Kr.Z Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Donnerstag, 4.)anuar 1934
Nga-wang Lop-jang.
Von Walther Stöhner.
Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!
Der bekannte Asienforscher sendet uns zum Tode des Dalai-Lama die nachfolgende Schilderung. Walther Stötzner kann als einer der besten Kenner des Buddhismus gelten. Er hat auch den verstorbenen Dalai- Lama persönlich gekannt. D. Schriftltg.
Nga-wang Lop-sang Tup-den Gya-tso lautete sein voller Name, und ehrend nannte ihn das Volk der Tibeter „Allwissende Gegenwart", „Innerster Beschützer" oder „Kostbarer Herrscher". Wer die Geschichte seiner Vorgänger kennt, den mutet es wie ein göttliches Wunder an, daß er sich sein Leben bis zum siebenundfünfzigsten Jahre sichern konnte. Aber nun hat auch ihn, den wirklich Lebensklugen, trotz aller Vorsicht der Tod erreicht. Wahrscheinlich der Tod durch Gift, der für die Dalai- Lamas der üblichste ist. Ein großer Mensch, ein selten kluger Staatsmann, ein Theologe tiefster religiöser Ueberzeugung, der ohne selbstgefälliges Pathos mit der Energie eines Truppenführers feine unzähligen, im weiten Lande gern eigenmächtigen Geistlichen, durch starke Faust am straffen Zügel leitete, hat abtreten müssen. Nun können in der unendlichen Weite der rauhen Landschaft Jnner- asiens die obersten hundert von vielen hunderttausend Mönchen ein neues Ränkespiel um Macht und Rang beginnen, und Völkerschicksale werden Spielball, werden in neuen Kämpfen politisch grundverschiedener Gegner, denn der Einsatz ist das verwaiste T i b e t mit der ganzen Mongolei und die Spieler sind Rußland, England und China. Japan aber steht daneben, um dem ersten von den dreien, der müde wird beim Spiel, die Karten aus der Hand zu stehlen.
Man muß sich Werdegang und Schicksal seiner Vorgänger einmal ansehen, wenn man ermessen will, welche Bedeutung dieser lebende Heilige mit seinem Pflichtbewußtsein und seiner unbändigen Arbeitskraft für den Gang der Weltgeschichte hatte, denn kein Früherer reicht nur im entferntesten an ihn heran. Auch nicht der Fünfte in der Reihe, der als Nationalheld gilt, und den Beinamen „der Große" vom Volk erhielt. Zwar hat sich dieser das große Verdienst erworben, daß er den Jahrhunderte dauernden Kampf der um die Herrschaft streitenden Sekten mit Hilfe der Oelötmongolen zu Ende führte, und daß er damit der erste Dalai-Lama wurde, der die weltliche Regierungsmacht mit seinem Amt vereinigte; aber er hat diese dann doch nur wenige Jahre praktisch ausgeübt. Er überließ sie bald ganz den Händen seines ersten Ministers und lebte nur noch allein der Religion, bis er 1680 gestorben ist.
Zu seiner Zeit kam auch zum allerersten Male ein Europäer nach Lhasa. Es wissen die wenigsten, daß dieser ein Deutscher aus Oesterreich war, der Jesuit Grüber.
Und alle Dalai-Lamas nach ihm taten das gleiche. Der Sechste dichtete und liebte viel und hatte deshalb keine Zeit, den Staat zu führen. Er gilt als kluger Kopf und feinsinniger Lüdrian in der Geschichte Tibets. Schöne Frauen waren seine Sehnsucht. Die Tibeter liebten ihn und singen noch heute seine Lieder. Aber die Mongolen und chinesischen Buddhisten, die ihn als geistliches Oberhaupt doch auch verehrten, wollten eine Leuchte von Gottähnlichkeit auf dem Lhasathron ihrer buddhistischen Päpste haben und zweifelten die Echtheit seiner Wiedergeburt an, um ihn, den Lebenskünstler loszuwerden. 1706 haben sie ihn abgesetzt und umgebracht.
Die weiteren Nachfolger konnten von ihrer weltlichen Regierungsmacht aber ebensowenig Gebrauch machen, weil sie alle all zu jung wieder verschwinden mußten. Mord folgte auf Mord. Der Siebente, den die Chinesen einsetzten, wurde von den Tibetern anerkannt und mußte deshalb wieder fort. Um 1750 wurde dann der tibetische Regent wieder von den Chinesen ermordet. Der neunte Dalai-Lama, der 1804 geboren wurde, ist nur elf Jahre alt geworden, der zehnte starb im 23. Le-
Vor 15 Jahren wurde die NSDAP, gegründet.
Am 5. Januar sind es 15 Jahre her, daß Adolf Hitler jene Partei begründete, die in machtvollem Aufstieg den Staat er* oberte, um ihn einer neuen Zukunft entgegenzuführen. — Unser Bild zeigt drei Etappen zum Sieg: Das Sterneckerbräu in München, in dem am 5. Januar 1919 die NSDAP, gegründet wurde; das Braune Haus in München, das Hauptquartier der Bewegung; das Reichskanzlerpalais in Berlin, von dem aus Adolf Hitler nun seit einem Jahr die Geschicke Deutschlands leitet.
bensjahre, der elfte wurde wieder nur 17 Jahre alt und der zwölfte auch nur 20 Jahre.
China hatte feine Hand im Spiel. Gegen die Persönlichkeit des in jedem Dalai-Lama wiedergeborenen Bodhisatwa Avalokitesvara, des „Herrn der Gnade" hätte der chinesische Ministerresident in Lhasa kaum etwas ausrichten können. Wohl aber gegen den Regenten, der einen unmündigen Dalai-Lama nur politisch zu vertreten hatte, denn ein solcher Regent war ein gewöhnlicher Sterblicher. So durften die Reinkarnationen des heiligen Bodhisatwas, die armen kleinen Dalai-Lamas, niemals mündig werden, oder doch ihre Mündigkeit niemals lange überleben. Und das führte man mehr als 100 Jahre durch.
Da wurde in dem ärmlichen Dorfe Per-tfchö-de, vier Tagereisen südlich der Potalaburg von Lhasa im Jahre 1876 ein kleines Kind in den Armen einer bäuerlichen Mutter aufgefunden, das der Beschreibung entsprach, die von der 13. Wiedergeburt des großen Heiligen prophezeit worden war. Der Knabe hatte auch die vorschriftsmäßigen langen Buddhaohren, die beiden fleischigen Auswüchse an den Schulterblättern, durch die sich die Wiedergeburten des vierhändigen Heiligen von den gewöhnlichen Menschen unterscheiden, und ein Muttermal, ähnlich einer Muschel, auf der einen Handfläche. Noch bevor er drei Jahre am Leben war, holte man ihn von feiner Mutter fort, um ihn wegzubringen in die hohe Burg seiner Vorgänger.
Man weiß bis in die östlichen Teile Tibets, die ich selbst bereisen konnte, daß es besonders der sorgfältigsten Erziehung des „Schlafkammerbeamten" zu verdanken ist, daß der kindliche Dalai-Lama auch ohne seine Mutter gesund, kräftig und vor allem charakterstark geworden war. Er hatte das große Glück, in gute und vor allem treue Hände zu kommen; von früher Jugend an wurde dem verständigen Knaben beigebracht, daß sein Leben st ä n d i g der Gefahr eines politischen Giftmordes ausgesetzt war! Man wußte in Tibet, daß er nie und nimmer von einer Speise nahm, die' nicht vorher von einem seiner Diener gekostet worden war. Aber dieses Bekanntsein einer ständigen Lebensgefahr und der Wichtigkeit feines Amtes hat ihn auch bei größtem Selbstbewußtfein so
eifrig, fleißig und hart gegen sich selbst gemacht. Sein Leben, in welchem er die wenigste Zeit geschlafen hat, war Lernen, Arbeit und Kampf. Es war geteilt zwischen seinen religiösen und seinen politischen Regentenpflichten, ohne daß man sagen könnte, welche die anstrengenderen gewesen sind. Tagtäglich war er um 6 Uhr morgens für mehrere Stunden in tiefstem Gebet, das er noch mehrfach am Tage wiederholte, aber mit feiner politischen Klugheit, die ihn veranlaßt, sich auch in der Ferne seines verschlossenen Landes ständig über die Weiterentwicklung in allen Weltstaaten zu unterrichten, hat er gleichzeitig fertiggebracht, Tibet feit mehr als 150 Jahren zum ersten Male wieder unabhängig zu machen.
Dabei lag er ständig im Kampfe mit den fast unabhängig mächtigen Aebten der drei großen Klöster, die in unmittelbarer Nähe von Lhasa liegen und zusammen ungefähr 30 000 Mönche beherbergen. Außerdem hatte er im Taschi Lama zu Tasche- Ihumpo, genau wie feine Vorgänger, einen unbequemen Rivalen in allen rein religiösen Vorkommnissen, denn dieser ist, trotzdem er keine weltliche Regentengewalt hat, die Wiedergeburt des Buddha Amitabha und damit der geistliche Vater und Führer des Avalokitesvara, den jeder Dalai- Lama verkörpert. Er stieß auf stärksten Widerstand und offene Feindschaft, weil er trotz feiner tiefen Frömmigkeit dem Lande eine ganz moderngeschulte, wenn auch kleine Armee geschaffen hat, weil er den Telegraph bis Lhasa leitete und weil er ein Elektrizitätswerk, eine drahtlose Station und andere neuzeitliche Technik ein» führen wollte.
Er war hineingeboren in eine politisch ungewöhnlich stark bewegte Zeit. Aber er hat diese gemeistert, obwohl er ein tibetischer Heiliger und als buddhistischer Lama großgezogen worden war. Unter seinen Erziehern, die seine Jugend betreut und ihn auch politisch erzogen hatten, war Dordschew, der russische Burjate, also ein echter Mongole zwar, aber russischer Untertan. Die Burjaten gelten als die klügsten aller Mongolenstämme und wünschen schon lange, daß auch einmal ein neuer Dalai- Lama aus ihrem Volke genommen werden möchte. Die Söhne ihrer Adligen, die als Lamas in die auf
sibirischem Boden gelegenen Klöster gehen, studierten mit Stehkragen und Bügelfalte in Moskau moderne vergleichende Religionswissenschaften, aber wallfahrten hinterher wieder im Mönchsgewand durch Wüste und Kälte bis Lhasa.
Dordschew beeinflußte schon früh seinen Zögling, sich politisch an Rußland anzulehnen, um mit Hilfe der Russen die Chinesen zu vertreiben. 1901 schickte der Dalai-Lama tatsächlich die erste tibetische Gesandtschaft an einen europäischen Herrscherhof, nach Petersburg. Es war jene Zeff vor dem Weltkrieg, in der die weißen europäischen Völker noch stark waren und niemals glaubten, daß einmal im fernen Osten Japan eine erste und stärkste Weltmacht werden könnte. Rußland und England-glaub- ten damals noch, sie könnten Asien wie einen Kolonialbesitz beherrschen, und eifersüchtig beobachtete jeder Staat die Fortschritte des andern. England wurde durch die Gesandtschaft zum Zaren und durch das Vordringen der Russen in der Mongolei politisch eifersüchtig gemacht. Es schickte deshalb 1903 einen Gesandten in die Papstburg nach Lhasa, Der aber schon an der Landesgrenze aufgehalten wurde. Da wurde dessen militärische Begleitung im nächsten Jahre so verstärkt, daß jie sich den Einmarsch mit Geschützen erkämpfen konnte, und die Tommies spielten auf dem Glacis vor der Potalaburg Fußbai, wie in England. Der kluge Dalai-Lama aber war fast 3000 Kilometer weit bis Urga in die Mongolei geflohen.
Nun folgten Jahre des Exils und ein wechselvolles Schicksal. Auch nach Peking mußte der Heilige gehen. Als er aber nach schwierigen Reifen wieder in Lhase war, rettete er sein Leben noch einmal durch die Flucht und ging auf angloindisches Gebiet, wo er von 1910 bis 1912 die Kultur der Weißen und die neue Zeit persönlich kennenlernen konnte. Trotzdem blieb er die tief- religiöse Kirchenfürst, der von seiner Wiedergeburt fest überzeugte Bodhisatwa. Die Engländer waren klug genug, die harten Verträge, die ihre bewaffnete Gesandschaft von 1904 in Lhasa von einer, nur für diesen Vertragsschluß künstlich geschaffenen tibetischen Ersatzregierung erzwungen hatte, nun freiwillig wieder aufzuheben und dem Dalai-Lama eine Gastfreundschaft zu gewähren, die feinem hohen Rang
Gießener Gtadttheater.
Kart Bolcks Bühnenjubiläum: „Der Herr Senator".
Wenn ein Schauspieler auf eine 25jährige Tätigkeit als Bühnenkünstler zurückblicken kann, wenn er überdies das runde Vierteljahrhundert seiner Wirksamkeit an einem Theater und in derselben Stadt erleben durste, wo er als jugendlicher Anfänger und sogar als Liebhaber begann, wenn schließlich dieses Doppeljubiläum auch noch mit der Feier des 50. Geburtstages beinahe zusammenfällt, bann ziemt es sich wohl, dem Künstler an der Stätte seines ununterbrochenen und unermüdlichen Wirkens die verdiente Ehrung zu erweisen.
Seit Karl 23 o l cf am 27. September 1908 als La Hire in der „Jungfrau von Orleans" zum ersten Male die Gießener Bühne betrat, hat er — man kann es im Programmheft nachlesen — nicht weniger als 650 verschiedene Rollen gespielt.. vom Klosterbruder im „Nathan" bis zum Professor Geiger in „Vor Sonnenuntergang", vom alten Textor bis zum Glasermeister Tschöll, vom wallen- steinschen Wachtmeister bis zum Darmstädter Dummbach —: eine erstaunliche Fülle dramatischer Gestalten und menschlicher Charaktere? Vom Fach des Liebhabers hat sich der Jubilar mittlerweile zurückgezogen, aber die „bürgerlichen und humoristischen Väter", wie die Bühnensprache sich ausdrückt, die haben bis heute den eigentlichen, souverän beherrschten Rvllenkreis seines schauspielerischen Wirkens gebildet.
Zu seinem Ehrenabend hatte sich V o l ck die Titelrolle in dem dreiaktigen Lustspiel „Der Herr Senator" von Franz Schön th an und Gustav Kadelburg ausgesucht und damit eine Rolle gewählt, die ihn dreifach auf feinem Spezialgebiet bestätigte, denn dieser hamburgische Senator Andersen ist, wenn man von seiner Würde einen Augenblick absehen darf, die ihn gleichsam wie oie gestärkte weiße Halskrause feiner hanseatischen Amts- tracht starr und stets umsteht, in allererster Linie Vater, und zwar ein ebenso bürgerlicher rote humoristischer Vater.
Es liegt uns nun gänzlich fern, etwa auf biefes •Ite und aus mehr als einem Grunde im verschollenen Kostüm gespielte Stück des Näheren emzugehen. Dazu besteht an sich schon wenig Anlaß, und heut- überhaupt keiner, denn wir möchten hier ausnahms- wei e mal keine Kritik schreiben, sondern uns nur
bescheiden in den großen Kreis der Gratulanten mit einqliedern. Das kann ja nun freilich wiederum an dieser Stelle am besten so geschehen, daß wir mit Freuden der schönen und runden Leistung gedenken die uns her Doppeljubilar Karl Volck seinerseits zum Festabend beschert hat.
Wir sahen ihn hier im Mittelpunkt einer kleinen Palastrevolution im roohlfituierten hamburgischen Patrizierhause, in einer Rolle, die alle charakteristischen und liebenswürdigen Seiten seines Schau- spielertums zu entfalten reiche Gelegenheit bot: von der unnahbaren Würde und Strenge eines patriarchalischen Familienoberhauvtes bis zur kleinlauten Verschüchterung, vom selbstherrlichen Polterton bis zur sprachlosen Verblüffung, von der sanften Ironie bis zur gutmütigen Verlegenheit — kurz, wir erlebten eine echte' und rechte Lustspielfigur rundum, in der sich, wie wir glauben, für die älteren und reaelmäßia erscheinenden Besucher eine Fülle dessen wfammenbrängte, was Herr 23 o l cf in fünfund- zwvnzig Jahren ernster und heiterer Schauspielerei am Gießener Theater vor uns ausgebreitet hat.
Es liegt beim Bericht über einen solchen Jubi- läumsabenb in der Natur der Sache, wenn die übrigen Mitwirkenden — zumal der Raum begrenzt ist — ein bißchen kurz wegkommen. „Wie der Sterne Chor um die Sonne sich stellt", sie „umstanden geschäftig den Herrscher der Welt" oder doch jedenfalls der weltbedeutenden Bretter. Herr Neuhaus führte geschickt und sauber Regie. Die Damen Koch und Bürberg waren innig bemüht in wohlstilisierter Gemessenheit die water- kantische Würde des Hauses zu wahren. Fräulein Stadler präsentierte sich als ein niedlicher, kichernder, plappernder Backfisch mit Mozartzopf. fterr Marcks entwickelte sich mit gutem Humor aus elender Waschlappiakeit zu kernig auftrumpsen- der Männlichkeit. Herr L ö s e r gab mit überlegener Ruhe und Sicherheit den hergelaufenen Dr. Gering, der die Palastrevolution recht eigentlich anzettelt, Elisabeth Wielander kouragiert und ehrenfest das Fräulein Sophie. Auch alle übrigen Mitwirkenden waren mit Eifer bei der Sache.
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Das Publikum brachte feine Glückwünsche, seine Dankbarkeit und Anhänglichkeit dem Jubilar in brausenden Beifallsstürmen überzeugend zum Ausdruck Als das Stück zu Ende war, hob lief) der Vorhang noch einmal zu einer kleinen Feier auf offener Bühne. Die Musik intonierte „Die Himmel rühmen", ein reich besetzter Gabentisch wurde hereingetragen, und mit dem Gefeierten erschien das
gesamte darstellende Personal und die Theater- leitung.
Beigeordneter Bartholomäus sprach Herrn 23 o l cf namens der Gießener Stadtverwaltung herzliche Glückwünsche zu seinem Jubiläum aus; er betonte, daß der Jubilar in dem Dierteljahrhundert seiner hiesigen Wirksamkeit sich nicht nur als Schauspieler Liebe und Anerkennung, sondern auch den Ehrentitel eines Gießener Bürgers erworben habe, und überreichte ihm namens der Stadt eine Ehrengabe.
Intendant König begrüßte und beglückwünschte den Jubilar im Namen des Hauses, in dem er vor 25 Jahren die ersten zaghaften Schritte auf die Bühne getan habe. Der Intendant wies in kurzem Rückblick darauf hin, daß Herr V o l ck sich in so langer Zeit Dank und Beifall nicht nur des Publikums, sondern auch der vorgesetzten Theaterleitung erworben habe: das möge noch viele Jahre so bleiben.
Als Vertreter des Ensembles wünschte Herr L ö - s e r dem älteren Kollegen Hals- und Beinbruch, und Herr Hub hielt als engerer Landsmann auf gut Frankfurterifch eine herzliche kleine Ansprache, in der er Volcks Tätigkeit im Dienste der deutschen Schauspielkunst und auch sein verdienstvolles genossenschaftliches Wirken rühmte; im übrigen hoffe er auf ein Wiedersehen in 25 Jahren: dann werde man wohl eine Parallelversammlung in der Volkshalle veranstalten müssen.
Nachdem Herr F e u ß e r die Glückwünsche des technischen Personals dargebracht hatte, ergriff der so vielfältig Geehrte selber, sichtlich bewegt, das Wort, um dem Publikum, den Kollegen und allen Gram- lauten seinen tiefempfundenen Dank abzustatten für die jchöne Feier und die reichen Gaben; Herr Volck gedachte der langen Zeit feines hiesigen Wirkens, besonders auch seines verewigten ersten Intendanten ©teingoetter; es sei ihm eine Freude, den zu seinem Ehrenabend von Darmstadt herübergekommenen vormaligen Chef, Generalintendanten Dr. P r a f ch unter den Anwesenden zu sehen. Er bekenne sich mit gleicher Liebe zu Gießen wie zu seiner Vaterstadt Frankfurt, und er hoffe, diese 25 Jahre möchten kein Abschluß, sondern nur eine Etappe sein. Herr Volck ließ seine Dankes- roorte ausklingen in die Bitte an die Zuschauer, dem Theater auch ferner die Treue zu halten und ihm neue Freunde zu werben. —
Damit war die Jubiläumsfeier beendet, die für die herzliche Verbundenheit zwischen dem Theater und seinem Publikum das schönste Zeugnis ablegte. bth-
Bayerisches Bauernjahr.
Das Bayrische Bauernjahr schildert in einer reichen Folge wunderschöner eigener Aufnahmen Ignaz G i d a l und veröffentlicht seine Studien im Januarheft von Velhagen & Klafings Monatsheften, die immer bemüht gewesen sind, unser altes Brauchtum zu pflegen und das Verständnis unserer Sitten in weiteste Kreise zu tragen. Das letzte Fest des alten Bauernjahres und das erste des neuen ist auch in Bayern der Dreikönigstag, das „Hohe Neujahr". Mit geweihter Kreide malt der Bauer über alle Türen im Haus und im Stall die neue Jahreszahl und die Anfangsbuchstaben der heiligen drei Könige aus dem Morgenland: Caspar, Balthasar, Melchior (19 + (T + 23 + Tt 34). An manchen Orten gehen am Dreikönigstag drei kleine Buben als heilige drei Könige verkleidet herum, sagen die Erzählung von der Fahrt der heiligen drei Könige nach Bethlehem auf und ziehen bann reich beschenkt weiter.
250 Kilometer in 9 Stunden aus Schlittschuhen.
Das größte Wintersport-Ereignis in Holland ist das Schlittschuh-Wettrennen durch 11 Städte, das alljährlich in Friesland abgehalten wird. Das Rennen beginnt zu Leeuwarden und geht dann über die jpiegelblanfe Bahn der Flüsse, Kanäle und Grachten durch Sneek, Stavoren, Harlingen, Dokkum und andere Städte nach Leeuwarden zurück. Die Strecke beläuft sich auf 205 Kilometer, und sie wurde bei dem diesjährigen Rennen von A. de Vries in der Rekordzeit von 9 Stunden und 2 Minuten zurückge- legt; das ist 51 Minuten weniger als der frühere Rekord betrug, der vor vielen Jahren ausgestellt wurde. Der erste Preis fällt demjenigen zu, der die Strecke in der kürzesten Zeit zurücklegt; andere Preise winken denen, die dieser Leistung am nächsten kommen. Das Wetter war diesmal überaus günstig, und eine große Anzahl von Wettbewerbern, mehr als 500 waren auf dem Plan erschienen. An die 120 von ihnen erreichten Leeuwarden schon wieder am Nachmittag desselben Tages. Das war ein Ergebnis, wie es noch nicht vorgekommen mar. Unter den Besten befand sich auch eine Dame, die durch einen Blumenstrauß besonders geehrt wurde. In Wettbewerb traten ein 48 Jahre alter Bauer und sein 18jähriger Sohn; der Vater kam eine Stunde vor seinem Sproßling an


