Heue Bürgermeister in Oberhessen.
Das Personalamt der hessischen Staatsregierung gibt folgende Ernennungen zu Bürgermeistern in Qberhessen bekannt:
Kreis Gießen:
Wilhelm Kahl II. in Atten-Buseck;
Heinrich Groß in Annerod;
Ernst Keil in Burkhardsfelden;
Karl Knopper in Dorf-Güll;
Karl Heinrich Pitz in Lauter;
Ludwig Wagner in Lollar;
Georg Becker in Londorf;
Ludwig Kreiling in Mainzlar;
Eduard Fritz in Ober-Bessingen;
Wilhelm Launspach V. in Reiskirchen;
Karl Klos in Rödgen;
Wilhelm Reuter in Staufenberg;
Otto Zimmer III. in Billingen;
Ernst Trüller in Weickartshain;
Karl Euler in Wiefeck.
Kreis Lauterbach:
Karl Block in Frischborn;
Heinrich Josephat Dehn in Herbstein;
Johannes Schmier in Pfordt;
Otto Gutermuth II. in Ilbeshausen;
Friedrich Schmelz II. in Rieder-Moos;
Heinrich K o ch in Queck.
Hauptversammlung des Obstund Gartenbauvereins Gießen.
Der Obst- und Gartenbauoerein Gießen hielt am Sonntag bei zahlreichem Besuch seine diesjährige Hauptversammlung im Saale von Faulstich ab. Rach Erledigung geschäftlicher Mitteilungen führte der Vortragende, Garteninspektor R e n t s ch (Friedberg) zum angekündigten Thema „Vermehrter Steinobstbau im Garten" etwa folgendes aus:
Eine vermehrte Anpflanzung von Obst ist allgemein anzustreben. Sie ergibt sich schon aus der Tatsache, daß die letzte Obstbaumzählung eine beträchtliche Abnahme tragbarer Obstbäume gegen-
Alle sollen ihr tägliches Brot haben! Darum opfert für das Winterhilfswerk!
über der Zähluna von 1913 festgestellt hat. Dazu kommt der von Hahr zu Jahr wachsende Obstverbrauch der Bevölkerung. Wer darum aeeignetes Land besitzt, soll sich durch Fehlernten nicht beirren lassen, sondern soll pflanzen. Das gilt auch für den Garten. Da aber die meisten Gäter nur klein sind, was in vielen Fällen als ein Glück betrachtet werden kann, weil der kleine Garten am ehesten an die verfügbaren Arbeitskräfte anzugleichen ist, steht hier die Frage zur Entscheidung, ob vorwiegend Obst oder Gemüse angebaut werden soll. Beide Kulturen umfassen sonnenbedürftige Gewächse und schließen sich auf gleicher Fläche schon des hohen Rahrungs- bedarfs wegen gegenseitig aus. Rur bei weiser Beschränkung gelingt es, einen Mittelweg zu finden. Er besteht darin, daß man nur schwachwachsende Obstbäume anpflanzt, deren Früchte man auf den Märkten weniger gut als aus dem eignen Garten erhält, weil sie hier in geschützter Lage und vor Diebstahl gesichert, besser ausreifen können. Diese Voraussetzungen sind beim Steinobst vorhanden. Selbst die sonst zum mächtigen Baum sich auswachsende Süßkirsche läßt sich im beengten Raume des Hausgartens unterbringen, wenn man sie auf die Steinweichsel veredelt, anpflanzt. Es ist aber zu empfehlen, sich mit den nächsten Nachbarn über gleichzeitige Anpflanzung ihrerseits zu verständigen, weil bei einer Anzahl von Kirschbäumen der Ausfall durch die Vögel weniger groß ist. Noch vorteilhafter ist vermehrter Anbau von Sauerkirschen, die ebenfalls auf die Steinweichsel, Prunus Mahaleb, veredelt sein sollten. Als Ersatz für die immer mehr erkrankende Schattenmorelle wird Ludwigs Frühe, und da diese, wie alles Frühobst, zum Einmachen nichts taugt, die Königliche Amarelle empfohlen. Die obstarme Zeitspanne nach der Erdbeerernte läßt sich überbrücken durch die neuere Zwetschen^orte „Lützelsachsen". Die Frucht ist länglich, wie die der Haus- zwetsche, die weniger in den Garten, als auf das freie Feld gehört, reift aber 14 Tage vor der Bühler Frühzwetsche und zeichnet sich außerdem durch reiche Tragbarkeit aus. Die Ernte begint in der Regel Mitte Juli. Als weitere dankbare Sorten können gelten Zarpflaume, Königin Viktoria und Kirkespflaume. Don Mirabellen außerhalb der allbekannten großen von Ranzig zum Einmachen die Metzer und als sehr früh, aber nur für Rohgenuß die neuere Flotow. Ganz besondere Beachtung verdient die allgemeine Anpflanzung von Pfirsich als Busch und Spalierbaum, um auf diese Weise die im letzten Jahre auf 16 Millionen Mark gestiegene Einfuhr italienischer, dort unreif geernteter Pfirsich entbehrlich zu machen. Entgegen allen bisherigen Angaben gedeiht der Pfirsichbaum auch in freien, ungeschützten Lagen ausgezeichnet und reift, wenn man sich auf mittelfrühe Sorten beschränkt, seine köstlichen Früchte, die wertvoller sind als die Einfuhrware oder die Weinbergspfirsich vom trockenen Sandboden Rheinhessens. Don nebensächlicher Bedeutung sind Aprikosen, die besser an die warme Hauswand als formloses Spalier passen. Wer sie pfanzt, wähle kleinfrüchtige als die dauerhaftere und zum Einmachen geeignete Sorten.
Der mit reichem Beifall belohnte Vortrag löste eine lebhafte Aussprache aus, die schließlich zur Erörterung über allgemeine Obstbaufragen wurde und noch eine Fülle wertvoller Aufklärung und Ratschläge brachte.
Nach Prüfung der als richtig befundenen Rechnungslegung, die mit 500 Mark abschloß, wurde dem'Rechner Entlastung erteilt. Trotz der nicht günstigen Finanzlage — es mußte auf frühere Ersparnisse zurückgegriffen werden — wurde mitgeteilt, daß im Laufe des Jahres die Anschaffung einer weiteren Spritze und eines Süßmost-Apparates ermöglicht werden soll. Auch soll, wenn nicht ungünstige Verhältnisse eintreten, eine Gartenbau-Ausstellung stattfinden. Die übliche Gratisverlosung brachte für jedes Mitglied einen wertvollen Gewinn.
Bornotizen.
— Tageskalender f ü r Dienstag: Stadttheater, 20 bis 22.15 Uhr, „Das Konzert". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Großfürstin Alexan- dra". — Cafö Leib, 20 Uhr, Eröffnung der Luftschutzschule Gießen. — NS.-Frauenschaft Giehen- Süd, 20.15 Uhr, Hotel Hopfeld, Ortsgruvpenabend. — Kindergruppe Gießen-Nord, 14 Uhr, Jugendherberge Asterweg, Kinderstunde.
— Oberhessische Gesellschaft für Natur- und Heilkunde (Naturwissenschaftliche Abteilung). Eine Versammlung mit Vortrag von
Prof. Dingler findet am morgigen Mittwochabend statt. (Siehe heutige Anzeige^)
— Der Konsumverein Gießen hält am Donnerstag eine Mitgliederversammlung für die Mitglieder der Stadt ab. Rednerin ist Dr. phil. Emmy Wagner. (Siehe gestrige Anzeige.)
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** Kavallerieoerein e.V. Gießen. Am Sonntag fand — wie man uns berichtet — im Dereinslokal „Hessischer Hof" die diesjährige Hauptversammlung des Kavallerievereins statt. Etwa 80 Mitglieder waren anwesend. Der Vorsitzende, Kam. Hartmann, konnte sich seiner Arbeit als Führer des Vereins glatt entledigen, indem er die Ernennungen der Mitarbeiter im Vorstand wie im verflossenen Jahre beließ. In einer eindrucksvollen Rede ging Hartmann auf die politische Umwälzung unter der Führerschaft Adolf Hitlers ein und erwähnte, daß auch die Militärvereine für die Folge als ein Teil der „Braunen Armee" betrachtet wür
den. Kam. Den Hardt als Schriftfübrer gab den Jahresbericht bekannt und betonte anschließend noch die großen Verdienste des Dereinsführers, der vieles zur Größe und zum Ansehen des Vereins getan habe. Den Kassenbericht erstattete Kam. Rohrbach, der die Genehmigung der Versammlung fand. Nach Erledigung einiger interner Angelegenheiten und Dank an seine Mitarbeiter schloß der Führer Hartmann den geschäftlichen Teil. Im Beisein der Damen der Vereinsmitglieder ging man zum gemütlichen Teil über. Kam. Heyd leitete das Programm mit einem selbstoerfaßten Epos „Volk ohne Führer", das sich würdig neben den Prolog „Arbeit" vom gleichen Verfasser (bei der letzten Abendunterhaltung durch Kam. L a n d e f e l d vorgetragen) stellen kann. Kam. Hartmann gab dann noch eine Reihe von humoristischen Erzäh- lungen zum Besten. Zwischendurch erklangen frohe Weisen. Es war eine selten schöne Veranstaltung, getragen von vaterländischem Geist.
Deutschland braucht Kolonien!
Lichtbilder-Vortrag der Kolonialen Arbeitsgemeinschaft Gießen.
Die Vereinigung für koloniale Wiedergewinnung, der Frauenbund der Deutschen Kolonialgesellschaft und der Frauenverein vom Roten Kreuz für Deutsche über See — zur Kolonialen Arbeitsgemeinschaft in Gießen zusammengeschlossen — veranstalteten gestern abend in der Neuen Aula der Universität einen Kolonial-Lichtbildervortrag, der im Zeichen des Wortes Adolf Hitlers stand: „Deutschland braucht Kolonien genau so, wie irgendeine andere Macht!"
Die Veranstaltung war außerordentlich gut besucht und brachte den Teilnehmern eine Fülle des Wissenswerten. Im Namen der Kolonialen Arbeitsgemeinschaft begrüßte
Krau Hummel
die Teilnehmer, dankte für das Interesse und wies darauf hin, daß sich die Vereinigung die Aufgabe gestellt habe, den kolonialen Gedanken zu pflegen, das deutsche Volk vörzubereiten für den Tag, an dem der Führer zur Mitarbeit für den Wiedererwerb der Kolonien auffordere. Der koloniale Gedanke müsse gepflegt werden. Viele deutsche Menschen lebten draußen in der Welt unter den schwierigsten Verhältnissen. Die Deutschen im Ausland und über See bedürften dringend der Hilfe aus dem Mutterland. Es gelte hier vor allem eine große kulturelle Arbeit zu leisten. Jedermann müsse bereit sein zur Mitarbeit. Hierauf sprach
Generaldirektor Kemmner
von der Südwestafrikanischen Handelsgesellschaft „Viktoria" über das Thema „Wiederaufbau der deutschen Kolonialwirt s ch aft in K a m e r u n". Seinen Ausführungen sei folgendes entnommen: Am 28. Juni 1919 seien uns auf Grund des Versailler Diktats sämtliche Kolonien mit einem Federstrich genommen worden. Privatbesitz habe man gegen lächerliche Entschädigungen enteignet. Die Begründung für dieses Vorgehen der ehemaligen Feindmächte sei sehr fadenscheinig gewesen. Kamerun habe schon vor dem Kriege eine außerordentlich intensiv betriebene Farmwirtschaft aufzuweisen gehabt, die nach dem Kriege fast völlig verfallen sei.
Die Pflanzungen feien vernachlässigt, unzureichend verwaltet und schließlich zur Versteigerung ausgeboten worden, ohne daß Deutschland überhaupt gefragt worden sei.
Die erste Versteigerung sei ohne Erfolg gewesen, die zweite Versteigerung, die sich sehr dramatisch vollzogen und in London stattgefunden habe, habe insbesondere die Farmen am Kamerunberg wieder in deut che Hände gebracht. Der englische Verwalter der deutschen Pflanzungen habe die Enteignung der deut chen Kolonien durch England als eine Schande für eine Nation bezeichnet. In England sei gegen die Versteigerung zwar lebhaft Stimmung gemacht worden, von der englischen Regierung seien aber die deutschen Interessenten sehr zuvorkommend behandelt worden.
Das lasse allerdings nicht vergessen, daß es sich um geraubtes deutsches Land handelte, das man zurückkaufen mußte.
Im Jahre 1925 habe der Wiederaufbau des deutschen Besitzes beginnen können. Hier sei viel Arbeit zu leisten gewesen. Die Pflanzungen waren ver- buscht, die Aufbereitungsanlagen von den Kriegsschiffen der Engländer und Franzosen zerschossen gewesen, aber mit deutscher Gründlichkeit und Energie sei man ans Werk gegangen, und so seien wieder
Fabrikanlagen größten Ausmaßes entstanden, die in jedem einzelnen Teile, das betonte der Redner besonders, aus deutschem Material aufgeführt worden seien. Nur deutsche Maschinen gelangten zur Aufstellung. An Hand einiger sehr instruktiver Lichtbilder ließ der Vortragende erkennen, daß die deutsche Kolonialwirtschaft nicht etwas ist, über das man im Mutterlande mit einer Handbewegung hinweggehen könne. In seinen weiteren Ausführungen schilderte der Redner die Entwicklung der deutschen Kolonialwirtschaft am Kamerunberg während 30 Jahren des Bestehens in Wort und Bild und zeigte schließlich die gegenwärtigen Anlagen, die riesigen Aufbereitungshallen für Oel, Kakao, Kautschuk; die Bahn der Pflanzung, die Elektrizitätswerke im Urwald, die Wohnungen der in der Pflanzung beschäftigten Deutschen und die sozialen und hygieni- scheu Einrichtungen für die Eingeborenen.
Sodann wandte sich der Vortragende einigen rein wirtschaftlichen Fragen zu. Er schilderte die Aus- Wirkung des katastrophalen Preissturzes für die Rohprodukte auf dem Weltmarkt, das Ausmaß der Ueberproduktion, die Erschwerungen für den deutschen Farmer hinsichtlich der Ausfuhr, und die Versuche, der Krise durch den Anbau von Bananen usw. zu begegnen. Es seien bereits vier Kühlschiffe für den Transport von deutschen Bananen gebaut worden, deren erstes vor dem Kriege erstellt worden sei, dann aber zum Hilfskreuzer umgebaut wurde, um schließlich unter Graf Dohna als „Möve" Kriegsdienst zu leiften. Im nächsten Jahre soll bereits ein fünfter Kühldampfer vom Stapel laufen.
Die deutsche Hausfrau solle, wenn sie die deutsche Kolonialwirtschaft unterstützen wolle, nur deutsche Bananen, nur aus deutschem Kakao gefertigte Schokolade kaufen. Allerdings bedürfe es in dieser Hinsicht noch der besonderen Kenntlichmachung des deutschen Erzeugnisses.
Die Arbeit, die von deutschen, eifrigen und pflichttreuen Beamten in der deutschen Kolonialwirtscbaft geleistet werde, gelte nicht zuletzt dem deutschen Ansehen und der Zukunft des Vaterlandes. In keiner englischen oder französischen Pflanzung werde so gearbeitet, wie in der deutschen. In den deutschen Pflanzungen sei kein einziger Ausländer beschäftigt. Zum Schlüsse seiner interessanten Ausführungen begründete der Redner in zusammenfassender Betrachtung die Notwendigkeit des deutschen Kolonialbesitzes, wies auf die Notwendigkeit der Gewinnung von Siedlungsland für das deutsche Volk ohne Raum hin und betonte, daß die Kolonien vom wirtschaftlichen Gesichtspunkt aus betrachtet gleichbedeutend seien mit
Arbeit, Brot und Wohlstand des Vaterlandes.
Deutschlands Wille fei in dem Führer Adolf Hitler verkörpert. Wenn der Kanzler sich um die Kolonien bemühen werde, müsse er getragen sein von dem Willen des ganzen deutschen Volkes, ganz Deutschland müsse die Wiederherstellung seiner kolonialen Ehre, die Rückgabe des Kolonialbesitzes verlangen und dann werde eines Tages auch das Ziel erreicht werden. (Lebhafter anhaltender Beifall!)
Im Anschluß an den Vortrag wurde noch ein dreiaktiger Film der Südwestafnkanischen Handelsgesellschaft „Viktoria" gezeigt, der in vielen interessanten Bildern die Worte des Redners veranschaulichte und nicht nur einen Einblick in die deutsche Kolonialwirtschaft, sondern auch in das völkische Leben der Eingeborenen Kameruns gestattete.
Die evangelische Kirche und das Auslandsdeuischium.
Für den gestrigen Abend hatte der Volksbund für das Deutschtum im Ausland (VDA.) zu einem Vortragsabend im Studentenhaus eingeladen. Nach kurzer Begrüßung durch den Vorsitzenden Pros. Dr. Mayer sprach Pfarrer D Geißler- Leipzig, der Generalsekretär des Gustav-Adolf-Vereins über das in der Überschrift bezeichnete Thema. Diese Fragestellung „Die evangelische Kirche und das Auslandsdeutschtum" ist ein Ausschnitt aus dem größeren Komplex „Die evangelische Kirche und das deutsche Volk", oder den noch größeren „Das Christentum und das deutsche Volk", begründet im doppelseelischen Wesen des Menschen, nämlich der Gebundenheit an Gott und an Boden, Zeit, Menschen usw. Es sind alles konzentrische Kreise um den einen Mittelpunkt „Mensch", in dem sich diese Spannung auswirkt. Die Frage „Christentum und deutsches Volk" werde heute leidenschaftlich erörtert mit der Behauptung, daß das Christentum für das deutsche Volk artfremd sei und man deshalb wieder auf das vorchristliche Glaubensgut des deutschen Volkes 3urücfgreifen müsse, wenn das Volkstum zur vollen Entfaltung kommen solle. Demgegenüber betonte . ,?edner, daß die deutsche Vvlkwerdung nicht ein jüngstes Datum fei, sondern schon durch Jahrtausende gehe. Schon seit Karl dem Großen könne man von einem deutschen Volk reden, seit dem gibt es ja auch das Wort „deutsch". Das Werden eines Volkes ist aber nie durch äußere Dinge allein be= otngt, sondern durch seelische Vorgänge. So sei auch das deutsche Volk erst mit feiner Christianisierung geworden. Zum Wesen eines Volkes gehört das Vor- hanoenselN einer Gemeinsprache, ohne diese ist ein Volk nur eine künstliche, unnatürliche Existenz (siehe Jugoslawien, Tschechoslowakei ...). Solche Gemein
sprache aber hat das deutsche Volk wiederum erst bekommen im Zusammenhang mit einer anderen großen seelischen Bewegung durch die Reformation im 16. Jahrhundert (Luthers Bibel). So darf man wohl sagen, daß es ohne das Christentum kein deutsches Volk gäbe, solches ebensowenig ohne die Reformation zu denken sei. Darum wird auch jene mehr romantisch-mystische Bewegung, die allen Einfluß des Christentums ausschalten möchte, an dem gesunden Sinn des deutschen Volkes, zumal des Bauern- und Arbeiterstandes scheitern.
Hier aber ist einem Einwand zu begegnen: ist nicht unser Volk gerade durch die Reformation in ein Doppelvolk gespalten worden? Demgegenüber betonte der Redner, daß die Spaltung des deutschen Volkes erst durch die Gegenreformation eingetreten sei. Im 16. Jahrhundert war das deutsche Volk eins. Als interessante Tatsache sei hier erwähnt, daß die Grenzlinie der Gegenreformation zusammenfalle mit der Linie der nordischen und alpinen Rasse, worauf Kretzschmer in seinem Buch „Geniale Menschen" hinweist. Ob nicht vielleicht doch rassische Unterschiede dem Sieg der Gegenreformation zu Grunde liegen? Aber wie dem auch sei, wir haben, religiös gesehen, diese Spaltung des deutschen Volkes doch als Gottes Zulassung zu sehen, diese starke Polarität ist deutsche Schickung.
Uebergehend zu der speziellen Frage, wie sich nun die beiden Konfessionen zu den Dingen des Auslandsdeutschtums verhalten, betonte der Vortragende, daß die Erhaltung der deutschen Substanz (90 bis' 100 Millionen) drinnen und draußen allgemeine deutsche Volksausgabe sei. Hier ist nun ein enger Zusammenhang zwischen deutschem Volkstum und Christentum. Das große politische Geschehen ist auch
von großer Bedeutung für die Kirche. Für den deutschen Protestantismus, die evangelische Kirche, ist es nicht zweierlei nebeneinander, sondern ein In» einander „Volkstum und Protestantismus". Hiev konnte der Redner auf die mehr als hundertjährige Arbeit Hinweisen, die der Gustav-Adolf-Verein m diesem Sinne leistet und die auch in dem nordischen Helden Gustav Adolf — dem betenden Kämpfer — eine gewisse symbolische Darstellung hat.
Die katholische Kirche hat es in ihrem Beitrag zur Erhaltung der volklichen Substanz draußen oft schwerer, da das katholische Auslandsdeutschtum draußen der Gefahr der Aufsaugung durch gleiche Glaubens- oder fremde Volksumgebung mehr aus» gesetzt fei (durch Heirat), während das evangelische Auslandsdeutschtum durch seine konfessionelle Ab» grenzung hier meist einen stärkeren Halt für fein Volkstum habe. Ferner hat der Protestantismus nicht so viel Uebernationales, wie der Katholizismus. Die nationale Organisation des evangelisch- kirchlichen Lebens ist auch draußen die Regel (Mäh- ren, Jugoslawien, Siebenbürgen, Polen, Lettland, Slovakei, ebenso Uebersee in Afrika und Südamerika!). Diese evangelische deutsche Kirche des Auslands hat ihren Anschluß an die deutsche eoange» lische Heimatkirche. Ferner kommt dem Protestantismus in feiner Arbeit an der Erhaltung des Aus- landsdeutschtums auch seine stärkere Bejahung der Dinge der Erde zugute, die uns in diesen irdischen Dingen unseren Auftrag (Beruf) von Gott sehen läßt.
Als letztes besonders wichtiges Moment in dieser Fragestellung nannte der Vortragende noch die Tatsache, daß Gott sich unserem deutschen Volk durch seinen Propheten Luther in der deutschen Sprache neu offenbart hat. Den „Dienst am Wort" aber betrachtet die evangelische Kirche als Hauptaufgabe. Dieses „Wort" (Gotteswort) wird aber überall in der deutschen Muttersprache geboten. So hat der deutsche Protestantismus eine große Sendung im Rahmen des Weltprotestantismus. „Unser Beruf ist ohne Ende!"
D. Geißler schloß seinen tiefgründigen und weitgespannten Vortrag mit Fichtes Wort „Arbeitet, arbeitet, arbeitet — denn wir wissen, daß unsere Arbeit unendlich ist!"
Das herzliche Danfesroort des Vorsitzenden Professor Dr. Mayer an den Redner war gewiß im Namen aller Zuhörer gesprochen, die durch diesen Vortrag einen tiefen Eindruck bekommen hatten von der engen und wichtigen Verbundenheit von „Evangelischer Kirche und Äuslandsdeutschtum".
Oberbeffen.
Ministerialrat Ringshausen Ehrenbürger von ilnter-Gchmitien. w Unter-Schmitten, 4. Febr. Unser kleines Dorf hatte heute seinen großen Tag. Auf Einladung der Gemeinde war Ministerialrat Ringshausen, der in den Jahren 1899 und 1900 als Lehrer hier wirkte, erschienen, um den Ehrenbürgerbrief in Empfang zu nehmen. Dem feierlichen Akt, der auf dem Schulhof des neuen Schulhauses stattfand, wohnte eine vielhundert- köpfige Menge bei. SA., Krieger- und Gesangverein, politische und Ortsbehörden waren versammelt.
Nach den begrüßenden Worten des Zellenleiters der NSDAP. B i n g e l überreichte Bürgermeister Dölf bie überaus geschmackvoll ausgestattete Ehrenbürgerurkunde und wies gleichzeitig darauf hin, daß zu Ehren ihres einstigen Lehrers und heutigen hohen Amtswalters die „F r i e d r i ch - Ringshausen-Linde" im Schulhof gepflanzt worden sei. Mit Worten höchster Anerkennung gedachte Lehrer Wolf des einstigen Wirkens des Ehrengastes in der hiesigen Gemeinde und unterstrich die Aufgabe der Sckule, die Heranwachsende Jugend zu deutschen Menschen zu erziehen, denen der Begriff „Deutschland" über allem stehe.
Ministerialrat Ringshausen dankte in feiner Ansprache der Gemeinde für die große Ehre, die ihm zuteil geworden sei. Er bliebe immer mit Unter-Schmitten und seiner Bewohnerschaft aufs engste verbunden. In der Ueberreichung des Ehrenbürgerbriefes erblicke er nur eine Ehrung des großen Führers, der nach harter Kampfzeit die Einheit der Nation geschaffen. Auf dem Lande, in der Dorfgemeinschaft, wurzelten die stärksten Kräfte eines Volkes. Aufgabe der Jugend fei es, das große Werk unseres Führers auszubauen, daß es für ewige Zeiten gesichert fei. Starker Beifall der Versammelten folgte den eindrucksvollen Ausführungen Des temperamentvollen Redners.
Die feierliche Veranstaltung wurde von schön gelungenen vaterländischen Chören des Männer- gesangvereins und der Schuljugend unter Leitung von Lehrer Wolf umrahmt. Die erste Strophe des Deutschlandliedes beschloß die Feier. Großer Deutscher Abend in Schotten.
—.— Schotten, 4. Febr. Die NSDAP, veranstaltete gestern in der Schottener Turnhalle einen Deutschen Abend, der so stark besucht war, daß kein Platz des großen Saales frei blieb. Ein reichhaltiges Programm: die Mitwirkung eines Künstlers vom Rhein-Mainischen Künstlerthealer von Frankfurt a. M., des Musikzuges V 466, des Männergesang-Vereins 1837, des BdM. und der Frauenschaft, versprach einen genußreichen Abend. Die Leitung der Veranstaltung lag in der Händ des Kreispropagandaleiters Pg. Reitz.
Nach dem Eröffnungsmarsch „Preußens Gloria" und einem Vorspruch des Frankfurter Künstlers, hielt Kreisleiter Pg. K r o m m die Begrüßungsansprache. Er erinnerte zunächst daran, daß die Turnhalle zu Schotten manche Kundgebung der NSDAP, gesehen habe und Zeuge sei von der Zusammenarbeit zwischen den politischen Soldaten und den SA.-Kameraden der Bewegung, um die Idee des Führers in alle Kreise der Bevölkerung zu tragen. Darauf kam er auf den 30. Januar 1933 und den Sinn und die Bedeutung des WHW. zu sprechen. Dazu habe der Führer aufgerufen und damit habe er vielen Armen die Hoffnung an eine bessere Zukunft wiedergegeben. Beim Winterhilfswerk, durch Kartoffel- und Fruchtspenden, marschiere der Kreis Schotten mit an der Spitze des ganzen Gaues, ebenso wie er seither in allen Wahlkämpfen in vorderster Front gestanden habe. Dieser Abend sei wieder ein Bekenntnis zur wahren Volksgemeinschaft, denn der Ertrag fließe dem WHW. zu. Der Kreisleiter dankte allen Mitwirkenden zum Gelingen des Abends, besonders aber der Frauenschaft und dem BDM., die in rastloser Arbeit erst die Grundlage zu der Veranstaltung schufen. Dem Dank an den Führer verlieh der Kreisleiter Ausdruck durch ein kräftiges „Sieg-Heil!", in das alle freudig einstimmten.
In buntem Wechsel folgten dann Musikstücke, Oe» dichtvorträge eines SA.-Mannes, Rezitationen, Chöre des Gesangvereins und Volkstänze des BDM. Wiederholt mußten sich die Künstler zu Zugaben entschließen, da die Darbietungen größten Beifall auslösten. Der Badenweiler Marsch bildete den


