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rrr. s Drittes Blatt

Gletzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesfen)

Donnerstag. 4. Januar 1934

Sternkunde der alten Germanen.

Oie Wissenschaft berichtigt altüberlieferte Irrtümer. Oie Germanen als Lehrmeister der Völker.

Don Professor Or. Kaffebaum.

Es ist landläufige Ansicht, daß die Sternen- und Himmelskunde in ihren Ursprüngen auf das Morgenland zurückzuführen sei. Die Chinesen haben schon vor fast fünftausend Jahren astronomische Beobachtungen gemacht, und die Schiefe der Eklip­tik wurde 1100 v. Ehr. bestimmt. Aber ihr Einfluß auf die westlich wohnenden Völker, einschließlich der Inder, ist gleich null, da sie sich fest gegen die übrige Welt abschlossen; ihre Erfindungen, K n m - paß, Pulver u. a. m. bleiben streng auf den Wohnraum dieses Volkes beschränkt. Die astrono­mischen Kenntnisse der Inder sind demgeaenüvcr erheblich jüngeren Datums, und ebenso Die der Chaldäer, der Bewohner des einst so fruchtbaren Mesopotamiens. Für das Altertum ist ausschlag­gebend die Astronomie der Griechen und Ä e g y p t e r. Dann aber setzt ein völliger Verfall der Astronomie ein. So völlig ist der Abbruch mit den großen Errungenschaften des Altertums, daß heute vielfach die Ansicht herrscht, alle Sternenkunde sei dem Volke zu verdanken, das sich im Mittelalter besondere Verdienste um diese Wissenschaft erworben hat, den Arabern. Nicht zu verwundern übri­gens, sind doch wichtigste astronomische Begriffe wie Zenith, Azimut u. a. m. dem arabischen Wortschatz entnommen und die arabische Gelehrtenschule in Cordova, die auch von christlichen Schülern besucht wurde, wirkte bahnbrechend auf die Sternenkunde der Westländer.

Daß im weiteren Verlauf der Jahrhunderte her-

London im Nebel.

Ä

V

Schwere Nebel, wie sie in solcher Dichte seit Jahr­zehnten nicht beobachtet wurden, suchen zur Zeit die englische Hauptstadt heim. Man hat kaum drei Meter Sicht, und unaufhörlich sind Verkehrsunfälle zu verzeichnen. Handel und Wandel sind fast völlig lahmgelegt. Unser Bild zeigt einen Derkehrsschupo im Nebel. Rechts eine Leuchtfackel, die wenigstens einige Meter weit das Dunkel des Nebels lichtet.

oorragende Gelehrte der germanischen Länder bahnbrechend in dieser Wissenschaft gewirkt haben, darf als bekannt vorausgesetzt werden. Für Deutsch­land genügen allein die Namen eines K o p e r n i - kus, Regiomontanus und Kepler, und schließlich darf auch der geborene Schwede Tycho de B r a h e genannt werden, da sein Lebenswerk wie der größte Teil seines Lebens in Deutschland beschlossen liegen.

Nun wird aber unanfechtbar erwiesen, daß auch die Germanen der ältesten Zeit in der Sternenkunde nicht nur Bescheid wußten, sondern unter völliger Abkehr von den landläufigen Heb erlief erungen die Lehrmeister für die astronomischen Völker des Alter­tums waren.

Aus den Zeiten, die um zehn Jahrtausende ver­sunken sind, spricht zu uns das gewaltige Ereignis der Eiszeiten, kündet durch ihre Boten an, wie weit sie jeweils von Norden her in die deutsche Ebene vordrangen. Diese Zeugen wurden im Wesent­lichen nur von den zünftigen Erforschern der Erd­geschichte, den Geologen, beachtet und bewertet. Sie stellten an den mächtigen Moränewällen des bal­tischen Höhenzuges, an den bis weit ins Binnenland vom Eise getragenen Blöcken, den Findlingen oder erratischen Blöcken der Lüneburger Heide, Weg und Ziel der Eisströme fest und wissen aus den aus den Findlingen eingegrabenen Rillen sogar die Richtung des Weges herauszulesen. Die Menschen aber, die Bewohner der Heide, benutzten jene Blöcke, um da­mit die Fundamente ihrer Bauten zu befestigen oder sie sonst irgendwie sich dienstbar zu machen. Und ihre Altvorderen türmten aus ihnen die Grabmale ihrer Führer auf, um den Leichnam gegen Eingriffe von außen zu sichern. Neugier und Forschergeist drang in die Geheimnisse der Hünengräber ein, ohne jedoch allzuviel Ausbeute zu finden. Damit war das Kapitel dieser Grabhügel im Wesentlichen abge­schlossen. Nun aber hat man in diesen urzeitlichen Grabstätten noch etwas ganz anderes gefunden.

Die Erfahrungen und Wahrnehmungen der Ger­manen Über den Wechsel der Jahreszeiten und den Lauf derSterne wurden der Aus­druck sei gestattet den praktischen Erfordernissen des Lebens dienstbar gemacht. Die Ausnutzung des Bodens steht in enger Wechselwirkung zu den meteo- rologischen Ereignissen. So richtete sich die Aufmerk­samkeit unserer Vorfahren, die schon auf die Aus­nutzung des Landes angewiesen waren als Acker­bauer oder Viehzüchter, darauf, diese Einwirkung nach dem Stande der Gestirne unverwischbar fest­zulegen, nicht durch die nur gar zu oft abirrende und entstellende Ueberlieferung von Mund zu Mund, nicht durch eingegrabene Runenschrift, sondern durch mächtige Aufhäufung von Felsblöcken und Steinen.

Diese in verschiedenster Anordnung, aber stets genauorientierten" Steinbauten ermöglichten es, von einer bestimmten Stelle aus, mittels eines ein- gespaltenenVisiersteins" die Tage z. B. der Son­ne n w e n d e genau festzustellen.

Die Germanen hatten 18 Monate zu je 20 Tagen, und es will scheinen, als hätten sie auch schon Schalt­tage gekannt: wie Hans Wolfgang Behm unlängst in einem geistvollen Dortrage ausführte, bedeutet es, wenn Wodan alle 19 Jahre seine Rosse abschirrt, nichts anderes als die ins Kultische übertragene Er­kenntnis, daß die einzelnen Mondphasen alle 19 Jahre auf denselben Kalendertag fallen.

Solche a st r o n o m i s ch e nMale" finden sich in vielen der germanischen Länder, in der Tuch e - l e r H e i d e ein Beweis zugleich dafür, daß dieses Land das die Polen als seit Urzeiten polnisch bean­spruchten und leider auch seit Versailles erhalten haben germanisch war, ehe die slawische Welle über das Gebiet hinwegging, in denSteintanzen Mecklenburgs, wie in den E x t e r n ft e i n e n. Von

ihnen aus beobachtete man den Lauf der Gestirne. Daß sie auch Kultstätten, Todesäcker waren oder dazu wurden, ist wahrscheinlich, denn von jeher waren die Sterndeuter auch zugleich Priester, die man an der Stätte ihres Wirkens beisetzte. Die von chnen er­kanntenfesten" Tage wurden dann auch zu Fest­tagen für das Volk, lieber die astronomische Bedeu­tung der Hünengräber herrscht noch keine Klarheit; aber auch sie sindorientiert", zeigen mit ihrer Achse von Osten nach Westen.

Es mag gern sein, daß die später eingedrungenen Kelten in England wenigstens die' vorhande­nen und ihnen nach Ursprung und Bedeutung unbe­kannten Steine auch für kultische Zwecke benutzten, aber erst nach der germanischen Zeit.

Zusammenfassend ergibt sich also, daß, in Umkeh­rung der bisherigen Auffassung die astronomischen Grundkenntnisse vom germanischen Norden her sich ausbreiteten und bis in den fernen Osten vordrantzen mit den Wanderungen der Arier. DerFremdling aus dem Norden", von dem die Gelehrten des Atter- tums berichten, ist der Germane, der in kühner Heer­fahrt, mit Roß und Strellwagen in die unbekannte Ferne vorftieß und bis nach Indien vordrang. Sie brachten die Kunde mit in jene Länder von dem, was ihre Sternkundigen erforscht hatten, und auf diesen Grundlagen bauten Inder und Chaldäer später weiter, als die Geschichte nur noch in dunklem Raunen von einem Eindringen blonder Krieger aus der unbekannten Fremde berichtete.

ö.Jixfport

W;

Kampf um das Leder: Die Körper der Spieler haben sich zu einem einzigen dichten Knäuel zusammengeballt. In Paris fand als erster Länderkampf des neuen Jahres ein Rugby-Treffen zwischen Deutschland und Frankreich stall, das mit einem 12:3-Sieg der Franzosen endete.

Spiel und Sport in aller Zeit.

Don Theodor Oberländer.

Ein sehr stilles und zurückgezogenes Dasein führt das Museum für Leibesübungen in Berlin. Es be­herbergt eine kleine, aber überaus verständnisvoll zufammengetratzene Modell- und Bilderschau, die über die Entwicklung der Leibesübungen und des Sports lehrreich unterrichtet. Im Zuge der Neu­ordnung aller Sammlungen ist das Museum jetzt dem Institut für Leibesübungen an der Universität angeschlossen worden. Nach einer Erweiterung und Umgruppierung seines Bestandes soll es demnächst neu eröffnet und dem Publikum in größerem Um­fange als bisher zugänglich gemacht werden.

Der älteste Sport.

Alle Turn- und Sportarten sind in dem Museum vertreten. Die ältesten Sportgeräte dieser Samm­lung Dürften die beiden prähistorischen Einbäume darstellen, die aus der Mark Brandenburg stam­men und jetzt in Der Abteilung RuDer- unD Segel­sport ihren Platz gefunden haben. Ob man mit die­

sen ungefügen Kähnen freilich schon große Wett- ruderveranstallungen abgehalten hat, mag fraglich scheinen; möglich ist es immerhin, denn alle Fort- bewegungs- und Beförderungsmittel haben neben ihrem praktischen Zweck auch zumeist sportlicher Be­tätigung und Ertüchtigung gedient, sie forderten zu Wettkämpfen heraus und bildeten so die natürlichen ersten Sportgeräte.

Von deutschem Sport aus früherer Zeit ist uns sonst wenig bekannt. Die Badeanstalt aus Pergamon, die sich hier im Modell findet, kön­nen wir nur Die bekannte unD auch in Diesen Räu­men vertreteneB a D st u b e" Des Mittel­alters an Die Seite stellen. Wie Die Germanen Das ganze Jahr hinDurch in Den Flüssen gebaDet unD sich im Winter Dazu Das Eis aufgehackt haben, vermag man sich nur in Der Phantasie auszumalen. Aus Der Zeit Des Mittelalters gibt es vor allem FechtfchulbilDer, Stiche von FreihanDringern, Tur-

Querpfeifer und Kammerdiener

Oer große König schreibt an Fredersdorf.

Jrn Jahre 1758 lange vor seinem großen Herrn unD König starb DerGeheime Kam- merier" Michael Gabriel FredersDorf. Auf seinem Gute Zernikow in der Mark nahm Der Ver­traute Desallen Fritz" feinen AbfchieD aus Dem Dienst, Den er sechsunDzwanzig Jahre lang erfüllt hatte. Wie FreDersDorf zum König kam? Die feit« famen UmftänDe DerBerufung" mögen einen großen Anteil an Der Entwicklung Der Laufbahn Des KammerDieners haben; Denn sicher hat Der König nie vergessen, unter welchen UmftänDsn ihm FreDersDorf zum ersten Male begegnete» Es war 1730. Da tat Der Querpfeifer FreDersDorf als 22jähriger Mensch in Küstrin feinen Dienst, stets vergnügt, stets zu guten Scherzen unD zum luftigen Musizieren aufgelegt. Daß Des SolDatenkönigs Sohn als Gefangener auf Die Festung gekommen war, blieb lange Zeit Die große Sensation Der Besatzung. Und daß der gefangene Kronprinz unter der Hast entsetzlich litt, wußte auch jedermann in der Garni­son. Da ergab es sich, daß Friedrich einmal den Querpfeifer FredersDorf hörte. UnD Der hohe Ge­fangene erfreute sich Doch selbst an Den Tröstungen Der Musik; so war es nicht weiter auffällig, Daß er Den Querpfeifer zu sich fommanDieren ließ.

Ein paar Jahre später: Zwischen Dem König Friebrich Wilhelm I. unD seinem Sohn war Die Aussöhnung erfolgt; Der Kronprinz wurDe aus Der Festungshaft befreit. Das Zerwürfnis mit Dem Vater, Der Fluchtversuch, Die Hinrichtung Des Freun­des Hans Hermann K a 11 e alles das lag hinter dem der Freiheit wiedergegebenen Prinzen; er wollte vergessen. Aber Fredersdorf, der auf Küstrin so oft die Flöte gespielt hatte, der ein frisches, offe­nes Gesicht hatte. Der Dem Kronprinzen als eine ehrliche, anftänDige Seele erschien, wurDe nicht ver- gessen. Gewiß, Die Armee konnte eigentlich keinen SolDaten entbehren; Dennoch bat FrieDrich Den Querpfeifer FredersDorf vom Vater frei unD machte Den SolDaten zum KammerDiener.

Nun trug er Die Livree feines Herrn. Nun war er Der KammerDiener Des Kronprinzen, bald dar­aus auch des Königs. Und Dabei blieb es nicht. Fredersdorf wurde bald der Vertraute des Königs, der wohl fast von allen wichtigen Staatsgeschaften wußte. Der große Friedrich horte vor so mancher wichtigen Entscheidung auf die Stimme Des ein- famen Mannes, auch Diese Meinung wm ihm wich­tig, um Den engen Zusammenhalt mit Der Denk- weise seines Volkes zu wahren.

Der alte Fritz"» hat sich nicht etwa von Den Ratschlägen unD Ansichten seines KammerDieners leiten lassen. Er wußte Darum, Daß Die Zeitgenossen in Frebersborf einen mächtigen, einflußreichen Mann sahen unD Daß sie Daher gelegentlich versuch­ten mit ihm in nähere Fühlung zu kommen. Aber vielleicht nahm Der König auf Die Gefahren, Die von Dort Drohen konnten, bei feinen EntfcheiDungen Rücksicht, ober FreDersDorf ließ sich Durch Schmei­cheleien, falsche FreunDschaften unD Eraebenhelts- beteuerungen nicht beeinflußen. Graf L e h n D o r f f, Der Kammerherr Des Königs, schreibt einmal Dar­über in sein Tagebuch:

Ich mache einen Besuch bei Dem berühmten Frebersborf, Der unter einem Titel Des Kammer­dieners Des Königs solange Die Rolle eines Premier­ministers gespielt hat. Wenn man nämlich jeman­dem Diesen Titel geben will, so kommt es ihm am ehesten zu; jebensalls erfreut er sich in her Wett eines solchen Ansehens, baß ich ihn oft genug von Orbensrittern unb Exzellenzen fjabe umringt ge­sehen, unb fein Vorzimmer war nicht feiten nut Staatsministern unb großen Herren ausgefullt.

Der Kammerbiener von einst, der Querpfeifer aus der preußischen Armee war ein Vertrauter bes Königs geworben. Unb mittelbar hat er wohl auf manche Entscheibung maßgebenben Einfluß ge­habt Mit befonberer Vorliebe scheint er sich um bie Aufbesserung her Finanzen bes Laubes gekümmert ,u haben Es ging ihm barum, mit iebem am Enbe aussichtsreichen Mittel her Kasse seines Königs Einnahmen zu schaffen. Aber - er wußte auch nichts Besseres als bie Hoffnung unb bas Vertrauen in bie geheimnisvollen Künste her Golbmacher, bie in jener Zeit überall ihr Gewerbe trieben unb sich an manchen Häfen Europas sehr großer Wert- schätzung erfreuten. Frebersborf ließ erst btejen, Dann jenen Alchimisten zu sich kommen In abge- legenen sehr geheimnisvollen Stuben, bie wie bie rechten'Hexenküchen aussahen, trieben bie Herren dort ihr Wesen. Für ben preußischen Staat!

Sehr fest muß her Kammerbiener an eine er­folgreiche Tätigkeit her Zauberkünstler bie aus Dreck Golb machen" wollten, geglaubt haben Aber her König hatte keine Lust, sein gutes preußisches Silbergelb für eine hoffnungslose Sache auszu­geben. Er schrieb eines Tages seinem Kammer- bißncr*

'Ich sehe wohl, mein lieber Frebersborf, Du wirst Deiner Tage nicht klug werden. Kaum ist ein Goldmacher ad absurdum gebracht, so hast Du schon einen anderen wieder. Glaube doch die Leute all nicht Bei dergleichen Chimären, da kommt nichts mit heraus... Ich habe alle meine Plane I verbrennet unb werbe in die ersten zehn Jahre

keine neuen machen. Gedenke an deine Gesundheit, das ist besser, als an solche Narrenpossen, da gewiß nichts mit heraus kömmt. Gott bewahre Dich. Fch."

Wenn man diese Briefe durchblättert, die der König an seinen Kammerdiener und Geheimen Kämmerer geschrieben hat es wurden vor ein paar Jahren etwa dreihundert davon aufgefunden , so spürt man überall die herzliche Besorgnis des großen Friedrich um das Wohlergehen seines Dieners und Beraters heraus. Wenn der König ins Feld gezogen war, so schrieb auch Fredersdorf seinem Herrn Briefe; er unterzeichnete sich als treuen Knecht" des Königs. Und das ist er zweifel­los auch gewesen.

Man sagt das oft so hin: Kein Großer der Welt sei auch vor seinem Kammerdiener groß! Hier stimmt das Wort nicht. Für Fredersdorf ist her König Friedrich Der Zweite in Wahrheit auch Der Große gewesen, Dem er in Treue unD Verehrung anhing. Als Fünfzigjähriger starb herPremier­minister", her einstige Querpfeifer Frebersborf. Er hat beim König keinen Nachfolger gefunben. Das scheint am besten feine Bebeutung zu erweisen. E. W.

»Großfürstin Alexandra/'

Es war spielplantechnisch nicht befonbers geschickt, unmittelbar auf benZarewitsch" bieGroßfürstin Alexanbra" folgen zu lassen; immerhin ergeben sich aus ben auffallenben Übereinstimmungen zwischen beihen Filmen nicht uninteressante Vergleichsmög­lichkeiten. Zweimal Rußlanb; zweimal bie Lehar- s ch e Partitur als Grunblage für bie musikalische Ausgestaltung einer bewegten Hanblung; beibemale im Mittelpunkt bes Geschehens eine fürstliche Lie­besgeschichte. Aber obwohl bas Manuskript von Hans S a ß m a n n auf ben melancholischen unb tränen- verschleierten Abschluß verzichtet, her für benZare­witsch" her beftimmenbe Einhruck blieb, wirkt her FilmGroßfürstin Alexanbra" theatralischer in her außerorbentlich geschickten Mischung verfchieben- artiger unb nicht hurchaus vereinbarer Elemente: Mischung aus Realistik unb Romantik, aus operet- tenhafter Leichtigkeit unb großer Szene, aus heite­rer Episobe unb schwerem Konflikt. Die ibyllisch einsetzenbe Liebesgeschichte zwischen Michael unb Alexanbra führt burch einen abenteuerlichen Wirbel von Krieg, Revolution, Gefangenschaft, Flucht, Emi- grantenelenb unb jähem Aufstieg zum Ruhm ge- rahenmegs in ben alten Konflikt her vor bie Ent- scheibung zwischen zwei geliebten Männern gestell­ten Frau. Diese Entscheibung kommt nicht nur bem Publikumsgeschmack bereitwilliger entgegen als bte Avschiebsszene imZarewitsch", sondern ist auch psychologisch durchaus begründet. Der Regisseur

Wilhelm Thiele inszeniert diesen Film mit einem empfindlichen Gefühl für bie Übereinstimmung zwischen Klang unb Bitt) unb für bie bühnenmäßige Wirkung unb Spannung her verschiebenartigen Ele­mente bes Drehbuches unb her Partitur. Im Brenn­punkt her Hanblung steht bie hochberühmte Sänge­rin Maria I e r i tz a in her Rolle her Großfürstin Alexanbra. Das ist eine Rolle, mit her sie zufriehen sein kann: sie gestattet ihr gesanglich eine großartige Spanne her Entfaltung vom leichten Operetten- schlager bis zur großen Derbischen Oper mit vollem Orchester; so gelangt sie zum ergiebigen unb stufen­reichen Einsatz ihrer illuftren, außerorbentlich sicher beherrschten Mittel. DieAlba"-Arie ist her glanK- volle Höhepunkt ihrer auch schauspielerisch nicht nur routinierten, sonbern in jeher Szene kultivierten Leistung. Als ihren Partner, ben Großfürsten Mi­chael, sieht man Paul Hartmann: ausgezeichnet in Haltung unb Maske, männlich, energisch, ver­halten unb bennoch mit aller Wärme bes Gefühls, welche biefe Liebhaber-Rolle von ihm forbert. Sein Gegenspieler ist übkrraschenberweise Johannes Rie­mann, her hier, ernst, gesammelt unb einbring- lich, weit über sein eigentliches Bonvivant-Fach hinausgelangt. Szoke S z a k a l l, heiser wie noch nie, mischt seine gebärbenreiche, stürmische, oft fast barocke Komik mit einem Unterton gemütvoller Herzlichkeit, was her von ihm gegebenen Gestalt menschlich erfreuliche Züge verleiht. Kammersänger Leo Slezak bereichert bie Vokalharmonie bes Ensembles mit einigen hübsch pointierten Einlagen unb gibt auch schauspielerisch eine halb heiter, halb melancholisch bewegte, abgerunbete Leistung. Großfürstin Alexanbra" erscheint seit gestern im Lichtspielhaus. Im Beiprogramm interessiert in erster Linie her Vorspann zu hem neuen Ufa-Film Flüchtlinge" mit 211 b e r s unb Käthe von N a g y.

öocbfcbulnacbricbten.

Der o. Professor unb Direktor her Marburger Universitäts-Kinberklinik, Dr. Ernst Freuhen- berg, ist zum orbentlidjen Mitglieh her Kaiserlich Deutschen Leopolbinisch-Karolinischen Akahemie her Naturforscher in Halle ernannt worben.

D. Dr. Paul Tillich, Professor für Philosophie» Soziologie unb Sozialpäbagogik an her Universität Frankfurt a. M., ist auf Grunh bes § 4 de» Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamten- tums aus bem Staatsbienft entlassen worben.

Der bekannte Rassenhygieniker Dr. med. Lothar Gottlieb Tirala aus Brünn ist zum ordentlichen Professor für Rassenhygiene an her Universität München ernannt worben.