Nachdruck verboten!
6 Fortsetzung.
seine geliebte, angebetete Frau.
erregung infolge meiner Krankheit sein? Was hat
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nitz auch den letzten Rest ihres Vermögens verloren. Innerhalb eines Tages verblieb ihr nichts mehr als der riesenhafte Besitz in Wannsee, dessen Erhaltung bisher nur unter den größten Opfern möglich gewesen. Sie hatte von dem Zusammenbruch aller Werte an den Börsen keine Ahnung. Sie saß ja völlig abgetrennt von den Tagesereignissen drau-
sie verbarg es tapfer.
Der liebe, gütige Mann sollte nichts anderes an ihr sehen als ein frohes und zuversichtliches Gesicht.
Als sich seine hohe Gestalt zum letztenmal aus dem Fenster des Schlafwagenabteils herausbeugte, als sie zum letztenmal den festen warmen Druck seiner Hand spürte, wurde ihr doch sehr wehmütig zu Sinn. Hier ging der beste, treueste Freund von ihr fort. Der einzige vielleicht, den sie auf Erden hatte. Unbestimmt und schemenhaft, wie sich jetzt im Rauch der abfahrenden Maschine das Gesicht Robert Kutschners aufzulösen schien, hinschwand und unsichtbar wurde.
Edelgard kam nicht dazu, lange dieses lastende Gefühl des Abschieds zu spüren.
Sie war nur mit Mühe nach Hause gekommen. Frost und Hitze jagten abwechselnd durch ihren Körper. Als sie dab-ürn angelangt, endlich ins Bett taumelte und das Thermometer einlegte, stellte sie
Aufgaben. ..
Das war auch eine ihrer Sorgen, wie sich ihre Stellung nun gestalten würde. Freilich hatte Robert
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„Ach nein, danke!" sagte Edelgard leise. „Es geht schon vorbei."
Sie konnte es Kutschner ja nicht sagen, was sie erschauernd gespürt hatte: den kalten Hauch des Schicksals, der aus der dunklen Zukunft an sie herangeweht.
Zwischen diesem letzten Abend und der Abreise
Hätte Robert Kutschner nicht gerade am Tage vor der Börsenkatastrophe Deutschland verlassen, so hätte er vielleicht doch eingegriffen; und hätte Edelgard nicht am schwarzen Freitag gerade mit hohem Fieber apathisch zu Bett gelegen — vielleicht hätte sie noch einen Teil ihres mütterlichen Vermögens retten können. So aber kümmerte sich niemand um die geschäftlichen Angelegenheiten der beiden Frauen.
Und als am Abend die Börse vorüber war, standen die Papiere von Frau von Dönitz gleich Rull. Aber das war noch nicht das Schlimmste. Ohne Edelgards Wissen hatte Frau von Dönitz ihre Papiere bei der Bank schon ziemlich stark beliehen.
Nach der Katastrophe verlangte man Regulierung der Schulden. Es war nichts da als die völlig entwerteten Papiere und das Haus. Aber auch das war schon mit einer ziemlich hohen Hypothek belastet.
Er hatte Edelgard erst auf dem Bahnhof davon gesprochen, als daran nichts mehr zu ändern war. Er hatte gewußt, in ihrer übergroßen Scheu, etwas vor anderen vorauszuhaben, hätte sie diese seine Bemühung nicht gutgeheißen.
Aber ihm war es unerträglich, zu denken, daß Edelgard wieder in eines der großen Büros zurückversetzt würde.
So hatte er denn den Brief an Robby Herman hinterlassen. Er lag in der Mappe mit den Informationen.
herum und wagte der Tochter nichts zu sagen. Edelgard glaubte, die Mutter ängstige sich so um sie.
„Aber wer wird denn ein solcher Hasenfuß sein, liebe Mutti!" sagte Edelgard lächelnd und streichelte zärtlich die Wangen der Mutter.
„Lieber Herr Sanitätsrat", wandte sie sich an den alten Hausarzt, der ihr soeben eine Krankenvisite gemacht hatte, „ich glaube, Sie müssen es Mutti noch einmal sagen. Sie glaubt und glaubt es nicht, daß ich nur ein wenig Schnupfenfieber habe. Sie ängstigt sich unnötigerweise. Wenn sie so weiter- macht, dann wird s i e bald krank sein."
„Na, ein Schnupfenfieber war es ja nun nicht gerade nur, Fräulein Edelgard, sondern eine ganz richtige ausgewachsene Grippe. Aber Grund zur Besorgnis ist nun wirklich nicht mehr, wenn Sie sich noch ein paar Tage schonen." Er wandte sich an Frau von Dönitz. „Seit wann sind Sie so kleingläubig, verehrte Freundin?"
„Seitdem das Leben für mich nur Katastrophen und Unglück in Bereitschaft hat!" Die Stimme der alten Dame zitterte.
„Aber Mütterchen!" Edelgard streichelte liebevoll die welke Hand der Mutter, über deren Antlitz jetzt Tränen rannen. Da füllten sich auch Edelgards Augen mit Tränen. Sie war doch noch von der Krankheit sehr mitgenommen und nicht Herr über ihre Nerven.
Nun aber wurde der alte Sanitätsrat energisch:
„Nein, ein Weinduett kann ich unter keinen Umständen gestatten. Wenn Sie sich aufregen, Fräulein Edelgard, übernehme ich keine Garantie, daß das Fieber nicht wiederkommt. Und Ihnen, meine verehrte Freundin, muß ich sagen, daß Sie ein wenig undankbar sind. Ich weiß, ich weiß, wieviel Schweres Sie durchgemacht haben. Aber schließlich sollten Sie über der Vergangenheit nicht vergessen, was die Gegenwart Ihnen gelassen hat. Sie haben eine Tochter, um die Sie mancher Mensch beneiden würde. Nein, nein, Fräulein Edelgard, Sie brauchen gar nicht rot zu werden. Es ist so. Sie sind ein lieber, tapferer Kerl, sorgen für sich und die Mutter — das ist schon viel. Außerdem das wunderschöne Haus. Und wie ich weiß, ein paar Sparpfennige auf der Bank Wissen Sie auch, verehrte Freundin, wie wenige Menschen heute noch so dastehen? Na nun, was ist denn nun?" unterbrach er sich, denn Frau von Dönitz war aufgestanden.
Ein erstickter Laut, dann unterdrücktes Schluchzen, kam aus ihrem Munde. Sie machte ein paar abwehrende Bewegungen mit der Hand. Ehe noch der Sanitätsrat und Edelgard zu fragen vermochten, war Frau von Dönitz aus dem" Zimmer. Man hörte den Schlüssel an der gegenüberliegenden Tür sich herumdrehen.
Angsterfüllt sah Edelgard den alten Sanitätsrat an.
„Begreifen Sie, Herr Sanitätsrat, was mit Mutti geschehen ist? Das kann doch nicht nur die Nerven
fast 39 Grad Fieber fest. Sie erschrak. Das war also keine leichte Unpäßlichkeit, wie sie sich den ganzen Tag hatte vorreden wollen. Das war eine ernl“! Erkrankung. Sie würde ein paar Tage das Bett hüten müssen. In Rücken und Brust stach es wie mit spitzen Nadeln, die bald feurig, bald eisig schienen. Um den Kopf schien ein Reif von Eisen gelegt. Das Zimmer drehte sich in eigentümlichen Kreisen.
Gut nur, daß sie durch die Abreise Robert Kutschners für ein paar Tage keine dringende Arbeit hatte! Ehe nicht der neue Direktor kam und über das Personal bestimmte, hatte sie keine eigentlid)en
folger hinterlassen, in dem er ihn ausdrücklich gebeten, Edelgard von Dönitz, wenn irgend möglich, in ihrer Stellung als Privatsekretärin zu belassen.
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Vornan von Klothilde v. Stegmann.
Kutschners nach Amerika und dem Unglück im Hause a.,___________ _ , ,,
Dönitz lagen nur wenige Tage. Lag der schwarze ftutfdjner einen persönlichen Brief an seinen Nach- Freitag an der Börse-. ' '' ' ' rr K
Innerhalb weniger Stunden hatte Frau von Dö-
Kopsschüttelnd sah der Sanitätsrat auf die verschlossene Tür:
„Ich weiß es auch nicht, Fräulein Edelgard. Aber irgend etwas scheint das Gemüt Ihrer lieben Mutier schwer zu bedrücken. Es wäre gut, wir könnten es bald herausbekommen. Ein Kummer, schweigend ge. tragen, belastet das Gemüt viel mehr als ein Leih das man mitteilt."
Noch lange, nachdem der Sanitätsrat sie verlassen grübelte Edelgard über den Grund des mütterlichen Kummers nach. Sie nahm sich vor, einen Tag t)ln, gehen zu lassen, bis sie selbst kräftig geworden und! die Erregung der Mutter etwas abgeebbt war. Dann aber wollte sie die Mutter unbedingt dazu bringen, sich auszusprechen.
Alles Schlimme war besser als Schweigen und Ungewißheit.
Aber es bedurfte der Aussprache mit der Mutter nicht. Ein Zufall enthüllte ihr alles.
Während die Mutter nachmittags etwas ruhte läutete das Telephon. Der alte Gärtner stellte die Verbindung zu Edelgard her.
Bankdirektor Nitfchke war am Apparat, und in wenigen Minuten wußte Edelgard alles. Sie wugte I von der Beleihung der Papiere. Sie erfuhr, alles verloren war und die Bank bei den au^tl ordentlichen Verlusten, die sie selbst erlitten, auf Regulierung der Verbindlichkeiten drängen mußte.
Edelgard erschrak furchtbar. Das also war der Grund zu dem verstörten Wesen der Mutter. Duz war das Schreckgespenst, das seit Tagen vor dm Geiste der Mutter stand. Wie aber sollte man es bannen?
„Wir haben nichts mehr, Herr Direktor!" sagte fr so ruhig sie konnte durchs Telephon. „Nichts als bas Haus. Mit den Zinsen des Vermögens und meinem Gehalt gelang es uns gerade, bei äußerster Gin. fchränkung hier alles aufrechtzuerhalten. Das Hau- — wir wollten es gern halten, aber ..." Ihn Stimme schwankte, sie konnte nicht weiterfprechen.
„Gnädiges Fräulein", klang die Stimme des Bankdirektors Nitschke mitleidig an ihr Ohr, „ich kann das verstehen. Glauben Sie mir, es ist mir selber sehr schmerzlich, Ihnen diese traurige Eröffnung machen zu müssen. Aber es bleibt nichts anderes übrig. Wäre nicht Ihr verehrter Herr Valer eines unserer geschätzten Aufsichtsratsmitglieder gewesen, die hohe Beleihung der Papiere wäre schon lange ausgeschlossen. So aber — und weil ich mich persönlich dafür eingesetzt habe, hat man bisher Ad- stand genommen, Ihre Frau Mutter zu mahnen. Ich werd'e auch jetzt nach Möglichkeit versuchen, Un- annehmlichkeiten von Ihrer Mutter und Ihnen fern- zuhalten. Aber Sie werden sich doch mit dem Gedanken vertraut machen müssen, das Haus zu ner- kaufen, denn ob die Bank die hohen Schulden Ihr« Frau Mutter weiter bestehen lassen kann, ist bei den heutigen unbestimmten Verhältnissen sehr bie Frage."
(Fortsetzung folgt!)
All das brach über Frau von Dönitz herein, wäh- tlltHunV rend Edelgard krank lag. Drei Tage lief die Mutter ’ sie nur?
ßen in ihrem einsam gewordenen Heim.
Edelgard selbst war gerade an dem schwarzen Freitag .wegen einer Erkältung daheim geblieben.
Sie hatte Kutschner am Abend vorher zum Zuge nach Hamburg gebracht, von wo sein Schiff nach ......._
Neuyork am nächsten Morgen abgehen sollte^ Es. gj*m Obsten hätte er ja Edelgard überhaupt aus war ein kalter Regentag gewesen. Sie hatte schon bem gan,en Betrieb herausgenommen. Aber da sie seit ein paar Tagen die Vorboten einer heftigen I if)m nocf) nid)t gestattet hatte, zu ihrer Mutter von Erkältung in sich gespürt. Aber sie wollte es Kutsch- , reinen Hoffnungen zu sprechen, so war daran gar ner nicht antun, ihn allein und einsam von Berlin , ni^t senken. Er hätte es gar nicht gewagt, ihr abfahren zu lassen. Hatte er doch extra den Zeitpunkt : jrqenbejne finanzielle Unterstützung anzubieten, ohne seiner Abreise nicht bekanntgegeben, um, mtc er a^er ^ckst auskommen konnte. So war alles, sagte, als letzte Erinnerung an die Heimat ihr Ge- . mQ5 er vermochte, dies eine: zu versuchen, ihr die sicht ZU sehen. . , , „ j gehobene Stellung im Betriebe zu erhalten, bis
Er hatte es mit einem Lächeln gesagt, aber sie . er ejnnia[ aus alledem herausholen konnte als spürte sehr wohl, wieviel Schmerz und wieviel Liebe > - - - - - ■ ■ —
unter diesem Lächeln verborgen war. So war sie mitgegangen, obwohl sie schon Fieber spürte. Aber
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