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Schafft neue Llnterkünste für unsere wandernde Lugend!

Umfassende Baupläne des Reichsverbandes für Deutsche Jugendherbergen

Berlin, 4. April. (DNB.) Der Reichsver- band für deutsche Jugendherbergen wird mit Unterstützung der Reichsregierung am 20. und 21. April einen Reichs-Werbe - und O p f e r t a g durchführen, um neue Mittel zu erlan­gen, mit denen neue Jugendherbergen ge­schaffen, die schon bestehenden finanziell entlastet und, wenn irgendmöglich, auch die U e b e r n a ch - tungpreise weiter gesenkt werden sollen. Im ganzen Reich werden Kirschblüten zugunsten dieses sozialen Werkes verkauft.

Für die neu geschaffene schwimmende Ju­gendherbergeHein Godenwind", die Ende dieser Woche durch den Reichsjugendsührer in Hamburg feierlich eingeweiht werden wird, liegen bereits mehr als 20 000 Anmeldungen vor. In Hannover wird in Kürze die Paul von Hindenburg-Jugendherberge erbaut. Die fes Haus soll besonders auch als W a n d e r s ch u l e zur Abhaltung von Reichswandererlehrgänge dienen. In Berchtesgaden wird eine Adolf Hit­ler-Jugendherberge erstehen, da es sich als notwendig erwiesen hat, für die wandernde Jugend, die m ungeheurer Zahl ständig nach dem Obersalz­berg strömt, um dort dem Führer nahe zu sein, gute Unterkunftsräume zu schaffen. In Eisenach wird die Langemarck-Jugendherberge gebaut, die ihren Namen tragen soll zu Ehren der jungen Freiwilligenregimenter, die den Opfertod in Flandern erlitten. Die Fahnen der Freiwilligen­regimenter, die bei Langemarck mitsochten, werden in' einer Ehrenhalle der Jugendherberge unterge­bracht. Die Einweihung wird unter Teilnahme der Reichswehr vonstatten gehen. In Pommern sol­len nach ganz neuen Ideen Jugendherbergen errich­tet werden. Der Herbergsvater soll gleich­zeitig als Siedler angesetzt werden, da­mit die Jugendherbergen einen möglichst geringen

Zuschuß benötigen. Eine Jugendherbergssiedlung wird in der Nähe von Stettin errichtet wer­den. In ihr sollen verheiratete Jugendsüh- rer als Herbergsväter geschult werden. Nach der Schulung sollen sie als Siedler und Her­bergsväter angefetzt werden.

Veranstaltungen der HI. im Ober­gebiet West.

Am 19. April, 24 Uhr, findet in Duisburg auf einem öffentlichen Platz eine große Kund­gebung der HI. zu Ehren des Geburts­tages des Führers statt. In Mer nächt­lichen Kundgebung wird Obergebietsführer West, H. Lauterbacher, im Namen der Hitler­jugend des Westens dem Führer die Gruße zum Geburtstage entbieten. Diese Kundgebung wird im Rahmen einer Rundsendung zur gleichen Stunde finden Kundgebungen der HI. im Osten, Norden, Süden und Mitte des Reiches statt vom Rundfunk übertragen.

Am Sonntag, 8. 4. 34, treffen in der Ober­gebietsführerschuleBaldur von Schlrach" in M e h- I e m sämtliche Gebiets-, Oberbann- und Bannfuhrer der HI. des Obgeb. West zu einer Tagung unter der Leitung des Obergebietsführers West zusam­men. Am folgenden Sonntag, 15. d. M., findet eine Tagung der Gebietsjungvolk-Vberjungbann- und Jungbannführer statt. *

9000 Jungoolkführer des Gebietes Hes­sen-Nassau haben zu Ostern etwa hundert Zeltlager bezogen, um hier in Luft und Sonne im praktischen Lagerbetrieb geschult zu werden.

Die DurchMrimg des Gesetzes zur Ordnung der nationalen Arbeit.

BeiriebssremdeEingriffe in die Wahl der Vertrauensmänner verboten.

Berlin, 4. April. (DNB.) Reichsarbeilsmini- ster und Reichswirlfchaflsminifter geben bekannt:

Es liegen Mitteilungen vor, wonach in verschie­denen Teilen des Reichs trotz der klaren Anwei­sungen der Reichsregierung von betriebs­fremden Kreisen versucht wird, in die Wahl der Dertrauensräte einzugrei­fen, die Wahllisten aufzustellen, zu ändern oder Vorschriften über Zeitpunkt und Formen der Wah­len zu erlassen. Derartige Versuche sind u n z u l ä s - s i g und stehen in scharfem Widerspruch zu Geist und Inhalt des Gesetzes zur Ordnung der natio­nalen Arbeit. Dieses Gesetz, das auf der Grundlage der Zusammengehörigkeit aller Betriebsangehöri­gen beruht, geht davon aus, daß soweit wie möglich die Beziehungen des Führers eines Betriebes und seiner Gefolgschaft im Betriebe selb st geregelt werden müs­sen. Das Gesetz will also gerade Einmischun­gen betriebsfremder Elemente, wie sie früher von Gewerkschaften vorge­nommen worden sind, ausschliehen und die Selb st Verantwortlichkeit der im Be­trieb tätigen Menschen stärken. Es be­stimmt daher, daß lediglich der Führer des Betriebes im Einvernehmen mit dem V e t r i e b s z e l l e n o b m a n n des Betriebs die Wahllisten der Vertrauensmänner aufstellt und die Wahl durchführt. Wo diese Einigung nicht mög­lich ist, oder wo die Wahl zu keinem positiven Er­gebnis führt, kann allein der Treuhänder der Arbeit die notwendigen Anordnungen tref­fen. An diesem Grundsatz müh unbedingt festgehal-

ten werden. Wer gegen den vom Gesetzgeber ge­wünschten Grundsatz verstößt, läuft Gefahr, zur Rechenschaft gezogen zu werden, ganz ab­gesehen davon, daß gesetzwidrige Eingriffe in die Wahlen der Vertrauensmänner die Ungültig­keit der Wahlen nach sich ziehen können.

Oie Weitergeltung von Tarif­verträgen nach dem 1 Mai.

Berlin, 4. April. (DRV.) Der Reichsarbeils- minister hat über die Weilergeltung von Tarifver­trägen nach dem l.Mai 1934 unter dem 28. März 1934 eine bedeutsame Anordnung erlassen, hiernach gelten die am 30. April 1934 noch laufenden Tarif­verträge als Tarifordnungen so lange unverändert weiter, bis der Treuhänder der Arbeit ihren Ablauf anordnet oder sie a b - ändert. Der Reichsarbeitsminister kann auch selbst den Ablauf bestimmen. Die als Tarifordnungen verlängerten Tarifverträge gelten, wenn sie für all­gemeinverbindlich erklärt waren, im Umfange der bisherigen Allg em einverbind­lich k e i t, im übrigen nur für die am 30. April 1934 tarifgebundenen Betriebe.

Die angeordnete Weitergeltung von Tarifverträ­gen als Tarifordnungen ist im allgemeinen zwar unbefriedigend, sie ist jedoch nur für eine ge- wisse Uebergangszeit in Aussicht genom­men, innerhalb deren die Treuhänder der Arbeit die erforderliche Umstellung vorzunehmen haben. Die Weitergeltung von Werk- (Firmen-) Ta­rifverträgen als Tarifordnungen ist von vorn­herein bis zum 30. Juni 1934 befristet, da diese bis spätestens dahin durchVetriebsordnun- g e n erseht werden müssen. Die Anordnung vom 28. März 1934 gilt für private wie für öffentliche Betriebe.

Der Bord aus Schloß Wallershausen.

Der Krafiwagenführer vor den Schweinfurter Geschworenen.

Schweinfurt, 4. April. (DNB.) Die Ergrün­dung des Dramas, das sich in der Nacht zum 1. Dezember 1932 auf dem Schloß Walters- Hausen bei Königshofen abspielte, ist in ein entscheidendes Stadium getreten. Der ledige Kraft­wagenführer Karl Liebig steht unter der An­klage, in der fraglichen Nacht seinen Dienstherrn, den Schloßbesitzer von Woltershausen, Hauptmann a. D. Waldemar Werth er in dessen Schlafzim­mer ermordet und ferner den Versuch gemacht zu haben, a y d) d i e Schloßherrin, Frau W e r t h e r, geborene Freiin von Woltershausen ums Leben zu bringen. Schon vom Mord­tage ab jagte eine Sensation die andere. Es wur­den sowohl Liebig auf Beschuldigung der Frau Wer- ther, als auch diese m Untersuchungshaft genommen, und schließlich wieder auf freien Fuß gesetzt. Das Verfahren gegen Liebig wurde aus Mangel an Beweisen eingestellt. Hiergegen erhoben sowohl der Staatsanwalt als auch der Verteidiger Liebigs, der um seine Unschuld kämpft, Einspruch, aufgrund des­sen es nun zu der heutigen Hauptverhandlung ge­kommen ist. Man rechnet mit einer Derhandlungs- bauer von 14 Tagen bis drei Wochen.

Oie Vernehmung des Angeklagten.

Nach Verlesung des Eröffnungsbeschlusses begann das Verhör des Angeklagten. Auf die Frage des Vorsitzenden, ob er sich schuldig bekenne, antwortete dieser mit einem lautenNein", lieber die Vor­gänge der letzten Tage vor dem 1. Dezember be­richtete Liebig, daß er ungefähr am 25. November in Wülfershausen war und bei dieser Gelegenheit aus seinem Revolver einige Probe- schüsse abgab. Daher fei es gekommen, daß er am Vortage des 1. Dezember nur noch eine

Kugel im Laus hatte. Diese habe er am 30. Novem­ber ebenfalls verschossen, wobei er sich einen Habicht zum Ziel erkor. Dann habe er noch eine häusliche Arbeit verrichtet. Als es dunkel wurde, verließ er das Schloß und hörte, wie die thn begleitende Köchin das Tor hinter ihm verrie­gelte. Er begab sich zunächst in seine Wohnung und suchte dann seine Braut in Wülfershausen auf. Zu­rückgekehrt, las er in einem Buch und schlief gegen 23.30 Uhr ein.

Am Morgen des 1. Dezember stand er um 7.30 Uhr auf und ging in den Hof, um Wasch­wasser zu holen, kurz darauf kam das Dienst­mädchen gerannt und tief:Karl, komm her, die gnädige Frau ist wahnsinnig geworden!" Ihr folgte Frau Werther, blutüber- ftrömt, den Revolver in der Hand. Liebig fragte, was denn los fei und erhielt die Antwort:Karl, gehen Sie und holen Sie Leute!" Kurz darauf aber richtete Frau Werther die Pistole gegen den Gärtner, so daß dieser die Flucht ergrei­fen muhte. So schnell er konnte, eilte Liebig zum Bürgermeister, der die Polizei benachrich­tigte. Liebig war inzwischen in das Innere des Schlosses zurückgekehrt, wo er bereits mehrere Dorfbewohner antraf. Ihnen bot sich ein schauerlicher Anblick. Das Zimmer des Hauptmanns war durchwühlt, die Decken lagen auf dem Boden und Hauptmann Werther selbst lag tot im Bett. Rach kurzer Zeit erschien Polizei und verhaftete Liebig.

Englands Lleberfchuß-Etai.

Die Frucht einer Gcheinkonjunktur.

Mit dem riesenhaften Ueberschuß von stark 31 Millionen Pfund schließt das englische Haushaltsjahr 1933/34 ab, nachdem das vorige fast 32 Millionen Pfund Fehlbetrag aufwies. Auf der Einnahmenseite stiegen vor allem die Zoll­einnahmen infolge oer neuen Schutzzollpolitik, aber auch der plötzliche Tod sehr reicher Männer ließ die Erträge der Erbschaftssteuern hin­aufschnellen. So brachte allein der Tod des Reederei­besitzers Ellermanns dem Staate 85 Millionen Pfund Erbschaftssteuer ein. Ohne diese Einnahmen wäre Englands Haushalt nicht in Ordnung. Es ist ein Glücksfall für die englische Finanzwirtschaft, der an das Jahr 1913 gemahnt. Damals war Lloyd George Finanzminister und hatte fein großes Budget durchgeführt, das vor allem die Einkommensteuer kräftig erhöhte. Trotzdem schloß der Voranschlag damals mit einem Defizit von 1394 000 Pfund. Lloyd George versprach, keine neuen Steuern einzuführen, sondern er erwartete aus der zunehmenden Belebung der britischen Wirt­schaft einen Ausgleich des Defizits. Aber im Ver­laufe des Finanzjahres trat das Gegenteil ein. Die Steuereinnahmen gingen zurück und nur der plötzliche Tod einer Reihe von Brauereibesitzern, Bankiers und Fabrikanten ließ durch die Erb­schaft s st e u e r e r t r ä g e den Fehlbetrag ver­schwinden. Man hat damals gesagt, der Tod seiner politischen Gegner habe Lloyd Georges Budget ge­rettet ...

Die Abwertung des Pfundes hat e i n e Schein­konjunktur hervorgerufen, die natürlich solange nur bestehen kann als die anderen Nationalwirt­schaften mit ihren Gegenmaßnahmen noch nicht voll in Abwehrstellung gedrängt wurden. Trotzdem steht

die Gesamtlage nicht rosig aus. Entgegen den Be- schlüssen der Ottawa-Konferenz und einer etwas sehr lärmenden Propaganda der Lord Beaverbrook- Presse für die Autarkie hat sich doch herausgestellt, daß die britischen Kronländer in ihrem Waren­bezug von der britischen Mutterinsel kein voller Erscktz für die früheren Kunden Englands sind. Und das Vordringen der japanischen Kon­kurrenz bildet auch heute noch für die früher wichtigsten Zweige her englischen Ausfuhr, für das Textilgewerbe und billige Maffenwaren, der stän­dige Albdruck. An und für sich wäre England ge­zwungen, den Ueberschuß für die Tilgung der Staatsschulden zu benutzen. Hätte Eng­land seine Kriegsschulden an die Vereinigten Staa­ten bezahlt, bann wäre ein Fehlbetrag vorhanden. Ganz England wartet gespannt darauf, ob die tradi­tionsgemäß am 17. April einsetzende Unterhaus« Debatte über den Etat 1934/35 die erwartete Her­absetzung der Einkommen st euer erbringt. Diese Einkommensteuer ist im Laufe der letzten Fehlbetragsjahre erhöht worden. England hat damit das getan, was Frankreich unterließ und zu der starken Krise der französischen Staatsfinanzen, die Ijeute bereits wieder einen Fehlbetrag von fast fünf Milliarden aufweisen, führte. Aber eine Herab­setzung der britischen Einkommensteuer würde die Gesamteinnahmen außerordentlich verschlechtern und vor allem muß England finanziell vorbereitet sein, nach dem Scheitern der Abrüstungsverhandlungen eine Aufrüstung finanzieren zu können. Im neuen Etat sind dafür keine Mittel vorhanden. Englands Steuerzahler wird die Kosten des fran­zösischen Nein in der Abrüstungsfrage aufzubringen haben.

Oer Wasserweg vom Rhein zur Donau wird ausgebaui.

Billige Verlehrsstraße für den Austausch von Massengütern zwischen rheinisch- westfälischem Industriegebiet und Donauraum.

Neben den Autoverkehrsstraßen, die Deutschland zu einem Verkehrsland ersten Ranges machen sollen, wendet sich das Interesse dem Ausbau der Wasser­wege zu. Eine der wichtigsten Arbeiten in dieser Beziehung ist der Wasserweg, der vom Rhein über den Main zur Donau führen soll. Der von der Rhein-Main-Donau AG. projektierte Was­serweg verläuft von Aschaffenburg über Schweinfurt, Bamberg, Nürnberg, Kehlheim nach Passau. In der Nähe von Nürnberg soll ein Nebenkanal südwestlich abzweigen, der bei Stepp­berg die Donau kreuzt, Augsburg berührt, und von hier eine Zubringerlinie nach München ent­sendet. Würzburg soll durch den Ausbau des Main- Hafens, mit dem in diesen Tagen begonnen wurde, an das Kanalsystem herangezogen werden. Zwischen Kehlheim und Passau muh das Donaubett reguliert werden. Zwischen Vilshofen und Passau, eine Strecke von 25 Kilometer, sind diese Arbeiten be­reits beendet. Zur Erzielung einer tieferen Fahr­rinne wird das Wasser im Kachletwerk um etwa neun Meter gestaut. Der gesamte Kanalbau ist 810 Kilometer lang und hat einen Höhenunterschied von insgesamt 297 Meter zu überwinden.

Dieser Kanal ist aber nicht nur ein Verkehrs- instrument, sondern er versorgt Bayern auch m i t elektrischem Strom. 35 eingebaute Kraft­werke sollen jährlich 1,475 Milliarden Kilowatt Strom erzeugen. Auf diesem Wege will man die Mittel aufbringen, die es ermölichen, die Kanal­frachten so niedrig zu halten, daß eine erfolgreiche Konkurrenz mit Eisenbahn und Auto durchführbar wird. Bereits 1925 wurde die erste Stau- und Kraftanlage in der Nähe vom Bamberg in Betrieb genommen. 1928 war das riesige Kachlet-Werk

beendet. Dann brach die Wirtschaftskrise Heroin, das Werk konnte nur noch langsam fortgeführt wer­den, denn die Zuschuhraten von Bayern und dem Reich wurden immer kleiner. Heute allerdings, wo die Arbeitsbeschaffung der Mittelpunkt der Wirt­schaftspolitik geworden ist, herrscht auch an den Baustellen des Rhein-Main-Donau-Kanals neues Leben.

Dem diesjährigen Bauprogramm stehen 16 Mil­lionen Mark zur Verfügung. 2250 Arbeitskräfte wurden eingestellt. Die Kanalstrecke läuft durch Be­zirke, in denen die Arbeitslosigkeit sehr groß ist. Es sind außerdem reine Erdarbeiten größten Umfanges zu verrichten, die sich für den Einsatz ungelernter Arbeiter in großen Kolonnen eignen. Es ist dies also eine ausgezeichnete Gelegenheit Arbeit in großem Stil zu beschaffen. Infolgedessen wird damit gerechnet, daß die ursprünglich mit 30 Jahren ange'setzte Baufrist sehr stark unterschritten werden kann.

Die wirtschaftliche Bedeutung des Ka­nals ist ohne weiteres klar als billiger Verkehrsweg nach dem Donauraum. Der Kanal wird Groß- raumtransporte zu Preisen gestatten, die die Land­verkehrsmittel niemals gewähren können. Das rhei­nisch-westfälische Industriegebiet erhält einen bil­ligen Frachtweg nach allen Donaulänbern, und die Erzvorkommen der Oberpfalz, vielleicht auch der Steiermark, können ausgebeutet und billig zu den westlichen Hochöfen befördert werden. Durch Heran­führung von westdeutschem Koks nach Osten erreicht das Industriegebiet einen Vorteil und eröffnet neue Absatzmöglichkeiten für die bayerischen Massengüter, Holz, Bruchsteine usw.

Oie ersten Zeugen.

Als erster Zeuge bekundet Amtsgerichts- ral Kaiser, der die ersten gerichtlichen Ver­nehmungen nach der Mordtat leitete, daß er in dem völlig in Unordnung gebrachten Zim­mer u. a. ein Buch vorgefunden habe, auf dessen Rückseite stand:Karl hat uns ge­mordet heute nacht um %2 Uhr" und einen Zettel, der die Aufschrift trug:Karl war es". Bei der späteren Vernehmung habe Frau Werther angegeben, daß sie dies getan hat, um, falls sie in der Rocht ihren Verletzungen erliegen sollte, zu hinterlassen, wer der Täter gewesen fei. Im übrigen habe Frau Werther angegeben, daß sie durch ein Geräusch aus dem Schlaf geweckt worden sei. Beim Erheben habe sie Liebig in der Tür­füllung stehen sehen. Auf ihre Frage, was denn los sei, sei Liebig auf sie zugegangen und habe mit den Worten:R u n erst recht, gnä­dige Frau", Schüsse auf sie abgefeuert. Als man ihr Liebig am Morgen des 1. Dezember gegenübergestellt habe, habe sie gerufen:D a s i ft er, tut i h n hinaus!" Liebig habe eine Frage an sie stellen wollen, doch kaum habe er die WorteGnädige Frau" über die Lippen gebracht, als auch schon Frau Werther von einem Schreikrampf befallen wor­den fei. Dabei habe sie behauptet:So hat er (Liebig) heute nacht geredet".

Liebig sei bei seiner Vernehmung außerordentlich ruhig gewesen. Er habe Fragen gestellt, die gänz­lich belanglos gewesen seien und sich für Dinge interessiert, die nicht Gegenstand seiner Vernehmung gewesen seien. Der Zeuge fuhr weiter fort:Ich habe den Eindruck gehabt, daß Frau Werther an dieser Sache mindestens stark beteiligt sein muß; denn ihre Angaben waren im wesent­lichen unrichtig." lieber die Vermögensver- hältnisse der Familie Werther bekundet der Zeuge, daß ihm bekannt war, daß seinerzeit das Zwangs­verfahren gegen Schloß Woltershausen an­hängig war. Die Verwandtschaft der Frau Werther habe es abgelehnt, als Geldgeber einzuspringen, weilman dort gegen den Hauptmann eingestellt gewesen sei". Auf Vorhaltungen des Verteidigers Dr. Deeg gibt Amtsgerichtsrat Kaiser zu, daß ihm aufgefallen fei, Frau Werther nach einer so auf­regenden Nacht äußer st redselig vorzufinden.

Hauptwachtmeister R e u s ch, der Polizeistations­

führer in Saal a. d. Saale war, gab an, daß er aus dem Telephonanruf Liebigs ent­nommen habe, daß der Hauptmann erschossen wurde, obwohl Liebig um diese Zeit hierüber noch nichts wissen konnte. Dr. Deeg fragte den Zeugen, ob es nicht der in der Zwischenzeit von Dorf­bewohnern aufgeklärte Bürgermeister war, der diese Nachricht durch Fernsprecher gab. Diese Möglichkeit gibt der Zeuge schließlich zu.

Or. Schmitz Bürgermeister von Wien.

Wien, 4. April. (DNB.) Der Minister a. D. Dr. Schmitz ist zum Bürgermeister von Wien ernannt worden. Die Ernennung erfolgte durch Bundeskanzler Dollfuß. Der neue Bürgermeister wird die drei in der neuen Verfassung für Wien vorgesehenen Vizebürgermeister ernennen. Hum 1. Bürgermeister wird der stellvertretende Landesführer des Wiener Heimatschutzes Major a. D. Lahr, zum 2. Bürgermeister der Generaldirektor der ehemaligen sozialdemokratischen Einkaufsge­nossenschaft Dr. Strobl ernannt werden. Der 3. Vizebürgermeisterposten soll durch einen Vertreter der ostmärkischen Sturmscharen besetzt werden. Der langjährige Führer der christlich-sozialen Opposition im Rathaus, Stadtrat Kumschak, hat den ihm angebotenen Posten eines Vizebürgermeisters a b - gelehnt. Minister Schmitz wird sich mit den drei Vizebürgermeistern der Oeffentlichkeit auf einem großen Empfang im Wiener Rathaus am Donners­tagabend vorstellen, zu dem der Bundespräsident, die Bundesregierung, das Diplomatische Korps, der hohe Klerus, die Spitzen der Behörden und der Beamtenschaft eingeladen werden.

Aus Oesterreich ausgebürgert.

Wien, 4. April. (DNB.) Durch Verordnung des Polizeipräsidenten von Wien, Dr. Seidl, sind meh­rere sozialdemokratische Führer und Nationalsozia­listen der österreichischen Staatsange­hörigkeit für verlustig erklärt worden. Von den Sozialdemokraten sind durch die Ausbürgerung u. a. betroffen die geflüchteten ehe­maligen Abg. Dr. Bauer und Deutsch und der Schutzbundführer Heinz. Die Ausbürgerung Dr. Bauers wird damit begründet, daß Bauer zu dem in Brünn bestehendenAuslandsbureau der öfter reichischen Sozialdemokraten" gehöre, das die Aus­gabe habe, die illegale regierungsfeindliche Tätig» feit der Sozialdemokratischen Partei in Oesterreich fortzusetzen. Auch dem vor längerer Zeit nach Mos­kau geflüchteten Kommunistenführer K o p p e l n i k