dort unter dem begeisterten Hurra der Infanterie der erste Schuß. Verzweifelt wehrten sich die Fran« zvsen, hin und her wogte der Kampf und oft sah es übel genug für die preußischen Angreifer aus. Aber sie hielten trotz aller Rückschläge fest, bis der Angriff auf die Goldene Bremm und die Höhen- stellung des Spicherner Berges erfolgen konnte.
Es war etwa 6.30 Uhr nachmittags, als sich das erste Treffen der Anariffskolonne des Generals v. Schwerin — F/12, II/8 und Jäger 3 — un< ter dem Gesang der „W a ck t am Rhein" in Bewegung setzte. Aber die Aufgabe war zu schwer. Die steilen Hänge längs der Straße Forbach —Saarbrücken waren mit dichten Schützengräben besetzt, aus denen den Angreifern, die ja nach damaligem Gebrauch noch in Kolonnen oorgingen, ein vernichtendes Feuer entaegenschlug, der Anstieg so steil, daß die einzelnen Leute nur auf Händen und Füßen, gezogen und geschoben, vorwärts kamen. Als sich nun auch die Franzosen von oben herab im wuchtigen Gegenstoß ihnen entgegenwarfen, da war kein Halten mehr, und nur das starke Artilleriefeuer von den Folster Höhen, wohin General o. Alvens- leben inzwischen fast die gesamte Artillerie vorgezogen hatte, hinderte einen Zusammenbruch.
Ueberhaupt muß den Franzosen ein hohes Lob wegen ihrer Tapferkeit gezollt werden. Der Divisions-Kommandeur, General Laoeaucoupet, stellte sich mit dem Feldgeistlichen persönlich an die Spitze des Gegenstoßes, aber der Tag war für die Franzosen verloren. Die Sorge um die linke Flanke überwog. Schon begannen die clairons überall den Rückzug einzuleiten, bei Stieringen-Wendel naturgemäß zuerst. Rur, wo die Truppen sich zu hartnäckig ineinander verbissen hatten, wie am For- bacher Berg, dauerte der Kampf bis in die Dunkelheit hinein, bis auch hier die Franzosen dem Drucke der preußischen Reserven — Jnf.-Rgt. 52 — die in einer Schlucht die steilen Hänge erstiegen hatten, weichen mußten.
General Frossard hatte seinen Entschluß zum Rückzüge dem Marschall Bazaine 7.22 Uhr abends telegraphisch gemeldet: „Wir sind von Wehrden (Völklingen) her umgangen. Ich nehme sämtliche Gruppen auf die Höhen zurück." — Eine Verfolgung des unter lebhaften Nachhutkämpfen abziehenden Gegners fand auf keinem Punkte des Schlachtfeldes statt. Ueberall wurden zunächst nur die taktischen Verbände geordnet und die erschöpften Mannschaften gesammelt. Auch die zahlreiche Kavallerie wurde zur Verfolgung nicht ausgenutzt. Nicht einmal Offizier-
Patrouillen blieben am Feinde. Cs fehlte eben an der Oberleitung der Schlacht. General v. Steinmetz, der Oberbefehlshaber der ersten Armee, war erst um 7 Uhr nachmittags auf dem Schlachtfeld ein- getroffen, ohne Gelegenheit zu nehmen, noch ernzu- greifen.
Das Korps Froffard war, als es freiwillig die Schlacht abbrach, keineswegs geschlagen. Erst der nächtliche Rückzug brachte die Truppen in eine Der- fassung, die den Eindruck eines taktischen Mißerfolges zu dem einer Niederlage verschärfte. Die Der- luste auf preußischer Seite betrugen 223 Offiziere, 4648 Mann, die der Franzosen 249 Offiziere, 3828 Mann.
Ungeheuer war der moralische Eindruck in der ganzen Welt. Frankreichs Vorherrschaft in Europa hatte einen vernichtenden Schlag erhalten, alle Bund- nisgedanken (Oesterreich!) schwanden unter dem Staunen und Schrecken über die beiden deutschen Siege an einem Tage (Spichern und Wörth) dahin. Wahrlich eine herrliche Zeit! Denn nur, wenn Volks- charakter und Kriegsgewohnheit in beständiger Wechselwirkung sich gegenseitig tragen, darf ein Volk hoffen, einen festen Stand in der politischen Welt zu haben. Daß dieser Gedanke endlich nach langen schmachvollen Jahren in der Jetztzeit neue Lebenskraft erhalten hat, verdanken wir unserem großen Führer. Heil Hitler!
Sauempoliiik vor m!> nach der Revolution.
Von £)r. H. Hirsch, Adjutant des Landes- dauernführers von Heffen-Itasiau.
Die Grundlage j,eber echten, aus sich selbst erstandenen arteigenen Kultur sind Blut und Boden. Jedes Volk, das sich von den Gegebenenheiten seines Seins entfernt, das im Geiste fremder Kulturen lebt und das Sitten und Gebräuche dem Verfall preisgibt, kann kein Zusammengehörigkeitsgefühl zum Bauerntum mehr haben und muß ihm verständnislos, ja sogar ablehnend, gegenüberstehen.
Die Asphaltpresse hat es im vergangenen System sehr geschickt verstanden, das Bauerntum in den Augen der übrigen Volksgenossen herabzuwürdigen, durch Wort und Bild, durch harmlose Erzählungen und Darstellungen, Sinn und Wesen für deutsches
Volkstum und deutsche Eigenart zu zerfetzen, dem deutschen Menschen seinem Blut und Boden immer mehr zu entfremden und den Gedanken des volkszersetzenden Pazifismus zu propagieren. Der Na- tionalsozialismus hat dieser unheilvollen Entwick- lung Einhalt geboten.
Die Umstellung in der Weltanschauung mußte kommen, um das Bauerntum wieder zum steten blutmähigen, geistigen und seligen Erneuerungs- quell unseres Volkes zu machen, um die Erhaltung der Familie, des Volkes und der Rasse zu sichern. Immer wieder steht uns der Mann vor Augen, ! der für seine Ueberzeugung, seine Vaterlandsliebe, seinen Willen, Deutfchland vor dem Chaos rettete, der mutig, unerschrocken und unermüdlich kämpfte und die Macht errungen hat. Er ist es, der der Landbevölkerung für die Dauer des Staates die größte Bedeutung zumißt.
In den acht Jahren der Systemwirtschast 1924 bis 1932 ist die Verschuldung des deutschen Bauerntums unaufhörlich gestiegen. Für 12 Milliarden Mark deutscher Heimatboden lag in den Fesseln des internationalen Leihkapitals. Die Ernährungs- arundlage des deutschen Volkes wurde von der deutschen »Scholle weg in fremden Raum verlegt. Wichtige bäuerliche Betriebszweige, wie die Viehzucht, die Milchwirtschaft, die Geflügelwirtschaft, der Gartenbau, der Wein- und Hopfenbau waren weitgehend durch starke Senkung oder völlige Beseitigung der Zölle dem Wettbewerb des unter günstigen klimatischen Bedingungen arbeitenden Auslandes ausgesetzt. Die Einnahmen des deutschen Bauerntums sind in wenigen Jahren von 10 auf 5 Milliarden im Jahr gesunken. Wer erinnert sich nicht mehr an das irrsinnige Chaos einer Zeit nach dem Weltkriege, als die Ueberindustrialisierung, unsinnige Exportpolitik, grenzenlose Verschuldung der Bauernhöfe, weil der Boden zur Handelsware herabgemindert war, Triumphe feierten, da der deutsche Bauer in jeder Minute dem Pfändungsbefehl entgegensehen mußte, da die Verstädterung und Landflucht des Volkes immer mehr zunahm, wer erinnert sich nicht mehr an die Loslösung des deutschen Volkes von seiner Heimaterde, an den Klassenkampf der Parteien, an den engstirnigen und selbstsüchtigen Kampf in Stadt und Land. Jeden Glauben an die Ehrlichkeit der Staatsführung hatte der Bauer verloren. Die Taktik des marxistischen Klassenkampfes ebnete dem Blutbolschewismus den Weg. Nacht für Nacht mußte der Bauer auf der Hut fein, um fein Anwefen vor
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firne deutsche Wiege für die Urenkelin des Schwedenkönigs
Diese Wiege hat die Stadt K o b u r g der Prinzessin Sybille von Schweden, einer geborenen Prinzessin von Sachsen-Koburg-Gotha, für ihr jetzt geborenes Töchterchen geschenkt. Die Wiege hat einen doppelten Boden, der mit Erde aus dem Heimatland der Prinzessin Sybille gefüllt ist, damit ihr Kind über deutscher Erde gedeihen soll. — Prinzessin Sybille ist die Gemahlin des Erbprinzen Gustav Adolf, des Sohnes des Kronprinzen von Schweden.
kommunistischen Mordbrennern zu schützen.
Endlich kam der Umsturz und mit ihm das gewaltige Aufbauwerk des Führers und feines Reichsbauernführers R. Walter D a r r 6. Der deutsche Bauer hat in den ersten Tagen der Revolution ein Bekenntnis abgelegt mit hartem und entschlossenem Willen mitzuarbeiten und mitzuhelfen am Schicksal der Gesamtheit, er weiß, daß nicht der Nationalsozialist ist, der nach mehr Rechten strebt, sondern jener, der bereit ist, Pflichten zu übernehmen.
Bereits im Aufruf der Reichsregierung vom 1. Februar 1933 hatte der Kanzler neben der Beseitigung der Arbeitslosigkeit, die Rettung des deutschen Bauern aus seiner Verelendung als Hauptaufgabe proklamiert und in der ersten Verordnung die Durchführung von Zwangsver- ft eigerungen von landwirtschaftlichen Grundstücken für unzulässig erklärt. Durch das Gesetz über Den Dollstreckungsschutz hat der Führer Zehntausende von Bauernhöfen vor dem sicheren Untergang gerettet. Durch ein zweites Gesetz über die Regelung der landwirtschaftlichen Schuldverhältnisse, das auf der Grundlage der ersten Verordnung aufbaute, wird diese Sicherung noch dadurch weiter ausgebaut, daß überlastete und vor dem Zusammenbruch stehende Bauernhöfe dem Besitzer durch das Entschuldungsverfahren gerettet werden können. Das Verfahren verfolgt den Zweck, zu einer Regelung der Schuldverhältnisse zu führen, bei der die Forderungen gegen den Betriebsinhaber in unkündbare Tilgungsforderungen mit einem bestimmten Zins- und Til- gungsfatz umgewandelt und durch Eintragung gesichert werden. Eine ähnliche Sicherung wurde für die Pächter landwirtschaftlicher Grundstücke in dem Pächterschutzgesetz geschaffen, das bestimmt, daß eine Kündigung des Pachtverhältnisses durch den Verpächter nur dann erfolgen kann, wenn die
Von der Deutschen Akademie für Dichtung.
Die Deutsche Akademie der Dichto^ hielt in Berlin die Herbsttagung des Senats uj der Ausschußvorsitzenden ab. Durch den Senat wurde Dr. h. c. Binding (im Bild) als zweite Vorsitzender bestimmt. Der Vorstand besteht also au; Hanns Johst als erstem Vorsitzenden, Rudolfs Binding als zweitem Vorsitzenden und Werner 33 tu, melburg als Schriftführer.
ordnungsmäßige Fortführung des Betriebes nicht mehr gegeben ist. M
Die beiden bedeutungsvollsten Aufbaumaßnch men der Regierung Adolf Hitler auf dem Gebiet, nationalsozialistischer Agrarpolitik sind das Reiche erbhofgesetz und der Aufbau des Reichsnährstände, Das Reichserbhofgesetz sichert dem deutsch« Bauer seinen Grund und Boden, das Reichs, nährstandsgesetz sichert ihm den Badener, trag. Beide gemeinsam erstreben die Sicherheit bei deutschen Bauern und seines Arbeitsertrags.
Das Reichserbhofgesetz will unter Sicherung all« deutscher Erbsitte das Bauerntum als Blutsquell, deutschen Volkes erhalten, Bauernhöfe vor lieber- fchuldung und Zersplitterung im Erbgang schütz« und sie dauernd als Erbe der Sippe in der Hand freier Bauern festlegen. Eine gesunde Verteilung landwirtschaftlicher Besitzgrößen ist anzustreben, dr eine große Anzahl lebensfähiger kleiner und mitt lerer Bauernhöfe, gleichmäßig über das ganz, Land verteilt, die beste Gewähr für die Gesunderhaltung von Volk und Staat bildet.
Wer den Kampf des deutschen Bauerntums in den letzten Jahrhunderten deutscher Geschichte verfolgt, das Ringen des deutschen Bauern zwischen Freiheit und Knechtschaft, den Kampf, den unsere Vorfahren, ein Hermann der Chörusker, die Sachsen und Alemannen, die Bauern im Freiheitskriege, das Ringen des deutschen Bauerntums zur Zei! des Novembersystems um ihr Recht, und um di, Freiheit ihrer Muttererde geführt haben, der weih daß der Führer durch das Reichserbhofgesetz feinr Schmälerung der Freiheit des bäuerlichen Besitzt! > oder seines Eigentümers will, sondern im Gegentcii ein Garant für das Fortbestehen des Hofes un!i für das diesen Hof bewohnende und dessen Scholli! bearbeitende Geschlecht. Nur diejenigen Teile den deutschen Volkes werden diese Maßnahmen als halt empfinden, denen baburch ihre Spekulationsgeschäft! mit dem Grund und Boden verdorben sind
Das Reichserbhofgesetz, das die Gesundung b«; deutschen Bauerntums sicherstellt, ist engstens tw bunben mit dem Gesetz zur Neubildung beutfitw Bauerntums. Durch biefe bäuerliche Sieblunq gelangen die Nachgeborenen, nicht erbberechiialtn Bauernsöhne sowie rassig einroanbfreie und geeignete bobenoerbunbene anbere Volksgenossen wieder zu einem neuen Bauernhof.
Die zweite Großtat ber Reichsregierung Adolf Hitlers war ber Aufbau bes Reichsnähr« ft a n b e 9. Die Tatkraft bes Reichsernährungs- Ministers unb Reichsbauernführers R. Walter Darrö hat bie in viele Organisationen, Parteien unb Richtungen zersplitterte Lanbwirtschast zu einer organischen Einheit zusammengefaßt.
Im Reichsnährstanbsgesetz hat ber Führer de;
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Der Geburistagsbraten.
Von Görge Gpervogel.
Das fette Kaninchen sitzt in feinem Käfig. Es hat eine gute Nase, hat große Ohren und zwei schnelle Augen. Die Menschen müssen umhergehen, um bie Sachlage zu erfahren, bas alte Kaninchen sitzt in seinem Käfig und ist im Grunde schlauer als alle Menschen. Es nagt an einer ungemein delikaten, äußerst zarten, jungen Grasspitze, wackelt ein wenig mit den Ohren, muffelt mit der Nase und ist sich völlig klar.
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Anders die Menschenkinder. Sternblume, sagen sie, ach Gott, ja, Sternblume. Oder ein Huflattich Kommt hierher, seht die Buschwindröschen. Da die Leberblumen. Was ist das hier? Wahrhaftig, Seidelbast. Riech' doch mal, das ist Seidelbast. Ein Veilchen, ein Veilchen! Goldene Kätzchen. Hungerblumen, Schneeglöckchen, Scharbockskraut. Märzbecher, Lerchensporn und Milchsterne. So finden es bie Kinber heraus.
Die Eltern haben ihren Kalenber. „In zwei Tagen", sagt ber Vater, „bann sinb es zehn Jahre." „Und fünf , sagt die Frau, „unb vier." „Vier Feste auf einmal", sagt ber Mann, „etwas viel." Wenn Eltern unter sich sprechen, versteht man sie nicht. Sie kämen auch ganz ohne Reben aus. Wollte bir ber Vater erklären, um was es sich eben han- belte, würbe er etwa sagen: „Zehn Jahre sinb wir verheiratet. Vor fünf Jahren kamen wir in bieses Haus. Vor vier Jahren würbe Hans geboren. Alles an einem Tage. Heuer einen Sonntag."
Gewiß, ein schönes unb gewaltiges Fest, ge« ziemend zu begehen. Der Vater hat den Malerquast gehandhabt, das Haus sieht innen und außen blitzweiß aus. Gelöschter Kalk, Milch und eine Prise Wascheblau, das ist das Rezept. Ja, das Haus, eines von dieser Sorte Fachwerkhäuser mit dunklen Stielen und Riegeln und vermoostem Dach. Du darfst aber jetzt nicht glauben, daß dieses Haus blitzte und blänferte nun weithin in die Lande. Keine Rede davon. Das ist nicht dieser Häuser Art. Die Hauptsache ringsumher ist dieser Baum, er hat nicht seinesgleichen. Eine ganze Welt von einem Baum, voll Leben unb Vielfalt. Der Berg ist höher, bas Tal ist länger, bie Wiese breiter als ber Baum, aber nichts kommt an Pracht unb Macht an ihn heran. Blitz unb Donner konnten ihn nicht umbringen. Ein Urweltstück von einem Walnußbaum. Der Mann, bie Frau unb bie fünf .'/über, sie wohnen in bem Haus. Das kleine Haus, der waum, Üed an. wie es bar unter verschwindet.
„Ein Rotkohlkopf, Kartoffeln, Speck, Pflaumenmus und frisches Brot." „Genug", sagt die Frau, genug, denkt der Mann. Feste feiern, schön und gut. Dies und das für die Kinder, einen Stoff für die Frau. Vorräte im Keller, mehr als genug.
„Uebermorgen", sagen die Kinder, „ist ber Tag." „Morgen ist Der Tag , am fommenben Tage. Alles schön unb gut.
„Gibt es einen Braten, wenn ich Geburtstag habe?" fragt Hans. Er weiß gut, wie man Feste feiert, aus ben Märchen, bie Mutter erzählt, weiß er es. Hansens Geburtstag unb ein Sonntag oben- brein, alles ohne Braten. „Wartet nur, was es für einen Schmaus geben wird", sagt bie Mutter. „O ja", sagen bie Kinber Keinen Braten? benkt ber Mann.
Der Mann geht auf seinem Anwesen umher. Er besieht ben Kohlgarten unten am Bach, ben Acker am Hang, ben Blumengarten. Kein hervorragenber Boben, steinig unb feucht. Der Mann wohnt nicht zum Spaß in biesem Tal. Nein, das hat seine Geschichte. Der Mann war eigentlich ein Arbeiter ber Stirn, wie man zu sagen pflegt. Er wohnte in ber Stabt. Wer seib ihr? fragte bie Stabt. Womit wollt ihr euch wehren? Nichts selb ihr, Not unb Elenb werben euch bas Mark aus ben Knochen holen, bie Sorge wirb eure Hirne zerfasern, bie Krankheit wird eure Kinder fressen. Fort mit euch! So sprach die Stadt. Sie hat diese Familie sozusagen von sich gestoßen. Aber seht den Mann, seht die Frau, sie rafften sich auf, sie verzichteten auf alles, auf Untergrundbahn und Wasserspülung, nun leben sie in diesem Tale. Mann, wenn du es wissen willst: das ganze Haus samt Wiese, Acker, Garten unb Walnußbaum kostet weniger als zwei stäbtische möblierte Zimmer mit Komfort.
Der Mann geht umher, ein Fest steht vor ber Türe, ein Fest ohne Braten Der Mann fragt, fühlt sich seiner Familie verpflichtet, einen Braten zu schaffen, feine Ehre verlangt es so, ja, seine Ehre.
Im Stall steht eine Ziege. Sie gibt Milch, eine gute Ziege schlachtet man nicht ohne weiteres. Milch ist nötig. Aber wie steht es mit bem Kaninchen? Olles Kaninchen, sagen die Kinder unb brücken es an ihre Brust. Wenn ich roieber mit Schneeglöckchen ober Primeln in bie Stabt roanbere, benkt ber Mann, bann müßte es möglich fein, für ben Gewinn ein junges Kaninchenpaar zu erwerben.
So unb so, sagt ber Mann zu seiner Frau, wir werben bas Kaninchen braten. Glaube nicht, baß bie Frau ihren Mann nicht oerftünbe. Der Mann wetzt ein Messer. Er hat bisher noch fein Tier geschlachtet, aber nun hat er seinen Beschluß gefaßt, M bat ihn ausgesprochen unb wird ihn auch durch
führen, ba gibt es kein SBanicii. „Eine Pelzmütze ober ein Kragen", sagt er, „roiro auch babei herausspringen." Der Mann geht hinter bas Haus.
Die Frau ruft bie Kinber in bie Küche. „Bleibt nun hier", sagt bie Mutter unb geht in bie Stube, um aus bem Fenster zu sehen. Das Kaninchen hat sein Gehäuse verlassen, es sitzt auf bem Hackeklvtz unb erfreut sich ber Sonne, bie es bescheint. Der Mann macht allerlei Anstalten, geht hierhin unb dorthin. Er kann es nicht, denkt bie Frau, er barf es nicht können, lieber Gott, laß es ihn nicht können! Ach, es banbelt sich ja nicht um bas Tier, es geht um ben Mann, bie Hänbe bes Mannes sinb nicht araufam unb sollen nicht grausam werben. Die Minuten vergehen, ber Mann betrachtet bas Kaninchen. Die Frau öffnet bas Fenster. „Ja, gleich", sagt ber Mann etwas fahrig, „bu siehst besser nicht zu", unb ergreift bas Messer. „Du solltest nicht so halsstarrig sein", sagt mit trauriger Stimme bie Frau, „glaubst bu, es würbe ein Fest, wenn bas Kaninchen —" „Ihr sollt euren Braten haben", sagt ber Mann trotzig, „unb ich brauche ben Stall, unb ich werbe mit einem Kaninchen schon fertig werben, unb ben Pelzkragen sollst bu auch bekommen, unb bas Leben ist eben oerbammt hart." So legt ber Mann seine Trümpfe hin.
Ich weiß nicht, was bu von Kinbern hältst. Kin- ber sinb in vielen Dingen klüger unb sicherer als bie Großen. Die Kinber sitzen in biesem Falle burch- aus nicht stillvergnügt in ber Küche herum, nein, sie wissen Augen unb Obren aufzusperren, obenbrein ist ihr Gefühl für Ereignisse noch nicht abgestorben; sie wittern, was bein Gehirn erst mühsam zusammenbauen muß.
Die Kinber kommen heran, alle fünf. Sie schreien nicht unb rennen nicht, sie sinb auch nicht im geringsten verzweifelt. Sie kommen ruhig herbei unb nehmen zuvörderst ihren alten Kaninchenbock auf den Arm. Sie tun bas so sicher unb selbstverstänblich, daß der Vater es geschehen lassen muß.
„Armer, oller Kaninchenbock", sagt eines. „Ist unser Kaninchen", ein anderes. „Wenn du nicht mit ihm spielen willst, wir aber!" ein brittes. Hans sagt: „Aus Ochsen unb Schweinen macht man Braten." „Na ja," sagt ber Aelteste, „ein Ochse ist kein Kaninchenbock." „Nee, nee", jagen alle.
„Ihr wollt boch einen Braten haben," sagt ber Vater beinahe streng.
„Nöö", schreien alle fröhlich im Chore.
„Rotkohl, Speck unb Kartoffeln", jagt bie Mutter. „Plaumemnus unb frisches Brot."
Ho! Nun solltest bu bie Kinber sehen. „Pflaumenmus!" schreien sie. „Was für ein Schmaus!"
„Na, benn", jagt der Vater, unb Mutter lächelt ihm zu.
Zeitschriften.
Westermanns Monatshefte beginne« bie Novembernummer mit einem Beitrag Walter Linbens zum 175. Geburtstag Schillers. In ber bebilberten Reisebericht „Weltstabt am Urroafi)' schilbert Arthur Rehbein ben Einbruck ben baf Wunber ber innerhalb weniger Jahrzehnte zwischen Weltmeer unb llrwalb entftanbenen Millionenstab Rio be Janeiro auf ihn gemacht hat. Die Tatsacht daß wir vor einer Neuformung unsrer Musikkultur' stehen, bietet Dr. Fritz Stege Veranlassung Z>> einem Rückblick geschichtlicher Art „Kunstmusik unh Volksmusik". Der unterhaltenbe Teil bes Hesttt> erfährt wertvolle Bereicherung burch bie Novellen von Georg Grabenhorst „Die Bergprebigt" uiv Heinrich Zillich „Die Reinerbachmühle". Der 21uffo| von Dr. Karl Buchholz „Leibesübung unb Leidet erziehung in ber germanischen Frühzeit" behände! bie Pflege unb Wertschätzung ber ßeibesübungw bei unsren germanischen Vorfahren. Beiträge Woche bes beutschen Buches sinb „Wege zum Bli-d von Dr. Hellmuth Langenbucher unb „Lesen rufstätige Bücher unb Zeitschriften" vor Prof. #■ Gerharb Menz.
Hochschulnachnchten.
Der Privatbozent Dr. Rubolf Fahrns an ber Universität Marburg erhielt einen M E bas Extraorbinariat für neuere beutsche Liters an ber Universität Heibelberg, bas Friebrich Gunbolf verwaltete. ,
Dr. Rubolf Richter, ao. Professor an der IN’ versität Frankfurt a. M., ist zum OrdinaM' für Geologie unb Paläontologie in Frankfurt e' nannt worben. .
Der Direktor bes Lanbwirtschaftlichen Senunm - in Wolfsanger bei Kassel, Artur S ch mann, ist zum o. Professor an ber Universtt Göttingen ernannt worben. ..
Professor Dr. Arno Wetzel von ber Tierarz lichen Hochschule in Hannover hat einen an bie neue Landwirtschaftlich-tierärztliche Fakuu ber Universität Berlin angenommen.
Der Oberingenieuer Otto Schöne in Ber l ist zum Orbinarius für Dampfkroftmaschinenlea unb Wärmewirtschaft an ber Technischen HochM Berlin ernannt worben. h,f,
Dr. Max be (Trinis, ao. Professor an Universität Graz, würbe zum Orbinarius 1 Psychiatrie unb Nervenheilkunbe an ber Umveri Köln ernannt. ,rtll
Der ao. Professor Dr. Gerharb W u l I weber an ber Universität Köln ist 3um narius für Innere Medizin in Köln ernannt woro
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