Einzelbild herunterladen

Der Ehrenausschuß des Wettkampfortes Gießen beim Reichsberufswettkampf.

Walzer (Strauß), 5. Große Fantasie a. d. Oper Die Walküre" (Wagner), 6. Alte deutsche Treue! Ein Kranz schneidiger Soldatenmärsche (Frantzen). Tagung der Kreisbauernschast Gießen,

Hauptabteilung III.

Am Dienstag fand im Katholischen Vereinshaus eine Versammlung der Kreisbauernschaft Gießen, Hauptabteilung III, statt, zu welcher nicht nur die Vorstände der landwirtschaftlichen Genossenschaften, sondern auch die Bürgermeister und landwirtschaft­lichen Fachberater des Kreises Gießen zahlreich er­schienen waren. Die Versammlung wurde von Be- zirksbauernführer D ö r r s ch u ck eröffnet und ge­leitet und hatte den Zweck, die interessirten Kreise über das landwirtschaftliche Schuldenregelungsgesetz aufzuklären. Der Sachberater der Landesbauern­kasse Rhein-Main-Neckar, Frankfurt a. M., führte eine Anzahl prakischer Beispiele an, um zu zeigen, welche Betriebe im Rahmen des Gesetzes für das Entschuldungsoerfahren in Frage kommen. Direktor E i d m a n n von der Landesbauernkasse Frank­furt a. M. erläuterte die Ausführungen des Red­ners und betonte, daß nicht nur den Landwirten, welche unverschuldet in Not geraten sind, geholfen werden solle, sondern auch den Gläubigern. An­träge auf Eröffnung des landwirtschaftlichen Ent­schuldungsverfahrens können nur noch bis 30. Juni d. I. bei dem zuständigen Amtsgericht gestellt werden.

Gießener Wochenmarktpreise.

* Gießen, 5. April. Auf dem heutigen Wochen­markt kosteten: Landbutter, das Pfund 1,30 bis 1,35 Mark, Kochbutter 1,10 bis 1,15 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis IQ, Eier (inländische) 9, Wirsing, das Pfund 15, Weißkraut 15, Rotkraut 15 bis 18, Gelbe Rüben 10 bis 12, Rote Rüben 10, Spinat 20, Unterkohlrabi 6 bis 8 Pf., Feldsalat 1, Mark, Tomaten 50 Pf., Zwiebeln 10, Meerrettich 35 bis 40, Schwarzwurzeln 20 bis 25, Kartoffeln 3/4, der Zentner 3, Mark, Suppenhühner, das Pfund 70 bis 80 Pf., Blumenkohl, das Stück 30 bis 50, Salat 25 bis 30, Endivien 15 bis 25, Lauch 5 bis 10, Sellerie 10 bis 30, Radieschen, das Bund 15 bis 20 Pf.

Bornotizen.

Tageskalender für Donnerstag. Stadttheater (Deutsche Bühne): 20 bis 23 Uhr,Die goldne Meisterin". NS.-Hago, Ortsgruppe Gie­ßen: Cafe Leib, 20.15 Uhr, öffentliche Mitglieder­versammlung. Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): Mit dir durch dick und dünn". Astoria-Licht- spiele (Seltersweg):Frisko-Expreß führerlos!"

Aus dem Stadttheaterbureau. Morgen, Freitag, abend die OperDer Evangeli- mann". (Siehe heutige Anzeige.)

E i n Konzert des Kinderchors der Singgemeinde Wiebelskirchen (Saar) wird am kommenden Sonntag in Verbindung mit einem Vortrag über das ThemaDer Kampf um die Seele des Saarkindes" im Cafe Leib gegeben. (Siehe heutige Anzeige.)

*

** E i n Siebzigjähriger. Am heutigen Donnerstag, 5. April, begeht der Gastwirt Franz Buchberger, GastwirtschaftZum Riegelhof", Riegelpfad 100, seinen 70. Geburtstag. Herr Brich­t' e r g e r ist seit über 40 Jahren Mitglied der Frei­willigen Feuerwehr und seit über 30 Jahren treuer Bezieher desGießener Anzeigers".

** D i e Vermietung der städtischen Tennisplätze betrifft eine Bekanntmachung der Bürgermeisterei im heutigen Anzeigenteil. Inter­essenten seien besonders darauf hingewiesen.

** Besucht biß Gießener Frühjahrs­messe! Mit dieser Aufforderung treten in unserm heutigen Anzeigenteil die Schausteller der Gießener Frühjahrsmesse vom 8. bis 15. April an die Oeffent- lichkeit. Die Marktzeit ist werktags von 14 bis 22 Uhr, Sonntags von 14 bis 22.30 Uhr. Man beachte die heutige Anzeige.

** D i e Nachsendung von Postsendun- g e n. Das Postamt Gießen teilt mit: Zu Anträgen auf Nachsendung von Postsendungen sind möglichst die amtlichen Formblätter zu benutzen, die an den Postschaltern und von den Postzustellern zur Ab­

gabe bereitgehalten werden. Die Verwendung dieser amtlichen Formblätter gewährleistet die pünktliche Nachsendung der Post und ist daher zum Vorteil der Empfänger.

** Sterbefälle in Gießen. In der Zeit vom 15. bis 31. März verstarben in Gießen: 15.: Elisabeths Dorothea Herrndorf, geb. Wolf, 74 Jahre alt, Hammstraße 1. 16.: Charlotte Adler, geb. Soltans, 57 Jahre alt, Friedrichstraße 3; 17.: Jakob Jakob, ohne Beruf, 75 Jahre alt, Marburger Straße 25. 18.: Anna Maria Gerhardt, ohne Beruf, 75 Jahre alt, Rodheimer Straße 11; Martha Göbel, geb. Voigt, 52 Jahre alt, Schützenstraße 5. 19.: Georg Kling, Rektor der Pestalozzischule, 61 Jahre alt, Marburger Straße 52. 20.: Berta Fuld, geb. Krämer, 35 Jahre alt, Horst-Wessel-Wall 28. 22.: Wilhelmine Johannette Preuschen, geb. Beckurts, Wwe., 97 Jahre alt, Marburger Straße 20; Wilhel­mine Margarete Weller, geb. Stephany, 80 Jahre alt, Wolkengasse 22; Karl Peppel, Invalide, 58 Jahre alt, Liebigstraße 14. 23.: Emilie Alwine Cappeller, geb. Brombach, 40 Jahre alt, Walltor­straße 45. 25.: Liselotte Kindt, ohne Beruf, 17 Jahre alt, Plockstraße 4. 26.: Georg Gottlieb Stark, Zigarrenfabrikant, 69 Jahre alt, Ludwigstraße 10. 27.: Ernst Meyer, Kontroll-Sekretär i. R., 67 Jahre alt, Wilhelmstraße 53. 28.: Christiane Dürbeck, geb. Finger, Wwe., 64 Jahre alt, Am Nahrungsberg 12; Richard Buchacker, Kaufmann, 73 Jahre alt, Neuen Bäue 11. 31.: Ludwig Schmidt, Maurergehilfe, 64 Jahre alt, Friedrichstraße 1.

** D i e viertägige Postauto-Oster- f a h r t, die von Gießen aus während der Osterfeier- tage unternommen wurde, hat wie man uns berichtet den Teilnehmern Gelegenheit geboten, viele interessante Orte unserer schönen deutschen Heimat kennen zu lernen. Der erste Reisetag führte durch den Odenwald über Michelstadt, Eberbach nach Heilbronn, wo das Mittagessen eingenommen wurde. Am Nachmittag ging es weiter nach Mar­bach, wo Schillers Geburtshaus und das Schiller- Nationalmuseum besichtigt wurden. Gegen Abend wurde als erste Etappe Schwabens Hauptstadt er­reicht. Don dort aus wurde am Ostersamstag ein interessanter Ausflug unternommen, der die Teil­nehmer nach der Universitätsstadt Tübingen, dem gewerbsamen Reutlingen und zu den schönsten Tei­len der Schwäbischen Alb führte, wo die Nebel­höhle und das sagenhafte Schloß Lichtenstein be­sucht wurden. Gegen Abend kehrten die Fahrtteil­nehmer über Eßlingen nach Stuttgart zurück. Am dritten Reisetag ging die Fahrt über Schloß Soli­tude in den Schwarzwald: CalwHirsauWildbad nach Freudenstadt Interessant war es zu sehen, wie auf den Höhen stellenweise noch Schnee bis zu 50 Zentimeter lag, während in den sonnigen Tälern schon der Krokus mit seinen leuchtenden Farben die Wiesen schmückte. Ohne Zweifel am herrlichsten waren die Reise-Eindrücke am Morgen des vierten Tages, an dem von Freudenstadt über Schönmünzach das Murgtal abwärts nach Baden- Baden gefahren wurde. Das überwältigende Bild der landschaftlichen Schönheit dieses Tales das konnte man deutlich erkennen bietet sich dem Reisenden nur von der Landstraße aus, da die Bahn dort häufig durch Tunnels fährt. In Baden-Baden zeigte ein anderthalbstündiger Aufenthalt den Fahrtteilnehmern das prächtige Bild dieses elegan­ten deutschen Kurortes. Die Rückfahrt führte über Karlsruhe, wo das Mittagessen eingenommen wurde, Heidelberg, die Bergstraße, Darmstadt und Frankfurt zurück nach Gießen, das programmäßig gegen 22 Uhr erreicht wurde. Die Organisation und Leitung der Reise hatte das Hapag-Reisebüro Gie­ßen übernommen. Die Fahrtteilnehmer waren hoch- befriedigt, nicht zuletzt auch wegen des herrlichen Wetters während der vier Tage.

** Oeffentliche Bücherhalle. Im März wurden 1403 Bände ausgeliehen. Davon kamen auf: Literaturgeschichte 5, Zeitschriften 49, Gedichte und Dramen 10, Erzählende Literatur 883, Jugend­schriften 147, Länder- und Völkerkunde 76, Kultur- .geschichte 12, Geschichte und Biographien 114, Naturwissenschaft und Technologie 49, Heer- und Seewesen 5, Haus- und Landwirtschaft 3, Gesund­heitslehre 12, Religion und Philosophie 14, Staats­wissenschaft 17, Fremdsprachliches 7 Bände. Nach auswärts kamen 11 Bände.

Welche große politische Bedeutung dem Reichs- berufswettkampf der deutschen Ju­gend beizumessen ist, zeigt, daß in allen Wett­kampforden die führenden Männer der Behörden, Parteiorganisationen, Bildungsstätten u»d der Wirt­schaft mit Freude die politische Schirmherrschaft für die größte Kundgebung deutschen Berufsaufbaues übernommen haben. Die Ueberzeugung, daß die berufliche Leistungssteigerung der Jugend mit aller Tatkraft gefördert werden muß, hat sich zu der ihr unbedingt zukommenden großen Bedeutung durch­gerungen.

Auch in Gießen hat sich für den Reichsberufs­wettkampf und für die am 8. April stattfindende Großkundgebung in der Volkshalle ein

Ehrenausschuß

gebildet, dem folgende deutsche Männer und Frauen angehören:

Alfred Häuser, Führer des Bannes 116 der Hit­ler-Jugend

Hermann Schneider, stellvertretender Bannfüh­rer der Hitler-Jugend

Karl Rühl, Adjutant des Bannes 116 der Hitler- Jugend

Heinz Becker, Leiter des Sozialamts im Bann 116 der Hitler-Jugend

Erhard Waag, Presseleiter im Bann 116 der Hitler-Jugend

Willi Hanke, Organisationsleiter im Bann 116 der Hitler-Jugend

Lotte C r o o n, Ringführerin des BDM.

Heinrich Bartholomäus, Beigeordneter der Stadt Gießen

Oberregierungsrat Dr. S ch ö n h a l s

Regierungsrat Lutter, Führer der SA.-Stan- darte 116

SA.-Standartenadjutant Münker SS.-Obersturmbannführer M o z e k Franz S o l d a n, Führer des Sturmbanns SA.- Reseroe 1/116

Dr. Mettenheimer, Führer des SA.-Marine- sturmes

Am gestrigen Mittwoch weilten die Schafhalter und Schäfer, die Schafzüchter und die Vertreter der Gemeinde-, Gefellschafts- und Genossenschaftsschäfe­reien aus Hessen und Hessen-Nassau in unserer Stadt, um in einer Versammlung im Restaurant F a u l st i ch die Gründung des Landesver­bandes der Schafzüchter Hessen- Nassau zu beschließen.

Den Vorsitz führte zunächst der Direktor des Tier­zuchtamtes Gießen

Oberlaudwirtschastsrat Direktor Dr. Wagner.

Er gab zunächst bekannt, daß er mit der Leitung der Gründungsversammlung des Landesverbandes der Schafzüchter von der Landesbauernschaft be­auftragt worden sei. Dann gab er einen Rückblick auf die jüngere Geschichte der Schafzucht.

Der Rückblick auf die vergangenen Jahre sei wenig erfreulich, um so tröstlicher und zuver­sichtlicher aber der Blick in die Zukunft. Im Jahre 1873 habe es in Deutschland 25 Millionen Schafe gegeben, heule seien es deren nur noch

3,5 Millionen.

Der Schafbestand habe also in dieser Zeit ganz rapid abgenommen. Dadurch sei Deutschland mit der W o l l e v e r s o r g u n g in völlige Abhängigkeit vom Ausland geraten. Nur 7 v. H. der Wolle, die in Deutschland gebraucht werde, sei aus der deutschen Schafzucht gewonnen. Der Weltkrieg habe den amtlichen Stellen in den ! Jahren nach dem Kriege die Augen öffnen müssen.

stellvertretender Kreisleiter der NSDAP., Hopfen­müller

Kreisbetriebszellenleiter Wagner

Kreisamtsleiter der NS.-Hago Schimmel

Kreisbauernführer D ö r r s ch u ck

Kreiskassenwart der NSDAP. Pape

Zolloberinspektor H e ß, Kreisleiter des NS.-Beam- tenbundes

Kreisleiter der NSV. Heinrich K l ö ß

Dr. E. Pauly, Vorsitzender der Industrie- und Handelskammer

Regierungsrat Dr L i st, Direktor des Arbeitsamtes

Major von Wachter, Kommandeur des 1. Battl. 15. Jnf.-Reg.

Ludwig Stühler, Vorsitzender der Handwerks­kammernebenstelle Gießen

Otto Schwarz, Vertrauensmann der Deutschen Angestelltenschaft

Prokurist K. H. Kuhl, Kreisleiter der Deutschen Stenographenschaft

Fabrikant Ludwig Rinn

Fabrikant Wilhelm Poppe

Fabrikant Kommerzienrat Adolf Noll

Druckereibesitzer Richard Lange

Direktor Fritz Müller in Firma Schaffstaedt G. m. b. H.

Bankdirektor Ludwig Grießbauer

Direktor der Bezirkssparkasse Philipp Z a ch e i s

Emilie Weitzel, Rektorin der weiblichen Berufs­schule

Dr. Dipl.-Jng. B ü n n i n g s, Gewerbestudien- direktor

Dr. Moritz Wendel, Handelsstudiendirektor

Privatdozent Schulleiter Dr. Kruse, Dipl.-Han- delslehrer

Schulleiter Dipl.-Handelslehrer Heinrich Heyder Friedrich Adam, Rektor an der Berufsschule Prof. D. Heinrich B o r n k a m m, Rektor der Lan- desuniversität.

Niemand versäume die Großkundgebung zum Reichsberufswellkampf am Sonntag, 8. April, 16 Uhr in der Volkshalle!

Leider sei aber aus dem Mangel an Wolle während des Weltkrieges keinerlei Folgerung gezogen wor­den. Den Schafzüchtern seien Schundpreise für die Wolle geboten worden, so daß sich die Schafhaltung kaum mehr rentiert habe. Wenn der Schafzüchter mit dem Rechenstift ebenso umgegangen wäre, wie es in anderen Wirtschaftszweigen der Fall war, dann gäbe es heute keine Schafe mehr. Es habe aber doch noch manchen Schafzüchter gegeben, der die Schafzucht aus Passion betrieben habe.

Diese Treue und Liebe zu den Schafen werde heute durch die Regierung Adolf Hitler belohnt.

Der Wollepreis liege jetzt 25 v. H. höher, als bisher. Angestrebt werde, möglichst alle Wolle im Jnnland zu erzeugen, soweit sie für den deutschen Bedarf notwendig sei. Das Ziel werde zwar nicht hundertprozentig zu erreichen fein, man werde aber schon Anlaß zur Zufrieden­heit haben, wenn Deutschland von der ausländischen Wolle unabhängiger werde, als bisher. Die Anzahl der Schafe in Deutschland könne ohne große Schwierigkeit um das drei- bis vierfache erhöht werden. Vor allem müsse in den Gutsbetrieben die Schafzucht wieder eingeführt werden, da gerade der Gutsbetrieb die notwendigen Voraussetzungen am besten erfülle.

In den Gemeinden sehe es hinsichtlich der Schafzucht wenig befriedigend aus. Bor allem müsse hier mehr Entgegenkommen in der Be­reitstellung von Weiden gezeigt werden.

Zwar sei die Neugründung von Schafherden in Gutshöfen und Gemeinden nicht von heute auf mor­gen durchzuführen. Das sei in erster Linie ein fi-

Gründung des Landesverbandes der Schas- zöchier in Hejsen-Aaffan.

Meine Geschichten vom großen Spohr.

Zum 150. Geburtstage am 5. April. 23on Will Scheller.

Der Komponist Louis Spohr, der, in Braun­schweig geboren, feit 1822 in Kassel gelebt und, bis zu seinem Tode, gewirkt hat, war, wie noch sein Standbild erweist, von außergewöhnlicher Körper­größe. Dieses Größenmah wurde denn auch zu ver­schiedenen Malen Anlaß ergötzlicher Begebenheiten. Als der Komponist einmal den Dichter Grabbe, der freilich ein besonders kleiner Mann war, in Detmold besuchte, wich dieser in komischem Ent­setzen vor ihm zurück und rief:Sie können mich ja zum Fenster hinauswerfen!"Jawohl", er­widerte Spohr,das könnte ich; aber zu diesem Zweck bin ich nicht hierher gekommen."

Als er unter allgemeiner Teilnahme fein 25- jähriges Kapellmeister-Jubiläum feierte, fand im Kasseler Hoftheater, in dem Spohr eine führende Rolle spielte, ein großartiger Festakt statt. Die Regie dieser Veranstaltung hatte der durch seinen Situationswitz bekannte Buffo-Komiker Birn­baum. Als der nun in dem eigentlichen Festspiel von Spohrs Leben erzählte und berichtete, wie der spätere Violin-Virtuose daheim als Kind seine erste, mit Zwirnsfäden bespannte Geige von der Messe mitgebracht erhalten hatte, kam der Passus vor: Hört man den ganzen Tag den kleinen Louis geigen." Die Art, wie Birnbaum diesen Satz vor­brachte, war von durchschlagender Wirkung; der vollbesetzte Zuschauerraum dröhnte vom Gelächter des feierlich angeregten Publikums.

Gern ist berichtet worden, daß einige Mitglieder des Opern-Enfembles, wie die Koloratur-Sänge­rinnen C a n z i und Roland, die der an sich strenge Spohr schätzte, jeweils auf einen Stuhl klettern mußten, wenn sie mit ihm sprechen woll­ten. Tragischer hat sich die Größe Spohrs bei einem anderen Kasseler Komiker namens Wüstenbera ausgewirkt, der eines Tages, und zwar angeblich auf Grund persönlicher Differenzen, in eine Geisteskrankheit verfiel und unter der, wie es heißt, tödlichen Zwangsvorstellung litt, den großen Spohr verschluckt zu haben. Zuvor nämlich hatte er ver­lauten lassen, er hätte Spohrim Magen".

*

Im übrigen entsprach Spohrs körperlicher Größe allenthalben der wuchtende Eindruck seiner geistigen

Persönlichkeit. Daß es aber auch Leute gab, die wenn auch nicht seinem Können als Violinvirtuose und seiner Dirigententätigkeit, so doch seiner eige­nen Musik kritisch gegenuberstanden, ist geschicht­lich nicht zu bestreiten. Zu diesen dem Komponisten Spohr gegenüber reservierten Leuten gehörte auch der Germanist Jacob Grimm, und es gibt von seiner Meinung über Spohrs Tondichtungen eine hübsche und für beide, für den Kritiker wie für die kritisierte Musik, recht kennzeichnende Anekdote.

Zu Anfang der zwanziger Jahre hatte Spohr mit seiner OperJefsonda" einen beträchtlichen Er-! folg zu verzeichnen gehabt. Jacob Grimm, der sich allerdings überhaupt nicht viel für Theater und I Musik interessierte, wurde von zahlreichen Enthu­siasten aebeten, sich das Werk auch einmal anzu­hören. Lange sträubte er sich, aber es gelang am Ende doch, ihn mürbe zu machen. Mit lebhafter Spannung warteten die Freunde auf das Urteil Grimms, der, ohne ein Wort zu sagen, mit Ruhe und Andacht der Aufführung beiwohnte. Als er nun am Schluß nach seinem Eindruck gefragt wurde, meinte er:O ja, recht hübsch, aber man möchte nur einmal ein Donnerwetter darin fluchen!"

*

Es ist gelegentlich behauptet worden, Spohr hätte in den letzten Jahren seiner Tätigkeit als Hofkapell- meifter unter der Wesensart seines Landesherrn zu leiden gehabt, und es wird sogar mitunter von Ver­bitterung gesprochen. Tatsache ist, daß die Ver­abschiedung Spohrs nach 35jähriger Dienstzeit, übrigens zwei Jahre vor seinem Hinscheiden, wohl aegen seine persönlichen Erwartungen erfolgt ist. I Andererseits war er damals schon 73 Jahre alt und bereits zehn Jahre zuvor, und zwar ungeachtet des von ihm stets furchtlos betonten Männerftolzes vor Fürstersthronen, gelegentlich des erwähnten Ju­biläums, von Kurfürst Friedrich Wilhelm I. von Hessen-Kassel zum General-Musikdirektor ernannt und mit der Hoffähigkeit ausgezeichnet worden war, was gewiß nicht als Abneigung oder gar als Schi­kane auszulegen ist.

*

Eine innerliche Zurückhaltung Spohr gegenüber hatte der an sich mißtrauische Landesherr des von diesem gleichwohl nach Verdienst geschätzten Mu­sikers wohl daher gefaßt, als Spohr nach dem Ab­leben feiner ersten Gattin eine zweite Ehe mit der Tochter eines bekannten Juristen und oppositionel­len Politikers eingegangen war. Daß indessen diese Animosität nicht viel wog, beweist folgende Ge­schichte.

Richard Wagner hat sich bekanntlich in die achtundoierziger Wirren persönlich eingemischt und

sich damals bei den deutschen Fürsten keinen guten Namen gemacht. Als nun 1853 in Kassel, wo ja in politischer Hinsicht ein besonders scharfer Wind wehte, erstmalig derTannhäuser" aufgeführt wer­den sollte, hatte Kurfürst Friedrich Wilhelm I. im Hinblick auf die Beteiligung des Komponisten an den Dresdener Unruhen seine Genehmigung ver­sagt.

Der General-Intendant des Hof-Theaters, Josias von Heeringen, der zugleich Hofmarschall war, brachte jedoch denTannhäuser" abermals zum Vorschlag. Der Kurfürst wunderte sich Über dieses ungewöhnliche Verfahren und fragte bei Ta­fel nach den Gründen solcher Hartnäckigkeit. Hee­ringen antwortete, er habe den Vorschlag wieder­holt, weil Spohr es für eine Ehrensache jeder bes­seren Bühne erachte, sich für das Werk Richard Wagners einzusetzen.

Der Kurfürst, der trotz der erwähnten Bedenken große Stücke auf seinen General-Musikdirektor hielt, erwiderte:

Nun, wenn der alte Spohr es will, soll der ,Tannhäuser' zu Pfingsten gegeben werden."

Und am 15. Mai 1853 hob sich der Vorhang im kurfürstlich hessischen Hoftheater trotz aller offiziö­sen Einwände vor der Halle, die Elisabeth mit ihren Jubelklängen grüßt, bei dieser Gelegen­heit in Gestalt eines Fräulein Bamberg vom Hoftheater in Schwerin, das im Herbst zuvor mit Erfolg in Kassel gastiert hatte und die Elisabeth binnen kurzem zwanzigmal singen mußte, ein Beweis dafür, daß auch in dieser Epoche der soge­nannten Reaktion und selbst unter der Regierung des angeblich engherzigen Kurfürsten von Hessen die Kunst der Politik den Rang abzulaufen ver­mocht hat.

Das Denkmal eines treuen Hundes.

Haschie-Ko, der japanische Hund, der jahrelang am Schibuja-Bahnhof in Tokio auf seinen Herrn wartete, der bei einem Eisenbahnunglück getötet worden war, hat jetzt eine Statue erhalten. Wäh­rend seines langen und unermüdlichen Harrens kamen Tausende nach dem Bahnhof, um den treuen Hund zu bewundern. Diele erboten sich, ihn mit­zunehmen und gut zu pflegen, aber keine Lockung konnte das Tier dazu bringen, die Eisenbahnstation zu verlassen. Schließlich nahm ihn der Stations­vorsteher auf. Vor dem Bahnhof ist jetzt eine bronzene Statue von Haschi-Ko errichtet worden; sie steht auf einem Sockel, auf dem ein Gedicht eingemeißelt ist, das der Dichter Teijiro Pamamoto zum Preise des treuen Hundes geschrieben hat. >

Können SieSchnittmusterbogen lesen?

Es gibt nicht allzuviele Frauen, die sich wirklich auf das Lesen und Verwerten des Schnittmuster- bogens verstehen. Um ehrlich zu sein, ich habe es auch erst jetzt gelernt, aber soviel Freude daran bekommen, daß ich es meinen Mit-schwestern nicht vorenthalten möchte. Jahrelang war das erste beim Oefsnen des Modeheftes, daß der lästige und für mich zu nichts zu verwertende braune oder gelbe Bogen beiseite gelegt wurde.

Vor kurzem suchte ich einen Schnitt für einen neuartigen Kragen, durchforschte alle Schnittmuster­abteilungen und fand nicht das Geeignete. In der letzten Nummer meines Modenheftes hatte ich einen gesehen, der es mir angetan hatte, und aus­gerechnet ihn konnte ich nicht finden. Ich sagte der Verkäuferin, wo ich ihn gesehen hatte, und sie er­klärte mir, daß diese Firma bei ihnen nicht ge­führt würde, daß ich ihn aber doch sicherlich auf dem Schnittmusterbogen finden würde.

Ich machte also aus der Not eine Tugend und ging an das schwierig erscheinende Werk, das in Wirklichkeit so kinderleicht ist. Auf beiden Seiten stehen am Rand des Bogens die Abbildungen. Jede ist mit einer Nummer und mit einem Zeichen ver­sehen. Nun sucht man die groß gedruckte Zahl auf dem ausgebreiteten Bogen und findet dort auch das angegebene Zeichen, verfolgt es mit Rot- oder Blaustift und hat den fertigen Schnitt. Von Eifer erfaßt, habe ich sofort die Schere genommen und ihn ausgeschnitten, das war aber falsch, denn nach­dem ich einmal gelernt hatte, wie leicht es ist. wollte ich noch mehr der angegebenen Schnitte heraus­haben. Das ging nicht, da ich einen Teil weg­geschnitten hatte. Die Linien laufen nämlich alle durcheinander und sind nur nach ihren besonderen Zeichen zu erkennen. Es ist darum besser, man radelt sie durch und schneidet sie dann nach der Radspur aus.

Sie glauben gar nicht, was es alles auf dem Schnittmusterbogen gibt: Handtaschen, Garnituren, Änderungsvorschläge, Capes und Jäckchen, Aermel, Blusen, Röcke, Kleider, Mäntel, Morgenröcke und Kinderkleider und selbst die Buben kommen nicht zu kurz darauf, für sie gibts Hosen und Sport- anzüge und alles, was sie brauchen. Ehe man sich einen Schnitt besorgt, hat man oft schon wieder die Lust dazu verloren, hat man ihn aber kostenlos zur Hand, ist manches schnell gemacht. Versuchen Sie es einmal! Charlotte.