lichem Gesicht: „Glauben Sie das wirklich, Frau sel mit den Greifenknöpfen und nahm sich, blaß und
verängstigt, wieder einmal vor, das Haus heimlich
8 Fortletzung
Nachdruck verboten!
zu-
Es war so schön hier — so schön!
Wenn sie mit Frau von Stöbnitz ausging, war
aber, daß es da immer ohne ein bißchen Schwindeln abgegangen ist. Ausgeschlossen! Sie äußerten sich aber viel zu scharf. Ich bin auch keine Freundin der Lüge, aber man kann doch nicht mit dem Donnerkeil auf ein winziges Tierchen losschlagen, das im allgemeinen harmlos ist. Ich habe auch als
Ihr Mann stimmte ihr zu:
„Ein liebes, zurückhaltendes und bescheidenes, nie die Grenzen überschreitendes Mädel. Ihr Vater muß gar kein Verständnis für Jugend besitzen, jede
habt. Jetzt war das alles zu ihr gekommen wie selbstverständlich, und nun mußte sie die Tür hinter sich zuschlagen und alles zurücklassen. Sie war entschlossen: noch an diesem Tage wollte sie fort; aber vor allem mußte sie einen Brief an Frau von Stübnitz schreiben. Sie meinte, Peter Konstantins hübsches, herbes Gesicht dicht vor sich zu erblicken; ein harter Ausdruck lag darauf, und er sah sie kalt an, sagte rauh: Bekenne!
Sie dachte an ihren Traum und murmelte: Träume lügen!
Sie riegelte sich ein, begann einen Brief an Frau von Stäbnitz, doch kam sie nicht weit. All das Warme und Herzliche, das sie sagen wollte, das sie für die Bitte um Vergebung brauchte, wollte sich nicht in Worte einfangen und festhalten lassen.
Sie saß da, und die Feder ruhte. Sie wurde nervös, immer wirrer wurde ihr Denken. Ihr fiel
der Halbmaske, der ihr den Talar umgehängt sie geküßt hatte. Ein Traum war es nur. Was deutet ein Traum, auch wenn man ihn in ersten Nacht in einem neuen Heim träumt!
Sie aß still weiter, aber sie mußte sich sehr
Er zuckte mit den Achseln: „In der ersten Zeit habe ich bei Doralies auch immer gedacht, das dicke Ende kommt nach; jetzt warte ich nicht mehr auf einen dummen Streich von ihr. Doralies ist wie ihr Aeußeres: Geradlinig, zuverlässig; auch ist sie klug. Ich unterhielt mich mit ihr gelegentlich, weil es sie zu interessieren schien, über juristisch Sachliches, und sie äußerte dabei ganz gescheite Worte."
Die beiden Herren gingen ins Büro; Frau von Stäbnitz in ihre Privatzimmer. Und oben in ihrem wunderhübschen Salon, in Schwarz und Goldbraun gehalten, saß Regina in einem der geschnitzten Ses-
und be- der
sammennehmen, um es tun zu können, und war es doch gewöhnt, sich zusammenzunehmen, hatte das immer tun müssen. Die Eltern hatten das schon von ihr gefordert in jüngsten Jahren, ihr kaltherziger Vormund und seine ebenso eingestellte Frau waren darin noch weiter gegangen.
Frau von Stäbnitz meinte nach Tisch, nachdem Regina ihre Zimmer aufgesucht hatte, zu Doktor Konstantin: „Ich glaube, Sie haben Doralies moralisch angerempelt, ohne daß sie es wissen, lieber Freund!"
Er fragte verwundert: „Wieso?"
Sie erwiderte lächelnd: „Run, das ist doch sehr
Regina lächelte, aber das Lächeln saß krampfig- schmerzhaft um ihren Mund. Sie dachte in diesem Augenblick an ihren Traum. An den Mann mit
. Frau des Vormundes aber war eine geradezu eisige Natur. Jetzt erst lernte sie die sanfte, behütende
erkläre ich ruhig, an dem betreffenden Tage etwas Dringendes vor zu haben. Ich lüge ja auch, wenn ich mich zu Hause vor unliebsamen oder langweiligen Besuchern verleugnen lasse. Der Alltag zwingt oft zu kleinen Lügen. Wollen milde sein und diese kleinen Lügen Ausreden nennen. Doralies hat also bei ihren Streichen oft zu Ausreden greifen müssen, um Aerger zu entgehen. Und nun trumpften Sie so überscharf auf. Ich sah es ihr an, sie fühlte sich irgendwie getroffen und litt darunter."
Peter Konstantin fragte langsam, mit nachdenk-
lebte, hatte sich gerade in den letzten Tagen etwas gelegt, und in Frau von Stäbnitz sah sie eine mütterliche Freundin, beinah eine Mutter. Die ihre war niemals recht warm zu ihr gewesen; es hatte
Zärtlichkeit einer Frau kennen, und es tat so gut, sich von den schlanken Frauenarmen ans Herz ziehen zu lassen und weiche, liebe Koseworte zu hören, die sie oft gelesen, oft zu anderen sagen gehört, und die bisher doch niemals ihr gegolten.
Sie war sehr verzagt, sah sich in einer Sackgasse, aus der sie nicht herausfand. Sie meinte noch immer Peter Konstantins Stimme zu hären, mit der er sagte: „Ich bekenne, wenn ich an einem Menschen, den ich gern hätte, eine überflüssige Lüge fände, er wäre für mich tot!"
Sie zog wie fröstelnd die Schultern hoch. Sie wollte denken: Nun war es eigentlich schon gleich;
klang in ihr nach wie etwas ganz Furchtbares. Das quälte sie, als hätte man ihr vor vielen Menschen ein Schandmal eingebrannt, das sie nun mit sich herumtragen müßte, ihr ganzes Leben lang.
Ihre Angst, weil sie zu Unrecht in diesem Hause
betont, hat sie noch nicht das Geringste gezeigt. Ich durfte herrliche Musik hören, und viele interessante schrieb ihm das auch gestern."
lichkeit verhütet. Und ich habe denselben Eindruck wie meine Frau. Sie sinb glaube ich, unserer Doralies tüchtig an den Wagen gefahren."
Peter Konstantin bekannte ein bißchen zögernd:
„Das würde mir leid tun."
Frau van Stäbnitz nickte.
„So gefallen Sie mir schon besser. Sie sind doch im allgemeinen ein so froher, lebensbejahender, moderner Mensch, aber die Grundsätze, nach denen Ihre Erziehung geleitet wurde, hängen Ihnen noch an. Da halte ich's lieber mit meinem Manne: Vergebt, auf daß euch wieder vergeben werde. Und Sie sind sonst so ein fideles, gemütliches Huhn — verzeihen Sie den Ausdruck —, Kleinlichkeit paßt nicht zu Ihnen." Sie fuhr fort: „Doralies gefällt mir
I Menschen mit berühmten Namen hatte sie schon auf diese Weise kennengelernt. Sie hatte immer Sehn- ! sucht nach Schönheit, Kunst und weiten Blick ge-
D^e ecfide und die falscfte Doralies
Roman von Anny von Panhuys.
Urheberrechtsschutz: Fünf-Türme-Verlag, Halle (©.)
von Stäbnitz?
Sie neigte den Kopf: „Davon bin ich fest über- zu verlassen. Was Peter Konstantin gesagt, das
, , , Harmlosigkeit zum Uebermutsstreich gestempelt
junges Mädel ab und zu geschwindelt und tue das haben." Er setzte nachdenklich hinzu: „Ich las ge- noch. Wenn mich zum Beispiel eine Bekannte ein- ' legentlich einige feiner Romane und fand darin lädt, an deren Gesellschaft mir nichts liegt, und zu allerdings ein famoses Verständnis für junge Leute." deren Besuch mich nicht besondere Gründe zwingen,
zeugt.'
Er schwieg ein Weilchen, meinte dann ruhig: „Es sollte mir leid tun, wenn es so wäre, aber meine Ansicht wird davon nicht berührt."
Herr von Stäbnitz, dessen scharf herausgearbeiteter Charakterkopf mit dem ziemlich kurz geschnittenen Grauhaar sich gegen die hohe Lehne eines Stuhles drückte, mischte sich ein.
von Tag zu Tag besser, und ich muß gestehen, jetzt war die Lüge schon lange da, nun konnte die immer befremdender scheint es mir, daß sie so ein Lüge ihr auch helfen, noch ein Weilchen Hierblei- Wildfang gewesen sein soll. In den zwei Wochen ben zu dürfen.
, , , ihres Hierseins hat sie auch noch nicht den kleinsten I ~ ' ......
einfach. Sie wissen, welcher Ruf Doralies voraus- Ansatz dazu gemacht. Nach meiner Meinung ist sie | ....... ,....... M_______ ________w___a...o,___
ging. Ich meine, daß sie ihr Vater von Hause weg- gut erzogen und sogar etwas zurückhaltend. Von alles in ihr und um sie herum wie ein Rausch, geschickt hat, weil sie manchmal Dinge tat, die der Keckheit ihres Wesens, die ihr Vater besonders Sie genoß. Sie durfte erstklassige Schauspiele sehen, schlecht zu einer jungen Dame passen. Glauben Sie betont, hat sie noch nicht das Geringste gezeigt. Ich durfte herrliche Musik hören, und viele interessante
„Ich bin auch fein Freund der Lüge. Aber oft war niemals recht warm zu ihr gewesen; es hatte wird durch eine Ausrede viel Streit und Unannehm- ihrem etwas rauhen Charakter nicht gelegen. Die « ■ « * • । « . « . < . <- « « i L V A 1 • A ST < A V 1 • W A A n A Y* A t* A t M A rt A A 1 I Atli A
ein: Frau von Stäbnitz wollte mit ihr ausyehen, und das konnte sie nicht mehr. Sie entschloß sich zu einem ganz kurzen Brief und zog sich überstürzt zum Ausgang an, schlich sich leise die Treppe hm» unter.
Sie bedauerte, daß sie den Pelzmantel von Doralies hatte anziehen müssen; aber sie besaß doch keinen anderen Mantel. Ihren schlichten Mantel hatte Doralies in Karlsruhe mitgenommen.
Sie öffnete leise die Haustür, und ihr war es, als stoße sie die Hand Peter Konstantins zum Hause hinaus.
Fast körperlich spürte sie, was ihr die Einbildung einredete; sie stolperte und fiel ihm gerade in die Arme, an den sie eben gedacht.
Peter Konstantin lächelte:
„Ohne mich wären Sie gefallen, Fräulein Wolfram. Dafür bekomme ich doch eine Hand — nicht wahr?"
Er empfand jetzt sehr stark, was ihm Frau von Stäbnitz vorhin vorgehalten, und dachte, vielleicht schoß er mit feinen Ansichten über Lügen doch ein bißchen weit über das Ziel hinaus. Er spürte jähes Mitleid mit dem Mädchen; auf dem jungen zarten Gesicht lag ein Zug, der ihm auffiel und zu denken gab.
Beinahe wie Verzweiflung hing es um den hübschen Mund. Natürlich, Doralies Wolfram hatte sich vorhin irgendwie getroffen gefühlt und es sich zu Herzen genommen.
Er haschte nach ihrer Hand.
„Also vor dem Fall hätte ich Sie behütet; aber jetzt sagen Sie nur: Wo wollen Sie hin? So viel ich weiß, gingen Sie bisher noch niemals allein aus."
Flammendes Rot überzog ihr Gesicht.
Er stutzte.
Was bedeutete es, daß Doralies Wolfram bei der harmlosen Frage errötete wie auf böser Tat ertappt?
Er lächelte:
„Ich habe etwas Zeit, und wenn Sie mir erlauben, Sie ein Stückchen zu begleiten, würde ich mich freuen."
Reginas Blick traf den feinen, und sie schüttelte mit dem Kopfe.
„Ich möchte allein gehen. Ich — ich —" Sie schluckte heftig. „Ich darf Sie nicht bemühen, Herr Doktor! Guten Tag!"
Sie war so hastig davongeeilt, daß er verblüfft sekundenlang wie angenagelt auf der Stelle stehenblieb, auf der er stand, und überlegte:
Weshalb benahm sich Doralies Wolfram so sonderbar? Begann sie jetzt vielleicht mit ihren Extravaganzen, vor denen ihr Vater Frau von Stäbnitz gewarnt hatte?
(Fortsetzung folgt.)
6
er N
Am 2. Osterfeiertag verschied plötzlich und unerwartet mein lieber Mann, unser guter Vater, Sohn. Bruder, Schwager und Onkel
gg Herr Wilhelm Ußner
im 44. Lebensjahr.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Wilhelmine Ufmer, geb. Müller
Gießen (Buddestraße 4), den 4. April 1934.
Die Beerdigung findet in der Stille statt.
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siehe Aushänge.
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