grüßte ... Immer noch klangen Sprechchore auf. Erst allmählich wurde es stiller.
In lebendiger Abwechslung folgten dann die sportlichen Darbietungen. Freiübungen, Hebungen für den Boxkampf, gymnastisches Spiel mit dem Medizinball, ein Hindernislauf, der viel Anlaß zu herzlichem Lachen gab, Keulenwerfen und noch manche andere Leibesübungen wurden in Gruppen- und Einzelwettbewerben gezeigt. Auch rein leichtathletische Wettkämpfe, 100-Meter-, 1500-Meter- Lauf, Hoch- und Weitsprung usw. wurden ausgetragen, nachdem die Vorkämpfe bereits am Vormittag stattgefunden hatten.
Der Bann 116 Gießen errang in dem neuartigen „Rubu" mit der Mannschaft Körner, Vogt, Bender, K. Jung, Reiz, Stumpf, Dilh. Lang, Rudolf Lang, Müller, Klinkei, Viehl, Loh und Möller den ersten Sieg. Das Vorspiel gegen Darmstadt, wie auch das Entscheidungsspiel gegen Hanau endeten jeweils mit 1:0. Line ganz große Freude für die Sieger aus dem Bann 116, als der Reichsjugendführer nach feiner abschließenden Ansprache jedem einzelnen von ihnen die Hand drückte.
Ein „Heil H i t l e r", von den Sportlern in weißem Dreß auf der Rasenfläche dargestellt, beschloß die Sportveranstaltung.
Reichsstatthalter Gauleiter Sprenger, der eifrige Förderer und Freund der HI., nahm ebenfalls an der Veranstaltung teil. Stürmisch wurde auch er begrüßt. Angeregt unterhielt sich der Reichsstatthalter mit dem Reichsjugendführer und seinem Stab, bis ihn andere Pflichten an andere Stelle riefen. Ein vielstimmiges Heil klang auf, als die Jugend sah, daß er sich verabschiedete.
Es war inzwischen 19 Uhr geworden. Die Sonne versank hinter Wolken und Bäumen. Für 20.30 Uhr war eine große Kundgebung vorgesehen. Rasch leerten sich die Terrassen der Hauptkampfbahn und bald standen die Fünfzigtausend auf dem großen Dorfelde an der Front der Tribüne. Rach Bannen stellten sie sich auf, richteten sich aus, und harrten auf das Wiedererscheinen des Reichsjugend- führers.
Ein großangelegtes Melodram — Wort, Lied, Trompete als Einzelinstrument, Orchester, Spiel- mannszug und viele Sänger des Bannes 117 wirkten zusammen — leitete die Kundgebung ein.
Wunsch und Ziel der HI., Treue zu Volk und Vaterland, zum Führer, zur deutschen Ost- und Westmark, edle Gedanken und viel Unerbittlichkeit des Willens zum Guten kamen darin zum ergreifenden, mitreißenden Ausdruck.
Als der Reichsjuaendführer sprach, herrschte lautlose Stille. Mit gespannter Aufmerksamkeit lauschten alle seinen Worten. Hin und wieder klang stürmischer Beifall auf und unterbrach die Rede für Minuten. In klaren Sätzen rief der Reichsjugendführer die Erinnerung an die Kämpfe der HI. wach, umriß ihre Aufgaben für Gegenwart und Zukunft, forderte Treue um Treue, und Treue zum Führer Adolf Hitler. Ein dreifaches Sieg-Heil auf den Führer Adolf Hitler aus fünfzigtausend Kehlen klang wie ein einziger gewaltiger Ruf zum Himmel. Dann übergab der Reichsjugendführer der HI. die 1000 Fahnen. „Vorwärts, vorwärts", das Lied der HI., beschloß die Kundgebung.
In geschlossenen Blocks, Fackeln in den Händen, marschierte die HI. wieder in das Lager am Ostpark zurück.
Der Sonntag brachte für Frankfurt das große Erlebnis des Vorbeimarsches der Hunderttausend (Hitlerjugend und Jungvolk) vor dem Reichsjugendführer Baldur v. Schirach. Hunderttausende sahen an diesem Tage die Jugend des Gaues marschieren und manch einer wird erhobenen Herzens nach Haufe gegangen fein, der diesen gigantischen Marsch erleben durste.
Erwähnenswert ist für uns ferner, daß für die Ausgestaltung der Ausstellung der Hitler- Jugend in Frankfurt ein Angehöriger aus dem Gebiet des Bannes 116 hinzugezogen wurde, und zwar Wilhelm Ruhl aus Garbenteich. Rach feinen Gedanken wurde auch die Ausschmückung des Frankfurter Stadions vorgenommen.
Mttionenaufbruch in den Lüften.
Von Paul Eipper.
In diesen Wochen begibt sich erneut das alljährliche Wunder des Vogelzuges, ein Wunder, das wir Menschen schon seit langem kennen, ohne daß es uns bis heute gelang, die Zusammenhänge völlig zu ergründen. Rätsel, wohin man blickt, und wenn durch viele Beobachtungen die eine Frage getost ist, tauchen an ihrer Stelle fünf neue auf'
Schon gleich zu Anfang stutzt der Ausschau hal- tende Tier- und Naturfreund: reifen alle Zugvögel wirklich fort?
Wir haben im Naturkundeunterricht der Schule gelernt, daß der Star im Herbst scharenweise nach dem warmen Süden wandere, um erst im April wieder bei uns zu erscheinen. Aber in Holland habe ich zu jeder Winterszeit Stare gesehen, und wenn man in jenen Monaten aufmerksam durch die verschneiten Anlagen deutscher Städte geht, hat man gar nicht so selten das Glück, den schnalzenden Ruf von Staren im Zweiggerippe hoher Bäume zu ver- nehmen.
Waren nun unsere Vorfahren so schlechte Beobachter, daß sie den Star fälschlich zu den Zugvögeln rechneten, oder hat sich seine Lebensweise inzwischen verändert?
Die letztere Vermutung dürfte richtig sein. Nicht nur der Star, auch die Feldlerche und der Turmfalke, vereinzelt selbst die Mönchsgrasmücke, die Rauchschwalbe, der Weidenlaubsänger und der Storch machen freiwillige Ueberwinte- rungsversuche in Deutschland. Die einen For- scher behaupten, der Grund für diese Erscheinung sei in der zunehmenden Ausbreitung der Kultur zu sehen, darin, daß durch die vielen Schreber- gärten und bebauten Landstriche auch im Winter Nahrungsmöglichkeiten für die Vögel bestünden; die andern Forscher nehmen an, daß der Eintritt einer neuen Wärmeperiode, einer sogenannten Tertiärzeit, auf unserer Erde begonnen habe, die jene veränderte Lebensweise der Zugvögel hervorruft.
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Jeder Mensch, der sich für die Natur interessiert, stellt immer wieder die gleichen Fragen über den Vogelzug. „Auf welche Weise ist diese zweimal im Jahre stattfindende Reise entstanden?" „Warum wandern die Zugvögel?" „Ziehen sie mit dem Wind oder gegen ihn!" „Wandern die Vögel in breiter Front oder auf schmalen Zugstraßen?"
Besuch bei 50000Zungvolkpimpfen.
Frankfurt a. M., 1. Sept. (LPD.) Während im Stadion heute nachmillag die Hitlerjugend im sportlichen Kampf wetteiferte, konnte man draußen in der Zeltstadt der Jugend, im Huth-Park, das Leben und Treiben des Jungvolkes belauschen.
Von weither schon tönt dem Besucher der dumpfe klang der Landsknechtstrommeln und die frohe Symphonie aus Tausenden von Jungenkehlen entgegen.
Am Eingang zum Lager wird man von der Lager- polizei empfangen. Mit welchem Stolz versehen diese Jungens, manche kaum 12 oder 14 Jahre alt, ihren Dienst. Alle vier Stunden werden sie abgelöst. Diese vier Stunden „Polizeidienst" aber sind für sie vielleicht die schönsten während der Frankfurter Tage.
Und dann das Lager ... Ein Leben und Treiben herrscht hier, wie es nicht zu beschreiben ist. Wie wibbelt und kribbelt es auf der Spielwiese unter-, über- und nebeneinander. Dort sind die einen beim Prellen auf einer Zeltbahn, andere sitzen im Kreise beim Ballspiel und vor dem Kasperltheater hat sich eine andächtige und vor allem dankbare Zuschauergemeinde versammelt. In den Lagerstraßen treten gleichzeitig die Gefolgschaften 3um Marsch durch die Stadt an. Weiter oben hinter dem großen Kommandoturm sind in bunter Reihe die Fahnen und Wimpel der einzelnen Banne im Halbkreis in den Boden gerammt. Vom Kommandoturm erschallen Befehle. Und über dem Gan
zen ein Summen und Brummen vor den viel- tausend Stimmen, Fanfarenklänge und Trommel- schall. UeberaU herrscht Leben und Treiben.
Einen geradezu imposanten Eindruck bekommt man durch einen Rundblick vom Kommandoturm. Erst von hier sieht man, welches Heerlager hier über Nacht entstanden ist.
Alle Jungenstraume scheinen lebendig geworden zu sein. Und trotzdem, weit über das Spielerische hinaus erkennt man überall und in jedem den ernsten Willen, eine Aufgabe, die man freiwillig auf sich genommen hat, zu erfüllen. Gesund und ungekünstelt, ohne Vorurteile und Standesschranken wird hier die deutsche Jugend im Geiste der Gemeinschaft erzogen.
Und fragt man einen der jungen Lagerbewohner, wie es ihm in diesem Lager der Jugend gefalle, bann strahlen die Augen. Zu Haufe zwar hat man die weichen Betten und hier nur Stroh. Aber was ficht das einen von diesen Jungvolkpimpfen an. Tausendmal wird es ausgewogen durch das große Erlebnis dieser Lagergemeinschaft.
Als Losungswort steht über dem Tag der 100 000: „Marschierender Wille! Junge Kraft! Sozialistische Tat!" Losung ist dieses Wort auch für die Zeltstadt dort draußen mit ihrer fröhlichen Lagerge- meinschaft. Aber es bleibt nicht bei der Losung allein, vielmehr noch ist es Inhalt und Leben geworden.
Mffensportsest und Siegerehrung im Stadion.
LPD. Frankfurt, 1. Sept. Am heutigen Samstag fand in Anwesenheit des Reichsjugendführers Baldurch v. Schirach, des Gauleiters und Reichsstatthalters Sprenger, der Führer der Partei, SA., SS. und anderer Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens ein Maffenfportfest im Stadion statt. Vor den Augen des Reichsjugendführers zeigten die Junaens, daß sie ihren Körper zu mei- ftern wissen und ihren Charakter im sportlichen Kampf zu führen verstehen. In den einzelnen Sportarten wurden teilweise geradezu glänzende Leistungen vollbracht, die klar bewiesen, daß hier eine gesunde Jugend heranwächst, die einmal in der Lage sein wird, ein gesundes Deutschland der Zukunft zu gestalten. Als einige 100 Hitlerjungen auf dem grünen Rasen ein „Heil Hitler^ legten, brachen die Jugend und die zahlreich erschienenen Zuschauermassen in spontanen Beifall aus.
Als die Wettkämpfe beendet waren, marschierten die Sieger vor dem Reichsjugendführer und den Ehrengästen auf. Als
Reichsjugendführer Baldur v. Gchirach am Rednerpult erschien, wurde er von den Tausenden mit minutenlangem Beifall begrüßt. Hierauf ergriff er das Wort zu einer kurzen Ansprache, in der er u. a. sagte: Die Millionenbewegung der
nationalsozialistischen Jugend habe sich ein Pro- gramm gesetzt, das die Schulung von Kör- per u n o (Bei ft fordere. So fei die HI., die neben ihren sonstigen Aufgaben immer den Sport sehr gepflegt habe, zur bedeutendsten Sportorganisation der Welt geworden. Sie fei eine Organisation, in der jeder der Kameraden den Körper als ein Erbe betrachten müsse.
Rach langen Jahren des Kampfes gebe es heule in Deutschland eine Jugend in Einigkeit, deren höchstes Ziel die Gemeinschaft sei. Die HI. sei diesem Erlebnis verschrieben.
Aber bei alledem dürfe die Jugend nicht vergessen, daß die ältere Generation mit ihren Opfern die Voraussetzung für ihr glücklicheres Dasein geschaf- fen habe. Es sei selbstverständlich, daß in der Jugend das Bewußtsein der Ehrfurcht vor her Leistung der Vergangenheit wachbleibt. Mit einem brausenden „Sieg-Heil" auf den Führer schloß der Reichsjugendführer feine Ausführungen.
Die Kapelle fvielte das Lied „Unsere Fahne flattert uns voran , das von den jugendlichen Kämpfern mit Begeisterung mitgesungen wurde. Immer wieder brausten die Heil-Rufe auf, als Baldur von Schirach das Stadion verließ.
Baldur v. Gchirach im Römer.
Frankfurt, 1.Sept.(LPD.)Samstag mittag wurde der Jugendführer des Deutschen Reiches, Baldur von Schirach, im Römer empfangen.
Reichsstatthalter Gauleiter Sprenger
richtete im Vorraum des Römers das Wort an den Reichsjuaendführer und betonte, daß die Ausmaße, die der Gebietsaufmarsch der HI. in Frankfurt auf» wevse, im Vorjahre nicht geahnt worden wären, man habe sie nicht einmal zu erhoffen gewagt. Der Reichsstatthalter erkannte als ganz besondere Leistung an, daß die beiden Zeltlager im Ostpark und im Huthpark ausschließlich aus den Kräften der Jugend selbst geschaffen worden seien.
Auf die Volksabstimmung vom IS. August zu- rückblickend wies der Gauleiter darauf hin, daß die Hitlerjugend, die augenblicklich in Frankfurt marschiere, einmal alle Prozentrechnungen und Spekulationen, die im Ausland an das Wahlergebnis geknüpft worden feien, rücksichtslos vernichten werde.
Die deutsche Jugend, die mit jedem Tage ihres Heranwachsens eines Tages zum Volk werde, werde die letzte Entscheidung dafür aussprechen, daß das deutsche Volk in selbstloser Geschlossenheit nationalsozialistisch denke, handele und fühle.
Im Kaisersaal des Römers entbot
Oberbürgermeister Staatsrat Dr. Krebs
dem Reichsjugendführer den Willkommensgruß der Stadt, die durch ihren reichen Fahnenschmuck ihre Anteilnahme an dem Gebietsaufmarsch der Hitlerjugend zum Ausdruck bringe. Dr. Krebs wies darauf hin, daß gerade in Frankfurt die Zusammenarbeit zwischen NSDAP, und HI. eine vorbildliche sei.
Die HI. habe in ihrer wachsenden politischen Selbständigkeit alle Schranken von Konfessionen, Standesdünkel und anderen volkszersehen- den Mächten hinweggeräumt.
Eine geschichtliche Tat der HI. sei es gewesen, daß sie auch die politischen Schranken durch Verbrennung der ländertrennenden Grenzpfähle beseitigt habe. Frankfurt grüße in diesen Tagen die HI. als die Garanten der deutschen Zukunft.
In seinen Dankesworten hob
Baldur von Schirach
die besondere Bedeutung hervor, die darin liege, daß die deutsche Jugend ihren größten Aufmarsch gerade in der Stadt abwickeln könne, wo der größte Sohn Deutschlands gelebt habe. An ein Goethe- wort anknüpfend wies er darauf hin, daß Ehrfurcht wesentlichste Grundlage jeder Erziehung sei. Dieser Grundsatz finde heute seine Verwirklichung.
Sechs Millionen der Hitlerjugend würden in dieser Ehrfurcht erzogen.
Mit der Entwicklung des von Gebietsführer Kramer geführten HJ.-Gebietes sei er außerordentlich zufrieden. Mit Dankesworten an den Gauleiter, den Oberbürgermeister und die Stadt Frankfurt, daß sie diesen Aufmarsch so tatkräftig gefördert hätten, schloß der Reichsjugendführer seine An- spräche.
Vor dem Verlassen des Römers trug sich Baldur von Schirach in das Goldene Buch der Stadt Frankfurt ein.
Die Kundgebung derFugend.
LPD. Frankfurt a. M., 1. Sept. Der große Aufmarsch der Hitlerjugend Hessen-Nausfaus fand am Samstag abend feinen Höhepunkt mit der Kundgebung der 50 0 0 0 im Stadion.
Es war ein prachtvolles Bild. Zu beiden Seiten des Mittelweges standen die Fahnengruppen des Gebietes. Jrn Licht der Scheinwerfer ein Wall von flammendem Rot. Rechts und links hatten die Oberbanne Aufstellung genommen. Ein riesiger Aufmarsch. Langsam, von jubelnden Heilrufen begrüßt, ging Baldur von Schirach durch den Mittelweg auf die eigens errichtete Rednertribüne zu. An ihrem Fuße wurde ihm Meldung über die angetretenen Formationen erstattet. Dann begann als Auftakt der Kundgebung das Sprechspiel: „Das Reich muß werden!" In Einzelspruch und chorischer Gegenrede, wirkungsvoll musikalisch untermalt eine packende, mitreißende Mahnung.
Dann ergriff, abermals jubelnd und vieltausendstimmig begrüßt, der Reichsjugendführer
Baldur von Schirach
das Wort zu feiner Rede, in der er u. a. ausführte: „Meine Kameraden! Das deutsche Volk hat eine neue Hoffnung bekommen, und ihr seid diese Hoffnung! Ein anderes Deutschland ist erstanden, und ihr seid dieses Deutschland!
Es ist ein langer und schwerer Weg gewesen von jenem 9. November 1923 bis zu diesen Tagen.
Das Bewußtsein der Leistung durch euren Glauben an das Reich und eure Treue zum Führer ist Verpflichtung für euch zu einem Leben anders, als es das Leben anderer Generationen war.
Auch diese Stunde ist der Ausdruck einer neuen Zeit. Ihr habt es alle miterlebt, daß unsere Sehnsucht und unser Wollen auch neue künstlerische Gestalt gewonnen hat. Ausdruck unseres Wesens sind ebenso unsere Fahnen, unsere Kolonnen, un- ser Sozialismus, unsere Einsatzbereitschaft, unsere
„Ziehen die Alten mit den Jungen gemeinsam?" „Wie schnell, wie lang?"
Es gibt einige gute und gemeinverständliche Bücher über das, was die Wissenschaft bislang vom Wunder des Vogelzugs enträtseln konnte; hier sei in kurzen Andeutungen Folgendes gesagt:
Die Wissenschaft neigt zu der Annahme, daß die Vögel ehemals eine Art von Zigeunerleben führten, so planlos im Land umherstreiften, wie es die Kreuzschnäbel, Kernbeißer, Rosenstare und andere immer noch tun. Man vermutet, daß jene früheren Vögel nur solange seßhaft waren, als ihre Brut sie an einen festen Platz zwang. Kaum daß die Mauser überstanden war, flog man in alter Ungebundenheit auf die Suche nach den reichsten und schmackhaftesten Futtergegenden.
Den ersten Anlaß zu großen zusammenhängenden Vogelwanderungen mögen die Eiszeiten gegeben haben. Auf der Erde wechselten damals Ueberfluß und Mangel, Fruchtbarkeit und Oede in gleicher Weise wie Frost und Wärme. Weil die kältestarrenden Gebirge von den meisten Vogelarten umgangen werden mußten, haben sich schon damals die Dogel- zugstraßen herausgebildet.
Durch das zeitweilige Schwinden von Nahrung und Wärme sind also die Vögel gezwungen, im Winter nach Gebieten abzuwandern, die ihren Lebensbedingungen besser entsprechen. Diese Reise erfolgt Heuzutage schon vor dem Versiegen der Futterquellen; sie ist die Auswirkung eines Triebs, dem yn besonderer und Menschen unbekannter Reiz zugrunde liegen muß. Das Wort „I n st i n k t", mit dem der „Herr der Schöpfung" so gern die Unvoll- kommenheit seines Wissens umschleiert, ist hierbei mit größter Vorsicht, am besten gar nicht anzuwenden.
Es lassen sich drei Gruppen von Wanderungen unterscheiden: der Zug, die Wanderung und der Strich. Der Zug erfolgt alljährlich zu bestimmter Zeit und m einer bestimmten Richtung; Wanderungen werden durch besondere Notwendigkeiten hervor- gerufen, und der Strich beschränkt sich auf kürzere Fluge zum Aufsuchen besserer Futterplätze.
Die Wanderstrahen sind hauptsächlich Strom- und Gebirgstäler, die in der Richtung des Zuges liegen. Keineswegs vollzieht sich der Vogelzug stets in gro- ßen Massen; die Blaukehlchen und der Kuckuck zum Beispiel fliegen einzeln, andere paarweise; die Dros- fein, Finken und Lerchen dagegen in Scharen. Die alten Vögel wandern getrennt von den Jungen, und zwar fliegen in allen Fällen die Jungvölker zuerst fort. Häufig konnte man auch eine Trennung der Geschlechter während der Wände- rung beobachten.
Die Schnelligkeit des Fluges wird meist überschätzt. Auf Grund exakter wissenschaftlicher Untersuchungen ist bekannt, daß der Wanderfalke 59 Kilometer Stundengeschwindigkeit hat, der Kreuzschnabel 60, der Star 74. Die Strecken, die manche Vögel ohne Pause zurücklegen müssen, sind ungeheuer; eine nordamerikanische Regenpfeiferart wandert dreitausend Kilometer über Das offene Meer, von Alaska bis Hawai.
Der Zugvogelflug erfolgt aus allen nördlichen Gebieten der Erde in gleicher Weise; dagegen die Winterherbergen in sehr verschiedenen Breitegraden; manchen Vögeln genügt schon ein Aufenthalt in Südeuropa, andere reifen nach Nordafrika, der Kuckuck und die Störche sogar bis nach Südafrika.
Entgegen früherer Annahmen stellten die Flug- zeugpiloten fest, daß die Zugvögel keineswegs hoch im Luftraum reifen; dies stimmt auch mit der Tatsache überein, daß viele von ihnen gegen Telegraphenleitungen stoßen, sich verletzen oder töten. Die meisten Vogelarten ziehen über offenes Gelände, einige allerdings auch durch Wälder; Lauf- vögel machen ganze Teile ihrer Wanderung zu Fuß, Wasservögel schwimmen. Diele Zugvögel reifen nur während Der Nacht; die Krähen und Raubvögel am Tag. Kraniche, Störche, Schnepfen, Gänse, und andere tags und nachts. Daß die Wanderschaft in den unterschiedlichsten Anordnungen erfolgt, in Linien, in Reihen, bald in geordneten, bald in regellosen Haufen, ist allgemein bekannt; aber für den Orlen- herungsfinn der gefieberten Lebewesen haben wir Menschen noch keine gültige Erklärung. Man ver mutet den Sitz dieser fast übersinnlichen Eigenschaft m den ampullenförmigen Bläschen des Gehörgangs- es konnte mit ziemlicher Sicherheit beobachtet roer- den, daß auch die einzelnen Mondphasen und Son- nenfledenperioben, ja selbst Nordlichter Einfluß haben auf den Vogelzug.
Nock eine Frage zum Schluß: Warum kommen die Zugvogel überhaupt wieder aus den südlichen Landern nach Europa zurück? Es gibt dafür eine naheliegende Erklärung, die Tatsache nämlich, daß am Aeguator sommers und winters der Tag gleich- mäßig 12 Stunden lang ist, wogegen in Deutschland oie Vogelmutter während der Sommermonate täg. uch bis xu 18 Stunden auf die Futtersuche gehen kann und das ist bei der hungrigen Brut recht not- wendig.
Doch über diesen äußerlichen Grund steht noch ein k r'^°^erer: in der Seele eines jeden Vogels ux „Heimat" tief und innig eingewur- bas kleine Vogeltier wird von seinem Blut getrieben, dorthin zurückzuwandern, woher es kam, Innern Nest, in dem es ausgebrütet wurde, in sein Vaterland.
Die Heimat des Zußballs.
Die Florentiner sind stolz darauf, daß sie der modernen Menschheit den Fußball gebracht haben, denn wenn auch die allerersten Ursprünge dieses Sports vielleicht im klassischen Griechenland zu suchen sind, so haben doch die Bewohner der Stadt am Arno das Ballspiel durch die dunklen Jahrhunderte des Mittelalters gerettet. Sie führten die Ueberlieferung ihres Nationalsports, des „Calcio", auf die römischen Ahnen zurück, die ihn wieder von den Griechen übernahmen. Von Florenz kam das Spiel nach Frankreich, von dort nach England und dann auch zu uns nach Deutschland. Die feierliche Form, in der das Fußballspiel alljährlich in der Arno-Stadt gepflegt wird, geht auf einen Vorfall aus dem Mittelalter zurück. Als feindliche Truppen Florenz belagerten, hielten die Eingeschlossenen auf dem Platz von Santa Croce Fußballspiele ab, um zu zeigen, daß sie ihren Mut und ihre Zuversicht noch nicht verloren hätten. Der Brauch war dann im 19. Jahrhundert vergessen worden, wurde aber 1898 wieder belebt und ist seitdem zu einem Höhepunkt der Florentiner Festlichkeiten geworden. Der feierliche Zug nimmt von dem Kloster von Santa Maria Novella seinen Ausgang. Edelleute zu Pferde, reichgeschmückte Truppen der Stadt, die Vertreter der Zünfte, die Spieler und der weiße Ochse, der den Siegespreis darftellt, bewegen sich durch die Dia Tornabuoni nach der Piazza della Signoria. In ihren prächtigen Renaissance- Trachten sind diese Gestalten die lebendige Derkörpe- rung der Glanzzeit der Florentiner Geschichte. Auf dem Rathausplatz, auf den Tribünen für die Besucher errichtet sind, marschiert der Zug unter dem Klang der Trompeten und Kesselpauken auf. Der Herold tritt auf das hohe Podium und verliest die Kundmachung, durch die das Spiel eröffnet wird. Die Edelleute, die Vertreter der Zünfte und die Stadtsoldaten nehmen ihre Plätze unter der Loggia und auf den Stufen des Palazzo Vecchio ein. Die Spieler werfen ihre glänzenden Rocke ab und erscheinen in Hemdsärmeln und buntgestreiften kurzen Hofen. Dann beginnt der Kampf zwischen den beiden Parteien, den Weißen und den Grünen, die die beiden Ufer des Arno vertreten. Wenn ein Tor gewonnen ist, erklingen die Trompeten, und ein Kanonenschuß wird abgefeuert. Die Parteien wech- sein die Stellung mit fliegenden Fahnen. Zunächst war das „Calcio" nur ein prächtiger und malerischer Auszug, aber je beliebter das moderne Fußballspiel m Italien wurde, desto ernster gestalteten sich die Kampfe, und heute ist es ein großes Sportereignis, bas eine gewaltige Zufchauermenge anlockt.


