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Gießen teilt uns mit:Während der Dauer der Herbstmesse vom 7. Oktober bis 14. Oktober auf dem Oswaldsgarten wird die Kirchstraße zwilchen Neu­stadt und Wetzsteingasse täglich von 11 Uhr ab für den gesamten Durchgangsverkehr polizeilich ge­sperrt."

** Eine Hausangestellten - Ehrung plant wiederum der Alice-Frauenverein vom Roten Kreuz. Anmeldungen müssen bis zum 1. November erfolgt sein. Näheres in der gestrigen Anzeige. Große Strafkammer Gießen.

Die Wilhelmine Scheibe! aus Ober-Mockstadt wurde wegen Unterschlagung in Tateinheit mit be­trug und schwerer Urkundenfälschung zu insgesamt einem Jahr Zuchthaus und 50 Mark Geld­strafe, evtl, fünf Tage Zuchthaus, sowie in die Ko­sten des Verfahrens verurteilt. Die Angeklagte war als Gehilfin in der von ihrem Mann verwalteten Postagentur tätig. Im Laufe der Zeit unterschlug sie einen Geldbetrag von über 500 Mark. Daneben unterdrückte sie eine ganze Reihe Zahlkartenab­schnitte.

Sodann hatte sich die Kammer mit sechs Ein­wohnern aus Staden wegen schwerer Urkunden­fälschung im Amt bzw. Anstiftung dazu zu befassen. Der vom Kreisamt Friedberg eidlich verpflichtete Wiegemeister Wilhelm D e ch e r t gab von Dezem­ber 1932 bis April 1933 das Gewicht der von den übrigen Angeklagten dem Johannes Schult, der Margarethe D a u ch jun. und sen., dem Albert Mathesius und dem Wilhelm Rausch zu ihm gebrachten Schweine zu niedrig an, um die bei den Angeklagten besonders gehaßte Schlachtsteuer zu umgehen. Die Beweisaufnahme ergab, daß D e ch e r t zu seinen Verfehlungen von den übrigen Angeklagten angestiftet wurde. Die Große Straf­kammer sprach in erster Instanz im vorigen Jahrei

die Angeklagten Schult, Dauch, Matheslus und Rausch frei. Geaen D e ch e r t erkannte sie auf eine Zuchthausstrafe von einem Jahr. Die gegen dieses Urteil eingelegte Revision führte zur Zurückweisung der Sache an die Große Strafkam­mer zwecks nochmaliger Verhandlung. Auf Grund des Ergebnisses der gestrigen Hauptverhandlung erkannte das Gericht gegen sämtliche Ange­klagten auf die Mindeststrafe von einem Jahr Zuchthaus und 20 Mark Geldstrafe. In der Urteilsbegründung wies der Vorsitzende auf die überaus harte Strafe hin, von der jedoch in An­betracht der gesetzlichen Vorschrift nicht abgegangen werden könne. Er legte sämtlichen Verurteilten nahe, an das Ministerium ein Gnadengesuch zu richten.

Schließlich stand der schon vielfach vorbestrafte Reinhard Kröll, zur Zeit im hiesigen Land­gerichtsgefängnis, vor den Schranken des Gerichts. Diesmal wurde dem Angeklagten, der am Montag voriger Woche vom Sonderaericht wegen Beleidi­gung der Polizei zu ein Jahr Gefängnis verurteilt worden war, Verbrechen im Sinne des § 176 Ziffer 3 zur Last gelegt. Die Verhandlung fand wegen Gefährdung der Sittlichkeit unter Aus­schluß der Oeffentlichkeit statt. Vor Eintritt in die Beweisaufnahme lehnte der Angeklagte, der als Querulant gerichtsbekannt ist, das Gericht wegen Befangenheit ab. Der Antrag wurde jedoch als un­zulässig abgelehnt. Die Beweisaufnahme ergab, daß der Angeklagte in unsittlicher Weise zwei Mädchen unter 14 Jahren berührte. Das Gericht verurteilte ihn zu einem Jahr acht Monaten Zucht­haus. Wegen des besonders gemeinen Verhaltens des Angeklagten wurden ihm außerdem die bür­gerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von fünf Jah­ren aberkännt. Die Kosten des Verfahrens trägt der Angeklagte.

Limburger und im Alten Stuttgarter Schloß ge­dacht.

Aus all diesen Gründen müsse sich jeder Volks­genosse in den Dienst der Brandverhütung stellen. Wer die einfachsten Brandverhütungsregeln befolge, sich beispielhaft für die Jugend verhalte, der er­weise sich selbst, seiner Familie und der Volksge­meinschaft den wirksamsten Dienst.

Um Brände verhüten zu können, müsse man sich über ihre Entstehungsursache im klaren sein. Sie seien sehr mannigfacher Art. Naturereignisse als Brandursache seien selten. Immerhin betrage der durch Blitzschlag in Deutschland jährlich verursachte Schaden 40 Millionen Mark. Ein vorschriftsmäßi­ger Blitzableiter sei der einzige wirksame Schutz. Bei allen Gewittern meide man jeden Punkt mit erhöhter Blitzgefahr (alleinstehende Bäume jeder Gattung, alleinstehende Häuser, hochgelegene Punkte, Berge, Türme, Waldränder, Ufer von Flüssen und Seen, Anhäufungen von Menschen und Tieren). Große Gefahr bedeutet stets der Funkenflug aus Lokomotiven, Lokomobilen und Schornsteinen. Feuerstellen müßten stets sturmsicher geschützt sein. In landwirtschaftlichen Betrieben bilde die Selbst­entzündung des feucht gelagerten Heues, des Ge­treides und des Düngers eine häufige Brand­ursache.

Am furchtbarsten offenbare sich die Jlafur- gewalt in den Explosionen.

Ein winziger Funke genüge oft, explosiv gefährliche Stoffe (Benzin, Benzol, Alkohol, Petroleum, Spi­ritus, Gase usw.), sobald sie sich mit der Luft ver­mischen konnten, zu entzünden. Diese Gefahr werde meist unterschätzt. Grauenhafte Katastrophen seien meist die Folge. Demgegenüber seien die Vorbeu­gungsmaßnahmen sehr leicht zu befolgen. Beste Vorbeugungsmaßnahmen sind: äußerste Beschrän­kung des Vorrates an solchen Stoffen, Fernhaltung von offenem Licht und Feuer, stetige Geschlossen­haltung der Behälter. Explosible Flüssigkeiten könn­ten nicht mit Wasser, sondern nur mit Sand, mit Decken oder, in neuerer Zeit, mit Schaum gelöscht werden.

Rein sachliche Brandursachen seien durch mangel­hafte Bauwerke, Schornsteine und technische An­

lagen gegeben. Hier tue sich oft ein ganzes Register menschlicher Nachlässigkeit auf. Hauptbeachtung ver­dienten die Feuerstätten, die unter allen Umstän­den in Ordnung fein müßten. In den meisten Fäl­len sei es eine Kleinigkeit, die Feuerstätten ord­nungsgemäß herzurichten. Mängel an Schornstei­nen können leicht zu Zimmer-, Decken-, Balken» und Kellerbränden führen. Dachstuhl- und Boden­brände können ebenfalls sehr leicht die Folge sein. Lampen, die mit flüssigen Brennstoffen gespeist werden, bedürften der sorgfältigsten Handhabung. Elektrische Anlagen sollten nur durch Fachleute an­gelegt werden.

Sträflicher Leichtsinn sei es, die Sicherung durch irgendein Stück Draht ersehen zu wollen.

Die Ursachen von Schadenfeuern könnten be­liebig vermehrt werden, denn überall lauere der Brandteufel, in Kellerschächten und auf dem Ge­rümpelboden, im Walde und auch auf dem Feld. Schon eine achtlos weqgeworfene Zigarette könne dem betreffenden Menschen den traurigen Ruhm eines Brandstifters vermitteln. Wer sich aber mit den Brandursachen vertraut gemacht habe, werde auch im Falle des Ausbruches eines Feuers klaren Kopf behalten. Jedes Feuer lasse sich in seinem Anfangsstadium wirksam bekämpfen, wenn man nur die einfachsten Hilfsmittel zur Hand habe. Wer mit Achtsamkeit und Verantwortungsbewußtsein den Brandgefahren zu Leibe rücke, der werde alle­zeit ein treuer Hüter seiner Habe sein. Jeder müsse sich dafür einsetzen, daß im Geiste der Brandver­hütung alle Volksgenossen eine Einheit werden zum Segen unseres geliebten Vaterlandes. Der Vor­trag wurde von den Zuhörern mit großer Auf­merksamkeit verfolgt und fand lebhaften Beifall.

Nach einer kurzen Pause sprach Studienassessor Bauer an Hand einer Lichtbildreihe über die einzelnen Brandursachen und gab damit und ins­besondere in Verbindung mit den Bildern recht an­schaulich die Möglichkeiten der Brandverhütung zur Kenntnis. Nachdem er noch die Feuermelder im Bereich der Ortsgruppe Gießen-Süd und einige der wichtigsten Telephon-Nummern für den Fall von Feuerausbruch bekanntgegeben hatte, beschloß er den anregenden Abend.

Brandverhütung.

Vortragsabend der NS.-Dolkswohlfahrt.

Das Amt für V o l k s w o h lfa h r t der Ortsgruppe Gießen - Süd veranstaltete gestern abend im Hörsaal des Physiologischen Insti­tuts in der Friedrichstraße einen Vortragsabend, der .dem ThemaBrandverhütung" gewidmet war. Studienassessor Bauer hieß die Teilnehmer des Abends herzlich willkommen und wies in feinen einleitenden Worten auf die ungeheure Bedeutung der Brandverhütung für unser Volk und Vater­land hin. Sodann sprach

Kreisfeuerwehrinspektor Bouffier

über die Brandverhütung. Er griff zunächst weit zurück in die Geschichte, wies auf die alte Sage hin, nach der Prometheus den Göttern das Feuer ent­wendet habe und es den Menschen brachte.

Das Feuer habe, fo führte er u. a. aus, den Wenfchen erst zum Menschen gemacht, es sei die Quelle unserer Kultur, oftmals aber auch der Feind aller menschlichen Schöpfungen.

Solange der Mensch den Gebrauch des Feuers kenne, wäre auch schon der Kampf mit dem Feuer. Don dem Augenblick an, da der erste Mensch das Feuer in seinen Dienst zwang, habe die freie Toch­ter der Natur gegen diese Fesseln angekämpft unb sich, wenn es ihr gelang, diese Fesseln abzustreifen, plötzlich aus dem Mitarbeiter des Menschen zu dessen grimmigsten Feind verwandelt und ihn zum harten Kampfe für sein Leben und feine Habe ge­zwungen. Und dieser Kampf fei in den ersten Zeiten unserer Kulturentwicklung immer zum Nach­teil des Menschen ausgefallen. Der Red­ner berichtete, daß man schon zu Beginn unserer Zeitrechnung Schutzmaßnahmen zur Bekämpfung des Feuers getroffen habe. Die Feuerspritze fei in ihrer ursprünglichen Form unbestreitbar schon vor Beginn unserer Zeitrechnung erfunden worden.

Sülle Keine «io.

Vornan von Gert Gothberg.

Urheberrechtsschutz: Fünf-Türme-Verlag, Halle (S.).

4. Fortsetzung. Nachdruck verboten!

Waren das zwei hübsche Dinger! Na, sie schienen ja jede einen Kavalier zu haben. Wie die heute un­gezogen waren!

Gemütlich brannte er sich die Zigarre an, die ihm vorhin der vergnügte Kammersänger Schurichtsen gegeben hatte.

Die Frau Portier aber kochte gleich einen guten Kaffee, und ihre Freundin mußte den Napfkuchen kosten, der vorhin frisch aus dem Ofen gekommen war. Und die beiden Klatschbasen zischelten und zogen über die Leute im Hause her.

Am andern Tage aber, als die Frau Portier beim Hauswirt oben im ersten Stock die Zimmer wischte, da erlebte sie eine fürchterliche Ueberraschung, als siechre boshafte Neuigkeit und Klatscherei anbringen

Die Frau Kulick lassen Sie ja in Ruhe, Frau Lehmann. Ich könnte da sehr, sehr unangenehm werden. Liebe, brave Menschen waren es immer, der verstorbene Herr Kulick und seine kleine Frau. Wir sind seit vierzig Jahren mit Frau Kulick be­freundet, und Ihr Hintertreppenklatsch wird das auch nicht ändern. Wenn Sie sich das gefälligst merken wollen."

Und die Frau Hauswirt hatte verächtlich gelacht, hatte gesagt:

Ich muß doch Frau Kulick gleich morgen einmal herüberbitten, lieber Wilhelm. Sie muß unbedingt den Stollen kosten, den unsere Luise aus Dresden schickte. Und ich freu mich immer, wenn die liebe alte Dame ein bißchen kommt."

War das die Möglichkeit!

Befreundet!

Mit den allmächtigen Hauswirtsleuten befreundet!

Frau Portier Lehmann kriegte bald den Schlag. Und sie nahm sich vor, der ollen Heinerken der Klatscybase, das noch einzutränken, daß sie sie in diese Situation gebracht hatte. Dabei hatte die ihr den halben Kuchen weggegessen!

Na, warte!

Frau Lehmann wischte mit Hingebung den Fuß­boden auf, aber jeder energische Puff, den sie dem Fußboden versetzte, war eigentlich für die Heinerken bestimmt.

Und sie hatte doch immer geglaubt, wenn sie die alte Kulick die Treppe im Vorderhaus bescheiden herabkommen sah, die hätte um Stundung der Mete gebeten. Und dabei kam die vom Besuch, vom Kaffee- besuch beim Herrn Hauswirt!

Solch eine Blamage!

In diesem Jahre sei die deutsche Wirtschaft durch­flutet von neuen Aufbaukräften und neuen Lebens­strömen. Aber immer wieder greife die Brand­seuche nach unserem Hab und Gut. Aus Städten und Dörfern, aus Feldern und Wäldern züngelten ohne Unterlaß Flammen zum Himmel und Rauch­schwaden zögen über die Stätten der Vernichtung.

Die Feuerfchuhwoche habe daher alle Volks­genossen dazu aufgerufen, dem Feuer nicht länger Tribut zu opfern, sondern mit wissen­dem Kopf das Vermeidbare zu vermeiden. Ver­meidbar feien % aller Brände.

Die Statistik beweise, daß % aller Brände lediglich auf Unvorsichtigkeit im Umgang mit Feuer und Licht und auf Unkenntnis über die Feuergefahren zurückzuführen seien. Brandschadenverhütung sei stets leichter als Brandschadenvergütung. Dor allen Dingen heiße es aufräumen mit dem gedanklichen Grundfehler, die Versicherung decke den Brandscha­den. Zwar entlaste sie den einzelnen Brandgeschädig­ten, die Mittel aber, mit denen sie es tue, ergäben sich allein aus den Versicherungsbeiträgen der Mil­lionen versicherter Volksgenossen. Der Verlust der deutschen Volkswirtschaft, der durch Feuer entstehe, betrage nach den Veröffentlichungen der öffentlichen und privaten Feuerversicherungsanstalten jähr­lich 4 0 0 bis 5 0 0 Millionen Mark. Das bedeute täglich einen Verlust von weit über eine Million, in der Minute 750 Mark.

Was verbrenne, fei der deutschen Volkswirt­schaft verloren.

Außerdem mühten im Durchschnitt jährlich 1000 Menschen in den Flammen ihr Leben lassen. Un­geheure Kulturwerte seien dem Feuer bereits zum Opfer gefallen. Es fei hier nur an die Brände im

Ö.Jl.-fpOTt

Wetzlar - 1900 3:0.

Die Liga elf der Blauweißen sorgt dafür, daß es auch in den diesjährigen Meisterschaftsspielen nicht an den nötigen Ueberraschungen fehlt, denn nur so ist die Niederlage am vergangenen Sonntag gegen den Sportverein 05 Wetzlar zu verstehen. 1900 war in der besten Besetzung nach Wetzlar gefahren. Ab­gesehen von der ersten halben Stunde war die Sie­bener Elf nicht in der Lage, das ihr eigene System beizubehalten, das heißt, den Ball flach zu führen. Solange bei den Gießenern die Kombination lief und schnell abgespielt wurde, waren sie im Vorteil und Wetzlar konnte kaum aufkommen. Es haperte aber am entschlossenen Torschuß. Das Spiel fand wegen dem Erntedankfest bereits schon vormittags statt. Es hatte einen ausgezeichneten Besuch aufzu­weisen. Viele waren gekommen, weil sie von den beiden Kontrahenten Höchstleistungen erwarteten. Sie dürften etwas enttäuscht worden sein. Nur die Wetzlarer Anhänger kamen am Schluß auf ihre Kosten.

1900 fand sich schneller und leitete bald schöne An­griffe ein, die meist durch gute Flachvorlagen der Läuferreihe vorbereitet wurden. Diese Ueber- legenheit in der Spielhandlung dauerte fast eine halbe Stunde, ohne daß sie zu zählbaren Treffern führte. Es fehlte im entscheidenden Moment im Angriff am Einsatzwillen. Später flaute der Kampf­geist der Gießener ab. Heilmann beging den Fehler, sich ständig zu weit in der Läuferreihe aufzuhalten. In der letzten Viertelstunde vor dem Seitenwechsel

kam der Gastgeber durch raumgreifendes Spie! auf. Die Gießener kamen in Bedrängnis, waren aber durch gute Abwehr auch nicht zu schlagen.

Auch nach der Pause ging der Kampf auf und ab. Es ereignete sich in den ersten 20 Minuten wieder nichts, da beide Hintermannschaften auf der Hut waren. Erst als Lippert einen Kopfball ver­fehlte, kam feiler in Bedrängnis, der den Ball an einen Gegner verlor. Dieser gab dann den Ball an einen inzwischen in Abseitsstellung gelaufenen Mit­spieler, der mühelos einlenken konnte. Der Spiel­leiter erkannte auf Tor. 1900 nahm jetzt Schmelz mit in den Angriff. Die Niederlage der Blauweißen wurde besiegelt, als eine Flanke von links, durch die Verteidiger verfehlt, vom Wetzlarer Rechtsaußen eingedrückt werden tonnte, den Heinbach unbeachtet gelassen hatte. Balser, der sonst tadellos hielt, machte dann einen Schnitzer, der zum drillen Treffer für Wetzlar führte. Ein Einwurf von Heinbach, der ihm galt, wollte er leichtsinnig mit dem Fuß wehren, verfehlte aber durch die Bodenglätte und der Ball rollte gemütlich ins Gießener Tor. Mit einem letz­ten verzweifelten Ansturm der Gießener ging der Kampf zu Ende. Die Gießener hatten unter dem fast vollständigen Ausfall Heilmanns zu leiden, der einen rabenschwarzen Tag halle. Das Spiel trug kaum Kampfcharakter.

Ein Turnertag in Schotten.

Der Turnkreis Wellerau-Vogelsberg im Gau Nordhessen veranstaltet nächsten Samstag und Sonntag ein Alterstreffen in dem Vogelsbergstädt-

Gewiß! Wann fährst du nach Berlin?"

Morgen abend. Meine Freunde erwarten mich. Bodenstein ist auch noch dort. Er erwartet seinen Vetter, den Kapitänleutnant, von einer Südseereise Zurück. Kapitänleutnant Bodenstein ist ein famoser Kerl. Wir werden uns sehr gut amüsieren. Und weißt du, Brigitte, mich zieht da irgend etwas nach Berlin wie mit geheimen Banden. Vielleicht erfüllt sich mein Schicksal schon bald!"

Eine Berlinerin? Die Eltern waren immer da­für, daß du eine Frau nimmst, die den Gutsbetrieb kennt", sagte sie, und die Unmutsfalte auf ihrer sonst so klaren Stirn vertiefte sich. Und je länger sie mit ihm über die Angelegenheit sprach, desto klarer wurde es ihr, daß sie noch einen schweren Stand- punkt ihm gegenüber haben werde.

Er lachte jetzt. Sagte scherzend:

Ich denke, wir verbittern uns den heutigen ge­mütlichen Abend nicht. Ich hatte mich nämlich sehr darauf gefreut. Und denke doch nicht, daß es schäd­lich für mich ist, mal einige Wochen in Berlin zu sein. Nach alle dem Trubel schätzt man dann den stillen, schönen Landaufenthalt hier doppelt. Wenn du wüßtest, wie gern ich wieder heimgekommen bin."

Dich interessiert aber trotzdem jemand in 23er- lln", sagte sie beharrlich.

Vielleicht hast du recht", sagte er.

Siehst du!"

Ja, alter Kerl und Kamerad, das wirst du wohl nun doch zulassen müssen, daß ich mir eine Frau suche, wo ich sie mir suchen will. Und du hast schließ­lich recht. Ein bißchen Anspruch auf die volle Wahr- hell hast du auch vorläufig schon, wo alles noch

Brigitte von Berken, sehr groß, fast männlich, mit schönen, dunklen Augen, aber sonst fast häßlich zu nennen, blickte den Bruder ungehalten an. Der brannte sich eine Zigarette an, rauchte ein paar Züge und meinte bann:

Kann ich ja tun. Läßt sich sogar recht gut mit meiner ganzen Relle verbinden. Ich will nämlich Gerhard Osten besuchen, wenn ich von Berlin zurück­komme. Und wie du weiht, hat Osten fein Gut in der Nähe von Stralsund. Wenn ich dann also noch mit zu Tante Adelheid reise, ist das mal alles auf einmal erledigt. Paßt, wie gesagt, sehr gut."

Arndt, du willst mich nicht verstehen!"

Liebe Brigitte, und ob ich dich verstehe! Aber du weißt meine Ansicht hierüber längst. Und ich ändere sie nicht, Brigitte!"

Tante Adelheid wird sehr böse sein. Und Rose­marie von Ulm ist wirklich ein liebes, patentes Kerl­chen. Wir haben uns immer gut verstanden, Arndt. Würdest du mir nicht den Gefallen tun und endlich mal an eine Heirat denken? Es muß ja nicht Rose­marie sein, wenn du sie nun einmal nicht willst. 2lber ich meine, du bist alt genug, und schließlich hast du doch wohl unserem alten Namen gegenüber ein paar Verpflichtungen, denke ich?"

Auf feiner Stirn stand schräg eine steile Falte. Gr sah zu Boden, sagte langsam:

Ich werde ernstlich an eine Heirat denken verlaß dich darauf. Aber Rosemarie von Ulm wird's kaum sein."

Das ist sehr schade, und Tante Adelheid hat das immer sehr gern gewollt, und sie wird die Ent­

täuschung wohl nur schwer verwinden. Aber dein Glück steht mir viel zu hoch, als daß ich dir da zu irgend etwas zureden möchte, was du selber nicht willst. Und du würdest es ja auch nicht tun. Du hast zu große Ideale von Liebe und Ehe. Vielleicht wirst du eben aus diesem Grunde nie die Frau finden, nach der du dich sehnst."

Es käme auf einen ernstlichen Versuch an, Bri­gitte. Aber sag du mal, mein altes Kerlchen, was treibt denn dich eigentlich dazu, dich hier so halb und halb um die Heimat zu bringen, indem hu mir zu einer Ehe zuredest? Ich meine, du hast hier gern kommandiert, alle haben dich lieb, ich konnte mich auf dich verlassen wie auf mich selber, und nun soll hier plötzlich anders werden, was uns beiden so lange gut genug war?"

Für alleinstehende Damen des Hauses Berken steht ja drüben das Rosenhaus! Es ist schön dort, Arndt, und hierher werde ich ja doch jederzeit kom­men dürfen nicht wahr?"

warst offen gestanden, das verstehe ich nicht. Ich hätte eher gedacht daß du mal Tante Adelheid Pommern besuchen könntest. Sie hätte sich sic

Du kannst immer kommen, Brigitte! Das hier bleibt deine Heimat. Und vorläufig bleib' du ruhig hier noch ein bißchen die Herrin. Mir gefällt es so

Und wieder stieg eine ungeheure Wut in Frau Portier Lehmann hoch, die sich am Abend gegen ihren Mann kehrte und am andern Morgen gegen die Heinerken.

Jedenfalls hatten die beiden Frauen eine fürchter­liche Auseinandersetzung im Keller, und der Fritz Mengers, der mit seinem Vater, einem Flickschuster, im Keller des Hinterhauses wohnte, erzählte grin­send, der falsche blonde Zopf der Frau Portier stecke jetzt auf den schwarzen Haaren der Heinerken, und der schwarze Zopf der Heinerken sitze auf dem stroh­gelben Kopfe der Frau Portier, und im übrigen hätten sich die beiden im Keller noch ganz andere Sachen an die Köpfe geworfen!

Und alles nur, weil eine berühmte Diva ein paar kleinen Mädels einige ihrer schönen, teuren Kleider geschenkt hatte!

3. Kapitel.

Ich verstehe dich ganz gut, Arndt, wenn du ein bißchen hier heraus willst. Aber wozu das aus­gerechnet wieder Berlin sein soll, wo du doch schon vor Weihnachten mit dem tollen Udo Bodenstein

. jedenfalls sehr. Und anderen Leuten kann's dann ) in , auch recht sein. Und die lante, Adelheid, die soll nur ^uuuiicm vc।uujtii iuiuuc|i. ic hätte sich sicher > die Tochter ihrer Freundin mit irgendeinem andern sehr gefreut und schrieb es mir erst letzthin, daß du > Mann verheiraten." doch mal kommen möchtest." ~ ....... * ~

ganz unsicher ist. Mir gefällt in Berlin jemand sehr gut. Aber dein Geschmack wird's nicht fein. Es ist eine Filmschauspielerin!"

Das hätte ich mir denken können. Wenn du in her Gesellschaft von Bodenstein nach Berlin fährst, kann nichts Gutes dabei rauskommen. Aber so et­was Ernstliches ist's ja nicht. Du bist selber viel zu klug, um ein solches Experiment zu machen. Eine Filmschauspielerin? Bald genug würde die sich ' wieder in das helle Licht, unter die vielen Menschen, in diese ihr nun einmal gewohnte Atmosphäre zu­rücksehnen. Du könntest sie hier niemals auf immer fcsthalten. Ein bunter, schillernder Schmetterling fliegt wieder in die Sonne hinaus."

Brigitte sagte es mit ihrer ein wenig spröden Stimme, und es klang fast kalt und feindlich.

Er sah sie finster an.

Dann sagte er:

Ich hätte lieber nichts sagen sollen. Aber da wir nun einmal davon gesprochen haben, will ich noch auf einen anderen Fall zurückkommen. Dir gefällt doch so sehr die Frau von Rankenbühl?"

Eine wundervolle Frau! Und eine Gutsfrau, wie man sie nicht gleich wieder findet."

Siehst du! Und doch war Frau von Ranken­bühl vor ihrer Ehe Schauspielerin an einem Hof­theater in Sachsen. Kannst du dir das vorstellen? Und ich habe dir jetzt riesiges Vertrauen gezeigt. Es soll niemand wissen, was Frau von Rankenbühl früher war."

Das kann ich mir denken. Aber von allein kommt keiner auf den Gedanken, und ich freue mich viel zu sehr über dein Vertrauen, als daß ich es je täuschen würde."

Da war nun doch wieder die gemütliche Stim­mung da. Und sie sprachen von diesem und jenem. Aber zuletzt fragte Brigitte doch noch:

Du denkst also ernstlich daran, jene Frau aus Berlin zu heiraten?"

Nein! Daran habe ich noch nicht gedacht. Immer- hin könnte es möglich sein, daß sie mir so gefiele, daß ich sie heiraten würde."

Da schwieg Brigitte von Berken. Sie wußte ja ganz genau: es hatte keinen Zweck, jetzt auch nur noch ein Wort zu sagen in dieser Sache. Er tat ja doch, was er für gut befand. Aber in ihr war ein tiefer Haß auf jene Frau, die hier vielleicht eines Tages ihren Einzug halten würde. Eine Frau, die nicht hierher paßte!

Langweilst du dich, wenn ich fort bin?" fragte er und blickte forschend in ihre dunklen Augen.

Sie erwiderte den forschenden Blick aufrecht und gerade. Dann sagte sie:

Langweilen? Nein! Aber ich würde mich freuen# wenn du nicht allzulange fortbliebft"

Er drückte ihre Hand.

Ich werde mir jedenfalls Mühe geben, Brigitte!"

(Fortsetzung folgt!)