Jugend und Hochschule
iagegen bei den
von Privatangestellten, selbständigen Handwerksmeistern und mittleren und kleinen Landwirten.
Bei der allgemeinen Abnahme des Neuzuganges zu den wissenschaftlichen Hochschulen im Studienjahr 1933/34 gegenüber 1932/33 hat dieser natürlich auch in den meisten einzelnen Studienfächern abgenommen, aber auch da in sehr verschiedenem Maße. Von bekannteren S t u d i e n f ä ch e r n , die eine besonders große Abnahme zeigen, seren genannt das kaufmännische Studium, das Handels
ten, von Rechtsanwälten, von Agenten und von Apothekern; ganz besonders klein b( v _
Kindern von Lehrern ohne akademische Bildung,
lehramtsstudium, die Physik, die Philosophie und Allgemeine Pädagogik, die Mathematik, die Chemie, die Neuen Sprachen und das Vermessungswesen. Auf der anderen Seite gibt es aber auch eine Anzahl Fächer mit Zunahme des Neuzuganges; es feien angeführt die Landwirtschaft mit Gartenbau, ganz besonders aber das V o l k s s ch ulke h r e r st u d i u m mit einer Zunahme von über einem Drittel und das Berufsschullehrerstudium, das einen Neuzugang sogar fast verdoppelt hat.
Stark ist das Studium der Ausländer zurückgegangen, besonders in der letzten Zeit. Es studierten bei uns im Winterhalbjahr 1933/34 nur noch rund 4800 Ausländer und Ausländerinnen gegenüber rund 7300 im Winterhalbjahr 1930/31, und noch stärker ist vom Studienjahr 1930/31 zum Studienjahr 1933/34 der Neuzugang an Ausländern gefallen.
Einen Gegenstand, der bevölkerungspolitisch von großem Interesse ist, hat die Hochschulstatistik in diesen letzten Band neu ausgenommen: den Zusammenhang zwischen Hochschulstudium und F a m i l i e n g r ö ß e. Es ist schon des öfteren darauf hingewiesen worden, daß zwischen dem Geburtenrückgang und der Abnahme der kinderreichen Familien einerseits und dem Andrange zu den höheren Schulen und Hochschulen andererseits offenbar ein Zusammenhang besteht. Aber die Statistik hatte bisher nur wenig getan, diese Frage zu klären. Hier bringt nun der neue Band der Hochschulstatistik einiges Material. Die Ergebnisse weisen allerdings, wie die Hochschulstatistik selbst mitteilt, noch gewisse Mängel auf; man wird den diesbezüglichen Angaben deshalb vielleicht auch noch mit einem gewissen Vorbehalt gegenübertreten müssen. Sie be-
Unblutiger Zweikampf kostet einen Gulden ...
Tübinger Ltndentenleben in alter Zett
Das Tübinger Studentenrecht von 1518 schrieb u. a. vor:
Die Studierenden sollen sämtliche Predigten und Litaneien besuchen. Wer vom Pedell während ber Predigt „in der Stadt oder auf dem Felde" angetroffen wird, ist vom Rektor zu bestrafen.
Verbalinjurien unter Studenten sollen mit W zehn Kreuzern bestraft werden. Wer den Degen zieht, zahlt 22 Kreuzer. Ein Zweikampf, öer unblutig verläuft, wird mit 1 Gulden, leichte Verwundungen mit 2 Gulden abgegolten. Wer einem Kommilitonen schwere Wunden zufügt, kann nach Ermessen des Rektors bestraft werden. Teilnehmer am Zweikampf müssen den Degen den Pedellen ausliefern oder ihn mit 1 Gulden einlösen.
Beleidigung der Nachtwächter ist mit 15 Tagen Karzer zu bestrafen. Nachtlärm, namentlich das Musikmachen, ist bei Karzerstrafe verboten. Wer nach der Abendglocke ohne Licht ausgeht, muß 14 Tage sitzen. Die „häufige Sitte", in Scharen nachts spazieren zu gehen, wird streng unterlagt. (Diese Bestimmungen haben nicht viel genützt, denn
Kulturgeschichte, Sport, Musik und Lied, und zwar hatte die spanische Gruppe dabei deutsche und die deutsche spanische Lehrer. So kam man rascher in Melodik und Ausdrucksform der fremden Sprache hinein."
„Seid ihr denn nicht mit den übrigen Bewohnern des Dorfes zusammengekommen?" „Doch, bei Einkäufen, ab und zu auch mal abends, um ein Glas Wein zu trinken. Dann mußten wir aber meist über den Zaun klettern, denn erlaubt war das natürlich nicht. Ader es festigte die Kamerad- chaft. Nachmittags machten wir meist Ausfluge, oft in die Berge der Sierra. Abends gab es ge- meinfame Spiele oder Volksliedersingen. Unver- geßlich sind mir besonders die Liederabende. Was wir da an Schätzen in uns aufspeicherten und auch wieder verschenkten — ganz unbeschreiblich. Gegen 22 Uhr mußten wir zu Bett gehen. Müde genug waren wir ja meist. Trotzdem gaben uns gerade die Zimmerkameradschaften — auf jedem Zimmer hausten zwei Spanier und zwei Deutsche — Gelegenheit, das Innere, die Gefühls- und Empfm- dungswelt der Jugend des anderen Volkes kennenzulernen." „ . .. m
„Hoben Sie denn tiefere Einblicke in Die Verschiedenheit der Lebensanschauung und Sinnesart zwischen den beiden Völkern und ihrer Jugend tun können?" „O ja! Wissen Sie, im ersten Jahr meines La Granja-Aufenthaltes — ich war 1933 und in diesem Sommer dort — habe ich nur die verrußten Eisenbahnen, die Fehler und Mängel der Babeem- richtung und all der bei uns so hervorragend funk- tionierenben. Dinge gesehen — in diesem Sommer aber habe ich dies alles nicht mehr bemerkt. Da gab es für mich nur das eine, einzudringen in Die Seele des spanischen Volkes."
Als wir uns verabschieden, sagte Dr. Mösle: „Ich glaube, wir können mit unserem Schüleraustausch zufrieden sein. Es kommt dafür natürlich nur eine gesiebte Elite in Frage."
„Erlauben Sie mir gerade in diesem Zusammen- Hang noch eine Frage: Halten Sie die Gymnasiasten in ihrem jugendlichen Alter für die ihnen gestellte, immerhin verantwortungsbeladene Aufgabe für reif genug?" „Ich weiß, worauf Sie anspielen, auf die Frage ,Schüler - oder Studentenaus- tausch'. Je älter das ausgetauschte Menschen- material wird, desto weniger aufnahmebereit wird es. Die Gefahr der vorgefaßten Meinung ist ja gerade auf diesem delikaten Gebiet größer als man denkt! Der Akademiker geht belastet nut einem Sack voller Probleme hinaus. Auf der Suche nach ihrer Beantwortung verliert er leicht tue weite Sicht. Unsere Jungens sind eindrucksfähiger. Daher halte ich am Schüleraustausch fest. Dies ist auch die Ansicht der Schulverwaltung und — damit drücke ich einen alten Wunsch aus — auch die Presse sollte für den Gedanken des Schüleraus- tausches in unserem Volke werben. Wir wissen doch, worum es im letzten geht: Um Deutschlands Ansehen und Weltgeltung!
R. J.
Als Austauschschüler in Spanien
Ein Berliner Oberprimaner erzählt seine Erlebniffe.
nach der Ortsgrößenklasse ab."
Zu beachten ist ja allerdings bei der Größe oer Familien, daß durch den Krieg und seine W Wirkungen natürlich eine starke Beeinträchtig der Kinder- und damit auch der Geschwister^^ eingetreten ist (besonders durch den Geburtenaussau- während des Krieges und danach). Wenn ,raan aber fragt: ob in Zukunft, wenn einmal die Kmver der in der letzten Vergangenheit, etwa in den Jay« ren 1926 bis 1932, entstandenen Familien die Studentenschaft bilden, die Geschwisterzahlen günstiger sein werden, so erscheint das äußerst zweifellM und auch das Gegenteil als möglich. Wir legen dabei allerdings die Gestaltung unserer Geburtenziffern 1927 bis 1933 gegenüber der Vorkriegszeu und Kriegszeit bis 1920, mit gewissen, nicht unv - trächtlichen Abwandlungen für die hier in Frag kommenden Bevölkerungskreise, zugrunde, und sey von in diesem Jahre etwa bereits eingetreten ober künftigen, zu erhoffenden Wiederverbesserung der Geburtenziffer ab. In den hier in Rede stey den Ziffern der Hochschulstatistik drücken sich 3 die Kriegsfolgen mit aus, andererseits aber oua) höheren Geburtenzahlen der Vorkriegszett, ®at) seit dieser die Geburtenzahlen bekanntlich gera 6 katastrophal gesunken sind; dieser allgemeine stürz wird aber schwerlich an den hier tn F 9 kommenden Familien spurlos vorübergegangen i
ziehen sich übrigens nur auf die Mitglieder der „Deutschen Studentenschaft", die ja aber bis auf wenige Prozent die Gesamtzahl der Studierenden umfaßt; ausgenommen sind ferner nur lebende Geschwister. Wir heben von diesen Ergebnissen nur zwei heraus. Das wichtigste — das sich allerdings nicht auf ganz Deutschland, aber doch auf die wissenschaftlichen Hochschulen von Preußen, Sachsen, Baden, Thüringen, Mecklenburg und Hamburg zusammen auf das Winterhalbjahr 1933/34 bezieyt — ist, daß annähernd die Hälfte (47,6 v. H.) der Studenten und Studentinnen und derjenigen ihrer Geschwister, die bereits eine abgeschlossene Hochschul
bildung hatten ober bie im Auslanbe ftubierten, aus Ein- unb Zweikinbersamilien stammte. Fast ein weiteres Viertel (22,52 v. H.) stammte aus Drei- finberfamilien, unb nur ber ein reichliches Viertel umfassenbe Rest (29,88 v. H.) entstammte Familien von vier unb mehr Kinbern. Die große Mehrzahl ber Akabemiker würbe also von Familien gestellt, bereu Fortpflanzung zu gering war, um auch nur einen Rückgang unserer Volkszahl zu verhinbern. Ferner zeigte sich (festgestellt für bie wissenschaftlichen Hochschulen von Preußen, Sachsen, Württemberg, Baben unb Thüringen zusammen), baß der Anteil ber Ein- unb Zweikinberfamilien an den Familien, bie überhaupt Stubierenbe an ben getarnten Hochschulen im Winterhalbjahr 1933/34 stellten, in ben Großstäbten größer war als in den mittleren unb kleinen Stäbten, unb in biefen wieder größer als in ben ßanbgemeinben, währenb es M bei ben kinberreichen Familien umgekehrt verhielt. „Der Kinberreichtum stuft sich also ganz regelmäßig
höheren als vierte Semester, bie in solchen Wohnheimen wohnen, an bie Familien b e r U n i = versitätsstabtzurückverroeifen Bei ber Betrachtung bieser Frage muß jedoch betont werben, baß bie Bilbung neuer stubentischer ©emeim schaftskerne, in benen bie Voraussetzung für bie Erfüllung ber neuen Aufgaben bes Stubenten geschaffen werben, eine geschichtliche Notwendigkeit von so hoher Bebeutung ist, daß angesichts besten manche schmerzliche Härte im einzelnen m Kauf genommen werben muß.
Wohnkamerabschaften unb Kamerabschaftshauser werben also zu beweisen haben, inwieweit es ihnen gelingt, bie Kamerabschaft zwischen Student unb Arbeiter zu vertiefen. Kamerabschaft wächst nur im Kampf, unb barum wirb eine Kamerabschaft zwischen Arbeiter unb Stubent nur da entstehen, wo beide nicht zusammenkommen, nur etwa um sich kennenzulernen, fonbern um gemeinsam für etwas zu kämpfen. Unsere SA. in ben Jahren bes Kampfes ist bie vorbilblichste Kamerab- schaftserziehung überhaupt gewesen unb bas um so mehr, je größer bie tägliche Gefahr war, m ber sie zu fämpfen hatte. Die Gefahren ber neuen Kamerabschaft bebrohen weniger bas leibliche als bas seelische Leben. Sie gehen nicht aus von bem Marxismus, ben es zu brechen galt, fonbern von einer Reaktion, bie in allen Zweigen bes kulturellen unb seelischen Lebens ber Nation heute noch sehr sicher unb fest ihre feinen Fäben spinnt. Innere Wachsamkeit unb innerliche Bereitschaft muß baher hinzutreten zu der äußeren Wachsamkeit und der steten Bereitschaft zum Einsatz des Lebens, die der SA. ihre Haltung gab. Es wird sich zeigen, ob das deutsche Arbeitertum den Willen zu einer solchen kämpferischen Kameradschaft zwischen Student und Arbeiter erkennt und aufgreift.
streckt, sondern daß das Arbeitertum überhaupt ber fentftehungsortbertommen ben neuen volklichen Kultur in Deutschlanb fein wird unb baß barum bas Stubententum als eine der Dorberften Reihen ber fulturtragenben Schicht innerlich in biefes Arbeitertum hmemwachsen muß, bann wirb bas beutfche Stubententum m der en- fcheibenben Stunde einer Zeitwende an ferner Aufgabe vorbeigehen unb ber Loslosung vom Volke, eine Gefahr, ber es in ben Vorknegsfahren entgegentrieb, nicht entgehen, fonbern verfallen. Man barf sicher fein, baß ber NSDStB burch eine zielklare unb energische Führung alle Versuche reaktionäre Formen vergangener Jahrzehnte künstlich am Leben zu erhalten, zu überroinben wissen wirb. Auf ber anberen Seite ist es auch klar, baß er alle die wertvollen erzieherischen Momente des st u b e n t i s ch e n B u n b e s für bie Prägung bes neuen Gemeinschaftsstils nach jeber Richtung hin auswerten wirb unb auf ber Grunblage ber bisher von ben stubentischen Bünben geleisteten Vorarbeit weiter aufbauen wirb.
Allerbings wirb burch bie Kamerabschaftserzie- hung ben jungen Semestern bie Möglichkeit ver- chlossen, ihre ersten Semester als Untermieter in Familien ihrer Universitätsstabt zu verbringen. Die stubentischen Wohnungsämter werben biefen Ausfall jeboch fo regulieren, baß bie bebürftigen Volksgenossen zuerst Mieter zugewiesen erhalten unb werben so einen Ausgleich wenigstens insoweit schaffen, als gerabe bie weniger bemittelten Bevölkerungskreise, welche auf bas Vermieten an Studenten angewiesen sinb, in erster Linie berücksichtigt werben. Die Stubentenschaft wirb anbererfeits bie vvrhanbenen Stubentenwohnheime, soweit sie auch ältere Semester aufnehmen, in bie Kamerab- schaftserziehung einzubeziehen haben unb bamit alle
Die Entwicklung unseres Hochschulstudiums.
Von Dr. K. v. Mangoidt.
Angesichs ber gewaltigen Ausdehnung, bie bie Zahl der Studierenden bei uns allmählich erfahren hat, und der zur Einschränkung dieses Andrangs ergriffenen Maßnahmen ist es von besonderem Interesse, an Hand des kürzlich erschienenen letzten Bandes der „Deutschen H o ch sch u l st a t i st i k", der das Winterhalbjahr 1933/34 behandelt, bie neueste zahlenmäßig f e ft g e ft eilte Entwick lung zu verfolgen. Zugrundegelegt sinb dabei nur die wissenschaftlichen Hochschulen, mcht auch die künstlerischen und dergleichen, bei ersteren aber nicht nur bie Universitäten unb Technischen Hochschulen, onbern auch die verriebenen kleineren Hochichul- arten, wie z. B. die Landwirstchaftlichen Hochschulen, die Handelshochschulen, die Bergakademien und bie Hochschulen füü Lehrerbildung, alles in allem neun verschiedene Hochschularten. Es zeigt sich, daß die schon seit mehreren Jahren zu beobachtende B e r - minberung des „ Neuzugangs "(d. h. der zum ersten Male auf die Hochschule kommenden Personen) an reichsdeutschen Studierenden, männliche und weibliche zusammengenommen, sich im letzten Studienjahre, welches das Sommerhalbjahr 1933 unb das Winterhalbjahr 1933/34 umfaßt, kräftig fortgesetzt hat: währenb in bem Stubienjahr 1930/31 noch runb 30 800 reichsbeutsche Stubierenbe als erste Semester neu auf die beutschen wissenschaftlichen Hochschulen kamen, waren es in dem Studienjahr 1933/34 nur noch rund 20 800, also 10 000 weniger dem unmittelbar vorangehenden Studienjahr 1932/33 gegenüber runb 3700 weniger. Gemessen an bem voraussichtlichen künftigen Bebarf an Akabemikern sinb aber auch biese verringerten Zahlen jebenfau5 noch erheblich zu hoch. Die Gesamtzahl aller Stubierenben an ben wissenschaftlichen Hochschulen Deutschlanbs, Jnlänber und Aüsländer zufammen- genommen, ist vom Winterhalbjahr 1930/31 bis zum Winterhalbjahr 1933/34 von runb 130 100 auf runb 106 800 gesunken — doch eine recht beträchtliche Verringerung. Stellt man allerdings das Winterhalbjahr 1933/34 allein dem Winterhalbjahr 1932/33 gegenüber, so ergibt sich — zunächst üoerraschender-
foyers. Winter und Frühjahr sind von ben „Foyer- abenben" ausgefüllt, an benen Auslänber, auch Angehörige ber Berliner Botschaften unb Gesanbtschaf- ten, Vorträge über ihr Lanb halten. Im spanischen Foyer wechselten Spanier unb Sübamerikaner in bunter Reihenfolge einanber ab. Lanb, Leute, Sprache, Geschichte, Kultur, Kunst, Literatur sinb bie wichtigsten Themen. Auch bie für bie Praxis wichtigen Nebengebiete, Staatsaufbau, Verkehrs- unb Schulwesen, Sitten unb Gebräuche, auch bie Fragen bes Takts unb persönlichen Auftretens kommen nicht zu kurz. Vor allem aber pflegen wir bas V o l k s l i e b. Das große Ereignis bes Sommers ist bann bas Ferienschullager in Deutschlanb. Die jungen Spanier kamen bamals mit uns nach Pots- bam. In ber Schule hatten wir in ben letzten Tagen mächtig gepaukt unb so gerüstet, bie kleinen Liliputwörterbüchlein im Koffer, holten wir unsere Kameraben ab. Zunächst war es natürlich schlimm, bie Spanier konnten kaum ein Wort Deutsch, unb wir hatten vor Aufregung auch alles vergessen, bis einer auf bie Jbee kam, ganz warm unb herzlich bas Wort „Biengessen" (Willkommen) in bie Verlegenheit ber ersten Begrüßung zu werfen, unb ber Bann brach. So bahnte sich eine sechswöchige Freunbschaft an, bie bei manchem noch heute anbauert. Der folgenbe Winter brachte bann bie Vorbereitungen unb bie engere Auswahl für bas A u s- lanbsferienschullager 1 934 in L a Granja."
„Wie verlief benn bort ein Tag?" Lebhaft, unterbricht mein Gegenüber. „Wir waren ja nicht gleich bort. Zuerst haben wir eine große Runbreise gemacht. San Sebastian—Burgos—Mabrib—Toledo, all diese gewaltigen Eindrücke nahmen wir in uns auf. Dann erst ging es mit unseren spanischen Kameraden in die malerischen Berge ber Sierra Gua- barrama, nach La Granja, 70 Kilometer nördlich non Mabrib. Wir wohnten dort sozusagen als Gäste bes spanischen Präsidenten im Seitenflügel eines alten Schlosses, bas währenb ber heißen Monate ber Sitz bes Präsibenten ist. Herr Alcala-Zamora hat uns auch einmal empfangen unb eine sehr nette Ansprache über bie herzlichen Beziehungen zwischen unseren beiben Völkern gehalten.
Der Tag selbst begann mit Morgengymnastik. Nach bem Frühstück gab es Unterricht in Sprache,
Der Schüleraustausch von Lanb zu Lanb ist besonbers im neuen Deutschlanb zu einem häufig umstrittenen Problem geworben. Mannigfach sinb bie angeführten Grünbe für unb nüber. Aus diesem Grunde hatte unser Mitarbeiter mit dem Leiter der Gruppe Spanien im „Nationalen Verein für Schüleraustausch", Dr. Mosl 6, und einem Austauschschüler der Ferienschule in La Granja eine Unterhaltung, die über den Charakter und die große, kulturpolitische Be- Bedeutung des Schüleraustausches für Deutschland Aufschluß gibt.
„Die Wahrheit ist unsere beste Propaganda". Diesen Satz stellte Dr. Mosls seinen Worten voran. „Sehen Sie, wenn unsere Jungens nach Spanien kommen oder in die anderen Länder, mit denen der Austausch besteht, z. B. nach Frankreich, England, Italien und später nach Schweden, Griechenland und Amerika, dann stürzen sich natürlich ihre neuen Kameraden auf sie und fragen sie nach all dem, was in Deutschland geschehen ist, und das sie dort nicht fassen können. Nun — unsere Jungens erzählen frisch und froh drauf los und — langsam zerslattern Hirngespinste und Lügengewebe. Für die Jungens und Mädels selbst — mit Spanien haben wir seit letztem Jahr gemischten Austausch — hat der Auslandsaufenthalt noch einen weiteren Vorteil. Nicht nur, daß unsere Jugend im Ausland lernt, fremdes Volkstum zu achten, sie lernt vielmehr das eigene lieben!"
Mit lebhafter Gebärde mischt sich nun Heinz Rüdiger Hummel, Oberprimaner aus Berttn- Neulölln, in unser Gespräch: „Tatsächlich, man glaubt, wenn man von draußen kommt unb über unsere Grenze fährt, man hätte Deutschlanb nie gekannt. Gestern noch unter ber glühenden Sonne Spaniens, fährt man heute mit bem Zuge burch bie lieblichen Gaue unseres Vaterlanbes unb immer inniger erlebt man bas Glück, Deutscher zu sein. Alles sieht man jetzt anbers — als Deutscher!"
„Wie spielt sich nun solch ein Austausch ab?" So einfach ist bas nicht", lächelte ber Primaner, , Dr. M o s!6 gab uns manche Nuß zu knacken. Im Herbst melbet man sich zu ben einzelnen Länder-
Der neue Lebensstil des Studenten.
Von Gerhard Pattmann, Kameradschastssüyrer der Universität Gießen. ;
Bei ber Verkünbung ber Verfassung ber Deutschen Stubentenschaft am 7. Februar 1934 bezeichnete ber Führer ben Kampf ber nationalsozialisti- ' scheu Bewegung für bie Organisation ber neuen ! Führung in unserem Volk sowie für bie Erziehung ber Führung zum Volk unb bes Volkes zur Führung, ben Kampf für bas rücksichtsvolle gegenseitige Verstänbnis von Geist unb Kraft unb Die ■ treue Brünberlichkeit ber beiben Repräsentanten der Arbeiter der Stirne und der Faust als so ge- ' wattig, so schön und so erhaben, daß die Jugend der Nation in ihm ihre höchste in die Zukunft tnei» sende Lebensaufgabe sehen müsse. Er hat damit be» reits die tiefe Wandlung angkkündigt, Die sich , im Innern jener Studentengeneration zu vollziehen beginnt, die im Arbeitsdienst zu einem ganz besonders eindringlichen Erlebnis der Wirklichkeit Volk gelangt ist. . -
Diese studentische Arbeitsdienstgeneration ist wen - , ger bürgerlich als alle ihre Vorgänger an den beut- ; scheu Hochschulen in ben letzten Jahrzehnten, sie i|t ■ schon arbeitertümlicher als irgenb em Stubenten- ■ jahrgaug vorher. Das Suchen nach einem mcht mehr bürgerlichen Lebensstil in ber ©tubenten- . schäft, einem Lebensstil, ber geprägt ist nach bem Bilbe bes Typs bes fommenben Jahrhunderts, nach dem Bilde des Arbeiters, jenes Suchen, das etwa in der neuen Erziehungsform des Lagers einen Ausdruck gefunden hat, es erfährt m ber Kamerab- schaftserziehuug als bem neuen Lebensstil des jungen Stubenten feine erste greifbare Ausprägung von Gewicht. , , .
Die Kamerabfchaftserziehuug vollzieht sich in bem Kamerabschaftshaus, das bie Fuhrer- schicht einer jeben Stubentenschaft tn sich aufnimmt, unb in ben Wohnkamerabschaften ber stubentischen Bünbe. Bereits aus ben vergangenen Semestern liegt von zahlreichen Versuchen in allen Teilen bes Reiches eine Fülle von Erfahrungen vor, bie letzt von ber Reichsführung zu klaren R i ch 11 i u len zusammengefaßt worben sinb. Als bie eißentltcfje Aufgabe ber Wohnkamerabschaften unb ber Kame- rabschaftshäuser schält es sich immer mehr heraus, baß keinerlei äußerer Betrieb ober äußere Aufmachung, fonbern baß allein ber Ernst, mit bem bie obenstehenben Worte bes Führers hier begriffen worben sinb unb mit bem man nach bieser Erkenntnis handelt, ben Ausschlag gibt. Währenb bem sich bas stubentische Leben noch in ber Zeit vor bem Kriege in abgeschlossenen Zirkeln ber „akabemischen Kreise" unter sich vollzog, ist es bie Parole ber Kamerabschaftserziehung, bie Türen ber Kamerab- schaftshäuser unb Wohnkamerabschaften allen Schichten bes Volkes so weit zu öffnen, wie nur irgenb möglich. £
Die Stubentenschaft barf sich rühmen, ber Entwicklung immer um eine gewisse Zeitspanne vorauszueilen. Das gilt auch für bie Kamerabschaftserziehung. Denn in ihr vollzieht sich bas erste Tasten nach einer neuen Gemeinschaftskultur, bie entgegen allen bürgerlichen Formen kulturellen unb künstlerischen Lebens, wie etwa Konzert, Oper unb ähnliche für ein lebiglich ge- nießenbes Publikum bestimmte Darbietungen, allein aus ber Gemeinschaft für bie Gemeinschaft, aus dem Volk für das Volk, kurz nicht von Künstlern für Zuhörer, sondern von allen Kameraden für alle Kameraden zu wachsen beginnt. Es ist bie große Lebensfrage für jeben studentischen Bunb, mag er nun Farben tragen ober nicht, ob er biese neue große, bem stubentischen Gemeinschaftsleben vom Führer zugewiesene Ausgabe nicht nur äußerlich anerkennt, sondern sich innerlich vollkommen zu eigen macht unb aus bieser Hingabe heraus alle jene Äußerlichkeiten aus ber Vorkriegszeit, bie ben klassenmäßig bebingten Charakter ber Korporationen besonbers betonten, von sich abstreift unb bie einzelnen Zellen bes bünbischen Lebens an ber Hochschule bamit zugleich zu* ben Wachstumszellen einer neuen arbeitertümlidjen Kultur werben.
Solange ber Stubent nicht begreift, baß ber deutsche Arbeiter für ihn nicht jener Volksgenosse ist, bem man nunmehr jovial bie Bruberhanb Hin
weise — nicht eine Verminderung des Neuzugangs an reichsdeutschen Studierenden, sondern eine Vermehrung. Das hängt, wie bie Hochschulstatistik aus- einanbersetzt, mit bem A r b e i t s b i e n st »zusammen. „Aus ber Verschiebung ber Neuzugänge vom Sommerhalbjahr auf das Winterhalbjahr infolge des Arbeitsdienstes erklärt es sich, daß diese im Winter 1933/34 um 1809 Personen höher waren als im Winter 1932/33. Diese Zunahme barf also keineswegs als ein neues Wachstum bes Hochschulstudiums gedeutet werden."
Für die Zukunft ist natürlich bie Richtung der Entwicklung besonders wichtig, und da ist von Bedeutung, daß, wie sich aus bem Vergleich mit dem vorangehenden Bande der Hochschulstatistik ergibt, offenbar auch die Zahl der Abiturienten in Deutschland vom Schuljahr 1931/32 zum Schuljahr 1933/34 abgenommen hat. Auch zeigt sich, wie ber Text ber Hochschulstatistik aus- sührt, wenn man sich an gewisse methobisch-stati- stische Bebenken nicht stößt, baß sich berjenige Anteil der Abiturienten, ber zur Hochschule gegangen ist, bei ben Osterabiturienten 1933 gegenüber ben Öfter abiturienten 1931 erheblich verringert hat, währenb den Osterabiturienten 1932 gegenüber bas Ergebnis zweifelhaft ist.
Der Rückgang in ber Zahl ber neu zu ben Hochschulen fommenben reichsbeutschen Stubierenben war in ben einzelnen Berussschichten, denen sie nach ber Stellung ihrer Väter angehörten, keineswegs gleichmäßig. Er war, wenn man bas Stubienjahr 1933/34 bem Stubienjahr 1932/33 gegen» überstellt, relativ ganz besonbers hoch bei ben Kinbern von Direktoren von Aktiengesellschaften u. bgl, von Inhabern von Großhanbels- unb Bankgeschäft


