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Das Rätsel einer Frühlingsnacht

Vornan von Gert Rothberg.

Urheberrechtsschutz: Fünf Türme-Derlag, Halle, Saale

17. Fortsetzung. Nachdruck verboten!

Ja, Graf Härtlingen! Wir kennen ihn ja alle von früher her. Aber jetzt liegt doch sehr viel zwischen einst und jetzt. Er ist natürlich durch diese ganze Affäre noch interessanter geworden meinst du nicht?"

Db er in das Heiratsprogramm von Tante Agnes mit ausgenommen worden ist? Man müßte eigentlich als gute Mutter die Töchter vor diesem Manne schützen. Trotzdem er bleibt eine gute Partie", sagte Baronin Helbing.

Wahrscheinlich doch? Denn sonst käme er ja nicht gerade jetzt. Doch Großchen wird sich wohl täu­schen. Ich habe mir sagen lassen, daß Graf Härt­lingen gar nicht an eine Ehe denkt. An eine zweite Ehe!"

Man kann es ihm kaum verdenken, wenn er einer Heirat aus dem Wege geht. Er hat doch recht Schweres durchgemacht. Schade ist es allerdings, daß man gar so wenig über diese Ehe weiß. Es hat ja nicht einmal irgendein Bekannter oder Nachbar feine Frau zu Gesicht bekommen. Er soll maßlos eifersüchtig und sie sehr schön gewesen sein."

Ja, aber er wurde dann des Mordes verdächtigt. Des Mordes an seiner eigenen Frau. Furchtbar! Uebrigens, wie ist dieser völlig zusammengebrochene, vor Schmerz und Trauer halb wahnsinnig gewordene Mann bloß dazu gekommen, ein solch berüchtigter Lebemann zu werden?"

Ja, wer weiß, was in ihn gefahren ist. Jeden­falls schrieb die Frau General von Werther, daß er es allen Frauen antut, und daß die Vergangen­heit um so mehr, als sich seine Unschuld in jener abscheulichen Mordsache herausgestellt hat kein Grund ist, ihm etwa einen Korb zu geben, wenn er wirklich noch einmal irgendwo anklopfen sollte. Die Frau General hält das jedoch auch für völlig aus- geschlossen. Sie glaubt nicht, daß Härtlingen seinen jetzigen Standpunkt aufgeben könnte."

Ja aber!"

Wir werden es eben abwarten. Tante Agnes bezweckt ganz bestimmt etwas, das wird mir jetzt immer klarer."

Für welches der Mädel mag sie ihn nur be­stimmt haben?" sagte die Gräfin Uchterberg und fühlte einen leisen Schauer bei dem Gedanken, daß sich Härtlingen für eine ihrer Töchter entscheiden könnte.

Das Thema war ihnen doch sehr behaglich. Sie

plauderten noch ein Weilchen darüber, die beiden Kusinen.

Ganz zuletzt meinte die Baronin Helbing:

Melanie! Ich weiß nicht, du wirst mich viel­leicht für wahnsinnig halten; aber ich könnte mir plötzlich einbilden, dieses blonde, schöne Mädchen wäre in Beziehung zu Härtlingen zu bringen."

Nein! Das glaube ich nicht! Das ist doch ganz ausgeschlossen!" sagte erschrocken die Gräfin.

Du wirst ja sehen! Irgend etwas stimmt nicht!" weissagte die Baronin Helbing.

10. Kapitel.

In ihrem Zimmer, dem altmodischen, ganz in Hellblau gehaltenen Schlafzimmer, mit dem großen Baldachin über dem Paradebett, den matten Rosen­holzmöbeln, saß die alte Fürstin Agnes Kleven. Zart schwebte der Duft des Lawendels durch den Raum. In den hohen, geschliffenen Gläsern standen Dahlien, und aus den Chinatöpfen quoll der Duft getrockneter Rosenblätter.

Fürstin Agnes saß am Fenster und blickte in den Park hinaus. Wie oft hatte sie hier schon gesessen und das Erwachen des Frühlings, die Pracht des Sommers, die Früchte und das rot- und gelbge­färbte Laub des Herbstes und die stille, weiße Herr­lichkeit des Winters beobachtet.

Nun war es wieder einmal Herbst. Einer von den vielen, die sie mit ihrem gesegneten Alter er­leben durfte.

Und nun sollte noch einmal in diesen sonnigen Herbsttagen um sie herum das Glück erblühen. Vie­len jungen Menschen wollte sie dazu verhelfen.

Mitten zwischen den glücklichen Menschenkindern, die blutsverwandt mit ihr, der alten Fürstin Kleven, waren, stand die schöne, kleine Waise, deren Geschick sie in die Hand genommen.

Nein! Es war doch wohl nicht der richtige Aus­druck. Der Menschen Geschicke lenkt ein Großer, Gütiger da droben. Aber ein bißchen Vorsehung spielen konnte und durfte man. Es war geradezu geboten in manchen Fällen, und in diesem einen nun schon gar!

Gertraude Schwarzkoppen.

Ein verzweifeltes Menschenkind hatte sich in ihren Armen gewunden, hatte sich schluchzend, schreiend, flüsternd, anklagend den ganzen Jammer von der Seele gebeichtet.

Fürstin Kleven lehnte sich tief in den weichen, bequemen Sessel zurück und noch einmal erlebte sie diese Beichte.

Ich wurde mit sechs Jahren schon in das Pen­sionat der Madame Chere in Genf gegeben. Mama, meine geliebte schöne Mama, war gestorben, und ich war meinen beiden älteren Geschwistern und meinem Vater nur eine Last. Madame Chere machte eine Ausnahme, denn sie nahm Kinder sonst nicht auf. Sie hat mich liebevoll und sorgfältig erzogen. Und pünktlich trafen die großen Summen ein, die

mein Vater für meine Erziehung an Madame Chere schickte.

Ich hielt uns für reich!

Ich liebte meine schöne Schwester Lelia und meinen großen, flotten Bruder Otto. Aber sie haben sich nie um mich gekümmert. Viele, viele Jahre habe ich mich nach ihnen allen gesehnt, habe mir ein Wiedersehen erzwingen wollen. Aber sie kamen nicht zu mir, und Madame Chere schien sehr strenge Anweisung zu haben, mich nicht aus den Augen zu lassen. Einmal kam meine Schwester Lelia zu mir. Ich war damals vierzehn Jahre alt. Ich wußte mich vor Glück kaum zu fassen, als ich meine schöne, elegante Schwester sah. Doch sie war kühl, abwei­send, und einmal sah ich, wie sie mich böse ansah. Was hatte ich ihr getan, nachdem ich mich so lange, lange auf ein Wiedersehen gefreut, mich nach ihr gesehnt hatte? Lelia teilte mir kurz mit, daß ich auch noch weiterhin in Genf bei Madame Chere bleiben müsse, man könne mich vorläufig daheim nicht gebrauchen.

Ich malte mir unser Heim immer aus, wenn ich allein war, und ich stellte mir Lelia vor, wie sie in diesem schönen, behaglichen Heim die Hausfrau er­setzte, und wie mein Vater stolz war auf seine schöne Tochter. Meinen Bruder hielt ich für einen großen Künstler; ich wußte, daß er zur Bühne gegangen war. Madame Chere verbot mir aber, mich mit den anderen Mädels über die Verhältnisse daheim zu unterhalten. Sie muß schon damals die ganze schreckliche Wahrheit gewußt haben, während ich völlig ahnungslos blieb.

Mein Bruder besuchte mich nie. Ich war sehr traurig darüber, und Madame Chere tröstete mich einmal, als ich weinte, indem sie sagte, daß mein Vater mich sicherlich an meinem siebzehnten Ge­burtstag heimholen werde. Nun hoffte ich darauf, sah es nach und nach als feststehende Tatsache an. Einmal schrieb mir Lelia in einem ihrer kurzen, beinahe lieblosen Briefe, sie habe sich verlobt und werde sich in Kürze verheiraten. Es sei ein sehr reicher Mann, ein Gutsbesitzer, ein Graf. Vielleicht hole sie mich später einmal zu sich, vorläufig sei das natürlich ganz und gar ausgeschlossen.

Ich weinte tagelang über diesen Brief, dann be­ruhigte ich mich, aber Lelia ließ nichts mehr von sich hören. Nie mehr! Ich erfuhr dann ihren schreck- liehen Tod durch Papas Brief. Lelia war ermordet worden, und man hatte ihren eigenen Gatten im Verdacht. Ich litt entsetzlich. Und nun war ich froh, in dem schützenden Heim der Madame Chere sein zu können.

Doch gleichwohl wäre ich gern in dieser schweren Zeit an der Seite meines Vaters gewesen. Doch er ließ nichts von sich hören.

Eines Tages bekam ich Besuch! Einen Herrn, den ich nie gesehen, führte Madame Chere in das Besuchszimmer. Von ihm erfuhr ich, wer mein Vater war.

Ein Spieler? Einer, der sein Geld mit Falschspiel

gewann, der aber fo geschickt war, daß man ihn nie fassen konnte. Ein eleganter Lebemann, der keinen Beruf hatte, und kein ehrliches Leben führte.

Mein Bruder und Lelia hatten ihn dabei unter- stützt! Das war das Furchtbarste, war nicht zu er­tragen.

Das also war meine Familie! Das waren meine Angehörigen! Aber Lelia war tot!

Jener Fremde hielt auch den Gatten für ihren Mörder, aber er sagte auch, daß dieser Mann fein bester Freund gewesen sei. Lelia habe sicherlich dem Gatten Ursache zur Eifersucht gegeben, denn sie habe Treue nicht gekannt.

In welchem Lichte sah ich meine unselige Schwe- ster, die ich trotz ihrer Lieblosigkeit geliebt und ver­göttert hatte!

Der Fremde, Venjo Holm, reiste wieder ab. Aber er hatte sich von Madame Chere ein Bild von mir erbeten. Zu welchem Zweck, wußten wir nicht. Ich sagte aber der Same, daß ich nun nicht länger hierbleiben könne. Nun nicht mehr, seit ich wußte, woher die Gelder stammten, die Vater für mich zahlte. Madame versuchte, mich zu halten. Die große Einbuße, die sie durch mein Fortgehen zu erwarten hatte, schien ihr nicht zu behagen.

Was aber sollte ich tun? Hier blieb ich nicht, so­viel stand längst fest. Ich hatte ja allerlei gelernt. Vielleicht könnte ich mich doch durchschlagen?

Mitten in diese Kämpfe hinein erhielt ich einen Brief von Papa, daß er mich zu sich holen wolle. Ich müsse jetzt bei ihm bleiben.

Und ich ächzte vor Entsetzen.

Zu Papa? Zu dem Manne, der vom Spiel lebte, und dem Lelia die Gimpel hatte einfangen müssen?

Niemals!

Niemals würde ich ein solches Leben führen. Und ich wollte meinen Vater, der nie Sehnsucht nach mir gehabt hatte, nicht sehen. Ich konnte es nicht er­tragen, zu ihm zu müssen. Jetzt war es mir das Furchtbarste, was mir geschehen konnte, wenn ich zu meinem Vater geholt wurde.

Aber ich war ja noch so jung. Gerade in diesen Tagen siebzehn Jahre alt geworden. Papa konnte über mich bestimmen.

Eines Tages fiel mir eine Zeitung in die Hände. Darin brachte man das Bild des Grafen Härt­lingen, der mein Schwager war, und der Lelia geliebt und nun ermordet haben sollte. Die Worte, die der Artikel enthielt, die habe ich kaum gelesen. Ich starrte nur immer dieses Bild des Mannes an, vor dem ich ein Grauen hatte, seit ich wußte, daß Lelia von ihm getötet worden fei.

Doch auf einmal glaubte ich nicht mehr daran. Dieser Mann hatte die furchtbare Tat niemals be­gangen. Es war mir, als müßte ich es in die ganze Welt hinausschreien: ,Er war es nicht! Niemals hat er es getan!'

(Fortsetzung folgt.)

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Else Deiker, geb. Doerr

Im Namen aller um sie trauernden Hinterbliebenen:

Alfred Deiker.

748

Braunfels, Darmstadt, Ober-Lais, Berlin, Dortmund, Mittel-Peilau.

Das Begräbnis findet Dienstag, den 6. Februar 1934, nachmittags 4 Uhr,

in Gienen, von der Kapelle des Alten Friedhofs aus statt.

D62Ü

756 D

Gießen, den 4. Februar 1934.

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Die Beerdigung findet Mittwoch, den 7. Februar, um 14 Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt

per Meter -.75, -.50, -.25

...............von -.28 an

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Stummer

Gießen ?oaD Mittwoch,d.7.2. 19.30-22.30Ubr: 18.Mittw.-Abon. Overettenpreise.

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Operette i. 3 Akt. von Ed. Eytzler.

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Gott der Herr nahm heute unerwartet meinen lieben Mann, meinen guten Vater

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im Alter von 62 Jahren zu sich in die Ewigkeit

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Mittwoch, den 7. Februar 1934, nachm. 2 Uhr, versteigere ich da­hier, Neuenweg 28, »ZumLöwciF, zwangsweise gegen Barzahlung:

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1 Fernglas (für Jäger geeignet), 2 Schreibmaschinen, 2 gr. Bilder (Mutterliebe" undLasset die Kindlein zu mir kommen"), eine Partie Bücher (Jugendschriften und Romane), Pfeifen u. Mutzen, Schrubber, Haar-, Abseif- und Bohnerbürsten, Schwämme, Sei» fen, Parfüms und Nippsachen.

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Die Beerdigung findet am 7. Februar, vormittags 9 Uhr,

auf dem Frankfurter Friedhof West in aller Stille statt.

Unsere gute Mutter, unsere liebe Schwester, Schwägerin und Tante, meine,

in wahrhaftem, ehelichem Glück über 28 Jahre mir verbundene, treue Frau

Frankfurt a.M.-West (Robert-'Mayer-Straße 57),

Gießen (Mühlstraße 24), den 3. Februar 1934.

starb Samstag, den 3. Februar 1934, nach vorbildlich erduldetem Leiden,

till und friedevoll in festem Glauben an ihren Erlöser.

Meine liebe Frau, unsere treubesorgte und unvergeßliche

Mutter, Schwiegermutter, Großmutter und Schwester

Frau Marie Höhn, geb. Matthes

ist heute im Alter von 62 Jahren sanft entschlafen.

Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:

Ludwig Höhn sen.

Todes* Anzeige.

Heute entschlief sanft nach kurzem, schwerem Leiden

unsere liebe Mutter, Schwiegermutter und Großmutter

Frau Kunigunde Lepper

im Alter von 53 Jahren.

Die trauernden Hinterbliebenen:

Familie Lepper.

Wieseck, den 5. Februar 1934.

Die Beerdigung findet Mittwoch, den 7. Februar, nach­

mittags 2 Uhr, in Wieseck von Alicestr. 19 aus statt.

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