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ltr.78 Zweiter Blatt

Mittwoch, 4.AMM4

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Aus der Provinzialhauptfiadt

In

Sallversmmlmg der oberhessischen Imker

einzureichen.

Heil Hitler!

i n des

der Kreisbauernschaft Gießen, die gestern hier statt­fand, wurde der Beschluß gefaßt, die im vorigen Jahre in Lollar gegründete Bieh-Berwertungs- genossenschaft nach Gießen zu verlegen und gleich­zeitig die Vieh - Verwertungsgenossenschaften in Geilshausen und in Reiskirchen damit zu verschmel­zen. Die zusammengeschlossenen Genossenschaften wetden künftig als Bezirks - Viehverwer-

Der rollende Pfennig ist wichtiger als die Mark im Strumpf.

In ehrenden Worten gedachte der Redner sodann der verstorbenen Mitglieder, zu deren Gedenken sich die Versammlung von den Plätzen erhob. Er erinnerte ferner an die Auszeichnungen (bronzene Wabe des Deutschen Jmkerbundes), die den Mitglie­dern Wenkebach und Run k zuteil geworden seien.

3n den Ortsgruppen sei auch im vergangenen Jahre eine lebhafte Tätigkeit entfaltet worden.

In der kommenden Zeit solle weiterhin großer Wert auf die Vortragstätigkeit gelegt werden, denn es er­weise sich täglich, daß der Imker immer neues zu seinem vorhandenen Wissen hinzulernen könne. Be­sonders sei auf die Kurse, die in Marburg und in Frankfurt abgehalten würden, aufmerksam gemacht. Ferner gab der Redner Kenntnis von der Zusarn- menlegu'ng zweier Ortsgruppen, und^zwar der Orts­gruppe Altenstadt zu Heldenbergen und der Orts­gruppe Lumda und Umgebung zu Grünberg. Der Gau Oberhessen umfasse gegenwärtig 2 4 Ortsgruppen. Am 1. Januar 1933 seien 1517 Mitglieder zu verzeichnen gewesen. Im Laufe des vergangenen Jahres seien 33 ausgetreten, so daß der Mitgliederstand ain Ende des Jahres 1484 be­tragen habe. Der Verlust sei inzwischen bei weitem wieder aufgeholt worden, da

seil dem 1. Januar 1934 dem Gau insgesamt etwa 300 Mitglieder neu beigetreten

seien. In seinen abschließenden Worten ging der Gauobmann noch auf die zu erwartende Umor- ganisation ein, die mit der Einglieds*

Tageskalender für Mittwoch. Stadt­theater: 19.30 bis 22 Uhr,Katte". Lichtspiel­haus, Bahnhofstraße:Skandal in Budapest".

Stadttheater Gießen. Morgen abend Deutsche Bühne, Reche 1, ungerade Mitgliedsnum­mern, und freier Verkauf die Operette:D i e g o l d n e M e i st e r i n" von Ed. Eyßler. (Siehe heutige Anzeige.)

** Oberhessische Po st Personalien. An­genommen wurden: als Postanwärter die Post­schaffner Bayer aus Neu-Isenburg in Büdingen, Diehl aus Offenbach in Groß-Karben, D ö l l aus Offenbach in Homberg, Rausch in Laubach. Uebertragen wurden: die Oberpostmeisterstelle in Alsfeld dem Oberpostinspektor Rehm aus Holz­minden, eine Postsekretärstelle in Gießen dem Post­verwalter Heiß aus Lich, eine Postverwalterstelle in Laubach dem Postsekretär S t e t t e r aus Fried­berg. Versetzt sind: Postamtmann Keller von Darmstadt nach Gießen, die Postmeister H e n n i g e von Laubach nach Eberstadt (Bergstraße), I o st von Hungen nach Nidda, Friedrich Vogt von Hirsch­horn nach Schotten, der Postverwalter Müller von Groß-Karben nach Hirschhorn, die Pastassisten- tin Karoline Arras von Alsfeld nach Mainz, die Postassistentin Enid Hennig von Darmstadt nach Alsfeld, die Telegraphenleitungsaufseher Jung von

tungsgenossenschaft mit dem Sitz Gießen unter der ehrenamtlichen Leitung Kreisbauernführers D ö r r f ch u ck tätig sein.

Bornotizen.

Klaus, Obmann.

Bezirks-Diehverwertungs- genoffenschast in Gießen.

einer Versammlung der Hauptabteilung III

Der Gau Oberhessen im Landesver­band hessischer Imker vereinigte am gestri­gen Dienstag vormittag im Hotel Hindenburg die Kreis- und die Ortsgruppenführer, sowie die Bei­räte zu einer Gauoersammlung. Der Gau­obmann, Lehrer Braun-Rodheim v. d. H., hieß die Teilnehmer willkommen. Nach Feststellung der vertretenen Ortsgruppen verlas der Schriftführer, Herr Bodenbender - Gießen, die Niederschrift der letzten Gauversammlung.

Gauohmann Lehrer Braun

erstattete im Anschluß daran den I a h r e s b e r i ch t für das Geschäftsjahr 19 33, in dem er zunächst daran erinnerte, wie sich der Neubau des Deutschen Reiches vollzogen habe, wie unter der Führung Adolf Hitlers das Volk geeinigt und zusammengeschlossen worden sei zu gemeinsamer Arbeit. Im Rahmen der großen Ereignisse erscheine die Imkerei nur als kleines Teilgebiet, aber der Imker stehe mit in der Front und werde bestrebt sein, seinen Platz in der Volksgemeinschaft auszufüllen und der Volksgemeinschaft jenen Dienst erweisen, den zu leisten er berufen sei. Für die ober­hessischen Imker habe das Jahr 1933 ein besonderes Ereignis gebracht: die große Deutsche Jmker- t a g'u n g' i n Bad-Nauheim, mit der gleich­zeitig eine große Ausstellung verbunden gewesen sei, die für die Veranstalter zu einem starken ideellen Erfola wurde. Allen, die zu dem Gelingen der gro­ßen Veranstaltung beigetragen haben, sei herzlicher Dank gesagt.

Lich nach Gießen und L a u n s p a ch von Alten­stadt nach Nidda, die Postschaffner Klotz von Großen-Linden nach Gießen, Scharmann von Grebenau nach Alsfeld und der Hilfspostschaffner G e r l a ch von Offenbach nach Gießen. In den Ruhestand treten: Oberpostdirektor Körber in Darmstadt (vorher in Gießen), Postdirektor W o l f in Alsfeld, Postinspektor Walker in Friedberg, Telegrapheninspektor Reitz in Gießen, Postmeister Wilhelm Vogt in Schotten, Telegraphenleitungs­aufseher Pfeiffer in Nidda und die Oberpost­schaffner Heinrich Rück und Seipp in Gießen.

** Mieterjubiläum. Der Postschaffner Heinrich Deibel wohnte am 1. April seit 25 Jah­ren im Hause Ebelstraße 4. Das Jubiläum beweist das gute Einvernehmen zwischen Mieter und Ver­mieter.

** Ein Volkstag für Innere Mission soll, wie schon kurz berichtet, am 15. April in ganz Deutschland durchgeführt werden. Dieser Tage ver­sammelte sich unter dem Vorsitz von Pfarrer Lenz (Gießen), der als Vertrauensmann für Innere Mis- fioy dazu beauftragt war, ein Ausschuß zur Vor­bereitung des Volkstages und der Sammlungen für Innere Mission in Gießen. Es waren zu der Sitzung von jeder Kirchengemeinde zwei Vertreter erschienen, außerdem waren zwei Vertreter der NSDAP, gebeten worden. Man war einmütig des Willens, die Sammlung in Gestalt einer Haus- s a m m l u ng in den Tagen vom 14. bis einschl. 20. April und außerdem als Straßensamm- l u n g am 14. und 15. April durchzuführen, wie be­reits vom Zentralausschuß geplant und vom hes­sischen Staatsministerium genehmigt ist. Die Einzel- vorberestung und Durchführung verbleibt den Gie* ßener Einzelgemeinden und ihren Körperschaften.

** Verkehrsunfall. Die zwölfjährige Toch­ter eines hiesigen Bahnassistenten, Martha Engel, stürzte gestern vom Rade und wurde außerdem von einem Kraftwagen angefahren. Das bedauerns­werte Mädchen hat 'Weichteilverletzungen am rechten Bein erlitten und mußte von der Freiwilligen Sanitätskolonne in die Chirurgische Klinik gebracht werden.

** Unfall. Gestern gegen 16 Uhr ereignete sich in der Marktstraße ein Verkehrsunfall, der leicht verhängnisvolle Folgen haben konnte. Der Motor­radfahrer Albert Rinn von Heuchelheim fuhr mit großer Wucht in ein Schaufenster der Firma H ä u- f e r hinein. Glücklicherweise erlitt der Fahrer kei­nerlei wesentliche Verletzung. Lediglich die Schau­fensterscheibe ging in Trümmer.

Gez.: Klös, Kreisführer des WHW. F.d.R.: gez.: Mo Haupt, Kreisgeschäftsführer.

Dekr.: kohlenscheine Serie F (Giehen-Skadt).

Die Kohlenfchoine der Serie F sind von den Kohlenhändlern bis spätestens 5. April an ^e Ge­schäftsstelle der Kreisführung des WHW. Gießen, Amtsgericht, Zimmer 202, einzureichen. Spatere Einreichung der Kohlenscheine nach hier ist zweck­los diese müssen direkt an den Landesverband nach Kassel eingesandt werden. Kohlenscheine der Serien A bis E können letztmalig bis zum 10. April an den Landesverband Kassel eingereicht werden.

Gez.: Klös, Kreisführer des WHW. F.d.R.: gez.: Mo Haupt, Kreisgeschäftsführer.

Kreisamtsleiiung des Amtes für Aolkswohlfahri Gießen.

Vetr.: Termineinhaltung.

An die Ortsgruppenamtsleiter des Kreises Gießen.

Ich mache darauf aufmerksam, daß die gestellten Termine pünktlich cingehalten werden müssen. Orts­gruppenamtsleiter, die dies in Zukunft nicht be­achten, werden der Gauamtsleitung gemeldet.

Gez.: Klös, Kreisführer des WHW. F.d.R.: gez.: Mo Haupt, Kreisgeschäftsführer. Bund Nat.-Soz. Deutscher Juristen.

Gruppe Referendare und Assessoren.

Am Freitag, 6. April, findet um 14.30 Uhr im Restaurant Andres, Sonncnstraße, eine Versamm-

besonders Wunderbares ist an ihm nicht zu ent­decken. Er ist und bleibt ja ein wunderschöner Waldbaum mit seinem immergrünen Nadelkleide und mit seinem kerzengerade aufstrebenden Stamm, aber sonst! Oder sollte vielleicht in dem Stamm, in dem unscheinbaren Holz ein Wunder verborgen liegen! Da sind wir auf der rechten Fährte. Fichten­holz ist eine begehrte Ware geworden, denn es ist der Ausgangspunkt, der Rohstoff einer ganzen Reihe von Erzeugnissen, die nicht mehr fortzudenken find aus dem Leben des Kulturmenschen von heute. Das Fichtenholz ist in vielerlei Gestalt der vertraute Freund der Menschen geworden, mit dem er tagtäg­lich engen Umgang pflegt. Die Taten unserer na­tionalsozialistischen Regierung und ihren Widerhall in der Welt, Nachrichten aus nah und fern, An­zeigen und Angebote, und wer weiß, was nicht sonst noch alles übermittelt uns Fichtenholz in Ge­stalt von Zeitungen und Zeitschriften. Nun Papier ist meist eine prosaische Sache, selbst wenn es mit Poesie zu tun hat, denn auch bann wird es oft nur als Schutzhülle für andere Gegenstände ver­wendet. Da gibt es aber noch eine schönere Schutz­hülle, blank, durchsichtig wie Glas, hauchdünn und doch äußerst haltbar, das Cellophan. Jeder kennt es. Es schützt Gegenstände aller Art vor Berührung, vor Staub und fremden Gerüchen und stellt sie in ihrer ganzen Appetitlichkeit zur Schau. Auch diese vorbildliche Schutzhülle ist Fichtenholz gewesen.

Und da wir schon von Schutzhüllen sprechen, auch die menschlichen Schutzhüllen, viele Kleider­stoffe für die Frauen, die hauchdünnen Strümpfe, die Unterkleidung auch die Herrenmode ist hier beteiligt und sonst noch allerlei, haben in ganz großem Umfange von der gemeinen Fichte oder Rottanne ihren Ursprung, denn die Kunstseide ist ein Erzeugnis aus Fichtenholz. Und bann bie all­bekannten schönen Küchen- unb Schlafzimmermöbel, bie mannigfachen Gebrauchmöbel, bie man aus beutfchem Fichtenholz herftellt! Nichts ist so geeig­net, bie Wohnung ber beutschen Familie gemütlich unb schön zu gestalten, wie bie Möbel aus beutschem Holz, aus bem Holz ber Fichte, wie bes Ahorns, der Eiche, der Rüster, ber Kiefer unb bes Kirsch- unb Nuß­baumes bie in ihrer gelegenen Formgebung unb Verarbeitung ben Vorzug vor allen auslänbischen Holz­arten oerbienen, mögen letztere noch so hochpoliert unb oerbtüffenb zurecht gemacht sein.

Wenn wir uns nach bes Tages Last unb Muhe im eigenen Heim ausruhen, so können wir beutlich merken, wie ber beutsche Walb in vielerlei Gestalt zu uns spricht, unb wir sehen seine Erzeunisse, bie uns das Leben verschönern, mit anberen Augen an.

NS.-Hago., Ortsgruppe Gießen.

Donnerstag, 5. April, 20.15 Uhr, öffentliche Mit- glieber-Versammlung im Cafe Leib, Walltor­straße. Erscheinen sämtlicher Mitglieber ist Pflicht.

Gez.: S o l b a n , Ortsgruppenamtsleiter.

3u spät? Nein!

Handwerker, Kaufleute und Gewerbetreibende, hinein in-die Reichsbetriebsgruppen des Handels, Handwerks und Gewerbes. Anmelbungen nehmen die Ortsgruppen der NS.-Hago entgegen.

gez.: Stühler.

gez.: Schimmel, Kreisamtsleiter der NS.-Hago. Winterhilfswerk

des deutschen Volkes 1933/34. Kreisführung Gießen.

Vetr.: Rechnungen.

Sämtliche Rechnungen, welche das Winterhilfs­werk betreffen, find bis 5. April bei der Kreisfuh- rung des WHW. Gießen, Amtsgericht, Zimmer 202,

Diskretion.

Es ist ein großer Irrtum, den AusdruckDis­kretion" in feiner Bedeutung durch das deutsche WortVerschwiegenheit" übersetzen zu können. Auch nicht annähernd wird fein Begriff dadurch gedeckt.

Diskretion bedeutet und bezeichnet nicht bloß das Schweigen, das mir gelobt haben unb bas bie Pflicht uns gebietet, es brückt vielmehr jene frei­willige, durch Klugheit, Zartgefühl unb Herzens­gute vorgefchriebene Zurückhaltung aus, welche in allen Formen bes gesellschaftlichen Verkehrs bas einzig zuverlässige eines erzogenen Menschen ist.

Diskretion ist jene Feinsühlichkeit, bie uns schützenb bavor bewahrt, in ber Unterhaltung Ge­sprächsstoffe zu wählen, welche einen anberen schmerzlich ober verletzenb berühren können, bie uns oermeiben läßt, auch für allgemeine Wahrheiten eine schroffe Form zu wählen.

Es geschieht nicht selten, baß am Kaffeetisch ber Stab gebrochen wirb über einen pflichtvergessenen Ehemann unb Vater, baß ein verlorener Sohn lieblos oerbammt wirb, unb man merkt erst an dem peinlichen Ausdruck des Gesichtes ber Haus-

Der Wunderbaum im deutschen Wald.

Von Konrad von Jattenhausen.

, Es wirb Frühling. Der Kalenber hat seinen An­fang verkünbet, unb scheint recht zu behalten. Es ist

; gegenwärtig nicht so wie in ben letzten Jahren, , wo ber Winter sich noch im Osterrnonb (April) aus- : toben wollte, unb sogar noch seinen bichten, weißen : Mantel ganz unzeitgemäß über bie Erbe ausbrei- , tete. Linbe Lüfte wehen in biefem Frühling. Die . Amsel flötet schon ihr Lieb. Die ersten Blumen blü­hen. An allen Sträuchern schwellen bie Knospen.

Heber bem Walb liegt bas ewige Wunber von : Werben unb Vergehen. Unb wer unseren Walb 1 recht kennt, wirb in ihm ber Wunber viele erleben. . Nicht allein bie Wunber ber ewigen Gesetze, son- bem noch so allerlei wirtschaftliche Wunber.

Es wächst in bem beutschen Walb ber Wunber- . bäumBäumchen, rüttle bich, schüttle dich, wirf . viele Sachen über mich", von dem das Märchen berichtet. Dieser Wunderbaum ist bie gemeine Fichte ober Rottanne. Nicht wahr, man sieht es ihr gar nicht an, baß sie ein Wunberbaum ist!? Man mag sich ben schönsten Fichtenbaum im ganzen Walbe ! aussuchen, man mag noch so oft um ihn herum- 8 i gehen unb ihn eingehenb betrachten, irgenbetwas

frau, baß eine verratene Frau, eine arme, gebeugte Mutter neben uns fitzt, beren Herz unter unseren Herzen blutet. Bei anderer Gelegenheit spricht einer in wegwerfendem Tone von Komödianten, von Schulmeistern, vom Krämergeiste des Kauf­mannsstandes, vom Standesdünkel der Beamten u. dgl. Das geschieht oft nur aus Gewohnheit und Gedankenlosigkeit, verletzt aber vielleicht eine all­gemein beliebte und geschätzte Person, nur weil man sich ihrer Anwesenheit im Augenblick nicht er­innerte. Vergebens bemüht man sich dann, den Mißklang durch Entschuldigungen zu beseitigen; ist aber die Harmonie einmal gestört, so weicht die Verstimmung nicht so leicht.

Die Diskretion verbietet uns, auf vertrauliche Bekenntnisse zurückzukommen, zu denen sich Freunde in der Erregung des Augenblicks, im Drange sich mitzuteilen, hinreißen ließen. Heftige und miß­trauische Naturen äußern sich oft in momentaner Verstimmung anklagend auch über Angehörige, denen sie in inniger Liebe zugetan sind, um es, wenn ihre Aufwallung vorüber ist, bitter zu be­reuen. Besonders was ein Gatte über den anderen dem Freunde klagt, sollte von dem Vertrauten nie mehr berührt werden, da es entweder die Verstim­mung verschärft ober den Freund in die Verlegen­heit eines Selbftvorwurfs bringt.

Die Diskretion verbietet uns auch, Urteile an­derer Leute über uns nahestehende Personen diesen mitzuteilen, selbst wenn wir uns in freundschaft­licher Entrüstung dazu gedrängt fühlen. Ist es doch hauptsächlich die Jugend, die ihre Freundschaft am besten zu betätigen glaubt, wenn sie uns ihre feu­rige leidenschaftliche Parteinahme gegen Angriffe auf uns wissen läßt und dann Kleinigkeiten halber unter Bekannten Mißstimmung unb Entfrembung schafft, bie vielleicht in Jahren nicht wieder beseitigt werden können. Ist sie aber beseitigt, hat man sich über den Grund ber Verstimmung ausgesprochen unb versöhnt, dann ist tausend gegen eins zu wetten, daß sich die Getrennten einmütig gegen denjenigen wenden, der durch seine Indiskretion den Unfrieden gestiftet hat. Wer durch Erfahrung klug wurde, weiß, welch undankbares Unternehmen Freund­schaftsdienste dieser Art sind.

Ein wirklich diskreter Mensch wird sich jedem gewöhnlichen Klatsch gegenüber immer ablehnend verhalten und dessen Weiterverbreitung zu verhin­dern suchen. Ist dieser Klatsch doch, je plumper ober pikanter er ist, um so schwerer aus ber Welt zu schaffen, und gerade die unglaublichsten Dinge wer­den mit Vorliebe weitererzählt. Nichts aber ist ver­ächtlicher als jene Frivolität, welche, um einem Sensationsbedürfnis zu genügen, schuldlose Men­schen an Ehre unb Ruf unheilbar schäbigt burch lieblose, verbächtigende Nachreben, bie an bem Be­troffenen für alle Zeiten haften bleiben und immer wieder auftauchen, so ost sich bie Aufmerksamkeit ber Welt roieber auf den Geschädigten lenkt. Oft ist es auch nur ein sogenannter schlechter Witz, vielleicht von einem guten Freunde aufgebracht, der den Menschen für alle Zeit mit dem Fluch der Lächer­lichkeit behaftet.

Eine der plumpesten, häufigsten unb gefährlichsten Jnbiskretionen ist bie sorglose Gewohnheit ber Na­mensnennung, welche manche Leute für nützlich unb erforberlich halten, um bie Wahrheit ihrer Angaben zu bekräftigen. Es gibt Menschen, bie keine Ge­schichte erzählen können, ohne ihre Duellen unb bie ba'bei beteiligten Personen namhaft zu machen, ohne zu bedenken, wie leicht sie Bekannte damit kompromittieren und ihnen Unannehmlichkeiten be­reiten können. Viele huldigen dieser Unsitte oft nur aus Prahlerei, um das Vergnügen zu haben, die Namen einiger Renommierbekanntschaften in den Mund zu nehmen, bereiten damit aber diesen Gön­nern und Freunden, die ganz unschuldig auf diese Weise mit Klatschgeschichten in Verbindung kommen, oft große Unannehmlichkeiten.

In jedes Menschen Leben und Verhältnissen gibt es wohl einen Punkt, dessen Berührung schmerzt. Wo ist die Vergangenheit, welche frei wäre von Leid unb Schmerz unb Kränkung, ob selbst ober durch andere verschuldet, die man nicht zu vergessen wünscht? Nur taktlose Neugier wird sich für berech­tigt halten, nach diesen dunklen Punkten zu for­schen, von denen der Klatsch erzählt. Ein diskreter Freund wird immer warten, bis sich ihm das Herz des anderen von selbst erschließt, auch wenn er den größten Anspruch auf Vertrauen hat

Lebhafte, offene Naturen kommen ost m Ge­fahr, indiskret zu werden, weniger aus Mangel an Zartgefühl, als aus Unbedachtsamkeit. Diskretion zu üben, lehrt uns nicht nur das erzogene, ge­bildete Herz, welches es nicht vermag, anderen wehe zu tun, sie wird uns auch geboten durch die Welt­klugheit unb allerlei unliebsame Erfahrungen im Leben.

Daten für Mittwoch, 4.April.

1933: der Führer Adolf Hitler übernimmt die Schirmherrschaft über das durch R. Walther Darre geeinte deutsche Bauerntum.

lung der. Gruppe Referendare und Assessoren im BNSDJ.", Ortsgruppe Gießen, mit sehr wichtiger Tagesordnung statt. Ich verpflichte alle in Gießen beschäftigten Kameraden zum Erscheinen, die sonsti­gen Kameraden des Bezirks Oberhessen, auch so­weit sie nicht zur Ortsgruppe Gießen gehören, bitte ich, soweit irgend möglich, zu kommen.

Wenn ick derWoche des Berufes" vom 9. bis 15. April über eine Million junger deut­scher Soldaten der Arbeit sich durch die Beteiligung am Reichsberufswettkampf in allen Berufen zur Leistung bekennt, so hat auch unser heimatlicher Kreis Gießen regen Anteil daran.

Die Hitler-Jugend und die Deutsche Arbeits­front haben in vieler, mühevoller Arbeit, die durch die Vielseitigkeit der Wettkämpfe be­dingt ist, dieWoche des Berufes" aufs beste vorbereitet.

Ein großer Stab von Wettkampfleitern und Fach­männern mußte herangezogen werden, um den Wettkampf reibungslos und in gerechter, fachlicher Beurteilung ber Leistungen vonstatten gehen zu lassen. Eine Menge Wettkampflokale, Schulfäle, Fabrikräume unb Werkstätten finb nötig, um bie große Zahl ber Wettkämpfer prüfen zu können.

Als politische Schirmherrschaft über bem Reichs­berufswettkampf würbe ein Ehrenausschuß gebilbet, ber sich aus ben Spitzen ber Behörben, Führern ber Parteiorganisationen, Schulleitern unb Führern ber heimischen Wirtschaft zusammensetzt.

Vom Wettkampfort Gießen können wir bis heute bie Anmelbungen folgenber Berufsgruppen melben:

Gruppe 1, Graphisches Gewerbe: 48 Setzer, Drucker, Buchbinber unb Graveure, da­von 4 weibliche Anmeldungen.

Gruppe 2, Oeffentliche Betriebe: 33 Frifeure, 8 Friseusen.

Gruppe 5, Tabak: 1302 männliche unb weibliche Tabakarbeiter der Zigarreninduftrie.

Gruppe 6, Textil unb Bekleibung: 155 männliche unb weibliche Teilnehmer.

Gruppe 7, Baugewerbe: 99 männliche Teilnehmer.

Gruppe 8, Eisen und Metall: Gießen: 106 Anmeldungen, Lollar: 34 Anmeldungen.

Gruppe 9, Chemie, Papier, allgem. Fabrikation: 17 Jungarbeiter auf Tonwerken, 18 Jungarbeiter der Fachschafft Stein unb Erbe.

Gruppe 12, Heimarbeit unb Haus- g e l) i l f e n : 117 weibliche Anmelbungen.

.; in Gießen.

Gruppe 13: Forst- unb Landwirt* schäft: 30 Anmeldungen.

Gruppe 14: Deutsche Ange st eilten* s ch af t: 71 männliche Angestellte, 22 männliche Be­hördenangestellte, 188 weibliche Angestellte.

Wenn man die Zahlen der noch fehlenden Grup­pen Holz und Gruppe Nahrungsmittel berücksich­tigt, so kann man mit Recht sagen, daß eine breite Front jugendlicher Berufs­tätiger erfaßt worden ist.

Ulan rechnet im Wettkampfabschnitt Gießen mit der ansprechenden Zahl von 2500 Teil­nehmern am Reichsberufswettkampf.

Die Gruppe Tabak marschiert, entsprechend der in unserer engeren Heimat so stark ausgeprägten- Zigarrenindustrie, mit 1302 Teilnehmern an der Spitze ber Berufsgruppen.

Als Auftakt zurWoche bes Berufes" findet am Sonntag, 8. April, 16 Uhr, in der Volks­halle eine

Großkundgebung

statt, an welcher Pg. Beigeovdneter Bartholo­mäus und Oberbannführer Walter Blumen- r öb er, Friedberg, sprechen werden.

Vor ber Kundgebung wird ein Werbemarsch durch die Straßen Gießens veranstaltet. An diesem Marsch werden sich Hitler-Jugend unb B D M. unb die einzelnen Berufsgruppen mit ihren Teilnehmern am Berufswettkampf beteiligen.

Vereinsführer! Führer der Betriebe!

Wir fordern euch auf, daß sich eure Vereine und Betriebsgefolgschaften geschlossen an der Kundgebung zur Eröffnung derWoche des Berufes" am 8. April, 16 Uhr, in der Volkshalle, beteiligen. Ver­geßt nicht, daß es eure Pflicht ist, für den jungen Nachwuchs eurer Berufe die Augen offen zu halten unb dafür zu sorgen, daß Deutschland auch in Zu­kunft in feiner Qualitätsarbeit führend bleibt, da­mit es später wirklich nur noch Könner tmb nicht bloß Besserwisser gibt. Darum ist jeder pflichtbewußte Deutsche bei dieser Kundgebung an­wesend!

Der Sozialamtsleiter der HI. Bann 116. gez. Heinz Becker.