekannten Welt.

Die Wiedersehensfreude zwischen Tante und Nichte, war unbeschreiblich. Rosemarie war glücklich wie ein Kind. Sie schien selbst vergessen zu haben, daß sie heute abend ihr erstes Debüt gab.

Rührend war Rosemarie um die alte Dame besorgt.

Tante Berta staunte und staunte ...

Sie staunte über Rosemaries schöne, vornehme Erscheinung. Sie staunte über den Weltstadtverkehr. Sie staunte Über den eleganten großen Wagen, in den Rosemarie sie endlich glücklich verstaut hatte, und der nun mit leisem Summen geschickt durch den unheimlichen Betrieb hinausfuhr nach dem vornehmen Westen und dort vor einer großen Villa hielt.

Nachdem Tante Berta sich mit Rosemaries Hilfe etwas erfrischt hatte, ging es hinunter in das große Empfangszimmer, in dem Doktor Brunner (ie erwartete.

Tante Berta staunte noch immer aber zum ersten Male über sich selbst.

War es möglich, daß dieser vornehme alte Herr, der noch heute eine ganz ausgezeichnete Figur machte, sie mit so herzlicher Freundlichkeit behan­delte? Vor allem aber, daß sie selbst ihm so natür­lich und unbefangen antworten konnte, daß sie jede Bangigkeit verlor?

Belm ersten Blick in die offenen großen Augen Doktor Brunners wußte Tante Berta, daß sie hier einem Manne gegenübersaß, der trotz seiner be­deutenden Stellung die Schlichtheit des Empfin­dens nicht verloren hatte und von dem jedes ein­zelne Wort so aufzunehmen war, wie es ausge­sprochen wurde.

Nicht allzulange hielt sich Doktor Brunner bei seinem Gast und Rosemarie auf, dann verabschie­dete er sich herzlich und mit dem dringenden Wunsche von Tante Berta, sich in seinem Hause ja wie daheim zu fühlen und es an keiner Bequem­lichkeit fehlen zu lassen.

Rosemarie führte die Tante wieder auf ihr Zim­mer, und nachdem sie ein Stündchen geruht hatte, ging sie mit ihr durch das ganze große Haus, das Wohlstand und auserlesenen Geschmack atmete.

Auf leisen Sohlen ging Tante Berta an Rose­maries Seite über die schweren Teppiche, in denen der Fuß fast versank.

Daß sie so etwas noch einmal sehen konnte! Das waren ja Zimmer, wie sie die alte Frau nur manchmal im Kino auf der Leinwand erblickt hatte, wenn sie sich das selten genug einmal geleistet hatte.

Aber daß es wirklich Menschen gab, die so herr­liche Häuser bewohnten und darin aus und ein gingen wie sie daheim in ihrer kleinen Wohnung, das wollte ihr kaum in den Sinn.

Immer wieder blieb ihr Blick an Rosemarie hängen, die sich mit einer solchen Sicherheit zwischen diesen Dingen bewegte, als sei sie es niemals anders gewöhnt gewesen.

Und wieder dachte sie: Das hättest du alles ebenso haben können, armes Kind, denn dein Vater war ehr, sehr reich. Wohin das große Vermögen ge­wandert ist, das wird wohl ewig ein Geheimnis bleiben.

Nach dem ausgezeichneten Abendessen, das sie in dem wundervollen Speisezimmer eingenommen hatten, saßen Tante Berta und Rosemarie noch lange im Wintergarten des Brunnerschen Hauses beisammen. Sie knabberten gute süße Sachen llnd wurden beide nicht müde zu berichten, was sie in der langen Zeit ihrer Trennung erlebt hatten.

Die Blüten der fremdländischen Gewächse hauch­ten ihren exotischen Duft durch den Raum.

Tante Berta glaubte sich in eine Märchenwelt versetzt, mit Rosemarie als Prinzessin darin. Oh, wie würde sie ihren jungen Mädchen daheim viel zu erzählen haben! Das reichte für fange Winter­monate.

Ihre Augen wurden kleiner und kleiner und mit einem Male nickte sie ein.

Rosemarie hatte unbeirrt weiter erzählt; als sie aber sah, daß die Tante eingeschlafen war, lachte sie hellauf. Als die Tante sich erschrocken aufrichtete, schlug Rosemarie vor, sich zu Bett zu legen.

So herrlich weich das Bett auch war, das in Tante Bertas Zimmer stand, Schlaf konnten ihre erregten Nerven nicht finden.

Aber auch zwei andere schliefen in dieser Nacht wenig. Das waren Doktor Brunner und Rosemarie.

Morgen, morgen ist der Abend, der über Rose­maries Schicksal entscheiden wird!, dachte Doktor Brunner.

Gewiß, sie hat eine ganz ausgezeichnete Begabung verraten, aber wie sie aus die Zuschauer wirkt und ob die Spannung, die von der Masse ausstrahlt, auch sie, wie ihre Mutter, zu letzter Krafthingabe treibt, ist noch fraglich.

*

Für die Besucher des Großen Schauspielhauses gab es eine unangenehme Ueberraschung. Statt der ausgezeichneten Tinius würde heute abend in Vertretung eine kleine unbekannte Bergmann spielen.Bergmann!" Was schon Bergmann hieß, nachdem man die großegöttliche Bergmann" da- faals hier gehabt hatte!

Eigentlich eine Unverschämtheit von der Direk­tion, einem so ein junges Gemüse vorzusetzen!" sagte ein alter Theaterbesucher leise zu seinen Bekannten.

Er fand allseitig Beifall mit seinen Worten.

Aber schließlich war nichts daran zu ändern, und man saß in Erwartung der Dinge, die da kommen sollten.

Faust" mit einer unbekannten Rosemarie Berg­mann als Gretchen...? Na, man würde ja sehen!

Nur wenige wußten, daß Rosemarie Bergmann die Pflegetochter des Intendanten war, die in seinem Hause wieder den Namen ihres Vaters trug. Keiner aber ahnte, daß diekleine schöne Neuß, die im Hause von Doktor Brunner ein so be­neidenswertes Dasein führte, sich in aller Stille auf den Bühnenberuf vorbereitete.

Aber die Statisterie wußte Bescheid. Große Augen hatte es damals gegeben, als allmählich durchsickerte, wo die kleine bildschöne Statistin ge­blieben war.

Manche Blicke ehrgeiziger Mädchen waren seit dieser Zeit während der Proben hinaufgeflogen in die Loge desAlten" aber keiner hatte seither wieder das Glück geblüht wie Rosemarie, so schnell aus dem Gros desVolkes" herausgehoben zu werden.

Tante Berta hatte bereits in der Loge des In­tendanten Platz genommen. Gut sah sie aus in ihrem schwarzen, schmucklosen Seidenkleide. Wie ein silberner Schein legte sich ihr schlicht gekämmtes Haar um das liebe Gesicht.

Der Intendant hatte noch draußen zu tun. Tante Berta war froh, noch ein Weilchen in dem dämme­rigen Raum allein zu fein. So war sie doch allen neugierigen Blicken entzogen. Ach, wie wenig paßte doch ihre schlichte Einfachheit in diesen Glanz der vornehmen Welt!

Unaufhörlich wogten die Wellen einer angeneh­men Erregung durch das Theater.

(Fortsetzung folgt.)

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Montag, den 19. März 1934, vormittags 11 Uhr ouf der Geschäftsstelle der Staatsanwaltschaft, dahier, Altes Juftizgebäude, Erdgeschoß, Zimmer Nr. 9, niederzulegen.

Die Vergebung erfolgt unter den in Anlage A zu dem Ministerialerlaß vom 16. Juni 1893, das Ver- dingungswesen betreffend, enthaltenen allgemeinen und den von dem Unterzeichneten ausgestellten be­sonderen Bedingungen, welche auf der Geschäftsstelle eingesehen und gegen Erstattung der Schreibgebühren bezogen werden können.

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Mittwoch, den 14. d. M., nachmittags 5 Uhr, findet im Saale der WirtschaftZur Germania", dahier, die diesjährige

ordentliche Generalversammlung des Spar und Vorschußvereins ll Veuern e. G. m. b. s.

statt, wozu wir die Mitglieder hiermit einladen.

Tagesordnung:

1. Erstattung des Geschäftsberichts für 1933.

2. Vorlage der Rechnung pro 1933 und deren Ge-

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