zentrale normative Gewalt btt deutschen Volke stehe, sei eine Episode der deutschen Geschichte, und diese Episode gehe zu Ende. Wenn wir uns auf die lebendige Gegenwart gründen wollten, müßten wir den Mut haben, ein Neues zu beginnen.
Aniimarxistische Einheitsfront in Spanien.
Lerroux bildet das neue Kabinett.
Madrid, 2. Okt. (DNB.) Nachdem der Präsident den ganzen Tag über mit den Parteiführern beraten hat, beauftragte er den Führer der Radikalen Partei Lerroux mit der Bildung des Kabinetts. Der Auftrag lautet dahin, eine Mehrheitsregierung auf breite st er parlamen- tarischer Grundlage zu bilden, in der also außer den Radikalen und Agrariern a u ch d i e K a - tholische Dolksaktion (Ceda) vertreten sein muß. Damit ist ein entscheidender Schritt zur B i l - düng einer Front gegen die Marxisten
getan. Der Präsident Kak, ungeachtet des Druckes von links auf eine Auflösung des Parlaments verzichtet und den Weg zur Wiederherstellung der Staatsautorität freigemacht. Abzuwarten bleibt, ob die Marxisten ihre Drohung, im Falle der Ernennung von Lerroux den General- st r e i k in ganz Spanien auszurufen, wahrmachen werden.
Oie Auswirkungen der Amnestie in Hessen.
Darmstadt, 2. Okt. (LPD.) Auf Grund des Straffreiheitsgesetzes, das die Reichsregierung a n - läßlich der Wahl des Führers und Reichskanzlers zum Staatsoberhaupt erlassen hat, wurden in Hessen bisher insgesamt 33 969 Amnestierungen vorgenommen. Es entfielen dabei auf die Provinz Starkenburg 16671, auf Oberhessen 7348 und auf Rheinhessen 9950. Bei 21962 Personen wurde die Strafe erlassen, bei 12 007 wurde das Strafverfolgungsverfahren eingestellt.
Volksdeutsche Arbeit der evangelischen Kirche.
Zur Reichstagung des Gustav-Adolf-VereinS.
Don Dr. phil. Carl Schneider.
Don lebendigen Wirklichkeiten spricht man am besten, indem man nicht über sie redet, sondern s i e selbst zeigt. So auch vom Gustav-Adolf-Verein. Man muß ihn einmal bei seiner Arbeit irgendwo in Oesterreich oder Brasilien, in Lettland oder Südafrika gesehen haben, ehe man ermessen kann, was er ist. Mir ist seine Bedeutung in einem meiner schönsten und größten Erlebnisse klar geworden, bei der unerwarteten „Entdeckung" der deutschen evangelischen Gemeinde Sidney. Daß es in dieser großen australischen Stadt eine deutsche Kolonie gab, die sich aus reichen Wollkaufleuten, auf dem Land gescheiterten Farmern, erfolgreichen In- genieuren. vom Schiff weggelaufenen Matrosen, aus Menschen der verschiedensten Stände und politischen und weltanschaulichen Richtungen zusammensetzte, daß diese Kolonie zwei deutsche Klubs und eine deutsche Kirche hatte, das wußte ich wohl. Aber daß sie eine lebendige Gemeinde bildete, die über die Stände und Anschauungen hinweg «ine Einheit in den letzten Tiefen der Seele war, das war ein geradezu überwältigendes Erlebnis.
Wie war es dazu gekommen? Bei dem einen: durch das Heimweh. Er hatte, wie der Ausländsdeutsche so oft, erfahren, daß das im Klub und aus der Kegelbahn nicht gestillt wird, und obwohl er in Deutschland nie in die Kirche gegangen war, ging er jetzt hinein, denn es war ein Stück echte H e i m a t, das er fand. Bei dem anderen: durch die prächtige Gestalt des Pfarrers von Sidney. Er war in wirtschaftlicher Rot zu dem Pfarrer gekommen und hatte mit Erstaunen erfahren, daß er hier nicht bürokratisch behandelt wurde, sondern vielleicht zum erstenmal in seinem Leben — mit persönlich warmer Liebe. Bei dem dritten: durch eine Gewohnheit, die ihm aber so lieb geworden war, daß ihm ein Sonntag ohne deutschen Gottesdienst in der kleinen, aber schönen Kirche undenkbar war.
So war die Kirche das eigentliche, geradezu mystische Band, das aus der Kolonie ein von den reichsten Gefühlen durchblutetes Ganze machte. Das bewährte sich in den Verfolgungen des Krieges, als trotz aller Drohungen — sie waren in Australien härter als anderswo — diese Gemeinde zusammenblieb als einzige Bindung, und das bewährte sich in der Nachkriegszeit, als eine konfessionelle, von außen kommende Gruppe die Gemeinde zu zersetzen drohte und ihr die Kirche entreißen wollte. Seite an Seite standen der Wollmillionär und der wenige Jahre, ja oft Monate vorher noch kommunistische Matrose zur Verteidigung dieser Kirchgemeinde! Aber in dieser grenzenlosen Einsamkeit, in der eine solche Gemeinde in einer so nervösen und hastigen Weltstadt steht, hätte sie sich auf die Dauer doch nicht halten können, wenn sich nicht der Gustav-Adolf-Derein um sie gekümmert hätte. Er sorgte dafür, daß sie eine lebendige Beziehung zur Heimatkirche bekam, daß sie in allen inneren und äußeren Nöten einen Zufluchtsort erhielt, der ihren Bestand nach menschlichem Ermessen für alle Zukunft sichern wird.
Dieses Beispiel zeigt, worum es im Gustav- Adolf-Werk geht: um äußere und innere Hilfe für deutsches evangelisches Gemeindeleben in der gan
zen Welt. Unternehmen wir kurz einen Rundgang durch seine Gebiete. In der Not der letzten Monate und Jahre haben sich in Oesterreich Zehntausende ernst gewordener Menschen in die evangelische Kirche geflüchtet, sie brauchen Betreuung, damit sie dort wirklich für die Not ihrer Seele Hilfe finden. In Polen ringen deutsche evangelische Familien um die religiöse Erziehung ihrer Kinder, sie brauchen Schulen, Lehrer und Kindergottesdienste. In den alten deutschen Diasporagebieten Rumäniens dringt mit der westlichen Kultur die Entfremdung von den letzten religiösen Bindungen ein. Wer stärkt die evangelische Kirche in ihrem Kampf, wenn nicht der Gustav-Adolf-Verein? In einer der deutschen Kolonien Lettlands suchen evangelische Kolonisten, Restgutsbesitzer und Knechte Seite an Seite nach einem Mittelpunkt ihrer Gemeinde. In einer Lehmhütte halten sie Gottesdienst. Mehr schaffen können sie nicht, denn noch immer stehen die früher blühenden Dörfer als Ruinen des Krie- des da, und ihr mühsam gezogenes Vieh kauft ihnen keiner oder nur jemand zu solchen Spottpreisen ab, daß sie nicht einmal Saatgetreide dafür erwerben können. Wer baut ihnen die so nötige Kirche? In den Serragegenden Brasiliens rodet der deutsche Siedler im Schweiße seines Angesichts; wenn wir ihm nicht einen Seelsorger schicken, kommt die amerikanische Sekte und entfremdet ihn seinem eigensten Wesen.
Es geht in allen diesen Fällen um die Kirche. Es geht nicht um eine bestimmte Konfession. Was auf dem Boden des Evangeliums der deutschen Reformation steht, Lutheraner, Reformierte, Unierte, Herrnhuter, sie alle sind draußen in Not, und ihnen allen hilft das Gustao-Adolf-Werk gleich, ganz nach dem Wort des Neuen Testaments: „Wenn nur Christus gepredigt wird". Es geht auch nicht um eine bestimmte kirchenpolitifche Richtung. Wer in der Gefahr des Urwaldes und der Wüste, in Gefahr feindlicher Umgebung und innerer Angst gestanden hat, hat keine Zeit zu Kirchenpolitik. Es geht auch nicht um bestimmte politische Aufgaben. Es ist klar und tausendfältig erwiesen, daß die Erhaltung des Evangeliums der deutschen Reformation Deutschtum erhält, und zwar bestes, wertvollstes, bewußtestes Deutschtum. Aber der Gustav-Adolf-Derein muß immer wissen, daß ihm dieses Volkstum für das Evangelium anoertraut ist, weil Deutschtum ohne Evangelium eine halbe Sache ist.
In dieser Gewißheit finden sich in diesen Tagen in Königsberg und in Danzig, in Tannenberg am Grabe Hindenburgs und in der Marienburg Hunderte deutscher evangelischer Männer zusammen, um in ernster Arbeitstagung den Wirkungsplan d e s Gustav-Aoolf-Werkes für das nächste Jahr aufzustellen. Aber fast noch wichtiger ist, daß von Königsberg aus ein überall zu hörender Ruf über unser ganzes evangelisches Volk hin erschallt, der über die Meinungsverschiedenheiten und Streitereien, über das bloße Fragen und über die Konfessionen hinweg alle ohne Ausnahme zur Tat ruft: zu der großen evangelischen Liebestat an der gerade in diesen Tagen besonders hart ringenden deutschen Diaspora!
„Gegen bessere Soldaten mochte ich nicht kämpfen."
Oie Soldaten bauen die Brücke. - Ein Erlebnis aus England.
Es war zu jener Zeit, als das Wort „Weltkrise" in aller Munde war, als man von „Verständigung" in Kreisen redete, die die Voraussetzungen dafür immer mißverstanden. Da fand sich in einer kleinen, grauen waliser Verarbeiter st adt eine aus vielen Nationen zusammengesetzte bunte Gesellschaft zusammen; teils, um den armen Bergleuten in freiwilligem Arbeitsdienst beim Bau von Spielplätzen für arme Bergarbeiterkinder zu helfen, teils, um nebenher — über den Frieden zu reden. Viele hatte auch der Zufall, Abenteuerlust und andere, nicht immer sehr christliche Beweggründe zu diesem Arbeitsdienst bewogen. Strenge Lagerdisziplin gab es nicht, wenigstens nicht für alle. Wer Lust und Liebe zur Sache hatte, packte gelegentlich im Dorbeikommen mit zu.
Wöchentlich mehrere Male fand sich da auch e i n älterer Herr zur freiwilligen Arbeitsleistung ein. Er war groß gewachsen, trug eine große schwarze Hornbrille und war tadellos gekleidet. Er mochte etwa 50 Jahre zählen. Ruhig und selbstoer- stänolich schaufelte er neben dem schlichten Kumpel, in grauer Hose, brauner Jacke und grauen Leder
handschuhen! Aber keiner der Arbeiter machte eine dumme Bemerkung. Der Mann hatte etwas Ach - tunggebietendes an sich. Er sah energisch, sportgestählt aus. Die Arbeit schien ihm keine Mühe zu bereiten. Wer mochte das wohl sein? Irgendein „spleeniger" Engländer, der einmal ausprobieren wollte, wie Handarbeit schmeckt? Und er sah keineswegs so aus, als ob er einen kleinen Vogel hätte, sondern schien sehr genau zu wissen, was er wollte.
Jeden Tag während der Frühstückspause, dem „knock off", pflegte ein Arbeitskollege zu reden. Am nächsten Tage wird bekanntgegeben, daß der Colonel D. von den Welsh Guards reden wird. Und siehe da, elastisch schwingt sich der „bess're alte Herr", wie mir ihn getauft haben, auf das Podium. Er spricht nur kurz, aber desto eindringlicher:
„Kameraden, ein altes englisches Sprichwort heißt „Alte Krieger sterben niemals", und so rede ich zu euch als Soldat, d. h. kurz und klar, als Kamerad zu Kameraden. Wie ich einst zu meinen Jungs gestanden habe, so stehe ich heute zu euch und arbeite mit euch. Euch alle bewegt die Frage
der Schließung bet Hafob-Grube. 9m Namen des Besitzers der Grude, meines Freundes D., erkläre ich euch, daß er sein Letztes tun wird, damit die 2500 Arbeiter ihre Stellung nicht verlieren. Ihr habt uns nie im Stich gelassen, wir werden es auch nicht tun. Gemeinsam werden wir die Krise bannen!"
Dann pogen die Mützen von den Köpfen, und die walisische Nationalhymne erklang, an die sich ein Choral anschloß. M i t neuem Mut und neuer Hoffnung ging alles an die Arbeit. „Er ist ein wirklicher Gentleman", sagten die Arbeitskameraden. Jawohl, ein Richtmann dachte ich, Mann der Front und Sozialist der Tat. Ein Mann mit großem Vermögen, von dem er immer freigiebig spendete und der wie ein kleiner Kumpel mit den anderen arbeitete, hörte ich später.
Am selben Tage hatte ich einen Graden auszuheben. Zu meiner großen Freude sprang da auf einmal der Herr Oberst in meinen Graben: „Darf man wohl ein bißchen helfen?" — „Natürlich, recht gern!", erwiderte ich. Schweigend arbeiteten wir beide bei glühender Sonne"— ich in weißem Hemd und grauer Trainingshose, er in seiner eleganten grauen und der braunen Oxfordjacke. Schaufel um Schaufel flog aus dem Graben. Der Oberst zog sich die Jacke aus und arbeitete weiter im ebenso tadellosen Oxfordhemd und — mit grauen Handschuhen. Es gelüftete mich wohl zu einem kleinen „chat", denn seit dem heutigen Morgen hatte ith eine tiefe Hochachtung vor diesem Mann; aber icy wollte keine Unterhaltung beginnen. Man sollte nicht sagen können, die Deutschen seien faul. Wenn er selbst eine Unterhaltung anfangen sollte, war das etwas anderes. Die Sonne sengt weiter. Ein Arbeiter bringt Essigwasser zur Stärkung. Rasch ein Schluck und wieder fliegen die Schaufeln.
Nach einer guten halben Stunde sehe ich, wie der Oberst eine kleine Ruhepause einlegt. Ich schippe weiter.
„Hallo, alter Junge", ruft es bann hinter mir, „nun haben wir aber eine Pause verdient!"
Dann legt sich der Colonel auf den Grabenrand,
|W mich mft feinen guten braunen Augen art rtn5
„Ich habe gehört, Sie sind Deutscher. Ich wollte schon immer mal mit Ihnen arbeiten. Schon mal in der Armee gewesen?", dabei zeigt er auf meine graue Trainingshose, die mich schon gelegentlich in diesen „Verdacht" brachte. „Leider nicht", erwiderte ich, „das ist bei uns nicht so einfach wie in England!" — Dann kommt es nachdenklich über feine Sippen: „O, ick verstehe dieses „Leider nicht". Die Deutschen wollen Soldat sein und können es nickt; die Engländer können und wollen es nicht. Ihr seid darum die besten Soldaten der Welt. Glauben Sie mir, ich weih, daß Ihr keine Hunnen seid! Ich habe euch in vier Jahren kennengelernt. Mir altem Burschen standen manchmal die Tränen in den Augen, wenn ich sah, mie viele tote Männer in ihren grauen, stumpfen Helmen um ein einziges Maschinengewehr lagen, wenn wir es schließlich nahmen. Gegen bessere Soldaten möchte ich nicht kämpfen ... Das wollte ich Ihnen einmal sagen.
Dann reichte er mir bewegt die Hand. Ich schlug dankbar ein. Wir sahen uns fest in die Augenr „Ich danke Ihnen, Colonel. Die „alten Krieger, die niemals sterben", sollten auch in England fuhren, dann wäre ein ehrlicher, vernünftiger Frieden möglich!"
Langsam nahmen wir wieder unsere Schaufeln zur Hand und arbeiteten weiter. Das wurde mir seit jenem Tage klar: wenn es überhaupt einen Weg zur Verständigung gab, bann war es dieser, den der Oberst ging. Diese wenigen Worte galten mir mehr als jene abendelangen Diskussionen über den Frieden, wie sie im Lager und in Pazifistenkreisen an der Tagesordnung sind. Die anständigen Kerle hier und auf der anderen Seite, die fähig sind, ohne Haß in der Achtung des Gegners ihre Pflicht zu tun, sie werden das neue Europa bauen. Das fühlte ich aus dem Händedruck des englischen Obersten, der mir mehr wert ist als alle Friedensbeteuerungen englischer Pazifisten. Ich danke Ihnen, Colonel!
Dietrich Zwicker.
Fliegerabenteuer über -er Sahara.
Wüstentoller, arabische Räuberbanden, hohes Lösegeld.
Nicht klein ist die Zahl her Flieger, die beim Ueberqueren der Sahara und anderer Wüsten ab» stürzten und so den Tod erlitten. Warum aber stellt sich gerade der Flug über b i e Wüste als so befonbers gefährlich bar?
Der englische Forschungsreisenbe William I. M a k i n , ber einen Flug von etwa 25 000 Kilometern über bie afrikanischen Sanböben ausführte, versucht jetzt eine interessante Erklärung —: er weih zunächst von einer Art „W üstenko11er" zu berichten, ber bann unb wann ben Flieger überfällt.
„Diel habe ich von biefem Schrecken ber Wüsten kennengelernt unb Ersahrungen gemacht, bie mir bie meisten Wüsten-Flieger bestätigen werben. Die plötzliche Tollheit, bie einen ba ergreifen kann, wirb in Nordafrika ,Cafarb< genannt unb ist unter ben Solbaten ber Fremdenlegion wohlbekannt. So hat zum Biespiel Sir C l a y t o n , ber bei einem Flug über bie Libysche Wüste zugrunbe ging, noch vor seinem Tobe ausgesagt: in bem ftunbenlangen Flug in blenbenber Sonnenglut, in ber man bie ganze Aufmerksamkeit zusammennehmen muß, verliert man jeben Begriff von ber Höhe, ber Schnelligkeit unb ber Lage; mein Kopf begann beim letzten Flug zu dröhnen; es packte mich eine fast unwider-
stehliche Begier, mit ber Maschine in die Tiefe zu stoßen unb so ein Enbe zu machen...
Hochachtung brum vor ben französischen Fliegern des ßuftpoftbienftes, bie regelmäßig bie Post von Dakar nach ber westafrikanischen Küste bringen. Ihnen drohte übrigens noch eine anbere Gefahr ber Wüste: F li n t e n kug e l n ber Araber! Don Marokko an werden nur Postsachen unb keine Passagiere befördert. Die meisten Fluae werben in ber Nacht ausgeführt, ba bie räuberischen Araber« banden bann weniger Aussicht haben, die Flugzeuge aus ber Luft herunterzuholen.
Man hat alles getan, um biesen Luftweg über bie Sahara sicherer zu gestalten. So wirb nicht nur verlangt, daß jedes Flugzeug Nahrung unb Wasser für zehn Tage mitnimmt, sondern ausländische Flieger müssen meist auch hunberttausenb Franken vorher deponieren zu treuen Händen, damit bie Kosten einer H i l f s e x p e b i t i o n wenigstens zum Teil gedeckt sind, wenn eine solche sich als notwendig erweisen sollte. Muß ein Flieger des Luftdienstes in der Sahara niedergehen unb wird er von Arabern gefangen, bann besteht die Aussicht, daß er gerettet wird — man liefert ihn an einer ber Luftstationen der Sahara gegen Lösegelb ab. Der Preis steht genau fest, bie Araber verlangen ihn — unb die Flugpostgesellschaft zahlt."
Aus aller Wett.
10 Tote, 30 Schwerverletzte bei einem Eisenbahnunglück in Polen.
Die Schnellzüge Wien—Warschau und Gbingen— Krakau sind am Dienstag um 8 Uhr in der Station Krzeszowlce im dichten Hebet aufeinandergefahren. Jladj den bisherigen Feststellungen wurden zehn Personen getötet und 30 schwer verletzt. Line llntersuchungskommifsion hat sich an den Unfallort begeben.
Zn dem Unglück werden noch folgende Einzelheiten bekannt: Gegen 8 Uhr hielt der Schnellzug Ur. 7 von Gdingen—Lemberg vor der Station Krzeszewice, da das Einfahrtssignal geschlossen war. Um 8.12 Uhr fuhr auf den stehenden Zug in voller Fahrt der Diener Schnellzug Jlr. 107 im dichten Nebel auf. Die beiden letzten Wagen des Schnellzuges Nr. 7 wurden zertrümmert. Aus den Trümmern wurden nach Eintreffen der ersten Hilfe die Verwundeten herausgezogen und mit einem Rettungszuge in die Krankenhäuser gebracht. Der Eisenbahnverkehr konnte nach mehrstündiger Unterbrechung eingleisig wieder ausgenommen werden.
Englisches Flugzeug über dem Kanal verunglückt. — Sieben Tote.
Der Dampfer „Biarritz", der im Dienst auf dem Kanal eingestellt ist, hat etwa fünf Wetten von Folkestone die Trümmer eines Flugzeuges entdeckt und sechs Leichen aus dem Kanal aufgefischt. Der Dampfer brachte, bevor er seine Fahrt nach Voulogne fortsehte, die Leichen nach Folkestone zurück. Lin Rettungsschiff aus Dover hat sich trotz der hochgehenden See und des nebligen und regnerischen Detters an die Unfallstelle begeben. Der englische Frugplah Lroyden hatte Notsignale eines Flugzeuges aufgefangen, jedoch hatte der Apparat offenbar keine Zeit mehr, seinen Standort und seine Nationalität anzugeben. Die Nachforschungen haben schließlich ergeben, daß
es sich um eine Maschine der Hillmans Airways Limited handelt, die von heston nach Le Bourget unterwegs war. 3m ganzen haben sieben Personen ihr Leben eingebüht. Die Leichen sind so verstümmelt, daß sie nicht identifiziert werden konnten. Bei den Toten handelt es sich um drei Engländer, darunter den Flugzeugführer und eine junge Frau, drei Franzosen, darunter eine Pariserin, und um einen Amerikaner. Die Maschine selbst ist gänzlich zerstört. Der deutsche Frachtdampfer „Leander" hatte das Unglück beobachtet. Der Kapitän des deutschen Schiffes setzte sich durch Funkspruch mit dem englischen Dampfer „Biarritz" in Verbindung. Die Besatzung der „Leander" setzte sofort eines ihrer Boote aus, dem es gelang, zwei der Flugzeuginsassen als Leichen zu bergen. Kurze Zeit darauf traf die „Biarritz" an der Unfallstelle ein. Später beteiligte sich noch ein anderer englischer Dampfer an den Bergungsarbeiten.
10 Millionen Zloty unterschlagen.
Im Zusammenhang mit dem vor einigen Tagen gemeldeten Ableben des Grafen Jakob Potocki erregt in Warschau die nunmehr erfolgte Verhaftung des Barons Nelken beträchliches Aufsehenr Nelken wird beschuldigt, riesige Unterschlagungen zuungunsten des verstorbenen Grafen P o • tocki begangen zu haben. Dazu werden folgende Einzelheiten bekannt: Im Juli b. I. erhob bie Gutsverwaltung bes Grafen Jakob Potocki gegen bie beiben Generalbevollmächtigten Potockis, zwei Brüber Rosemberg, Anklage wegen Unterschlagung. Die Generalbevollmächtigten hatten eine Reihe von Transaktionen vorgenommen, aus benen sie überaus große Gewinne Zogen, unb hatten außer- bem Millionensummen in Bargelb unterschlagen. Die Gesamtsumme ber Unterschlagungen wirb mit z e h n Millionen Zloty beziffert. Dor ber Derhas- tung konnten bie generalbevollmächtigten Brüber Rosemberg aus Polen fliehen. Der eine Brüber ist inzwischen verstorben, ber anbere machte in Pans ein Bankgeschäft auf. Erst in ben lebten Tagen würbe festgestellt, baß ber fetzt verhaftete Baron Nelken mit den Brüdern Rosemberg zusammen-


