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übergegriffen, die unterirdisch miteinander verbunden find. Alle Abteilungen haben nur zwei Ausgänge, die durch die letzten Explosionen fast vollständig verschüttet wurden. Die Rettungs­arbeiten sind außerdem durch das andauernde Ent­weichen brennender und giftiger Gafe erschwert.

Entstehungsursache noch ungeklärt.

Wie nunmehr endgültig seststeht, befanden sich zur Zeit der Katastrophe 140 Mann der Belegschaft einschließlich von neun Aufsichtsorganen unter Tag. Zu den gemeldeten vier Todesopfern kommen zwei weitere Opfer der Explosion aus dem Forderschacht hinzu, und zwar ein Werkmeister und eine Waschfrau, die beide um die achte Abendstunde tot geborgen wurden. Außer den vier Ge­retteten ist noch ein Arbeiter unter den Trümmern des Förderschachts lebend geborgen worden. Ein­geschlossen sind noch immer 132 Mann, für deren Schicksal die schwersten Besorgnisse gehegt werden, lieber die Ursache der Katastrophe bestehen zur Stunde immer nur noch Vermutungen. Mög­licherweise kann es sich um die Explosion des Dynamitlagers handeln, das unweit der Sohle des Förderschachts im Schacht untergebracht war. Da das ganze Revier nach der Explosion von heftigen Rauchschwaden erfüllt war, fehen die Fach­leute dem Ergebnis der eingeleiteten Rettungsaktion mit großem Pessimismus entgegen. Bis 21 Uhr gelang es, frische Wetterströme in die vergasten Reviere einzuführen, so daß die Qualm- und Dampf- entwicklung um diese Zeit fast vollständig zum Stillstand gelangt war. Um diese Zeit begann die Einfahrt der ersten Rettungsmannschaft. Die Fort­schritte der Rettungsaktion dürften langsam vor sich gehen, weil das Einsteigen auf Leitern erfolgt und jedenfalls auch mit starken Verbrüchen unter Tag zu rechnen ist. Man erwartet für die nächsten Stunden die erste Nachricht über das Schicksal der 132 eingeschlossenen Bergarbeiter.

Vier Bergleute gerettet.

Vier Bergleuten gelang es, sich zu dem benach­barten Revier desNelson VII"-Schachts zu flüch­ten und von dort auf Leitern ins Freie zu gelangen. Sie find durch das Einatmen von Grubengas schwer erkrankt und so erschöpft, daß eine Schilderung ihrer Erlebnisse nicht zu er­halten ist. Aus dem gleichen Weg, den die vier Ge­retteten nahmen, hat sich eine Rettungsabteilung in die Grube begeben, lieber ihre Tätigkeit liegt noch keinerlei Nachricht vor. Die Schachtanlage ist von den Angehörigen der eingeschlossenen Bergleute um­lagert. Aus ganz Nordwestböhmen find Rettungs­wagen und Feuerwehren alarmiert worden.

116 Tote geborgen.

Brünn, 4. Jan. (DRB. Funkfpruch.) Auf dem Relsonschachl III, in dem 132 Bergleute durch die schwere Grubenexplosion eingefchlossen sind, konnten bisher 16 Tote geborgen werden. Klopfzeichen der Eingeschlosfenen sind nicht mehr zu hören. Die Aussichten auf eine Bergung der Eingeschlosfenen sind sehr gering, weil die riesigen Stidjflammen eine große Hitze entfalten. Alle Zugänge zum Unglücks­schacht find verschüttet. Aus den Schächten steigen giftige Gafe auf.

Die Ordnung wird durch 100 Gendarmen auf­recht erhalten, die Mühe haben, die vielen Hunderte von Angehörigen der Verunglückten vor den Ein­gangstoren zurückzuhatten.

lieber die Ursache des Unglücks bestehen nur Vermutungen. Es kann sich um eine Explo­sion brennbarer Gase, aber auch um eine Explosion des Dynamitlagers handeln. Die Fachleute erklären, daß im Nelsonschacht schon seit einigen Tagen ein Grubenbrand wütete, den man mit größter Mühe, aber vergeblich einzudämmen versuchte. Diesem Grubenbrand schreibt man die Explosion zu.

Die vier geretteten Arbeiter haben sich soweit er­holt, daß sie ihre ersten Eindrücke von der Kata­strophe schildern können. Sie hatten plötzlich im Schacht einen dichten Qualm bemerkt und hatten versucht, den Förderschacht zu erreichen. Als sie aber infolge des Rauches nicht weiter konnten, kehrten sie um. Es gelang ihnen, durch den Not- ausganq des Schachtes VII auszufahren. Auf der Grube VII mußten gegen 4 Uhr die Rettungs- arbeiten eingestellt werden, da auf der Grube sich ein starker Rauch entwickelte. Die Grube wurde sofort abgeschlossen.

Dank des Reichspräsidenten.

B e r l i n , 3. Jan. (DNB.) Reichspräsident Generalfeldmarschall von Hindenburg gibt folgendes bekannt: Aus Anlaß des Jahres­wechsels sind mir auch in diesem Jahre zahl­reiche Glückwünsche aus dem In- und Aus­land zugegangen. Da es mir bei der großen Zahl dieser Zeichen freundlichen Meingedenkens leider nicht möglich ist, jedem einzelnen Gratulanten per­sönlich zu antworten, muß ich allen, die mit guten Wünschen meiner so freundlich gedacht haben, auf diesem Wege danken und sie bitten, sich mit dieser allgemeinen, aber herzlichen Danksagung zu begnü­gen. (gez.) von Hindenburg.

Reichspräsident von Hindenburg hat an den Reichsführer d e s Deutschen Studen­tenbundes und des Nationalsozialistischen Deut­schen Studentenbundes Oscar Stäbe! folgendes Telegramm gesandt:

haben Sie herzlichen Dank für die Neujahrs- wünsche, die Sie mir namens der deutschen aka­demischen Jugend aussprachen. Ich erwidere Ihre Grüße aufrichtigst mit den besten Wünschen für das Gedeihen b e r deutschen Stu­dentenschaft. Möge in ihr ein oaterlandlie- bendes starkes Geschlecht heranwachsen zum Segen deutscher Zukunft, (gez.) vonhindenburg,

Reichspräsident.

Reichspräsident von Hindenburg hat unter dem 2. Januar an den Reichsjuaendführer Baldur von Schirach nachfolgendes Telegramm ge­rietet:

haben Sie vielen Dank für die mir ausgespro­chenen Neujahrsglückwünsche und Grüße der deut- chen Jugend. Ich erwidere sie mit dem Wunsche, >ah auf dem Boden bewährter deut- ch e r Tradition in der Jugend Deutschlands ein gottesfürchtiges, oaterlandlie- bendes, gesundes Geschlecht zum Segen unseres Vaterlandes und feiner Zukunft heran- wachfen möge. (gez.) von Hindenburg,

Reichspräsident.

Dank des Reichskanzlers für die Neujahrsglückwünsche.

Berlin, 3. Jan. (DNB.) Reichskanzler Adol Hitler gibt folgendes bekannt: Für die mir zum Jahreswechsel aus dem In- und Ausland so zahl­reich übersandten Glückwünsche spreche ich m e i n e n

herzlichen Dank aus. Gern würde ich die Glückwünsche im einzelnen beantworten, jedoch t mir dies infolge der starken amtlichen Jnan- iruchnahme leider nicht möglich. Ich bitte daher, auf diesem Weg für die guten Wünsche und die zum Ausdruck gebrachte treue Gesinnung meinen aufrichtigen Dank entgegenzunehmen.

gez.: Reichskanzler Adolf Hitler.

Franz Seldte an den Stahlhelm.

Berlin, 4. Jan. (DNB.) Der Führer Adolf Hitler hatte bekanntlich in einem Schreiben zur Jahreswende dem Bundesführer Franz Seldte einen persönlichen Dank für die Einweisung des Stahlhelms in die nationalsozialistische Gesamt front ausgesprochen. Franz Seldte hat nun durch fol­gende Veröffentlichung seinerseits den Dank a n alle Kameraden weitergegeben:

Meine Kameraden! Den Dank und die Aner­kennung unseres Führers Adolf Hitler gebe ich aus vollem Herzen an Euch w ei t er. Ich habe den entscheidenden Schritt der Einheit der nationalen Front nur deshalb tun können, weil ich gewiß war, daß der Geist, den wir im Stahlhelm gepflegt haben, der Geist des selb st losen Einsetzens für die Nation in uns allen

lebendig war. In diesem Geiste in der Front der großen national-sozialistischen Bewegung weiter- zukämpfen für Deutschland und sei­nen Führer Adolf Hitler sei der Dank und zugleich das Gelöbnis des Stahlhelms, Bund der Frontsoldaten. Frontheil und Siegheil für Adolf Hitler! Gez.: Franz Seldte.

Kirchenminister Weber zurückgetreien.

Berlin, 3. Jan. (DNB.) Wie Kirchenminister Weber mitteitt, ist er am 22. Dezember von sei­nem Amt als Kirchenminister zurückgetreten. Direktor Otto Weber wurde nach Beendigung sei­ner cheologischen Studien im Jahre 1928 Dozent, später Direktor der Reformierten Theolo­gischen Schule in Elberfeld. Im Refor­mierten Kirchentum des Westens nimmt er eine führende Stellung ein. Seit dem Frühjahr vorigen Jahres hat er mit dem jetzigen Reichsbischof eng zusammengearbeitet, insbesondere war er an den Vorarbeiten f ü r d i e neue Kirchen» Verfassung führend beteiligt. Direktor Weber gehörte schon dem ersten auf der Nationalsynode vom Reichsbischof berufenen geistlichen Ministe­rium an.

Reichstagung der nationalsozialistischen Kriegsopferversorgung.

Oberlindober und Or. Ley begrüßen den Vertreter der französischen Kriegsopfer.

München, 3. Jan. (DNB.) In den festlich ge= chmückten Räumen des Bayerischen Landtags traten am Mittwoch die deutschen Kriegsopfer zu einer Tagung zusammen, an der Vertreter der Kriegs­opfer aus dem ganzen Reich teilnahmen.

Nach den Begrüßungsworten des Landesobmanns der NSKOD. Hans Dietrich- Koburg, M. d. R., prach der Reichsführer Oberlindober über die Bebeutung der Kriegsopfer und ihre Stellung im Reich Adolf Hitlers, sowie über die große und be­deutsame Rolle des Frontsoldaten bei der Errin­gung und Erhaltung des wirklichen Friedens. Ober­lindober gab seiner besonderen Freude und Genug­tuung darüber Ausdruck, einen Angehörigen der französischen K r i e g s o p f e r ver­bände, Herrn R. E. R u f e n a ch t - Le Havre, be­grüßen zu können und in ihm einen französischen Kameraden wiederzutreffen, der ihm einst bei Fleury jegenüberlag. Oberlindober betonte, wie sehr Front- oloaten und Kriegsopfer einander würdig sind, und bat schließlich Hern Rufenacht, den Geist, den er hier kennen lerne, hinüberzutragen zu den Geg­nern von ehedem. In seiner Erwiderung erklärte Herr R., wenn die Männer der Front ihren Wil­len und ihre Kraft auf die Wiedergenesung Euro­pas richteten, dann werde Europa wieder ge= unden.

Stürmisch begrüßt sprach nunmehr der Stabsleiter der PO. Dr. Robert Ley. Auch er gab seiner Freude darüber Ausdruck, einen Angehörigen der französischen Kriegsopferverbände bei der NSKOV. begrüßen zu können. Es sei erfreulich, daß sich der deutsche Friedenswille in der Welt bereits durchge­fetzt habe, fo daß Vertreter anderer Länder nach Deutschland kämen und sich selbst davon überzeugen könnten, daß Deutschland nicht ein wildes kriegs­frohes Land fei, sondern ein Deutschland der Ordnung, der Einsicht, der Erfahrung und vor allem ein Deutschland der Ver­nunft. Deutschland wolle nichts anderes, als in friedlichem Aufbau feinen Volksgenossen Glück, Wohlstand und Zufriedenheit geben, nichts anderes, als sich in der Wett wiederum die Achtung zu er­werben, die sich das deutsche Volk in seiner 2000- jährigen Geschichte erkämpft habe. Wir verlangten die Gleichberechtigung nicht für eine Nation, die der Wett nichts gegeben tjabe. Die Vernünftigen in der Wett würden einsehen müssen, daß sie ohne das deutsche Volk nicht leben können. Ein deutscher Soldat, der an der Westfront lag, würde niemals entehrend oder mißachtend von dem französischen Soldaten sprechen. Nach einem feierlichen Toten­gedenken beendete ein dreifaches Siegheil auf den Führer die feierliche Kundgebung.

RooseveltsprogrammsürdennalionalenMeder-

ausbau der Vereinigten Staaten wird sortgesührt.

Washington, 3. Jan. (DNB.) Präsident Roosevelt eröffnete Mittwoch punkt 12 Uhr den 7 3. Bundeskongreß im Washingtoner Capitol mit der Verlesung seiner großen Jahresbot- fchaft. Die Tribunen des Hauses waren voll be­setzt. Zahlreiche Mitglieder des diplomatischen Korps nahmen an der Kongreßtagung teil. Seit vielen Jah­ren ist es zum ersten Male wieder geschehen, daß ein Präsident der Vereinigten Staaten feine Botschaft Heber den Stand der Union" persönlich ver­lesen hat. Entgegen der bisherigen Gepflogenheit, die seit Bestehen der nordamerikanischen Republik geübt worden ist, trat das Parlament nicht Anfang Dezember, sondern erst jetzt nach Neujahr zu seiner ordentlichen Tagung zusammen.

Das Arbeitsprogramm des Kongreffes.

Das gemeinsam mit Roosevelt im November 1932 gewählte Repräsentantenhaus umfaßt 313 Demokraten, 113 Republikaner und 5 Vertreter der Farmer-Partei. Im Senat sitzen 59 Demokraten, 35 Republikaner und 1 Vertreter der Farmer-Partei. Die Partei des Präsidenten hat also in beiden Häusern starke Mehrheiten. Aber auch ohne diese würde der Kongreß diesmal dem Weißen I Haus in allen wirklich lebenswichtigen Fragen keine: großen Schwierigkeiten bereiten, da die Maßnahmen Roosevelts bei etwa 90 v. h. des ganzen Volkes sehr populär sind und angesichts dieser Tat­sache der Gedanke an eine geschlossene Opposition im Hinblick auf die im November bevorstehenden Neu­wahlen des ganzen Repräsentantenhauses und eines Drittels des Senats völlig absurd erscheinen würde. Man rechnet in unterrichteten Kreisen allerdings da­mit, daß das Parlament mindestens vier Monate wird tagen müssen, denn es stehen eine ganze Anzahl schwieriger Fragen zur Er­örterung, die eines eingehenden Studiums bedürfen. Dor allem würden sich die Beratungen um die künf­tige Gestaltung der Finanzpolitik drehen, ins­besondere um die Frage der Schaffung eines sogen. Warendollars, der die Kaufkraft des Landes in dem Umfana des Jahres 1926 gewährleisten soll. Eine weitere Aufgabe des Palaments wird die Neuregelung der Steuern sein, die dem Ausgleich des ordentlichen Haushalts und der Amor­tisation der gewaltigen Lasten des außerordentlichen Haushalts dienen sollen und die Bewilligung neuer TI i 11 e I für den Wiederaufbau- ausschuß zur Stützung von Banken und Jndu- ftriefirmen, sowie für die Fortführung der öffent­lichen Notstandsarbeiten. Das Parlament wird sich außerdem auch mit der Festsetzung der Farmpreise und einer grundlegenden R e - form des Z o 11 s y st e m s , mit der Frage der Ausmünzung des Silbers als weitere Metallwährung neben dem Gold, der Kontrolle und der Besteuerung der Alkoholproduktion und des Alkoholhandels zu beschäftigen haben. Ebenso dürf­ten auch auf der Tagesordnung wahrscheinlich Vor­schläge über das Verbot der Spekulation mit Getreide, über die Reform des Nira-Ge- setzes zum Schutz der kleineren Firmen gegen die Monopoltendenzen der Großunternehmer, über eine behördliche Kontrolle des Außenhan­dels durch bewegliche Zölle und Einfuhrlizenzen, eventuell durch Einfuhrkontingente, stehen, sowie die Einsetzung eines parlamentarischen Ueberwachungs- ausschusses, um Korruptionsfälle in den jetzt so zahlreich gewordenen öffentlichen Betrieben zu ver­hüten. Man kann auch damit rechnen, daß d i e Kriegsveteranen und b i e Bundes-

beamten ihre Forderungen auf die Wiederherstel­lung ihrer früheren Bezüge anmelden werden. Das Weiße Haus und der Kongreß haben also sicherlich bis mindestens Ende April alle Hände voll zu tun.

Die Botschaft.

In der Botschaft, mit deren Verlesung Roosevelt die Tagung des Kongresses eröffnete, führte er zu den Finanz» und Währungsproblemen folgendes aus: Ich möchte die gesamte Struktur unserer Finanzen verstärken und wenn möglich ein Währungswerkzeug schaffen, das im Laufe der Jahre immer weniger Schwankungen ausgesetzt ist, damit das amerikanische Volk für Käufe und Bezahlungen über ein stabileres Instru­ment verfügen kann. Ein eingehenoes Studium der ausländischen Währungen zeigt, daß einige Schwe­sternationen durch Verhältnisse im Innern ihrer Länder stark gehemmt werden und andere sich nicht in der Lage fühlen, heute in eine Beratung über das Stabilisierungsproblem nach universellen Ge­sichtspunkten einzutreten. Die Durchführung des neuen Programms hat zur Folge die Wieder- einstellung von mehreren Millionen Personen, eine Reorganisation der Industrie, deren Nutzen sich in vernünftigen Grenzen hält, fer­ner anaemeffene Löhne und Lebensbedin­gungen für die Arbeitnehmer. In naher Zukunft werden Die laufenden Einnahmen voll unü ganz die jährlichen Ausgaben des Staatshaushalts decken.

In außenpolitischer Hinsicht kann ich Ihnen nicht ein uneingeschränktes optimistisches Bild entwerfen. Zusammen mit unseren Nachbarn juchen wir, in der Zukunft territoriale Expansio­nen und Einmischungen eines Volks in die inneren Angelegenheiten eines anderen zu ver­hindern. Die Vereinigten Staaten können sich nicht an politischen Vereinbarungen in Europa be­teiligen, sind aber bereit, im gegebenen Augenblick an Maßnahmen zur Herab­setzung der st ungen und einer Ver­ringerung der Handelshindernisse mitzuwirken, die sich auf einer die ganze Wett er­fassenden Grundlage verwirklichen lassen.

Willige Gefolgschaft.

Die Blätter heben den tiefgreifenben Unterschieb der Botschaft Roosevelts von Denen früherer Präsi­denten hervor, da sie keinen einzigen konkreten Gesetzentwurf ankündigte, sondern sich lediglich au die Fixierung d e s großen Sozialpro­gramms beschränkte, wobei der Präsident, wie allgemein unterstrichen wird, sehr positive Angaben gemacht und auf die unbeirrbare Fort­setzung seiner Maßnahmen mit Nachdruck hingewiesen habe. Ein Senator erklärte, ein Mann wie Roosevelt, der so viele zielbewußte und ener­gische Maßnahmen ergreife, brauche sie dem Kon­greß nicht vvrzuschlagen. Er habe die Füh­rung, und wir folg en ihm willig.

Die Blätter unterstreichen weiter, daß das fast völlige Zurücktreten der außenpoliti­schen Gesichtspunkte in der Roosevelt-Bot­schaft die Zustimmung des Kongresses findet, da jedermann fühlte, daß die Erholung der amerikanischen Wirtschaft das Gebot der Stunde ist. Die Ansicht des Kongresses in der Frage der nicht zahlenden alliierten Kriegs- f d) u l b n e r zeigte sich durch starkes Beifallsklat­schen, als Roosevelt Finnlano als einzigen treuen Zahler lobte. Nach wie vor ist bas Parlament nicht gesonnen, Frankreich und besten früheren Verbün- beten bie Kriegsschulben ohne Gegenleistung zu er­lassen.

Freiherr von Fritsch Chef der Heeresleitung.

Berlin. 3. Jan. (DNB.) Der Herr Reichs» präf i den! Hai auf Vorschlag des Reichswehr- Ministers den Befehlshaber im Wehrkreis III. Gene­ralleutnant Freiherr von Fritfch, mit dem LJebruat 1934 zum Chef der Heereslei­tung ernannt.

Der neue Chef der Heeresleitung wurde am 4. August 1880 zu Benrath im Rheinland als Sohn des Generalleutnants Freiherr von Fritsch und dessen Ehefrau, einer Geborenen von Bodelschwingh, geboren. Arn 21. Dezember 1898 trat er als Fah­nenjunker in das Feldartillerieregiment 25 in Darm­stadt ein und wurde am 27. Januar 1900 zum Leutnant befördert. Nach Besuch der Kriegsakademie wurde er am 22. März 1913 als Hauptmann in den Großen Generalstab versetzt und im gleichen Jahre als Beobachtungsosfizier zur Fliegerabtei­lung kommandiert. Während des Krieges war er Generalstabsoffizier bei der 4. Armee und bei der I. Gardedivision. Im Jahre 1917 wurde er Major und arbeitete dann im Generalstab der Luftstreit­kräfte.

Nach dem Weltkrieg wurde er in die Reichswehr übernommen und im Jahre 1922 als Abteilungs­kommandeur des 5. Artillerieregiments in Ulm zum Oberstleutnant befördert. 1924 wurde er Chef des Stabes der I. Division in Königsberg, 1926 Abteilungsleiter im Reichswehrminifterium, 1927 Oberst und Kommandeur des 2. Artillerieregiments in Berlin, dann Artillerieführer II in Stettin. Im Jahre 1930 wurde er Generalmajor und Komman­deur der I. Kavalleriedivision in Frankfurt a. d. O. Im Juni 1932 wurde Freiherr von Fritsch zum Generalleutnant befördert und übernahm am 1. Oktober des gleichen Jahres das Kommando der III. Division als Befehlshaber im Wehrkreis III in Berlin. Der neue Chef der Heeresleitung ist evan­gelischer Konfession und unverheiratet.

Weitere Personalveränderungen bei der Reichswehr.

Berlin, 3. Jan. (DNB.) Das Reichswehrmini­sterium gibt u. a. folgende Personalveränderunqen bekannt: Befördert wurde mit Wirkung vom 1. Ja­nuar 1934: Zum General der Artillerie: General­leutnant Ritter v. Leeb, Oberbefehlshaber der Gruppe II; zum Generalleutnant: Generalmajor Geyer, Chef des Stabes des Gruppenkom.nan- dos II; zum Generalmajor: Oberst Feßmann, Kommandeur des Kraftfahrlehrstabes; zu Obersten: die Oberstleutnants: Bremer, Kommandeur des Artillerieregiments 3; v. Red ei, Infanterieregi­ment 8; zum Generalarzt: Generaloberarzt Dr. Kittel, Chef des Stabes der heeressanitätsinspek- tion; zum Generalveterinär: Oeneraloberoeterinär Dr. Schäfer, Divisionsveterinär der 4. Division. Oer srühereBerlinei Oberbürgermetster

Böß aus der Hast entlaßen.

Berlin, 3. Jan. (DNB.) Die I u st i z p r e s fe­st e 11 e Berlin teilt mit: Im Verlauf der weite­ren Ermittlungen ist der frühere Berliner Ober­bürgermeister Gustav Böß ' am Mittwochmittag auf Grund eines Beschlusses der 6. Großen Straf­kammer des Landgerichts Berlin aus der haft entlassen worden. Boß war bekanntlich auf Grund eines Haftbefehls des Amtsgerichts Berlin- Mitte am 28. April 1933 unter dem Verdacht des Betruges festgenommen und in das Untersuchungs­gefängnis Berlin-Moabit übergeführt worden.

Verbot jeglicher firchenpolitischer Betätigung in Nassau.

LPD. Wiesbaden, 3. Jan. Auf Grund von untragbaren Vorkommnissen und angesichts des da­durch hervorgerufenen kirchlichen Notstandes hat der Bevollmächtigte der Evangelischen Landeskirche in Nassau, Lic. Dr. Dietrich, den Geistlichen und Kirchenbeamten jegliche kirchenpoliti­sche Betätigung auf der Kanzel, unter der Kanzel, in Sonntagsblättern, Flugblättern und in Versammlungen verboten. Es könne nicht ge­duldet werden, daß in der Übergangszeit der nassauischen Kirche in die großhessische von gewisser Seite versucht werde, die Ordnung der Kirche zu gefährden. Dies liege auch im Sinne des Herrn Reichsbischofs, der in seiner Kundgebung für den gesamten Pfarrerstand vom 11. Oktober 1933 aus- drücklich erklärt habe, der kirchenpolitische Kampf sei zu Ende.

Dekan Schmidt (Wiesbaden) ist von dem Be­vollmächtigten der Evangelischen Landeskirche in Nassau von der Führung der Dekanatsgeschäfte beurlaubt worden. An seiner Stelle wurde Pfarrer M u 1 o t mit der Verwaltung des Dekanats Groß-Wiesbaden beauftragt.

Das Riesendefizii in LIGA.

Der Jahresbericht des Finanzministers über das Ende Juni 1933 abgelaufene Etatsjahr weist (alle folgenden Zahlen in Millionen Dollar) an Ein­nahmen 2079 Millionen Dollar und an Aus­gaben 5143 Millionen Dollar aus. Der Stand der öffentlichen Schuld beträgt 22 538 Mil­lionen Dollar, d. h. 3051 Millionen Dollar mehr als im Vorjahr. Das Etatsjahr 1934/35 dürfte nach Schätzung des Finanzministers 3260 Millionen Dollar an Einnahmen bringen, denen jedoch ordent­liche Ausgaben in höhe von 3533 Millionen Dollar und außerordentliche Ausgaben von 6357 Millionen Dollar gegenüberstehen werden, so daß- durch An­leihen der Refico an die Privatwirtschaft, sowie