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Kr.282 Zweiter Blatt

Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Montag, 3. Dezember 1934

ö.A.-Svort

GRG. 1877 und Verein Rudersport vereint...

Eine denkwürdige Versammlung im Gießener Rudersport.

Jahreshauptversammlung der <5R<5.

Unter überaus zahlreicher Beteiligung hielt am Samstag, dem 1. Dezember, die Gießener Ruder­gesellschaft 1877 ihre Jahresversammlung ab. Nach der Begrüßung durch den stellvertretenden Vereins­führer, Herrn Niemann, erstattete der Schrift­führer, Studienrat Scharmann, den Jahres­bericht. Zum Gedächtnis der Toten, zu denen auch das Ehrenmitglied der GRG. 77, Deutschlands grei­ser Held, Gensralfeldmarschall von Hindenburg ge­hörte, erhoben sich die Anwesenden von den Sitzen. Der Bericht über die sportliche Tätigkeit der Gesell­schaft gab ein beredtes Zeugnis davon, daß man

Die Flagge des ehemaligen Vereins Rudersport wird eingeholt.

in der GRG. 77 nichts versäumt hat, dem Ge­danken unseres Führers Adolf Hitler zu folgen durch Körperertüchtigung und Erziehung der Ju­gend in deutschem Geist einen gesunden Nachwuchs heranzubilden.

Das hervorragende Abschneiden der Mannschaften auf den diesjährigen Regatten, insbesondere der Senioren, die als Verbandsachter ernannt waren, hat gezeigt, daß Gießens Ruderer zu den Besten in Deutschland zu zählen sind. Die Mitteilung, daß die Gießener Rudergesellschaft 1877 auf Grund ihrer Leistungen vom Führer des Deutschen Ruder- Verbandes zur Olympiazelle 1935 ernannt wurde, löste bei der Versammlung lebhaften Beifall aus und gipfelte in dem Gelöbnis, sich dieser hohen Aufgabe stets würdig zu erweisen zur Ehre der Vaterstadt Gießen und zum Wohle unseres deut­schen Vaterlandes. Nach dem Kassenbericht und der Entlastung des Vorstandes begrüßte der stellver­tretende Vereinsführer Herr Niemann den Füh­rer des Vereins Rudersport 1913, Herrn Lever­mann, und die Mitglieder dieses Vereins, die zum Zwecke der Zusammenlegung mit der GRG. 77 erschienen waren.

Oie Zusammenlegung.

In zu Herzen gehenden Worten schilderte Herr Niemann sowohl wie anschließend Herr Levermann den Gedanken dieses Zusammenschlusses, der schon während der Regattasaison durch die Renngemein­schaft zwischen den beiden Vereinen ein gutes Fun­dament gefunden hatte. Unter dem Leitgedanken:

Alles für Deutschland" undSieg Heil" auf den Führer wurde unter Absingen des Deutschlandliedes und des Horft-Wessel-Liedes dieser symbolische Akt geschlossen. Darauf schritt man zur Wahl des Der- einsführers. Unter lebhaftem Beifall wurde Herr Ernst Niemann einstimmig zum Vereinsführer gewählt. Nach Worten herzlichen Dankes für die einstimmige Wahl, der Herr Niemann die Worte zugrunde legte:Mein Leben ist auch das der Gießener Rudergesellschaft 1877", berief der Vereinsführer Herrn Fr. L e v e r m a n n zu seinem Stellvertreter und ernannte seine übrigen Mit­arbeiter. Damit wurde die Versammlung geschlossen. Ein von Ruderlehrer Kurt Brehm verfaßtes ge­meinsames Lied leitete zum gemütlichen Teil über.

Die Ilaggenhiffung.

Am Sonntagvormittag versammelte sich eine stattliche Anzahl Mitglieder am Bootshaus des früheren Vereins Rudersport 1913 Gießen zur Ein­holung der Flagge des Vereins Rudersport und der Hissung der Flagge der Gießener Rudergesell- schaf, die in Zukunft stets in Verbindung mit dem Wimpel des ehemaligen Vereins Rudersport er­scheinen wird. Der stellvertretende Vereinsführer, Herr Levermann, hielt eine Ansprache, der wir folgendes entnehmen:

Als seitheriger Dereinsführer des Vereins Ruder­sport, auf dessen Platz Sie sich hier befinden, be­grüße ich Sie aufs herzlichste und danke Ihnen für Ihr Erscheinen anläßlich der heutigen feierlichen Flaggenhissung. Ein bedeutender und in der Sport- aeschichte der Stadt Gießen einzigartiger Zusammen­schluß der beiden Rudervereine GRG. und VRG. ist gestern abend vollzogen worden. Ausgehend von dem Gedanken, daß nur eine große Gemeinschaft, welche unter einer Leitung steht, das vollbringen kann, was man heute im Sport von den Vereinen erwartet und verlangt, haben diesen Zusammen­schluß zur Zufriedenheit aller herbeigeführt.

Vor nunmehr 21 Jahren war es, als zum ersten Male die Flagge des Vereins Rudersport gezeigt wurde. Die Bestrebungen dieser damaligen kleinen Gemeinde verfolgten dieselben Ziele und verbanden mi ihrer sportlichen Tätigkeit dieselben Zwecke, wie sie der GRG. durch ihre Satzungen bestimmt und

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Der stellvertretende Dereinsführer der GRG., Herr Levermann, während seiner Ansprache zur Fahnenhissung.

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Die Flagge der Gießener Rudergesellschaft wird am Fahnenmast des ehemaligen Vereins Rudersport 1913 Gießen gehißt.

vorgezeichnet waren. Also zwei Vereine mit gleichen Zielen aber auf getrennten Wegen nebeneinander.

Zu unserer Flagge haben wir stets und immer treu gestanden, wir haben, geeint durch diese Flagge, Stunden in unserem Hause verbracht, welche nicht nur dem Sport gewidmet waren, sondern auch der Geselligkeit. Wir haben aber auch angesichts un­serer Flagge stets den einen Gedanken hochgehalten, der Jugend zu dienen und der Jugend zu nützen.

Nicht Eigennutz war es, was uns unter dieser Flagge zusammenhielt, sondern der Allgemeinheit galt unsere Arbeit. Nicht aus egoistischen Gründen arbeiteten wir für die Jugend, sondern zum Wohle unseres geliebten Vaterlandes. Wenn wir nun heute die Flagge, welche 21 Jahre diesen Flaggenstock zierte, für immer herunterholen, damit sie einer anderen geeinten Flagge Platz machen soll, so ge­schieht dieses, weil wir von der Ansicht durchdrungen sind, daß dieses Opfer, das wir bringen, dem Rudersport zum Nutzen sein wird. Wir sind zu der Erkenntnis gekommen, daß dieser geeinte Weg, wie er uns in diesen Jahren von unserem Führer und Reichskanzler gezeigt worden ist, der richtige Weg

ist, um durch diese Einheit im Sport Großes leisten zu können. Und damit verbinde ich den Wunsch, daß der Rudersport in der nunmehr geeinten GRG. segensreich nicht nur für die deutsche Jugend, son­dern auch für unser geliebtes Vaterland gedeihen möge unter dem herrlichen Begriff:Alle für einen, und jeder für alle!"

Nach einem Sprechchor, in dem der Eid zur Fahne zum Ausdruck kam, sprach der Vereins­führer noch über die hohen Ziele, die der Ruder­sport im Interesse der Dolksertüchtigung, im Inter­esse des Vaterlandes verfolge. Er schloß mit den Worten, daß uns die vereinte Flagge heilig sein solle, daß unter dieser in Verbindung mit den bei­den Reichsflaggen unser Sport nicht nur aus­geübt, sondern mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln gefördert werden solle, zum Wohle der deutschen Jugend, zum Wohle des Vaterlandes un­ter der Führung Adolf Hitlers. Mit einem drei­fachenSieg-Heil!" auf den Führer, mit dem ge­meinsam gesungenen Deutschlandlied und dem Horst- Wessel-Lied fand die Feier ihren Abschluß.

Fußball-Lokaikamps endet unentschieden 2:2.

Der Fußball-Lokalkampf zwischen den Mann­schaften der Spielvereinigung 1900 und des VfB.- Rcichsbahn hat gestern erneut seine Zugkraft be­wiesen. Es hatten sich etwa 900 Zuschauer auf dem Waldsportplatz eingefunden. Der Platz befand sich in bestem Zustand. Die

Mannschaften

stellten sich dem Schiedsrichter W i n g e n f e l d (Fulda) in folgenden Aufstellungen:

Spielvereinigung 19 0 0: Schlarb, Zei- ler, Lippert; Mank, Heilmann. Hainbach; Wilhelmi, Koch,. Schmelz, Horz, Dörr.

D f B.- R e i ch s b a h n : Schwan; Lehrmund, Hauptfeld; Sauer, Knaus, Heß; Ritter, Feufter, Birkenbiel, Fehling, Mattern.

Beide Mannschaften boten sich in ziemlicher Aus- aeglichenheit der Leistungen dar. Von Versagern konnte man kaum reden. Lediglich Fehling bei VfB.-R. und Hainbach bei 1900 enttäuschten etwas. Auf beiden Seiten wurden gut kombiniert. Die

1900er waren im Feldspiel, besonders in der ersten Halbzeit, etwas überlegen. Die Verteidigungen stellten die besten Mannschaftsteile dar. Die Läufer­reihen liefen auf beiden Seiten nicht zu voller Form auf. In den Stürmerreihen wurde da und dort zu viel gezögert. Der Ausgang des Kampfes erscheint nicht ungerecht. In der ersten Halbzeit hätte die Mannschaft vom Trieb mindestens ein Tor erzielen müssen.

Der Spielverlauf

gestaltete sich recht abwechslungsreich, wenn auch zum Erstaunen der Zuschauer der Punktekampf kaum zu erkennen war. Anscheinend waren die Spieler recht nvchdrücklich auf die Notwendigkeit eines ritterlichen Kampfes aufmerksam gemacht worden. Zu besonderen Härten kam es tatsächlich auch nicht, so daß der Schiedsrichter kein schweres Amt hatte. Der Kampf begann sehr ausgeglichen. Die Grünweißen vergaben gleich zu Anfang zwei

Gietzener Giadttheater.

Franz Lehär:Das Land des Lächelns".

Wir haben dasLand des Lächelns" vor vier : Jahren zuletzt hier in Gießen gesehen. Es war da­mals der große Erfolg nicht nur bei uns, sondern in Deutschland überhaupt, und zwar ebensosehr ein Erfolg L e h ä r s wie des mittlerweile von der Bühne verschwundenen Herrn Tauber. Wir haben : damals in unserer Besprechung darauf hingewiesen, i was uns an diesem immerhin ungewöhnlichen Sie- ! geszug eines musikalischen Stückes über alle Bühnen i besonders merkwürdig erschien

Vor allem dies, daß hier ein ganz neuer Stil ider Operette sich mit einem Schlage durchsetzte, der entschlossen mit einer gerade auf diesem Gebiet «außerordentlich hartnäckig sich behauptenden Tradi- ition brach: ein Stil, der das Textbuch wie die Par- ttitur entschieden der Oper annäherte; nicht nur dem iOpernstil im allgemeinen, sondern der berühmten .Madame Butterfly" im besonderen; die Anklänge lund Parallelen sind greifbar vor allem in den Haupt- imotwen der Handlung wie auch in der Milieuein- IHeibung.

Die Annäherung der Operette an die Oper würde, nrein musikalisch bewertet, nicht so ausfallend sein, -zumal es dafür eine Reihe ähnlicher Beispiele gibt. -Sehr auffallend dagegen und eigentlich bis dahin mnerhört war im Grundcharakter die Fabel, die -allem herkömmlichen Theaterbrauch entgegen ein sernsthaftes oder jedenfalls ernstgemeintes Motiv zu ieinem populär gesprochen unglücklichen Ende i führt. Es geht nicht gut aus, und sie kriegen sich nicht, und das Land des Lächelns ist vielmehr, wie :wir es aus derButterfly" gelernt haben, ein Land Iber Tränen.

Die Fabel dürfte in den Grundzügen noch be­gannt fein. Man wird sie aber vielleicht heute mit sonderen Augen ansehen als vor vier Jahren, weil llfie auf Gegensätzen aufgebaut ist, die gegenwärtig Mündlicher besprochen und ernstlicher bewertet wer- jbcn, als das auf der Operettenbühne üblich, möglich Dober auch nur wünschenswert ist.

Der Schauplatz wechselt zwischen Europa unb öChina, zwischen Peking unb Wien, unb biese beiden Manien bedeuten hier mehr als nur äußeren Kon­trast ober romantisches Milieu: hier stehen sich zwei Kontinente, zwei Völker, zwei Kulturkreise unb zwei Massen fremd unb im tiefsten Wesensgrunbe unver­einbar gegenüber; zwischen Gelb unb Weiß eine -auf die Dauer unerträgliche Spannung unb nie «völlig zu üterbrücfenbe Kluft.

Unb so sehr sich auch Partitur unb Libretto vom herkömmlichen Schema entfernen unb auf neuen We- aen nxmbetn mögen; ein Motiv vermochten weber bie Autoren noch ber Komponist zu entbehren, benn es würbe bas Enbe nicht nur biefer, sonbern jeder Operette bebeuten, wollte man je barauf verzichten. Das ist die Liebe, unb bamit ist schon ber große und natürlich unlösbare Konflikt gegeben.

Die junge österreichische Offizierstochter folgt dem von ihr geliebten Prinzen aus Chinalanb in seine Heimat, den ernstgemeinten Antrag eines jungen Landsmannes ausschlagend. Aber sie wird nicht glücklich mit ihrem Prinzen: nach uralter und rätselhafter Sitte im Lande des Lächelns soll sie das Glück ihrer Ehe mit vier Manbschufrauen teilen. Sie verzichtet und flieht mit Hi sie des früher ab- gewiefenen Freiers, der eben zur rechten Zeit auf dem Schauplatz erscheint. Der gelbe Prinz entdeckt zwar die Flucht, aber er gibt die weiße Gemahlin frei, und auch feine kleine Schwester, die sich mitt­lerweile in den jungen Offizier verliebt hat, bleibt unter Tränen allein im Lande des Lächelns

Die Aufführung wurde von Herrn Hub geleitet; die Regie betonte vor allem die stets dankbaren lyrischen und romantischen Elemente der Operette, entlastete den Mittelakt durch ein heiteres und rhyth­misch beschwingtes Duett und leitete den letzten recht malerisch unb stilgerecht durch einen hübschen La­ternentanz ein (Tanzregie: Herr B ä u l k e). Herr Löffler fand für den fernöstlichen Schauplatz farbig und räumlich, vom komplizierten Beleuch­tungsapparat des Herrn Keim wirksam unterstützt, eine stimmungsvolle szenische Einkleidung. Herr Cujs am Dirigentenpult verwaltete die anspruchs­volle Partitur mit sauberen Einsätzen und lebhaften rhythmischen Akzenten.

Den Prinzen Sou-Chong sang an Stelle des er­krankten Herrn Weiser Kammersänger John Glä­ser aus Frankfurt als Gast; er fand sich verhält­nismäßig schnell in bie ungewohnte Umgebung, spielte mit barstellerischem Geschmack und Takt und steigerte sich gesanglich vom leichten Parlando zu den großen lyrischen Partten mit vollem Einsatz seines gepflegten und geschulten Organs. Die beiden Glanzstücke Lehärs,Immer nur lächeln" undDein ist mein ganzes Herz", waren natürlich auch die Höhepunkte seiner Leistung.

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Maria Perry hatte in der Rolle ber Lisa eine ihr offenbar sehr »zusagenbe Aufgabe gefunben, bie ihr gesanglich eine breite Entfaltung unb übrigens auch einen aparten Tvilcttenwcchsel gestattete. Hansi Salzmann als Mi holte sich im Duett mit Herrn Hub, mit Spitzentanz unb Spagat einen

Sonbererfolg unb fanb auch für bie gebämpften unb schmerzlichen Partien des zärtlichen Abschiebs ben rechten Ton. H u b als Oberleutnant von Potten­stein: fesch, frrfd) unb beweglich, mehr Bonvivant unb Kavalier als Komiker. (Für bie chinesische 93 er» kleibung zuletzt würbe sich eine andere, minder störende Kopfbedeckung empfehlen.) Im großen En­semble taten sich die Herren Valckenberg als Tschang und V o l ck als komischer Obereunuch hervor.

Das stark besuchte Haus spendete großen Beifall unb klatschte mehrere Wieberholungen heraus.

hth.

Gin Blick in Michelangelos Werkstatt.

Jebes große Kunstwerk ist ein Zeugnis bafür, baß sich eine eigenwillige Schöpferkraft eine all­gemeingültige Form erkämpfen muß, um überzeit­liche Bedeutung zu haben. Dieses Ringen um eine notwendige Gestalt ist auch bei der Arbeitsweise Michelangelos zu beobachten, der sich keines­falls in einem dämonischen Schaffen nach leiden­schaftlichen Visionen erschöpfte, sondern der eine unendlich mühsame und sorgfältige Vorarbeit be­wältigte, ehe er in seiner oft beschriebenen, raschen und wilden Art die Figur aus dem Stein heraus­meißelte. Wie bei jedem großen Genie ist auch bei Michelangelo der innere Schöpferbrang von einer höchsten geistigen Ueberlegung begleitet gewesen, und schon die gesamte Komposition seiner Werke zeigt kluge Ordnuyg und durchdachte Planung. Die Riesenarbeiten des Meisters erforderten umfassende Berechnungen über den Transport des Materials und über die Verwendung zahlreicher mithelfender Arbeitskräfte. Aber auch die einzelne Statue schuf er nicht etwa nach einem kleinen flüchtigen Modell, sondern er hat selbst mit viel Mühe große Modelle angefertigt, nach denen bann ber Marmor von ben Steinmetzen in großen Zügen zugehauen würbe. Das große Tonmobell eines Flußgottes, aus bem Jahre 1524, ist in ber Akabemie von Florenz auf­bewahrt worben, unb bie eigenen Angaben Michel­angelos ergänzen unsere Vorstellung über seine Arbeitsweise. Wir besitzen nämlich Notizen Michel­angelos für ein Jahr feiner Tätigkeit an den Mebici-Gräbern, in denen fast täglich feine Arbeiten und Ausgaben verzeichnet find; aus ihnen geht her­vor, daß diese Figuren-Modelle aus Tonerde und Scheerwolle gemacht wurden. C e l l i n i hat erzählt, daß Michelangelo,als er erkannte, daß er mit den kleinen Modellen nicht von ferne feinen großen Ideen nahekam, sich später stets mit größter Be­scheidenheit daran machte, große Modelle zu fertigen von gpnau denselben Massen, wie das Werk aus dem Marmor herauskommen sollte: unb solches

haben wir mit unseren eigenen Augen in der Sakristei von S. Lorenzo gesehen." Der Meister ließ nun, wie aus ben Rechnungsvermerken klar hervorgeht, von Tischlern zunächst bas Gerippe ber Figur aus Holz aufbauen unb legte selbst mit Hand an, um ben ©liebem schon im Holz bie von ihm beabsichtigte Bewegung zu geben. Diese großen Gestelle, zu benen beträchtliche Holzmengen Der» roenbet waren, würben bann mit Werg bekleibet unb bieses umschnürt. Auf bem so gewonnenen Kern wirb bann bie eigentliche Modelliermaffe auf­getragen, bie aus Ton besteht unb mit Kleister, Leim unb Scherwolle vermischt ist. Sechs Wagen­ladungen solcher Tonerde wurden verwendet, dazu noch 3 Doppelzentner weißer Erde, die als oberste Schicht diente, um dem ganzen eine Ähnlichkeit mit dem Marmor zu geben. Diese von Michelangelo selbst sorgsam ausgeführten Modelle dienten bann als Vorlage für die Steinmetzen, die die rohe Be­hauung des Marmors unternahmen. Der Meister behielt sich die künstlerische Vollendung vor.

Was ein guter Magen leistet.

Bekannt ist, daß ber Vogel Strauß so ziemlich alles verschlingt, was er findet, ob verdaulich ober unoerbaulich. Sein Magen verträgt eben alles. Aber auch ein Bufchmcmnsmagen ist nicht zu ver­achten, wie von Europäern berichtet wird, benn ob es sich um Raupen, Baumharz, Ratten, Oel- früchte ober um Wilb handelt, das mit Giftpfeilen erlegt worden ist, spielt keine Rolle, es wird alles gegessen und vertragen. Ein Europäer brauchte einen Boten, ber wichtige Briefe nach ber 130 Kilo­meter entfernten Eisenbahnstation bringen sollte. Schließlich fanb sich ein alter, spinbelbürrer Busch­mann bazu bereit, bie Briefe zu beförbern. Er wollte am nächsten Morgen abmarschieren, ver­langte aber, sich vorher ordentlich sättigen zu dür­fen, wozu er eine Ziege, einige Pfund Reis, etwas Salz unb eine große Portion Tabak benötigte. Er erhielt bas Gewünschte. Die Ziege hatte ein Schlacht­gewicht von 18 Pfunb. Der Europäer glaubte, ber Alte würbe bie Ziege mit seiner Sippe verzehren, boch ber Buschmann blieb allein, kochte ben Reis, tat einige Stücke ber Ziege hinein, ben Rest briet er auf glühenber Asche. Am anbern Morgen schien sein Leib wie eine Trommel gespannt unb es schien, als wenn bie bürren Beine unmöglich die Last tragen könnten, aber er nahm einen Stock unb wankte los Am dritten Tag war er wieder da; er hatte für bie 260 Kilometer 60 Stauben gebraucht. Vor feinem Rückmarsch er fünf Kilo Fleisch unb Reis. Auf bem Marsch trank er nur aus feiner Feldflasche, aber michts, da er ja seinen Proviant im Magen nstt sich;i?ug.