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Ifwonnes Geheimnis

Roman von Klothilde von Stegmann Llrheberrechtsschutz: Fünf-Türme-Verlag Halle (Saale) 24. Fortsetzung. Nachdruck verboten!

Haben Sie einen zuverlässigen Menschen, der mir Akten nach meiner Wohnung bringen kann, Herr Weterkamp? Der Minister wünscht, daß die Ange­legenheit beschleunigt wird; ich werde also die Nächte zu Hilfe nehmen müssen. Dazu brauche ich einen Teil des Materials in meiner Wohnung. Ich wünsche natürlich nicht, daß darüber unnütz gesprochen wird. Wer ist gleichzeitig intelligent, zuverlässig und ver­schwiegen genug, die Mappen zu mir hinzubringen und abzuholen?"

Ich denke, das kann Walburg machen, Herr Le­gationsrat!?"

Walburg ... War nicht vor einiger Zeit irgend etwas mit dem los?"

Allerdings! Aber das hat sich ja vollkommen auf­geklärt. Zuverlässig und intelligent ist er. Und Mühe gibt er sich seit der Dummheit damals doppelt. Stammt übrigens aus guter Beamtenfamilie."

Meine Adresse kennt Walburg?"

Er war schon einige Male bei Ihnen, Herr Le­gationsrat, um Schriftstücke abzuholen. Er weiß Bescheid. Ich werde ihn noch ausdrücklich sagen, daß er den Mund zu halten hat."

Tun Sie das, und schicken Sie ihn morgen früh, sowie ich anrufe, wieder zu mir, um die Sachen zurückzubringen. Ich habe Ihnen die Quittung für die Akten, die ich heute zu Hause brauche, gleich mitgebracht. Walburg darf mir die Sachen natürlich nur persönlich übergeben. Wenn ich zufällig nicht da bin, muß er eben auf mich warten."

Selbstverständlich, Herr Legationsrat. Es wird alles richtig besorgt. Die Geheimsachen schicke ich in verschlossener Mappe. Bitte, hier ist der Doppel­schlüssel."

Seeburg ging wieder in fein Zimmer zurück. Er nahm den Hörer seines Tischapparats ab und stellte die Verbindung mit der Mertenschen Wohnung her.

Fr»u von Merten meldete sich.

Hier ist Seeburg. Gnädige Frau, ich habe eine Bitte. Ich werde in den nächsten Tagen wahrschein­lich nachts lange zu arbeiten haben. Wäre es mög­lich, daß Berta mir dann abends einen starken Kaffee bereitet? Haben Sie die Freundlichkeit, das zu ver­anlassen."

Gewiß, Herr Baron. Ich werde dafür sorgen. Berta wird gleich alles zurechtstellen. Für Irene werde ich einen Zettel hinterlassen. Ich fahre nämlich heute nachmittag zum Geburtstag meiner Schwester nach Potsdam. Berta begleitet mich, weil es da immer spät wird, und ich im Dunkeln beim Gehen unsicher bin. Aber Irene macht das heute mal."

Ich möchte Ihr Fräulein Tochter nicht bemühen, gnädige Frau."

Aber kein Gedanke, Herr Baron. Irene über­nimmt das sehr gern."

Dann vielen Dank. Ich hätte gern um einund­zwanzig Uhr einen starken Kaffee!"

Verlassen Sie sich darauf. Der Kaffee ist um ein­undzwanzig Uhr fertig."

Dann besten Dank und viel Vergnügen in Pots­dam!"

*

Als Pvonne Dumont um siebzehn Uhr die Woh­nung betrat, war alles ausgeflogen. Als sie den Zettel im Korridor sah, glaubte Pvonne, daß für sie eine Nachricht zurückgelassen sei. Sie nahm die für Irene bestimmten Zeilen an sich, legte dann den Zettel aber sorgfältig wieder hin, nachdem sie ihn genau gelesen hatte.

Ein Zug von Härte trat in ihr Gesicht. Schnell ging sie in ihr Zimmer und führte von dort aus eilig drei Telephongespräche. Dann ging sie wieder fort. Die Portierloge war auch jetzt noch leer.

Beim Nachhaufekommen war ihr das wieder aus­gefallen. Welcher Unterschied gegen Paris! Dort konnte man niemals, wie das hier in Berlin üblich, ein Miethaus betreten und wieder verlassen, ohne daß der Portier das beobachtet hätte. Die Berliner waren doch ganz anders. Hier kümmerte sich kein Mensch darum, was der andere trieb.

Um achtzehn Uhr klingelte Franz Walburg. Irene öffnete ihm jetzt.

Sie wollen zu Herrn Baron von Seeburg? Der ist noch nicht hier!"

Dann möchte ich hier auf den Herrn Baron warten. Ich habe ein paar Schriftstücke, die ich per­sönlich abgeben soll ..."

Können Sie das nicht hierlassen, Herr Walburg? Ich weiß nicht, wann der Herr Baron kommt."

Ich möchte doch lieber warten!" meinte Franz Walburg. Dann setzte er leiser hinzu:Haben Sie in den letzten Tagen einmal von dem Herrn etwas gehört, Fräulein von Merten, den wir beide in der Lützowstraße gesprochen haben?"

Nein, Herr Walburg. Ich habe sogar schon einige Male versucht, ihn telephonisch zu erreichen. Aber ich habe ihn nicht sprechen können."

Ja, so geht es mir auch. Heute habe ich schon viermal angerufen! Und ich müßte ihn so dringend sprechen. Es ist etwas Wichtiges, aber ich kann es ihm nur selbst sagen."

Schade, daß Sie es mir nicht anvertrauen können?!" meinte Irene mit einem fragenden Blick.

Nein! Das darf ich leider nicht. Ich hatte dem Herrn etwas mitzuteilen. Eigentlich dürfte ich es gar nicht tun, aber ich habe es nun einmal ver­sprochen. Ich konnte auch nicht erfahren, wo ich ihn erreichen kann. Zu ärgerlich!"

Franz Walburg verstummte jäh. Die Korridortür öffnete sich. Zu seiner grenzenlosen Ueberraschung sah Walburg die schone Dame eintreten, die er da­mals mit Malesius und den beiden anderen Herren aus dem Hotel Esplanade hatte kommen sehen.

Pvonne und Irene begrüßten sich mit kalter Förm­lichkeit. Ein gleichgültiger Blick Pvonnes streifte Wal- durg, dann trat sie in ihre Zimmer.

Wohnt diese Dame auch hier? Und wie heißt sie?" fragte Walburg hastig mit gedämpfter Stimme.

Das ist Fräulein Dumont! Sie wohnt schon fast so lange hier als der Herr Baron!" erwiderte Irene erstaunt.Kennen Sie die Dame?"

Ja! Vom Sehen!" war Walburgs ausweichende Antwort.Aber ich glaube, es würde den Herrn, den ich nicht erreichen kann, sehr interessieren, wenn er erfährt, daß diese Dame hier wohnt."

Das weiß Doktor Miller doch schon. Ich habe es ihm ja schon längst erzählt."

Das Gespräch brach ab. An der Korridortür wurde geschlossen. Franz Walburg, der sein Aktenpaket sorgsam in der Hand behalten hatte, wollte sich ge­rade auf einen Stuhl dicht bei Seeburgs Tür hin­setzen, da sah er, daß es Legationsrat von Seeburg war, der eben kam und auf ihn zuging.

Sie bringen die Akten aus der Geheimkanzlei? Ich habe mich ein paar Minuten verspätet. Kommen Sie gleich mit herein, damit ich Ihnen die Bescheini­gung mitgeben kann."

Seeburg machte Licht, legte seinen Hut ab, glättete seine Handschuhe sorgsam und legte sie dazu, dann ließ er sich am Schreibtisch nieder, auf dem Walburg die Akten inzwischen ausgebreitet hatte. Mappe für Mappe nahm Seeburg in die Hand, prüfte sie ein­gehend, dann holte er den kleinen Schlüssel aus der Tasche, den Weterkamp für die verschlossene Mappe mit den Geheimsachen ihm mitgegeben hatte, und prüfte den Inhalt auch dieser Tasche.

Da fehlt ja noch die Zusammenstellung, die Herr Legationsrat von Matzow den Akten beifügen wollte. Oder haben Sie noch ein Schriftstück für mich?"

Nein, Herr Legationsrat das ist alles, was ich abgeben sollte. Soviel ich weiß, ist Herr von Matzow heute nachmittag gar nicht im Amt ge­wesen."

Das wäre sehr fatal, denn dann fehlt mir ein wichtiger Teil der Akten. Ich werde gleich mal Herrn von Matzow anrufen."

Seeburg nahm das Telephonbuch zur Hand und verlangte Matzows Nummer. Walburg entnahm dem Gespräch, daß Matzow das gesuchte Aktenstück in seiner Wohnung in Lichterfelde habe. Als er be­merkte, wie notwendig Seeburg die Papiere brauchte, sagte er:

,^)err Legationsrat! Wenn dieses Schriftstück so dringend gebraucht wird, dann kann ich es doch jetzt gleich bei Herrn von Matzow abholen und hierher­bringen."

Das wäre sehr nett, Walburg. Ich bin tatsächlich in Verlegenheit wegen dieser Zusammenstellung. Ich werde also Herrn von Matzow gleich sagen, daß Sie jetzt noch zu ihm herausfahren. Sie kommen dann gleich noch einmal hierher. Am besten ist es, wenn ich Ihnen den Hausschlüssel mitgebe, falls das Haus nachher schon geschlossen ist. Aber es ist ein ziemlich weiter Weg bis zur Wohnung des Herrn von Matzow. Na, schon!"

Seeburg nahm das unterbrochene Telephon­gespräch wieder auf:

Die Schwierigkeit ist schon gelost, Matzow. Der junge Walburg aus dem Amt, den Sie ja kennen, ist gerade bei mir. Er fährt jetzt gleich zu Ihnen heraus. Geben Sie ihm das Schriftstück mit, er bringt es

mir bann sofort hierher. Worüber hätten Sie gern noch Aufklärung gehabt, Matzow? In der Ost­front- Sache? Ja, Sie haben recht, es ist vielleicht besser, darüber telephonisch nicht zu sprechen. Das geht doch ganz gut; wenn Sie es erst morgen früh im Amt brauchen, dann beantworte ich Ihr Schreiben sofort, wenn Walburg es mit den Sachen mitbringt, und er gibt Ihnen morgen früh im Amt meinen Brief. Jawohl! Ganz recht! Also Walburg fährt jetzt gleich los, dann kann er in zweieinhalb Stunden wieder zurück fein. Ich arbeite bis dahin, vor. Besten Dank! Auf Wiedersehen!"

Als Franz Walburg kurz nach einundzwanzig Uhr mit Seeburgs Schlüssel die Haustür aufschloß, kam ihm der Hauswart entgegen:

Wer sind Sie denn, und woher haben Sie einen Hausschlüssel? Sie wohnen doch nicht hier!?"

Ich will zu Herrn Legationsrat von Seeburg, für den ich diesen Brief abgeholt habe." Walburg zeigte den adressierten Briefumschlag.Den Schlüssel hat mir Herr von Seeburg mitgegeben."

So! Das ist etwas anderes! Sie wissen ja, in Berlin muß man aufpassen."

Vorsorglich schaltete der besänftigte Hauswart die Nachtbeleuchtung ein.

Walburg meldete sich wieder bei Seeburg, übergab ihm das Schreiben des Herrn von Matzow. Auch erinnerte er an die Antwort für den anderen Mor­gen. Dann wartete er im Flur auf Seeburgs Schrei­ben für Matzow.

Irene war in der Küche beschäftigt, in Bertas Abwesenheit den Kaffee für Seeburg zurechtzu­machen. Franz Walburg beobachtete von seinem Platz aus die flinken Bewegungen, mit denen Irene in der Küche hantierte. Er konnte gerade den Teil der Küche überblicken, in dem Irene stand.

Walburg war doch etwas müde von der drücken­den Hitze dieses Tages und dem weiten Weg. Einmal ober zweimal war er aus einem leichten Hindäm- mern aufgefahren, weil er glaubte, daß sich eine Tür öffnete. Er dachte, daß Seeburg ihm das Schreiben herausbringe. Beim drittenmal merkte er, daß das Geräusch nicht von Seeburgs Zimmertür herrührte. Die Tür des Nebenzimmers wurde leise etwas geöffnet und sofort wieder geschlossen.

Das scheint ja ein langer Brief zu fein, den Herr von Seeburg noch schreibt!, dachte Franz Walburg. Die Schwüle wirkte einschläfernd. Walburg saß still und regungslos da und wehrte sich gegen den Schlaf.

Plötzlich schrillte das Telephon und ermunterte ihn jäh. Irene ging rasch in ihr Zimmer, und Walburg hörte sie dort sprechen. Da vernahm er etwas wie das leise Knacken einer Tür, Pvonne Dumont ging schnell aus ihrem Zimmer in die Küche, ohne Wal­burgs Anwesenheit zu bemerken ...

Wie geräuschlos doch diese elegante Dame gehen kann!, dachte Walburg belustigt. Mutter hat zwar immer Filzpantoffeln an, aber damit stampft sie ganz gehörig. Das hört man schon.

Neugierig sah er zu, was Fräulein Dumont wohl da machte. Er horte ein leises Geräusch, dann sah er, daß Yvonne, die offenbar neugierig war, die von Irene eben gefüllte kleine Meißner Kaffeekanne in die Höhe hob und an die Nase hielt.

(Fortsetzung folgt.)

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sagen wir unseren innigsten Dank. Insbesondere danken wir für die trostreichen Worte des Herrn Pfarrer Schult­heiß, dem GesangvereinGermania für seine letzte Ehrung, für die vielen J£t anzspenden und allen denen, die ihm auf seinem letzten Wege ein ehrendes Geleit gaben.

Die trauernden Hinterbliebenen.

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Wegen Dispositionsscbwierigkejlgn können wir den Großfilm Großfürstin Alexandra nur noch heute Donnerstag spielen Der Film wird aber in einiger Zeit nochmals laufen.

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