Oie letzten Chancen der Winterhilfe-Lotterie.
Der Trumpf der großen Reichswinterhilfe-Lotte- rie für die Reichswinterhilfe ist die Verlosung der Prämienscheine. In jedem braunen Losbrief befindet sich rechts einer angeheftet. Haben Sie sich die Ihrigen aufgehoben?
Letzte Möglichkeiten, sich einen solchen Prämienschein zu erwerben, bieten die Anfangslage des Lenzmonates, denn am 15. März findet schon die Ziehung der Prämien statt! 15 0 0 0 0 Mark kommen nochmals zur Verlosung, d. h. die bisher gespielten dreißig Spielserien erhalten je eine Prämie von 5000 Mark. Man achte darum nicht nur auf seine Prämiennummer, sondern auch auf die Seriennummer, die an der Spitze des Scheines prangt.
9hir noch ein paar Tage bleiben für den Kauf des inhaltreichen Losbriefes offen, nur noch wenig Zeit bleibt uns, im Glückversuchen unser letztes Scherflein zur Linderung der Not der Armen in Deutschland beizusteuern. Mit dem Abschied des Winters sagt uns auch der graue Glücksmann Lebewohl. Aber als ein rechter Glücksbringer schenkt er uns noch in letzter Stunde die verheißungsvolle Aussicht auf einen beträchtlichen Geldgewinn. Wer sagt da nein?
Fröhlich greifen wir noch einmal in den Schicksalskasten des treuen Straßenwarts, der uns in seiner grauen Uniform, seiner rotbebänderten Mütze fast zum Wahrzeichen der gebefreudigen und hilfsbereiten Stadt wurde und den wir in dem eintönigen Straßenbild so sehr missen werden, wie die tägliche heitere Aufmunterung, die er uns ständig auf unseren sonst ernsten und gewichtigen, sorgenvollen Stadtwegen zurief.
Obechessische Gesellschaft für Natur- und Heilkunde.
In einer gemeinsamen Sitzung mit der Gießener Chemischen Gesellschaft sprach am vergangenen Dienstag Professor Bonhoeffer, Frankfurt am Main, zu dem Thema: „Neues über den Wasserstoff (Schweres Wasser u. a.)".
Der Vortragende ging davon aus, daß man durch die Forschungen im letzten Jahrzehnt drei Formen des Wasserstoffes unterscheiden gelernt habe: den atomaren Wasserstoff, den Para- und Ortho-Wasser- stoff und schließlich den schweren Wasserstoff, auch Deuterium genannt. Diese Feststellungen sind von spektroskopischen Untersuchungen ausgegangen. Dem atomaren Wasserstoff ist das Balmer-Spektrum eigentümlich, während das sog. Viellinienspektrum vom molekular gebauten Para- und Orchowasser- stoff hervorgerufen wird. Im Para- und Orthowasserstoff sind die Moleküle in verschiedenen Rotationszuständen, wobei Para- und Orthozustände nebeneinander bestehen, ohne unmittelbar ineinander überzugehen. Neuerdings aber ist es gelungen, Ortho- in Parawasserstosf bzw. umgekehrt überzuführen und zwar unter Verwendung tiefer Temperaturen (flüssige Luft in Absorbtionskohle), also bei Herabminderung der Moleklllrotation. Wie heute erwiesen ist, geschieht diese Umwandlung unter dem Einfluß des Jonenmagnetismus.
Auch der. „Schwere Wasserstoff" ist auf spektroskopischem Wege gefunden worden. Urey entdeckte vor zwei Jahren, daß es auch Wasserstoff-Atome mit der Masse 2 gibt. Daraus war zu schließen, daß es auch Wasser mit dem Molekulargewicht 20 geben müsse. In der Tat konnte man solches „Schweres Wasser" schließlich auch auf elektrolytischem Wege Herstellen. Im gewöhnlichen Wasser ist es nur im Verhältnis 1:5 bis 6000 enthalten. Das Schwere Wasser unterscheidet sich, wenn auch nur wenig, in fast allen chemischen Konstanten vom gewöhnlichen. In physiologischer Hinsicht ist von Interesse, daß z. B. Tahaksamen nicht in ihm keimen können und Tiere (Fische, Kaulquappen, Pantoffeltierchen) in ihm eingehen.
An den mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Vortrag schloß sich eine Diskussion an. K.
Daten für Montag, 5. März.
1531: der italienische Maler Antonio da Correggio in Correggio gestorben (geboren 1494); 1933: Nationale Erhebung in Deutschland: Reichstagswahl mit nationaler Mehrheit.
Oer Tod des Baren.
Von Marieluise Henninger.
In Südgrönland lebt ein Mann namens Qua- vangarnisangik. Die Fangleute rühmen ihm Mut und Frohsinn nach. Quavangarnisangik ist ein Draufgänger, hat Lust an kühnen und bösen Abenteuern. Weil er der kleinste unter den Walfischfängern ist, heißt man ihn „den kleinen Südländer."
Eines Tages zieht es ihn nordwärts. Er hat von einem großen Bären gehört, der die Menschen anfällt. Quavangarnisangik treibt mit seinen beiden Frauen durch das Kreisen der Jahreszeiten, durch den Farbenrausch des Nordlichtes, durch frostige Bläue und das Anschießen und ächzende Bersten des Eisganges im ozeanischen Gedränge. Ueberall, wo er Menschen begegnet, fragt er nach dem Bären. Endlich erreicht er einen der nördlichsten Wohnplätze. Ohne an Land zu gehen, schreckt er die Fangleute mit seinem Anruf aus den Zelten: „He, habt ihr nicht von jenem Bären gehört, der die Menschen anfällt?"
„Ja — da mußt du noch weiter nach Norden ziehn!"
Der kleine Südländer klatscht vor Freude in die Hände. Ganz außer sich schreit er: „Uva — uva — uva — Tat! Tat" Stößt von Land und rudert, rudert.
Dort, wo die Sonne verblutet, öffnet sich plötzlich ein großer Fjord. Zwei kleine Häuser tauchen hinter einem Vorgebirge auf. Männer und Frauen staunen dem Fremden entgegen. Trauer ist unter ihnen. Wortlos weichen sie in die Häuser zurück. Das Hohngelächter des Fremden rollt hinter ihnen her. Nachdem er mit seinen Frauen das Zelt auf- geschlagen hat, betritt er das erste Haus. Hier wohnt ein Mann namens Breitrücken. Der liegt auf feiner Pritsche zwischen zwei Weibern. Nur seine Fußsohlen sind sichtbar. Prall und schmetternd entlädt sich das Gelächter des Fremden: „Ein schöner Wirt bist du! Bekommst-Gäste und heißt uns nicht einmal willkommen? Setz dich ordentlich hin. Siehst du nicht, daß ich komme, dich zu besuchen?" — Breitrücken hebt den Kops ein wenig, als der Fremde ihn mit der Frage überfällt: „Hast du von jenem großen, grimmigen Bären gehört ...?"
„Mein Bruder und ich wollen nichts mehr von diesem Untier hören!" knurrt Breitrücken.
„Warum?"
„Weil er den Sohn meines Bruders Dickhals überfallen und gefreßen hat!"
Dickhals ist noch trauriger als fein Bruder. Er liegt wie dieser auf der Schlafbank zwischen seinen
Generalversammlung der Freien Ileischer-Znnung Gießen.
Die Fleischer-Innung Gießen hielt dieser Tage ihre Hauptversammlung unter Leitung ihres Führers C. P i r r ab. Die Innung hatte bereits vor einiger Zeit beschlossen, sich in eine Pflichtinnung umzuwandeln. Das soll in aller Kürze geschehen. Die diesmalige Generalversammlung war deshalb die letzte Versammlung der freien Fleischer-Innung Gießen. Mit Rücksicht hierauf hatte man der Versammlung ein besonders feierliches Gepräge ge- aeben. Der Saal bei Mitglied Faulstich war mit Blumen und Fahnen geschmückt, auch hatte man die Innungsfahne, sowie die Fahne des früheren Gesellenvereins „Brüderschaft" zur Aufstellung gebracht.
Der Versammlung wohnte der Vorsitzende der Handwerkskammer-Nebenstelle Gießen, Pg. Stüh- l e r, der zugleich auch als Vertreter der NS.-Hago erschienen war, bei. Anwesend waren außerdem Schlachthofdirektor Dr. Keller, der Tierarzt des Schlachthofes Dr. Schleimer, der Leiter der Berufsschule Rektor Adam, außerdem für die Gesellen der Kreisfachschaftswart Beyer.
Der Geschäftsbericht wurde von dem langjährigen Geschäftsführer Fr. Boe ck-Gießen erstattet. Anschließend berichtete der Jnnungsführer über den Verlauf der in letzter Zeit abgehaltenen Obermeistertagungen und nahm dabei eingehend Stellung zu den verschiedenen Standesfragen, die infolge der politischen und wirtschaftlichen Umstellung heute mehr wie jemals früher für Meister, Gesellen und Lehrlinge richtig seien.
Der Vorsitzende der Handwerkskammer-Nebenstelle, Pg. Stüh l er überbrachte zunächst die Grüße des Präsidenten der Handwerkskammer Darmstadt, des Kollegen Müller- Mainz, ergänzte die Ausführungen des Jnnungsführers und gab außerdem aufklärenden Bescheid zu all den verschiedenen Fragen, die jetzt besonders für die Gründung der Pflicht-Innung und die zukünftige Einstellung des Handwerks unbedingt beachtet werden müßten.
Den Abschluß der Versammlung bildete der feierliche Aufmarsch der Fahnendeputation, die Ueber- reichung eines Hitlerbildes, das in der Geschäftsstelle zum Aufhang kommen soll, außerdem die Stiftung eines Hakenkreuzwimpels für die Jnnungs- fahne.
Bis zur offiziellen Gründung der Pflichtinnung wurde der derzeitige langjährige, bewährte Jnnungsführer Karl P i r r mit der Leitung der Innung beauftragt, dem zugleich von allen Seiten ein herzlicher Dank für alles das gesagt wurde, was er bis jetzt im und für das Interesse des Fleischerhandwerks und der Innung getan hat.
Deutsches Obst - Deutsches Gemüse.
Bei den verschiedensten Obst- und Gemüsearten ist es nicht möglich, die Märkte das ganze Jahr hindurch mit deutschen Erzeugnissen zu beliefern. Vor der Einbringung der deutschen Ernte ist vielfach eine Versorgung mit heimischen Erzeugnissen nicht möglich. Um den Verbraucher auch in dieser Zeit mit frischem Obst und Gemüse zu beliefern, war es bisher üblich, ausländische Erzeugnisse einzuführen und auf dem inländischen Markt anzubieten. Etwa ein Drittel des deutschen Bedarfs an Gartenbauerzeugnisfen stammte in den letzten Jahren aus dem Ausland, vornehmlich aus Holland und Italien. Die holländische Einfuhr bestand dabei hauptsächlich aus in Deutschland fehlendem Frühgemüse. Italien dagegen liefert vor chllem Südfrüchte.
Durch diese Einfuhr ausländischer Erzeugnisse gingen dem deutschen Volk Jahr für Jahr über 300 Millionen Reichsmark verloren. Der Leidtragende war der deutsche Gartenbau, der deutsche Bauer. Es war ihm oft nicht möglich, seine Erzeugnisse in der Erntezeit restlos abzusetzen. Deutsches Obst und Gemüse verkam in der Zeit der hauptsächlichsten Angebote, während bald danach ausländische Waren den deutschen Markt beherrschten.
Durch die Erweiterung der vorhandenen Kühlhallen und die Erziehung zum Anbau lagerungsfähigen Gemüses wird es aber möglich sein, die Lücke zwischen zwei Ernten zu schließen. Die größte Verantwortung für den Wegfall der Ersatz- und
beiden Frauen. Nur seine Fußsohlen sind sichtbar. Quavangarnisangik fragt nach dem Bären. Dickhals schweigt lange. Dann sagt er grimmig: „Du wagst es, an meinen Schmerz zu rühren, auszusprechen, was sonst niemand wagt? Du erinnerst mich an den Sohn, der sich kühn und geschmeidig zwischen den Klippen bewegte, daß fein anderer ihm zu folgen vermochte, den der Bär auf das Eis hetzte und ihn dort zerriß?"
Des gewaltigen Dickhals Augen funkeln vor Zorn. Er entkleidet sich und fordert den kleinen Südländer auf, ein Gleiches zu tun. Dann hocken sie sich auf den Boden. Ihre Hände verkrampfen sich ineinander, und sie beginnen sich zu drehen, umeinander zu kreisen, zu kreisen ... nur noch auf den Hacken ruhend, quirlen und schwirren sie umeinander. Als die Umstehenden denken: Dickhals siegt, klatscht Quavangarnisangik seinem Partner wuchtig auf den Schenkel: „Verliere keine Zeit mit Herausforderungen! Morgen wirst du mir die Klippen zeigen, die der Bär aufsucht!"
Als die Nacht in den Tag mündet, verlassen zwei Männer den Wohnplatz. Dickhals mit einer mächtigen Harpune bewaffnet; der Stoßzahn eines alten Narwals bildet ihre Spitze. Quavangarnisangik führt nur ein armseliges Messer bei sich mit einer Klinge, die nicht länger ist als das Glied eines Fingers. Vor ihnen treppt sich ein steiler Fels in vier Absätzen empor. Eine Menge loser Steine haben sich zu seinen Füßen angesammelt. Der kleine Südländer rafft so viele davon zusammen, wie seine Hände zu halten vermögen. Dann springt er von Stufe zu Stufe. Ueberall häuft er Steine. Dickhals klettert auf die Spitze. Sein Blick über» fliegt die Hochebene. „Hier! Sieh dieses elende Messer! Es soll meine einzige Waffe fein im Kampf mit dem Untier, das die Menschen anfällt!" Damit schwingt Quavangarnisangik sein Messer über dem Kopf und schießt hinunter auf die Hochebene. Surürf bleibt Dickhals und gleicht einem kleinen ogel auf der Spitze des Felsens. Quavangarnisangik scheucht alles Getier des Fjordes auf mit feinem Gebrüll. Kreischend lüften Schneehühner die Flügel. Hasen schnellen hoch. Robben klatschen schwerfällig davon. Dann verschluckt sie die weiße Unendlichkeit.
„Nane, nane, nane — togitata tilia ...!" Alte Zauberworte sind es, die der kleine Südländer beschwort. Sie sind bestimmt, den großen Bären aus dem Schlaf zu scheuchen, ihn zum Ueberfall zu stacheln
Schwellender, schwerer, weißer Nebel hebt sich Über dem Binneneis empor. Fetzen, groß wie eine Stadt, reißen sich los und treiben dem Fjord zu. Quavangarnisangik spürt die Bisse des Frostes.
Ergänzungskäufe aus dem Ausland aber tragt der Verbraucher. Er muß erkennen, daß das deutsche Obst und Gemüse ebenso, wenn nicht weit schmackhafter und gesünder ist, als die ausländischen Erzeugnisse. Ist die Einfuhr aus dem Ausland in den letzten Jahren auch schon wesentlich zurückgegangen, so ist das hauptsächlich auf die allgemeine wirtschaftliche Not zurückzuführen. Es muß erreicht werden, daß sich der Anteil der ausländischen Obstund Gemüseerzeugnisse an der deutschen Versorgung vermindert, und daß das Geld im eigenen Lande bleibt, um dem Wiederaufbau der zerrütteten Volkswirtschaft zu dienen.
Bornotizen.
— Tageskalender für Montag: Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Der Tunnel". — Ortsgruppe Gießen-Nord, Schulungsabend, Zellen 1, 2, 3 und 6, „Frankfurter Hof", Zellen 4, 5 und 7, Kaufmännisches Dereinshaus, 20.30 Uhr. — Ortsgruppe Gießen-Mitte, 20.30 Uhr, Caf6 Leib, Ortsgruppenversammlung. — Ortsgruppe Gießen-Süd, 20.15 Uhr, „Stadt Wetzlar", Zellen 1, 2 und 6, Zellenversammlung mit Vortrag von Pg. Dr. Kranz. — Ortsgruppe Gießen-Ost, 20.30 Uhr, Zelle 1 und 2, „Schützenhaus", Zellenabend mit Vortrag von Pg. Hummel; Zellen 3 und 4, bei Weber, Kaiser-Allee, Zellenabend mit Vortrag von Pg. Lahr; Zellen 5, 6 und 7, „Germania", Zellenabend mit Vortrag von Pg. Gert Geiger.
— Stadttheater Gießen. Morgen, 20 Uhr, „Hokuspokus" in drei Akten von Curt Goetz. (Siehe heutige Anzeige.)
** Neue Zelleneinteilung in der Ortsgruppe Gießen-Ost. Von jetzt ab ist für die Ortsgruppe Gießen-Ost eine neue Zelleneinteilung eingefübrt. Es gehören jetzt zu den Zellen 1 und 2: Licher Straße 45 bis Ende, Alter Steinbacher Weg, Anneröder Weg, Doeringstraße, Me- meler Straße, Posener Straße, Danziger Straße,
Schlesiener Straße, Gailstraße, An der Kaferns, Kugelberg und Friedensstraße; zu den Zellen 3 und 4 gehören: Kaiserallee, Grünberger Straße, Rödgener Straße, Flughafen, Heyerweg, Eichgärten, Schlageterstraße, Wolfstraße, Alter Rödgener Weg, Licher Straße 1 bis 43, Karl-Vogt-Straße und Landmannstraße; die Zellen 6 und 7 umfassen: Moltkestraße, Roonstraße, Großer Steinweg, Eich- weg, Ludwigsplatz, Gartenstraße, Gutenbergstraße,
Gedenket der hungernden Vögel!
Bergstraße, Keplerstraße, Stephanstraße, Nahrungs. berg, Henselstraße, Lessingstraße und Gnauthstraße.
** Reifeprüfungen an der Ob err e al- schule. Am Freitag und am Samstag wurden unter der Leitung von Oberstudiendirektor Leonhardt (Gießen) bzw. unter Leitung von Oberstudiendirektor Leip (Darmstadt) an der hiesiaen Oberrealschule die Reifeprüfungen durchgeführt. Von 67 Schülern, die sich der Prüfung unterzogen, tonnten 58 bestehen.
Amtsgericht Gießen.
Ein Kraftfahrer und ein Schlossermeister, beide aus Gießen, erhielten einen Strafbefehl wegen Verstoßes gegen die Kraftfahrzeugoerkehrsordnung. Dor Eintritt in die Hauptverhandlung nahmen beide den gegen den Strafbefehl erhobenen Einspruch zurück.
Wegen nächtlicher Ruhestörung wurde ein Einwohner aus Wies eck in einem Strafbefehl mit zehn Mark Geldstrafe belegt. Die Beweisaufnahme ergab, daß der Angeklagte in angetrunkenem Zujtand singend die Nachbarn im Schlafe störte. Die tm Strafbefehl festgesetzte Strafe wurde beibehalten.
Kommt die Lahnkanalisiemng in Gang?
Anfang April Vorbesprechungen über
LPD. Limburg, 2. März. Heute nachmittag fand hier die Hauptversammlung des Fulda- Lahn - Kanal - Vereins statt. Der Versammlung kam erhöhte Bedeutung bei, weil in letzter Zeit der schon lange erstrebte weitere Ausbau des Lahnkanals von Steeden bis Gießen wieder Aussicht auf Verwirklichung erhalten hat. Der Verein hat in den letzten Jahren seine Arbeiten ruhen lassen, da ihm von der früheren Regierung bedeutet wurde, daß mit einem weiteren Ausbau des Lahnkanals erst nach besserer Entwicklung des Verkehrs auf der kanalisierten Strecke zu rechnen sei. Nun liegen die Dinge aber so, daß
der untere Teil nie zur vollen Ausnutzung kommen kann, wenn nicht die Kanalisierung bis Wetzlar oder Gießen erfolgt, da gerade am Oberlauf wichtige industrielle Anlagen vorhanden sind, denen der Schiffahrtsweg bedeutende Erleichterungen bringen würde, und die die gesamte Schiffahrt auf der Lahn erst zur rechten
Blüte bringen könnten.
Im neuen Reich finden Bergbau und Industrie im Lahngediet wieder die Beachtung, die sie ihrem volkswirtschaftlichen Wert nach verdienen, und man strebt nach einer Fortentwicklung vor allem des Bergbaues. Im Zusammenhang damit ist auch der Ausbau des Lahnkanals wieder akut geworden.
Direktor Bansa (Limburg) konnte darauf Hinweisen, daß die Schiffahrt auf der kanalisierten Lahn trotz der schweren Wirtschaftskrise, in der mit ihr überhaupt erst begonnen wurde, eine aus steigende Entwicklung genommen hat. Trotzdem liege der Schwerpunkt der Verfrachtung im oberen Lahngediet. Von hier aus könnten die reichen Bodenschätze Nassaus und Hessens zu den Verbrauchsgebieten am Rhein, an der Ruhr, nach Holland ufw. gebracht werden. Zehn Millionen Mark Baukapital aus den noch vom Herzogtum Nassau vorhandenen Kanalisationsanlagen
die Fortführung der Lahnkanalisierung.
liege nach Ansicht Direktor Bansas brach und könnte mit verhältnismäßig geringen Mitteln einer ausreichenden Schiffbarmachung dienstbar gemacht werden. Die Gesamtkosten für den Ausbau der Kanalisierung der oberen Lahn werden auf acht bis zehn Millionen Mark veranschlagt.
Am 6. April finden auf Veranlassung der Rheln- strombauverwalkung Besprechungen in Wetzlar mit der inlerefsierlen Industrie über die Schiffbarmachung statt, wobei wichtige Vorfragen geklärt werden sollen. Das Reichsverkehrsministerium hat die Angelegenheit bereits aufgegriffen und in Bearbeitung genommen.
In der Versammlung wurde einstimmig der anwesende Landeshauptmann T r a u p e l zum Führer des Fulda-Lahn-Kanal-Vereins gewählt. Dieser ernannte zu seinem Stellvertreter Kreisdirektor Klostermann (Gießen). In den Führerrat berief er Geheimrat Dr. Köhler (Wetzlar), Generaldirektor der Nassauischen Landesbank Avieny (Wiesbaden),' Landesrat Schlüter (Wiesbaden) und zum Geschäftsführer wiederum den um den Verein sehr verdienten Direktor Bansa (Limburg).
Den Kaffenbericht über das letzte Jahr erstattete Landesrat Schlüter. An Kasienbestand waren Ende 1933 20 665,50 Mk. vorhanden.
Regierungs- und Baurat Kees von der Rheinstrombauverwaltung in Koblenz schilderte die eingeleiteten Vorarbeiten für die Kanalisierung der oberen Lahn und wies nochmals auf die Wetzlarer Besprechungen hin.
Landeshauptmann T r a u p e l gab schließlich der Hoffnung Ausdruck, daß es gelingen werde, die Kanalisierung der Lahn zu vollenden und damit die deutsche Wirtschaft in ihrer Gesamtheit zu fördern. Er schloß die Tagung mit einem Sieg-Heil auf den Führer.
Dann geht heißer Atem über sein Gesicht. Ein Koloß bauscht sich ihm entgegen, dröhnt durch feinen eigenen Dampf. Im Kampfesrausch schreit der Angreifer: „Bär! Wilder Bär!" Dann verschluckt der Nebel Menschen und Tier. Als der Mensch wieder auftaucht, schwingt er sein Messer durch die Luft, rennt um fein Leben auf die Klippen zu. Seine Lungen find am Zerspringen. Er brüllt: „So groß ist der Bär! Und dennoch bin ich über ihn hinweggesprungen, fyabe ihm mit meinem kleinen Messer den Bauch gekitzelt! So groß ist der Bär! Und dennoch wühlte ich mich in sein Bauchhaar ... Lobe mich! Lobe mich doch ein wenig, Dickhals! Lobe mich! Ein ganz klein wenig ...!"
Noch einen Augenblick — und wieder verschluckt ihn und sein Gelächter die große schimmernde Wolke, die um den Bären schwimmt. Lange bleibt er unsichtbar. Die Ebene färbt sich mit Blut. Plötzlich schnellt Quavangarnisangik nach vorn, schwingt sich auf den untersten Absatz des Felsens. Seine Hände erraffen die Steine. Der Bär holt mit gewaltiger Tatze aus, taumelt zurück: Steinhagel umpraffelt feine Schnauze. Er sieht Funken, heult auf und schnaubt von Absatz zu Absatz, den Feind hoher hinaufdrängend. Groß werden Dickhals' Augen. Er kann keinen Gedanken fassen. Plötzlich steht Quavangarnisangik neben ihm, reißt ihm die Harpune mit dem Narwalzahn aus der Hand, jagt sie in die Brust des Bären ... Der Koloß taumelt von Absatz zu Absatz ... Dickhals sieht, wie Quavangarnisangik dem sterbenden Bären die Flanken tätschelt ... Dann hört er ihn triumphieren: „Bär! Bär! Grimmiger Bär! Mächtiger Bär! Ich habe dich getötet! Ich habe dich getötet! Uva, uva, uva! Tak! Tak!"
Dickhals ist überwältigt. Langsam steigt er den Fels hinab. Kaum, daß Quavangarnisangik ihn erblickt, schlägt er eine Lache auf: „Komm nur, du, der es wagt, mich herau^zufordern! Sieh, meine Beute! Das Fleisch kannst du haben. Das ist nicht mehr als recht. Ich aber nehme mir fünf Haare, damit ich meinen Kameraden im Süden etwas vorweifen kann!"
Er schneidet fünf Haare heraus, mitsamt den Wurzeln. Sie sind schwer, ganz unglaublich schwer.
Dann reift er mit feiner Beute durch Frühjahr und Winter gen Süden, von Strahlenbündeln der Sonne umschwirrt. Er führt unter den funkelnden Säulen des Nordlichtes, fährt durch frostige Bläue und rauchenden Nebel oon Fifchplatz w Fifchplatz. Immer hat er fein Singen in der Kehle vom Bären, den er getötet hat: „Nane, nane, nane, togitata ..." und lacht, lacht wie ein Kind, dem seligste Erfüllung wurde ...
Zeitschriften.
Im Februarheft der „Süddeutschen Monatshefte", dem der Reichsjuristenführer und Reichsjustizkommissar Dr. Frank ein Geleitwort oorausgeschickt hat, gibt der Marburger Deutschrechtler Professor Merk ehren ausgezeichneten Abriß vom Sinn und Wesen der deutschen Rechts» erneuerung. Weg und Ziel deutscher Rechtserneuerung liegen in der Rückkehr und dem Sichbesinnen auf die völkischen Grundlagen unseres Rechts. Mit der Erhaltung des Volkes steht und fällt der völkische Staat. Deshalb sind die bevölkerungspolitischen Maßnahmen zur Erhaltung der deutschen Volkszahl und des deutschen Dolkswertes besonders berücksichtigt. In der Frage der staatlichen deutschen Gestaltung kommt Merk zu dem Ergebnis, daß heute für uns das Ziel nur in der germanischen Verbindung von Herrschaft und Genossenschaft in einem Führer- und Volksstaat sein könne. Zu dessen Aufbau bedarf es aber nicht der Erhaltung der alten Formen des „dynastischen Bundesstaats". Die Gründung des nationalsozialistischen Einheitsstaates erwies sich deshalb als ein Gebot der Notwendigkeit gerade für den Bestand des völkischen Führerstaates. Merk schließt seine Ausführungen mit wichtigen Betrachtungen über die „Erziehung zu deutschem Rechtsdenken". Die führenden Schichten unseres Volkes „sollen Recht und Staat als Ausdruck des Lebens und der Eigenart unseres Volkstums verstehen lernen".
6od)fd>ulnad>rid)ten.
Privatdozent Dr. med. Georg Barkan von der Universität Frankfurt, der bereits seit mehreren Semestern als ordentlicher Professor und Direktor des Pharmakologischen Instituts an der Universität Dorpat wirkt, ist für diese Tätigkeit für Zwei Jahre weiterbeurlaubt worden.
Der langjährige Leiter des Elsaß-Lothringen- Jnstituts an der Universität Frankfurt, Geheimrat Prof. Dr. Wolfram, wurde in den Wissenschaftlichen Rat des Deutschen Auslands- Instituts in Stuttgart berufen. Geheimrat Wolfram, der durch den Aufbau und die Führung des Elfaß-Lothringen-Jnstituts und durch feine eigenen Arbeiten in der ganzen wissenschaftlichen Welt bekannt ist, hat den ehrenvollen Ruf angenommen. Dem nichtbeamteten außerordentlichen Professor für innere Politik, Oberarchivrat Dr. phiL Ludwig Bergsträffer, ist auf Grund von § 4 des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums die Lehrbefugnis an der Universität Frank- furt a. M. entzogen worden.


