Hebet 2 Millionen Mark geerbt
ägyptische Fischereiforschungsanstalt hat e i n e n seine Abwechslung bot in dem ewigen Schlangestehen Sachverständigen zur Untersuchung des seit-! vor den Stempelstellen und Wohlfahrtsämtern. Und samen Fundes ernannt. Er hat vorgeschlagen, daß die dann oft enttäuscht zurückkehrten in die Heimat, der Kadaver zunächst vollständig mit Sand bedeckt werden soll, um seine Zersetzung zu verhindern. Es ist beabsichtigt, ihn dann nach dem zoologischen Garten von Kairo zu befördern.
denn Arbeit konnten sie auch in Italien, das selber eine Million Arbeitslose hat, nicht finden, aber viel-
Dlutiger Dorfkrieg in Mexiko.
Zwischen den Ortschaften Guadalupe, Dista Hermosa und Monteleon im Staate Oaxaca bestanden schon seit längerer Zeit Grenz st reitigkeiten, bie jetzt zu einer blutigen Entladung geführt haben. £4e Einwohner von Monteleon verübten einen Ueberfall auf die Ortschaft Guadalupe, plünderten das Dorf vollständig aus, raubten eine grofee Anzahl von Einwohnern als Geiseln und erschlugen 20 Dorf bewohne r. Guadalupe ist nur noch ein Schutthaufen. Die Regierung hat Truppen aufgeboten, die die in das Gebirge geflüchteten gewalttätigen Einwohner von Monteleon verfolgen.
Auch Aegypten will ein Seeungeheuer haben.
(fine Neuausgabe des berüchtigten Lochneß-See- ungeheuers ist von dem ägyptischen Fischer Rou- mani in der Nähe von Port Said entdeckt worden. Es handele sich um den Riesenkadaver eines u n b e k a n n t e n T i e r e s, das anscheinend an die Küste geschwemmt wurde und bereits zum Teil vom Sand zugedeckt worden ist. Das Gewicht soll 15 Tonnen betragen, die Gesamtlänge 15 Meter, der Umfang 3 Meter und die Schwanzlänge 3,3 Meter. Die Kiemen waren von dem Kadaver abgetrennt und sollen etwa 2,75 Meter lang sein. Fünfzig Fischer haben vergeblich versucht, den Riesenleichnam von der Stelle zu bewegen. Die
LPD. Bad Ems, 3. April. Die Osterveranstal- tung des Landesverbandes Mittelrhein im Deutschen Schachbund brachte dem Leiter der Schachecke des Gießener Anzeigers, Otto Benkner, die Meisterschaft des Landesverbands. Nachdem B e n k- n e r in der 4. Runde ein Sieg über Schomerus geglückt war, führte er allein mit drei Siegen. Schomerus konnte sich infolge Zeitnot nicht zu einer schwierigen, aber für ihn günstigen Variante entschließen, kam in Nachteil und verlor infolge eines weiteren Fehlers schnell. B l e u t g e n kam gegen Walter zu einem günstigen Endspiel, das er trotz ungleicher Läufer gewinnen konnte. Schurig kam durch einen Sieg gegen Müller ebenfalls in die Vordergruppe. Dr. T h o m a e stand gegen Dr. Grimm besser, konnte aber einen Gewinn nicht erzielen. In der 5. Runde standen Benkner — Bleutgen im Mittelpunkt des Interesses. Nach langwierigem Stellungskrieg ging Benkner zum Mattangriff über, was ihm zu entscheidendem Figurengewinn verhalf. Die 6. Runde brachte Schurig einen Erfolg gegen Bleutgen,
In dem Dorfe Neuglietzen im Oderbruch erhielten dieser Tage neun Einwohner durch die holländische Gesandtschaft die Nachricht, daß sie eine Riesenerbschaft gemacht haben. Im Jahre 1888 war ein Mitglied der Familie Klemer nach H o l l ä n d i s ch - I n d i e n ausgewandert und dort zu großem Reichtum gelangt. Nach seinem Tode erben nun diese neun Erbberechtigten! je etwa 250 000 RM.
Der Vulkan auf Island weiter in Tätigkeit.
Der Vulkanausbruch auf Island hält mit unverminderter Heftigkeit an. Die Aschensäule erreichte am Dienstag eine bisher noch nicht beobachtete Höhe, und der Aschenregen ist an den beiden letzten Tagen auch über dem ganzen Ostland und dem östlichen Teil des Nordlandes niedergegangen. Die Vulkanexplosionen sind im größten Teil Islands zu hören. Es wurde festgestellt, daß der Ort der Vulkantätigkeit in der Mitte , des Vatnajoekus nördlich des Skeidar-Flusses liegt.
Dr. Grimm einen Sieg gegen Walter. Benkner konnte einen weiteren Erfolg erzielen, da Dr. T h o m a e im Verlauf der Partie nachließ und auch in Zeitnot kam. In der Schlußrunde kam es noch einmal zu harten Kämpfen.
Schluß st and: 1. Klasse: 1. Benkner- Frankfurt a. M. 5 Punkte, 2. Dr. Grimm- Höchst 4V2, 3. Schurig- Wiesbaden 4, ferner Schomerus 3Vs, Dr. T h o m a e und Bleut- gen je 3, Walter und Müller je 2Vr Punkte.
2. Klasse: Hier war Roß-Frankfurt a. M. den übrigen stark überlegen. Ohne Verlust erreichte er durch umsichtiges Spiel aus sieben Partien 6 Punkte. Zweiter wurde Krebs- Bad-Nauheim, 3.—5. Frühauf, Bernhardt und David (punktgleich).
3. Klasse: Hier teilen sich den Sieg B u tz - Frankfurt und Leber- Wiesbaden mit je 5V2 Punkten.
4. Klasse A: 1.—3. Hergenhahn, Wagner und Li er sch (punktgleich). B: Ueberlegener Sieger ohne Verlust B o r e n s k i - Koblenz.
leicht doch mit einem großen Gefüllt im Herzen, was es heißt, eine Heimat zu haben, Deutscher zu sein.
Trotz der Verminderung dieser „Tramps" ist aber das deutsche Element nach wie vor sehr stark vertreten. Auch mit geringen Mitteln haben viele ihren langgehegten Plan verwirklicht, einmal Ostern in Rom zu verbringen. Im St. Petersdom, in der Villa Borghese und überhaupt in den Museen, die ja bekanntlich von Fremden immer mehr als von Einheimischen besucht werden und besonders auch abends im Zentrum der Stadt sieht man außer modernen, eleganten Römerinnen, die bedeutend hübscher sein sollen, als ihre antiken Schwestern, viel Deutsche und hört die vielen Dialekte der deutschen Volksgenossen aus den verschiedensten Ländern.
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Die Wahlen zum Parlament, das die einzige Aufgabe haben wird, seine Abschaffung zu beschließen, haben wieder einmal bewiesen, wie fest das faschistische Regime steht. Bei 96prozentiger Wahlbeteiligung haben über 99 Prozent für Die Regierung, das heißt für Mussolini g e - ft i m m t, was man wohl auch nicht anders erwartet hatte. Die Wahlpropagcmda verzichtete auf langatmige Aufrufe und beschränkte sich hauptsächlich auf den markanten Kopf des Duce und einige lapidare Sätze, die man in diesen Tagen an jeder Wand in ganz Italien finden konnte. Das Ergebnis dieser Wahl war zugleich eine Demonstration an das Ausland, und als am Abend des Wahltages .die Faschisten — insbesondere die Jugend — singend und „Duce" rufend durch die Straßen zogen und demonstrierten, mag mancher Ausländer die Disziplin und Begeisterung bewundert haben, wie man sie nur noch in Deutschland kennt. Das Vertrauen dieses Mannes in die Zukunft feines Volkes, das erst kürzlich deutlich zum Ausdruck kam, als er anläßlich 'des auch in Deutschland gehörten fünften Jahresberichtes von einem Plan bis zum Jahre 2000 sprach, diese selbstsichere Haltung überträgt sich auf die breiten Massen des Volkes und ist eine unheimliche Kraft.
Inzwischen trifft man schon jetzt alle Vorbereitungen für die 2 0 0 0 3 a f) r feier des August us, die im Jahre 1938 hier in ganz großem Stile aufgezogen werden soll. Wirklichkeitsnahe Geschichte! Än der Büste von Julius Cäsar legte das faschistische Syndikat der Journalisten einen Lorbeerkranz nieder, um so den „ersten römischen Journalisten" zu ehren. Seine großartige Kriegsberichterstattung, „Der Gallische Krieg", ist vielen von der Schulbank her noch in mehr oder weniger angenehmer Erinnerung.
So erwächst hier täglich aufs neue das Gefühl für das große Geschehen der Geschichte, die Bewunderung für die Vergangenheit fordert, und gleichzeitig eine Mahnung an die Zukunft richtet.
Römische Ostern.
Das Oster-Schachliirnier in Vad Ems.
Otto Benkner gewinnt die Meisterschaft des Landesverbandes Mittelrhein.
Pilger ans aller Welt strömen in die „Ewige Stadt". — Zeugen großer Vergangenheit als Ansporn für die Gestaltung der Zukunst.
Don Ludwig Fritz, Dipl. rer. pol.
Rom, Osterwoche 1934.
Die „ewige Stadt" bietet in diesen Tagen einen besonderen Anblick. Die sehnsüchtig erwartete und geschickt vorbereitete „Invasion der Frem- d e n" hat begonnen und scheint — trotz der Wirtschaftskrise — kein Ende zu nehmen. Ein Beweis, was zugkräftige Propaganda auch in diesen Zeiten vermag. Die UeberfüUung der Stadt in diesen Tagen ist kaum vorstellbar. Hotels find schon feit Wochen im voraus belegt, und auch der Baderaum und die Matratze im Auszug find bald vergriffen. Im römischen Hafen Civitavecchia schlafen Ueberseepilger auf den Schiffen, weil die Stadt nicht alle aufnehmen kann.
Denn alle kommen nach Rom in diesen Tagen und Wochen. Staatsmänner, die das „Phänomen des Faschismus" studieren und sich zu neuen Kombinationen zusammenfinden wollen, werden in dem modernen „Mekka der Diplomaten" liebevoll und mit ausgesuchter Höflichkeit behandelt: fromme Pilger aus allen Erdteilen, die an diesen hohen Feiertagen innere Erbauung und den Segen ihres höchsten Geistlichen suchen: weltmännische Snobs, die es „chic“ finden, Ostern in Rom zu verbringen, anstatt in langweiligen Rivierahotels — und allen bietet Rom Raum und Erfüllung.
Diese Stadt der wunderbaren Gegensätze weiß die glänzenden Zeugen ihrer großen Vergangenheit in bestem Lichte zu zeigen, aber macht gleichzeitig alle Anstrengungen, eine Weltstadt mit den modernsten Neuerungen zu sein. Unter riesigem Kostenaufwand wurden ganze Häuserblocks niedsr- gelegt, um Durchblicke zu schaffen und breite Straßen anzulegen, auf denen sich ein wirklich rasender Verkehr abspielt. Der Reiz der Vergangenheit vereint sich mit der Ahnung einer großen Zukunft, die jedem Italiener täglich rugeimpft wird.
Die Invasion der deutschen Globetrotter hat in diesem Frühjahr ein wenig nachgelassen. Diese „Tramps", die in den vergangenen Jahren zu Tausenden die italienischen Landstraßen bevölkerten, unterstützt und genährt oft nur von der Wohltätigkeit ihrer deutschen Landsleute und der Italiener, die so etwas gar nicht verstehen konnten, sind zum Glück etwas vermindert. Zweifellos auch ein Erfolg der neuen straffen Ordnung in Deutschland, dank Arbeitsdienst, SA. und verminderter Arbeitslosigkeit. Die ewige Wanderlust des Deutschen, die lastende Untätigkeit und das tägliche Bewußtwerden der verzweifelten Lage, waren nicht selten die Motive — wie wir wiederholt hören konnten — die diese Menschen hinaustrieben in die unbekannte Fremde, die mit ihren tausend Gefahren lockte und
Wettervoraussage.
Die aus dem nordöstlichen Hoch ausfließende kontinentale Luft überflutet weiterhin ganz Deutschland und läßt das konstante Wetter fortbestehen, wohl sind über Nordskandinavien, wie auch über Frankreich Störungen erkennbar, deren Ausläufer vorübergehend zu etwas Bewölkung führen dürften. Anderseits schiebt sich wieder ein kräftiges Hoch von Island her östlich vor und wird später die Wetterlage erneut festigen.
Aussichten für Donnerstag: Vorübergehend wolkig, im wesentlichen aber aufheiternd, weiterhin stärkere Temperaturgegensätze zwischen Tag und Nacht, trocken.
Aussichten für Freitag: Noch Fortdauer der Hochdruckwetterlage.
Lufttemperaturen am 3. April: mittags 18 Grad Celsius, abends 5 Grad; am 4. April: morgens 2 Grad. Maximum 19 Grad, Minimum —0,2 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 3. April: abends 8,6 Grad: am 4. April: morgens 4,2 Grad Celsius. — Sonnenscheindauer 11 Stunden.
Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich Wilhelm Lange, für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot, für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck, verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. DA. II. 34: 11 600. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange, K. K., sämtlich in Gießen.
n I ch t e t wurden. Ein Uebergretfen des Brandes auf deutsches Gebiet konnte abgewendet werden. Man vermutet, daß Brandstiftung vorliegt.
Aulo prallt gegen eine Straßenbahn.
In Hamborn kam es auf der Kaiser-Friedrich- Straße zu einem folgenschweren Verkehrsunglück. Ein mit mehreren Personen besetzter Kraftwagen geriet bei dem Versuch, einem Radfahrer auszuwei- chen, ins Schleudern und wurde mit großer Wucht gegen eine Straßenbahn geschleudert. Die linke Seite des Kraftwagens wurde vollständig abgerissen und ein Insasse auf der Stelle getötet. Eine weitere Person trug lebensgefährliche Verletzungen davon, während der Fahrer nur leicht verletzt wurde. Von den Fahrgästen der Straßenbahn wurde niemand verletzt.
Lin Spaziergänger vom Motorrad überfahren und getötet.
Ein folgenschweres Motorraüunglück ereignete sich am 2: Dfterfeiertag bei Etzweiler (Rheinprovinz). In einer Kurve wurde ein Spaziergänger oon einem Motorrad, das die Kurve nicht mehr nehmen konnte und zu weit nach links geriet, überfahren undaufder Stelle getötet. Der Fahrer und fein Mitfahrer wurden auf die Straße geschleudert. Fast im gleichen Augenblick nahte ein zweites Motorrad, das auf das am Boden liegende erste Motorrad fuhr und ebenfalls um stürzte. Von den vier Motorradfahrern trugen zwei sehr schwere Verletzungen davon. Die beiden übrigen wurden leichter verletzt.
Bei der Spielerei mit Knallerbsen ums Leben gekommen.
In Nürnberg wollte der 14 Jahre alte Schüler Heinz Brosche Knallerbsen Herstellen. Offenbar hat der Junge mit einem Hammer auf die unbekannten Stoffe, die er zum Experimentieren benutzte, draufgeschlagen. Es erfolgte eine E x - plofion, durch die der Junge am ganzen Körper fürchterlich zugerichtet wurde. Noch am gleichen Abend ist der Schüler seinen Verletzungen erlegen. Ein gleichzeitig entstandener Zimmerbrand konnte noch vor dem Eintreffen der Feuerwehr gelöscht werden.
Großfeuer in einem amerikanischen Kohlenbergwerk.
In Switz City (Indiana) brach in dem Kohlenbergwerk der Gesellschaft Sinclair ein Großfeuer aus. Fünf Bergleute wurden dadurch von der Außenwelt abgefchnitten. Man befürchtet, daß sie e r ft i cf t sind. Der Mangel an Wasser und Lösch-Chemikalien beeinträchtigt die Rettungsarbeiten. Die Rettungsmannschaften der umliegenden Bergwerke wurden zur Unterstützung aufgeboten.
Großfeuer durch Blitzschlag.
Die kleine Ortschaft Gommersdorf bei Moosbach (Baden) wurde von einem verheerenden Großfeuer heimgesucht. Bei einem schweren Gewitter schlug der Blitz in zwei z u f a m m e n g e b a u t e Scheunen ein. Sie wurden ein Raub der Flammen. Das Feuer griff, begünstigt durch einen starken Wind, sofort auf die nächsten Anwesen über. Trotz energischer Brandbekämpfung fielen a ch t weitere Scheunen sowie ein Wohnhaus den Flammen zum Opfer. Außer großen Heu- und Strohvorräten wurden auch die landwirtschaftlichen Maschinen und Geräte zum größten Teil vernichtet. Das lebende Inventar konnte bis auf einiges Kleinvieh gerettet werden. Der Schaden ist nur zum Teil durch Versicherung gedeckt.
Blitzschlag in einen Pilgerzug.
In der Nähe von Salerno (Unteritalien) schlug der Blitz in einen Pilgerzug. Zwei Personen waren sofort tot, 20 wurden verletzt. Es handelt sich um Landleute aus der dortigen Gegend. — Bei Aversa, unweit Neapel, stieß ein mit spanischen Pilgern besetzter Kraftomnibus mit einem Kraftwagen zusammen. Der Führer des Wagens und zehn Pilger wurden verletzt.
Riesenbrand in Unter-Aegypten.
Bei einem Schadenfeuer in Kafr Helal in Unter- Aegypten, das über 400Wohnhäuferzer- störte, sind drei Frauen, zwei Männer und ein Kind verbrannt.
Sturmflut in Neukaledonien.
Die französische Südseebesitzung Neukaledonien wurde Ende März von einer Sturmflut heimgesucht, die allenthalben große Verheerungen anrichtete. Viele Verwaltungsgebäude und Wohnhäuser wurden beschädigt. Eine Brücke stürzte unter dem Anprall der Wogen ein. 14 Fischerboote gingen unter. Die Zahl der Todesopfer beträgt nach den vorläufigen Meldungen 18.______________________
Oie Balken biegen sich!
Von Georg Miihlen-Schulte.
Timm, der Bootsmannsmaat, hat zwei dolle Fehler: er lügt, und er photographiert.
Was das Lügen betrifft, da kann man nur sagen: Junge, Junge! Timm weiß ein Garn zu drehen, das zehnmal ungeheuerlicher ist als die längste Seeschlange. Alte, erfahrene Möven fallen tot aus der Luft, sobald Timm zu erzählen anfängt. Und wenn der Klabautermann, der doch ganz gewiß einen Stiebet verträgt, Timms Schiff Heimsucht, dann stopft er sich vorher allemal beide Ohren voll Watte.
Das mit dem Photographieren liegt beinahe noch ärger. Vor achtundzwanzig Jahren hatte die holde Seaelmacherstochter Lina Dösch dem Jungmatrosen eine Kamera geschenkt. Mit dieser Kiste gondelte Timm in die Welt hinaus. Niemals trennte er sich von ihr. Die Techniker der photographischen Kunst haben inzwischen allerhand Neues dazuerfunden, und wir kaufen heute für wenige Mark einen Apparat, mit dem wir die Sommersprossen im Gesicht des Mannes im Mond aufnehmen können. Das ist Timm ganz egal; er bleibt feiner alten Kmps- fartaune treu und schießt damit alles was ihm vor die Pupille kommt, in Grund und Boden.
Jetzt ist er auf Urlaub hier. Ich saß mit ihm hinter einer ehrlichen Pulle, und nach zehn Minuten hielt ich ein Paket mit Timmschen Photos in der Hand. Einfach doll! Auf einem der Bilder erschien der Leuchtturm von Eddystone m doppelter Ausfertigung.
„Das hat nichts zu sagen", meinte Timm: „ich hatte bloß vergessen, den Film weiterzudrehen. Ist so auch ganz hübsch."
Die „Partie bei Spitzbergen" wurde von einem runden weißen Fleck beherrscht. „Mitternachssonne , vermutete ich.
„Nee, nee", belehrte mich Timm, „da habe ich bloß zufällig meinen Daumen vor dem Obiektiv gehabt!"
Auf dem Pik von Teneriffa schaukelte eine chinesische Dschunke; der Rikscha-Kuli oon Colombo hatte keine Beine, und der unglückliche Präsident von Monrovia lief ohne Kopf rum.
„Aber sonst sind die Aufnahmen erstklassig", verteidigte sich Timm.
Ich hielt einen Abzug in der Hand, der war über und über mit gelben Punkten besät.
„Schlechter Entwickler", mutmaßte ich.
Da ging es los mit dem Lügen.
„Das hat gar nichts mit dem Entwickler zu tun. Es ist der Hafen von Montevideo. Der sah so aus, wie ich das letzte Mal da war. Halbes Jahr ist es her! Waren lustige Tage, sage ich dir. Schöne Mädchen, feiner Tabak und ein erstklassiges Gnrgel- wasser. Mittags um eins kam unser Eimer auf der Riede an. Ich hatte gerade dienstfrei. Stand mit einem Pott ßöffelerbfen in der Nähe von unserer Einundzwanzigzentimeter-Spritze und kuckte so in der Landschaft rum. Hübsches Bild. Nein, wirklich. Reicht natürlich nicht an Hamburg oder an Kiel ran. Das kann man ja auch nicht verlangen, nichtwahr. Aber für die Gegend war's allerhand. Na, also, wir wollen zur Begrüßung man eben'n büschen bummbumm machen, da zuckelt plötzlich so n kleiner Spirituskocher mit Regierungswimpel ran und winkt ab: ,Noch ’n Augenblick mit dem Salut warten, der Präsident ist grabe mit feinem Mittags- Nickerchen beschäftigt und darf nicht geweckt werden'' Gleich hinterher Bootsmannspfeife. Hafenkommandant kommt an Bord. Haltung annehmen! Ich in meiner Verlegenheit, schiebe meinen Erbsenpott in die Mündung von dem Einundzwanziger- Rohr, knall' die Pantoffel zusammen und stehe da wie Kolumbus aus Gußeisen. Uebrigens ein feiner Kerl, der Bahnhofsvorsteher ..."
„Bahnhofsvorsteher?" £ .. ...
Na ja, der Hafenfritze da von Montevideo. Spater,' als dann das Malhör geschehen war, da hat er mich noch getröstet und mir eine feine Zigarre ver- PQ,Moment mal, Timm! Von welchem Malör sprichst du eigentlich?"
„Ach so, das wollte ich ja noch erzählen .. . Ist ja das Originellste an der ganzen Geschichte. Paß auf! Kaum war nämlich der Hafenbulle an Bord, da geht drüben ein Signal hoch: .Präsident ausgeschlafen!' Im selben Moment fängt unser Em- undzwanziger mit dem Salut an. Na, und die Folge? Meine Löffelerbsen rüber nach Montevideo und — patsch! — gegen die schönen weißen Hauser- faHaben. Siehste, davon sind die vielen gelben
Spritzer auf der Hafenphotographie! Jawoll! Das ist . die reine Wahrheit! Proscht, mein Jung!"
Ich habe nach dieser Erzählung das Fenster geöffnet und dreimal ganz tief Luft geholt.
Tiefere Bedeutung.
Von Vera Craeuer.
„Hallo?"
„Kurt?"
„Ja."
„Bist du mir böse?"
„Böse — weshalb?"
„Weil — weil ich doch gestern abend nicht gekommen bin."
„Gestern abend ...? Richtig! — Nein, nein, deswegen bin ich dir nicht böse."
„Ich hab nämlich etwas ganz Sonderbares erlebt ..."
„So ...?"
„Ja. Etwas, das ich mir selbst noch gar nicht recht erklären kann."
„Und beabsichtigst du etwa, mir das jetzt zu erzählen?"
„Es geht ganz schnell, Kurt, und außerdem ist es ja auch noch gar nicht fünf."
„Aber in zwei Minuten, und im Wartezimmer fitzen bereits Patienten."
„Sollen sie noch einen Moment warten. Ich muß dir das nämlich unbedingt erzählen."
„Also bitte!"
„Hör zu! Wie ich gestern in die Bahn steige, um zu dir zu fahren, fällt mir plötzlich ein Kindheitserlebnis ein. Jahrelang habe ich nicht mehr daran gedacht, und mit einem Male steht es wieder lebendig vor mir. Meine Mutter und ich waren verreist, irgendwo in einem Kurort im Gebirge. Es war während der großen Ferien, ich war damals ungefähr 11 Jahr alt. Horst du zu?"
„Jawohl. Du warst 11 Jahre alt."
„Wir hatten viele Bekannte dort am Ort und unter anderen einen viel älteren Herrn, der Mutter sehr verehrte, und den ich nicht leiden konnte. Vielleicht war ich eifersüchtig auf ihn, vielleicht ärgerte ich mich auch nur, daß er während der ganzen Zeit unseres Aufenthaltes Mutter nicht von der Seite wich. Jedenfalls waren meine Sympathien für ihn
nicht allzu heftig, und ich war manchmal direkt ungezogen zu ihm. Aber er schien das nicht zu be- merken ober nicht bemerken zu wollen, er blieb immer gleichmäßig freunblich unb schenkte mir Schokolabe unb Bonbons."
„Hm."
„Unb als wir abfuhren, brachte er uns beiben Blumen auf die Bahn."
„Euch beiden?"
„Mutter und mir. Ich sehe ihn noch genau vor mir, wie er da auf dem kleinen Bahnhof stand, in seinem tadellosen, grauen Ulster und mit zwei Buschen Rosen im Arm. Lange, dunkelrote für Mutter, und Heckenrosen für mich."
„Sehr finnig."
„Nicht wahr? Und wie dann der Zug einfuhr, und wir uns beeilen mußten, mit all unferm Gepäck hineinzukommen, da drückt er doch in der Verwirrung des Abschieds mir die dunkelroten in die Hand und Mutter die Heckenröschen —"
„Na und?"
„Gar nicht na und. Das war die Geschichte."
„Ach, das war das Kindheitserlebnis?"
„Ja. Und das hat mich gestern abend wieder so beschäftigt, daß ich umzusteigen vergaß, und anstatt zu dir, ans andere Ende der Stadt gefahren bin ..."
„Interessant!"
„Siehst du! Und das muß doch eine tiefere Ursache haben, irgendeinen psychologischen Grund, nicht wahr? Du verstehst doch was von solchen Dingen, was meinst du nun dazu?"
„Das kann vielerlei Gründe haben. Zum Beispiel kann man es so erklären, daß dir das jetzt eingefallen ist, weil du den Wunsch hegst, wieder einmal zu verreisen. Zu verreisen und die Bekanntschaft eines älteren Herrn in tadellosem, grauen Ulster zu machen —"
„Aber Kurt, du weißt doch, daß ich außer dir —
„Gut. Aber wie ist cs denn möglich, daß dieses Kindheitserlebnis dich so stark ergriffen hat, daß du versäumt hast, zu mir zu kommen ...? Beinahe glaube ich, es dir sagen zu können: Du bist gar nicht deshalb nicht zu mir gekommen, sondern weil du mit Stephan zusammengewesen bist —".
„Mit Stephan bin ich gar nicht zusammenge- wesen. Ich hab ihn nur ganz zufällig unterwegs getroffen —


