sowie eine Reihe wichtiger parteiorganisatorischer Fragen. Reichsschatzmeister Schwarz teilte mit, daß die letzte Million Aufnahme anträge aus dem April v. Js. bis zum 1. März 1934 ihre karteimäßige Erledigung finden werde. Mit einer Aufhebung der vorläufigen Mitglie- derfperre fei vorerst nicht zu rechnen, da zunächst infolge des Millionenzuwachses eine S i ch- tung und Säuberungsaktion in Aussicht genommen sei.
Oer deutsche Gruß.
Berlin, 4.Ian. (DNB.) Der Reich smini- st e r d e s I n n e r n hat über die Einführung des deutschen Grußes bei allen Bevölkerungskreisen an den Deutschen Industrie- und Handelstag ein Schreiben gerichtet, den deutschen Gruß als Ausdruck der inneren Geschlossenheit der Nation bei allen Kreisen des deutschen Volkes einzuführen, sei eine Aufgabe der Dolksaufklärung.
Der Minister sei überzeugt, daß die großen Verbände und Organisationen der Wirtschaft ihre Mitwirkung zur Erreichung dieses Zieles nicht versagen würden. Hierbei verweist der Reichsminister des Innern auf eine Bekanntmachung des Stellvertreters des Führers vom 3. November v. I., in der es u. a. heißt: Demgemäß wird ausdrücklich jede Anwendung kleinlicher Schikanen untersagt. Dies bezieht sich auch auf den Versuch, bei der Hissung von Fahnen oder bei der Anwendung des deutschen Grußes außerhalb amtlicher Veranstaltungen gegenüber Nichtparteigenossen einen Druck auszuüben. Der Tag wird kommen, an dem jeder Deutsche es als selbstverständliche Ehrensache ansieht, ausschließlich den deutschen Gruß zu verwenden. Der Tag wird um so früher kommen, je weniger in der Oeffentlichkeit der Eindruck entsteht, daß der Gruß aufgezwungen werden soll.
polnisch-russische Garantiepaktpläne für das Baltikum?
Finnland, Lettland und Estland haben kein Bedürfnis.
Helfingfors, 4. Ian. (DNB.) Wie die finnische Zeitung „Uuft Suomi" meldet, haben Rußland und Polen am 23. Dezenrber den drei baltischen Staaten und Finnland mitgeteilt, daß Sowjetrußland und Polen mit einer gemeinsamen Erklärung hervortreten werden, die Selbständigkeit der baltischen Staa- t e n seien für Rußland und Polen von so außerordentlicher Wichtigkeit, daß Rußland und Polen bereit seien, in dem Fall, daß die Unabhängigkeit der baltischen Staaten und Finnlands g e - fährd et erscheine, die notwendigen V orkehrungen dagegen zu treffen. Die Sowjetregierung und die Regierung Polens hätten gleichzeitig bei den baltischen Staaten und bei Finnland angesragt, ob sie damit einverstanden seien, wenn Sowjetrußland und Polen eine derartige Erklärung veröffentlichen würden. Insbesondere sei von Finnland eine beschleunigte Antwort verlangt worden. In dieser Sache sei die finnische Regierung am 27. Dezember zu einer Sitzung zusammengetreten. Wie verlautet, lehnt die finnische Regierung den russisch-polnischen Vorschlag ab. Finnland erachte eine derartige Erklärung für unnötig, da der finnischen Selbständigkeit von keiner Seite aus Gefahr drohe.
In Litauen begrüßt man den russischen Dorschlaa, die Neutralität und die Unantastbarkeit der baltischen Staaten international zu garantieren, auf das wärmste. Eine amtliche Stellungnahme Kownos ist jedoch noch nicht bekannt geworden. Lettland und Estland haben amtlich auch noch keine Stellung genommen. Aus gut unterrichteter Quelle erfahren wir iedoch, daß Lettland und Estland den russischen Vorschlag im gegenwärtigen Zeitpunkt in freundschaftlicher Form ablehnen dürften, obgleich man grundsätzlich die Bereitschaft Sowjetrußlands die Neutralität und die Unantastbarkeit der baltischen Staaten anzuerkennen, durchaus begrüßt. In Lettland und in Estland beurteilt man die Lage der baltischen Staaten als so gesichert, daß man es nicht für notwendig erachtet, derartige Verhandlungen über eine Neutralisierung im gegenwärtigen Zeitpunkt einzuleiten.
Der e st ländische Außenminister Sel- jamaa erklärte auf Anfrage, dem eslländischen Außenminister sei nichts davon bekannt, daß die Sowjetunion und Polen die Neutralisierung der
baltischen Staaten fordern wollten. Auch hätten sich die beiden oben genannten Staaten mit keinerlei Vorschlägen an Estland gewandt.
politische Gistmischereien. Deutschland bedroht keineswegs die Sicherheit der baltischen Staaten.
Berlin, 4. Jan. (DNB.) Der „Daily Hera l d" hatte eine Mitteilung seines diplomatischen Korrespondenten gebracht, öerzufolge in Moskau und Warschau an em umfangreiches Sicherheitssystem gedacht werde, durch das den deutschen Ausdehnungsplänen nach Osten Schranken gesetzt werden sollten. Hierzu erfahren wir von unterrichteter Seite:
Die Londoner Meldung des „Daily Herald" über gewisse Aktionspläne der Russen und Polen in den Randstaaten mit einer Spitze gegen Deutschland dürften den Absichten maßgebender Kreise in den beiden Ländern entsprechen. Trotz der wiederholten Erklärungen des Herrn Reichskanzlers und sonstiger maßgebender Stellen der Reichspolitik werden immer wieder dieselben fadenscheinigen Vorwände zum Anlaß genommen, um die friedliebende Politik Deutschlands zu verdächtigen. Jetzt wird mitgeteilt, der Herr Reichskanzler habe angedeutet, er werde Polen einen Nichtangriffsvertrag anbieten, vorausgesetzt, daß Polen bereit sei, Deutschland in der Zukunft Möglichkeiten zur Ausdehnung über nichtpolnisches Gebiet zu geben. Es bedarf keiner Betonung, daß derartige Unterstellungen nichts als bewußte Giftmischereien sind, an denen kein wahres Wort ist.
Moskau bemenfiert
Moskau, 5. Jan. (DNB.) Die Zeitungen veröffentlichen eine Meldung der Telegraphenagentur der Sowjetunion, wonach diese ermächtigt -ist, zu erklären, daß die Mitteilungen des „Daily Herald" über angebliche Ansichten der Sowjetunion, mit Polen einen Sicherheitspakt abzuschließen, der die Grenzen der baltischen Staaten gegenüber deutschen E x pa n s i o n s p lä n e n im Ost en garantieren soll, nicht der Wirklichkeit entspricht.
Das Ergebnis des römischen Gesprächs.
Einigkeit über einen beschleunigten Abschluß der Abrüstungsbesprechungen.
Das Abschlußkommumque.
Rom. 5. Ian. (DRV. Funkspruch.) Die „A g e n - z l a Stefan!“ meldet: Jn zwei langen herzlichen Unterredungen, die gestern und heute zwischen TNussolini und Sir John Simon im Palazzo Venezia statkfanden. wurden die wich- tigsten Fragen der allgemeinen Politik erörtert und besonders die Frage der Herabsetzung und Beschränkung der Rüstungen und die Frage der Völkerbundsreform. Hinsichtlich der ersterwähnten Frage stellten Mussolini und Simon in voller llebereinstirnmung fest, daß es unumgänglich notwendig ist. daß die (Erörterungen sobald wie möglich zu einem A b s ch lu ß gelangen, indem man auf jeden Gedanken oder jeden Vorschlag verzichtet, der nicht in sich selbst Elemente einer praktischen und schnellen Verwirklichung enthält und In dem man diejenigen Punkte zum Ziele nimmt, welche in der internationalen öffentlichen THeinung als bereits geklärt betrachtet werden müssen und welche die Zustimmung der beteiligten Staaten finden können. In der Völker- bundsreformfrage zeigte Mussolini die Kriterien auf, nach denen die Reform durchgcführt werden sollte, um dem Völkerbund ein besseres Arbeiten zu sichern und es ihm zu ermöglichen, seinen Zwecken besser zu entsprechen.
Sir John Simon besichtigte die Sehenswürdigkeiten der Stadl und nahm dann an einem Frühstück teil, das ihm zu Ehren, sowie zu Ehren des früheren britischen Botschafters in Berlin und Lady d'Abernon gegeben worden war. Er wird am Freitag die Rückreise nach London antreten, ohne In Paris die Fahrt zu unterbrechen.
*
Unter den großen politischen Blättern Roms ist diesmal die „T r i b u n a" an der Reihe, den inspirierten Leitartikel zu bringen. Ihr Direktor, Sorges Davanzati, Mitglied des Großen Faschistischen Rats, weist darauf hin, daß, wenn es zu handeln gelte, es nicht mehr die Ausrede gebe: Wir gehen nach Genf, wo dann erst recht nichts geschah. Heute gebe es nur d i e Verantwortlichkeit der Regierungen. Angesichts der Uninteressiertheit der Vereinigten Staaten und der neuerlichen Bestätigung Roosevelts, daß Amerika keinesfalls am Völkerbund Mitarbeiten werde, müßten die vier großen europäischen Staaten die Notwendigkeit einer Politik erkennen, die wenigstens ein Mindestmaß von Einigkeit verbürge. Frankreich habe bei
einer solchen Politik, durch die es keineswegs isoliert würde, alles zu gewinnen. Isoliert wäre Frankreich, wenn es scheinbar als Schutzherrin, in Wirklichkeit aber als Basallin der Kleinen Entente auftrete. Das sei der Schlüssel zur Lage.
pariser Vermuiunaen.
Paris, 5. Jan. (DNB.-Funkspruch) Die Pariser Morgenpresse nimmt sehr ausführlich zu den römi- schsn Besprechungen Stellung. Die Blätter betonen dabei mit sichtlicher Befriedigung, daß zwischen Mussolini und Simon weder in der Frage der Reform des Völkerbundes noch in der Frage derRüstungsindustrie eineEini- gun g erzielt worden sei. Im übrigen wird das Ergebnis der Besprechungen in einem für Frankreich möglichst günstigen Sinne dargestellt. Der römische Vertreter der Agentur Havas erklärt daß Mussolini viel weniger Wert auf Einzelheiten der Völkerbundsreform gelegt habe als auf die großen Richtlinien, in denen sich die Reform vollziehen solle. Die Wünsche des italienischen Ministerpräsidenten könnten im Rahmen der augenblicklichen Völkerbundssatzungen verwirklicht werden. In der Abrüstungsfrage habe auf beiden Seiten der Wunsch vorgeherrscht, eine für alle Teile annehmbare Lösung zu finden.
Der „Excelsior* glaubt die Forderungen Mussolinis in folgenden fünf Punkten zusam- menfassen zu können:
1. Der deutschen Forderung nach Gleichberechtigung müsse Rechnung getragen werden.
2. Da diese Gleichberechtigung gegenwärtig nicht durch Abrüstung zu erreichen sei, müsse man eine beschränkte Aufrüstung Deutschlands hinnehmen, weil diese besser fei, als einer unbegrenzten Aufrüstung ohne Kontrolle und ohne Sanktionen zuzusehen.
3. Deutschlands Standpunkt ergebe sich daraus, daß es eine Einkreisung durch die stark gerüsteten Mächte befürchtete.
4. Aus verständlichen Prestigegründen könne Deutschland, das im Innern geeinigt fei, keine Unterlegenheit auf internationalem Gebiet ertragen.
5. Der neue deutsche Staat brauche eine Militärmacht ober andere Macht, um die politische Reform und den Kampf gegen den Kommunismus durchführen zu können.
Sir John Simon soll dem Blatt zufolge auf diese Forderungen wie folgt geantwortet haben:
1. fei es nicht zu befürchten, daß eine erste Etappe
Die WS des Systems in Frankreich.
Aach einem Jahr des Zweifels vor ungel-sten Problemen.
Bon unserem P.-Berichterstaiier.
Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! Paris, 4. Januar 1934.
Das Jahr 1933 war nicht glücklich für Frankreich. Wirtschaftskrise und politische Mißerfolge, die Verschärfung von parteipolitischen und parlamentarischen Gegensätzen, das stärkere Hervortreten alter Staatsfragen von Bedeutung haben das abgelaufene Jahr beherrscht. Der Republik ist keine positive, keine Lösung von grundsätzlicher Bedeutung beschieden gewesen. Nicht einmal der Besuch des Botschafters in Berlin beim Reichskanzler vorn Neujahrstage kann auf der Aktivseite der politischen Bilanz des alten Jahres verbucht werden. Denn man hat ganz offenkundig auch in der französischen öffentlichen Meinung nicht den Eindruck, daß die Ueberftürzung, mit Der die Ueberreichung der Antwort Frankreichs auf die schriftliche Aufzeichnung der Reichsregierung erfolgte, psychologisch irgendwie vositiv gewirkt hätte.
Gerade deshalb vielleicht, eben, weil der französischen Politik sichtbare und fühlbare Erfolge ver- sagt geblieben sind, ist eine gewisse Bewegung auf geiftigem Gebiete zu verzeichnen. Denn das Jahr 1933 wurde, je mehr es sich seinem Ende näherte, ein Jahr des Aweifels für die Franzosen. Zum ersten Male seit Kriegsende wurde es möglich, gewisse Leitsätze in Frage zu stellen, die bis dahin für unverrückbar galten. Dazu hat nicht zum wenigsten die Umwälzung in Deutschland beigetragen. Denn das Problem der Außenpolitik, insbesondere das der französisch-deutschen Beziehungen wurde hierdurch zum ersten Male seit 1918 grundsätzlich gestellt. Man spürte in Paris, daß es nicht länger angehe, die alte Verzögerungstaktik fortzusetzen. Man sah sich seit langer Zeit zum ersten Male wieder genötigt, vor dem Urteil der eigenen Öffentlichkeit Rede und Antwort zu stehen. Und selbst der Quai d'Orsen wird nicht behaupten wollen, daß er hierbei bisher glänzend ab* geschnitten habe. Die Taktik des sturen „Nein" gegenüber Deutschland, die bisher, nach innen gesehen, stets die gewünschte Durchschlagskraft hatte, verfängt jetzt nicht mehr. Freilich, man lernt am Quai d'Orsen nicht an einem Tag um. Die Wandlung der offiziellen französischen Außenpolitik wird sich also nur sehr langsam vollziehen. Immerhin hört man jetzt doch eine positive Kritik der Ereignisse in den maßgebenden politischen Kreisen, und es gibt seit dem Jahre 1933 endlich wieder eine real denkende außenpolitische Opposition in Frankreich. Man ist im Verhältnis zu Deutschland nachdenklich geworden, und auch die Dölkerbundspolitik Paul-Boncours findet nicht mehr ungeteilte Zustimmung. Für das neue Jahr läßt das die Hoffnung zu, daß bei einer innerpolitifchen Neugestaltung auch in der französischen Außenpolitik ein neuer Geist zum Durchbruch kommt.
Die innerpolitische ßaae fordert gebieterisch eine Klärung. Das Jahr 1933 brachte vier Kabinettskrisen, aber keine grundsätzliche Veränderung der Situation. Parlamentarisch beruht alles noch auf dem brüchig gewordenen System des Kartells zwischen den Radikalen und den Sozialisten, obwohl seit Jahren erwiesen ist, datz beide Parteien unfähig sind, auf den Re- gierungsbänten zusammen zu arbeiten. Darum wurde zuletzt das eigentliche „Kartell der Linken" gar nicht versucht; man oegnügte sich mit einer elastischeren Formel. Die Sozialisten sollten die Regierung von außen unterstützen. Oder, wenn das nicht ging, wenn sie mit ihrem marxistischen Gewissen oder mit den allmächtigen Parteiinteressen in Konflikt gerieten, ließen sie die Regierung eben fallen. Darum wurde auch die Regierung Chautemps nicht auf die Hoffnung der sozialistischen Unterstützung, sondern auf die Stimmenthaltung der Sozialdemokratie basiert, also im Grunde eine Minderheitsregierung, die vor jeder Abstimmung von rechts und links die Tolerierung erst erhandeln muß. Daß in einer solchen Lage alle Entscheidungen dem Zufall ausgeliefert sind, braucht nicht länger begründet zu werden.
Daß die augenblickliche Fügsamkeit der Sozialisten im wesentlichen auf ihre Uneinigkeit zurückzuführen ist, liegt auf der Hand. Aber nicht nur bei ihnen wurde der alte Jdeenschatz erschüttert. Allenthalben zweifelt man heute in Frankreich unter dem Eindruck der Vorgänge in Deutschland an dem Sinn der Parteien und am Parlamentarismus. Sogar in Frankreich, wo man sonst herzlich wenig Verständnis für andere Nationen hat, sieht man heute, daß etwa in Deutschland ober in Italien der Staatsapparat mit bestem Erfolge funktioniert, während sich die französischen Regierungen von einer Budgetkrise bis zur anderen fortwursteln. Zwar roeroen in jedem Jahr Ersparungen versprochen; sie sind aber immer f l e i n e.r als d i e Neuausgaben. Eine wirkliche Sparpolitik würde Härten und Opfer verlangen. Die kann man aber Deputierten, die vor ihren Wählern zittern, nicht zumuten.
Hinzu kommen die Wirkungen einer Wirtschaftskrise, die Frankreich zwar nicht mit der Schärfe erfaßt hat wie andere Nationen, die aber doch ihrerseits wiederum durch die Ueberfisfalität der Staatsverwaltung größere grundsätzliche Bedeutung gewinnt. Auch die Handelsbilanz sieht katastrophal aus, weil Frankreich eben allmählich das teuer- ft e Land der Welt geworden ift Ohne erhebliche politische und soziale Erschütterungen aber wird der Anschluß an die Weltmärkte nicht wieder zu gewinnen sein, wenn das politische Denken hier nicht den Mut zu grundsätzlicher Umkehr aufbringt.
zur Aufrüstung nicht zu einer zweiten ober dritten Aufrüstungsetappe führen müsse.
2. fei es möglich, alle auf der Abrüstungskonferenz vertretenen Machte dazu zu bewegen, ein Abkommen zu unterzeichnen, das auf der Aufrüstung Deutschlands begründet fei.
3. Die Einkreisung Deutschlands fei vorläufig nur eine Hypothese und würde nur Wirklichkeit werden, wenn das Reich aufrüste.
4. fei es fraglich, ob man die Abrüstung nach besonderen Prestigefragen beurteilen und begründen könne.
5. Die Wortführer des Reiches hätten immer wieder erklärt, daß der Kommunismus endgültig besiegt fei
Der „Excelsior" weist abschließend darauf hin, daß Mussolini und Sir John Simon aber der unbedingten Entschlossenheit der französischen Regierung Rechnung fragen müßten, die an den Vorschlägen sestha11e, die sie am 1. Januar der Reichsregierung habe unterbreiten lassen. Der „F i • g a r o" glaubt zu wissen, daß in der Rüstungsfiage zwischen Rom und London eine wesentliche A n - Näherung erfolgt fei. Man habe sich bereits dahin geeinigt, Deutschland d i e „Aus- rüstung" in einem gewissen Grade Zuzüge st ehen, wobei die aufgerü steten Mächte ihre Rüstungen wesentlich einschrän - k e n müßten. Man könne annehmen, daß die englisch-italienische Diplomatie Frankreich einen Erfolg vorzutäuschen wünsche, während sie Deutschland einen grundsätzlichen Erfolg Vorbehalte. Der sozialistische „Populaire" fordert, daß Frankreich sich nicht übertölpeln lassen dürfe. Es müsse an seiner Auffassung festhalten, daß jedes Zugeständnis an Deutschland ein unverzeihlicher Fehler wäre.
Nie Pariser Nenkschrist.
Stimmungsmache englischer Blätter.
London, 5. Jan. (DNB.-Funksvruch.) „M o r» n i n g P o st", von der bekannt ift, daß sie aus dem Fahrwasser der französischen Politik nur selten hinausgelangt und „Daily Telegraph" versuchen heute offensichtlich für das in Berlin überreizte Aide mSmoire der französischen Regierung Stimmung zu macken. „Morning Post" glaubte bereits berichten zu können, daß die Vorschläge des Quai d'Orsay in diplomatischen Streifen als „bemerkenswert^ empfunden werden und auch „Daily Telegraph" erklärt, daß das französische Schriftstück als befriedigend betrachtet werden müsse. Beide Blätter verzichten jedoch darauf, eine ausführlichere Inhaltsangabe des Aide mSmoires zu geben. Sie wollen lediglich wissen, daß Frankreich bereit sei, unter her Bedingung her Bildung einer internationalen ßuftpoli- zei, die ein alter französischer Lieblingsgedanke ist, seine eigene Luftstreitmacht um die Hälfte zu vermindern, und zwar wie „Daily Telegraph" meint, einschließlich der Bombenflugzeuge und überhaupt aller Arten von Kampfflugzeugen. Weiter finde sich Frankreich auch zur Abschaffung her schweren Artillerie — Kaliber über 15 Zentimeter — bereit unb ebenso wolle es auf ble Probezeit verzichten.
„News Chronicle" will ebenfalls miffen, daß Frankreich mit einem sofortigen Beginn her Verminderung her Mannschaften und des Materials einverftanoen fei und auf die Hälfte feiner Luft- streitmacht verzichten wolle. Das Blatt beutet aber an, daß diese Bereitschaft an gewisse Voraussetzungen gebunden fei, von der es allerdings nichts näheres berichtet. Es begnügt fick mit der allgemeinen Wendung, daß eine Rüstungskonvention
mit gewissen Bedingungen und Sicherungen allgemein angenommen werden müsse.
Oer Stabschef dankt.
Berlin, 4. Jan. (DNB.) Stabschef Reichsminister Röhm veröffentlicht folgende Erwiderung auf die ihm zugegangenen Weih- nachts- und Neujahrswün-sche:
„Das Christfest und der Jahreswechsel haben mir aus der SA. unb aus allen Kreisen der Bevölkerung Gaben, Grüße und gute Wünsche in so großer Zahl gebracht, daß es mir zur Unmöglichkeit wird, jedem Einzelnen dafür Dank zu sagen. Ich bitte alle, die meiner gedacht haben, meines herzlichen und aufrichtigen Dankes für alle die Freundlichkeiten versichert zu sein, und die Erwiderung ihrer Grüße unb guten Wünsche auf diesem Weg entgegenzunehmen. Mein Dank soll sein, daß ich — rote bisher — alle Kraft daran setze, an dem Posten, auf welchen mich das Vertrauen des Führers gestellt hat, dem Volk und Vaterland zu dienen.
Gez.: Ernst R ö h m." Neuorganisation -erKeichspropaganda« leitung der 7ISOAP.
München, 4. Jan. (DNB.-Funkspruch.) Der „VölkischeBeobachter" meldet: DerNeichsvropaganda- leiter der NSDAP., Reichsminister Dr. Goebbels, hielt in München eine Besprechung im Nahmen der Reichspropagandaleitung her NSDAP, ab, in der die organisatorischen Maßnahmen her Propaganda für das Jahr 1934 festgelegt wurden. Unter anderem wurde die Neuorganisation der Reichspropagandaleitung und ihrer Gliederungen eingehend erörtert und die Ausgestaltung der bereits feftftegenben Großaktionen besprochen. Der Besprechung wohnten außer dem stellvertretenden Reichspropaganda- lelter Pg. Hugo Fischer und dem Abteilungsleiter für aktive Propaganda Pg. Walter Schulze, der Landesleiter der Landesstelle Bayern des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda Pg. Otto N i p p o d bei.
Mißbrauch ehrenamtlicher Arbeit.
Berlin, 4. Jan. (DNB.) Trotz des allgemeinen Rückganges her Arbeitslosigkeit liegen auf dem Angestelltenmarkt noch viele tüchtige Kräfte brach, für die Arbeitsplätze geschaffen werden müssen. Angesichts dessen geht es nicht an, daß zahlreiche Verbände unb Institute nicht nur vorübergehenb unb stundenweise, sondern dauernd und in voller Arbeitszeit ehrenamtliche, unbezahlte Kräfte in Arbeitsstellen von Buchhaltern, Stenotypisten, Kontoristen ufro. ohne zwingende Gründe beschäftigen.
Die Entwicklung in den gemeinnützigen Verbänden hat, wie die Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung mitteilt, vielfach dahin geführt, daß ehrenamtliche stundenweise Beschäftigungen mit dem Wachsen des Aufgabenkreises in volle B e s ch ä f t i g u n g s v e r h ä 11 n i s s e verwandelt wurden. Ehrenamtliche Tätigkeit hat gewiß ihre Berechtigung, weil sie in uneigennütziger Arbeit am Dolksganzen auch zur Volksverbundenheit beiträgt. Sie hat aber dort ihre Grenzen, wo durch eine derartige Betätigung von Personen, die vielfach nicht auf Erwerb angewiesen sind, eine Beeinträchtigung her großen Zahl arbeitsloser Ange st eil» t e n erfolgt. Es sollten daher alle Verbände, Vereine, Institute und dergleichen pflichtgemäß prüfen, ob sie nicht finanziell in der Lage sind, bezahlte


