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282 Erstes Blatt

184. Jahrgang

Montag, Z. Dezember 1934

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General-Anzeiger für Oberhessen

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M ein Deutschland der Ehre ist ein Garant des Weltfriedens.

Eine wahre Verständigung ist nur zwischen gleichen Partnern möglich.

Göring vor den Arbeitern M rheinischen Zndustriereviers.

!as Treueverlfältnis zwischen Bolt und Führer das Fundament des Staates.

s heinhausen, 2. Dez. (DNB.) Ministerpräft- !tzei- General Göring begab sich am Sonntagvor- i6pag von Essen aus zu einer großen Kundgebung Li das Winterhilfswerk in der Maschinenhalle der Jr^drich-Alfred-Hütte in Rheinhausen. Auf dem Ian- ici Wege dahin wurde Göring von den Tausenden, ne die Straßen umsäumten, herzlich begrüßt. Am fhgang der Friedrich - Alfred - Hütte hieß Krupp ? in Bohlen mit seinen Direktoren den Gast will- forimen und geleitete ihn zur Halle, in der 15 0 0 0 Üifc eiter und Bauern aus dem Kreise

e r s mit vielen Fahnen Aufstellung genommen knen. Rach Ansprachen Krupp von Bohlens und k Kreisleiters nahm der Ministerpräsident das 6kt:

Henn ihr seht, so erklärte er u. a., wie sie im imstande schielen und tuscheln, dann hört ihr tnmer wieder das eine Wort: Dieser Win - ler von 1924/35 wird der prüf ft ein für Isen Nationalsozialismus sein, in liefern Winter wird er zusammenbrechen, krnn er wird nicht die Kraft haben, diesen win- for zu überstehen. Gelingt es ihm aber, | schreiben sie, dann müssen wir uns klar dar- i*er sein, daß dann bis auf weiteres der Jla- tinalfozialismus das Kennen gewonnen hat. Nr wollen ihnen zeigen, daß wir das 1 ennen gewinnen werden, weil wir b" Nerven haben, um auch diesen Winter durch- zuftehen.

Winterhilfswerk ist nicht ein Helfen im Sinne lims Almosen, sondern das Winterhilfswerk ist ii,e gebieterische Pflicht des Volkes ht jedes einzelnen Menschen geworden. Wenn ML immer noch viele Menschen keine Arbeit otm und dem Hunger und Elend ausgesetzt sind, rinnen sie selbst ja nichts dafür. Sie wollten arbeiten, sie wollten ja schaffen. Die Masse er Arbeiter besaß nichts und doch war es d i e p}: f s e der Arbeiter, die als Infanterie niber vorder st en Linie das Vater- | fl d verteidigte. (Stürmischer Beifall.) B e- | |t verpflichtet. Das muß allem voranstehen, M-m wir heute an das Winterhilfswerk gehen. Dc Recht auf Arbeit ist ein heiliges Recht. Dem

I 1)016 bie Nation nachzukommen. Und wenn sie das nie kann, dann muß sie die Möglichkeit schaffen, uni dem einzelnen Volksgenossen die Existenz zu «oiuntieren, damit der einzelne Volksgenosse auch -slni'rseits dann bereit ist, für die Existenz des ge= \ girren Volkes mit einzutreten. So ist der tiefere «Bn des Winterhilfswerkes nicht Almosen, nickt Lei,., sondern Pflicht. Und es muß ein wirk- pid, e s Opfern sein. Ich muß wissen, daß ich Mzeholfen habe, daß ich meine Pflicht erfüllt bt Wir werden unentwegt danach streben, daß fyilb wie möglich die Existenzgrundlage des deut- |t? Arbeiters eine bessere und damit fein Leben glücklicheres wird.

Jnd) der Machtergreifung hat das Wort VmtfcManb wieder feinen guten jl- ng gefunden. Man weiß, es ist jetzt nicht vb- ein zerrissenes, zerwühltes Volk von Feiglm- « bereit, aus pazifistischem Bedenken heraus sich ,-r aufzugeben. Man weiß, daß man heute Iiinen Spaziergang mehr nach Berlin innen kann. Wir sind wieder e l n e M a ch t j irifinb diese Macht geworden aus uns selbst, nicht | iroi Kanonen, nein, sondern durch i e n e litt« j i,flC Kraft, die immer noch dieletztegrotze IJirtung über alles Irdische hat. Mit diesem 1 imischland muß man jetzt rechnen, und niemand 1 m^en in der Welt braucht sich mehr zu schämen, | c$»r ein Deutscher ist.

Hur ein Volk, das ehrlos und wehrlos st ist auch friedlos. Wenn ein englischer Staatsmann vor wenigen lagen erklärte, nur di unbewaffnetes wehrloses Volk reize zum Hfrleben, bann möge er, bitte, auch bedenken, iciß, was für England gilt, auch für Dirutfd)lanb feine Geltung hat. Auch wir lr:b der Meinung, daß ein wehr- und ehrloses Vlilk friedlos werden muh. Nur ein Deutsch­land der Ehre ist ein Garant des Weltfriedens, stürmischer Beifall.) Deshalb verlangen wir |v: uns das gleiche Recht wie die an- irren. Deshalb verstehen und wissen wir, daß utf) die anderen Volker die Stunde erkennen mrden für jene wahre Verständi­gung, die immer nur zwischen glel- i)»n Partnern, zwischen Gleichstarken, ilimals aber zwischen Starken und Schwachen »-glich fein wird, wir fehen es immer wieder, \\« Frontsoldaten aller Nationen, ' üi in jahrenlangem gewaltigen Ringen ihren

Rutin gestanden haben, die verstehen einander. jT«b warum? Weil sie sich achten gelernt aien. Man kann dem französischen Frontsol- taen, der vier Jahre gegen Deutsche kämpfen nfote, nicht erzählen, dieBoches" feien feige

Hunde. Der Frontkämpfer weih, mit diesem Volk kann man f i ch verständigen und muhmansichver ständigen, vor einigen Wochen habe ich Gelegenheit gehabt, den grei­fen Marschall PLtain zu sprechen. Das ist ein Soldat, und deshalb ist er ein Ehren­mann, der auch den Deutschen achtet. Mit sol­

chen Männern kann man sich verständigen.

Heute ist Deutschland im Aufstieg begriffen. Wir haben gesehen, wie uns bas Wunder geglückt ist, daß der Geist über die Materie gesiegt hat, daß Deutschland wieder auferstanden ist aus schwarzer Nacht zu neuem Leben, und wir werden nicht ruhen und rasten, als bis dieser Sieg vollendet ist. Glaubt es mir, in Adolf Hitler und in uns allen ist eine seelische Leidenschaft, erfüllt von dem Drange, euch zu helfen, soweit das nur mög­lich ist. Unser ganzes Denken, Fühlen und Arbeiten gilt nur euch. Mag man uns Fehler nachsagen. Jeder hat seine Fehler, aber man kann nicht sagen, baß ein Volk da ist. das uns übertrifft an Leiden­schaftlichkeit des Willens. Das Gute zu tun und dem Volk zu helfen (Stürmischer Bei­fall.) Adolf Hitler kennt bei Tag und bei Nacht nur fein Volk, nur die Sorge für dieses fein

Volk, und am fernen Firmament da leuchtet das Ziel: das Glück feines deutschen Volkes.

Und darum glaubt mir, wer das vertrauen zum Führer zu stören wagt, wer das Gläubige im Volk zu untergraben ver­sucht, der ist ein Verräter, denn er ver­nichtet nicht nur das Verhältnis vom Volk zum Führer, nein, er zerstört damit das Volk selbst, wer gegen den Führer hetzt, der hetzt gegen Deutschland, denn Adolf Hitler und Deutschland sind unzertrennbar eins ge­worden. Das Vertrauen der Gefolgschaft zum Führer, die Treue des Führers zur Gefolgschaft, sie sind das Fundament, auf dem das neue Deutschland emporgewachsen ist. Deshalb gedenken wir auch heute dieses Mannes, dem allein wir das alles verdanken. Er hat uns einen neuen Glauben gegeben, er hat uns die Treue w i e d e r g e b r a ch t, er hat uns wieder gezeigt, was Vertrauen ist. Darum un­serem Führer Adolf Hitler, dem deutschen Reichskanzler, ein dreifaches Sieg-Heil! (Leb­hafter brausender Beifall.)

Man muß mit Hitler sprechen."

Französische Frontkämpfer aller politischen Richtungen für den Versuch eines

modus vivendi

Paris, 3. Dez. (DNB.-Funkspruch.) Der neu­sozialistische Abgeordnete Montagnon, der schon am Samstag in der Kammer gegen die Ausführungen Franklin Bouillons Stellung genommen hatte, wies imPetit Journal" auf die Notwendigkeit von deutsch- französischen Verhandlungen hin. Die deutsch-französische Entspannung sei augenblicklich die w i ch t i g st e Aufgabe. Da sich die Pariser und die Berliner Diplomaten nicht verstünden, sei das Eingreifen der ehemaligen Front­kämpfer vollkommen berechtigt. Zur Beantwortung der Frage, ob der Führer es mit feinen Annäherungsbestrebungen denn auch ehr­lich meine, brauche -man sich nur d i e T a t - fachen vor Augen zu halten. Die Nationalsozia­listen wünschen den Frieden, um das poli­tische, wirtschaftliche und soziale Regime weiter ausbauen zu können. Wenn man ihm vorhalte, daß der Führer den Frieden nur wünsche, weil er seine Stellung befestigen wolle, so antworte er dar­auf, die Hauptsache sei, daß er den Frieden wünsche. Es sei keine Zeit mehr zu verlieren. Man müsse mit Hitler sprechen. Ein wirt- schaftlicher und militärischerModus vivendi könne gefunden werden.

Der aktivistische, rechtsgerichtete Abgeordnete H e n r i o t setzt sich imPetit Journal" energisch gegen den Vorwurf, ein Kriegshetzer zu sein, zur Wehr. Er redet der italienisch-französi­schen Verständigung das Wort und beklagt sich darüber, daß Südslawien aufgehetzt worden sei. Zur Fühlungnahme der deutsch-fran­zösischen Frontkämpfer bemerkt Henriot:Ich glaube, daß wir z u einem ,Modus vivendi' mit Deutschland gelangen müssen. Dieser kann nicht in einem Erguß der Gefühle begründet wer­den, wohl aber in einer richtigen Empfindung von unseren beiderseitigen Belangen. Wir können uns vergleichen, aber wir können uns nicht verstehe n."

Eine scharfe Abfuhr erteilt das radikalsozialistische Oeuvre" dem chauvinistischen Abgeordneten Franklin-Bouillon, es sei wohl eine scheuß­liche Verirrung nach der Ansicht Franklin-Bouillons, wenn einmal die Frontkämpfer der Rechten und der Linken einig seien. Diese Frontkämpfer hätten die Indiskretion gehabt, sich wieder zu melden und sogar Einfluß auf die Geschicke des Landes zu fordern, obwohl man sie doch mit Kriegsaus- Zeichnungen abgefpeift hatte. Auch d i e Jugend sei mit den Frontkämpfern einer Mei­nung. Offenbar erhöben nur Franklin-Bouil­lon, ter Führer derAction Franyaise" Charles Maurras und seinesgleichen den Anspruch, sie feien das wabre Frankreich.Das sind die- genigen, die die Ueberlieferung oder wenigstens den Uebergang darstellen; denn sie befinden sich immer zwischen zwei Kriegen, denjenigen, den ihre Väter geführt haben, und denjenigen, den ihre Neffen führen werden. Aber die Neffen würden ihr Wort in die Waagschale werfen. Diese Sätze spielen darauf an, daß gerade Nicht- kriegsteilnehmer die ärgsten Kriegs­hetzer in Frankreich sind.

Mhenttov bei Laval.

Paris, 2. Dez. (DNV.) Agentur Havas gibt bekannt, daß der Sondervertreter des Führers und Reichskanzlers von Ribbentrop am Sonntag von Außenminister Laval empfangen

In gutunterrichteten französischen Kreisen erklärt wurde.

man im Zusammenhang mit den Ausführungen des französischen Außenministers vor der Kammer, wo­nach Frankreich einen neuen Schritt bei der Reichsregierung wegen des Oft-

" mit Deutschland.

pattes unternehmen werde, daß es sich hierbei um die Antwort handele, die die französische Regierung der deutschen Note vom 13. Sep­tember schuldig ist. Es sei aber wahrscheinlich, daß die französische Regierung die Note nicht be­antworten werde, bevor sie nicht in den Be­sitz der polnischen Antwort auf die letzte franzüsifche Note in der gleichen Angelegenheit ge­langt fei.

Oie gemeinsame Aufgabe der Frontkämpfer.

Reichsminister Seldte auf einem Stahlhelm-Appell.

Dessau, 3. Dez. (DNB.) In Dessau fand am Sonntag ein Gauappell des NSDFB. (Stahlhelm) des Gaues Magdeburg- Süd statt, der von etwa 19 000 Teilnehmern be­sucht war. Der Tag erhielt besondere Bedeutung durch den offiziellen Besuch, den der Bundesführer und Reichsarbeitsminister Franz Seldte dem Reichsstatthalter für Braunschweig und Anhalt, Hauptmann L o e p e r, und dem anhaltischen Staatsminister Freyberg machte.

Auf dem Marktplatz vor dem Rathaus fand mit­tags der Aufmarsch statt. Nach Begrüßungsworten des Gauführers Friedrich-Dessau ergriff Reichs- minifter Seldte das Wort. Es fei für ihn, so erklärte er, die Ueberzeugung des Herzens und auch eine Tat des Willens gewesen, als er sich zum Führer bekannte. Die Frontsoldaten haben aus dem gemeinsamen Fronterlebnis Brücken schlagen können. Wenn wir alten Soldaten den Blick hinaus richten und die Hände, die uns aus einem fremden Lande gereicht werden, ergreifen, so liegt das im Sinne Adolf Hit­lers und im Sinne aller Kämpfer, deren Lebensziel nicht roher Kampf ist, die vielmehr Werte schaffen wollen in friedlicher Arbeit. Und das ist letzten Endes das große Lebensziel * Adolf Hitlers, daß er die deutschen Menschen be­freien will von einem Druck, der von draußen kommt, daß er die Schlagbäume niederreißen will, I die uns hindern, Mensch zu Mensch und Kamerad zu Kamerad zu fein. Das ist auch das Ziel vieler Menschen vorher gewesen; aber feiner war so ent­schlossen und stark, vor die Front zu springen, bis Adolf Hitler kam, dem unser Herrgott die Kraft und den starken Willen gab. Franz Seldte schloß: Möchte ein gnädiges Geschick das Lebenswerk Adolf Hitlers krönen. Dem Führer Sieg-Heil!

Es sprachen dann noch der Reichsstatthalter Hauptmann L o e p e r und der Landesführer des Stahlhelm H u h o l d. Dann folgte der Vorbei- marsch vor dem Bundesführer und dem Reichsstatt­halter. Am Abend fand ein Deutscher Abend statt, auf dem Graf ßuefner, der Kommandant des Seeteufel", die Festansprache hielt.

Frankfutter Treffen ehemaliger Kriegsgefangener.

Frei Herr vonLersner überFrontso 1 datentum und Frieden.

LPD. Fran k für t a. M., 2. Dez. Ein großes Treffen der Reichsvereinigung ehemaliger Kriegs- gefangener, Gau Südwestdeutschland, führte am Samstag viele ehemalige Kriegsgefangene nach Frankfutt. In der Bockenheimer Turngemeinte sprach Freiherr von Lersner, Bundes- führer des REK. über das soldatische und völkische Erlebnis der Frontsoldaten und Kriegsgefangenen. Er maß einer Verständigung zwischen den Front­

soldaten diesseits und jenseits der deutschen Grenzen entscheidende Bedeutung für die Zukunftsgestaltung bei. Nicht der Politiker, der die Welt in den Krieg gestürzt hat, sondern nur der Frontsoldat, der ihn ausgefochten hat, kann einen neuen Krieg verhindern. Keine Gruppe der Front­kämpfer sei mehr befähigt, die Stimmung im franzö­sischen Volk zu beurteilen, als d i e Kriegsge­fangenen, die Monate und Jahre im Wechsel zwischen unerhörten Strafen und Achtung vor dem deutschen Menschen- und Soldatentum am eigenen Leibe die Mentalität des französischen Volkes ken­nengelernt hätten. Die Tatsache, daß e r st durch die Unter st ützung der ganzen Welt und schließlich der zwei Millionen amerikanischen Sol­daten es gelungen sei, Deutschland niederzuwerfen, habe die Furcht vor den deutschen Nachbarn ins Un­ermeßliche gesteigert. Diese Furcht aber könne nur d i e ehrliche Aussprache zwischen Männern, die gegeneinander im Felde gestanden haben, beseitigt werden. Der ehemalige deutsche Kriegsgefangene, der sein eigenes Volk im Vergleich zum französischen Volk gesehen habe, wisse, daß viel- leicht gerade in der grundsätzlichen Verschiedenheit dieser Völker eine Gewähr für eine endliche Be­friedung liege. Frontsoldaten und Nationalsozialisten aönnten jedem Volk in ter Welt sein Leben, feine Arbeit, seine Heimat. Das sei das politische Geständ- nis der Frontsoldaten Adolf Hitlers. Frontsoldaten und Nationalsozialisten wollten nur gleiches Recht für Deutschland sie wollten nur leben und wollten, daß auch die anderen leben.

Oas memettändische Direk­torium NeizgyS zurückgetreten

K o w n o , 1. Dez. (DNB.) Wie amtlich mitgeteilt wird, ist am 1. Dezember das Direktorium des Memelgebietes zurückgetreten. Der Gouverneur des Memelgebietes N a v a k a s hat den Rücktritt angenommen. Der Rücktritt dürfte mit ein Ergebnis der Besprechungen in Genf gewesen fein, bei denen der litauische Delegierte Klimas in Rücksprache mit Ede»

und Laval den Eindruck gewonnen haben wird, daß die Signatarmächte gewillt sind, sich litauische Verstöße gegen das Memelstatut nicht weiter gefallen zu lassen. Die Litauer werden auf Grund des Berichtes von Herrn Klimas zu der Ueberzeugung gekommen sein, daß es sich empfiehlt, gegenüber den Signatarmächten einzulenken. Es besteht auch die Möglichkeit, daß die Signatar­mächte direkt den Rücktritt Reizgys gefordert haben. Die Memelländer befürchten indessen, daß die Litauer nunmehr eine noch viel schärfer litauisch orientierte Regierung bilden werden.

Von einem von den Garantiemächten eingesetz­ten Juristenkomitee sind kürzlich eine ganze Reihe von Verstößen Litauens gegen d i e Bestimmungen der Memelkonven­tion festgestellt worden. Vielleicht hängt mit dem Gutachten dieser Kommission der jetzt erfolgte Rücktritt des Direktoriums Reizgys zusammen, das widerrechtlich im Amte war. Es hatte verschiedentlich versucht, sich vom Landtag durch ein Vertrauensvotum den erforderlichen gesetzlichen Unterbau zu verschaffen, aber der Landtag dachte garnicht daran, einen Rechtsbruch auch noch zu sanktionieren. So drehte Reizgys den Spieß dann wieder um und schikanierte die Abgeordneten derart, daß sie nicht dazu kamen, ihrem Mißtrauen Ausdruck zu verleihen. Damit kam aber auch das m der Me- melkonvention vorgeschriebene Vertrauens­votum nicht zustande. Reizgys wütet nun in der unerhörtesten Weise gegen die memelländische Be­völkerung, mit ihm wetteiferte der litauische Kriegs­kommandant, Einkerkerungen und Verhaftungen erfolgten, ein riesiger Prozeß steht bevor, der den Nachweis der staatsfeindlichen Betätigung von mehr als hundert Memelländern erbringen soll, aber nicht erbringen wird, eben weil die memel­ländische Bevölkerung bis zum Letzten loyal ist und die bestehenden Gesetze achtet. Sind Gesetzes­übertretungen nicht vorhanden, so werden sie ein­fach den willkürlich Verhafteten untergescho­ben, nur um die brutale Diktatur und die litauische Rechtsverletzungen zu verschleiern, Reizgys geht jetzt, es fragt sich, wer i h n ablösen wird, es fraat sich vor allem, ob Litauen bereit und gewillt ist, sich wieder auf die Memelkonvention zurückzuziehen. Allein darauf kommt es an.