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bereits im März 1933 an mir vollzogen wer­den. und nur durch einen Zufall ist das nicht geschehen." Als ihn der Vorsitzende fragt, ob er denn meine, daß es noch kommunistische Organisationen gebe, die alle diejenigen ver­folgten, die etwas verraten würden, erwiderte der Angeklagte Klause:Jawohl. Der beste Be­weis ist ja der Fall des früheren Kommunisten Alfred Kattner, der von der Kom­mune erschofsen wurde, weil er etwas zerpfiffen* hatte. Mir wird es auch nicht anders ergehen." Klause erzählt, daß er. als eines Tages ein Kommunist verraten worden sei. in den Verdacht gekommen sei, ein Spitzel zu sein. Er sei nach dem Kremmener Luch gelockt wor­den. Dort habe er eine Handschriften- probe ablegen müssen. Wenn diese probe schlecht ausgefallen wäre, fo erklärte der An­geklagte, dann hätte ich das Luch näher kenn en gelernt.

Aus der weiteren Vernehmung ergibt sich noch, daß Klause auch im Jahre 1932 noch einmal in Rußland war. Lebensmittelnot sei von ihm in Rußland in erschreckender Weise beobachtet worden,Schlangestehen" sei dort eine alltägliche Erscheinung gewesen.

Ehrendienst am deutschen Volke.

Die Pflichten des deutschen Soldaten.

Berlin, 4. Juni. (DRB.) Der Reichsprä­sident Generalfeldmarschall v. Hindenburg hat als oberster Befehlshaber der Wehrmacht eine Neufassung der bisherigenBerufspflichten des deutschen Soldaten" genehmigt. Sie lautet:

1. Die Wehrmacht ist der Waffenträger des deutschen Volkes. Sie schützt das Deutsche Reich und Vaterland, das im Rattonal- sozialismus geeinte Volk und feinen Lebensraum. Die Wurzeln ihrer Kraft liegen in einer ruhm­reichen Vergangenheit, im deutschen Volkstum, deut­scher Erde und deutscher Arbeit. Der Dienst in der Wehrmacht ist L h r e n d i e n st am deutschen Volk.

2. Die Ehre des Soldaten liegt im bedin­gungslosen Einsatz seiner Person für Volk und Vaterland bis zur Opferung seines Lebens.

3. höchste Soldatentugend ist der kämpfe­rische Mut. Er fordert Härte und Entschlossen­heit. Feigheit ist schimpflich, Zaudern unsoldatisch.

4. Gehorsam ist die Grundlage der Wehr­macht, Vertrauen die Grundlage des Gehor­sams. Soldatisches Führertum beruht auf Ver­antwortungsfreude, überlegenem Kön­nen und unermüdlicher Fürsorge.

Große Leistungen in Krieg und Frieden entstehen nur in unerschütterlicher Kampfgemeinschaft von Führer und Truppe.

6. Kampfgemeinschaft erfordert Kamerad­schaft. Sie bewährt sich besonders in Rot und Gefahr.

7. Selbstbewußt und doch bescheiden, aufrecht und treu, gottesfürchtig und wahrhaft, verschwiegen und unbestechlich soll der Soldat dem ganzen Volk ein Vorbild männlicher Kraft sein. Rur L e i st u n g en berechtigen zum Stolz.

8. Größten Lohn und höchstes Glück findet der Soldat im Bewußtsein freudig erfüllter Pflicht.

9. Charakter und Leistung bestimmen feinen Wert und Weg.

Ehrendienst am deutschen Volk! Die Verfasser des Versailler Diktats wollten es so, daß der Deutsche dem Heeresdienst entfremdet wird und daß derjenige, der für einen bestimmten Zeitraum Wehrdienst leistet, darin nicht die Erfüllung einer hohen und heiligen Aufgabe, sondern die Aus­übung eines Berufes sieht. Dem in der Reichswehr und der Reichsmarine gepflegten natio­nalen Geist ist es zu danken gewesen, daß unsere Wehrmachtangehöriqen niemals das Ziel aus den Augen verloren, Volk und Vaterland zu dienen, wenn auch mit zäher Beharrlichkeit versucht wurde, aus dem Waffenträger einen Soldknecht zu machen und ihn als zweitrangig aus dem Volksganzen, das erst durch den Nationalsozialismus zur Volks­gemeinschaft wurde, herauszudrücken. Dem Sieg des Nationalsozialismus ist es zu danken, daß der graue Waffenrock in den Augen unseres Volkes wieder zum Ehrenkleid wurde, daß Erinne­rungen an die schwersten Stunden unserer Nation wieder Leben bekamen und man sich von Vorstel­lungen befreite, die vom Marxismus her suggeriert wurden. Dieser Umbruch hat zu einer Eingliede­rung der Reichswehr in den Nationalsozialismus und zu einer Verschmelzung mit unserem Dolkskör- per dort geführt, wo der Prozeß des Zusammen­schweißens immerfort künstlich verhindert wurde. Alte Aufgaben und Pflichten unserer Wehrmacht .haben neuen Inhalt und neuen Glanz * bekommen. Reichspräsident von Hinden­burg hat sie in neue Formen gegossen und in Grundsätzen zusammengefaßt, die für jeden, der ein Gewehr schultert und Ehrendienst am deutschen Volke leistet, heilig sind. Pflichterfüllung und Ka- meradschaft, Kampfgemeinschaft und Verantwor­tungsfreude, Entschlossenheit und Ehre sind die Tu­genden des Vaterlandsverteidigers, sind die leuch­tenden Ziele, die das im Nationalsozialismus ge­einte Volk anstrebt und niemals mehr aus dem Auge verlieren wird.

Kunst und Wissenschaft.

Die Hundertjahrfeier der Universität Bern.

Bei dem großen Festakt zum 100jährigen Bestehen der Universität Bern über­brachte namens des Reichsoerbandes der deutschen Universitäten Prof. Dr. Fiscker von der Univer­sität Würzburg die deutschen Glückwünsche. Aus der starken Verbundenheit mit den schweizerischen Uni­versitäten heraus empfinde er die ihm erteilte Auf­gabe als ganz besondere Freude. Mit Genugtuung könne er auf die glückliche Wechselwirkung der vielen gegenseitigen Beziehungen Hinweisen. Der deutsche Gelehrte dürfe in schweizerischen hoch- schulen wirken und sich entfalten. Die deutsche Wis­senschaft danke der Arbeit schweizerischer Forscher auf vielen Gebieten bemerkenswerte Förderung. Außer einer Glückwunschadresse überreichte Professor Dr. Fischer der Jubilarin ein fünfbandiges Werk über das deutsche Hochschulwesen. Prof. Platz- Hoff von der Universität Frankfurt aab bekannt, daß die Frankfurter Alma Mater Prof. Tschrrch in Bern zum Ehrendoktor ernannt habe. Weitere Glückwünsche von anderen ausländischen Universi­täten und Hochschulen wurden von deren Vertre­

tern ebenfalls mündlich übermittelt. Ein besonderes Geschenk überreichte auch die Tierarzneischule von Berlin und die deutsche Universität in Prag. Die Stadt Bern übergab eine Summe von 100 000 Franken der Universität zur sofortigen Verteilung. Ferner wurde im ganzen Land für die Universität bis jetzt eine halbe Million Franken gesammelt.

23. Hauptversammlung

der kaiser-WUHelm-Gesellschaft.

Die 23. ordentliche Hauptversammlung der Kai­ser-Wilhelm-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften wurde in Düsseldorf durch den Präsidenten der Gesellschaft, Geheimrat Pro­fessor Dr. Planck, eröffnet. Die Reihe der Vor­träge eröffnete Professor Dr. Kuhn, der Direktor des Instituts für medizinische Forschung in Hei­delberg, mit einem Lichtbildervortrag überDie Wirkungsweise eines Vitamins", dann sprach Gene­raldirektor Professor Dr. F. Glum, wissenschaft­liches Mitglied des Instituts für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht der Kaiser-Wil- Helm-Gesellschaft in Berlin, überGrundsätzliches über Staat und Wirtschaft".

In einer Versammlung der Mitglieder teilte der Präsident mit, daß die Gesellschaft im Berichtsjahre 13 Mitglieder durch den Tod verloren habe, 88 aus- geschieden seien und 13 Mitglieder neu ausgenom­men wurden. Die Mitgliederzahl am 1. April d. I. betrug 693 gegenüber 786 am 1. April 1933.

Die nächste Hauptversammlung findet 1935 in Stuttgart statt.

Das Wiesbadener Tonkünsilerfest.

Das Tonkünstlerfest 1934 in Wiesbaden wurde zu Ehren von Max von Schillings mit einer ganz vortrefflichen Aufführung seinesPfei­fertages" im Staatstheater und der anschließenden Begrüßungsfeier im Kurhaus eröffnet. Oberbürger­meister Schulte begrüßte den Allgemeinen Mufik- verein und seine Gaste aufs herzlichste. Den Dank des Allgemeinen Musikvereins stattete dessen Prä­sident Geheimrat von hausegger ab. Nach Jah­ren der Kämpfe habe nun auch der Allgemeine Deutsche Musiverein den Pulsschlag des gesamten Volkes erfahren. Seine Aufgabe sei es, offenen Sinnes auf alles Neue zu lauschen und dadurch auch Wegbereiter der deutschen Zukunft zu fein. Bogoljubow gewinnt die 23. Partie.

Die abgebrochene 23. Partie in Mannheim bewies bald bei der Wiederaufnahme, daß der Weltmeister schlechter stand, als eine oberflächliche Beurteilung zeigte. Der deutsche Meister kam sehr bald in ent­scheidenden Vorteil, da seine Freibauern übermächtig zu werde drohten. Wohl leistete Dr. A l j e ch i n noch hartnäckigen Widerstand, mußte aber im 58.Zug die für ihn hoffnungslose Partie auf- geben. Stand des Wettkampfes: 14:9 für Dr. Al- jechin. Die 24. Partie wird am Mittwochabend in Mannheim begonnen.

Blick durch das Tor des Nordens.

Oie erste Reichstagung der Nordischen Gesellschaft in Lübeck.

Don unserem Wr.-Sonderberichterstaiier.

Lübeck, ben 4. Juni 1934.

Im hanifesaal des Lübecker Rathauses sind die Mitglieder des Großen und des Kleinen Rates der Nordischen Gesellschaft versammelt gewe­sen. Unter dem Vorsitz von Reichsstatthalter Fried­rich Hildebrandt fanden sie sich dort zusam­men, schöpften aus den (Erinnerungen und lieb er= lieferungen, die hier jeder Stein vermittelt, um zu neuen Zielen zu gelangen, um eine neue Ausgabe zu erfüllen. Ueberraschend groß erscheint die Betei­ligung an dieser Veranstaltung. Die Hansestadt hat durch diese Tagung förmlich ein anderes Gesicht bekommen. Was mag der Grund dafür sein?

Lübeck ist ein herrliches Reiseziel. Wer einmal vom Süden her bis an die Ostseebucht tarn, wo Lübeck als erste deutsche Stadt im damals vorüber­gehend slawisch besiedelten deutschen Osten seit mehr als 700 Jahren treue Wacht hält, vergißt den An­blick nicht. Mit ihren sieben ragenden Türmen be­herrschen die mittelalterlichen Backsteinkirchen das Stadtbild. Ihr gleichgerichteter Grundriß, die Aehn- lichkeiten, aber auch die vielfältigen feinen Ab­wandlungen geben der Silhouette dieser Stadt eine besondere, nachhaltige Einprägsamkeit. Ihre schön­sten Baudenkmäler sind in aller Welt bekanntgewor­den, sie ziehen die Fremden von überall heran und vermilteln die Bekanntschaft mit dem ewigen Deutsch­land ganz unmittelbar.

Das ist nicht gering zu schätzen. Der deutsche Mensch unserer Zeit, der in lebensnahen Beziehun­gen zur Ueberlieferung steht und sie mit inniger Freude anerkennt, weil er aus ihr die Wurzeln seiner heimatsliebe mit Nahrung versorgt, wird diesen Reizen einer alten Stadt mit Begeisterung sein empfängliches Herz öffnen. Aber trifft das alles auch für die Teilnehmer an einer großen Ta­gung zu, die in gewissenhafter Anspannung einen umfassenden Tagesplan zu erfüllen haben?

Die Nordische Gesellschaft, die seit rund zwölf Jahren, zunächst angefehdet, dann belächelt, endlich aber anerkannt, um die Erfüllung der sich selbst gesetzten Aufgaben ringt, wählte Lübeck zum Orte ihrer ersten Reichstagung, weil diese Stadt eins der wichtigsten deutschen Tore zum Norden ist, zu dem Norden Europas, dem wir nach man­cherlei Vorbedingungen angehören und zuzurechnen sind. Daß das oft genug, meist über sehr lange Zeiträume hin vergessen wurde, spricht gegen die Denkungsart des deutschen Volkes von einst, das sich nur zu leicht ablenken ließ von Blendern und Verführern, zu denen keine blutgemäße Bindung bestand.

Die Abkehr von diesen Auffassungen mußte na­turnotwendig kommen. Sie trat ein in dem Augenblick, als Adolf Hitler durch die Tat zur Um­kehr und zur Selbstbesinnung aufrief. Endlich durfte sich die Nordische Gesellschaft sagen, daß ihre viel gelästerte und kaum offen anerkannte Vor­arbeit nicht vergeblich war. Jhxe Stunde war ge­kommen. Wann würde über den Kreis der Wis­senden die ganze Nation jenen Blick durch das Tor nach dem Norden richten?

Im Verlauf dieser von eigenartigenTagsatzun­gen" erfüllten Beratungen, im Anschluß an die Be­richte, Vorträge und Rechenschaftsleistungen, die von der Nordischen Gesellschaft für ihre Angehörigen ab­gegeben wurden, schälte sich auch für den Unkundigen Sinn und Bedeutung der Gesellschaftsarbeit heraus.

Diese Reichsorganisation betrachtet ihr Aufgabenge­biet und seine Bewältiaung: Von der Tatsache aus­gehend, daß die Ostsee für Deutschland das hi­storisch wie geographisch bedingte Schicksals- meer ist, sieyt die Nordische Gesellschaft ihre vor­nehmste Aufgabe darin, an der freundschaft­lichen Zusammenarbeit mit den ande­ren Ländern des O st seeraumes mitzuwir­ken. Ihr kulturelles Wirken bezieht sich zunächst darauf, das deutsche Volk mit den Ländern und Völ­kern des Nordens und den großen Kündern nordi­scher Kultur bekanntzumachen. Sie will aber dar­über hinaus als treue Dienerin am Neuaufbau des deutschen Volkes beitragen, daß sich die Menschen in Deutschland in stetig wachsendem Maße ihrer nordisch bedingten Ursprünge bewußt werden. Sie sucht zu erreichen, daß unser Volk nicht mehr wie bisher fast hypnotisiert nach dem Westen und Süden schaut, sondern sich feinen eigenen Ur­sprüngen im Norden und Osten zuwendet. Nichts Künstliches soll dabei geschaffen werden, aber die starken nordischen Kräfte, jetzt noch zersplittert und verborgen, sollen aktiviert werden.

Diese innerdeutsche Arbeit ist eine Schulungs­tätigkeit, die auf lange Sicht geplant werden muß. Aber sie wird durchgeführt. Dafür bürgen die Worte des Reichsministers Rust bei seiner An­sprache auf dem historischen Markt der Stadt. Reichsleiter Alfred Rosenberg gab zu unserem Blick durch das Tor nach dem Norden Erläuterun­gen, die für feine These, daß der Ostseeraum stär­ker als bisher in das Blickfeld aller deutschen Freundschaftsbeziehungen zu rücken ist, ungeheuer aufklärend sind. Wir stimmen ihm zu, weil er nun endlich das klar bezeichnet und ausspricht, was in uns verborgen schlummerte, ohne daß wir uns darüber Rechenschaft geben konnten, warum und weshalb.

Aber hier in Lübeck wird es uns klar: Der Han­fe g e i ft lebt noch, hat sich durch Jahrhunderte er­halten, obwohl fein Sterben längst verkündet war. Nicht mit den zu kriegerischem Beginnen über die Ostsee segelnden Hansekoggen wollen wir ihn aus- breiten, sondern im Sinne der treuen Pflichterfül­lung für eine Aufgabe, die bezweckt, alle Men­schen an den Ostseeufern zusammenzurufen, auf daß sie aus ihrer geistigen Einstellung heraus zum Döl- kerfrieden gelangen und glückliche wirtschaftliche Be­ziehungen sie miteinander verbinden.

Die alte Ratskirche St. Marien, im 14. Jahr­hundert vollendet, eine dreischiffige Basilika mit Chorumgang und Kapellenkranz, das mächtigste Denkmal kirchenbaulicher Backsteingotik, war der wunderbar ausgewählte Schauplatz eines Konzertes um Mitternacht, auf der sich dänische, norwegische und deutsche Kräfte vereinigten, um skandinavische Kirchenmusik zu vermitteln. Die fast beispiellos reiche künstlerische Ausstattung aus allen Zeiten der lübischen Kunst, waren Zeugen einer neuen Phase im Völkerleben an der Ostsee. Und mit der Ver­sammlung größten die erlesenen künstlerischen Dar­bietungen über das Meer hinweg alle jene Men­schen,die ehrlich gewillt sind, die Aufgaben un­serer Zeit zu erfassen, ihnen zu dienen und gemein­sam dadurch mitfluroirfen für die Befriedung un­seres alten Europa, zum Besten eines jeden Volkes in Skandinavien und an der Ostsee".

Aus aller Well.

Die Bergung der Toten von Buggingen.

Bei den Bergungsarbeiten im Unglücksschacht von Buggingen konnte wieder eine Anzahl Toter geborgen werden. Bei den in der provisori­schen Leichenhalle ausgebahrten Leichen steht eine Ehrenwache von Bergleuten. In einer Pressebe­sprechung machte Oberbergrat Z i e r v o g e l nähere Ausführungen zum Fortgang der Bergungsarbei­ten. Insgesamt sind jetzt sieben Leichen über Tage gebracht und identifiziert worden. Die Untersuchungen ergaben einwandfrei Gasver­giftung als Todesursache. Keineswegs kann von Hungerstod oder Aehnlichem gesprochen werden. Da die Toten in unmittelbarer Nähe ihrer Arbeitsstellen aufgefunden wurden, ist mit Sicherheit anzunehmen, daß sie vom Gas über­rascht wurden. Die Untersuchungen der Elektro­sachverständigen über die Ursache des Kurzschlusses dürften in etwa 14 Tagen zum Abschluß kommen. Bei den geborgenen Toten wurde noch unver­dauter Mageninhalt vorgefunden, ferner Brot und andere Nahrungsmittel in den Kleidungsstücken. Eine Anzahl weiterer Toten ist gesichtet worden. Die Bergung wird in diesen Tagen erfolgen.

Berüchtigter Ein- und Ausbrecher in Sicherungs­verwahrung gebracht.

Das Brieger Schöffengericht verurteilte den 34- jährigen berüchtigten Ein- und Ausbrecher Paul Kaßner aus Berlin zu Sicherungs- Verwahrung. Kaßner hat nicht weniger als 100 Einbrüche verübt. Der Wert der gestohlenen Gegenstände einschließlich des baren Geldes wird auf über eine halbe Million Mark geschätzt. Dar­

über hinaus sind noch eine Reihe Einbrüche un­aufgeklärt, die auf das Konto Kaßners fallen. An­nähernd zehnmal gelang es dem gefährlichen Ver­brecher, aus Fürsorgeanstalten, Gefängnissen und Zuchthäusern auszubrechen. Sein Trick bestand in der Hauptsache darin, mit den nackten Füßen an Fassaden der vornehmsten Hotels hockzuklettern und in die Jnnenräume einzudringen. Auf diese Weise gelang es ihm, von den Nachttischen große Werte zu stehlen. In Wiesbaden brach eine Freifrau von Münchhausen, als sie nachts plötzlich den Fas­sadenkletterer vor sich sah, infolge Herzschlags tot zusammen.

20 Tote bei einem Bergrutsch in Rumänien.

In der rumänischen Gemeinde Drateni wurden 20 Bauern am Fuße eines Berges beim Graben nach Lehm durch einen Erdrutsch verschüttet. Die zu Hilfeleistung herbeigeeilten Dorfbewohner konnten bisher nur einen Toten bergen. Von einer Rettung der übrigen kann keine Rede mehr sein.

Seltene Jagdbeute.

In den Wäldern von Ober-Ingelheim am Rhein trieb seit langer Zeit ein Raubtier sein Unwesen und fügte dem Wildbestand großen Schaden zu. Dem Jagdaufseher Schneider gelang es nun, des Wildräubers in Gestalt einer großen Wildkatze habhaft zu werden. Das Tier, das in der hiesigen Gegend nur sehr selten auftritt, hatte eine Länge von 92 Zentimeter.

,,Zns Wasser mit den Parlamentariern." Unzufriedenheit unter den französischen

Bauern.

Paris, 5. Juni. (DNB. Funkspruch.) Die Land» Wirtschaftskrise mit all ihren Begleiterscheinungen hat unter der bäuerlichen Bevölke » rung eine lebhafte Beunruhigung und Gärung hervorgerufen. Das Landvolk will es nicht mehr ruhig mit ansehen, wie die Parla­mentarier wochenlang über Getreidepreispolitik debattieren, ohne zweckdienliche Maß­nahmen zu beschließen. Die Auswirkungen dieser Unzufriedenheit mußte der sozialistische Abgeordnete B e n a s s y , der einen bäuerlichen Bezirk vertritt, am eigenen Leibe spüren. Seine Wähler holten ihn, als er in einer Versammlung sprechen wollte, von der Tribüne herunter, verabreichten ihm eine gehörige Tracht Prügel und schrien im Chor: Ins Wasser mit den Parlamenta­rier n". Dem Volksvertreter blieb nichts anderes übrig, als unter den Drohungen der Menge das Weite zu suchen.

In einer Versammlung in Roubaix, in der der rechtsstehende Abgeordnete H e n r i o t vor ge­laßenem Publikum über die innerpolitische Lage sprechen wollte, kam es zu schweren Zusammen­stößen. In den umliegenden Straßen hatten sich antifaschistische Gruppen versammelt, die Henriot zurückzuhalten suchten. Das Polizeiaufge­bot mußte verstärkt und auch berittene Polizei ein­gesetzt werden, um die Angreifer zurückzudränaen. Als die Demonstranten sich zur Wehr setzten, kam es zu einer regelrechten Straßenschlacht. An verschiedenen Stellen der Stadt wurden Barri­kaden errichtet, die von der Mobilgarde geftürmt wurden. Erst gegen 20 Uhr war die Ruhe einigermaßen wieder hergestellt, so daß Henriot vor etwa 2000 Hörern sprechen konnte. Die Lärm- und Tumultszenen wiederholten s i ch nach Schluß der Versammlung.

England zahlt nicht am 15. Juni. Die zwischenstaatlichen Schuldenzahlungen verhindern eine Erholung der Welt.

Washingtoe, 5. Juni. (DNB. Funkspruch.) Die britische Regierung hat die Vereinigten Staaten in einer Note wissen lassen, daß sie die am 15. Juni fällige Kriegsschuldenrate nicht zahlen werde. Die britische Regierung würde durchaus be­reit sein, eine weitere Anerkennungszah­lung zu leisten, wenn England nicht als säu­miger Schuldner betrachtet werde. Durch die neuer­liche Gesetzgebung (gemeint ist die Johnson Acte) sei indessen eine solche Erklärung jetzt nicht mehr mög­lich. Im Falle einer Wiederaufnahme der vollen Zahlungen an die Vereinigten Staaten mühte Großbritannien an seine eigenen Kriegs» schuldner eine entsprechende Forderung richten, wodurch wieder die gleichen Zu stände her­beigeführt werden würden, die in erheblichem Maße zu der Weltkrise betragen hätten. Dadurch würde eine Bombe in die europäische Arena gewor­fen werden, die sinanz'^lle und wirtschaftliche Fol­gen in allen Weltteilen haben und auf unab­sehbare Zeit eine Erholung der Welt verhindern würde. Der Aufschub der Zahlung bedeute jedoch nicht, daß die britische Regierung ihre Verpflichtungen verleugnen wolle. Vielmehr sei sie bereit, eine (Erörterung der Kriegs­schuldenfrage zu beginnen, wenn Präsident Roosevelt glaube, daß eine solche Konferenz wert­volle Ergebnisse haben würde.

Wettervoraussage.

Der noch hohe Druck breitet sich nach Skan­dinavien hin aus, so daß wir an feine Südseite zu liegen kommen und infolgedessen die Winde mehr nach Osten drehen werden. Da sich über Polen noch flache Störungsreste bewegen, tritt zunächst wechsel­hafte Bewölkung auf, doch ist mit Niederschlägen kaum zu rechnen. Die Temperaturen werden in­folge Zufuhr kühler Luft anfänglich verhältnis­mäßig niedrig gehalten, dürften aber späterhin durch stärkere Sonnenstrahlen zum Ansteigen ge­bracht werden.

Vorhersage für Mittwoch: Wechselhaft, wolkig, aufheiternd, vorerst noch keine stärkere Er­wärmung, meist trocken.

Vorhersage für Donnerstag: Vor­wiegend trocken, wolkig mit stärkerer Aufheiterung und auch wärmer.

Lufttemperaturen am 4. Juni: mittags 18,5 Grad Celsius, abens 10,6 Grad: am 5. Juni: morgens 10,6 Grad. Maximum 19,5 Grad, Minimum 6,6 Grad. Erdtemperatüren in 10 cm Tiefe am 4. Juni abends 16,6 Grad, am 5. Juni morgens 13,3 Grad Celsius. Sonnenscheindauer 1,8 Stunden,

Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich Wilhelm Lange, für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot, für den übrigen Teil: I. V.: H. L. Neuner. Anzeigenleiter: Hans Beck, verantwortlich für den Inhalt der An­zeigen: Theodor Kümmel. DA. V. 34: 11 000. Druck und Verlag: Brühl'fche Univerfitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange, K. G., sämtlich in Gießen.

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