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Aufruf!

Bekämpfung der Arbeitslosigkeit durch die Regelung des Arbeitseinsatzes.

Die Reichsregierung hat in dem Gesetz zur Re­gelung des Arbeitseinsatzes vom 15. 5. 1934 festge- legt. in welcher Richtung in der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit weiter zu gehen ist. Wir machen alle Unternehmer darauf aufmerksam, datz sie

1. alle Arbeitseinstellungen nur durch das Ar­beitsamt vorzunehmen haben,

2. in jedem Fall, in dem Personen, die am 18. 5. 1934 oder in den vorhergehenden 3 Jahren länger als 52 Wochen in der Landwirtschaft tätig waren, in anderen als landwirtschaftlichen Betrieben oder -Berufen für andere als land­wirtschaftliche Arbeiten nur auf vorhergehenden schriftlichen Antrag (Formular beim Arbeits­amt) und nur mit darauf ergangener schrift­licher Zustimmung des Arbeitsamtes eingestellt werden dürfen.

Zur Befriedigung des Bedarfs an Arbeitskräf­ten für die Landwirtschaft für das Jahr 1934 kann das Arbeitsamt den Betrieben, die in einer An­ordnung des Präsidenten der Reichsanstalt genannt sind, die Verpflichtung auferlegen, Arbeiter oder Angestellte zu entlassen, die in den letzten 3 Jahren in der Landwirtschaft tätig waren.

Wir nehmen an, datz die mit diesen Anordnungen begonnene Umschichtung von dem Betriebsführer dadurch unterstützt wird, datz sie in erster Linie junge ledige Kräfte unter 25 Jahren auf die für sie im FAD. und in der Landwirtschaft gegebenen Arbeitsmöglichkeiten Hinweisen. Die so freiwecden- den Plätze werden soweit als möglich durch alte Kämpfer und fozialbedürftige, verheiratete, arbeits­lose Volksgenossen beseht und soweit Jugendliche an die Stelle der Ausgeschiedenen treten müssen, durch Angehörige des Freiwilligen Arbeitsdienstes, die eine 12monatige Tätigkeit in den Arbeitslagern durch Vorlegung des Arbeitspasses nachweifen können.

Glehen, den 28. Mai 1934.

Kreisleitung der NSDAP.: Klo st ermann.

Arbeitsamt Gießen:

Der Vorsitzende: gez. Dr. L i st.

Kreisamt Gießen:

I. V.: Dr. Schönhals, Ober-Reg.-Ral.

und demzufolge eine Verkürzung der Pfar­rergehälter notwendig geworden fei. Für das Gebiet der ehemaligen Landeskirche Hessen- Dar m st a d t ist diese Mitteilung nicht richtig. Hier sind die staatlichen Leistungen nicht herabgesetzt worden. Die Nachricht bezieht sich in Wahrheit nur auf das preußische Gebiet der neuen Einheitskirche Nassau-Hessen, nicht aber auf das hessische Gebiet dieser Kirche. Demgemäß ist auch die Überschrift der Mitteilung nicht zutreffend.

*

Der Evangelische Presseverband be­richtigt die von ihm herausgegebene und von uns am Samstag veröffentlichte Notiz ebenfalls und zwar in folgender Form:

In dem Artikel unserer gedruckten Pressekorre­spondenz Nr 22 vom 29. Mai 1934 berichteten wir über Sparmaßnahmen auf dem Gebiete der Pfarr­versorgung. Es heißt dort: Die Staatsleistungen für die wirtschaftliche Versorgung des Pfarrerstan­des im Rechnungsjahr 1934 sind gegen 1933 weiter gekürzt worden. Wir bemerken dazu, daß es sich um den Preußischen Staat handelt, die hessischen Staatsleistungen sind aufgrund des Abkommens von Staat und Kirche um etwas erhöht.

Die Ergebnisse des Leistungs-Wetischreibens der Stenographen.

Am vergangenen Samstag und Sonntag fand, wir berichteten bereits eingehend darüber, in V a d - Nauheim eine Tagung des Kreisverbandes Gie­ßen der Deutschen Stenographenschaft statt. Mit dieser Tagung war ein Wettschreiben verbunden, bei dem folgende Teilnehmer als Preisträger her­vorgingen:

Oie Ergebnisliste.

80 Silben:

1. Preise (E ist Ehrenpreis): Willi Lampert, Vad-Nauheim (E); Paul Großhaus, Grünberg (E); Frau Marie Seeger, Vad-Nauheim (E); Ilse Schnei­der, Friedberg (E); Wilhelm Laubach, Friedberg (E); Karl Weinandt Großen-Linden: Ernst Dech, Wieseck; Anneliese Mucke, Gießen; Walter Zulauf, Gießen; Dina Michel, Grünberg; Maya Müller, Vad-Nau- heim; Hildegard Siebert, Gießen; Erna Hofmann, Friedberg; Liesel Ziegler, Vad-Nauheim; Ernst Busch, Friedberg; Ludwig Holler, Friedberg; Elli Klodt, Bad-Nauheim; Hans Krueger, Butzbach.

2. P r e is e: Leni Ditschler, Büdingen; Albert- wald, Wieseck; Willy Kornrumpf, Bad-Nauheim; Grete Schmidt, Gießen; Marie Jhl, Friedberg; Elli Philipp, Gießen; Ernst Weber, Grünberg; Erna Bellos, Wieseck; Hans Rapp, Wieseck; Otto Dapper, Wieseck; Albert Kreicker, Laubach; Heinrich Jakobi, Bad-Nauheim; Emmi Wahl, Gießen; Paul Heid- lindemann, Gießen; Erich Högel, Laubach; Heinrich Barth, Büdingen; Werner Becker, Wetzlar; Walter Billasch, Friedberg; Walter Lang, Großen-Linden; Helmi Zschritz, Bad-Nauheim; August Günther, Friedberg; Irmtraut Kraft, Büdingen; Marie Bierau, Wieseck; Heinrich Schmitz, Friedberg; Willy Stamm, Bad-Nauheim; Erwin Heller, Butzbach.

3. Preise: Hanni Groß, Friedberg; Erika Wigandt, Gießers Irma Braun, Wieseck; Irma Schneider, Wieseck.

100 Silben:

1. Preise: Aenne August, Friedberg (E); Lotte Enders, Alsfeld (E); Marie Möller, Grünberg (E); Gusti Ehrig, Friedberg; Margarete Frey, Fried­berg; Georg Bingel, Gießen; Elisabeth Schrödt, Friedberg; Liesel Bernot, Friedberg.

2. Preise: Wilhelm Liehr, Grünberg; Hilde Becker, Bad-Nauheim; Emmely Schneider, Wieseck; Karl Bender, Butzbach; Wilhelm Rempel, Büdingen; Eduard Eisenmann, Friedberg; Erna Zabel, Als­feld; Heinrich Lindenau, Friedberg; Helga Trom- mershäuser, Friedberg; Hermann Blum, Gießen; Elfried'e Loth, Alsfeld; Gretel Reichert, Friedberg; Lina John, Friedberg.

3. Preise: Paul Klrschat, Butzbach; Marga Michl, Butzbach; Georg Strudel, Butzbach; Tilly Stamm, Bad-Nauheim; Else Sturm, Friedberg.

120 Silben:

1. Preise: Käthe Hartmann, Bad-Nauheim (E); Ria Henkel, Bad-Nauheim (E); Georg Heier, Bad-

Nauheim (E); Luise Fisch, Bad-Nauheim (E); Ma­rie Kromm, Schotten; Emmi Huppert, Friedberg; Georg H. Gröninger, Friedberg; Rudi Hörnle, Bad-Nauheim; Otto Heßler, Gießen; Heinrich Heß­ler, Butzbach; Elfriede Kaiser, Wieseck.

2. Preise: Rud. Pfeiffer, Biedenkopf; Karl Hahn, Wetzlar; Elvira Spitaler, Friedberg; Rudolf Volp, Friedberg; Marga Seidler, Bad-Nauheim; Alois Hahn, Bad-Nauheim; Martha Merkel, Bad- Nauheim; Katharina Grill, Gießen.

3. Preise: Heinrich Reitz, Laubach; Theodor Knaf, Büdingen; Heinrich Mathes, Bad-Nauheim; Erna Hilgen, Butzbach; Lieselotte Meiselbach, Butz­bach; Lina Degen, Grünberg; Hermann Pauli, Bad-Nauheim; Wilhelm Jungermann, Bingenheim; Reinhold Hahn, Grünberg.

140 Silben:

1. Preise: Luise Metz, Gießen (E); Emma Reitz, Gießen (E); Gerda Hüter, Gießen (E); Karl- Heinz Schneider Friedberg; Frieda Döringer, Wie­seck; Lieselotte Röhm, Gießen.

2. Preise: Elsa Röhm, Grünberg; Adolf Schmidt, Wieseck; Lina Klugermann, Alsfeld; Wal­ter Bende, Gießen; Heinrich Schreiner, Alsfeld; GeorgSchaaf, Gießen; Otto Hahn, Butzbach; Wilma Leipold, Gießen; Emma Lotz, Wieseck; Käthi Nohy, Friedberg; Lina Bötz, Wieseck; Leni Grafenstadt, Butzbach; Karl Borchard, Alsfeld; Lott Horn, Bad- Nauheim; Henni Schürmayer, Wieseck; Ursula Süß, Gießen; Robert Wolf, Alsfeld.

3. Preise: Irma Krämer, Gießen; Friedrich Hildebrand, Wieseck; Berta Eisenbach, Gießen.

160 Silben:

1. Preise: Anny Stadelmann, Friedberg (E); Lieselotte Böttcher, Wetzlar (E); Dora Kern, Gießen.

2. Preise: Toni Riedesel, Biedenkopf; Ilse Schütz, Friedberg; Heinrich Barth, Friedberg; Ma­rie Kellenbenz, Butzbach; Emil Jost, Gießen.

3. Preise: Otto Krumm, Gründern; Adolf Möser, Büdingen; Wilhelm Hofmann, Gießen; Otti Muhl, Gießen.

180 Silben:

3. Preise: Emilie Lang, Alsfeld (E); Georg Heuser, Alsfeld; Frieda Wagner, Biedenkopf.

200 Silben:

1. Preise: Johanna Bohl, Gießen (E); Franz Koch, Gießen (E).

2. Preise: Ernst Eckhardt, Gießen; Georg Garg, Alsfeld; Fritz Reh, Gießen.

3. Preise: Hch. Becker, Biedenkopf; Karl Klin­gel, Alsfeld.

220 Silben:

2. Preis: Gertrud Müller, Gießen (E).

260 Silben:

1. Preis: Willi Brückmann, Gießen (E).

Gießener Wochenmarktpreise.

* Gießen, 5. Ium. Auf dem heutigen Wochen­markt kosteten: Süßrahmbutter, das Pfund 1,45 bis 1,50 Mark, Landbutter 1,30 bis 1,35 Mark, Matte 20 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Eier, Klasse S 10%, Klasse A 10, Klasse B 9%, Klasse C 9, Klasse D 8, ungestempelte 7%, Wirsing, das Pfund 15 bis 20, Gelbe Rüben, das Bund 15, Spinat, das Pfund 15 bis 20, Römischkohl 10 bis 15, Bohnen (grün) 30 bis 35, Spargel 25 bis 45, Erbsen 25 bis 30, Tomaten 45 bis 50, Zwiebeln 15, Rhabarber 8 bis 10, Kartoffeln (alte) 3% Pf., der Zentner 3,20 bis 3,30 Mark, neue, das Pfund 12 Pf., Aepfel 20 bis 30, Kirschen 30 bis 35, Stachelbeeren (grün) 20, Erd­beeren 50 bis 60, Blumenkohl, das Stück 10 bis 45, Salat 8 bis 10, Salatgurken 30 bis 45, Oberkohl­

rabi 8 bis 10, Lauch (Suppengrünes) 5 bis 10, Ra­dieschen, das Bund 8 Pf.

Bornotizen.

Tagest alender für Dienstag: Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Die Rosl vom Traunsee". Verbrauchergenossenschaft Gießen, 20.30 Uhr, Cafe Leib, Konzert.

** Hervorragender Erfolg eines Gießener Architekten. Der Architekt Georg Wellhausen, ein Sohn unserer Stadt, der wiederholt an großen Wettbewerben teilnahm, hat im Jdeenwettbewerb um die Kongreßhallen in Ham­burg, die 60 000 Menschen fassen, und ein Drittel des Heiligengeistfeldes bedecken sollen, den zweiten

Preis errungen. Georg Wellhausen, hat seine Ausbildung in Gießen bei Baurat Meyer und in Darmstadt an der Baugewerkschule und als Mei­sterschüler von Professor W i e n k o p erhalten. Nach seiner Ausbildung'war er in Düsseldorf, in Bochum und jetzt in Hamburg mit großem Erfolg tätig..

* Brigade Ehrhardt. Alle ehemaligen Angehörigen der Brigade Ehrhardt, der Organisa­tion Consul (O.C.) und Wiking-Bund werden ge­beten, ihre genaue Anschrift an Standartenführer Schaefer, Friedberg (Hess.) Haagstraße 16, mit­zuteilen. Ausweise über die frühere Zugehörigkeit zu einer dieser Organisationen sind zu Prüfungs­zwecken beizufügen. Die Ausweise werden nach Prüfung zurückgesandt. Rückporto ist beizufügen. Um Nachdruck wird gebeten.

** Die diesjährige öffentliche Imp­fung in Gießen findet am Mittwoch, 6. Juni (erster Termin), am Mittwoch, 13. Juni (zweiter Termin) und am Mittwoch, 20. Juni (dritter Ter­min) in der Turnhalle der Pestalozzischule statt. Auf die heutige Bekanntmachung sei hingewiesen.

** Arbeitserleichterungen. Die körper­liche Leistungsfähigkeit hängt wesentlich auch von der Umgebung ab. Darum besitzt die Gestaltung des Arbeitsraumes für jeden Arbeitenden eine große Bedeutung. Im geschlossenen Raum wird die Luft sehr schnell verbraucht, und auf die geringe Ver­änderung in der Luftzusammensetzung.reagiert das Nervensystem außerordentlich fein. Es soll deswegen nicht nur einmal am Tage lange, sondern mehrmals kurz gelüftet werden. Das gilt auch für den Winter. Man erkältet sich nicht dadurch, daß man lüftet, sondern daß man sich den ganzen Tag über in schlechter überheizter Luft befindet. Wie soll man aber lüften? Lüftet man durch ein unteres Fenster, so kann die einströmende kühle Luft die verbrauchte warme Luft im oberen Teil des Raumes nur un­vollständig verdrängen. Lüftet man jedoch durch ein Oberfenster, so verdrängt die einströmende kühle Luft die verbrauchte warme fast vollständig. Außer der Sorge für frische Luft ist auch die Beleuchtung für die Arbeit wichtig. Abgesehen von der schäd­lichen Wirkung auf die Augen, vermag eine schlechte Beleuchtung auch unmittelbar die Leistung stark zu mindern.Wenn man bei angestrengter Tätigkeit auch noch einen Teil seiner Arbeitskraft durch besondere Anstrengungen des Auges vergeuden muß, so ist vorzeitige Ermüdung die Folge. Wo bei künstlichem Licht gearbeitet werden muß, empfehlen sich drin­gend Tageslicht- oder Blaulichtlampen. Auch sollte das Auge immer vor direktem Lichteinfall geschützt werden. Deswegen sind Lampen, die sich im Blick­feld befinden, in richtiger Weise abzublenden. Mit jeder Entfernung der Lichtquelle nimmt auch die Sehleistung ab. In solchen Fällen tritt eine lieber- anstrengung des Auges ein.

Amtsgericht Gießen.

Ein Kraftfahrer aus Bieber wurde wegen Ver­gehens gegen das Kraftfahrzeuggesetz zu 10 0 M k. Geldstrafe verurteilt. Der Angeklagte verur­sachte durch unvorschriftsmäßiges Fahren einen Zu­sammenstoß mit einem Motorradfahrer Ecke Mar­burger Straße und Steinstraße.

Mainz feiert Gutenberg.

LPD. Mainz, 4. Juni. Die Geburtsstadt des Erfinders der schwarzen Kunst veranstaltet wie alljährlich so auch in diesem Jahre am Johannis­tag ihre traditionelle Huldigung vor dem (Buten- bergdenkmal. Vormittags findet im Kurfürstlichen Schloß die 33. ordentliche Mitgliederversammlung der Gutenberg-Gesellschaft, der Internationalen Vereinigung für Geschichte und Gegenwart der Druckkunst unter dem Vorsitz von Oberbürger­meister Dr. Barth statt. Dr. Karl Schotten­loher, Abteilungsdirektor der Bayrischen Staats­bibliothek München, wird im Verlauf der Versamm­lung über das ThemaDer Buchdrucker als neuer Berufsstand des 15. und 16. Jahrhunderts" spre­chen. Am Vorabend des Johannistages findet ein kameradschaftlicher Abend der Buchdrucker und Freunde der Druckkunst statt.

Unö nun, Ellen?

Roman von Käthe Mehner.

Urheberrechtsschutz: Fünf-Türme-Verlag, Halle (S.)

23 Fortsetzung. Nachdruck verboten!

Die bestürzte Frau Zimmermann zweifelte an dem Verstand des jungen Mannes, der wie ein Besessener im Korridor hin und her lies und dann die Finger auf die Lippen legte:

Pst! Still sein! Fräulein Ehlers darf das noch nicht erfahren. Es könnte bei ihrem Zustand ge­fährlich sein. Sie kennt ihn. Nur jetzt das arme Kind nicht aufregen!"

Frau Zimmermann wollte fragen. Da klingelte die Post, und dann hielt Bernd Caßler einen Brief in den Händen, mit dem er in seinem Zimmer verschwand.

Gleich kam er wieder, sauste mit weit offenem, wallenden Gummimantel, ohne Hut an der sprach­losen Wirtin vorbei und lief durch die Straßen.

Kurzatmig hielt er endlich an der Tür zum Untersuchungsgefängnis.

Wen wollen Sie sprechen?" Der Justizbeamte ließ ihn ein.

Herrn von Rakenius.

Der Richter hatte nichts dagegen. Also schritt Bernd Caßler hinter dem Beamten her. Seine Augen sahen nicht rechts, nicht links in dem langen Gang.

Schlüsselgerassel.

Sie kommen selbst, Herr Caßler?"

Der Justizwachtmeister wich nicht von der Stelle. Auch der Untersuchungsrichter sand sich ein.

Ja, ich komme selbst, Herr Doktor. Sie schrieben mir, ich sollte mich Fräulein Ehlers' annehmen. Sie ist krank, schwer krank. Fristlos entlassen warum? Wie? Ich weiß nun alles. Doch lassen Sie mich ich muß Zeit haben. Ich komme wieder sehr, sehr schnell. Ich wollte nur sehen, ob alles wahr ist alles wahr. Verzagen Sie nicht, Herr Doktor. Wiedersehn ..."

Die Beamten sahen sich fragend an.

Wollen Sie nichts zu Protokoll geben?" fragte der Untersuchungsrichter.

,Hch komme gleich wieder gleich!"

Damit war der seltsame Besuch schon weggelaufen.

Ellen Ehlers lag wie eine stille Dulderin in den weißen Kissen, als Bernd Caßler vorsichtig mit Frau Zimmermann eintrat.

Sie fühlen sich wohler, Ellen?"

Ja, Herr Caßler! Es war nur eine törichte Schwäche."

Sann ich mit Ihnen etwas Wichtiges besprechen, Ellen Ehlers? Ganz Wichtiges? Erschrecken Sie auch nicht? Nein nicht wahr? Das dürfen Sie

nicht! Es ist nämlich ein Mensch in Gefahr, ein Mensch, ben wir beide lieben. Wir nur können ihm helfen, vielleicht helfen!"

Von wem sprechen Sie, Bernd? Von ihm? Er hat mich ja entlassen!" Ein trauriges, verbitter- tees Lächeln huschte um den bleichen Mädchen­mund, und doch stand in den Augen noch immer trotz allem und jedem so viel gläubige Liebe.

Nein! Er hat Sie nicht entlassen! Ein Irrtum! Ein schrecklicher Irrtum! Doch kurz: Doktor Rake­nius ist verhaftet. Seine Frau ist erschossen worden!"

Das Mädchen zuckte entsetzt zusammen, beherrschte sich aber dann und fragte ganz, ganz schwach:

Und wir können helfen? Wir?"

Ja freilich! Wir vielleicht als einzige. Ich bin mir vollkommen klar. Denken Sie an den seltsamen Begleiter von Frau von Rakenius in dem kleinen Cafe kürzlich."

Ellen Ehlers richtete sich jäh auf.

Gehen Sie, Bernd! Warten Sie draußen auf mich!"

Sie wollen aufstehen? In diesem Zustand auf» stehen?"

Bernd Caßler und Frau Zimmermann riefen es fast gleichzeitig, doch die Kranke wehrte gefaßt ab.

Was liegt an meinem bißchen Gesundheit? Dort ist ein Mensch in furchtbarer Gefahr! Lassen Sie mich...!"

Die beiden erschrockenen Menschen wichen vor der Entschlossenheit der Kranken zurück. Hier half nichts, das fühlte sie. Kein Betteln und Bitten.

Wir werden einen Wagen nehmen, Frau Zim­mermann, damit Fräulein Ehlers nicht gar so lange unterwegs ist sie ist ja so schwach!^

Die alte Frau nickte nur. Das alles war ihr unbegreiflich und kaum zu fassen.

Wir werden Ihnen erzählen, Frau Zimmer­mann, wenn alles so eingetroffen ist, wie ich denke. Doch jetzt ist keine Zeit zu verlieren. Ich muh schnellstens einen Wagen besorgen."

Ellen Ehlers zitterten die Knie, als sie, von Bernd Caßler geleitet, die Treppen hinunterstieg. Doch sie biß tapfer auf die Zähne. Rainer von Rakenius! Kein anderer Gedanke beherrschte sie mehr, als dem geliebten Manne zu helfen, ihn aus feiner furchtbaren Qual zu befreien. So groß war ihr Glaube an ihn, daß ihr nicht einen Augenblick Zweifel kamen, ob er nicht vielleicht der Täter sein könnte.

Und dann standen sie vor dem Untersuchungs­richter.

Zwei Augen ruhten forschend, prüfend auf Ellens Gesicht.Sie sind also Fräulein Ehlers? Und Sie Herr Caßler?"

Ein zweistimmiges:Ja!"

Ich muß Sie aber bitten, einstweilen hinaus- zugehen, Herr Caßler. Ich habe natürlich Interesse daran, Fräulein Caßler zu vernehmen. Hätte sie

gerade heute nachmittag noch hierher gebeten. Doch Sie interessieren uns nicht bei dieser Sache."

Aus den Augen des blassen, zusammengesunkenen Mädchens war aller Glanz gewichen. Wie ein krankes Kind saß sie auf dem Stuhl. Doch Caßler stand aufrecht dahinter.

Fräulein Ehlers ist sehr, sehr krank, Herr Unter­suchungsrichter! Lassen Sie mich dabei. Sie werden gleich erkennen, daß ich ebenso notwendig bin. Sie können unsere Angaben genau nachprüfen. Sie stimmen!"

Und warum melden Sie sich erst jetzt?"

Wir erfuhren erst heute morgen davon. Ich holte ja Fräulein Ehlers gleich. Nehmen Sie Rücksicht auf die Kranke."

Ellen schüttelte mit dem Kopse.

Keine Rücksicht auf mich ..."

Der Richter suchte die Akten unter einem Stoß anderer, blätterte und blickte dann scharf in die Augen des Mädchens.

Wir haben leider keinen Anhaltspunkt. Niemand hat Frau von Rakenius je mit einem anderen Menschen gesehen. Der Mord ist rätselhaft."

Mir nicht!" fiel Ellen voller Gläubigkeit an die Schuldlosigkeit des geliebten Mannes ein.

Sie lieben den Verdächtigen? Aus Abschieds­briefen der Toten geht es hervor..."

Ja, ich liebe ihn!" So unmittelbar aus dem Herzen kam diese Antwort, daß der Richter erstaunt aufblickte und zu begreifen schien.

Sie geben also zu, mit Herrn Doktor von Rake­nius ein Verhältnis gehabt zu haben?" sagte er ohne Schärfe.

Ich?" Der ganze Stolz einer reinen Frau lag in der entsetzten Frage des Mädchens, das wie unter einem Stich sich kerzengerade aufgerichtet hatte.

Sie dürfen ihr nicht weh tun, Herr Richter. Fräulein Ehlers ist doch krank."

Ein dankbarer Blick des Mädchens.

Weh tun? Es gehört zur Sache! Aber gut... Es ist nicht so. Dann erzählen Sie bitte selbst. Diel- leicht kommen wir da eher weiter."

Der Richter war erschüttert von so viel Reinheit und Liebe. Nein! Diese Kinderaugen konnten nicht lügen. Aber welche Rolle spielte nur ihr Begleiter dort... dieser Mann mit dem bleichen, intelligenten Gesicht?

Noch schien es ein Rätsel. Doch als Bernd Caßler zu erzählen begann und Ellen ihn unterstützte, klärte sich auch das allmählich.

Ich sah jenen Mann, von dem ich jetzt immer sprechen muß, zum ersten Male im Kino. Ich war dort Platzanweiserin. Es gab keine andere Verdienstmöglicbkeit."

Der Richter sah auf. So viel Lebensmut!, dachte er in stiller Anerkennung.

Sprechen Sie nur ganz ruhig weiter, Fräulein Ehlers. Wann sahen Sie ihn dann wieder?"

Wir sahen in einem Cafs der Innenstadt. Herr Caßler und ich. Wir sind durch die Not der Zeit Kameraden geworden. Ich verdanke ihm viel. Er ist so gut."

Der Richter sah auf den jungen Menschen, der jetzt unter dem unerwarteten Lob heftig errötete.

Ich weiß nicht gleich, wie das Cafö heißt..." Bernd Caßler nannte den Namen.

Und da kam wieder dieser Mann und nicht lange nach ihm Frau von Rakenius. Ich kannte sie ja auch. Hatte sie früher schon einmal im Auto neben ihrem Gatten gesehen, später war sie dann auch einmal im Lichtspielhaus. Ich ahnte damals nicht, daß sie meinetwegen gekommen sein könnte. Vielleicht hat man ihr von mir viel Unwahres erzählt. Ich habe ja Herrn Doktor von Rakenius nur einmal einen Tag lang gesprochen. Es war bei dem Unglücksfall, den ich Ihnen schon schilderte. Dort in dem Cafs haben wir dann die beiden Menschen in seltsamer, erregter Debatte gehört..."

Erschöpft schwieg Ellen.

Bernd Caßler beugte sich leicht gegen den Unter­suchungsrichter, als dieser ihn bat, das Gespräch ungefähr wiederzugeben.

Wenn dieser Weg zum Ziele führt, dann atmet ja die ganze Leipziger Gesellschaft auf. Der arme Mensch. Noch glaubt wohl keiner an seine Schuld. Doch die Indizien erdrücken jeden Zweifel!" sagte der Untersuchungsrichter.

Caßler sprach klar und fest.

Jener seltsame Mann fragte, gleich nachdem die Dame gekommen war, leise doch so laut, daß wir es deutlich genug hören konnten: ,Du hast es also besorgt?' Wir wußten natürlich nicht, wo­rum es sich handelte. Aber vielleicht um etwas sehr Wichtiges."

Der Richter hörte äußerst gespannt zu. Neben ihm notierte ein Beamter.

Darauf antwortete die Dame etwas wie: ,Es ging erst heute. Ich muß es aber morgen sofort wieder haben!' Später fragte Frau von Rakenius auch einmal: »Und wann fahren wir?' Worauf sie anscheinend mit dem seltsamen Menschen in Streit geriet. Ich hatte den Eindruck, sie wollte mit diesem Manne fliehen oder auch nur verreisen, aber er wollte nicht. Was mir aber die Hauptsache scheint, gegen Ende der Unterhaltung sagte der Mann ganz deutlich: ,Gut! Ich werde an dem betreffenden Abend kommen, dann regeln wir die Sache!' Er drohte auch, sich die Sachen selbst zu holen, wenn Frau von Rakenius sie nicht mitbringen würde."

Schweigen.

Geben Sie mir nun noch einmal dis Beschrei­bung des Mannes und dann warten Sie hier einen Augenblick. Ich bin gleich zurück."

Nicht lange danach stand" er Doktor von Rakenius in der Zelle gegenüber.

(Fortsetzung folgt.)