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Mundwinkelzucken in seinem blassen Gesicht zu sehen. „Warum willst du das wissen?" fragte er erst nach einer Weile.
„Ach, ich meine bloß —", sagte ich so hin. Schwarz antwortete: „Ich wills dir sagen. Ich habe eine gehabt. Wenn du mir versprichst, daß du keinem was sagst —". Wir gaben uns im Dunkeln die Hände. Ich war noch schrecklich jung, Schwarz immerhin einige zwanzig. „Ja", sagte er, „sie hat mir abgeschrieben, sie hätte sichs überlegt und es wäre für uns beide das Beste. Verstehst du das?"
„Gott, die Frauen —", sagte ich weise. Schwarz gab das zu. „Aber", sagte er, „jetzt schreiben sie mir von zu Hause, daß sie einen andern hat, den sie heiraten will, einen Eieraufkäufer. Und paß auf, wenn wir zurückkommen, haben die alle Eieraufkäufer geheiratet, sitzen auf'm Geldsack und machen ein Maul, daß wir wieder da sind. — Ich fahr' nicht auf Urlaub, ich will da gar nicht hin—"
Ich fand die Nacht bedrückend dunkel. „Schwarz", sagte ich, nachdem wir eine Weile gegangen waren, „warum willst du eigentlich immer ins Kino?"
Sehr langsam kam es aus ihm heraus: „Ich weiß selber nicht. Aber wenn man so sieht, mit was die da sich abgeben und was sie sich für Klimbim von Indien und was weiß ich ausdenken, da tuts einem eigentlich gar nicht mehr leid —"
Wir kamen ins Dorf, das uns warm entgegenschlug. Das verworrene Geräusch der Front stand vor uns wie ein Saum an der Nacht.
,,G« war einmal ein Musikus . .."
„Musik wird oft nicht schön gefunden, weil sie stets mit Geräusch verbunden", hat Wilhelm Busch schon in klassischer Kürze festgestellt und damit vielen seiner Mitmenschen aus dem Herzen gesprochen, die zwar nichts gegen die holde Frau Musika einzuwenden haben, aber doch die peinliche „Nebenwirkung" des Geräusches, das mit ihrer Kunstausübung verbunden ist, nicht ertragen können. So hatten in einem Pariser Wohnbezirk die zahlreichen Mieter das allerdings sehr zweifelhafte Vergnügen, von einem jungen Burschen zunächst tagsüber durch ein endloses Klopfen und Hämmern, ein Dröhnen und Singen unterhalten zu werden bis zum Feierabend. Wenn sich dann der stille
Frühlingsabend auf die Dächer von Paris senkte, eröffnete der Musikliebhaber ein ausgedehntes Saxophonkonzert: Tonleiter rauf, Tonleiter runter! und wenn schließlich die Bewohner des Häuserblocks nach Beendigung dieses „Konzertes" sich todmüde zur Ruhe begeben wollten, dann hielt sie der unermüdliche Plagegeist noch bis Mitternacht durch ausgewählte Rundfunkmusik wach. War es da verwunderlich, daß sich die Mieter des Wohnbezirkes zur Wahrung ihrer berechtigten Interessen auf Ruhe und Frieden zusammenschlossen. Als auch alle Vorstellungen und alle höflichen Bitten nichts halfen, zogen sie vor Gericht und verlangten, daß der junge Mann, der eine ganze Jazzband in einer Person vertreten könne, da er all ihre Marterinstrumente nacheinander ertönen lasse, eine exemplarische Strafe erhalte und daß ihm durch Richterspruch die weitere Musikausübung untersagt werde. Aber der junge Mann, der vor die Schranken trat, ließ sich durch die grimmigen Mienen seiner zahlreichen Zuhörer und Zuhörerinnen nicht einschüchtern. Er bedauere, sehr, wenn er sie beunruhigt habe, erklärte er höflich, aber er habe ebenso wie jeder andere Pariser ein Recht darauf, seinem Beruf nachzugehen und sich nach Arbeitsschluß ein bißchen Rundfunkmusik anzuhören. „Ich bin Zim- merrrtann und mein Beruf bringt es mit sich, daß ich klopfe und hämmere, säge und Nägel einschlage. Und zur Arbeit ein wenig singen, warum sollte dies ein fröhlicher Handwerker nicht! Die Zeiten sind ohnedies so traurig, daß mich mein Zimmermannsberuf nicht ernähren kann, so daß ich des Sonntags noch in einer Jazzband aufspiele. Und dazu gehört lieben und wieder lieben, denn kein Meister fällt vom Himmel und die Pariser wollen des Sonntags auf schwungvolle Saxophontöne tanzen. Und wenn ich mein doppeltes Tagewerk schließlich gegen Mitternacht hinter mir habe, warum soll es mir dann verwehrt sein, zur Entspannung vor dem Einschlafen noch ein wenig Rundfunk zu hören?" Das waren Ausführungen, die die Beschwerdeführer nur mit tiefstem Bedauern anhörten. Auch das Gericht konnte sich nicht zu einem Urteilsspruch entschließen, sondern vertagte sich, um zunächst zu untersuchen, wie sich die Bürgerrechte des Pariser Musikus mit dem Frieden der. Mitbewohner des Wohnblockes in Uebereinstimmung bringen lassen.
W
Ur. 154 Zweites Blatt
Donnerstag, 5. Zull 1954
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
fer — an den rohen Holztischen im Brauereisaal unter Soldaten, lauter Männern, das „Fern vom Ball"! Ich werde es niemals vergessen — der Saal war wie eine Versammlung von Schlafenden, von denen nur die Körper zugegen waren! Das war Aubigny!
Vor dem Kino, am hölzernen Kassenverschlag, drängten sie schon. Schwarz sagte: „Geh' man rein, ich mach' das hier", und gab dem an der Tür einen Wink, das genügte bei Schwarz immer, auch wenn ihn gar keiner kannte. Das Kino war eine Art verkleinerter Scheune, mit rohen Holzverstrebun- gen, „verzahnten Drägers", wie Reuters Zimmerling Schulz das nennt Unter der Decke war eine Art Balkon gezimmert, da saßen die Offiziere, kein Mensch weih warum, es muß eine fürchterliche Luft da oben gewesen sein. Denn es wurde natürlich geraucht. Und wie geraucht. Und was ge
Es gab was Indisches, vielleicht „Das indische Grabmal", eine damals hochberühmte Sache (mit Mia May! Oder war das später?) Jedenfalls was Indisches; sie hatten Kopftücher, „Turbane" urn- qewickelt und gingen in weißen „Gewändern" unter den Palmen umher. Wenn die Inder mit den Inderinnen auf der Leinwand in stummen aber dauerhaften Küssen zusammenschmolzen, ging unten das Schnalzen los, das Pfropfenknallen und Hoch- zischen und Platzen von Feuerwerksraketen. Das konnten sich die jungen Kerle vom Rekrutendepot nicht verkneifen. Ueberhaupt was gab es nicht für Talente in solchen Varietekünsten in der Armee, Komikern, Zauberkünstlern und Imitatoren (Damen- und Tierstimmen!). Schwarz freilich mißbilligte das, er konnte sowas nun mal nicht leiden.
Kerle die", murrte er. Aber auch ohne das machte Indien, Filmindien, keinen rechten Eindruck auf uns, man sah da gerade so hm und vergaß keinen Augenblick, wo man war und daß, wenn es aus war, draußen wieder die Front rumorte. — Dann war es aus, und alles zerstreute sich durch die dunklen Straßen.
Schwarz und ich marschierten durch die Sommernacht, die Straße lief weißlich zwischen den dunklen bergigen Lehnen vor uns her. „Schwarz", sagte ich plötzlich, „hast du eigentlich eine Braut?"
„3d) —? Eine Braut?' sagte Schwarz erstaunt. Ich glaube im Dunklen das schalksmäßig-traurige
Kino hinter der Krönt.
Bon Kurt Witte.
Schwarz kam am Vormittag über den Hof — ein bißchen O-beinig, den Drilch über seinen Schmiedsmuskeln, etwas rußig im Gesicht: ich sollte am Abend mit ihm ins Kino gehen. „Nach Aubigny —?" meinte ich ein bißchen gedehnt. Man mußte das zu Fuß machen, es war eine ganze Ecke, und das tut keiner von Berittenen gern. Aber Schwarz wollte gern, ich sah es an seinen runden Haselnußaugen, die aus dem blassen Gesicht hersahen. Ich hätte Schwarz auch den Gefallen getan, wenn es noch viel weiter nach Aubigny gewesen wäre. Ich sagte also ja.
Er kam dann am Abend, sauber gemacht, Koppel umgeschnollt, und die hübsche gekniffte Schirmmütze über den runden Augen. Wir gingen über die Koppeln, aus denen die jungen Hengste mit zänkischem Gewieher gegeneinander ausschlugen, zur Straße hinunter, die sich zwischen bergigen Hängen hinzog, und durch das erste Dorf, wo im dämmernden Abend ein paar von den Jungen mit den Französinnen vor den Häusern standen. Auch der alte Heine, der Familienvater, drückte sich da herum. Schwarz mußte ihm unbedingt etwas Schmähliches zurufen, er konnte das in den Tod nicht leiden. Die Straße führte durch das langgestreckte Dorf und wieder hinaus, begleitet von den waldigen Berglehnen, die sich senkten und dann wieder steil anstiegen.
Dann kamen wir nach Aubigny hinein, es war eine kleine Stadt — war es überhaupt eine Stadt? Ein Rekrutendepot lag da, und im Saal einer Brauerei war ein Soldatenheim. Der Feldwebel vom Depot hatte mich eines Tages auf der Straße angehalten, er kannte mich aus meiner Heimat, und lud mich zum Sonntag ein. Es gab Kaninchenbraten. Dafür lud ich ihn und feinen Schreiber fürs nächftemal zu uns auf die Ferme und es gab Pferdebraten, von einem prima jungen Iier, Das auf der Weide die Fessel gebrochen hatte Auch Fehlandt fand sich dazu ein. Langbeinig kam er über den Hof, aus jeder Tasche sah em Flaschenhals, Schnaps natürlich. Im Soldatenheim hatte ich an fünem Abend einen Geiger das „Lorn du bal“ spielen hören, pizzicato und mit dem Damp-
Aus der Provinzialhauptstadi
zu
Mit dem Auto ins Schaufenster
Derkehrsunfall im Seltersweg
lines
sammenstoß aus ihrer Fahrtrichtung gebracht.
An der Ecke Seltersweg-Goethestraße ereignete
sich gestern gegen 15.30 Uhr ein Verkehrsunfall, der
glücklicherweise keine ernsteren Folgen hatte. Ein Schaufenster e Personenkraftwagen, der über den Seltersweg fuhr, Fenster völlig stieß an der Ecke Goethestraße mit einem Motor- kam dicht dan
kam dicht daneben auf den Bürgersteig zu liegen.
Der Motorradfahrer, wie auch der Kraftwagen-
führer erlitten erfreulicherweise keinerlei Verletzungen. Es ist lediglich einiger Sachschaden entstanden.
radfahrer zusammen, der aus der Löwengasse kam und anscheinend in der Goethestraße weiterfahren wollte. Beide Fahrzeuge wurden durch den Zu-
Das das das
Der Der Der Der « Der
Biedenkopf Bad Ems Bad Homburg Köln Lollar
2. Klasse 4,80 RM. 7,70 „ 4,20 „ 13,00 „ 0,70 „
im be-
Wein gibt Gift,
Branntwein Kupier ins Gesicht, Vorter uns das Blut verdickt, Grog macht dumm der Kaffee blind, Tee macht unsere Kraft zu Wind.
„Was der Mensch noch trinken kann, ist Buttermilch, die nährt den Mann!" Die Verwendungsmöglichkeit der Buttermilch
niederdeutschen Erbhofes:
„Dat Beer gift Slag, De Wien gift Gicht, De Branntwein Köpper ins Gesicht, De Porter uns dat Blot verdickt. De Grog macht dumm, de Kaffee blind. De Tee macht uns de Kraft to Wind. Dat. wat de Minfch noch trinken kann, Is Bottermelk, de nährt de Mann, Makt frisch dat Hart, dat Liew uns rein Un klor den Kopp, und ok de Bein.
Det mork och fein!"
hochdeutsch:
Das Bier gibt Schlag(anfall),
erhalten.
gez. Wagner, Kreisbetriebszellenobmann.
F.d.R.: Schwab (Kasse).
3. Klasse
3,30 RM.
5,30 „
2,90 „
9,00 „ 0,50 „
Deutsche Arbeitsfront
An alle Schreinereien im kreise Gießen!
Die von der Innung zugestellten Betriebsfragebogen sind, soweit dies noch nicht geschehen ist, beantwortet innerhalb 3 Tage an den Unterzeichneten zurückzusenden.
I. A.: Ludwig Rinn XVII. Heuchelheim.
Wir schließen uns dieser Aufforderung an und erwarten von allen Schreinereibetrieben, daß sie unbedingt den oben angegebenen Termin einhalten.
Heil Hitler!
Deutsche Arbeitsfront, Gruppe Holz. Betz.
NG.-Gemeinsckaft„Kraft durch Freude"
Erste Rheinfahrt am 8. Juli.
Die Fahrkarten für Schiff und Bahn sowie für Esten und Fahrt auf den Niederwald sind angekommen und müssen bis spätestens Freitag abend 6 Uhr auf der Geschäftsstelle der NS.- Gemeinschaft „Kraft durch Freude", Gießen, Schan- zenstraße 18, abgeholt werden.
Wer feine Karten nicht bis zu diesem Termine abholt, verliert das Anrecht darauf, die Karten werden dann anderweitig ausgegeben.
Neue Sonntaaskarten - Verbindungen.
Mit sofortiger Gültigkeit sind in Gießen neue Sonntagskartenverbindungen eingeführt worden:
Fahrpreis hin und zurück:
Militärkonzert in der Bergichenke.
Die Reihe der Konzerte unserer Gießener Reichswehrkapelle unter Leitung von Obermusikmeister Krautze in der Bergschenke wurde gestern abend mit dem fünften Konzert fortgesetzt. Das Programm brachte wieder ausgezeichnete Darbietungen, [ein Marsch eröffnete das Konzert. Flotows feine
Recht auf Kraftübung und Spiel. Das was sie in der Stadt nicht erreichen kann, ist aber das innige unbewußte Verhältnis zur Natur. Auch die schönste Autofahrt kann sich für ein Kind nicht mit der Fahrt auf dem hochgeladenen Heuwagen vergleichen. Eingegraben in den feinsten Dust dieser Welt, den des frischen Heues, schaut das Kind über die Feldflur hin und hascht nach den Kirschen, die der Heuwagen im Vorbeifahren streift. Und nirgends lassen sich die Schlachten kindlichen Spiels mit solcher Wonne ausführen, als in den aufgetürmten Heuhaufen und auf dem Heuboden. Wer solche Jugenderinnerungen mit sich trägt, wird dem Landleben und der Arbeit des Bauern ganz anders gegenüber stehen, als das landfremde Großstadtkind.
Darum, ihr lieben Volksgenossen auf dem Lande, sorgt dafür, daß allen Volksgenossen der Großstadt eure Arbeit und euer Leben ein lebendiges An- schauungsgut wird und bleibt. Fangt bei der Jugend an! Macht ein Bett frei und nehmt für 4 Wochen ein Pflegekind aus der Stadt zu euch! Es wird — Mann oder Frau geworden — sein ganzes Leben hindurch im Schatz feiner Jugenderinnerungen das Verständnis für eure — der Bauern Freuden und Leiden bewahren.
Das Pflegekind von heute: Ein Bauernfreund für sein ganzes Leben!
Deutsche Stenographenschaft.
Der 54. Gautag der Deutschen Stenographenschaft Gau Hessen fand am 30. Juni und 1. Juli in Worms statt. An dem Leistungsschreiben beteiligten sich annähernd 900 Personen. Die Ortsgruppe Gießen hatte — wie man uns berichtet — 28 ihrer Wettschreiber dorthin entsandt. Dem Schreiben waren die in der Denkschrift II über die Stellungnahme der NSDAP, zur Kurzschrift enthaltenen Bestimmungen zugrunde gelegt. Aus dem nachstehenden Ergebnis ist zu ersehen, daß die Ortsgruppe Gießen wieder einen sehr guten Erfolg erzielen konnte.
Richtigschreiben:
Note hervorragend: Emil Jost.
Note sehr gut: Otto Keßler, Johanna Graf, Emma Reitz, Willi Brückmann, Annemarie Steinberger,
Kirchliche Fürbitte für Reichspräsident und Reichskanzler.
EPH. Der Landesbischof hat angeordnet, daß in den evangelischen Kirchen in das sonntägliche allgemeine Kirchengebet an geeigneter Stelle folgende Fürbitte einzufügen ist: „Deiner Gnade befehlen wir insbesondere den Reichspräsidenten und den Reichskanzler, unseren Führer. Stehe ihnen bei mit Deinem Geist und Deiner Kraft und laß ihr Werk gelingen zum Heil und Segen für unser deutsches Volk."
KreisbetnebszellenabteUung ließen.
Einzelmitglieder der DAF. Velr.: Kaste.
Um den Gießener Emzelmitgliedern der DAF., die von den Kassierern nicht angetroffen werden, die Möglichkeit zu geben, ihre Beiträge bis einschließlich Juni zu bezahlen, werden für die einzelnen Ortsgruppenbereiche am Donnerstag, dem 5. und 12.Juli, nachmittags zwischen 6 und 7 U h r Kassenstunden eingerichtet, und zwar:
Ortsgruppe Gießen -Nord: bei Kassen- walter Fritz Geißler, Bahnhofstraße 62 I.
Ortsgruppe Gießen-Mitte: bei Kassen- roalter Max Hardt, Gießen, Haus der DAF., Schanzenstraße 18.
Ortsgruppe Gießen-Süd: bei Kassen- walter Ernst Parr, Gießen, Haus der DAF., Schanzenstraße 18.
Ortsgruppe Gießen -Ost: bei Kassen- walter Johann Lixfeld, Gießen, Kaiserallee 57.
Da ab 1. Juli 1934 neue Beitragssätze eingeführt werden, ist dies die letzte Möglichkeit, die benötigten Marken bis einschließlich Juni 19 3 4
Haushalt ist aber nicht nur auf den Rohgenuß schränkt. Die Buttermilchsuppe ist auch nur noch dem Namen nach bekannt. Sobald sie einmal auf dem Tische erscheint, wird sie gerade von Feinschmeckern mehr gewünscht. Daß man aus der Muttermilch auch eine ganz außergewöhnlich zarte Matte (Quark) Herstellen kann, wissen auch nicht
Lob der Buttermilch!
Sie hat viel von ihrem guten Rus in den letzten Jahren verloren. Zu Unrecht! Zu unserer Kinderzeit gab's den ganzen Sommer über als Abendmahlzeit Dickmilch und Kartoffeln mit Matte- oder Butterbrot als Abschluß und an den beiden „Leiertagen" Buttermilch mit Erdäpfel in der Schale. Und wenn man im Hochsommer halbverdurstet vom Felde heimkam, wie mundeten bann einige „Schepp- löffel" voll dieses herrlichen Getränkes! Ein neues Geschlecht will nicht mehr so viel von Buttermilch wissen. Mit den Worten, „da gidts eine Schleif in den Leib" sucht man sie als minderwertig hinzu- stellen. Dabei ist sie doch, wie ein Bauernspruch sagt, wirkliche Arznei, em Hausmittel im besten Sinne des Wortes.
„Macht frisch das Herz, den Leib uns rein, und klar den Kopf und auch die Bein — das merkt euch fein!"
Zur Winterszeit gar kommt die Buttermilch nur noch in „altmodischen" Haushaltungen auf den Tisch. Wenn dann gebuttert wird, findet sie als Säufutter Verwendung — und die Schweine gedeihen vortrefflich bei dieser Kost. Besser wäre es, sie gerade in dieser rohkostarmen Zeit weitgehendst im Familienhaushalt zu verbrauchen.
Der Nährwert der Buttermilch wird leider noch immer unterschätzt. Ihr Gehalt an Milchsäure und mineralischen Salzen macht sie zu einem heilsamen Getränk. Sie wirkt verdauungsfördernd und blutreinigend. Bei fieberhaften Erkrankungen vermag sie Krankheitserreger unschädlich zu machen und trägt so zur Beschleunigung der Gesundung bei. Sagt doch der Volksmund, daß Buttermilch imstande sei, neun Krankheiten zu heilen. Weitere wertvolle Bestandteile sind Eiweiß, Milchzucker und Käsestoff. Darum heißt es:
Ouvertüre zur Oper „Stradella" ging zwei Stücken aus „Sigurd Jorsalfar" von Gneg voraus. Man hörte das groß angelegte, ernste „Nordlandsvolk" und das lebendige „Königslied", die beide in ihrem Stimmungsgehalt von dem Orchester vorzüglich ausgeschöpft wurden. „Der Liebestraum", das bekannte Solo für Trompete, klang hell hinaus in die sommerliche Nacht und fand verdienten lebhaften Beifall. Mit begeisterndem Schwung spielte das Orchester Szenen aus der Oper „Der fliegende Holländer" von R. Wagner. Der zweite Teil des Konzertes war mehr der beschwingteren Musik gewidmet. Zunächst hörte man die Ouvertüre zur Operette „Eine Nacht in Venedig" und dann die „Geschichten aus dem Wiener Wald", den bekannten Straußschen. Walzer. Das „Rendevous bei Lehar", ein Potpourri aus Lehars Meisteroperetten, (Hruby) vermittelte verschiedene bekannte populäre Klänge und erinnerte lebhaft an alle jene Operetten, die im Laufe der Jahre mit großem Erfolg über die Bühnen gegangen waren. Ein „Ständchen" von Heykens und „Wiener Volksmusik" von Komzak beschlossen das Konzert, das bei den hochstehenden künstlerischen Leistungen der Kapelle für alle Zuhörer nach des Tages Arbeit recht genußreiche Stunden brachte.
Kindheit auf dem Lande.
Ein gutes Drittel aller Stadter haben ihre Kindheit noch im Elternhause im Dorf oder in der Kleinstadt verbracht. Sie bekamen von dort vielleicht wenig Geld, dafür aber einen um so größeren Schatz an körperlicher Widerstandsfähigkeit mit. Und heimlich tragen alle diese „Städter" noch ein kostbares Gut bei sich: Das Buch ihrer Jugenderinnerungen. Der Geruch der aufgebrochenen Erde und des welkenden Laubs, die Vertrautheit mit den Haustieren, das Herumstreifen in blühenden Wiesen oder durch wogende Kornfelder, das Nachlaufspiel in den Nachbarhöfen, der Feierabend auf der Dorfgasse, die Obsternte in eigenen und in fremden Gärten füllen die Seiten dieses Erinnerungsbuches. Mit Wehmut sehen diese Männer und Frauen die Jugend ihrer großstädtischen Umgebung sich in den Winkeln lichtloser Höfe oder auf dem harten Asphalt der Straßen herumtummeln.
Gewiß, die Jugend verschafft sich überall ihr
Auto führ auf den Bürgersteig und gegen Schaufenster eines Schokoladenhauses, so daß j in Trümmer ging. Das Motorrad
Das, was der Mensch noch trinken kann. Ist Buttermilch, die nährt den Mann, Macht frisch das Herz, den Leib uns rein Und klar den Kopf und auch die Bein' Das merkt Euch fein!
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— Tageskalender für Donnerstag. Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Die weiße Majestät".
>iele Hausfrauen. Dabei enthält ein Pfund Matte benfoviel Eiweiß wie die gleiche Menge Rindfleisch. Gerade als Abendgericht sollte sie ob ihrer Leicht- i»erdaulichkeit mehr auf dem Küchenzettel stehen
Alles in allem: Mehr als seither muß die Buttermilch wegen ihres gesundheitlichen Wertes und auch Degen ihrer Billigkeit zum Volksnahrungsmittel Derben. Treffend, urwüchsig und schlagkräftig sagt (in Wandspruch (plattdeutsch) in der Bauernstube


