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DollsußziirAnmsungdesVölkerbunbeseMächfigt

Oie Wiener Regierung scheint sich

Technische" Schwierigkeiten.

Wien, 5. Febr. (DNB.) Die österreichische Regierung hat am Montaa nach mehr als fünfstündigen Beratungen beschlossen, dem Bundes­kanzler Dollfuß die Ermächtigung für die einleitenden Schritte zur Anrufung des Völkerbundes im deutsch-österreichischen Konflikt zu erteilen. Wie verlautet, bestanden inner­halb des Kabinetts Meinungsverfchieden- h e i t e n über das weitere Vorgehen der Regierung. Während die der Heirnwehr nahestehenden Ka­binettsmitglieder die sofortige Anrufung des Völkerbundes verlangten, sollen die Christlich-Sozialen dafür eingetreten sein, das Material England, Frankreich und Italien als den Signatar st aaten des Genfer Pro­tokolls von 1922 zu unterbreiten, wobei man den Großmächten die Wahl der weiteren Behand­lung des Konflikts überlassen wollte.

In unterrichteten Kreisen besteht der Eindruck, daß der ursprüngliche Plan eines Appells an den Völkerbund auf erhebliche diplomatische Schwierig­keiten gestoßen ist und st arte Zweifel an der Wirksamkeit eines solchen Schritts entstanden sind. 9m Ministerrat ist weder ein Beschluß über den 3 n halt des Antrages an den Völkerbund "och über den Zeitpunkt seiner Einreichung gefaßt worden, und ebensowenig ist bisher dem österreichischen Gesandten beim Völkerbund Auftrag erteilt worden, die notwendigen Schritte zur Ein- leitung des Verfahrens beim Generalsekretär des Völkerbundes vorzunehmen. An den maßgebenden Stellen erklärt man lediglich, daß die Regierung £ e udsätzllchen Beschluß gefaßt habe, den Dolkerbung mit der Angelegenheit zu befassen, falls nicht in allernächster Zeit eine neue Lage eintreten sollte. In diplomatischen Kreisen besteht der Eindruck, daß die österreichische Regierung durch ihren Beschluß die Angelegenheit zunächst auf inter­nationales Gebiet hinüberschieben wollte. Die Wie- txet. ^glerung habe grundsätzlich zwar den Weg nach Genf beschritten, tatsächlich jedoch zunächst

indessen Zeit nehmen zu wollen.

eine erste Etappe diplomatischer Ver­handlungen einleiten wollen. Man ist der Ansicht, daß sich die Regierung alle Möglichkeiten einer diplomatischen Regelung offen gelassen hat und offenbar von der Voraussetzung ausgeht, daß sich aufgrund der Stellungnahme des Kabinetts die an der österreichischen Frage unmittelbar inter­essierten Großmächte jetzt ihrerseits zu einem diplo­matischen Eingreifen veranlaßt sehen würden.

Die hinter der Regierung Dollfuß stehenden Blätter weisen auf die technischen Schwie­rigkeiten hin, die auf alle Fälle einige Tage Verzögerung in der Durchführung dieses Beschlusses Hervorrufen werden. So schreibt die amtlicheWiener Zeitung", in dem Augenblick, in dem Oesterreich den Völkerbund durch eine Note mit dem Zwist zwischen Berlin und Wien befasse müßten auch die Unterlagen in mindestens zwei Sprachen beigebracht werden. Diese mehr tech­nischen Arbeiten würden auch während der Reise des Bundeskanzlers Dr. Doll­fuß nach Budapest mit aller Sorgfalt behan­delt werden. Auch die christlich-sozialeReichspost" macht darauf aufmerksam, daß die endgültige Redigieruny und Uebersetzung des umfangreichen Materials in das Französische und Englische einige Tage beanspruchen werde, wenn auch für die äußerste Beschleunigung dieser Arbeit gesorgt sei.

Das Genfer Echo.

Genf, 5. Febr. (DNB.) Auf telephonische An­frage wurde dem Völkerbundsrat vom Bundes­kanzleramt in Wien mitgeteilt, daß ein Schritt des Bundeskanzlers nicht vor dem 8. Februar also erst nach der Rückkehr des Bundeskanzlers von Budapest, erfolgen würde. In den nächsten Tagen soll dann eine entsprechende Note zunächst vorbereitet werden. Es erscheint demnach nicht aus­geschlossen, daß neue Schwierigkeiten entstehen, die weitere Verzögerungen bringen. In deutschfeindlichen Kreisen Genfs macht sich eine gewisse Beunruhigung darüber bemerkbar, daß der österreichische Min'ister- rat den Bundeskanzler nur ganz allgemein

ermächtigt" hat, die beabsichtigten Schritte zu tun, und daß diese wenig genaue Fassung vielleicht einen besonderen Sinn haben könnte.

London wenig begeistert.

m Lond o n, 6. Febr. (DNB.-Funkspruch., Zu dem Beschluß des österreichischen Kabinetts, den Völker­bund anzurufen, schreibtMorning Post", Frank- Eei£$ $®ar für eine Berufung Oesterreichs an den Völkerbund, aber weder Großbritan» nien, noch Italien seien darüber be­sonders begeistert, Italien sogar grundsätz­lich dagegen. Die britische Regierung wünsche nicht, oaß die Aufmerksamkeit von ihrem Abrüstungsplan abgelenkt werde.Daily Telegraph" rechnet mit der Möglichkeit, daß Dr. Dollfuß eine Zwischen­pause wünsche, sei es, um einen neuen Ge­dankenaustausch mit Paris, Rom und London zu beginnen, sei es für eine neue Be­sprechung mit dem in Budapest weilenden italieni­schen Unterstaatssekretär S u v i ch.Daily Tele­graph" sagt, daß der Völkerbundsrat sich vor jeder Handlung hüten werde, die als Eingriff in die innerpolitischen Angelegenheiten Oesterreichs aus­gelegt und künftig von anderen Ländern als Be- rufungsfall für eine Völkerbundsintervention be­nutzt werden könnte. Es sei die Aufgabe des Völker­bundes, einen Mitgliedsstaat gegen einen An­griff von außen her, nicht aber in einem Staat eine politische Partei oderGruppe gegeneine andere zu unter­stützen.

Paris stellt ungünstige Prognose.

. (DNB. Funkspruch.) Einen einfach lächerlichen Ruckzug" nenntEcho de Paris" den Beschluß der österreichischen Regierung, an den Völkerbund zu appellieren. Seit zwei Wochen drohe sie Deutschland damit und gestern sei der Bundes- kanzler nun ermächtigt worden, den Genfer Weg, es für richtig halte", zu beschreiten. Offen­sichtlich furchte der Bundeskanzler, daß der Völker- bunüsrat vor aller Welt die Zersetzungserfcheinun- gen in Oesterreich und die Ohnmacht des Bundes- karlzlers ausbreiten könnte.

L e I o u r" fragt:Wie wird der feltfame Völ- kerbundsoraamsmus auf diefe stimme in der ÜBüfte reagieren. Frankreich fei wohl in ihm Der*

schaffen. (Ein klar umrissener Gedanke geslakkeke auch, schnell den klaren Inhalt eines diplomati­schen Dokumentes zu Papier zu bringen, das durch feine kürze, ohne an juristischer Korrektheit einzubühen, am besten die Tenden­zen beider Regierungen charakterisiert. Ls ist ein neues Dokument des Friedens entstanden, eine Erklärung über die Nichtan­wendung der Gewalt, das durch feine Bedeu­tung über die persönlichen Beziehungen hinaus- reicht. In dem Text haben wir bereits der Ueberzeugung Ausdruck verliehen, daß dies ein sehr wesentlicher Beitrag zur Sicherung des europäischen Friedens darstellt." Weiter stellte der Minister mit Befriedigung fest, daß die alten Bündnisse mit F r a n k r e ich und Rumänien die Probe durch die neuen Er­eignisse überstanden hätten, was vor allem von dem ihnen zugrundeliegenden positiven Geist zeuge. Der Minister betonte hierbei, daß er während der per­sönlichen Fühlungnahme mit den Leitern der Politik dieser Länder die Einmütigkeit der Anschauungen festgestellt habe. In bezug auf Danzig stellte der Minister mit Befriedigung fest, daß der bisherige Versuch, Streitigkeiten bei Prozessen durch gerechte und billige, auf einer praktischen Prüfung der Lage gestützte Abkommen aus der Welt zu schaffen, be­reits günstige Ergebnisse gezeitigt habe. Zweifellos würden solche Ergebnisse auch in Zukunft au erreichen fein. Er hege die Hoffnung, daß sich die Gedanken und Bestrebungen, die dem Abkom­men vom August vorigen Jahres zugrundelägen, zu einem dauerhaften System der Zusammenarbeit entwickeln würden.

General von Horn gestorben.

Berlin, 5. Febr. General der Artillerie a. D. von Horn, der bis vor kurzem als Präsident an der Spitze des ReichskriegerbundesKyff- Häuser" stand, ist am Sonntagabend nach kurzer Krankheit an den Folgen einer Operation g e st o r -

b e n. Der Herr Reichspräsident Feldmarschall von Hindenburg und der Reichskanzler Adolf Hitler haben der Gattin ihre herzliche Anteil­nahme ausgesprochen.

Der Verstorbene war 1866 als Sohn eines späte­ren preußischen Generals geboren. Seine Erziehung hatte er im Kadettenkorps empfangen und war 1885 beim Feldartillerieregiment Nr. 3 eingetreten. Im Weltkrieg führte er zuerst das Feldartillerieregiment Nr. 18. 3m Jahre 1915 wurde er Kommandeur der 56. Feldartilleriebrigade und im Februar 1918 Kommandeur der 185. Infanteriedivision. Wegen persönlicher Tapferkeit beim Vorführen seiner als Eingreifdivision verwendeten Truppen erhielt er im August 1918 den Orden pour le mSrite. Nach der Demobilmachung wurde General von Horn Kommandeur der 1. Kavalleriedivision und später Befehlshaber im Wehrkreis III. 1926 schied er aus dem Heeresdienst aus und trat an Stelle des ver­storbenen Generalobersten von Heeringen an die Spitze des Reichskriegerbundes Kyffhäufer.

Das Programm für die Ver­eidigung der politischen Leiter.

Berlin, 6. Febr. (DNB.) lieber die feierliche Vereidigung der Politischen Leiter, der H I. - F ü h r e r und der Führerinnen des B d M., die am 24. und 25. Februar in allen Gauen der NSDAP, stattfindet, gibt derVölkische Beob­achter" noch folgende Einzelheiten bekannt:

Das gesamte Programm wird von München aus als Reichssendung in alle Gaue über­tragen. Am Abend des 24. Februar, um 19.30 Uhr beginnen in den einzelnen Gauen die Par­te i g r ü n d u n g s f e i e r n. In der Zeit von 20 bis 21.30 Uhr folgt eine Uebertragung des Kon­zerts des Reichssymphonieorchesters unter Leitung von Pg. Adam aus demOdeon" in München. An­schließend folgt eine Rundfunkreportage von der zentralen Kundgebung in München, an der voraus­sichtlich auch der Führer teilnehmen wird.

Am 25. Februar beginnen aus München 10.30 Ubr die Ansprachen des Reichsjugendführers Pq. Baldur v. Schirach und des Stabsleiters der Obersten Leitung der PO. Pg. Dr. Ley. Um 11 Uhr spricht dann der Stellvertreter des Lu h r e r s Pg. Rudolf H e ß zu sämtlichen Politi­schen Leitern und HJ.-Führern Deutschlands und vereidigt sie durch folgende Eidesformel auf den Führer:Ich schwöre Adolf Hitler unverbrüch­liche Treue, ihm und den mir von ihm bestimmten Führern unbedingten Gehorsam!"

Schwierigkeiten einer wirllichenValkanverständignng".

Das Kehlen Bulgariens. Ein südslawischer Staatenblock verhindert.

Oer Pakt von Belgrad.

Serbien bleibt unbefriedigt.

Don unserem Dr. S.-Berichierstaiier.

Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!

Belgrad, 4. Februar 1934.

Am 3. Februar traten die Außenminister von Südslawien, Rumänien, Griechenland und der Tür­kei in "Belgrad zu einer letztenRedaktions- Konferenz" über den Balkan-Pakt zu­sammen, und schon 24 Stunden später konnten sie offiziell mitteilen, daß der Vertrag von ihnen p a - raphiert sei. Die endgültige Unterzeichnung des Paktes der Balkanoerständigung", wie das neue Vertragsinstrument heißt, soll Ende dieser Woche in Athen erfolgen. Bis dahin will man auch den ge­nauen Wortlaut geheimhalten. Die Erklärungen, die die vier Außenminister am Sonntagabend gegen­über der Presse abgaben, haben sich deshalb auch auf das Grundsätzliche beschränkt und brachten ledig­lich die Genugtuung über das Zustandekommen des Vertrages zum Ausdruck. Der Schlußpunkt für eine lange Kette von schriftlichen und mündlichen Ver­handlungen, von zahlreichen Königsbesuchen und Reisen der führenden Politiker aller süoosteuro- päischen Länder steht also dicht bevor. Und wenn auch der Vertragstext als solcher noch vertraulich behandelt wird, so ist man doch heute schon über die wesentlichsten Bestandteile des Abkommens unter­richtet.

Der wichtigste Punkt ist die gegenseitige Garantie der bestehenden Landes- grenzen, durch den der Status quo auf dem Bal­kan gesichert werden soll. Es ist zugleich der Punkt, um dessentwillen die Unterzeichnung des Balkan- Zakts für Bulgarien unmöglich war, womit das Zertragsinstrument seinen allgemeinen Wert für die Befriedung Südosteuropas in erheblichem Umfange verliert. Die weiteren Vereinbarungen, die im we- entlichen auf eine möglichst intensive politische md wirtschaftliche Zusammenarbeit >er Unterzeichnerländer abzielen, hätte Bulgarien icherlich auch seinerseits gern akzeptiert. Es konnte aber unmöglich feine Zustimmung zu Klauseln ;eben, die das Ende jeder Revifionsbewegung be- i)eutet hätten.

Das Bemerkenswerteste an dem letzten Verhand­lungsstadium war die auffällige Eile, die man in Ankara, Bukarest und Athen mit dem Zustandekom­men des Balkanvertrages hatte, während Süd - la w i e n sich in der letzten Phase betont zu­rück hielt. Das hatte wohl seinen Grund darin, daß die südslawische Politik bereits feit Jahresfrist bestrebt ist, seine Beziehungen zu Bul­garien nicht nur zu verbessern, sondern zwischen beiden Ländern eine wirkliche Versöhnung herbeizuführen. Den Besuchern der Könige wurden in den letzten zwölf Monaten ungezählte Besuche privater Verbände und Vereine kirchlicher, natio­naler, gesellschaftlicher, literarischer und sportlicher Art vorausgeschickt, um zwischen Belgrad und Sofia neue freundschaftliche Anknüpfungspunkte zu finden. Das Verhältnis zwischen Südslawien und Bulgarien chwankt ja zwischen Haß und Liebe. Denn beide Völker, die miteinander aufs engste sprachverwandt ind, betrachten sich als Brüder der gleichen großen slawischen Familie. So lange sie miteinander in Feindschaft lebten, trug diese Span­nung alle Anzeichen eines Bruderkampfes, der be­kanntlich mit einer Erbitterung sondergleichen ge­ährt wird, der aber stets dazu neigt, abgebrochen zu werden und in das Gegenteil umzuschlagen. Es liegt auch auf der Hand, daß beide Völker, wenn es ihnen gelingen sollte, die Stteitaxt zu begraben, ungewöhnliche Vorteile haben würden. Ein slawischer Staatenblock, der von der adriatischen Küste bis zum Aegäi- s ch e n Meer reichen würde, hätte nicht nur die unumstrittene Vorherrschaft am Balkan inne, son­dern wäre auch außen- und militärpolitisch so stark, daß er freie Hände gegenüber den Großmächten hätte. In Belgrad hat man das sehr wohl erkannt, und es sprechen mancherlei An­zeichen dafür, daß man sich auch in Sofia dieser Ein­

sicht nicht verschlossen hat. Zugleich aber sah man die hier schlummernden Entwicklungsmöglichkeiten auch in anderen, an der Entwicklung Südosteuro­pas interessierten Hauptstädten und setzte deshalb alle Hebel in Bewegung, um mindestens das Tempo der südslawisch-bulgarischen Annäherung zu bremsen.

Wir können uns des Eindrucks nicht erwehren, daß die Eile, mit der die drei anderen Ver­tragspartner auch Südslawien zur Unterschrift drängten, nicht zuletzt auf gewisse Anregungen des Quai d'Orsay und des Prager Außenmini st eriums zurückzuführen find. Hinzu kam natürlich, daß das Interesse namentlich Rumäniens und Griechenlands in der gleichen Richtung liegt. So befürchtete man wohl in Athen, daß ein festgefügter südslawischer Staaten­block auf Saloniki und das Aegäifche Meer drücken werde, und daß bann Thrazien, auf das die Bulgaren ohnehin Anspruch erheben, gefährdet fei. Rumänien aber ist nach wie vor um das Schicksal der Dobrudscha besorgt, auf die Bulgarien innerlich niemals verzichtet hat. Für den Fall also, daß es den Regierungen in Belgrad und Sofia ge­lungen wäre, aus der makedonischen Frage, die zur Zeit zwischen Bulgarien und Südslawien noch immer als Zankapfel liegt, eine Brücke zwischen beiden Staaten zu schmieden, sah man im übrigen Osteuropa eigentlich nur Nachteile, vor allem aber eine Gefährdung des Status quo und war deshalb um fo eifriger beflissen, Belgrad für

denPakt der Balkanverständigung" zu gewinnen.

Man hat hier zweifellos die in dem Abkommen schlummernden Gefahren erst erkannt, als es poli- tisch für einen Abbruch der Verhandlungen mit den drei anderen Dertragsmächten zu spät war. Heute ist der Pakt paraphiert, und wir glauben, daß die südslawische Regierung sich dazu nicht leichten Her­zens entschlossen hat. Denn hier in Belgrad weiß man sehr genau, daß eineBalkanoerständiyung" ohne d i e Unterschrift Bulgariens keine wirkliche Verständigung ist, und man weiß ferner, daß Bulgarien keine mehrseitigen Verträge adschließen kann, die jede künftige Ver­besserung seines territorialen Besitzstandes unmög­lich machen würden. Mit Südslawien allein mag eine Verständigung in der mazedonischen Frage denkbar sein. Ein förmlicher Verzicht aber auf den Weg zum Aegäischen Meer? Ein förmlicher Ver­zicht auf die Dobrudscha? Undenkbar für jeden, der weiß, wieviel Erregung allein diese beiden Fra­gen in der bulgarischen Politik verursacht haben. Belgrad rechnet deshalb auch nicht damit, daß die bulgarische Regierung sich zu einer späteren Unter­zeichnung des Balkanpaktes bereitfinden wird. Wohl aber hofft man, daß die bulgarische Regierung die Zwangslage der südslawischen Außenpolitik ver­stehen und aus dem Zustandekommen des Vierer­abkommens keine Folgerungen ziehen möchte, die einer südslawisch-bulgarischen Verständigung abträg­lich wären.

Die Dobrudscha trennt Sofia und Bukarest.

Don unserem H.T.-Berichterstatter.

B u k a r e st, 4. Februar.

Die schönen Tage von Sinaia sind nun vorüber, König Boris hat es ,nicht heiteres verlassen, er ist vergebens dort gewesen" so ungefähr hatte auch ein rumänischerSchiller" das rumänisch-bul­garische Königstreffen im winterlichen Sinaia poetisch würdigen können, wenn eben nicht der negative Ausgang der Besprechungen schon von vornherein festgestanden hätte. Denn was wollte König Boris in Sinaia? Die Bereitwillig­keit, dem Balkan-Pakt beizutreten, unmittelbar und mündlick" zum Ausdruck bringen? Das konnte im Ernst wohl nur der annehmen, der das komplizierte bulgarisch-rumänische Verhältnis nicht kennt, das Aum Verständnis des Folgenden kurz umriffen werden muß:

Als die bulgarische Armee sich im e r ft e n Bal- kankriege vor der türkischen Tschadaldscha- Stellung verblutet hatte, fiel ihr aus heiterem Himmel das bis dahin neutral gebliebene Rumä­nien in den Rücken und Aroang das erschöpfte Bulgarien zur Abtretung desOuadri-la-Ter", jenes viereckigen südlichen Landstriches der D o - b r u d f ch a , der für das nationale Bulgarien etwa die gleiche Bedeutung hat wie für Deutschland der polnische Korridor, das Memelgebiet ober anderes geraubtes Land. Aber während diese deutschen Ge­bietsverluste die Resultate eines verlorenen, aber ehrlich durchkämpften Krieges waren, sieht der Bulgare imQuadri-la-Ter^ in erster Linie nur ein Stück Bulgarien, das ihm von einer am Kriege nicht beteiligten Machthinterlistig gestoh - l e n" worden ist. Die Wut und Erbitterung dar­über, der Schmerz über diesen Verlust und der Rachedurst waren so groß, daß das ausgeblutete Bulgarien schon ein Jahr später an die Seite der Mittelmächte erneut in den Krieg trat.

All dies muß man wissen, um die leidenschaftliche Liebe zu verstehen, mit der Bulgarien auch heute noch an dem jetzt zu Rumänien gehörenden Land­zipfel hängt und auf den es jetzt im Rahmen eines Balkan-Paktes" in der Praxis auf immer ver­zichten soll! Für den Kenner der bulgarischen Psyche war es vollkommen ausgeschlossen, daß Sofia je­mals auf diesen Vorschlag oder dieses Ansinnen eingehen würde, weil es ja damit einen Präzedenz- all geschaffen hätte, aus dem die Jugoslawen und Griechen das Recht hätten herleiten können, auch ihre auf bulgarische Kosten erworbenen Ge­biete und Konzessionen jeder Art, als etwas dauern­

des anzusehen! In der umgekehrten, aber gleichen Lage ist heute Rumänien: würde Rumänien in der Quadrilater-Fraae irgendwie nachgeben oder im Interesse des Balkan-Paktes auch nur den Glau­ben an eine Revisionsmöglichkeit bei den Bulgaren aufkommen lassen, dann wäre für Rumänien eben­falls ein Präzedenzfall weit schlimmerer Art geschaf­fen, den sich dann Ungarn und Rußland in der siebenbürgischen und d e s s a r a b i sch e n Frage sofort zu Nutze machen würden. Und das will Rumänien eben um jeden Preis vermeiden!

Infolgedessen kann Feins der beiden Länder weder Rumänien noch Bulgarien irgendwelche Konzessionen machen damit ist aber dem Balkan- Pakt das Rückgrat gebrochen, weil er ohne Einbe­ziehung Bulgariens sinn- und zwecklos ist. Nun möchte man natürlich sagen, daß nach berühmtem. Vorbild gegen einen zeitlichen Pakt nichts einzu­wenden sei auch gegen diese Motivierung muß sich Bulgarien sträuben, weil Rumänien die Ga­rantiefrist dazu benutzen wird, um in noch schär­ferem Tempo als bisher die Rumäntfierung der bulgarischen Dobrudscha fortzusegen. Diese dort seit langem betriebene Ansiedlung rumä­nischer Bauern ist für Rumänien in erster Linie eine militärische Notwendigkeit, und es läßt sich heute bereits mit Gewißheit voraussagen, daß nach Ablauf eines sagen wir zehnjährigen Paktes dann in dieser Dobrudscha auch nicht ein Bulgare mehr leben wird? Dann ist die Dobrudscha auf trockenem Wege eine rumänische Provinz geworden, und Rumänien hat es unter Berufung auf das Selbstbestimmungsrecht der Völker" in der Hand, den juristisch einwandfreien Nachweis zu erbringen, daß die bulgarischen Forderungen auf dieses Gebiet unbegründet sind.

So wird sich also zwischen Rumänien und Bulga­rien schwer ein wirklichnormales Verhältnis" Her­stellen lassen. Königsbesuche, Paraden, Jagden und Ordensverleihungen vermögen zwar über die laten­ten Gegensätze hinwegzutäuschen, aber diese Freund­schaftsschalmeien werden immer wieder übertönt werden vorn rauhen Lärm des Kleinkrieges, der auch weiterhin in der Dobrudscha zwischen bulga- rischen Ureinwohnern und rumänischen Neusiedlern um die Scholle geführt werden wird. Diese im Blut und Boden wurzelnden Gegensätze kann kein Bal­kan-Pakt aus der Welt schaffen, weil das Blut dicker ist als Vertragstinte.

Eine Nationalsozialistische Deutsche Oberschule am Starnberger See.

Berlin, 5. Febr. (DNB.) Die Oberste S A- Führung eröffnet am 1. April 1934 am ©tarn« berger See (Feldafing), 30 Kilometer südlich Münchens, eine neunflaffige Erziehungs­anstalt. Sie wird zunächst die Klassen Sexta mit Untersekunda (1. bis 6. Klasse) umfassen, und in drei Jahren zu einer Vollanstalt mit Reifezeugnis auswachsen. Die Hauptaufgabe dieserNational­sozialistischen Deutschen Oberschule Starnberger See" ist die Heranbildung eines national­sozialistischen Führernachwuchses, dem eine dem Wesen des neuen Staates entsprechende charakteristische, körperliche und geistige Ausbildung vermittelt werden wird. Mit der Führung dieser Schule wurde Standartenführer G oe r l i tz beauf­tragt. Ausgenommen werden nur solche Schüler, bie nach charakterlicher, körperlicher und geistiger Veranlagung die Gewähr bieten, daß sie den ge­stellten Anforderungen entsprechen. Die Höhe der Erziehungsbetträge und des Schulgeldes richtet sich nach den wirtschaftlichen Verhältnissen der Er­ziehungsberechtigten (im Durchschnitt etwa 60 bis 100 Mark).