Nr 78 Ertter Blatt
184. Jahrgang
Mittwoch. 4. April 1934
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Ausrecynungsverfayren im deutsch-russischen Warenverkehr.
Einige Tage vor Ostern ist ein neues deutsch- russisches Wirtschaftsprotokoll unterzeichnet worden. Es enthält vor allem eine Regelung der finanztechnischen Fragen des deutfch- rufstfchen Warenverkehrs. Bekanntlich hat das deutsche Russengeschäft im Jahre 1933 sehr erheblich abgenommen. Die russische Einfuhr aus Deutschland ist von 328 Millionen Rubel im Jahre 1932 auf 148 Millionen Rubel im Jahre 1933 zusammengeschrumpft, und auch die Ausfuhr russischer Waren nach Deutschland ist von 101 auf 86 Millionen Rubel zurückgegangen. Das starke Absinken der russischen Bezüge deutscher Waren ist aber in erster Linie eine Folge von Finanzierungsschwierigkeiten. Sowjet- rutzland hat mit Rücksicht auf seine gespannte Finanz- und Devisenlage seine Einfuhr drosseln müssen, und diese Einfuhrbeschränkung, die ja in einem Lande mit Außenhandelsmonopol ganz unbemerkt und scheinbar reibungslos durchgeführt werden kann, traf keineswegs etwa nur den Bezug deutscher Waren, sondern auch den aus einer Reihe anderer Länder. So ging z. B. die englische Ausfuhr nach Rußland von 92 Millionen Rubel im Jahre 1932 auf 31 Millionen Rubel im Jahre 1933 zurück. In der gleichen Zeit sank der Rußlandexport I t a I i en s von 27 auf 17 Millionen, der der Bereinigten Staaten von 32 auf 17 Millionen Rubel. Die russischen Käufe in Persien erfuhren in der gleichen Zeit sogar einen Rückgang von 50 auf 8 Millionen Rubel.
Es handelt sich also einfach darum, daß der Sowjetstaat unter allen Umständen gezwungen ist, seine Einfuhr den vorhandenen Ausfuhrmöglichkeiten anzupassen und seine Außenhandelsbilanz, koste es was es wolle, aktiv zu gestalten. In dem neuen deutsch-russischen Wirtschafts- Protokoll wird daher der Versuch gemacht, den deutsch-russischen Handelsaustausch so zu regeln, daß die Russen zur Bezahlung ihrer Einkäufe deutscher Waren die Erlö.se aus dem Verkauf russischer Waren in Deutschland benützen können. Ein solches Auf- rcchnungsverfahren ist um so unentbehrlicher, als der Sowjetstaat aus früheren Kaufabschlüssen noch größere Beträge an Deutschland z u zahlen hat, die offenbar zum größten Teil nur in Waren abgezahlt werden können. Im Jahre 1934 werden insgesamt 600 Millionen Mark russische Verpflichtungen gegenüber deutschen Verkäufern ober Banken fällig. Ein Teil davon soll nun in der Weise abgetragen werden, daß deutsche Importeure, die russische Erzeugnisse gekauft haben und daher an Rußland Zahlungen zu leisten haben, diese Gelder zum Ausgleich zur Verfügung stellen. Durch die Bestimmungen des Protokolls sollen diese Forderungen gegeneinander aufgerechnet werden, und zwar soll der Ausgleich, wie schon in einem früheren Abkommen grundsätzlich vereinbart war, ausschließlich auf Reichsmark abgestellt werden. In dem deutsch-russischen Wirtschaftsprotokoll wird beftimmt, daß deutsche Firmen und Privatpersonen, die an die Handelsvertretung der UDSSR, ober irgendwelche andere russischen Ausfuhrorgane auf Grund von bereits abgeschlossenen oder künftig noch abzuschließenben Warenlieferungen oder aber aus im Zusammenhänge mit solchen Lieferungen getätigten Fracht- und Speditionsleistungen Zahlungen schulden, diese nur in Reichsmark zu leisten haben. Die Reichsbank wird also ausländische Devisen für irgendwelche Zahlungen nach Rußland nicht mehr zur Verfügung zu stellen brauchen.
Der deutsch-russische Warenverkehr dürfte durch die in dem Protokoll festgelegte Regelung der Zahlungen eine wesentliche Erleichterung erfahren. Für den Umfang und die Bedingungen der beiderseitigen Warenlieferungen ist das deutsch-russische Rahmenlieferungsabkommen vom 15. Juli 1932 verlängert worben. Nach biefem Abkommen werden den Russen für ihre Warenbezüge in Deutschland Kreditfristen von 15, 21 ober 28 Monaten eingeräumt. In ber Hauptsache wirb es natürlich von der finanziellen Lage Sowjetrußlands unb von dem Erfolge ber auf eine Ausdehnung bes Warenexports gerichteten Bestrebungen ber Sowjetregierung abhängen, ob unb in welchem Maße bie Russen ihre Wareneinkäufe in Deutschland wieder verstärken werden. Im letzten Jahre haben sie, wie bie Statistik zeigt, aus Deutschlanb hauptsächlich Maschinen unb Apparate sowie Maschinenteile, ferner Eisen und Stahl, Elektromaschinen unb elektrotechnische Artikel, optische, physikalische, chemische unb anbere Geräte unb Apparate bezogen. Weniger be- deutenb war ber deutsche Rußlanderport in chemischen Probukten, Farben unb Farbstoffen, Aluminium, Automobil- unb Motorradteilen, Traktorenteilen und Schiffen. Man ersieht aus diesen Angaben der amtlichen russischen Außenhanbelsstatiftlk sehr deutlich, baß bie Russen in Deutschlanb f a ft ausschließlich Produktionsmi 11 e l kaufen. Der Bedarf Rußlands an diesen deutschen Erzeugnissen ist infolge ber langsichtigen, bisher nur zu einem geringen Teile durchgefuhrten russischen Aufbaupläne noch immer ungeheuer groß Die Z5e-- darfsdeckung hängt aber naturgemäß von den Zay- lungsmöglichkeiten ab. Deutschland bezieht J*incr= feits aus Rußland erhebliche Mengen von Gerste, Hülsenfrüchten, Rohhäuten, Haaren und Därmen, ferner von Molkereiwaren, Kaviar, Oe'kuchen, Flachs, Leingarn und Erdölprodukten. Die deutschen Käufe russischer Rauchwaren sowie russischen Holzes unb russischer Holzwaren sind im letzten Jahre sogar noch bebeutenb gestiegen. Im Verfolge der deutschen Wirtschaftsbelebung wirb sich namentlich der deutsche Bedarf an Holz und Erdölprodukten nndi n)»fentlid) erhöhen, und
Oer Führer an Amerika.
Deutschland will den Friederyweil es seine ganzen Kräfte für produktiven Aufbau einsehen muß
Oie Politik der persönlichen Aussprache.
Berlin, 3. April. Reichskanzler Adolf Hitler gewährte dem Berliner Korrespondenten der Ass o- c i a t e b Preß, bes großen amerikanischen Nachrichtenbüros, Louis C. L o ch n e r, eine Unterrebung. Der Reichskanzler wies barauf hin, baß er ein überzeugter Anhänger ber persönlichen Aussprache, ber Mann-zu-Mann-Diplomatie, sei. Nichts sei ihm lieber, als baß er bie verantwortlichen Führer ber wichtigen Nationen einschließlich Amerikas unter vier Augen sprechen könne. Die überlebte biplomatische Methobe bes Notenaustausches richte sich selbst burch bie Tatsache, baß trotz ber Bemühungen ber Diplomaten bie Volker im Jahre 1914 in ben größten Krieg ber Geschichte hineingeschlittert feien, obwohl er persönlich überzeugt sei, bah die Diplomaten selbst am meisten überrascht waren, als der Krieg tatsächlich ausbrach.
Der Führer äußerte weiter: Ein jeder Vertreter einer fremden Macht wird bei seiner Aussprache mit mir finden, daß ich mit a b f o l u t e m F r e i- mut sage, was Deuschkand bereit i ft, z u tun unb baß ich meine Forderungen nicht höher ansetze als nötig ist Wenn ich z. B. sage, daß wir eine Wehrmacht von 300 000 Mann benötigen, so lasse ich mich nicht dazu herbei, nachher auf 250 000 herunterzugehen. Ich will Deutschlanbs Wort unb Unterschrift roieber zur Geltung bringen. Unter keinen Umftänben werbe i ch mich einem Di k t a t unterwerfen. W"nn ich einmal überzeugt bin, baß ein bestimmter Kurs ber einzige unb richtige für mein Volk ist, f o halte i ch ihn, komme, was möge. Unb was ich tue, bas tue ich offen. Ich werbe mich z. B. niemals bazu verstehen, 150 000 Mann als genügenbe Stärke nach außen hin für unsere Reichswehr zu akzeptieren unb bann im Geheimen weitete 150 000 Mann auszurüsten.
Deutschlands Ziel ift produktive Arbeit.
Werte schaffen, nicht zerstören.
Niemand würde sich mehr freuen, wenn bie Welt abrüftete als ich. Wir mochten unsere ganzen Kräfte probuktiven Zwecken wi bm e n. Wir wollen unsere Arbeitslosen zurück in bie Arbeit führen. Sobann wollen wir ben Lebensstan- barb eines jeben einzelnen erhöhen. Wir wollen unsere Sümpfe austrocknen unb unprobuktives Land urbar machen unb verbessern, unser Volk nach Möglichkeit in bie Lage setzen, sich selbst zu versorgen, bem Bauern ermöglichen, ein Marimum aus seinem Grunb unb Boden herauszuholen, ben Fabrikanten unb Jnbustriearbeiter in ben Stanb setzen, möglichst probuktiv zu arbeiten, unserem ßanbe burch künstliche Ersatzprobukte bas, was ihm an Rohmaterialien mangelt, nach Möglichkeit liefern. Jnbcm wir Straßen bauen, Kanäle graben, Sümpfe austrocknen, Dämme errichten unb Schleusen anlegen, leisten wir eine konstruktive Arbeit, bie wohl unsere Tatkraft beanspruchen kann.
Als Staatsmann, ber für bas Wohl feines Lan- bes verantwortlich ift, kann i ch es nicht zulassen, baß Deutschlanb ber Möglichkeit ausgesetzt wirb, baß etwa ein Nachbar es überfallen könnte, ober Bomben auf unsere industriel- len Anlagen abwürfe, ober einen sogenannten Präventivkrieg führte, nur um von ben eigenen internen Schwierigkeiten abzulenken.
damit werden auch bie russischen Bezüge in Deutschland wieder steigerungsfähig werden. Rußland hat heute ein um so größeres Interesse, alle Möglichkeiten des Warenaustausches mit Deutschland restlos auszuschöpfen, als der Absatz russischer Produkte nach an b e r e n ßänbern infolge der Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise offenbar weite r rückgängig ist.
Stabile Baukosten.
Es ist augenblicklich außerordentlich wichtig, eine Erhöhung ber Baukosten zu verhinbern, benn nur niebrige Baukosten gewährleisten in Zeiten ber Ka- pitalschwäche eine ausreichend Beschäftigung ber Baugewerbe. Zweifellos sind gegenwärtig Tendenzen zu einer Steigerung der Baukosten vorhanden. Ein vom Statistischen Reichsamt in der Zeitschrift „Wirtschaft und Statistik" veröffentlichter Ueberbhcf über die Entwicklung der Baukosten seit dem Jahre 1927 zeigt, daß die früheren Versuche bes Staates, bie Bautätigkeit anzuregen, stets zu starken Erhöhungen ber Baukosten geführt haben. Damit haben sie sich bann immer mehr ober weniger schnell totgelaufen. Der Baukostenindex betrug tm Jahre 1929 runb 180, stanb also um nicht weniger als 80 v. H. über bem normalen Vorkriegsniveau. Bis zum April 1933 ift er aber infolge ber Wirtschaftskrise auf 124,8 gesunken. Als dann bas große nationalsozialistische Bauprogramm in Angriff genommen wurde und zu einer starken Belebung des Baumarktes führte, war bie Gefahr eines Wieberansteigens ber Baukosten außerordentlich groß. Erfreulicherweise ift es bisher ge-
Rur aus diesem Grunde — und aus keinem anderen — fordern wir eine Wehrmacht, die den Verteidigungsansprüchen genügt.
Auf bie Frage, ob sich ber Reichskanzler bamit begnügen werbe, baß burch Arbeitsstreckung zwar ?inem jeben ein Einkommensminimum zugesichert werbe, baß jeboch größere Einkommen bann ver- schwinben würben, entgegnete ber Reichskanzler:
lungen, sie zu bannen. Seit April vorigen Jahres ist der Baukostenindex nur um 4 v. H. gestiegen. Das ist eine Verteuerung, die praktisch nicht sehr ins Gewicht fällt. Unter den Baustoffen ift vor allem bas Schnittholz beträchtlich im Preise gestiegen. Die R o h h o l z p r e i s e haben sich um 50 v. H. erhöht. Auch Baueisen, Dachpappe u. a. weisen kleinere Preiserhöhungen auf Aber biefe Verteuerungen konnten zum großen Teil durch Verbilligungen anderer Baukostenbestandteile ausgeglichen werden. Die Gesamtunkosten haben sich daher in den meisten Teilen Deutschlands nur geringfügig erhöht. Gegen alle Versuche, die zum Teil plötzlich auftretenbe Zunahme ber Nachfrage nach Baustosfen zu unangemessenen Preissteigerungen auszunützen, ift die Reichsregierung charf eingeschritten. Es ist ihr baher gelungen, bie an sich vorhandenen Tendenzen zur Erhöhung ber Baukosten auf ein ber Gesamtlage ber Wirtschaft entsprechendes Maß zurückzubrängen unb bamit die Baukosten im wesentlichen ftabil zu erhalten.
Die Organisation des Landjahres.
Berlin, 4. April. (DNB.) Der „V. B." veröffentlicht Einzelheiten über die Organisation bes Lanbjahres in Preußen. Danach werben am 16. April 1934 über 2 0 OOOJugenbliche.ba- oon etwa ein Drittel Mäbchen, aus ben I n - bustrie - unb Grenzprovinzen Westfalen, Rheinland, Provinz Sachsen, Oberschlesien und
Ganz im Gegenteil! Als erster Schritt muß ich natürlich die Geißel der Arbeitslosigkeit beseitigen. Sobald jedoch unser Volk wieder Arbeit hat, wird auch die Kaufkraft sich heben, unb bann kommt als logischer nächster Schritt bie Hebung bes ßebenftanbarbs. Wir wollen nicht ein primitives Volk werben, sonbern eines mit bem höchstmöglichen ßebensftanbarb.
Groß-Berlin auf etwa 500 ßanbheime in ben Nährprovinzen Ostpreußen, Pommern, Grenzmark, Nieberschlesien, Schleswig-Holstein, Hannover unb Mark Branbenburg verteilt. In 18 Führerschulungslagern finb in ben vergangenen Monaten über 4000 Jugenbführer unb Mährerinnen, Lehrer unb Erzieher einer vierwöchigen Bewährungsprüfung unterstellt worden. Nur 1500 von ihnen würben als geeignet auserlesen. Nach einem ausbrücklichen Erlaß bes Ministers Rust ift ber Jugend Gelegenheit zur Erfüllung ihrer kirchlichen Verpflichtungen gegeben Die Jugend wird in den Heimen nach Geschlechtern getrennt untergebracht. Die Mädchenheime werden zumeist selbst bewirtschaftet, weil ja hier die zukünftige Hausfrau und Mutter erzogen werden soll. In den Jungenheimen sorgen Wirtschafter für die Verpflegung, die sehr kräftig und reichlich sein wirb, damit um so mehr Zeit bleibt für Körperschulung, Land- und Gartenarbeit und nationalpolitische Erziehung. Kultusminister Rust und der Reichsjugendführer haben die Vereinbarung getroffen, daß die Jugend im Landjahr H I. - U n i f o r m und die Mädels BDM.- Kleidung tragen mit einem besonderen Landmhr- abzeichen Die Schulung umfaßt bie Gebiete Heimat- unb Volkskunbe, Gelänbe- unb Kartenkunbe und Geopolitik. Besonberer Wert wirb auf bie Bereicherung ber gemeinschaftsbilbenden Fähigkeiten gelegt, wie Lieber- und Musikpflege. Volkskunft- und Volkstanz. Neben ber rein praktischen bäuerlichen und gärtnerischen Schulung auf zumeist heimeigenem Grundstück wird besonders auf ftraffc D i sziplin und Abhärtung gesehen.
Kein Primitivitätskult, sondern Hebung des Lebensstandards.
Ich gebe bem Amerikaner recht, wenn er nicht alles gleichmachen will, sonbern wenn er bem Prinzip der Stufenleiter huldigt. Nur muß einem jeden d i e Möglichkeit gegeben werden, die Leiter zu erklimmen, auch glaube ich, daß es durchaus recht ist, daß zunächst eine Erfindung das Gut des Erfinders fein soll, doch muß sein Streben darauf gerichtet sein, daß seine Erfindung der Allaemeinheit zugute kommt. Die erste Fensterscheibe war ein Luxusartikel, aber heute fragt jedermann nach Glas. Es wurde zu einem allgemeinen Gebrauchsartikel. Die erste Glühbirne war ein Luxusartikel, aber ber Erfinder bezweckte, sie einem jedem zugänglich zu machen. Der Zweck und das Ziel eines jeden Fortschrittes muß sein, ein ganzes Volk, ja die ganze Menschheit glücklicher zu machen.
Aufbauende Kritik.
Lochner durfte dann eine Anzahl Fragen stellen, deren Zweck war, bie Persönlichkeit Abolf Hitlers bem amerikanischen Volke besser verstänblich zu machen: Was ist Ihre Einstellung, Herr Reichskanzler, gegenüber ber Kritik, ber persönlichen wie auch ber pressemäßigen?
Der Kanzler entgegnete sofort: Wissen Sie auch, baß ich einen ganzen Stab von Sachkennern bes wirtschaftlichen, sozialen unb politischen Lebens um mich versammelt habe, beren einzige Aufgabe es ist, Kritik zu üben? Ehe wir ein Gesetz verabschieben, zeige ich ben Entwurf biefen Männern unb frage sie: „Bitte, was ist hieran falsch?" Ich wünsche nicht, baß sie einfach Ja zu allem sagen. Sie haben keinen Wert für mich, wenn sie nicht kritisieren unb mir sagen, welche Mängel unseren Maßnahmen unter Umftänben an- hängen könnten. Ebensowenig liegt es in meinen Wünschen, daß bie Presse einfach nur bas abbrurft, was ihr ausgehänbigt wirb. Es macht keine Freube, 50 Zeitungen zu lesen, bie alle miteinander fast denselben Wortlaut haben. Im Laufe der Zeit werden unsere Schriftleiter wieder so geschult fein, daß sie eigene wertvolle Beiträge zum nationalen Aufbau beifteuern können. Eines kann ich Ihnen jedoch versichern, ich werde keine Presse dulden, deren ausschließlicher Zweck ift, das zu zerstören, was wir aufzubauen unternommen haben. Wenn bie Einstellung eines Schriftleiters ist, feine eigene interessante Weltanschauung ber unseren entgegenzufetzen, so sei ihm gesagt, baß ich dann die modernen Möglichkeiten der Presse ebenso gebrauchen werde, um ihn zu bekämpfen.
Größte Stabilität der Regierung
„Während ich einerseits Kritik wünsche", fuhr der Kanzler fort, „so bestehe ich andererseits darauf, daß diejenigen, die für das Wohl bes ganzen Volkes arbeiten, die Sicherheit haben müssen, daß sie in Ruhe ihrer Arbeit nachgehen
können. Der Fehler ber Systeme, bie bem unseren vorangingen, lag barin, baß kein Minister ober Mann in verantwortlicher öffentlicher Stellung wußte, wie lange er am Ruber bleiben werbe. Das führte bazu, baß er roeber bie Miß- ftänbe, bie seine Vorgänger hinterlassen hatten, beseitigte, noch sich mit Plänen, bie die ferne Zukunft umfaßten, zu beschäftigen wagte. Ich versicherte ben Herren, bie mit mir bie Regierung übernahmen, selbst denjenigen, bie nicht meiner Partei ange« horten, baß sie ber Stabilität i 1) r e r 21 ernte r gewiß sein könnten. Daraus ergab sich, baß alle freudig unb mit ganzem Herzen bei ber Sache waren unb baß ihr Augenmerk lebiglich auf eine aufbauenbe Zukunft gerichtet war."
Louis P. Lochner fragte bann: Herr Reichskanzler, es wirb manchmal behauptet, baß es unter ben Herren Ihrer nächsten Umgebung Männer gibt, bie f i ch an Ihre Stelle setzen möchten. Von einem Ihrer prominentesten Mitarbeiter wirb z. B. behauptet, baß er Ihre Maßnahmen zu durch- kreuzen versucht.
Seinen persönlichen Einbruck nach dieser Frage schildert Lochner mit folgenden Worten: „Des Kanzlers Züge hellten sich auf. Es schien, als ob bie Gesichter ber verschiedenen Männer, bie ihm im Kampfe am nächsten stauben, an feinem Geiste vorüberzögen unb er sich freute über bas, was er innerlich sah."
Die Mitarbeiter.
Der Führer antwortete: „Ich weiß ja, baß Sie biefe Frage stellen, um mein Verhältnis z u meinen Mitarbeitern klarzustellen unb nicht etwa, weil Sie persönlich beren Loyalität in Frage stellen. Es wäre ja wirklich eine Verleumdung, irgenbeinen ber Männer, bie Jahr um Jahr zu mir geftanben haben, zu unterstellen, baß sie etwa ben Wunsch hätten, mich herauszudrängen. Die Welt hat nie ein schöneres Beispiel von blinber Einfühlung erlebt als bas, welches meine Mitarbeiter geben. Vielleicht liegt ber Grunb, warum Märchen biefer Art entstehen, in ber Tatsache, baß ich mich nicht etwa mit Nullen umgeben habe, sonbern mit wirklichen Männern. Nullen finb runb. Sie finb bie ersten, bie abzurollen beginnen, wenn es schlecht geht. Die Männer um mich sind kantige, aufrechte Männer. Ein jeher von ihnen ist eine kraftvolle Persönlichkeit. Ein jeder hat seinen Willen und ist von Ehrgeiz erfüllt. Wenn sie nicht derartig wären, so stünden sie nicht, wo sie heute sind. Ich begrüße den Ehrgeiz. Wenn nur eine solche Gruppe von machtvollen Persönlichkeiten zusammenkommt, so ist es unausbleiblich, daß einmal eine Reibung vorkommt. Aber noch niemals hat ein einziger ber Männer, die mir Gefolgschaft leisten, versucht, seinen Willen mir aufzuzwängen. Ganz im Gegenteil, sie haben in bewunderungswürdiger Weise sich meinen Wünschen untergeordnet.


