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M.154 Erstes Blatt

184. Zahrgang

Donnerstag, 5. Zuli 1954

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Oie Kulturbedeutung -es Werberates.

Don Dr. Heinz potthoff

Die Aufgabe des dem Reichsminister für Volks- aufftärung und Propaganda unterstellten Werbe­rates ist in er ft e r Linie eine wirtschaft­liche. Es sollen die Methoden der Wirtschaftswer­bung besser und wirkungsvoller gestaltet werden. Damit verbunden ist die sozialsittliche Aufgabe, die Mißstände des bisherigen Werbewesens zu beseiti­gen, insbesondere die Grundsätze von Treu und Glauben, die Wahrhaftigkeit in Ankündi­gungen zur Geltung zu bringen. Das zweite hängt mit dem ersten eng zusammen, denn die Glaubhaf­tigkeit der Werbemitteilungen ist die wichtigste Vor­aussetzung ihres Erfolges.

Natürlich haben diese Bestrebungen und Wir­kungen auch kulturelle Bedeutung. Denn für die Kultur eines Volkes ist es gewiß nicht gleich­gültig, in welchem Maße sein Wirtschaftsleben auf Ehrlichkeit beruht. Aber auch, wenn man Kultur in dem engeren Sinne faßt, in dem das Wort gewöhn­lich gebraucht wird, so kann und sollte die Betäti­gung des Werberates mindestens mittelbar einen fördernden und heilsamen Einfluß auf die Werbe­methoden in künstlerischer Hinsicht ausüben.

Wenn man sich einmal von deraristokratischen" Kulturauffassung frei gemacht hat, wenn man beim Wortedeutsche Kultur" nicht an Goethe, Beetho­ven. Kant und andere große Kulturschaffer denkt, auch nicht nur an das, was ein paar tausend gei­stig hervorragende Menschen lesen und genießen, die sich selbst gern als Träger der Kultur betrach­ten; sondern wenn man als deutsche Kultur den kulturellen Zustand des deutschen Volkes auffaßt, also den Zustand von 70 oder 80 Millionen Men­schen, die deutsch sprechen und fühlen: dann erkennt man ohne weiteres, welche ungeheuer wichtigen Mittel der Volkskultur in den Werbemitteln gege­ben sind. Es ist der Zweck der Werbung, daß sie an die Mass en herankommt. Sie will von den Massen beachtet werden, wird es auch; und es ist Aufgabe des Werberates, diese Beachtung noch zu verstärken. Deswegen beeinflussen die Werbemittel nicht nur den Wirtschaftssinn, den Kaufdrang der Menschen, sondern auch ihren Kunstsinn, ihr Kunstverständnis, ihr Kunstverlangen, ihren Geschmack.

Es gibt heute keine wirkungsvollere Beeinflussung des Massengeschmacks auf dem Gebiete der bilden­den Kunst als die drei Hauptmittel der wirtschaft­lichen Werbung? Plakat, Inserat, Ausstellung (ins­besondere Schaufenster). Namentlich das Plakat ist von allergrößter Bedeutung. Und es ist erfreu­lich, zu sehen, wie in den letzten Jahrzehnten die Plakatkunst gestiegen ist. Man kann den erzieheri­schen Einfluß guter Plakate gar nicht hoch genug einschätzen.

Auch das Zeitungsinserat kann eine ähn­liche Bedeutung haben. Hier ist der Fortschritt un­verkennbar. Die Wirtschaft hat längst erkannt, daß Schönheit ein Mittel der Werbung ist; daß die wirkungsvollste" Anzeige ihren Zweck verfehlen kann, wenn sie geschmacklos ist. Das beste Werbe­mittel ist derSchlager". Er kann durch Inhalt, aber auch durch Form wirken; sein Ausdrucksmittel kann das Wort oder das Bild fein. Man darf heute wohl schon feststellen, daß weder das Wort noch das Bild geschmacklos fein dürfen, wenn sie allgemein wirken sollen. Natürlich gibt es da noch große Unterschiede, aber der Zug zumschönen", nicht nur geschäftlich sondern auch künstlerisch ein­wandfreien Inserat ist unverkennbar.

Interessant ist dabei zu beobachten, wie jedes Werbemittel wieder vonvorn", das heißt von un­ten anfängt und für sich erst langsam eine höhere Kulturstufe erklimmen muß. Man sehe sich die Re- klameverse an, die das jüngste Mittel der Werbung darstellen und die in allen öffentlichen Fahrzeugen, in allen Zeitungen und an vielen Häuserwänden uns anrufen. Einzelne dieser Verse sind sehr wir­kungsvoll und literarisch ausgezeichnet. Da sie von Millionen Erwachsenen und vor allem Kindern gelesen, zitiert und nachgeahmt werden, so haben sie oft auch auf den sprachlichen Geschmack, auf die Rede- und Schreibart der Deutschen einen be­trächtlichen Einfluß.

Um nicht mißverstanden zu werden: wenn hier der Einfluß des Verfassers von Werbeplakaten, Inseraten und Versen über den der großen Kultur­träger gesetzt wird, so handelt es sich selbstverständ­lich nur um den unmittelbaren Einfluß. Die Großen wirken ja niemals direkt auf die Milli­onen ihrer Zeitgenossen, sondern erst über Mittels­männer. die ihre Gedanken in die Scheidemünze der Gemeinverständlichkeit umsetzen. Man kann ein Bild von Holbein zu Werbezwecken verwerten; es wird bei weitem nicht die Wirkung haben wie ein Plakat von Hohlwein; weil es nicht für den Zweck gedacht war. Deswegen sollte man die guten Bilder, die nicht für Werbezwecke gemacht sind, auch nicht dafür mißbrauchen. Sondern was erstrebt werden muß, ist das, daß die Künstler, die Werbebilder Herstellen, sich von den großen Meistern befruchten lassen. Es sollen kulturell hochstehende Werbemittel hergestellt werden. Und die Wirtschafts­leiter sollen diese kulturell hochstehenden Werbe­mittel verwenden, weil sie die größte Wirkung ver­sprechen.

Das gilt auch für das dritte große Mittel der Massenwerbung, für das Schaufenster. Wer einige Jahrzehnte zurückdenken kann, wird nicht leugnen, daß auch auf diesem Gebiete große Fort­schritte gemacht worden sind. Vor dreißig Jahren fand in Berlin der erste Schaufenster-Wettbewerb statt, angeregt und geleitet von Künstlern. Seitdem stt das Streben nach geschmackvoller, künstlerisch

Eine Arbeitstagung der Reichs- und Gauleiter der ASÄAp.

Flensburg, 4. Juli (DNB.) In Flensburg begann, wie die NSK. meldet, heute früh unter dem Vorsitz des Stabsleiters der Obersten Leitung der PO., Dr. Ley, eine Arbeitstagung der Reichs- und Gauleiter. Zu Beginn der Tagung gedachte Dr. Ley der Ereignisse vom 30. Juni und der entschlossenen Tat Adolf Hitlers. Dr. Ley legte im Namen der versammelten Reichs­und Gauleiter ein Treuegelöbnis zum Führer ab. Ein dreifachesSieg-Heil!" auf den Führer beschloß die eindrucksvolle Kundgebung.

Arbeitsbeschaffung

Die Tagung trat anschließend in ihr Arbeits­programm ein. Sie nahm von einem Vertreter der Reichsanstalt für Arbeitslosenversicherung einen ein­gehenden Bericht über den gesamten Stand der Arbeitsschlacht entgegen, die in den einzelnen Gebieten durch die Initiative der Gauleiter getra­gen und vorwärtsgetrieben wird. An die Aus­führungen des Referenten, der u. a. mitteilen konnte, daß im Rahmen der Sonderaktion für alte Kämpfer der NSDAP, wäh­rend der diesjährigen Offensive der Arbeitsschlacht bereits 90 v. H. der vorgemerkten alten Nationalsozialisten in Arbeit und Brot gebracht werden konnten, schloß sich eine Reihe von einzelnen Arbeitsbeschaffungsfragen an, soweit sie in das Arbeitsgebiet der Reichsanstalt für Arbeits­losenversicherung fallen.

Siedlung

Anschließend sprach der Beauftragte des Stell­vertreters des Führers für Siedlerfragen, Pg. Ludovici, eingehend über das Gesamtproblem des deutschen Siedlungswerkes und der Reichsplanung. Er entwickelte vor den Reichs- und Gauleitern die volkspolitische und volkswirtschaftliche Bedeutung der Siedlungsfrage und fügte daran interessante Darlegungen über die Organisation und die bisherige Arbeit auf diesem Gebiet. Es kam dabei besonders die Bedeutung zum Ausdruck, die die Mitwirkung der Partei gerade in dieser Frage besitzt.

Deutsche Arbeitsfront

Am Nachmittag fand die Tagung ihre Fortsetzung mit den Ausführungen des Organisationsleiters der PO. und der DAF., Pg. Selzner, der sich ins­besondere mit der Organisationsarbeit in der Deut­schen Arbeitsfront befaßte und dabei mit- teilte, daß die erste Etappe dieser gewaltigen Arbeit in diesen Tagen dadurch abgschlossen wurde, daß die Betriebs - und Ortsgruppen-Orga- nisationen er st eilt sind. Insgesamt würden etwa 1,5 Millionen Nationalsozialisten als Block- malter, Zellen- und Ortsgruppenleiter in der Deut­schen Arbeitsfront die inneren Beziehungen zwischen der nationalsozialistischen Bewegung und dem ge­samten schaffenden Volke sichern.

Volksgesundheit

Als letzter Referent sprach der Amtsleiter des Amtes für Volksgesundheit der NSDAP. Dr. Wag­ner über den Ausbau der volksgesundheit­lichen Organisation, wie sie sich aus der vom Stellvertreter des Führers kürzlich verfügten Schaffung des für alle Fragen der Volksgesundheit innerhalb der Partei zuständigen Amtes für Volksgesundheit d e r NSDAP, ergeben. Aus den Ausführungen Dr. Wagners erstand das Bild der eingehenden und großzügigen Sorge, mit der die nationalsozialistische Bewegung das für die Zukunft der Nation so wichtige Gebiet der volks- aesundheitlichen Betreuung der deutschen Menschen bearbeitet.

Führung

Am Schluß des ersten Tages der Arbeits­tagung nahm der Stabsleiter der PO., Dr. Ley, noch einmal das Wort zu einer kurzen An­sprache, in der er sich mit der Führungsauf­gabe der Partei im Volk befaßte. Die Par­tei bekümmere sich um das Volk und deshalb ver­traue es ihm. Diese Sorgen der Partei, dieses Be­kümmern, habe zur Folge, daß das Volk heute mehr denn je den Willen in sich trage, an der national­sozialistischen Aufbauarbeit t e i l z u n e h m e n. Aufgabe der Partei und ihrer großen Drgantfation sei es diesen Ausbauwillen der ganzen Nation in die Tat umzusetzen. Das sei der Weg, auf

wertvoller Aufmachung der Schaufenster ziemlich weit verbreitet. Die Erfolge sind im allgemeinen durchaus erfreulich. Trotzdem kann man den letzten Zweifel hegen, ob gerade auf diesem Gebiet schon der Berg überfliegen ist. Denn in den Zeiten ver­stärkter Werbung, etwa beim Inventur-Verkauf, wenn jede Firma die andere auszustechen und zu übertrumpfen versucht, werden vielfach alle Rück­sichten auf Kunst und Geschmack vergessen. Ganze Straßenzüge einer Stadt bieten dann häufig em Bild schreiender Geschmacklosigkeit. Auch in den stil­leren Zeiten machen sich Rückschläge von der er­freulichen Aufwärtsentwicklung bemerkbar, an denen wir nicht stillschweigend vorübergehen sollten. Manche großstädtischen Schaufenster sehen aus wie Jazzmusik; man möchte sagen: sie schreien den Be­trachter an mit Dissonanzen, die nur ein robuster Sinn verträgt. Das Schaufenster ist dazu da, dem Kunden die Auswahl und die Preiswürdigkeit der Ware zu zeigen. Die Art des Aufbaues, die Zu­taten dienen nur dazu, die Aufmerksamkeit des Vorübergehenden auf die Ware zu lenken. Sobald die Aufmachung Selbstzweck wird, lenkt sie von der Ware ab und verfehlt ihren Zweck.

dem es bisher gelungen sei und weiter gelinge, durch den gemeinsamen Willen aller dem National­sozialismus in Deutschland eine tief wurzelnde Macht zu geben. Dr. Ley schloß den ersten Tag der Reichs- und Gauleiterzusammenkunft mit einem dreifachen Sieg-Heil auf den Führer.

Eine Anordnung

des Ehefs des Stabes der SA.

Berlin, 4. Juli. (DNB.) Der Chef des Stabes der SA.» Luhe, gibt folgenden Befehl bekannt:

In Abänderung aller in nachstehenden Angelegen­heiten bisher örtlich gegebenen Befehle ordne ich folgendes an:

1. Der für die SA. befohlene Urlaub bleibt in vollem Umfang bestehen. Das Tragen des SA.- Dienstanzuges in dieser Zeit ist soweit gestattet, wie es der Urlaubsbefehl im allgemeinen zugelaffen hat.

Ls ist schleunigst Sorge dafür zu tragen, daß die Lhrendolche durch Abschleisen des Na­mens des Verräters an unserem Führer Adolf Hitler gereinigt werden. Diese Dolche können als Dienstdolche von der SA. weiter­getragen werden.

2. Die SA. -Führer vom Standartenführer einschließlich auswärts geben ihre genauen An­schriften, wo sie jederzeit zu erreichen sind, bei ihren

Gruppen bezw. Obergruppen schriftlich an. Die geplanten Urlaubsreisen innerhalb Deutschlands können angetreten werden.

3. Die Teilnahme von geschlossenen SA.- Einheiten in Zivil oder im Dienstanzug bei Kundgebungen aller Art während der Urlaubszeit ist nur nach ausdrücklicher Ge­nehmigung durch die zuständigen Führer der Gruppen bzw. dort, wo Gruppenführer nicht ein­gesetzt sind, durch die von mir kommissarisch beauf­tragten Führer gestattet.

Der Chef des Stades: gez. Luhe.

Killinger aus der Haft entlasten.

Dresden, 4. Juli. (DNB.) Um den völlig halt­losen Gerüchten über die Verhaftung bzw. Erschie­ßung des früheren Führers der SA. - Obergruppe IV von Killinger entgegen­zutreten, veröffentlich die Pressestelle des SS.-Ober­abschnittes Mitte folgende Erklärung:

Der frühere Führer der SA.-Obergruppe IV von Killinger wurde am Sonntag, dem 1. Juli 1934, 14.30 Uhr, im Auftrage des politischen Polizeikom­mandeurs der Länder wegen Verdachts des Hoch- und Landesverrates verhaftet und dem Kon­zentrationslager Hohenstein überstellt. Nach neuer­licher Weisung wird von Killinger wieder auf freien Fuß gesetzt, von einerweiteren Verwendung als SA. - Führer jedoch Ab st and genommen.

Unüberbrückbare Gegensätze.

Geringe Möglichkeiten für Barthous Fühlungnahme in London.

London, 5. Juli. (DNB. Funkspruch.) Zu dem bevorstehenden Besuch des französischen Außenmini­sters Barthou in London machtDaily Tele­graph" folgende Feststellungen: Barthou habe beschlossen, bereits am kommenden Dienstag anstatt erst am Mittwoch wieder von London abzureisen. Da der Pariser englische Botschafter Sir George L l e r k ihm bereits mitgeteilt habe, daß die englische Politik gegenwärtig weitere Verpflichtun­gen auf dem Fe st lande ablehne. Dies bedeute

1. daß England den von Barthou vorgeschlagenen Pakten der gegenseitigen Unterstützung für Ost­europa, den Balkan und das Mittetmeer nicht b e i t r e t e n könne und sich möglicherweise nicht einmal veranlaßt sehen werde, seine platoni­sche Zustimmung zu ihnen auszudrücken;

2. daß England an seinen bestehenden Verpflich­tungen aus dem Locarnovertrag be­züglich Westeuropas fest halte und gegenwär­

tig nicht bereit fei, sie auszudehnen oder zu ändern.

Demgegenüber habe Frankreich weiterhin nicht die Absicht, irgendeiner allge­meinen Abrüstungsvereinbarung zuzustimmen, die eine deutscheAufrüstung" und die deutsche Gleichberechtigungsansprüche sanktionieren würde.

Italienisch-französischer Meinungs­austausch.

Paris, 4. Juli. (DNB.) Der französische Bot- schafter in Rom, d e Chambrun, ist nach P a - r i s abgereift, wo er am Donnerstag eintrifft. Der römische Korrespondent desParis Soir" behauptet, daß de Chambrun, der in letzter Zeit wieder­holt mit Mussolini und Suvich ver­handelt habe, den italienisch-französischen Mei­nungsaustausch über sämtliche zwischen beiden Ländern schwebende Fragen vorbereiten wolle.

AtsredRosenbergsprichtaufderEisenacher Reichstagung der AS.-Kulturgenleinde.

Eisenach, 4. Juli. (DNB.) Die erste Reichs­tagung der NS.-Kulturgemeinde wurde am Mitt­wochabend auf dem Adolf-Hitler-Platz mit einer Kundgebung eröffnet. Reichsleiter Alfred Rosen­berg führte dabei u. a. aus: Heute stehen wir vor der Tatsache, daß die alten Anschauungen versunken sind, daß mit den politischen Parteien auch eine be­stimmte soziale Ordnung gesprengt worden ist, daß die Schranken zwischen den Berufen und Konfessio­nen gefallen sind und daß nun 70 Millionen zu einer neuen Lebensanschauung gelangen. Blut und Boden, Ehre und Arbeit, das sind einige jener Losungen, die heute durch die Seelen von Millionen ziehen. Die Schatten der Geschichte steigen wieder empor, Menschen, die früher in hellstem Licht einer alten Geschichtsbetrachtung standen, treten vor den Gefühlen der heutigen Gegenwart in den Schatten zurück. Man sagt uns, daß wir mit unserer Geschichtsbetrachtung tausendjährige deutsche Geschichte auslöschen wollen. Wir dagegen sagen, daß wir eine jahrtausendalte Geschichte wieder

zum Leben erwecken. Um ein einheitliches Volk und eine einheitliche Kultur zu schaffen und zu besitzen, ist es notwendig, daß auch die Vergangen­heit einheitlich von diesem Volk be­griffen wird. Deutschland war jahrhundertelang zersplittert in Hunderte, später in Dutzende von Staaten. Jeder dieser Staaten hatte seine eigene Kultur, sein eigenes Kulturzentrum, und niemand von uns kann, wenn er durch Deutschland fährt, an diesen Kulturstätten vorübergehen, ohne die Frage gehört zu hgben: Wenn ihr ein Volk, einen zentral straff geeinten Staat schaffen wollt, werdet ihr auch diese'Kulturstätte nivellieren? Wir ver­neinen diese Frage. Wir stellen uns vielmehr vor, daß, wenn dieses Reich erst einmal fest gefügt ist, es auch Muse genug hat, sich immer tiefer der kul­turellen Bestrebungen anzunehmen. Wir können uns vorstellen, daß München als eine Zentrale der bil­denden Kunst geschaffen wird, und daß in ähnlicher Weise für Musik und Malerei, auch für den Sport, besondere Stätten ausgesucht werden, und jede

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Das zeigt sich beispielsweise neuerdings besonders deutlich bei der Lichtreklame in hen Ge­schäftsstraßen. Die Ladeninhaber erwirken mit gro­ßer Mühe die Erlaubnis zu Leuchtreklamen. Dann überbieten sie sich in greller Beleuchtung der Haus­front, in beweglichen, das Auge schmerzlich be­rührenden Lichteffekten. Und das Endergebnis ist, daß man die in den Fenstern ausgelegte Ware überhaupt nicht mehr beachtet; manchmal gar nicht beafyten kann, weil das Licht blendet. Was für ein Kino gut ist, taugt nicht immer für den Laden. Ein gut beleuchtetes Schaufenster in einer dunklen Hauswand ist weit wirkungsvoller als das Fenster in einem kreisenden, schreienden Lichtmeere.

Im Zusammenhang damit muß auch die allge­meine Frage der Verschandelung der Landschaft und des Städtebildes durch Werbung erwähnt werden. Grundsätzlich ist hier der Kampf zwischen Kultur und Absatz zugunsten der ersten entschieden. Wenn nicht der Gewinn des ein­zelnen, sondern die Versorgung der Gesamtheit der Zweck alles Wirtschaftens ist, dann kayn eine Be­schränkung der Werbemittel nie Schaden anrichten. Denn im wesentlichen dient die Werbung dem

Kampfe zwischen den Kokurrenten. Soweit es sich wirklich um eine volkswirtschaftlich wertvolle Wer­bung handelt, um die Aufklärung über ein neues Mittel, die Beseitigung einer allgemeinen Gefahr u. bgl. ist es nie notwendig, Werbemittel zu ver­wenden, die als kulturwidrig zu bezeichnen sind.

Nun soll nicht etwa empfohlen werden, daß der Werberat sich um alle einzelnen Werbungen küm­mert oder in der Art des alten Polizeistaates die einzelnen Geschäftsleute kontrolliert und bevor­mundet. Deswegen heißt die Ueberschrift dieser Er­örterung auch nichtKulturaufgabe" sondernKul­turbedeutung" des Werberates. Diese Bedeutung ist zweifellos da und kann mittelbar außerordent­lich wirksam werden. Einerseits durch die Richt­linien und Grundsätze, die er ausgestellt, und in denen die Rücksicht auf die deutsche Kultur in Bild und Wort nicht scharf genug betont werden kann. Andererseits durch den Einfluß, den die Spitze aller werbenden Wirtschaftsmenschen durch Vorbild, Auf­klärung und persönlichen Verkehr üben kann. Was wir erreichen müssen, ist, daß nur künstlerisch, kul­turell hochstehende Werbemittel erfolgreich sind und daß Geschmacklosigkeiten unrentabel werden.