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Warengeschäft zuerst sein Kind fragen mutz:Was willst du jetzt am liebsten?", der kennt weder die Seele des Kindes im allgemeinen, noch den erziehe­rischen Zweck des Schenkens. ,Lch kenne Neigung und Charakter meines Kindes und weiß, was eine Phantasie anregt und weiter entwickelt!", o müssen die Erwachsenen reden können, wenn ie ihre Kleinen erfreuen wollen. Aber man chleppe die Kleinkinder nicht durch die Geschäfte und vor die Schaufenster, sondern spare ihre Schau­lust, ihre Neugier und Erwartung für die Besche­rung auf, dann werden sie in der bescheidensten strohgefüllten Stoffpuppe eine brillante Märchen- fee, in dem grob gezimmerten Güterwagen auf Holzrädern einen schnittigen, rasenden Orientexpreß erblicken, kurz, ihre ungestörte Phantasie wird Raum und den Höhenflug gewinnen zu den schön­sten Dingen ihres Lebens.

Ein neues Weihnachtsspielauü alterZeit

Krippenfpiel-Aufführung der Frauenorlsgruppe des VDA. Gießen.

Im Saale des Katholischen Vereinshauses fand sich am gestrigen Sonntagabend eine große Ge­meinde in schönster Adventstimmung zusammen. Die Frauenortsgruppe des VDA., die sich schon in vergangenen Jahren durch die Aufführungen weih­nachtlicher Spiele viele Freunde geworben hat, brachte aud) diesmal wieder ein Krippenspiel (nach Motiven eines alten Weihnachtsspieles aus dem Jahre 1740) zur Aufführung, das für die Frauen­gruppe, wie für die Darsteller zu einem vollen Erfolg wurde.

Frau Eger, die Führerin der Frauengruppe des VDA. Gießen, hielt eingangs eine kurze An­sprache, der folgendes entnommen fei: Die Frauen­ortsgruppe wolle mit der Aufführung des Weih- nachtsfpieles urdeutsches Volkstum wieder zu Worte kommen lassen. Wir spürten aus solchen Spielen immer wieder den Zauber und den poetischen Reiz, der in der Weihnachtsgeschichte begründet liege. Die Veranstaltung trage aber auch anderen Sinn: alle, die gekommen seien, das Spiel zu sehen, trügen dazu bei, den in schwerer wirtschaftlicher und kul­tureller Not stehenden Deutschen im Auslande zu helfen. Der VDA. arbeite schon seit Jahrzehnten in volkspolitischer Mission für die Betreuung der schwer um die Erhaltung ihres Deutschtums im Ausland kämpfenden Volksgenossen. Diese Arbeit sei dem VDA. auch durch den Führer und Reichskanzler zur großen Aufgabe geworden. Reichsinnenminister h r i ck habe bei der Pfingsttagung in Mainz gesagt, daß jeder deutsche Reichsbürger sich dessen bewußt sein solle, daß er nicht nur Staatsbürger, sondern auch Volksgenosse ist, der Verpflichtungen dem gan­zen Volke gegenüber auf sich zu nehmen habe. Wenn im Reiche niemand hungern und frieren solle, so sei dies ebenso zu wünschen für die Volksgenossen jen­seits der Grenzen, die neben ihrer materiellen Not auch viel kulturelle Not zu tragen haben. Sie seien in Dauernder Sorge um Schule und Kirche, um die Sprache, um die Seele ihrer Kinder. Und doch gelte es, jene deutschen Vorposten in der Welt zu halten. Leider wüßten allzu viele unserer Volksgenossen im Reiche nichts davon. Viele kennen noch nicht die Tätigkeit des VDA. Der Staat müsse an den Gren­zen Halt machen, der VDA. könne über die Grenzen greifen. Er könne die im Kampfe Zermürbten auf­richten, ihnen seettsch und körperlich helfen. Dazu müßten sich aber noch viel mehr Hände anbieten, 3u helfen. Hilfe für die Volksgenossen außerhalb der Grenze fei Arbeit am Wohle unseres ganzen Volkes und Vaterlandes.

Nach der mit großem Beifall aufgenommenen Ansprache gelangte das Krippenspiel zur Auffüh­rung. In feierlichem Aufzug kamen alle die großen und kleinen Darsteller in den Saal. Die Engel des Spieles trugen lange flackernde Kerzen, die weichen Schimmer verbreiteten. Ein schöner Dorspruch, der den Sinn des Spieles kennzeichnete, ging der Hand­lung voraus. Dann folgten die einzelnen Szenen, die uns allen vertraut sind, die aber hier in leben­diger Darstellung, getragen von einer beschwingten, feinen, altertümlichen Sprache, zu reinem Erlebnis

Tag bernalionafen SolidarM"im Kreis Gießen

TNchl nur jedes Haus, jede Familie opfert an diesem Tage für das größte soziale Hilfswerk aller Zeiten, sondern jeder Volksgenosse erfüllt seine Pflicht und opfert für das Vttnterhilfswerk.

Zeder muh eine der großartigen Veranstaltungen und Kundgebungen des Tages der nationalen Soli­darität besuchen.

Die ganze Welt soll erfahren, daß Deutschland ein Volk und ein Wille geworden ist.

Line Arbeitsleistung für das WHW. ist Ehren­dienst am deutschen Volk und Vaterland.

Es sammeln an diesem Tage im Bereich der Stadt Gießen:

1. Sämtliche HJ.-Führer vom bestätigten Schar­führer an aufwärts.

2. Sämtliche BD7N.-Führerinnen von der Schar- führerin an aufwärts.

3. Sämtliche ordentliche Aniversitätsprofesforen, der Rektor, der Senat der Universität, sowie alle Führer der Studentenschaft.

4. Sämtliche Regierungsräte, Oberregierungsräte, Amtsgerichtsräte, Landgerichtsräte.

5. Der Oberbürgermeister, Bürgermeister, die Di­rektoren der städtischen Werke.

6. Sämtliche Schulleiter, Rektoren, Direktoren staatlicher Schulen.

7. Sämtliche Künstler und der Intendant des Stadttheaters.

8. Sämtliche Führer des RS.-Arbeitsdienstes Gie­ßen vom Truppführer an aufwärts.

9. Sämtliche SA.-Führer vom bestätigten Schar­führer an aufwärts.

10. Sämtliche SS.-Führer vom bestätigten Rotten­führer an aufwärts.

11. Sämtliche hoheitsträger der PO sämtliche Amtsleiter, Abteilungsleiter unb Unterabtei­lungsleiter der Kreisleitung, sämtliche Amts­leiter der Gießener Ortsgruppen.

Der erste Appell all dieser Sammler findet am Mittwoch, 5. Dezember, um 20.30 Uhr, im Lass Leib statt.

Die Sammler haben sich ferner am Samstag, 8. Dezember, in der Zeit von 15 bis 23 Uhr restlos zur Verfügung zu stellen. Diese Zeit ist von jeg­licher anderer Verpflichtung frei zu halten.

Heil Hitler!

3.23.: Schmelz, KreispropaganLaleiter.

wurden. Da erfuhr man die Verkündigung der Maria in klarem Zwiegespräch zwischen dem Engel Gabriel und Maria, belauschte die Hirten, die auf dem Felde von ihren wundersamen Träumen und Erscheinungen erzählten, hörte das feierliche, freu­digeGloria in excelsis deo" des Chores der Engel, und freute sich über die einfache Bereitwilligkeit der Hirten zu schlichter Gabe für das Jesuskind. In weiteren Szenen sah man Maria und Josef in herzlicher Bescheidenheit vor dem Wirt, den sie um Nachtquartier baten, vor der hartherzigen Wirtin, die ihnen die Türe wies, so daß sie schließlich im Stalle Unterkunft finden mußten. Zu schönen Bil­dern gestaltete sich dann die Anbetung der Hirten und der drei Könige aus dem Morgenlande, mit der das Spiel seinen glücklichen Abschluß sand. Dem in schönen Reimen gesprochenen Wort geselle sich vielfach das Lied zu, im Chor gesungen oder von Einzelstimmen, und verlieh dem Spiel den feier­lichen Charakter. Manches schöne alte Weihnachts- lieo wurde lebendig, wurde in die Erinnerung der Zuhörer zurückgerufen.

Für die Aufführung des Spieles hatten sich viele Kinder aus den Gießener Schulen zur Verfügung gestellt. Sie waren alle mit großer Begeisterung bei der Sache. Um die musikalische Ausgestaltung des Spieles bemühten sich in glücklichster Weise einige Schülerinnen der Studienanstalt. Die Auf­führung des Weihnachtsspieles war für alle, die sich dazu eingefunden hatten, insbesondere aber für die vielen Kinder, eine Stunde der Erbauung und Erhebung.

Schurärztliche Ueberwachung der Schulkinder.

Der Hessische Stcratsminister macht in einem Aus­schreiben bekannt, daß die schulärztliche Ueber- wachung der Schulkinder auf keine Schwierigkeiten mehr stoßen dürste, foa nunmehr alle Kreisarzkstellen wieder besetzt sind. Es wird daher auch an den Orten, an denen Schuluntersuchungen bisher nicht stattgefunden haben, alsbald das Erforderliche ver­anlaßt.

Deutsche Arbeitsfront.

RS.-GemeinschaftKraft durch Freude".

Bastler, aufgemerkt!

Vorn 9. bis 14. Dezember veranstaltet die NS.- GemeinschaftKraft durch Freude" eine Bastelaus- stellung im Hause der.DAF. Alle Arbeitskameraden, Die sich mit Arbeiten an der Ausstellung beteiligen,

werden gebeten, die Gegenstände bis zum Mittwoch, 5. Dezember, auf der Geschäftsstelle der NSG.Kraft durch Freude", Schanzenstrahe 18, abzuliefern.

Pfundsammlung

der Ortsgruppe Gießen-Mitte.

Arn Mittwoch, 5. Dezember, wird im Bereich der Ortsgruppe Mitte die zweite Pfundsammlung dieses Winters durchgeführt.

Wir richten an alle Volksgenossen der Ortsgruppe die Bitte, angesichts des bevorstehenden schönsten deutschen Festes ihre Spenden recht reichlicy zu be­messen.

Die Hausfrauen werden gebeten, die Pfund­päckchen ab 9 Uhr bereitzuhalten und den Inhalt durch Aufschrift auf die Umhüllung kenntlich zu machen.

Die Abholung erfolgt durch die NS.-Frauenschaft; für jede Spende wird eine Quittung erteilt.

Festnahme eines gemeinen Betrügers.

Die Kriminalpolizei st elleGießen teilt uns mit:

Am 27. November wurde bei der Kriminalpolizei- stelle Gießen Anzeige erstattet, daß .ein etwa 30 bis 35 Jahre alter Mann, der sich als Beauftragter des Winterhilfswerks ausgegeben habe, bei einer älteren Witwe unter allerlei Vorspiegelungen, u. a. es würden ihr Kohlen, Briketts, Holz oder Kar­toffeln im Gesamtgewicht von 10 Zentnern zustehen, vorgesprochen habe. Wunschgemäß würde sie be­liefert werden. Die Frau, die den Angaben Glau­ben schenkte, teilte dem angeblichen Beauftragten ihre Wünsche mit. Nachdem er Notiz davon genommen hatte, erklärte der Unbekannte, daß für Transport der Ware und sonstige Unkosten ein gewisser Be­trag zu entrichten sei, den er sofort kassieren müsse. Als der Unbekannte mit dem erhaltenen Betrage weg war, kamen der Frau Bedenken, woraus An­zeige erfolgte. Noch am gleichen Tage wurden weitere Anzeigen gegen den Unbekannten erstattet. Die folgenden Tage ging es ebenso. Gestern gegen Abend konnte der Betrüger festgenommen werden. Es handelt sich um den Alfred Berlit, geboren am 16. März 1909 zu Schlawe, angeblich zuletzt in Wetzlar unangemeldet wohnhaft. Dem Betrüger sind jeweils Beträge von 4 bis 11 Mark in die Hände gefallen. Die Tat ist besonders verwerflich, da B e r l i t zum größten Teil arme, alleinstehende Witwen um die Beträge gebracht hat. Berlit wurde dem Amtsgericht zugeführt. Personen, die

geschädigt wurden ober bei denen der TRer w,. folglos vorgesprochen hat und noch keine Anzeigen, erstattet haben, werden ersucht, bei der Krimimll« polizeistelle, Zimmer 62, vorzusprechen.

Daten für Montag, 3. Dezember.

1818: der Hygieniker Max von Pettenkofer in Lich, tenheim geboren (gestorben 1901); 1857: der bauer Christian Daniel Rauch in Dresden gestorben (geboren 1777); 1888: der UniDerfitätsmetnanifor Karl Zeiß, Gründer der Zeiß-Werke in Jena a-, storben.

Vornotizen.

Tageskalender für Montag: Ort» gruppe Gießen-Süd, 20.30 Uhr, Studentenheim öffentlicher Schulungsabend; Redner Pg. Ewald überBrennende deutsche Wirtschaftsfragen". _ Ortsgruppe Gießen-Ost, 20.30 Uhr, Lieoigshöhe Mitgliederavpell; Redner: Dr. Röder. Lich,.' spielhaus, Bahnhofstraße,Marie Luise". Goethe, bunb, Gießen, 20 Uhr, Neue Aula der Universität Vortrag überDer Abstimmungskampf an bei Saar". Turmhaus am Brand, 16 bis 18 U(jr Weihnachtsausstellung der Reichskammer der bi/.' denden Künste, Gruppe Gießen. Katholisch, Dereinshaus, 20 Uhr, Tanzabend von Maja v-., Rabenau. Deutsche Bau- und Siedlungsg, meinschaft, 20 Uhr, Hotel Viktoria, Mitglieder- uni Jnteressentenversammlung.

** Straßensperre. Wegen Vornahme von Gleisausbesserungsarbeiten am Straßenüber. gang S ch i s f e n b e r g e r Weg wird dies« Uebergang vorn 3. bis 8. Dezember für jeglichen Fährverkehr gesperrt. Umleitung erfolgt über Gnauthstraße, Ludwigstraße, Riegelpfad, Aulweg.

** Saarkinder fahren wieder heim. Nach sechswöchigem Erholungsaufenthalt werden am kommenden Mittwoch 320 im Kreise Gießen untefgebrachte Saarkinder vom Gießener Bahnhvs aus wieder in ihre Heimat zurückkehren. Die Ab. fahrt der Kinder von Gießen erfolgt um 9.56 Uhr.

** ßeibesübungen im Dienste der Rasfenpflege." lieber dieses Thema spricht am heutiaen Montag um 17.30 Uhr der höchste mebi- zinische Beamte Deutschlands, Ministerialdirektor Dr. G ü 11 vom Reichsministerium des Innern, über den Deutschlandsender.

** Unfälle. Der Soldat E.Naumann wurde am Samstagnachmittag von einem Wagen überfah­ren und mußte von der Freiwilligen Sanitätskolonne vom Roten Kreuz mit einer schweren Beinoer- letzung der Klinik zugeführt werden. Der 14 Jahre alte Hans Hölters, Frankfurter Straßes wohnhaft, kam am Samstagnachmittag so ungliitf- lich ßu Fall, daß er einen Unterarmbruch erlitt und der ärztlichen Behandlung zugeführt werden muhte.

Oberhessen.

7!SLD. Kreis Schotten.

Am nächsten Freitag, 7. Dezember, finöet In 1)« Turnhalle zu Schotten eine Kreis-Lehrertagung jiaü. Die Tagung beginnt um 13 Uhr.

Landkreis Gießen.

-r- Harbach, 1. Dez. Gestern fand hier ein Werbeabend für das Winterhilfswerk statt. Die Veranstaltung war in erster Linie für die Mitglieder der Frauenschaft bestimmt, jedoch waren auch die übrigen Einwohner des Dorfes herzlich eingeladen worden. So erschien denn auch der größte Teil der hiesigen Einwohnerschaft in dem mit Girlanden, Blumen, Tannengrün und Fahne/i prachtvoll ausgeschmückten Parteilokal Herzberg. Die Versammlung wurde von der Ortsfrauenschasir» leiterin eröffnet. Sie gedachte in ihren einleitenden Worten unserer nun bald wieder mit dem Mutter­land vereinigten Saar und ließ anschließend die erste Strophe des Saarliedes fingen. Dann erteilte sie dem Redner des Abends, stellvertr. Kreisleiter Hopfenmüller, das Wort. Dieser sprach aus­führlich über den Sinn und Zweck des Winerhilfs- werks. Noch feien 2,5 Millionen Volksgenossen

N Willis iim 600.

Roman von Rainer Helden.

Urheberrechtsschutz: Fünf-Türme-Derlag, Halle (S.)

5. Fortsetzung. Nachdruck verboten!

Was Friedrich aber weit mehr bekümmerte, war der geistige Zustand, der sich in all diesem aus« prägte. Wo war die Eva van Koster, die mit glän­zenden Augen zuhörte, wenn er mit dem Vater die wissenschaftlichen Dinge besprach? Jene Eva, die den lauten Lärm und die äußerlichen Ver­gnügungen Londons stets abgelehnt hatte? Die ihr Glück und ihr Genügen fand in einem guten Ge­spräch, einem guten Konzert, schöner Musik und Der Freude an der Natur?

Naturfreude hieß bei Eva jetzt nur noch das Dahinrasen in immer schnelleren Autos, Hetzjagden zu Pferde, Motorboot-Konkurrenzen, Segeljachten, wobei es immer nur darauf ankam, die schönste Jacht zu haben und den ersten Preis zu erzielen.

Forderte er sie einmal auf, mit ihm einen Spa­ziergang durch die liebliche Umgebung von Berley Castle zu machen oder einen Ausflug hinaus die Themse aufwärts, dorthin, wo idyllische kleine Dörfchen lagen, so lehnte sie ab.

Was sollen wir dort?" sagte sie dann und zuckte abfällig die Schultern.Dort ist ja nichts los. Dort ist ja niemand von der Gesellschaft."

DieGesellschaft" war für Eva plötzlich ein Götze geworden, den man anbetete. Ihm opferte sie mit immer neuen Kleidern, mit immer neuen Vergnügungen. Um der Gesellschaft willen wurde ihr Haus zu einer Art Hotel, in dem immer neue Menschen kommen und gehen. Menschen, die auch keine anderen Interessen zu haben scheinen als Kleider, Sport, Geld und Klatsch.

Friedrich Borgloh war verzweifelt. Er mit sei­nem Sinn für die feineren Genüsse des Lebens litt tief unter der Oberflächlichkeit feiner Frau. Er hatte es mit allen Mitteln versucht, Eva wieder zu dem zurückzuführen, was sie früher gewesen.

Ihm als Arzt war ja nicht unbekannt, daß ge­rade in den Jahren zwischen vierzehn und siebzehn sich die Menschen entscheidend wandeln konnten. Aber es wollte und ging ihm nicht in den Sinn, daß Eva sich von einem tief fühlenden, geistig strebenden, Kind zu einer äußerlichen, herzenskalten Weltdame entwickelt haben sollte.

Jedenfalls seine Ehe war genau das Gegen­teil von dem, was er sich einst in den einsamen Nächten drüben in dem fremden Erdteil erträumt hatte, was er zu finden geglaubt, als Eva in der kleinen, romantischen Dorfkirche von Berley Castle chre Hand in die seine gelegt.

Gerade erst war es wieder beim Frühstück zu einer unerquicklichen Szene gekommen. Eva wollte

durchaus mit einer größeren Gesellschaft nach Schluß der Londoner Saison im Juli für mehrere Wochen hinauf nach Schottland reisen. Der junge Lord Brendford hatte eine größere Anzahl Per­sonen zur Lachsfischerei auf sein schottisches Be­sitztum eingeladen.

Eva hatte angenommen, ohne ihren Mann vor­der zu befragen. Heute beim Frühstück hatte er es so beiläufig erfahren. Zuerst hatte er heftig auf­fahren wollen. Aber dann hatte er sich bezwungen.

Eva war die Tochter feines väterlichen Freundes, von dem er nur Gutes erfahren. Sie war die Frau, die er sich gewählt. An ihm war es, sie so zu for­men, wie er es sich erträumt. Er wollte nicht schroff und hart fein. Er wollte sie überzeugen von dem, was er für richtig hielt, aber nicht zwingen.

So hatte er denn so ruhig wie möglich gesagt:

Du weißt, liebes Kind, daß es mir unmöglich ist, im September auf längere Zeit von London fortzugehen. Wir haben den internationalen Kon­greß der Aerzte für Tropenkrankheiten im Oktober hier. Ich bin hervorragend an den Vorbereitungen für diese Tagung beteiligt. Außerdem habe ich noch sehr viel zu tun, wenn ich meinen großen Vortrag richtig vorbereiten will. Es ist also unmöglich, daß wir so lange nach Schottland gehen. Es wird mir schon schwer, im Juli mit dir für vier Wochen zu verreisen. Aber das habe ich dir versprochen, das will ich halten. Damit muß es dann bis zum Win­ter genug fein."

Da hatte Eva heftig erwidert:

Genug! Immer genug! Vier Wochen! Es ist geradezu lächerlich. Alle meine Freundinnen reifen, sowie die Saison hier vorüber ist, und kommen erst zum Winter wieder. Die ganze gute Gesellschaft Englands kennt das nicht anders."

Du mußt es dir abgewöhnen, Eva, dein Vor­bild immer nur in dem zu sehen, was die soge­nanntegute Gesellschaft" tut. Wir sind Menschen für uns und müssen uns nach unfern eigenen Ge­setzen richten."

Mit blitzenden Augen hatte Eva erwidert:

Das will ich' aber nicht. Das mag bei euch Deut­schen gelten. Aber für uns ist die gute Gesellschaft immer noch das Vorbild. Im übrigen wenn du nicht mitkommen willst, bleibe doch ruhig in Lon­don. Dann reife ich eben allein nach Schottland."

Friedrich hatte verletzt erwidern wollen, als sie diesdas mag bei euch Deutschen so sein" in schar­fer und verletzender Form gesagt. Aber als sie nun Damit drohte, allein nach Schottland zu fahren, er­schrak er. Dieser junge Lord Brendford war ihm nie sympathisch gewesen. Ein ziemlich oberfläch­licher Mensch, der glaubte, mit feinem Reichtum und feinem hübschen Gesicht die ganze Welt er­obern zu können.

Er hatte keinen besonders guten Ruf in der Lon­doner Gesellschaft. Verschieden« Affären mit Frauen

waren von ihm bekannt. Er hatte sich in der letzten Zeit Eva sehr ausfallend genähert. Und Eva mit ihrer unersättlichen Neigung zu Flirt und Bewun­derung hatte ihn nicht so zurückgewiesen, wie Fried­rick Borgloh es von seiner Frau gewünscht und gehofft.

Wenn auch Eva mit vielen anderen Gästen zu­sammen für die Herbstsaison nach Schloß Brend­ford Castle geladen war sie war doch damit nickt unter dem Schutze ihres Mannes. Unmöglich, daß sie dieser Einladung folgte.

So hatte Friedrich das Gespräch mit den Wor­ten beendet:

Nun, du bist heute in schlechter Stimmung, kleine Eva. Wir wollen uns die Sache gegenseitig nicht schwer machen wir reden später noch ein­mal davon."

Damit war er gegangen. Denn er wußte: wenn Eva ihre Eigensinnsmiene aufsetzte, war nichts mit ihr zu beginnen.

4. Kapite 1.

So saß er jetzt vor seinem Schreibtisch und dachte nach, wie er Eva von dem Gedanken der Reise nach Brendford Castle abbringen konnte. Er mußte sie mit irgend etwas versöhnen. Irgend etwas Schönes mußte er sich ausdenken, womit er ihr eine Freude machen konnte. Ach, er war ja gern bereit, immer wieder alles zum Guten zu lenken, den peinlichen Szenen durch ein freundliches Wort den Stachel zu nehmen. Er wünschte ja nichts als Frieden und Ruhe im Haus.

Warum machte Eva ihm das alles so furchtbar schwer? Und warum war sie so ganz anders ge­worden, als sie zu werden versprochen?

Er hörte Schritte draußen. Kam sie noch einmal? Würde sie ihm ein freundliches Wort sagen? Aber nein, da klappte schon die Haustür. Kurz darauf hörte er unten das Auto fortfahren. Sie war ge­gangen, vermutlich zu irgendeinem ihrer Bridge- Vormittage oder hinaus zum Golf. Sie lebte ja fast den ganzen Tag außer dem Hause.

Aber das sollte und mußte anders werden. Er mußte sie zu sich zurückführen und zu einer wirklich harmonischen Ehe. Wenn er doch wüßte, womit er ihr eine Freude machen könnte!

Hatte sie nicht neulich erst darüber geklagt, daß sie zu wenig Schmuck besäße?

Mein Vater", hatte sie gesagt,hat nie gelitten, daß ich Schmuck trage. Und so habe ich tatsächlich nur einige, allerdings sehr gute Imitationen. Aber ich möchte gern noch ein paar schöne Armbänder haben. Schmuck ist doch jetzt die große Mode. Jetzt nach dem Ablauf des Trauerjahres könnte man ja endlich wieder einmal etwas von Luxus zeigen."

Er hatte etwas fpöttig gelächelt. Als ob Eva es nicht verstanden hätte, trotz der Halbtrauer, die sie noch trug, ihren Reichtum zur Schau zu tra- genl Freilich, mit Schmuck war ße noch (parjam

gewesen, vermutlich eben, weil sie keinen ent« sprechenden besaß. Nun, so wollte er ihr als 23er» söhnungsgeschenk zunächst einmal einen schöm Armreif kaufen. Und zwar wollte er ihn gern» nach dem Muster des französischen Armreifs fertigen lassen, den er neulich bei ihr auf ton Toilettentisch gesehen.

Der Gedanke, Eva mit einem schönen Schm^ stück eine freudige Ueberraschung zu bereiten, machte ihn sofort froher. Er wollte die Angelegen« heit nicht aufschieben. Rasch legte er feine Bücher und Schriftstücke zusammen und ging in Eva- Toilettenzimmer. Es lag noch in der Unordnung, in der Eva es verlassen. Die Zofe räumte im Ne­benzimmer auf.

Auf dem Toilettentisch zwischen silberbeschlagenen Flaschen, Bürsten, zwischen Puderdosen und Schminktöpfchen stand eine kleine Schatulle. Er kannte sie. Er hatte sie Eva selbst als Geschenk mitgebracht. Es war indische Arbeit. Sandelholz mit schönen Einlagen aus Elfenbein und Halb­edelsteinen. Da pflegte Eva ihren Schmuck aufzu« bewahren. Tatsächlich lag auch auf dem mattblauen Samt des Kästchens innen obenauf jener Armreif, den er dem Juwelier als Modell für ein echte- Brillantarmband zeigen wollte. Er nahm es herau- und legte es in feine Brieftasche. Dann machte er sich fertig, um zu dem Juwelier Samers in Die Regent-Street zu fahren.

$mei Stunden später kam Friedrich BorflM bleich und mit vollkommen fassungslosem GesiV aus dem Laden des Juweliers heraus.

Ohne von dem lebhaften, eleganten Treiben dieser reichen Geschäftsstraße etwas zu sehen, M er langsam vorwärts. Seine Augen blickten als sähen sie etwas, was mit der Wirklichkeit nwP zu tun hatte. Ein paarmal stieß er an Menschs an, die unfreiwillig aufsahen. Dann murmelle e eine Entschuldigung und ging weiter.

Wie lange er so gegangen war, wußte er kaiM Auch wohin er seine Schritte gelenkt, hatte er m wachem Bewußtsein nicht in sich ausgenomms Er war nun an Knights Bridge angelanat lich hörte er seinen Namen rufen. Er fuhr J feinen dumpfen Gedanken auf und sah in 0 lachende Gesicht Eduard Mac Leans.

Hallo, Borgloh was ist denn mit Rennen Ihre besten Freunde über den Haustn bemerken es nicht einmal. Ich freue mich, S'e derzufehen. Wie geht es Ihnen? Aber wie M Sie denn aus?"

Der fröhliche Ausdruck im Gesicht Mac Aons wich einer gewissen Besorgnis. Was war mir d loh? War er krank? Hatte er Kummer? Aer hatte das gleichgültig beherrschte Gesicht 1 sympathischen deutschen Gelehrten fo verano

(Fortsetzung folgt y