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Nie Organisation der gewerblichen Wirtschaft.

Die sachliche und bezirkliche Gliederung.

Berlin, 1. Dez. (DNB.) Im Reichsgesetzblatt vom 1. Dezember erscheinen als erste Verordnung zur Durchführung des Gesetzes zur V o r b e r e i - tung des organischen Aufbaues der deutschen Wirtschaft die Bestimmungen über den Aufbau der gewerblichen Wirt- schäft. Die gewerbliche Wirtschaft wird fachlich und bezirklich zusammengefaßt und gegliedert. Die Organisation und die öffentlich-rechtlichen Ver­tretungen der gewerblichen Wirtschaft werden orga­nisch verbunden.

Fachlich wird die gewerbliche Wirtschaft in einer Reichsgruppe der Industrie in Hauptgruppen und in den Reichsgruppen Hand­werk, Handel, Banken, Versicherungen und Energiewirtschaft zusammengefaßt. In den Hauptgruppen der Industrie und in den Reichs­gruppen der übrigen gewerblichen Wirtschaft wer­den Wirtschaftsgruppen gebildet, die sich nach Bedarf in Fachgruppen und F a ch - Untergruppen gliedern.

Bezirklich wird die gewerbliche Wirtschaft in Wirtschaftsbezirken zusammengefaßt. Wirtschaftsgruppen, Fachgruppen und Fachunter­gruppen können sich bezirklich untergliedern, wenn ein zwingendes wirtschaftliches Bedürfnis besteht, einen bestimmten Wirtschaftszweig für einen Wirt­schaftsbezirk oder innerhalb eines solchen zusammen­zufassen. Auf Anordnung des Reichswirtschafts­ministers können Bezirksuntergruppen und Zweig­stellen mit Industrie - und Handelskam­mern verbunden werden. Gruppen verwandter Wirtschaftszweige können Arbeitsgemein­schaften bilden. Die bestehenden Wirtschaftsver­bände sind soweit tunlichst in die fachliche oder be­zirkliche Gliederung zu überführen. Die bezirkliche Organisation der gewerblichen Wirtschaft, die In­dustrie- und Handelskammern und die Handwerks­kammern eines Wirtschaftsbezirks erhalten eine ge­meinsame Vertretung in der W i r t s ch a f t s k a m° m e r. Die Reichsgruppen und die Hauptgruppen der gewerblichen Wirtschaft und die Wirtschafts­kammern erhalten eine gemeinsame Vertretung in der Reichswirtschaftskammer.

DieAusgabenderVezirksgruppen

Der Reichswirtschaftsminister bestimmt die Grup­pen der fachlichen Gliederung und grenzt ihr Fachgebiet ab. Die Unternehmer, die auf dem Fachgebiet selbständig tätig sind, werden den zu­ständigen fachlichen und bezirklichen Gruppen an- geschlossen. Jede Gruppe der gewerblichen Wirt­schaft erhält einen Leiter, der ehrenamt­lich tätig ist. Die Leiter der Reichsgruppen und der Hauptgruppen der Industrie werden vom Reichswirtschaftsmini st er bestellt und abberufen. Der Leiter erläßt die Satzung der Gruppe. Er bestellt nach Bedarf Stellvertreter und Geschäftsführer, die die laufenden Geschäfte nach seinen Weisungen führen. Die Gruppe der gewerb­lichen Wirtschaft hat ihre Mitglieder auf dem Fach­gebiet zu beraten und zu betreuen. Der Leiter hat die Gruppe im Sinne des national­sozialistischen Staates zu führen und die Ange­legenheiten der Gruppe und ihrer Mitglieder unter Rücksichtnahme auf die Gesamtinteressen der gewerb­lichen Wirtschaft und unter Wahrung des Staats­interesses zu fördern. Mitglieder, die den Weisun­gen der Leiter vorsätzlich zuwiderhandeln, können durch Ordnungsstrafe bis zu 1000 Mark angehalten werden, den Weisungen zu folgen.

Jede Gruppe der gewerblichen Wirtschaft erhalt einen Beirat. Er hat die Kassen- und Rech­nung s f ü h r u n g und die für die Erteilung der Entlastung maßgebenden Unterlagen zu prüfen. Cr ist vor wichtigen Maßnahmen zu Horen, insbesondere vor Feststellung des Haushaltsplanes, Festsetzung der Beiträge, Erwerb von Grundver­mögen usw., Bestellung von Geschäftsführern und Erlaß ober Aenderung der Satzungen. Wenn eine Entscheidung abweichend von der Mehrheit des Bei­rats getroffen werden soll, bedarf sie der Zustim­mung des Leiters der übergeordneten Gruppe. Für bestimmte Aufgaben können Sonderausschüsse gebildet werden.

Die untersten Gruppen der fachlichen und bezirk­lichen Gliederung und Gruppen mit nicht mehr als 200 Mitgliedern haben jährlich mindeitens eine Mitgliederversammlung abzuhalten, die zur Unterrichtung und Aussprache der Mitglieder über die Tätigkeit und die finanzielle Lage der Gruppe dient.

Die Wirlschaflslammer.

Die Wirt sch a ft s kämm er ist die gemein- same Vertretung der bezirklichen Organisation, der gewerblichen Wirtschaft, der Industrie- und Handels- kammern und der Handwerkskammern eines Wirt- schaftsbezirkes. Der Reichswirtschaftsminister beruft Den Leiter und einen Stellvertreter. Stellvertreter ist auch der Landeshand­werksmeister. Der Leiter der Wirtschafts- kammer ist Vorsitzender der Industrie- und Handels- kammer des Wirtschaftsbezirks, die der Reichs- Wirtschaftsminister bestimmt. Die Wirtschaftskammer erhält einen Beirat. Dessen Mitglieder sind die Leiter der Bezirksgruppen und die Vorsitzenden der Industrie- und Handelskammern des Wirtschafts­bezirks, ferner die im Wirtschaftsbezirk ansässigen Leiter von Reichsgruppen und Hauptgruppen. Als weitere Mitglieder beruft der Leiter auf Vor­schlag der Reichsgruppen Vertreter der in dem Wirt­schaftsbezirk hauptsächlich ansässigen in dem Beirat nicht oder nicht ausreichend vertretenen Wirtschafts­zweige, auf Vorschlag des Landesbauernführers einen Vertreter des Reichsnährstandes und einen Vertreter der Gemeinden des Wirt­schaftsbezirks, der durch den Reichsminister des Innern benannt wird.

Die Reichswirtschafiskammer.

Die Reichswirtschaftskammer ist die gemeinsame Vertretung der fachlichen und bezirk- lichen Organisation der gewerblichen Wirtschaft, der Industrie- und Handelskammern und der Hand­werkskammern. Die Geschäftsführung des bisherigen Führers der Wirtschaft und des Deutschen Industrie- und Handelstages werden zur Geschäftsstelle der Reichswirtschaftskammer vereinigt. Die Reichswirt­schaftskammer erhält einen Beirat. Mitglieder des Beirates sind die Leiter der Reichsgruppen und der Hauptgruppen der Industrie, der Wirtschafts­kammern und der Vorstand der Reichswirtschafts­kammer. Als weitere Mitglieder beruft der Reichs­wirtschaftsminister auf Vorschlag des Reichsbauern­

führers einen Vertreter des Reichsnährstandes und auf Vorschlag des Reichsministers des Innern einen Vertreter der Gemeinden.

Der Reichswirtschaftsminister kann weitere in der gewerblichen Wirtschaft tätige und mit ihren Ver­hältnisfen besonders vertraute Personen als Mit­glieder berufen. Der Beirat der Reichswirtschafts­kammer ist beratendes Organ des Re ich s- wirtfchaftsministers.

Die Verordnung soll keine Veuorganisa- H o n der gewerblichen Wirtschaft, sondern nur die Rechtsgrundlage schassen, für den fast ab­geschlossenen Umbau der privaten Organi­sation der gewerblichen Wirtschaft nach den Grundsätzen des nationalsozialistischen Staates. Die Verordnung soll ferner die Grundlage bilden einer engen Zusammenarbeit der Wirt­schaftsverbände mit den Industrie - und Handelskammern und den Handwerks­kammern. Die Reichsorganisation der gewerb­lichen Wirtschaft ist nahezu durchgeführt.

Der Reichswirtschaftsminister hat den Präsidenten der Industrie- und Handelskammer Hannover, Re­gierungsrat a. D. Pg. Ewald Hecker, Vorsitzender des Aufsichtsrates der Jlseder Hütte, als Leiter der Reichswirtschaftskammer, den Prä­sidenten der Industrie- und Handelskammer Frank­furt a. w., Professor Pg. Karl Lüer, Leiter der Reichsgruppe handel der gewerblichen Wirtschaft und den Reichshandwerksmeister Pg. Wilhelm Schmidt, Leiter der Reichsgruppe Handwerk der gewerblichen Wirtschaft, als Stellvertreter berufen. Vie Berufung weiterer Stellvertreter ist in Aussicht genommen.

Erleichterte Gewährung von Darlehen durch die Invalidenversicherung.

Berlin, 30.Nov. (DNB.) Durch einen Erlaß an die Vorstände der Landesversicherungsanstalten hat das Reichsversicherungsamt Erleichterungen bei der Gewährung von Darlehen durch die Träger der Invalidenversicherung eintreten lassen. Bisher war die Gewährung solcher Darlehen genehmi- gungspflichtig, wenn Zinsen unter einer gewissen Höhe vereinbart worden

waren. Um die Bestrebungen nach einer Zins- senkung zu fördern, hat das Reichsversicherungs­amt nunmehr dieser Grenze auf jährlich v. H. herabsetzt. Auch bei Einhaltung dieser Zins- grenze ist die Genehmigung dann einzuholen, wenn die Darlehensgewährung aus anderen Gründen genehmigungspflichtig ist. Ferner haben die Dersicherungsträger ihr besonderes Augen­merk auf die Erhaltung der notwendigen Flüssig­keit der Mittel zu richten.

Oie Umschulung der weiblichen Erwerbslosen.

Berlin, 3. Dez. (DNB.-Funkspruch.) Angesichts der Tatsache, daß land- und Hauswirt- schaftliches Hilfspersonal nicht in ge­nügendem Maße voryanden ist, während andererseits eine erhebliche Zahl weiblicher Ar­beitsloser aus den verschiedensten Berufen be­steht, hatte die Reichsanstalt den Bund Deut­scher Mädel beauftragt, die Umschulung weib­licher Arbeitsloser auf Haus- und Landwirtschaft durchzuführen. Die Mädel-Referentin im Sozialen Amt der Reichsjugenbführung, Gertrud Kunze- mann, berietet nunmehr imJungen Deutsch­land", daß im ganzen Reich sofort mit der Arbeit begonnen wurde. Die Landesarbeitsämter haben gemeinsam mit dem BDM. den Umschulunasplan für die städtischen weiblichen Erwerbslosen bereits in vielen Teilen des Reiches verwirklicht. So­wohl bei der Umschulung auf Landwirtschaft, wie bei der für die st ä d t i s ch e Hauswirt­schaft kommen Kurse von je acht Wochen in Betracht. Die landwirtschaftliche Schulung wird auf geeigneten Bauerhöfen an Gruppen von etwa zehn Mädeln vollzogen. Es hat sich er­geben, daß die meisten der Umgeschulten Freude am Landleben gefunden haben und nun auf dem Lande bleiben wollen. Die Um­schulung für die Hauswirtschaft erfolgt in Lagergemeinschaften von 25 bis 40 Madeln. Lagerleiterin ist eine aktive BDM.-Führerin, die selbst die Hauswirtschaft erlernt hat. Nach den acht Wochen werden die Mädel direkt vom Lager aus durch das Arbeitsamt in die Haushalte ver­mittelt. Die Hausfrauen nehmen gerade diese Mädels sehr gern. Auf dem Lande wie in der Stadt werden die Mädel nach der Umschulung weiter vom BDM. betreut.

Der Weg der Hitlerjugend.

Gauleiter Sprenger spricht im Rundfunk über das Werden der HI.

Der Führer das Vorbild.

Enge Verbundenheit vonParteiundJugend.

LPD. Frankfurt a. M., 2. Dez. Sonntag nach­mittag sprach Gauleiter Reichsstatthalter Spren­ger über den Reichssender Frankfurt zur deutschen Jugend. Der Gauleiter führte dabei u. a. aus:

In der Verbotszeit des Jahres 1924 hätten die Parteigenossen unter dem Decknamen derDeut­schen Partei" eine außergewöhnliche Tätigkeit entfaltet. Gerade die deutsche Jugend habe sich da- mals leidenschaftlich zurDeutschen Partei" bekannt. Aber erst 1927 sei der Gedanke in die Tat umgesetzt worden, der Partei eine Jugendbewegung zu geben. Mit Begeisterung hätten sich auch im Gau Hessen-Nassau die Jungens in der HI. zusammen­gefunden. Allen Widerständen zum Trotz habe die HI. für den Namen des Führers und für die Par­tei geworben. Niemand sei mit mehr innerer Begei­sterung an eine Aufgabe hevangegangen als gerade die HI. Drei ermordete Hitlerjungen im Gau Hessen - Nassau seien die Blutzeugen des Kampfes: Hans H a n d w e r k, Christian Crößmann, Peter F r i e ß. In Verehrung müsse jeder deutsche Junge zu jenen tapferen Kameraden aufblicken, die auch für ihn geblutet und gelitten hätten.

Heute hätte man keine Vorstellung davon, wie schwer es gewesen sei, die Begriffe Jungar­beiter und höherer Schüler zu über« brücken. Und doch sei es herrlich zu beobachten ge­wesen, wie in der gemeinsamen Betätigung, vor allem aber im gemeinsamen Erlebnis alles Trennende allmählich ver­schwand. Die Erfassung der Landjugend sei die schwierigste Aufgabe gewesen. Die Selbstlosigkeit aller Mitkämpfer habe aber auch dieses Hindernis überwunden. Ein stolzes Erlebnis fei dann d i e erste Gautagung der Hitlerjugend gewesen. Mit dem Fortschreiten der Bewegung habe

sich auch die Führung der Jugend gefestigt. Der Ge- danke, daß Jugend durch Jugend geführt werden müsse, hätte allmählich gefördert werden können, da ja nun die besten Kräfte der Jungman- nen in die Reihen der nationalsozialistischen Kämpfer traten.

Bei der Machtübernahme habe sich dann gezeigt, ein wie großer Teil der deutschen Jugend schon in- nerlich zu Adolf Hitler gestanden habe, lieber Nacht sei die Hitleriugend zu einer Riesenformation ge- worden. Um Führerkräfte für die Jugend zu gewin­nen, habe er sich auch von feinem Stellvertreter Kramer trennen müssen, um der Jugend einen Gebietsführer zu geben. Die Jugend, die heute mitten im Erlebnis der Gegenwart stehe, müsse den festen Willen zeigen, die Taten von heute der­maleinst fortzusehen. Die Voraussetzungen dafür zu schaffen, sei die Pflicht der Partei. So seien allmäh- lich Im Gau überall Führer schulen entstanden, die jedem Jungen die Möglichkeit böten, seiner Lei­stung entsprechend in das.Schaffen der HI. einge« gliedert zu werden. Er wolle eine politische Jugend, denn nur die Jugend werde ihre hohe Aufgabe meistern, die die großen Ziele der NSDAP, kenne. Zu diesem Zwecke seien Hitlerjungen in gro­ßer Zahl politischen Leitern b e i g e g e - b e n, damit sie dort Einblick in die Dinge bekämen und eine Vorstufe zur Führerauslese durchschreiten. Die Jugend könne nur dann politische Reife erwer­ben, wenn sie täglich im politischen Leben stehe, ge­rade die Formung unserer Jugend wird unsere größte Sorge sein und bleiben. Verzärtelt soll die Jugend nicht werden, sondern wir wollen ihr den Weg bereiten, daß sie in eigener Arb eit vor- roärtsbrängt und daß sie in dieser Arbeit sich an­schließt an uns, die Gegenwärtigen. Schaut im­mer auf den Führer, versucht, ihn zu be­greifen, versucht, es ihm in jeder Weise nach zu - tun ! Im Führer sind wir alle eins, die Alten und die Jungen! Diese Einheit verbürgt die Zukunft des deutschen Volkes.

Um deutsche Ehre und deutsche Kultur.

Die deutschen Universitäten protestieren gegen den Prager Rechtsbruch.

Berlin, 1. Dez. (DNB.) An allen deutschen Hochschulen wurden am Samstagmittag Protest - kundgebungen gegen d i e Ausschrei­tungen in Prag veranstaltet. Die Berliner Kundgebung in der neuen Aula der Berliner Uni­versität wurde von allen deutschen Sendern über­tragen, die gesamte deutsche Studentenschaft erlebte sie am Lautsprecher mit. Die aufrüttelnden Verse eines Sprechchores leiteten die Feier ein. Stehend und mit erhobener Rechten sangen die Tausende in der Aula, in den angrenzenden Gängen und auf dem Kaiser Franz-Ioseph-Platz das alte deutsche StudentenliedBurschen heraus",Lever tob as Slav" fo halten dann wieder wuchtig die Worte des Sprechchores durch den Raum.

Der Rektor der Universität Professor Or. Fischer nahm dann das Wort. Ein einziger Schmerz hat uns hierher geführt, so führte er u. a. aus, der Schmerz um unsere gebemütigte Schwester Prag, eine Empörung über bas ungeheuerliche Vorgehen gegen eine altehrwürbige Stätte geistiger Arbeit, ein Gefühl b e r Verbunbenheit mit benen, bie in ber Abwehr ein Stück Deutsch- tum verteibigten, eine beutsche Hochschule, an ber man sich vergriff.

Der Rektor gab bann einen ausführlichen lieber» blick über bie Geschichte ber Prager Universität, bie 1348 als erste beutsche Universität unb als ein Bollwerk beutschen Geistes nach Osten begrünbet würbe. Er schilberte ben blinbwütigen Kampf ber Tschechen, bie, verblenbet burch Kriegspsychose und neibischen Haß, immer mehr fremoes Eigentum

antasteten, bie ber Prager Hochschule 1920 ben Namen ihres kaiserlichen Grünbers raubten unb ihr nun einen neuen Rechts- bruch ohnegleichen angetan haben. Es geht nicht um materiellen Wert, es geht um beutsche Ehre, bie beleibigt unb getreten ist, es geht u m ein Stück beutscher Kultur, um einen Hort bes Deutfchtumes, unb ein Symptom ist es, baß Schritt um Schritt beutsche Leistung unb beutsches Leben auf Auhenposten im Osten ge­brodelt werben soll, unb gerabe heute, wo unser Führer ber ganzen Welt bie Friebenshanb reicht.

Es geht nicht um Kleinigkeiten, wie es eine halb- tausenbjährige Goldkette, ein Rektorstab und Fakul­tätszepter schließlich sind, es geht um eine deutsche Universität. (Lebhafter Beifall.) Was dankt europäische Kultur, so rief der Rektor aus, den deutschen Universitäten in der Reihe der gesamten Universitäten der Welt. Unb nun soll eine aus ihrer stolzen Reihe entehrt werben, veraubt, beschimpft? Wenn wir Deutsche auch nur an- nähernb Aehnliches täten, wie mürbe bas Wort Barbaren" wohl roieber aufflammen über uns! Wir legen feierlichst Verwahrung ein gegen bas schreienbe Unrecht, bas in Prag geschieht, wir empfinben es als eigenes, alle sind wir getroffen! Aber finb nicht bie anberen auch getrof­fen? Gibt es keine wirkliche universitas über Lanbesgrenzen unb Nationalitäten hinweg? Merken Bologna, Salerno, Siena, Florenz ober Oxforb nicht, baß ihre eigens Ehre, bie Ehre aller internationalen Wissenschaft angegriffen ist?

Wir legen Verwahrung ein vor ber ganzen geisti­gen Welt! Als Zeichen bes Abscheus unb ber Trauer ruht heute an allen deutschen Hochschule«

Arbeit und Unterricht. Der Rektor schloß unk stürmischen Beifall bes Aubitoriums mit dem Dh! an bie ©rüber unb Schwestern Prags: Harrt au unb bleibet stark, benn Recht muß Reckt bleiben, so wahr uns Gott helfe!

Oer Führer der Deutschen Studenten schast pg. Andreas Feickert

schilderte noch einmal bie unroürbigen Vorfälle U 24. November in Prag. Ein Sturm ber Entrüstung würbe laut bei ber Bekanntgabe, baß bie tschechi^' Postbehörben bie Weiterleitung von deutsch^ Sympathietelegrammen an bie Deutsche UniversilLj verweigert haben. Wir haben mit ben tschechische Stubenten in vielerlei Fragen kamerabschastlich fammengearbeitet. Wir sehen jetzt in den provo­zierenden Angriffen tschechischer Studenten aus Deutsche Universität in Prag die Grundlage bleit' Zusammenarbeit gefährdet und wollen nicht annti men, daß dieser Willkürakt die Meinung der Z samten tschechischen Studentenschaft ist. Willkür u« gewaltsame Durchführung veralteter Beschlüsse föa nen nicht die Grundlage der Zusammenarbeit jungen studentischen Schichten der Völker bilbm sondern nur Kameradschaftlichkeit unter Ariers nung der Eigenwilligkeit. Der 24. November als ein schwarzer Tag in der Geschichte der 2)r., schen Studentenschaft in ihrem Bewußtsein fortlebr;. Das Deutschlandlied und das Horst-Wessel-Lied fo schlossen die würdige Protestkundgebung.

Wie an allen deutschen Universitäten unb Hotz schulen, so fanb auch in Gießen eine Uebec tragung im Gießener S tu b e n t e n haui statt. Trotz ber erst kurz zuvor ergangenen Aufsordv rung hatten sich f a ft alle Dozenten uni ©tubenten in ben Räumen bes Gießener 6t» bentenhauses eingefunben unb bamit ihr großes 3» tereffe unb ihr Einverstänbnis zu biefer Protch funbgebung befunbet.

Ein Vorschlag zur tatkräftigen Hilf, für Prag.

In Breslau berichtete vor ber Übertragung ber Protestkunbgebung ber Rektor ber llnioerfitc; Prof. Dr. W a l z, baß bie Universität Breslau. Senat, Fakultäten, Dozentenschaft unb Studenten schäft 500 Reichsmark als ©runbftorffüi ben i e b er a u f b a u ber in Prag sinnlos zerr störten Seminare, Institute unb Bücht< reien geftifet haben. Nun ergeht noch an bin beutschen Buchhänbler unb Verlegni ein Appell, wissenschaftliche Werke aus den Doni hanbenen Bestänben kostenlos ober verbilligt zw Verfügung zu stellen. Der Rektor wirb ferner fämt-. lichen beutschen Rektoren vorschlagen, je eiin ©lieb ihrer Rektorke11e ber beutschen Uni" versität Prag zu stiften. Diese neu zusammenstckii Kette soll bas Sinnbild für bas feste unfidjlfwr Banb feine, bas alle Deutschen im Reiche unb /m- feite ber Grenzen umschließt.

Oie Aufgaben

des Deutschen Auslaidsktubs.

Berlin, 1. Dez. (DNB.) Der Deutsche Aus l a n b 5 c I u b hat in einer Pressekonferenz seim neuen Aufgabengebiete unb Ziele flargelegt. Dis geschäftsführenbe Vizepräsibent Admiral a. K Glabisch wies zunächst auf bie Umbenen? nung bes A. v. D. in Deutscher Aus>> lanbsclub hin. Dis Generalversammlung ho!« zur Neuorbnung bes Clubs entscheidende W machten auf den Präsidenten Herzog Ads/ss Friedrich zu Mecklenburg übertragen,H daß der Club nunmehr nach dem Führerprin^ geleitet werde. Nach ber Neuorbnung verblieb bein A. v. D. als Mitglieb ber Association Internat!» nale des Automobile-Clubs Reconnus (AIACR'. die Vertretung des deutschen Automobilismus in dieser internationalen Spitzenorganisation sowie biä Vertretung auf internationalen Tagungen unb beim Auslanbe gegenüber. Der A. v. D. hat eine ganzgi Anzahl von Veranstaltungen durchgeführt, bei benen mafjgebenben Persönlichkeiten des Auslandein bie nähere Kenntnis bes neuen Deutschland oerr mittest wurde. Auf elf Fahrten wurde Hundertm, von Ausländern hinreichend Gelegenheit geböte:; vom friedfertigen und arbeitsamen Deutschland unmittelbare Eindrücke zu beschaffen. Man ha/^ den zuständigen Stellen großen Wert dar auf 0 legt, daß diese Verfolgung vaterländischer W essen noch ausgebildet werden müsse. Der W hat sich nunmehr klar und eindeutig auf die uw lanbsarbeit umgestellt. Zwei Grundsätze sind baba herauszustellen, einmal: Dauernd oder vorüber' > gehend in Deutschland lebenden Ausländern i Club ein behagliches Heim zu geben und ihn» < mit der Organisation des Clubs in allen Fragen., in denen sie Rat und Hilfe wünschen, zur fügung zu stehen, zum anderen für bie Klubmw' glieber bie Einführung in Auslanbskreise zu möglichen unb zu förbern.

Verjüngung

des französischen GeneralftabS.

Paris, 3. Dez. <DNB. Funkspruch.) Beran1*' rungen im französischen Großen Generalstab werotc» sich im fornmenben Jahr auf 21 Division»'' generale unb 9 hohe Militärbeamk - im gleichen Range erstrecken, bie im Laufe des M > res bie Altersgrenze von 6 2 Iahrener' reicht haben. Außerbem werben 4 6 Brigaoe generale unb 21 hohe Mili r b eawlt. bie gleichfalls bie Altersgrenze erreicht haben, m Ruhestanb treten. Unter ben Divisionsgeneralen ° finben sich fünf 2Ir m e e f o m m a n b e u r e, ner werben ber stellvertretende Vorsitzenbe des V- sten Kriegsrats, General Weyganb, her neralgouoerneur von Straßburgs Mitglied des Obersten Kriegsrates, General W unb ber Oberbefehlshaber der Maro» Truppen zurücktreten.

prinzregeni pt»ut in Paris.

Paris, 2. Dez. (DNB.) Besprechungen, Prinzregent Paul von Südslaw« am Samstag mit dem Präsidenten ß e b r u n, Ministerpräsident Flandin unb dem minifter Laval führte, haben ber Vertiefung französisch-sübslawischen Freunbschaft gebient u,joni würbe über bie Behanblung ber wischen Denkschrift unb ber ungarische wort burch ben Völkerbunb gesprochen. Suds werbe jebe Lösung, bie ber Völkerbunbsrat P $ ohne Schwierigkeiten zu machen, annehmen. ' anzunehmen, oaß ber französische ^u&cn^nJjd'' ben Prinzregenten gleichzeitig über ben äugen * lichen Stanb ber französisch-italien iw Verhanblungen unterrichtete, die m - Maße von ber Entwicklung ber sübslawycy schen Beziehungen adhängen.