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Kür den Bücheriisch.

Deutsche Erzähler.

Nikolaus Schwarzkopf: Der Bar­bar. Ein Matthias-Grünewald-Roman. 292 Seiten. Leinen 5.50 Mk. Albert Langen/Georg Müller, München. (115) lieber diesen Roman schreibt der nunmehr 50jährige hessische Dichter, der unse- sen Lesern aus zahlreichen Beiträgen für das Feuilleton feit langem bekannt ist, selber Folgendes: Ich habe in meinemBarbaren" diesen aufge­wühlten Menschen in seine aufgewühlte Zeit gestellt und habe religiös und vor allem sozial die ver­letzte Gerechtigkeit der Zeit zu enthüllen versucht. Die Rätsel um meinen Helden kamen mir gerade recht: ich brauchte auf nichts Rücksicht zu nehmen, ich konnte drauflos fabulieren, soviel ich wollte, so­viel mir innerhalb der Grenzen meines Themas erlaubt schien. Aber ich wollte auch wieder nicht eine große Fabel aufbauschen, wollte mich nicht unterfangen, das größte deutsche Malgenie mit Fal­tenwürfen zu umkleiden, die einem so schlichten Menschen gar nicht anstehen, wollte durchaus nicht, wie gewisse Kunsthistoriker das gern sähen, aus die­sem deutschen Toren und Barbaren einen Renais­sancehelden herausstaffieren, der in der Art des Lionardo da Vinci Mühlen baut und Festungen, Flugzeuge und kaiserliche Kanonen, der ein Grand­seigneur war und sich abseits stellte von seinem Volk. Nein, wir Deutschen hatten damals so viel mit uns zu tun, weil unsere Kaiser sich kaum um uns kümmerten, und wir waren so in die mit Gift geladenen Probleme des Leibes und der Seele ver­strickt, daß einer, der wie jedes Genie mit diesen Problemen seines Volkes übermäßig belastet war, eigentlich nur noch gebückt einhergehen konnte. Ich lasse meinen Maler Mattes dahinten im Oden­wald aufwachsen und lasse ihn vermöge seiner Kunst ins damals wirklich goldene Mainz geraten, in eine harte, sündige Welt, die reif war für den Schnitter. Ich lasse ihn einen Riesenaltar malen, den er fein Evangelium des Stalles nennt. Aus Wittenberg ertönt der Schlag der Nachtigall, wie Hans Sachs sagt, daß die religiösen und die sozia­len Zustände unhaltbar geworden seien ... und der Maler schließt sich den Aufständischen an; er will seinen Gekreuzigten vor den Scharen der Bauern einhertragen, er will als Maler ihnen helfen, das Christentum, die Religion der Mühseligen und Be­ladenen wieder einzuführen. Jedoch, der Bauern­krieg bricht in sich zusammen, der Maler verzweifelt an seiner Zeit, am Christentum seiner Zeit, zumal Martin Luther sich nicht auf die Seite der Bauern stellte.

Josef Magnus Wehner: Sieben vor Verdun. Ein Krieqsroman. Volksausgabe in Leinen gebunden 3,60 Mk. Albert Langen/ Ge­org Müller Verlag, München. 1934. (109) Den toten Brüdern ein Denkmal" hat Wehner fein Kriegsbuch geschrieben. Hier erzählt nicht einer seinen" Krieg, sondern hier ersteht aus der Er­innerung und Schau eines Dichters, der in der Hölle von Verdun selbst mitkämpfte, bis er schwer verwundet in die Totenschlucht von Fleury getra­gen wurde, das Sinnbild des Krieges selbst, ersteht aus dem siebenfältigen Kriegserlebnis der sieben deutschen Gestalten, in denen das deutsche Volk und das schlichte Heldentum der Frontsoldaten verkör­pert ist. Siebenfach spiegelt sich in ihrem Schicksal das gewaltige Ringen des deutschen Heeres, sie­benfach werden in dem Kämpfen und Sterben der Männer die dämonischen Gewalten der um Verdun und seine Forts tobenden Schlacht lebendig. Wir erleben den siegreichen Sturm des ersten Anlaufs, das Stocken des Angriffs vor unerhörten Hinder­nissen und die wilden Kämpfe bei und in den Forts bis zum bitteren Scheitern. So ist Weh­ners Buch nicht nur eins der wahrsten und er­schütterndsten Zeugnisse des heroischen deutschen Ringens im Westen, sondern auch eines der Sinn­bilder, die richtunggebend und vorwärtsführend über unseren Tagen stehen. Im Jahre 1930 erhielt der Dichter für dieses Buch den Münchener Dich­terpreis.

Siegfried von Vegesack: Herren ohne Heer. Zweiter, völlig in sich abgeschlossener Band der Trilogie des baltischen Deutschtums. Pappe 4,80 Mk., Leinen 5,50 Mk. Universitas Deutsche Derlags-AG., Berlin W 50. (128) Dieser Roman führt den früher hier angezeigten RomanBlumbergshof" weiter und schildert die Entwicklung des jungen Aurel, seine Gymnasiasten- und Studentenjahre. Der Junge kommt in die Stadt, ins russische Gymnasium, muß schon als Schüler für sein Deutschtum kämpfen, erlebt die Schrecken der lettischen Revolution von 1905z1906. Noch einmal gelingt es, die Katastrophe abzu­wenden, die baltische Welt in ihrem idyllischen Frieden anscheinend wieder herzustellen. Mit dem Ausbruch des Weltkrieges schließt dieser zweite Band der baltis^en Trilogie. Heber das Einzel­schicksal des jungen Aurel hinaus wird in diesem Roman das baltische Deutschtum dargestellt, das noch heute bei uns vielfach nicht als vollwertig an­erkannt wird:Man ist ein für allemal als Deutsch- Russe abgestempelt, ein sonderbares Zwitterding mit dem Bindestrich mitten durch den Nabel: links deutsch, rechts Russe; und dabei ist man ja eigent­lich Deutsch-Deutscher, doppelt so deutsch wie alle diese Reichsangehörigen! Was ist denn da viel da­bei, deutsch zu sein, wenn unten, oben und rund­herum alles auch deutsch ist? Erst mit dem Trotz­dem fängt es an: einer gegen hundert, und trotzdem! Ein Korn zwischen zwei Mühlsteinen, und trotzdem! Seit siebenhundert Jahren aus dem Mutterboden herausgerissen, und trotzdem!"

Walter von Hollander: Die Erbin. Roman. Geheftet 2,40 Mk. Ganzleinen 3,50 Mk. Verlag Scherl, Berlin. (74) Hollander, der sich als Romanschriftsteller schon längst einen guten Namen erworben hat, bietet in seinem neuesten Werke ein Musterbeispiel einer analytischen, rück­wärts sich entwickelnden Handlung. Dem Thema nach könnte diese Geschichte ein Kriminalroman sein: Ein elsässisches Bauernmädchen, das als Amme das Kind eines während des Weltkrieges in Ame­rika internierten Diplomingenieurs zu nähren und zu betreuen hat, gibt ihr eigenes Töchterchen für bas des Ingenieurs aus, um so dem aus ärmlichen Verhältnissen stammenden Kinde bessere Lebensbe- dinaungen zu schaffen! Schließlich aber wird dieser so lange durchgeführte Betrug doch enthüllt, ohne daß man dabei Polizei und Detektive bemüht. Ein- gewebt ist diese interessante, spannende Handlung, die sich größtenteils auf einem Herrensitze in der Nähe von Berlin abspielt, in eine bunte Folge luftig hingemalter Landschaftsschilderungen, die dem Buche einen eigenartigen Reiz verleihen. Die kunstvoll aufgebaute Fabel aber ist nicht Selbst­zweck, wie dies bei Kriminalromanen meist der Fall ist; Hollander läßt es sich angelegen fein, jede, auch die nebensächlichste, der im Roman vor­

kommenden Personen glaubhaft und lebenswahr zu gestalten. Bauern und Bäuerinnen, Jndustrieher- ren, Landstreicher und Kinder, sie alle werden, oft nur mit wenigen markanten Strichen als Menschen von Fleisch und Blut charakterisiert.

Oswald Classen: Der Zeitlose. Roman einer Flucht. Gustav Hohns Verlag, Kre­feld. 247 Seiten, Ganzleinen 5,60 Mk. (277) Der fesselnde Roman einer Flucht durch Rußland, packend in Darstellung und Inhalt; ein Buch, das in unsere kampfgewohnte Zeit paßt. Dabei mit dem ganz neuen und eigenartigen Reiz ausgestattet, wie ein Dichter diese Flucht erlebt, die Erkenntnisse daraus auswertet und zu den akuten, uns berühren­den Problemen formt. Mit grimmigen Humor hilft hilft er sich über Stunden weg, in denen ihm das Weinen sicher oft näher war als das Lachen. Es ist ein ganzer Mann, dem dieser Leidensweg mit all seinen Zerreißproben nichts anhaben kann, weil er ein Ziel hat, das feinem Willen das Letzte abver­langt und feine Tatkraft zu übermenschlichen Lei­stungen steigert. Das Hauptproblem aber ist der

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Friedrich der Große. Von Wilhelm Rumpf. Reclams Universal-Bibliothek Nr. 7244. Geheftet 35 Pf., gebunden 75 Pf. (58) Rumpf erfüllt eine dringende Forderung: Leben und Taten unseres größten Königs in klarem, anschaulichem Deutsch weiteren Kreisen nahezubringen, ohne ihn zu verkitschen und zupopularisieren". Dieser Friedrich ist in jedem Zoll echt, und die zahlreichen Anekdoten und Aussprüche steigern noch die persön­liche Art der Darstellung. Der umfangreiche Stoff ist geschickt zusammengefaßt; nicht nur der König, sondern auch sein Zeitalter tritt lebendig hervor. Aus jeder Zeile leuchtet die Liebe und Bewunde­rung des Autors für feinen Helden, und damit ver­mag das Büchlein nicht nur zu belehren, sondern zu begeistern.

Königin Luise. Ein Lebensbild. Von Dr. Kurt I a g o w. Mit der Nachbildung eines Briefes der Königin Luise. Reclams Universal-Bibliothek btr. 7245. Geheftet 35 Pf., gebunden 75 Pf. (56) Auf Grund der gesamten, zum Teil neu erschlosse­nen Quellen veröffentlicht Jagow einen Abriß des Lebens der preußischen Königin, der bei aller ge­drängten Kürze doch alles Wissenswerte zur Dar­stellung bringt. Jagow hält sich fern von der üb­lichen Verherrlichung Luises, die sie unverändert von Jugend an mit dünner Farbe als Heilige malt. Wie sie hier, psychologisch und geschichtlich fest be­gründet, geschildert wird, ist sie ein echter Mensch von Fleisch und Blut, eine Frau, die aus un­bedeutenden Anfängen unter den Schlägen eines gewaltigen Schicksals zu einer Gestalt voll tragischer Würde heranwächst. So wird sie zur wahrhaften Königin, die für ihr Volk und Vaterland das schwerste Opfer bringt das Vorbild einer hohen deutschen Frau für alle kommenden Geschlechter.

Walter von Molo: Wieich Deutsch­land möchte. Eine Rede über Friedrich List. Verlag von Paul Zsolnay, Wien. (476) Der große deutsche Nationalökonom Friedrich List, den Walter von Molo in seinem RomanEin Deutscher ohne Deutschland" eine ruhmvolle Auferstehung feiern ließ, wird in diesem verantwortungsbewußten Aufruf von brennender Aktualität als gegenwarts- und zukunftswichtiger Mahner zur deutschen Ein­heit beschworen.

Franz von Papen: Appell an das deutsche Gewissen. Reden zur nationalen Revolution. Neue Folge. Stalling-Bücherei: Schriften an die Nation" Band 51/52. (Verlag Gerhard Stalling, Oldenburg i. O. Geb. 1,60 Mk ). (593) Die neue Folgen der Reden zeigt, welch

Professor D. Heinrich B 0 rnkamm : Luther und der deutsche Gei st. (Samm­lung gemeinverständlicher Vorträge und Schriften aus dem Gebiet der Theologie und Religions­geschichte.) 20 Seiten. Preis 1,50 Mk. I. E B. Mohr (Paul Siebeck) Tübingen, 1934. (91) Die Rede des Gießener Theologen Bornkamm hat sich zum Ziel gesetzt, die bildende Macht Luthers über den deutschen Geist nicht nur in dem vielfäl­tigen Reichtum, sondern auch in der tiefen Einheit der Wirkung zu beschreiben. Ein mächtiges Gottes­erlebnis eines Volkes in einem großen geschicht­lichen Augenblick verhilft diesem Volk zu einem höheren Bewußtsein seiner selbst. Darum muß auch der Widerhall darauf im Grunde eine wesens­mäßige Einheit zeigen. Es ist dem deutschen Volke nicht geschenkt worden, diese Einheit zu einer geschlossenen Kultur und Staatsgestaltung formen zu können. Man muß vielmehr in die Grundlagen der lutherisch-deutschen Anschauung vom Staat, vom Kriege und von dem natürlichen Leden des Volkstums hinabgraben, um die ursprüngliche Ein­heit dahinter zu spüren. Ebenso läßt sich hinter den Einwirkungen Luthers auf die deutsche geistige Kul­tur (Sprache, Dichtung und Philosophie) die gleiche Grundrichtung entdecken. Entscheidend ist jedesmal ein neues Verhältnis zur Wirklichkeit, die unver­hüllt durch Systeme und Ableitungen in ihrem gan­zen Ernst und mit stets neuer Unmittelbarfeit ge­schaut wird. Nicht Freiheit, wie man es in der Aufklärung und im Idealismus meinte, sondern der immer neu zu erkämpfende Mut zur Wirklich­keit, ist das Geschenk Luthers an den deutschen Geist. Es kann freilich nur ertragen werden, wenn es aus dem Gottesverhältnis verstanden wird, wie es Luther den Deutschen erftritien hat.

Ferdinand Kattenbusch: Die deutsche evangelische Theologie seit Schleier wacher, 2. Teil: Zeitenwende auch in der Theologie. Verlag von Alfred Töpelmann in Gießen. Geheftet 1 Mark. (647) Der nun im 83. Lebensjahre stehende Professor an der Luther- Universität Halle, Ferdinand Kattenbusch, gibt in dem zweiten Teile seines Werkes eine vollständige Uebersicht über alle seit dem Jahre 1926 erschiene­nen Veröffentlichungen auf dem Gebiete der evan­gelischen Theologie. Alle diese Veröffentlichungen werden in einen großen Zusammenhang gestellt, jede wird für sich gewürdigt. Der Gesichtspunkt, der alles beherrscht, wird in dem Vorwort mjt den Worten bezeichnet:Wir stehen nicht bloß an einer »Zeitenwende' der Theologie, sondern überhaupt der Lebensempfindung, und das was neü ist, bei uns »revolutionär' plötzlich »durchgebrochen', zu Bewußt­sein gekommen, hat vollends neue gewaltige The­mata für die Theologie aufsteigen lassen; weitere solche sind im Entstehen." Hieraus geht hervor, daß der hochbejahrte Verfasser die neue deutsche Zeit

Mensch im Kampf mit seiner Zeit. Er wächst an seinen Irrtümern und trägt die Verantwortung für jeden Mangel.

Eberhard Frowein, Mein eignes propres Geld Roman. Ganzleinen 4,80 Mk. I. G. Cotta, Stuttgart. (547) In das Wupper­tal, in dem Tausende von Schloten rauchen und die Arbeit seit Menschenaltern in starkem Herzschlag schafft, führt das neue Werk von Eberhard Frowein, der mit diesem Buche seiner Vaterstadt und ihrer Zähigkeit ein Denkmal setzt ein Denkmal der Arbeit und zugleich ein Denkmal für deutsches Füh- rertum in der Industrie. Konrad Bemberg, der junge Fabrikantensohn mit dem zerschlagenen Heere heimgekehrt und in der Heimat seiner Väter Erbe, die zerfallene große Fabrik, übernehmen soll, sich zum Führer seiner Arbeiter wandelt und das Un­ternehmen durch die Entdeckung der Kunstseide in harten Kämpfen durch alle Not der Nachkriegsjahre zu neuer Blüte führt, das ist die wesentliche Linie dieses Romans.

starken Anteil der Vizekanzler an -er Gestalt­werdung des neuen Deutschlands hat. Mit außer­ordentlicher Klarheit zeichnen sich in den Reden die verschiedenen Entwicklungsphasen ab. Eine der wich­tigsten Etappen ist die Befreiung des deutschen Katholizismus aus den liberalisierten Parteiformen. Die nationalsozialistische Staatsidee, so wie sie vom Führer gewollt und verkündet, entspricht in ihren großen Zügen durchaus den kulturellen, staatspoli- tischen, wirtschaftlichen und sozialen Auffassungen der Kirche.

Der Kampf um d i e Saar. Von Dr. jur. et rer. pol. Adolf Müller, Ministerialrat. Reclams Universal-Bibliothek Nr. 7247. Gebunden 75 Pf. (54) Frei von aller Leidenschaftlichkeit und daher mit um so größerer Wirkung führt Ministe­rialrat Dr. Müller, einer der besten Kenner des Saargebietes, den Beweis, daß die Saar deutsch ist, ihrer geschichtlichen Vergangenheit nach, wie durch ihre Bevölkerung, die denselben deutschen Stämmen angehört, die auch das der Saar an­liegende Land bewohnen. Mit Deutschland auf Ge­deihen und Verderben verbunden ist die saarlän­dische Landwirtschaft, die Eisenindustrie, der Berg­bau, die Glas- und Keramikindustrie und das Handwerk. Das kulturelle Leben im Saargebiet ist vollkommen deutsch bestimmt. Für den Endkampf muß Deutschland gerüstet sein. Dieses Bändchen ist eine wirksame Waffe in diesem Kampf um das Recht unseres Volkes.

Friedrich Sieburg:P o l e n". L e - gende und Wirklichkeit. Steif broschiert 1 Mk. Societäts-Verlag, Frankfurt a. M. Fr. Sieburg gelingt es, die entscheidenden Fragen, die zu einem tieferen Verständnis des heutigen polnischen Staats, seiner Regierungsmethoden und seiner politischen Ab­sichten unumgänglich sind, zu klären, uns die Atmo­sphäre des modernen polnischen Lebens, die in seiner romantischen politischen Vergangenheit stärker, als man gewöhnlich annimmt, verwurzelt ist, nahezu- 1 bringen und auf den eigentlichen politischen Charak- I ter dieser Nation ein Helles Licht zu werfen. Wir begreifen, daß die Masse der Bauern noch kaum von dem starken staatlichen Willen Pilsudskis erfaßt und das Bürgertum erst in der Bildung begriffen ist. Die Legalisierung der jetzigen Herrschaft durch eine Volksbewegung ist noch lange nicht vollendet. Die geheimnisvolle Wirkung Pilsudskis ist nur von da­her zu verstehen. Durch den interessanten Charakter von Oberst Beck scheint sich eine neue Orientierung, die auch für Deutschland von vitaler Bedeutung sein kann, anzubahnen.

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in vollem Maße versteht und sich zu dem großen Zeitgeschehen in bejahendem, positiven Sinne ein­stellt. Kattenbusch war von 1879 bis 1906 Ver­treter der systematischen Theologie an der Univer­sität Gießen. Die älteren hessischen Pfarrer sind allesamt seine Schüler gewesen, sie werden ihrem alten Lehrer für diese Gabe in besonderem Maße dankbar fein, aber auch die jungen Theologen wer­den sich aus dieser Schrift gern über den gegen­wärtigen Stand ihrer Wissenschaft orientieren lassen. H. B.

Friedrich Gogarten: Einheit von Evangelium und Volkstum? 30 Seiten. Kart. 1 Mk. Hanseatische Verlagsanstalt AG., Ham­burg 36, 1933.- (350) Die starken Auseinander­setzungen über die Fragen des Glaubens und seiner Beziehungen zu Staat und Volk erfahren in der Schrift des bekannten Theologen ihre grundsätzliche und theologisch begründete Deutung und Klärung. Es ist die These der Deutschen Christen, die Prof. Gogarten als Berufener hier aufgreift. Das Evan­gelium stellt keinen Widerspruch zu dem durch das Volkstum gegebenen Gesetz dar. Im Gegenteil, es bedarf des Volkstums ebensosehr wie das Volkstum des Evangeliums bedarf. Das Evangelium wird nur dort rein verkündet werden, wo der Mensch bereit ist, sich unter das Gesetz des Volkstums zu stellen und nicht individualistisch sich zu vereinzeln sucht. Diese tiefgründige Schrift will wesentlich dazu bei­tragen, Kirche, Staat und Volk wieder zu einer Ge­meinschaft zusammenzuführen.

D. Gustav Benz: Herr, lehre uns beten! Predigten über das Unservater. Ganz­leinen 3,20 Mark. Verlag von Friedrich Rein­hardt in Basel. (92) Mit erfrischender Deut­lichkeit macht Pfarrer Benz die einzelnen Bitten bes Vaterunsers lebendig. Er zeigt, wie unlöslich das Vaterunser mit Jesus verknüpft ist und jeden, der es aufrichtig betet, mit Jesus verbindet. Das Ewibkeitsgemäße verbindet sich mit dem Zeit­gemäßen, denn Benz durchlebt und durchdenkt tief die Nöte der Gegenwart. So fällt denn auch aus diesen Predigten Licht auf alle Anliegen der Gegen­wart.

Gut Regiment. Allen Deutschen zum Ge­leit. Worte von Martin Luther, Auswahl von Hans Pförtner. 5. Folge der Flugschriften derChristlichen Wehrkraft", Verlag Paul Müller, München. 16 Sei­ten und Umschlag. 20 Pf. (371) Die kleine Flugschrift hat sich zur Aufgabe gestellt, kernige Lutherworte ohne irgendwelche Erläuterung in die große Zeit eines neuen vaterländischen Aufbruchs hineinzusprechen. D>e Flugschrift kommt aus der evangelischen Weltanschauung. Indem sie Luthers Aussagen vom Gehorsam gegen die Obrigkeit wie­der gibt, will sie dasGut Regiment" des neuen Deutschland dankbar auf ihre Weise bestätigen.

Der zweite Band desKleinen Meyer"*.

Ein Spiegel des deutschen Wiederaufstiegs.

Der zweite Band der 9. Auflage desKleinen Meyer", die gänzlich neubearbeitet wurde (drei Bände in Seinen je 10 Mk., in Halbleder je 15 Mk., ein Atlasband in Leinen 20 Mk., in Halbleder 25 Mk.), ist erschienen. Die grundlegenden Um­stellungen aller Lebensgebiete durch die nationale Revolution veranlaßten den Verlag, das Lexikon bereits jetzt wieder neu herauszugeben. Die Artikel sind sachlich auf den neuesten Stand gebracht und vom Blickpunkt unserer neuen Weltanschauung ge­schrieben. So wird das Werk ein Spiegel des deut­schen Wiederaufstiegs. Die Stichworte von Geld bis Niebuhr erfassen ein Fülle brennender Fragen, die gerade in der letzten Zeit bedeutende Wandlungen durchgemacht haben. Neben ausführ­lichen Artikeln über den Nationalsozialismus und seine Organisation stehen solche über Landwirtschaft und Großhandel. Der Imperialismus wird aus­führlich dargelegt, ebenso die Bedeutung der Natio­nalökonomie und die Geschichte des Geldes. Die kulturellen Artikel, von denen nur die griechische und indische Kultur, Klassik und Romantik, Malerei, Mittelalter hervorgehoben seien, stehen auf einer beachtlichen Höhe. Der Bedeutung des Luftschutzes ist ein interessanter Artikel und eine instruktive Tafel gewidmet. Die Fragen der Lebenshaltung und das Problem des Haushaltplanes werden er­örtert, Kino und Musik ziehen in ihrer Entwicklung an uns vorüber. Der über 800 zweispaltige Seiten umfassende Band bringt fast auf jeder Seite kleine Textbilder, die durch eine Reihe Tafeln und tabella­rische Uebersichten wirksam ergänzt werden. Gegen­über der 8. Auflage ist der Umfang der Bände um die Hälfte vermehrt worden. Der geschmackvolle Ein­band und die an Stelle der Antiqua getretene Frakturschrift verdienen hervorgehoben zu werden.

Biographisches.

Hanns Martin Elster: Ernst von Wil­de n b r u ch. Leben, Werk, Persönlichkeit. Mit einem Bildnis des Dichters. Kartoniert 1 Mk. G. Grote Verlag, Berlin. (24) Werk und Persönlichkeit Wildenbruchs werden heute wieder neu entdeckt und gewertet. Seine schöpferische Kraft, seine nationale Leidenschaft, sein soziales Gewissen, seine völkische Verantwortung sollen in der Schrift von Elster dem deutschen Volk nahegebracht werden.

mumme Numsen: Gustav Frenssen. Der Kämpfer für die deutsche Wiedergeburt. Eine neue Würdigung. Mit einem Bildnis Gustav Frenssens. Steif broschiert 1. Mk. G. Grote Ver­lag, Berlin. 1933. (364) Das Buch gewinnt durch seine frische und aufrechte Art sofort den Leser, um ihn bis zum Ende zu fesseln. Meistens wird der Verfasser volle Zustimmung finden. Manch­mal wohl auch Widerspruch erregen. Durchweg aber ist das Buch lebendig und interessant. Was die frisch geschriebene Broschüre will, darüber sägt der Ver­fasser, ein Vertreter des jungen Deutschlands, in der Vorrede u. a.: Konnte wohl der Großstädter den aus niedersächsischem Bauerntum kommenden Dich­ter wirklich verstehen? Bei anderen griff das Ur­teil vor. Das eine Lager fühlte sich beunruhigt durch das kämpferisch-natürliche, das andere durch das germanisch-deutsche Wesen des Dichters. Aber eine neue Geistesrichtung hat sich erhoben, die ebenfo wirklichkeitswahr wie deutsch ist. Sollte heute die Stunde des allgemeinen Verständnisses für Frensien nicht da sein? Jedenfalls fühlen wir uns, in der Erkenntnis, daß die Feinde deutscher Wiedergeburt die die Kritik und Oeffentlichkeit bis jüngst beherrscht haben, Gustav Frenssen ohne Verständnis gegen­überstanden, verpflichtet, diesen Dichter und Grüb­ler, der seit seinen ersten Anfängen ein Kämpfer für ein gesünderes, gerechteres, kraftwilligeres Deutschland war, neu zu beurteilen."

Karl Heinrich Waggerl. Der Mensch und der Dichter. Von Hanns Arens. Mit drei Fotos und drxi Scherenschnitten des Dichters. 20 Seiten. Verlag Kropf & Herz, Tumringen in Baden. Preis 25 Pf. (93) Die erste kleine Schrift über Waggerl wird sicher viele Freunde finden. Arens gibt aus naher Kenntnis vom Leben und Werk ein gutes und klares Bild vom Weg die­ses Dichters. Die Schrift, geschmackvoll gedruckt, ist geschmückt mit drei Fotos und drei Scherenschnit­ten von Waggerl. Der Text von Hanns Arens ist warm und sehr anschaulich, bei aller persönlichen Wertschätzung doch sachlich und kritisch wägend ge­schrieben. Von Waggerl wurden die RomaneBrot", Schweres Blut" undDas Jahr des Herrn" frü­her von uns besprochen; unseren Lesern ist der junge, vom Insel-Verlag entdeckte Dichter auch aus kleinen Beiträgen im Feuilleton bekannt.

Garin Göring. Von Fanny Gräfin von Wilamowitz-Moellendorff geb. Baroüin von Fock-Stockholm. Reich illustriert. Elegant kar­toniert 2 Mark^Leinen 2,80 Mark. Martin Warneck, Berlin. (628) Frau Garin Göring verdient es, daß ihr ein Denkmal gesetzt wird. Die Schwe­ster der Heimgegangenen, Frau Gräfin Fanny von Wilamowitz-Moellendorff, schildert darin, wie eine glückliche Kindheit und Jugendzeit im Elternhause in Schweden ihr die Kraft schenkten, durch ihr na­türliches, fröhliches Wesen in ihre Umwelt Mut zum Durchhalten in schwerster Zeit auszustrahlen. Kriegs­und Nachkriegszeit erweckten in dem stammver­wandten Lande Teilnahme und Miterleben an dem Schicksal der deutschen Nation, an die Garin dann durch die Lebensgemeinschaft mit Hermann Göring eng gefettet wurde. Alles, was sie damals in schwe­ren entscheidungsvollen Stunden miterlebte und wie sie bei allem an dem unbedingten Glauben an die Sendung des neuen Deutschlands festhielt, wird hier berichtet. Von großem Wert sind die vielen Briefe, die von der Innerlichkeit, der Güte und Für­sorge dieser edlen Frau zeugen. Ergreifend ist der Abschnitt, der uns von den Münchener Erlebnissen berichtet, von Görings schwerer Verwundung, der Flucht usw. Möge das Lebensbild vielen zu einem inneren Erlebnis werden und alle Leser dieser Hel­din über das Grab hinaus in tiefer Dankbarkeit gedenken.

* Meyers Kleines Lexikon, 9., gänzlich neubearbeitete Auflage in drei Bänden. Rund 72 000 Stichwörter und Artikel auf 4800 Spalten, über 4000 Textabbildungen und 270 zum Teil mehrfarbige Bildtafeln und Karten. Dazu ein Atlasband mit 244 Haupt- und Nebenkarten und einem Regi^ fter mit 72 000 Namen. Band II (Stichwörter von Geld bis Niebuhr) in Leinen 10 Mk., in Halbleder 15 Mk. Verlag Bibliographisches Institut AG.. Leipzig. (7)