Ur. 78 Dritte Blatt
Metzen« Anzeiger (Seneral-Anzriget für Gberhesien)Mittwoch, 4. April W34
Gießener Giaditßeaier.
Hermann Burte: „Katte"
Es ift, auf den ersten Blick und von außen gesehen, vielleicht das Merkwürdigste an diesem im Schicksalsjahr 1914 erschienenen Schauspiel, daß ein so völlig nicht nur in preußischer Landschaft, sondern auch in preußischem Geiste gezeugtes Drama von einem Dichter stammt, in dem das alemannische Stammesbewußtsein so ausgeprägt ist wie in Hermann Burte (Strube), und es ist zwar unverständlich, aber nicht ohne Beispiel, daß dem Drama von höchster Stelle die außerordentliche Ehrung versagt wurde, die ihm zugedacht war: der staatliche Schillerpreis. Ein berühmteres Stück, an das man auch sonst beim „Satte" erinnert wird, erfuhr — aus ähnlichen Gründen — ein härteres Schicksal: Kleists herrlichstes und zeitlosestes Werk, »Prinz Friedrich von Homburg", dem nicht nur ein Preis, sondern selbst die Aufführung verweigert wurde.
Die Fabel des „Katte" ist aus der Geschichte so bekannt, daß es sich erübrigt, sie im einzelnen zu wiederholen. Das Jahr 1730 ist — durch die mißglückte Flucht des Kronprinzen Friedrich und die Hinrichtung seines besten Freundes Hans Hermann von Katte, vor allem aber durch die Boraussetzungen wie die Folgen beider Ereignisse — als ein Schicksalsjahr der preußischen Geschichte tm 18. Jahrhundert gekennzeichnet.
Wem dies gegenwärtig ist, der wird versucht sein, Burtes Schauspiel auf eine naheliegende und einfache Formel zu bringen und sich mit der Feststellung zu begnügen, daß hier wieder einmal der alte, immer aufs neue beschworene Konflikt der Generationen, in der zugespitzten Gegenüberstellung von Vater und Sohn, eine geschichtlich beglaubigte Formulierung erfahren habe.
Eine Kronprinzentragödie also, ^ie ' nur ein neues Beispiel in der weitverzweigten Geschichte dieses Motivs bezeichnet? Ja und nein: es erweist sich bald, daß die Antithese zwischen Vater und Sohn in unserem Fall nicht so sehr das eigentliche Problem als vielmehr die Voraussetzung für das Drama bildet. Es erweist sich nämlich ferner, daß für eine wirkliche Austragung des Konfliktes die Gewichte zu ungleich verteilt sind: die Gestalt des Kronprinzen, die spater in ihrer geschichtlichen
Tropenwelt ganz nahe bei Vertin.
80000 Orchideen blühen in Tleubabelsberg.
und notwendige Starke. Fast 900 „Patienten" werden zur Zeit in diesem Erholungsheim „verarztet". Kein Wunder, daß hier eine derartige Fülle von erkra.-kten Blumen zu finden ist, denn der Preis für die Kur ist erstaunlich niedrig: 50 Pfennig pro Monat.
Abseits von den blanken Schienensträngen, die von der Reichshauptstadt nach der historischen Garnisonstadt Potsdam führen, liegen die friedlichen grauen Häuserreihen des westlichen Villenvorortes Neubabelsberg. Sie sind von eintöniger Natur umgeben, von steil in den Himmel ragenden Kiefernwaldungen, weiten Grasflächen und träge rahmfließenden Gewässern.
Zwischen den farblosen steinernen Häusern taucht rin Schild auf: Orchidflora. Flüchtig denkt man in Urwald und Tropenfonne. Aber der peitschende Regen, der auf den märkischen Heimatsand niederprasselt, duldet keine Träumereien.
„Ja, wir züchten Orchideen in Neubabelsberg", sagt Mynher K r u f f s , der Leiter der seit fünf Zähren hier befindlichen Orchideenkulturen. Durch langgestreckte Glashäuser führt der Weg. Bilder aus „1001 Nacht" werden lebendig. Die ungeheure Verschiedenartigkeit der duftigen Pflanzen und ihre traumhaft zarten Farben strahlen in paradiesischer Schönheit.
80 0 0 0 Orchideen blühen in Neubabelsberg! 2000 verschiedene Arten sind das Ergebnis jahrelanger Züchtungsversuche. Die Anfänge dieser Plantage liegen in den Tropen. Dort war der heutige Leiter dieses Unternehmens ein Vierteljahrhundert als Tabakpflanzer tätig. Lernte die Schönheiten der edlen Blumen kennen und legte sich in seinem Garten ganze Felder dieser Pflanzen an. Einen großen Teil der Orchideen nahm er dann nach Deutschland mit und legte so den Grundstein zu der Farm in ihrer heutigen Gestalt.
Unter einer Glasfläche von 3500 Quadratmeter wogen in 18 Treibhäusern die märchenhaften B l ü t e n m e e r e. Die Pflanzen, die sich hier draußen befinden und durch deren Samen eigenartige Kreuzungen erzeugt werden, stammen aus allen Ländern der Welt. „Vorhin ist gerade eine Sendung seltener Exemplare aus Sumatra eingetroffen", erzählt einer der hier beschäftigten Lehrlinge und berichtet, daß die Orchideen, die Herr K r u y f f s züchtet und die vom Urwald nach Neubabelsberg in hölzernen Kisten befördert werden, nicht selten unter den schwierigsten Verhältnissen in außergewöhnlichen Höhen gesammelt werden. Aus Mexiko und Guatemala, aus Asien und Kalifornien treffen Pflanzensendungen ein. Fast die Hälfte der Blüten ist jedoch nach beendeter Reise unbrauchbar geworden. Im Jahre 1928 unternahm Herr Kruyffs persönlich eine erfolgreiche Expedition nach verschiedenen Teilen Amerikas, um dort seltene Exemplare aufzutreiben.
In einem neuzeitlich eingerichteten Laboratorium werden die staubfeinen Blütensamen in sterilisierte kleine Glasgefäße gefüllt. Hier entwickeln sich auf dem mit Nährstoffen getränkten Boden einer Naturgelatine, die an den Küsten Japans gewonnen wird, die ersten Keime. Schon nach acht Tagen werden winzige kleine Blättchen sichtbar, ein paar Tage später werden sie mit Hilfe von Pinzetten in Töpfe gepflanzt, zuerst zu vielen Dutzenden, später zu Vieren und Fünfen, bis eines Tages die Pflanze so groß geworden ist, daß sie ihren eigenen Tonbehälter beanspruchen kann.
Aber der Weg vom Samenkorn zur Blüte ist lang, unvorstellbar lang. Die Geburt einer einzigen Orchideenblüte dauert sieben bis acht Jahre. Alle vier Monate muß sie in dieser Entwicklungszeit umgepflanzt werden, wird gehütet und gepflegt wie ein schwächliches Kind.
Vielfach wird angenommen, Orchideen seien Schmarotzer. Ein großer Irrtum, denn diese Pflanzen nähren sich nicht von der Kraft des .Baumes, an dem sie wachsen, sondern eher aus der Luft, in welche sich ihre feinverzweigten Wurzeln hinausstrecken. Allerdings sind zu ihrem Gedeihen bestimmte Pilze notwendig, die sich mit dem Gewirr der Orchideenwurzel verfilzen. Sie werden auf einem besonders zusammengesetzten Nährboden als Bakterienkulturen gezüchtet.
Sonst wird die Orchideenpflanze ausschließlich mit R e g e n w a s s-e r genährt und dank einer sorgfältig konstruierten Anlage ist man hier drau
ßen in Neubabelsberg leicht imstande, Regenwasser leder beliebigen Menge künstlich zu erzeugen. „Das Wasser muß Sommer und Winter eine ständig gleichbleibende Temperatur von 22 bis 24 Grad haben", verrät einer der jungen Arbeiter.
Einzelne Pflanzen bleiben jedoch fast ein halbes Jahr ohne Wasserzufuhr, um so die trockene Periode der fernen Heimat einzubalten.
Ein scharfer, beißender Geruch überfällt den Besucher beim Eintritt in ein Treibhaus, in welchem uor allem die bekannten zartlilafarbenen Ca 1 - layen, die beliebteste Orchideenart, gezüchtet werden. „Hier ist gerade Nikotin zur Abwehr gegen die Insekten gespritzt worden", erklärt Herr Kruyffs und berichtet, daß dieser Vorgang alle drei Wochen wiederholt werden müßte. Schnell flüchtet man vor dem strengen Geruch in die nächste angrenzende Glashalle, in deren Inneren sich eine besondere Sehenswürdigkeit dieser „Orchideenflora" befindet: das Krankenhaus der Orchideen!
Pflanzen von Liebhabern, die unter allzuguter Behandlung und überreichlicher Nahrung gelitten haben, müssen hier eine mindestens sechs Monate lange Kur durchmachen. Besondere Diäten verleihen den geschwächten Blumenleibern neue Lebenskraft
Buntes
Woran sterben die Menschen?
Aus den Ergebnissen der soeben veröffentlichten Todesursachen-Statistik im Deutschen Reich für das Jahr 1931 geht hervor, daß die Gesamtzahl der Sterbefälle im Durchschnitt der letzten zehn Jahre zwischen 700 000 und 800 000 lag. Auf Tausend Einwohner starben in Deutschland 1913: 14,8, 1929: 12,6, 1931: 11,2 und 1932: 10,8. Nach Ansicht der Bevölkerungs-Statistiker müssen wir uns jedoch für die nächste Zukunft auf eine Zunahme der Gesamtsterbeziffern Dorbereiten, wie Dr. Tornau in der „Deutschen Medizinischen Wochenschrift" ausführt. — Im Vergleich zu 1930 erhöhte sich vor allem die Zahl der Todesfälle durch Grippe, durch Krankheiten der Kreislauf- und Atmungsorgane, durch Krebs, durch Altersschwäche, durch Gehirnschlag und durch Harn- und Geschlechtskrankheiten, also durch Krankheiten, die besonders bei älteren Leuten verhältnismäßig leicht zum Tode führen. Eine Abnahme ist hingegen bei den Krankheiten eingetreten, von denen in erster Linie junge Menschen befallen werden, wie: Kinderinfektionskrankheiten, Schar- lach, Masern. Diphtherie, Keuchhusten, Verdauungsstörungen usw Auf der einen Seite macht sich hier der geringer werdende Nachwuchs und auf der anderen Seite der Fortschritt in der Behandlung dieser Krankheiten bemerkbar. Ein besonders günstiges Zeichen ist der Rückgang der Todesfälle durch Kindbettfieber, an dem 1931 nur noch 2508 gegenüber 3348 Frauen im Jahre 1929 starben. Die gleiche Entwicklung hat sich erfreulicherweise auch bei den Äinderinfektionskrank- heiten vollzogen. — Beunruhigend ist der Verlauf der tödlich ausgehenden Fälle von Krebs und — hinsichtlich der zu beobachtenden Verschiebungen — auch der T u b e r k u l o s e der sich in der Zukunft voraussichtlich noch ungünstiger gestalten wird. Diese Zunahme der Sterbefälle an Krebs, die besonders stark in den hohen Altersklassen auffällt, ist 3um Teil auf die Ueberalterung des Volkes, zum Teil aber auch auf die verbesserten Methoden der Todesursachenermittlung zurückzuführen, so daß die tatsächliche Verschlimmerung hier nicht so hoch zu veranschlagen ist. Während 1924 nur 60 664 Fälle zu verzeichnen waren, ist diese Zahl bis 1931 auf 79 018 gestiegen. Die Tuberkulosesterblichkeit weist nicht mehr die erschreckende Zahl der ersten Nachkriegsjahre auf, in denen sich noch die Folgen des Krieges auswirkten: 1923 starden 93 074, 1927: 59 037 und 1931: 50 863 Menschen an Tuberkulose, Bedenklich ist allerdings die Tatsache, daß die Kin-
„Wissen Sie übrigens, daß auch dicht bei Berlin in den Wäldern der Mark Brandenburg über siebzig verschiedene Arten Orchideen wachsen?" fragt Dr. Kolbe, der ständige Mitarbeiter von Herrn Kruyffs. Allerdings sind ihre Blüten längst nicht so edel und formschön wie die ihrer tropischen Schwestern, und dadurch ist es zu erklären, daß man ihnen so wenig Beachtung schenkt."
Durch Kreuzung verschiedener Samen hat man in der Tropenwelt in Neubabelsberg einzigartige Blüten gezüchtet. Diese seltenen Exemplare, die natürlich besonders wertvoll sind, werden vorwiegend von Orchldeensammlern erworben. Die Zeiten, in denen für eine einzige ausgefallene Pflanze viele tausend Mark bezahlt wurden, sind jedoch endgültig vorbei. 100 bis 150 Mark ist heute der höchste Preis für extravagante Orchideen. Die Kosten für ein schönes Zimmerkultur-Sortiment von mehreren Orchideenarten betragen aber im Durchschnitt nur 15 bis 20 Mark
Aus der südländischen Orchideenflora tritt man in den kühlen märkischen Abend hinaus. Die Umrisse des dunklen Waldlandes erscheinen schwärzer und düsterer gegen vie zarten Pastellfarben der bunten Tropenwelt. Harney.
Allerlei.
dertuberkulose seit 1930 wieder zugenommen hat. Eine verstärkte Anfälligkeit ist des weiteren bei der Grippe, besonders in den höheren Altersklassen, zu erkennen. An Altersschwäche starben 1931: 73 365 Menschen, darunter 43 757 Frauen. Im Jahre 1930 ereigneten sich 25 720 tödlich verlaufene Unglücksfälle, 1931 nur 22835. Der Höchststand war 1929 mit 27 697 Todesfällen zu verzeichnen.
Der Urschirm
Die alten Aegypter, die doch sonst „schon alles" hatten, galten bisher als schirmlos. Nun werden die Aegypter auch in dieser Hinsicht als erfindungsreiches Volk gerechtfertigt, denn aus dem unerschöpflichen Grabe des Tut-anch-amon ist jetzt ein Gegenstand in das Museum von Kairo gelangt, den man als den ältesten Schirm bezeichnen kann. Er ist in der Kulturgeschichte des Pharaonenreiches ein vollkommenes Unikum, denn man hat bisher in keinem andern Grabe etwas Aehnliches entdeckt und auch auf den Wandbildern ist nie etwas Derartiges dar- gestellt. Die einzelnen Stücke wurden in dem Grabe zerstreut gefunden und sind nunmehr von den Sachverständigen des Museums sorgfältig zusammengesetzt worden. Gegenwärtig präsentiert sich dieser „Urschirm" als eine Art Baldachin, der auf vier schlanken, etwa zwei Meter hohen und einem Meter voneinander entfernten vergoldeten Stöcken ruht. An der Spitze sind sie durch ein Gitterwerk aus gekreuzten Stangen zusammengehalten, die ebenfalls aus vergoldetem Holz bestehen. Das Gitterwerk war mit einem Schleier oder einer Decke aus irgendeinem das Licht nicht durchlassenden Stoff bespannt: diese Bespannung war mit dünnen Stricken befestigt, die durch Löcher an den Enden der Stäbe gezogen werden. Die Spitzen der vier vergoldeten Stöcke sind mit reizenden Blumenornamenten aus gefärbtem Elfenbein geschmückt. Im Innern des Gitterwerkes Jinb an der Spitze Verzierungen in vergoldetem Rollwerk angebracht, aus denen man auf einen Einfluß der minoifchen Kultur auf Kreta schließen will. Während sich sonst alle Gegenstände lückenlos vorgefunden haben, fehlte die Bespannung. Ob nun der Pharao unter diesem Dache stand oder ob es über seinem Kopf getragen wurde, während er wandelte, jedenfalls waren fein Kopf und der obere Teil seines Körpers gegen die Sonnenstrahlen geschützt. Man darf also in diesem merkwürdigen und einzigartigen Stück die Urform unseres Schirms erblicken.
3n der Martinswand verstiegen.
In der Martinswand, der bekannten senkrechten Felswand bei Innsbruck, von der die Ueberliefe» rung erzählt, daß sie schon Kaiser Maximilian beinahe zum Verhängnis geworden wäre, hat sich ein Innsbrucker Kletterer namens Hugo Niederlindner verstiegen. Er konnte sich selbst nicht mehr befreien. Nachdem die ersten Ret- I tungsversuche durch andere Bergsteiger ergebnis- \ los blieben, rückte am Abend b i e Innsbrucker Feuerwehr aus, die im Lichte von Scheinwerfern versuchte, mit Hilfe von Leitern zu dem Verstiegenen zu gelangen. Jedoch auch dieser Versuch blieb ohne Erfolg. Niederlindner konnte sich während der Nacht an einem kleinen
Oie Bostsgesundheit fördern, heiß-Elend verhüten.
Werdet Mitglieder
der NS.-Bottswohlfahrt!
Bäumchen festbinden, so daß er vor dem Absturz bewahrt wurde. Heute früh wurden die Versuche, zu ihm zu gelangen und ihn aus feiner Lage zu befreien, wieder ausgenommen. Von den Bergführern Schmidhuber und Egert, sowie drei Burschen aus Zirl, mußte Niederlindner mehr als 200 Meter bis zur Straße abgeseilt werden. In der Nacht war er durch Zurufe wachgehalten worden und hatte sich selbst durch Körperbewegungen vor dem Erfrieren geschützt. Bei seiner Bergung war er sehr erschöpft. Niederlindner war auf der A u r i k e l s u ch e in die Martinswand hinaufgeklettert und rechts von der bekannten Kaiser-Max« Grotte hoch in die Felsen gestiegen, bis er auf einem Platz angelangt war, von dem er weder vor- noch rückwärts konnte. Die. Martinswand ist infolge ihrer außerordentlichen Steilheit eine der gefährlichsten und schwierigsten Klettertouren. Sie erhebt sich südwestlich von Innsbruck senkrecht aus dem Jnntal auf der linken Seite des Inn. Sie wird von der Mittenwaldbahn durch den bekannten Martinswandtunnel durchquert. Die ganze Durchkletterung der Wand wurde im vorigen Jahre von dem bekannten Innsbrucker Bergsteiger Auken- t h a l e r zum ersten Male ausgeführt. Die Martinswand ift 1113 Meter hoch.
Achtung! Achtung! . . .
Die Arbeitsschlacht schafft weiteren Millionen Volksgenossen Arbeit und Brot Die seit langem ungewohnte Arbeit kann Anlaß zu zahlreichen Unglücksfällen werden?
Für wieviel Hunderte von Millionen Mark werden jährlich Sachwerte durch Feuer vernichtet. Dafür könnte man Tausende von Siedlungshäusern errichten und hunderttausende schöner heuet Mahnungen bauen. Aber auch zahlreiche Menschen fallen einem Brande zum Opfer oder haben lebenslänglich unter den Folgen von Brandverlehungen zu leiden. Darum bedenkt, wenn ihr ein Streichholz achtlos wegwerft, welche Folgen oft kleine Ursachen haben und was für Unglück damit angerichtet werden kann. Unnützes Gerümpel auf dem Dachboden, schlechte Feuerungen, Unordnung in Ställen und Scheunen haben schon manches Schadenfeuer verursacht und Menschenleben vernichtet. Gas, Elektrizität, Benzin können zum gefährlichsten Feind werden, wenn der Mensch mit ihnen nicht richtig umgeht. Schützt euch und eure Mitmenschen vor solchem Unglück, geht vorsichtig mit Licht und Feuer um, so treibt ihr praktische Unfallverhütung.
immer! Es ist besser, daß ich sterbe, als daß die
Gerechtigkeit aus der Welt kommt.
In diesen Worten offenbart sich der tiefere Sinn
faffung eines immerhin ungewöhnlichen Menschen
zeugend an.
Herr Neuhaus gab den König: hier ist Bild in seinen Grundzügen von vornherein
Dem erwächst der Gegenspieler Katte, der vom Schicksal zwischen
vielmehr erst in die Fronten ge- verblaßt immer
Den Katte spielte Herr Löser: mancher mag ihn sich vielleicht blendender, feuriger, leidenschaftlicher gedacht haben. Uns gefiel er so, wie er sich aab: knapp, beherrscht, nobel in Haltung und Wort. Wem er zu ernst, zu besonnen, nachdenklich und in manchen Augenblicken fast träumerisch wirkte für
er die Entwicklung des Charakters gradlinig ungebrochen verfolgen ließ.
nischen, in Jähzorn ausbrechenden Monarchen mit starken Strichen umriß, sondern daß der Höhepunkt seiner Gestaltung im vierten Akt lag, wo der König im Kampfe um die Behauptung seines Königtums, seiner Staatsauffassung, seines Rechtsempfinden^ und feines väterlichen Gefühls zu einer fast tragischen Gestalt aufwächst.
das fest- Lei-
nachmalende und berichtende Chronik hinaus: sie sind entscheidend für die innere Entwicklung und für die hieraus abzuleitende Bewertung des Menschen und des Offiziers Hans Hermann von Katte, .. obwohl für den Zuschauer vielleicht die minder preußischen, die gefühlvolleren und fast romantischen Triebkräfte seines Handelns — die Freundschaft mit dem jungen Friedrich und die leidenschaft-
Herr Lüpke gab den Kronprinzen in einer Maske, die einem der bekanntesten Porträts des jungen Friedrich glücklich angenähert war, und ließ in den kurzen Szenen, die ihm gegeben sind, die überragenden Züge vorausahnen, die das vertraute spätere Bild unverwechselbar auszeichnen.
Sybillc-Evelyne Flemming als Wilhelmine: das zarte und anmutige Aeußere ihrer Erscheinung erinnert ein wenig an das Fräulein von Barnhelm: sonst aber gibt sie die junge Prinzessin so beherrscht, gefaßt, wachsam und ganz verhalten im Gefühl, wie es die Rolle verlangt.
genspieler zu der immer wuchtiger Erscheinung des Königs
mine, der nachmaligen Markgräfin von Bayreuth — die Wesenszüge des Helden bestimmen werden.
Die Aufführung hinterließ, obwohl gegen Ende die Spannung gelockert schien, starke Eindrücke und fand verdientermaßen anhaltenden Beifall, hth.
stellt ist. Friedrichs zarter Umriß
mehr, und vor die verschwimmenden Konturen schiebt sich immer klarer, schärfer und ausgeprägter das Bild des Freundes. Wenn dieser ihn deckt, sich für ihn einsetzt und für ihn opfert, so stehen sich zwar noch immer zwei Generationen feindlich und zur äußersten Entscheidung bereit gegenüber aber zugleich auch verschiebt sich der innere Akzent des Dramenbaues: aus der Auseinandersetzung zwischen Vater und Sohn wird eine Auseinandersetzung zwischen dem König und Katte — über die Staatsräson.
zu finden, und wird es dem Darsteller danken, daß
~ *■ *' und
Und damit gerät das Schauspiel ganz in die Nähe und geistige Nachbarschaft jenes großen Schauspiels, dessen Name vorhin schon genannt wurde. In König Friedrich Wilhelm verkörpert sich für Burte die preußische Staatsidee in einem ähnlichen Sinne wie für Kleist in seinem Kurfürsten. Wie die-ser den Sieg nicht will, der ihm „von der Bank fällt", wenn er wider die Order und den Gehorsam erfochten wurde, ... weil er Idee und Bestand seines Staates durch die Willkür eines einzelnen gefährdet sieht, — so besteht der König Friedrich Wilhelm in unbeugsamer Harte auf dem Todesurteil mit der schroffen Begründung, es fei besser, daß einer feiner Offiziere stürbe, als daß die Gerechtigkeit aus der Welt käme.
Dies aber macht Katte nicht nur zum Helden, zum Vorbilde des heroischen Menschen, das unsere Zeit auch auf der Bühne zu erleben wünscht, sondern zu einem wahrhaft dramatischen Charakter: daß er die Flucht seines Freundes deckt, sich für ihn opfert und sich dem maßlosen Zorn des Königs ausliefert, ift heroisch: aber wichtiger erscheint, für das Schauspiel, daß wir Kaltes Entwicklung mit- erleben, der, wie Homburg, sich am Ende nicht gegen den Spruch auflehnt, der ihn ausloscht, daß er vielmehr sein Todesurteil innerlich und freiwillig anerkennt — aus der gleichen preußischen Denkweise, aus der gleichen Staatsräson wie der
Don den übrigen Gestalten des Schauspiels: Frau „ Schubert-Jungling sehr angemessen als die r Königin: Kühne als Kriegsrat von Mylius, ein uerieoenu un kalter und pflichtstrenger Beamter: Geiger — Dw Rüb- als warmherziger und aufrechter Feldprediger: Eli- _ . ' ! S1G J n 1 a rt h o r imh ff t n h I J r <li4
Ausprägung so übermenschliches Maß gewinnt, s König. Das läßt ihn im Angesicht des Todes zu bleibt im «chatten, ist gleichsam unterbelichtet im Küstrin mit großartiger Schlichtheit die Worte Figuren-Ensemble des Schauspiels. Der junge finden: Seine Majestät der König hat recht!^ Wie Friedrich bei Burte ist gar kein ebenbürtiger Ge- ' ' ' ' sich aufreckenden
Die Aufführung unter der Spielleitung von Kurt Lüpke erwies unter anderem, daß das Drama, dessen Grundlinien wir oben nachzuzeichnen versucht haben, auch ein überaus bühnengerechtes Stück ist, das dem Theater gibt, was des Theaters ist. Der Regie gelang es, die Atmosphäre auf den Zuschauer zu übertragen, in der die Fabel sich entwickelt: gerade der kurze musikalische Auftakt des ersten Aktes und die von der heiteren Anmut des Rokoko-Jahrhunderts getragene Stimmung des Sommernachtfestes in Monbijou gaben dem schweren Emst in den übrigen Szenen der Historie die rechte Folie: dies war die Kronprinzen-Welt, die von der strengen, nüchternen, preußischen Welt des Königs freilich bald überschattet wird, welche vor allem in den späteren Akten, in Wusterhausen und Küstrin, drohend und lähmend zugleich die Ereignisse bestimmt. Das große Verdienst der guten und klaren Aufführung bleibt, daß die Spielleitung über der äußeren Wirkung nie den dramatischen Kern der Fabel aus den Augen verlor, das Problem scharf herausarbeitete und den Zuschauer anregte persönlich mitdenkend und miterlebend an
Lander und W Studier at-
eindruck: sie deuteten sowohl den Reichtum und Wöamen. *
Glanz einer sehr verfeinerten Kultur als auch die schmucklose Kargheit des preußischen Stils über
liche Neigung zu dessen Lieblingsschwester Wichel-! gelegt, und es spricht für die schauspielerische mine, der nachmaligen Markgräfin von Bayreuth ftung, daß er nicht nur den strengen, harten, tyran-
e einen jungen Gardeoffizier, der braucht nicht ein«
In diesen Worten offenbart sich der tiefere Sinn maI an ben Homburg ober den Louis Ferdinand des Schauspiels, hebt es sich über eine einfach denken, um eine Rechtfertigung für diese Auf-


