Nr. 79 Drittes Blatt
Metzener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhesfen)
Donnerstag, 5. April MH
Bern, vertritt nun neuerdings die Ansicht, daß es
tenden Weise. Es ist bekannt, daß das Ergrauen
Falls es nicht möglich ist, den immer besonders wichtig sein, daß eine Wunde nicht
hinweggeschwemmt.
Fuß nach vorne zu neigen, lege man die Hand an nur heilt und schnell heilt, sondern daß die Narbe
biege ihn zwangsweise dem
bieten ist.
die Fußsohle und Unterschenkel zu.
die strengste Diät nichts mehr."
Warum werden wir grau?
Im allgemeinen wurde bis jetzt angenommen, daß das Ergrauen der Haare auf einem Nachlassen der Pigmentbildung beruht. Professor N a e g e l i,
später und werden schließlich zu unangenehmen Knochenwuchk^rungen. — Behandelt werden die Ge- lenkserkrc^kungen der Wechseljahre mit den gleichen Methoden wie die wirklichen rheumatischen oder gichtischen Erkrankungen. Moor-, Schwefel- und Radiumbäder, Diathermie, Röntgenbestrahlung, Massage und Gymnastik werden mit Erfolg angewandt. — Man darf gerade bei diesen klimakterischen Ge lenkerkrankungen nicht versäumen, zum Arzt zu gehen, und sich nicht selbst „verarzten", da dem im fortgeschrittenen Stadium eintretenden Knochenschwund bzw. Knochenwucherung schwer Einhalt zu
Grundregeln der Wundbehandlung
Erstes preffe-Kameradschasts lager des Reiches.
Kohlsorten meiden. Verboten sind ebenfalls alle scharfen Gewürze. Als Getränk empfehlen wir warmen Tee (gezuckert mit Zitronensaft, Milch oder Kognak). Kaltes Wasser, kaltes Bier und Eis bilden eine besondere Gefahr. — Noch vor einem muffen wir den Gallenleidenden warnen: „Aergern Sie sich nicht, ärgern ist auch für Gefunde ungesund, aber für Sie ist Aerger oder Aufregung gleichbedeutend mit einem schmerzhaften Anfall, da hilft dann auch
Der schmerzhafte Wadenkrampf.
Der Wadenkrampf ist eine unangenehme, sehr schmerzhafte Erscheinung, die wohl jedem Sportler aber auch vielen anderen Menschen bekannt ist. Er tritt als Ermüdungserscheinung, als Folge von Platt- und Senkfuß, als Begleiterscheinung schwerer, mit großen Säfteverlusten einhergehender Krankheiten auf. Besonders bekannt und gefürchtet ist der Wadenkrampf, der den Schwimmer befällt, wenn er im kalten Wasser die ersten kräftigen Schwimmstöße gemacht hat. Durch das starke Strecken der Fußspitzen werden die Wadenmuskel stark in Anspruch genommen, so daß hier unter Mitwirkung der Kälte eine besonders große Krampf- neigung besteht. Man erklärt sich den Krampf als eine Störung der Blutftrömung in den Adern, die den Blutstauungen in den erweiterten Gefäßen der Krampfadern ähnlich ist. Wahrscheinlich geht mit dieser Störung im Blutumlauf eine Verdickung des Blutes Hand in Hand. Begünstigt wird die Krampfneigung durch die bei großen Anstrengungen sich bildenden Ermüdungsstoffe, zu denen besonders die Muskelmilchsäure gehört. Wer zu Krämpfen neigt, wird im allgemeinen körperlichen Anstrengungen am besten aus dem Wege gehen und den Genuß von Tabak und Alkohol einschränken. — Die meisten an diesen Krämpfen Leidenden versuchen durch Massage oder heftige Bewegungen des Beines den Krampf zu beheben. Es fei hier nun ein einfaches
anfall, der mit sehr starken Schmerzen, Fieber und verbunden ist, wird mit Bettruhe,
nicht zu unschön ist. Mit Hilfe von Höhensonnebestrahlungen erreicht man eine weiche, blutreiche Narbe. Schon während der Wundheilung kann die Bestrahlung einsetzen. Nicht infizierte Wunden werden auf diese Weise schneller heilen und bei infizierten Wunden entfaltet die künstliche Höhensonne einen desinfizierenden Einfluß.
DieDiätdesGallenstemleidenden
Unter dem Begriff „Gallensteinleiden" faßt der Laie die sich in ihren Erscheinungen sehr ähnlichen drei Gallenerkrankungen zusammen: die Gallenblasenentzündung, die Gallenwegeentzündung und die Gallensteine. Fede Gallenerkrankung kennt zwei Stadien, das latente oder chronische Stadium und das akute. Im akuten Stadium, also beim Kolik
gute Erfolge erzielt wurden. Man versuche die, lenden Wunde beim Entfernen des trockenen Ver- Zehen so weit es geht, der Vorderseite des Unter-| bandsstoffes zu verhindern, bedeckt man die Wunde fchenkels zuzuneigen. Da die Beugemuskeln des mit einer Heilsalbe. — Eine Anzahl Medikamente, Fußes an der Wadenhinterseite laufen, wird sie auf die in die frische Wunde einaebracht werden, ver- diese Weise stark gedehnt. Der Blutkreislauf befiert1 hindern das Auskeimen der Bakterien und erleich- fich und die Ermüdungsstoffe werden mit dem Blut! lern die Wundheilung. — Dem Verletzten wird es
Oie „falsche Gicht".
Häufig treten bei Frauen, die sich in den Wechseljahren befinden, Beschwerden auf, die ganz den Beschwerden des Rheumas ober der Gicht entsprechen. Erst die letzte Zeit hat die Erkenntnis gebracht, daß es sich bei diesen „rheumatischen" Beschwerden, die der Auftakt zu nachweisbaren Gelenksveränderungen sind, um Folgen des Klimakteriums (Wechsels), d. h. um Störungen der Eierstocktätigkeit handelt. Im allgemeinen traten diese Gelenkerkrankungen an den Händen und Knien, seltener an Hüften, Arm, Fußgelenken usw., auf. Langsam entsteht eine Schwellung der Gelenkkapsel, die
Eine erschreckende Sorglosigkeit und Unkenntnis herrscht m Laienkreisen über die Behandlung von Wunden. Nicht oft genug können die Grundregeln der Wundbehandlung wiederholt und die Gefahren der Infektion dem Laien vor Augen geführt wer- loU 015 infiziert betrachtet vumu huu ucu»uuiV» uie uuö t»
roeroen. dies nicht durch den Gegenstand, mit sich beim Ergrauen der Haare um Veränderungen oem Die Wunde zugefugt wurde, geschehen, so be- innerhalb der fertigen Pigmente handelt. Er beweist sieht immer noch die Gefahr, daß vom Wundrand i seine Theorie in einer auch für den Laien einleuch- und der Wundnachbarschaft nachträglich Keime in ------ . . - .
oie Wunde getragen werden. Ja des öfteren bewirkt
Weichteile um das Gelenk fangen ebenfalls an zu
schwellen, später können sogar Knochenschwunde ein- Erbrechen , .
treten. Eigenartigerweise hat man noch nie ein Ver- Wärmeanwendung, Morphium- ober Bellabonna- wachfen 8er Oelenfenben festgestellt. Die Gelenke,1 Einspritzungen eine Linberung geschaffen. Erst in soweit sie nicht von ber Schwellung beengt werben, ■ ber Zwischenzeit des latenten Krankheitszustandes behalten ihre Bewegungsfreiheit. Ebenso stehen die j wirb bann an bie eigentliche Behandlung gegangen. Gelenksveränderungen, die sogenannten Heberben-1 Der Gallenleidenbe muß nicht nur sehr starke dien Knötchen mit bem Wechsel in Zusammenhang. I Schmerzen aushalten, er muß auch über eine un- Es hanbelt sich hierbei um Knötchen, welche in sym-1 geheure Gebulb verfügen unb muß imstande Jein, metrischer Anordnung auf ber Rückseite ber Enb- eine Kur mit aller Konsequenz durchzufuhren, gelenke ber breiqliebrigen Finger auftreten. Die > Neben einer Kalsbaber Trinkkur ist vor allem auf Knötchen finb -anfangs weich, verhärten sich aber ’ eine besonbers strenge Diät zu achten. Hauptrege, später unb werben schließlich zu unangenehmen für diese Diät ist: Jedes kalte Getränk, jede grobe
des Haares dagegen noch eine vollständige Pigmentierung auf weist. Besonderen Wert legt Naegeli auf , die Feststellung, daß der Ergrauungsprozeß von der | Spitze zur Haarwurzel fortfchreitet. — Sollte sich die Theorie von Professor Naegeli bewahrheiten, jo ' wird sich die innere Behandlungsweise, die bis jetzt eine erhöhte Pigmentbildung zum Ziele hatte, völlig
Als ber Ruf erging, am ersten Presse- Kamerabschaftslager bes Gaues unb bes Reiches in Wiesbaben teilzunehmen, mag manchem Teilnehmer bie Bebeutung bieses Lagers nicht restlos klar gewesen sein. Man kann nun nach Beenbigung bes Lagers sagen, baß viel mehr als
umstellen müssen.
Zahnpflege durch Ernährung.
Die selbstverständliche, äußerliche Pflege der Zähne durch Bürste, Zahnpasta und Mundwasser hat neben ihrem Schönheitswert auch eine hygienische Bedeutung. Sie entfernt Speiseüberreste, bie sonst in Fäulnis übergegangen, den Nährboden für Bakterien bilden, unb fördert bie Durchblutung bes Zahnfleisches. Sie genügt aber nicht allein zur Erhaltung schöner, gesunder Zähne. — Gesunbe Zähne sinb Vorbebingung für gesunben Stoffwechsel unb bamit für eine normale Blutzusammensetzung. Wiederum wirkt sich ein gestörter Stoffwechsel schädlich auf den Zustand der Zähne aus. Wurzellockerungen, Zerfall der Zahnmasse und Zahnfäule sind die Folgen einer schlechten Blutzusammensetzung, d. h. eines Mangels an Vitaminen und Kalksalzen. Es müssen also durch die Ernährung die fehlenden Substanzen zugeführt werden. Am einfachsten geschieht dies durch den Genuß von rohem Obst, Blattsalaten, Gemüsen unb Vollkornbrot. Der Frühling, bie Zeit ber frischen Gemüse, Kräuter unb bes be- ginnenben frischen Obstes, sollte auch für die Zähne eine Zeit ber Erneuerung sein.
Was gibt es Neues in der Medizin ?
Don Or. p. Wötffel.
Speise vermeiden unb nie ben Magen überlasten/bloße Richtlinien zu bleibenben Werten geworben Eine Zuwiberhandlung gegen biese Gebote wirb. sinb.
der Kranke mit einem akuten Kolikanfall büßen | Ein bebeutenbes Moment war bas gegenseitige müssen Harte Würste, Gans, Ente, Aal, Hummer, Kennenlernen, bas Mitemanberleben für einige Krebse Lunge, Niere, rohes Obst, besonbers aber Tage. Die sich bort im Lager zusammenfanben, Feigen, Datteln, Rosinen, Malaga-Trauben, Man- ftanben alle im Erleben bnn als Solbaten ber Fe- deln unb Nüsse finb verboten. Ein Teil biefer ver- ber. Hier sah man ben erfahrenen Schriftleiter botenen Speisen ist eventuell stark zerkleinert (Lunge neben bem Pressereferenten einer Formation und unb Leber z B durch ein Sieb gepreßt, Mandel j beim kameradschaftlichen Zusammensein wurde os- unb Haselnüsse burch eine Mühle gemahlen) zu rei- fenbar, baß gar mancher bebeutenbe Pressemann dien Ferner muß ber Kranke alle blähenben Speisen, | babei war. Gebenbe unb Nehmenbe, befannte wie Schwarzbrot, Linsen, Erbsen, Bohnen, alle Männer unb einfache Pressewarte, waren gleicher-
Ole -lisunDe getragen werben. Ja des öfteren bewirkt1 der Haare oft in kurzer Zeit erfolgen kann, manch- Wgar eine unsachgemäße Behanblung, Benutzung mal sogar „über Nacht". Nimmt man an, daß das mcbt Jteruer Verbandsstoffe usw. eine nachträgliche Ergrauen auf einem Versagen der Pigmentbildung Infektion. Zu allererst versuche man mit steriler beruht, so wäre ein rasches Ergrauen bei einem (yase oder, falls diese nicht zur Hand ist, mit fri- j Wachstum von einem Zentimeter im Monat un- |d)en Wäschestücken bie Blutung zu stillen. Der | denkbar, der vollständige Ergrauungsprozeß müßte Rand der Wunde wird mit Jodtinktur bestrichen, i also Monate, ja Jahre dauern. Ferner wäre dann um das schon erwähnte Verschleppen von Keimen I Voraussetzung, daß das Ergrauen an der Haar- 3U verhindern. Waschen mit Seife ist immer zu ver- wurzel beginnt, während erfahrungsgemäß sehr meiden, ein Abreiben der Umgebung mit Benzin oft bie Haarspitzen schon weiß sind, der obere Teil ober Äther ist, wenn kein Job vorhanben ist, besser als gar nichts. Ist ein Frembkörper in bie Wunbe eingebrungen, so versuche man ihn mit einem Strahl Kochsalzlösung herauszuspülen. Wunben, bie mit ber Erbe in Berührung gekommen finb, müssen zum Schutz gegen ben Wundstarrkrampf ge- unb billiges Mittel angegeben, mit bem auffallenb impft werben. Um bas Wieberaufbrechen einer hei-
maßen zusammengefaßt als Arbeiter einer gemeinsamen Wirkungsart. Deshalb gebiehen auch ber Er« fahrungsaustausch unb bie Anregungen. Jeder erlebte seiner bisherigen Zeitungserfassung gemäß Entscheibenbes. Dem Pressewart erstanb ein Stück Fachgeschichte, ber Schriftleiter fanb bie rechte Ver- binbung zu seinen Mitarbeitern. Manche Wünsche unb Unklarheiten erfuhren so ihre sofortige und beste Regelung.
Das reichhaltige unb anftrengenbe Programm, bas sich in knappe Lehrvorträge, in Besichtigungen unb in befonbere Darbietungen glieberte, war in seiner genauen Durchführung bewunbernswert. Alles Wesentliche, was mit ber Presse im allgemeinen unb im befonberen mit ber heutigen Presse im Zusammenhang steht, würbe vorgebracht und behandelt. Von großer Wichtigkeit war die Frage des Nachwuchses. Gerade die junge Pressegeneration nahm das meiste mit an Erfahrungen und Wegweisungen.
Dem Reichsstatthalter Gauleiter Sprenger, der am Karfreitag das Lager begrüßte, und dem Lagerleiter, Gaupressechef W o w e r i e s , ist im wesentlichen die Durchführung dieses einzigartigen, erstmaligen Gemeinschaftslebens der Preffemänner zu danken. P.
Der neue evanqelische Felbbischof der Wehrmacht.
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Berlin, 4. April. (DNB.) Der Reichspräsident hat zum Nachfolger des bisherigen Felb- bischofs ber Wehrmacht D. Schlegel, ber am 1. April wegen Erreichung ber Altersgrenze i n ben Ruhestanb getreten ist, Wehrkreispfarrer Konsistorialrat D. Franz Dohrmann (Stettin) ernannt. Felbbischof D. Dohrmann steht im 53. Lebensjahr. Er stubierte in Greifswalb und Berlin unb ist seit seiner Drbination in ber Militärseelsorge tätig. 1920 würbe er zum Wehrkreispfarrer bes Wehrkreises II (Stettin) berufen und 1927 zum Konsistorialrat ernannt. Die theologische Fakultät ber Universität Greifswald verlieh ihm ben Ehrendoktortitel. — Unser Bild zeiat ben neuen Felbbischof D. Dohrmann (links) beim. Antrittsbesuch bei seinem Vorgänger Felbbischof a. D. D. Schlegel (rechts).
Kleine Wiese, schon etwas grün
men, Wüsten, Gletscher! ... Unb wir?! ... Wir gehen vielleicht unser ganzes Leben lang auf einem Stück Erbe herum, bas fooo klein ist!..
Don Zohan Luzian.
Es ist ein warmer Abenb. Zwei junge Leute von einfachem Stande gehen bie kahle 2IUce entlang Arm in Arm durch das Vorftadtland. Die Luft macht bas Blut unruhig, blanke Sonne liegt aus allen Dingen, auf Gaslaternen unb Briefkasten, Schutteimern unb Gartenzäunen, Fensterlaben unb Häuserwänben, Bretterbuben und Ziegeldächern. In ben Gärten riecht es nach umbrochener Erde die Sträucher werden beschnitten und die Wege frisch geschüttet. Alles wirb neu, unb das Leben soll von vorne anfangen.
Sie stecken bie Nase in die Luft und schnuppern. Es liegt allerlei Sehnsucht in der Luft, allerlei Hoffnungen, Wünsche, Träume ...
Plötzlich sagte die junge Frau leise vor sich hm: „Buenos Aires .. ." u
Er fragt verwundert: „Was heißt denn das?
„Oh nichts..." sagt sie verlegen, „ich dachte nm, daß es irgendwo eine Stadt gibt, die so heißt...
Und mitten in den kahlen Frühjahrsgärten sagt sie dann: „Tokio..." Und nach einer Weile: „Kalifornien ..."
„Ja, gewiß, dorther kommen die schonen Aepfel, die so mittelmäßig schmecken", entgegnet er, f abzulenken, denn er weiß, wohin wieder einmal die Reise geht. „Durch die Ladenscheideri gesehen sieht das Fremde herrlich aus, aber wenn du es dann in der Hand haft...
Da bleibt sie zornig stehen und fragt empört: „Du! Meinst du wirklich, daß wir das niemals sehen sollen: Buenos Aires und Kalkutta und Mos tau und Chile unb Persien unb Hawai unb oqs Uralgebirge unb ... unb ..."
„Langsam, langsam! Du bringst mit einer Hastigkeit ja ben ganzen Globus durcheinander^ lacht ber junge Mann. Als gewissenhafter Mens^ möchte er wenigstens einigermaßen Ordnung ber Geographie hatten.
Aber sie reißt sich von ihm los und geht hastig weiter, ihre Augen blitzen unb sie atmet ras ) heftig.
„Das gibt es alles, bas liegt alles für uns Da. Peru unb Afghanistan unb Paris unb Sizilien und Alaska unb Gronlanb! Berge, Meere, Inseln, Pal
Sie zeigt mit zwei Fingern, wie klein Deutschlanb ist, von Peru ober Persien aus gesehen unb sagt: „Es ist .. es ist unglaublich! ..."
Ja, er weiß auch nicht, was er von dieser Sache halten soll. Es liegen eben immer einige taufenb Kilometer Zwischenraum ba unb finb nicht aus ber Welt zu schaffen. Die Perser gehen jetzt vor ben Toren von Teheran herum unb möchten zu uns unb bie Leute von Buenos Aires stehen am Silberstrom unb blicken herüber.
Sie haben sich nun im Gartenlanb verlaufen. Ueberall finb Zäune unb stachelige Weißbornhecken. Dann kommt eine tiefe Grube mit Asche unb Blechbüchsen Papier unb Schutt unb baneben ein Hügel aus nacktem Lehm. Eine Bank steht barauf unb ein witziger Mensch hat „Zur schönen Aussicht" baran geschrieben. Unb gar nicht mit Unrecht!
Denn vor ihnen liegt ein kleines Stück Wiese. Dürftig, schmächtig, aber schon etwas grün.
Sie sitzen auf der Bank unb sehen über bas Lanb unb über bie kleine Wiese. Er hat ben Arm um seine kleine Frau gelegt unb hält sie fest, bamit sie ihm nicht fortläuft nach irgenbeinem abenteuerlichen Erdteil.
Aber bann springt sie auf, geht ben Lehmhügel hinunter, mitten in bie kleine Wiese hinein. Unb nun ist sie zurück von ber Reise! Sie breht ihr lachenbes Gesicht ihm zu unb hat roieber bi^ hellsten Augen ber Welt: „Sieh mal, lauter Ganje- blürnchen!" Unb bückt sich unb freut sich unb rupft, als wären es bie Blüten im Wunbergarten eines Maharabschas! Diese stillen, schüchternen beutschen Gänseblümchen ... Vergessen ist Honolulu unb Jamaica. Feuerlanb unb Samarkanb!
Stell dir das mal alles grün vor!" ruft er und zeigt mit bem Arm runbherum über bte nackten Gärten. „
Unb voller Blüten! Ach, bas wirb herrlich! Sie steht vor ihm, feine kleine Frau, unb halt ihm die kümmerlichen Blümchen unter bie Nase: ^Riechen sie nicht rounberbar herb? .. Die ganze Wiese ist barin mit allen Säften, Düften unb Wurzen!
Ja, man. muß nur bie Sinne wachhalten bann hat man in einem Brocken Erbe bte ganze Welt.
Oie Amerikanerin erobert neue Berufe.
Die letzten 12 Monate finb für bie amerikanischen Frauen von großer Bebeutung geworben, beim sie haben ihnen mehr unb wichtigere Berufe erschlossen, als ihnen je vorher zugänglich waren. Die Frau hat an ben Wieberaufbau-Arbeiten in ber amerikanischen Wirtschaft einen hervorragenben Anteil. Die Anerkennung weiblicher Leistung beruht zum nicht geringen Teil barauf, baß bie, Gattin bes Präsi- benten, Frau Franklin Roosevelt, seit Jahrzehnten als Lehrerin, Wirtschaftsorganisatorin unb tüchtige Hausfrau ein ausgebreitetes Wirken entfaltet unb ihr Mann sich aus nächster Nähe bavon überzeugt hat, was weibliche Energie vermag. Er hat baher Frauen an Posten berufen, bie sie vorher nie innegehabt haben. So würbe Frances P e r k i n s als Staatssekretärin im Arbeitsamt angestellt unb trat als erste Amerikanerin in ein Kabinett ein. Das rief natürlich großen Wiberstanb hervor. Die Gewerkschaften protestierten, Leute aus allen Teilen bes Lanbes erhoben in Telegrammen unb Briefen Einspruch. Dabei leugnete niemanb ihre Eignung, beim sie ist lange Zeit Leiterin bes Arbeitsamtes von Neuyork gewesen unb hat mit Roosevelt als Gouverneur bes Staates Neuyork zusammengearbeitet. Der Präsibent nahm baher auf bieten Entrüstungssturm keine Rücksicht unb tat gut baran, beim Miß Perkins hat sich in ber schlimmsten Zeit, bie je ein amerikanischer Arbeitsminister burchzumachen hatte, vortrefflich bewährt, hat an bie brei Millionen Arbeiter toieber in bie Wirtschaft eingefügt, bie harten Herzen von Stahlmagnaten erweicht, so baß sie ihren Arbeitern höhere Löhne unb bessere Arbeitsbebingungen gewährten, unb hat bie völlige Abschaffung ber Kinberarbeit burchgesetzt. Aber aud) im biploma- tischen Dienst würbe eine Frau von Roosevelt an einen wichtigen Posten gestellt. Als ber erste weibliche Gesanbte der Bereinigten Staaten fuhr Frau Ruth Bryan Owen im Mai vorigen Jahres nad) Dänemark unb richtete in Kopenhagen ein enb zückenbes amerikanisches Heim ein, bas sie zu einem Mittelpunkt ber Geselligkeit gemacht hat. Nellie Taylor würbe ber erste weibliche Direktor ber Münze ber Vereinigten Staaten; in Boston wählte man eine Frau zum Einwanberungs-Kommissar unb in Connecticut zum Finanzbirektor. Neun Frauen sitzen im Abgeorbneten-Haus unb auch in ben Senat ist bas erste weibliche Mitglieb ein- gezogen. In 38 Staaten stehen Frauen an ber Spitze ber Organisationen zur Arbeitsbeschaffung für Frauen, unb besonbers hat jetzt bie amerika
nische Weiblichkeit sich bie Bekämpfung bes Verbrechertums zur Aufgabe gestellt. Wenn man be- benft, baß 400 000 Männer unb Frauen in ben Vereinigten Staaten ber „Unterwelt" angehören, baß jebes Jahr mehr als 12 000 Morbe, 40 000 Einbrüche unb 50 000 Beraubungen vorkommen, baß bie Korruption noch sehr verbreitet ist, so kann man sich vorstellen, welch ungeheures Arbeitsfelb hier vor ben amerikanischen Frauen liegt.
Ein Baby hält einen Expreßzug auf.
Die kleine aber rasch aufstrebende Siedlung Lois in Kanada hatte kürzlich ihren großen Tag. Die erst seit einiger Zeit zur gemeinschaftlichen Aufbauarbeit vereinten Kolonisten waren über bie Geburt bes Babys Theiriault beglückt, benn bieses Mäbchen war ber erste in ber neuen Heimat geborene Ge- meinbebürger unb darf also stolz die Nummer 1 tragen. Man bereitete sich auf die Taufe vor, die in aller Einfachheit gefeiert werden sollte. Diese Taufe aber machte das freudige Ereignis eigentlich erst zu einer Sensation, die in ber Geschichte von Lois immer einen hervorragenben Platz einnehmen wirb. Es traf sich nämlich, daß in dem Zug, der den Geistlichen aus dem hohen Norden zur Vornahme des Taufaktes in die kleine Gemeinde bringen sollte, auch der Führer des Stadtrats von Montreal in seine Vaterstadt zurückkehrte. Als dieser im Gespräch mit dem Geistlichen erfuhr, unter welchen schwierigen und bescheidenen Umständen die Taufe des kleinen Mädchens in der hart um ihr Bestehen ringenden Siedlung von Lois vor sich gehen würde, wollte er es sich nicht nehmen lassen, bei der feierlichen Handlung selber anwesend zu sein. Ja, er bot sich sofort als Gevatter an und bestimmte die ebenfalls in diesem Zug der kanadischen Nationaleisenbahn mitreifende Gattin eines Notars, als Patin mitzuwirken. Dann veranlaßte der mächtige Mann aus Montreal ben Zugführer, in ber nächsten Umgebung von Lois anzuhalten. In einer Holzhütte tleibete sich ber Geistliche schnell in sein Amtsgewanb und vollzog in Gegenwart ber beiben auf so seltsame Weife zur Patenschaft gekommenen Reisenden die feierliche Handlung an ber kleinen Erdenbürgerin. Die ganze Zeremonie dauerte etwa 20 Minuten, während der sich alle Mitfahrenden über das Ereignis lebhaft unterhielten Die kleine Theiriault aber kann sich mit Stolz rühmen, schon in den ersten Tagen ihres Lebens eine so impofanta Einrichtung wie den kanadischen Expreß von seinen sonst so streng eingehaltenen Fahrgewohnheiten abgebracht zu haben.


