Montag, 3. September 1934
Nr. 205 Zweiter Blatt
Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesien)
S.Jl.-J’port
7a Punkte entschieden...
scheu Rekord, er hatte jedoch ebenso wie Becker (Saarbrücken) gegen die Schweden nichts zu bestellen. Die 4X400-Meter-Staffel wurde eine Beute der Schweden in 3:16,8 Minuten. Deutschland (Hamann, Boigt, Single, Metzner) blieb knapp um 2 Meter geschlagen und hatte den Gesamt-Sieg vergeben.
1900er Werfertriumphe in Fritzlar.
JeisterschastssußbalbAuftaktinderGaulW
ge-
Gtädte-Achter — Abrudern.
der
Meter-Hindernislauf blieben erwartungs-, sucherzayL nur 1200.
In Bayern.
Der Meisterschaftsauftakt im Gau Bayern ver-
nach wäre ein Unentschieden von 1:1 gerechter wesen. Zur Halbzeit stand das Spiel 0:0.
gemäß die beiden Schweden Larsson und Ekman vor den Deutschen Dompert und Göhrt in Front.
galt den Kampf um den Städteachter auszutragen, außerdem offiziell abzurudern und damit die Rudersaison zu beenden. Zunächst gingen die Boote sämtlicher drei Gießener Vereine auf das Wasser. Die Mannschaften ruderten dann etwa 1500 Meter die übersichtliche Lahnstrecke hinauf und kamen dann in schöner Ordnung wieder herab. Es war eine stattliche Anzahl von Booten, die die drei Vereine (Gießener Rudergesellschaft 1877, Ruderklub Hassia Gießen und Verein Rudersport 1913) auf das
allen Spielen gab es die erwarteten Resultate. Die Vereine — und besonders die „großen" — wissen eben, um was es geht und lgfsen sich deshalb auf keinerlei Experimente ein, sondern packen jeden Kampf mit vollem Ernst an. Der Meister der vorigen Saison, der 1. FC. Nürnberg, ließ sich von dem Neuling Spvgg. Weiden im „Zabo" nicht viel vormachen. Die Oberpfälzer mußten sich mit 5:1 klar geschlagen bekennen, nachdem sie allerdings bis zur Halbzeit das Ergebnis auf 1:1 halten konnten. Im Münchener Doppelspiel gab es zwei einheimische Siege. 1860 fertigte den ASV. Nürnberg mit 2:0 ab, und Wacker gab dem Neuling BC. Augsburg etwas glücklich mit 3:2 das Nachsehen. Der Regensburger Großkampf zwischen „Jahn" und Bayern" endete mit einem gerechten 2:2 unentschieden. Schwaben Augsburg landete einen knappen 4:3= Sieg über den gefürchteten FC. Schweinfurt 05.
Gp.-Ag. 1900 - Sv 05 Wetzlar 1:2
Der gestern auf dem Platz an der Liebigshöhe ausgetragene Freundschaftskampf zwischen den Ligamannschaften der Spieloereinigung 1900 und des Sportvereins Wetzlar nahm einen sehr anregenden Verlauf. Man sah ein schönes und sehr fair ausgetragenes Spiel, das die etwas besseren Wetzlarer mit 1:2 als Sieger sah. Dem Spielverlauf
mit 1.0 (1:0) über die Saarbrücker Sportfreunde, und auch in den übrigen Spielen des Tages gab es nur knappe Ergebnisse. Phönix Ludwigshafen schlug den FSV. Frankfurt mit 3:1 (2:0). Leider gab es hier drei Platzverweise, ein unschöner Auftakt zur neuen Spielzeit. Die beiden Gauliga-Neulinge hielten sich sehr gut. Union Niederrad schlug die Wormser Wormatia mit 3:2 (2:2), und Saar 05 Saarbrücken rang der Neunkirchener Borussia mit 1:1 (0:1) in Saarbrücken einen wertvollen Punkt ab. Die Besucherzahlen des ersten Sonntags waren
Unterfeldwebel Gugel (1. 15) wirft 45,80 Meter (!), A. Kilo 43,90 Meter Diskus!
Die beiden 1900er Werfer Unterfeldwebel O. Gugel (1.15) und A. Kilo scheinen endlich ihre Form gefunden zu haben. Bei den gestern stattgehabten Nationalen Wettkämpfen des T. u. Spv. Fritzlar — eines alten Leichtathletikpioniers — warteten sie jedenfalls mit Leistungen auf, die alle Erwartungen übertrafen. Insbesondere war Unterfeldwebel Gugel in ausgezeichneter Verfassung. Nachdem er bereits im Vorkampf die Scheibe 45,80 Meter weit geworfen hatte, stand sein Sieg so gut wie fest. Allerdings gab sein Vereinskamerad Kilo die Sache nicht verloren, sondern kam ihm im Endkampf auf 43,90 Meter nahe. Dritter im Diskuswettbewerb wurde Altmeister Junghenn (Kassel) mit der ebenfalls ansprechenden Weite von 40,50 Meter. Das Kugelstoßen sah die 1900er Farben ebenfalls in Front. Gugel war auch hier wieder bestens aufgelegt und sicherte sich den Sieg mit 14,40 Meter. Die beiden Nächstplacierten (darunter v. Hofe, Kassel) blieben über 1,20 Meter zurück. A. Kilo wurde hier Vierter mit 12,49 Meter.
deutsche Meister Scheele (Altona) ein hervorragendes Rennen und siegte in 54,2 Sekunden vor den Schweden Dahlgren und Lundgren, während Kopp (Wiesbaden) disqualifiziert wurde. Im 100-Me- te r-Lauf behielt anschließend Borchmeyer in 10,7 die Oberhand vor Hornberger (10,9). Im Dreisprung blieben dagegen die beiden Schweden Svensjon und Holmberg mit 14,68 bzw. 14,56 Meter in Front. Gottlieb (Landau) sprang 13,88
Deutschen Schaumburg und Paul. Mit 49,97 Meter holte sich anschließend der schwedische Weltrekordmann Andersson den Diskuswurf vor Weltrekordmann Sievert (Hamburg) mit 48,23 Meter. Karlfson (Schweden) wurde Dritter vor dem Deutschen Meyer. Irn Stabhoch svru na gab es gleich drei erste Preisträger. Der Schwede Ljung- bera sowie die Deutschen Wegner und Müller er- reicyten je 3,90 Meter. Zu einem neuen Erfolge kam der deutsche Meister Syring (Wittenberg) im 10000-Met er-Lauf, den er sicher in 31:42,8 vor dem Schweden Magnusen, dem Berliner Bree und G. Andersson gewann. Nach dieser Uebung führte Deutschland noch mit 96% : 89% P., in den beiden folgenden Konkurrenzen kamen jedoch die Schweden zu ganz überlegenen Erfolgen und damit zum Endsiege.
Im Hammerwerfen kamen die beiden Schweden auf die ersten Plätze. Seeger (Oßweil) schaffte zwar mit 49,16 Meter einen neuen deut-
Auf der Lahn herrschte gestern zum Abschluß Gießener Rudersaison noch einmal Hochbetrieb. Es
Deutschland verlor den Leichtathletik-Länderkampf gegen Schweden mit 101%: 100% Punkten.
Der erste Tag.
Am ersten Tage des Leichtathletik-Länderkampfes Deutschland—Schweden hatten sich im Stockholmer Stadion trotz des trüben Wetters nahezu 12 000 Zuschauer eingefunden. Die deutsche Mannschaft trat in einer ganz vorzüglichen Form an und erlangte bereits am ersten Tage eine Führung von 50:38 Punkten. Von den Deutschen erreichten Metzner, Leichum und Syring im 400-Meter-Lauf, Weitsprung und 5000-Meter-Lauf sogar Jahres- b e st l e i st u n g e n. Neben zwei schwedischen Erfolgen brachte der Eröffnungstag nicht weniger als sechs deutsche Siege, die in einigen Fällen überraschend kommen und daher doppelt freudig ausgenommen werden können, lieber 2 0 0 Meter siegte Borchmeyer in 21,8 vor Schein-Hamburg und den Schweden Strandberg und Erikson. Im 110- Meter-Hürdenlauf triumphierte anschließend der Schwede Sten Petterson in 14.9 vor Wegener- Berlin (14,9), Lidman-Schweden und Welscher. Einen schwedischen Doppelsieg gab es über 800 Meter. Erik Ny lief hier ein schönes Rennen und gewann in der neuen schwedischen Rekordzeit von 1:50,4 vor seinem Landsmann Wenn»' berg, König-Hamburg und Dr. Dessecker-Stuttgart, der in der ersten Runde zu Fall gekommen war. Den Hochsprung ließen sich die Deutschen Wein- kötz und Martens mit je 1,91 Meter nicht entgehen und über 5000 Meter lief Syring mit 14:54,4 Jahresbestzeit heraus. Im Weitsprung behielten Leichum (7,65) und Lang (7,49) die Oberhand. Leichum erreichte dabei den deutschen Rekord Songs. Der Frankfurter Metzner stellte über 400 Meter mit 47,9 ebenfalls als Sieger neue Jahresbestzeit auf.
D e Entsche^una des Sonniaes.
Die beispiellose Erfolgsreihe der deutschen Leichtathletik-Mannschaft erlitt am Sonntag im Stockholmer Stadion im Kampfe gegen Schweden eine Unterbrechung. Die Nordländer, die noch am ersten Tage mit 38:50 Punkten im Nachteil gelegen hatten, holten sich am Sonntag allein sieben von den 11 Konkurrenzen und kamen dadurch zu einem überaus knappen Sieg mit 101% : 100% Punkten. Die anwesenden 20 000 Zuschauer, unter denen man auch das schwedische Kronprinzenpaar bemerkte,
Der Schwede Erik Ny war über 1 500 Meter Der Meisterschaftsauftakt im Gau Bayern vernicht zu schlagen, er gewann glatt vor den beiden lief in diesem Jahre ohne jede Ueberraschung. In
Meter und Sälzer (Hamm) sogar nur 13,63 Meter. ....
Den Speerwurf gewann Ättervall (Schweden) noch recht gering. In den drei Spielen in Offenbach, mit 66,14 Meter vor dem deutschen Meister Wei- Niederrad und Saarbrücken waren je 3000 Zumann (65,57) und Stöck (64,50 Meter). Im 3 000- schauer anwesend, in Ludwigshafen betrug die Be-
Nordhessens Neulinge geschlagen.
In der Gruppe Nvrdhessen standen am ersten Sonntag der Meisterschaftsspiele nur zwei Begegnungen auf dem Programm. In beiden Treffen traten die beiden Gauliga-Neulinge auf den Plan und mußten Niederlagen einstecken. Germania Fulda empfing auf eigenem Platze Hessen Hersfeld und mußte sich nach eindrucksvollem Spiel der Hersfelder mit 0:2 geschlagen bekennen. Ausschlaggebend für den Sieg der Gäste war vor allem die große Schnelligkeit.
Eine noch empfindlichere Niederlage mußte die SpVgg. Langenselbold gegen Spieloerein Kassel einstecken. In einem flotten Kampf, in dem Langenselbold nur während der ersten Halbzeit einigen Widerstand aufbrachte, landeten die Kasselaner einen einwandfreien 6:l-(3:l-)Sieg. Bei Langenselbold machte sich die mangelnde Wettkampferfahrung stark bemerkbar.
Sier Gv'ele sm Äau Güdwest.
Mit vier Spielen begann am Sonntag der Gau
waren natürlich von den Leistungen ihrer Mann- , ~
schäft begeistert, spendeten aber auch den erfolg- Südwest die neue Spielzeit. Der Gaumeister, reichen deutschen Athleten starken Beifall. ! Kickers Offenbach, errang_nur einen knappen Sieg
Im 4 0 0 - Meter - Hürdenlauf lief der
Nürnberg
Von Wilhelm Kunze
eine Zeitlang alles zu verdanken hatte.
Reichsstadt wahren.
Nürnberg ist immer eine
gibt kaum ein
Stadt gewesen, uiC um ovuipn» y*-*i*— — Partnern verhandelte und wetteiferte; ihre Kultur hat sie aus dem Boden des Volkstums selbst geschöpft. Das Patriziat war sich mit dem ehrbaren Handwerk eins in der Liebe, eins in der Tatkraft, eins in dem aufrechten vaterländischen Sinn. Es
Die eigentliche Entwicklung der Stadt geschah vom 13. ins 16. Jahrhundert. Sie fing an, neben der Blüte des Handwerks die des Handels und der Kunst zu entfalten. Handwerk und Kunst gingen
Im Hintergrund der Betriebsamkeit und Emsigkeit eines neuzeitlichen Geschäftslebens schlummert heute die Vergangenheit dieser Stadt wie in einem tiefen märchenhaften Schlaf, aus dem einzig die großartigen Baudenkmale in den Tag hineinragen. Der in ihr und mit ihr lebende Mensch des 20. Jahrhunderts hat oftmals die Empfindung, als müßte die fast ein Jahrtausend alte Geschichte Nürnbergs aus ihrem Zauberschlaf erweckt werden; sie tritt ihm bisweilen in spinxischen Rätseln entgegen; sie steht vor ihm als etwas unerhört Großes, das in nahezu allen feinen Teilen erst noch der Entdeckung und Deutung harrt, und es sind in dieser Stadt vermutlich immer Kräfte am Werk gewesen, die einzig dem mit einem auf das Mythische lauschenden Sinn Begabten offenbar werden.
Auch vor hundert Jahren hat Nürnberg wie ehedem im Mittelalter im Brennpunkt des allgemei
nen Interesses gestanden. Damals wanderten Ludwig Ti eck und Wilhelm Heinrich Wackenroder, die Sänger der Romantik, durch die Straßen und Gassen der Stadt, und Wackenroder schrieb: „Nürnberg, du vormals weltberühmte Ltadt! Wie gerne durchwanderte ich deine krummen Gassen; mit
Was die heutige Handels- und Industriestadt Nürnberg in den Ruf eines „Schatzkästleins des Deutschen Reiches" gebracht hat, verdankt sie teils ihrer baulichen, teils ihrer kulturellen Tradition, die in eben die Zeit zurückgeht, da Regiomontan, Luther und Ulrich von Hutten lebten. Es war eine Zeit, die ähnlich der unseren eine Zeitwende gewesen ist, da zu Nürnberg die großen Geister wirkten, deren Namen in die deutsche Kulturgeschichte Eingang gesunden haben, Gelehrte, Dichter und Künstler: Albrecht Dürer, Willibald Pirckheimer, Hans Sachs, Adam Kraft, Peter Vischer und viele andere. Damals stand die Stadt durch große Männer in engster Verbindung mit der geistigen Bewegung, die für Jahrhunderte Geltung gewinnen sollte. Damals war ihr großartiger Bürgersinn zur schönsten Blüte gediehen und konnte ihr durch Jahrhunderte den stolzen Charakter einer freien
gibt kaum ein besser geglücktes Bild dieses Zustandes als Richard Wagners „Meistersinger von Nürnberg", wo uns Gedanke und Wesen der Meisterschaft im alten ursprünglichen Sinne so beispielhaft nahegerückt werden. Meisterschaft hieß hier auch: Meisterung des alltäglichen Lebens — und der praktische Sinn der Nürnberger hat sich bis in unsere Tage erhalten.
i welcher kindlichen Liede betrachtete ich deine alt- uiiuiiec eilte ausgesprochene freie väterischen Häuser und Kirchen denen die feste die mit Kaifern und Fürsten als ; Spur von unserer alten vaterländischen Kunst e:n-
—ttv.cAvif ihr» gebrücft ist!" Und heute wie vor hundert Jahren
stehen diese altväterischen Häuser und Kirchen noch auf denselben Straßen und Plätzen, über die der ungemein lebhafte Großstadtverkehr dahmsttebt.
Die alte, geschichtlich so inhaltsreiche Kaiserburg erhebt sich über der Stadt, über Kirchen und Brunnen, über alten Sandsteinhäusern und Fachwerkbauten über dem Renaissance-Rathaus und dem Fachwerkhaus Albrecht Dürers. Die beiden großen Kirchen enthalten Kunstwerke Peter Vischers, Adam Krafts und Veit Stoßens. Das Germanische Na- tional-Museum enthält in reichhaltigen Sammlungen die Denkmäler deutscher Geschichte, deutscher Kultur und deutschen Volkstums. Stattliche Bürgerhäuser mit ihren schmucken Jnnenräumen und Höfen sprechen für die geschmackvolle Baukunst der . Altvordern, und so deutet jedes einzelne Bau- und
vielfach zusammen, sei es, daß noch manches Handwerk ein künstlerisches Empfinden voraussetzte, sei „ ... w.n/5l . , es, daß mancher neben seinem Beruf noch der Kunst
Ium^elchöpartettag vom4 vis 9 September p^egte Nach der anderen Seite hin entwickelte sich aus dem Handwerk die Industrie. Gehörten manche, wie die Goldschmiede, schon mehr zur Kunst, so be= Als Regiomontan, der größte Mathemati- stimmte andere der Charakter ihres Berufes, wie ker und Astronom feiner Zeit, im Jahre 1471 sich die Tuchwalker, schon für die Industrie. Auch ent- in Nürnberg ansässig machte, tat er es aus dem stand durch eben die letzten und verwandten Ge- Grunde, weil er sich, wie er selbst sagte, in Nürn- biete ein lebhafter Handel, worunter der Manu- berg „gewissermaßen im Zentrum Europas" befand: J fakturhandel sich so ausbreitete, daß ihm die Stadt denn die Nürnberger Kaufleute unterhielten nach ! allen Richtungen des Kontinents ihre Handelsverbindungen. Nur wenig später nannte Luther diese | Stadt „das Auge und Ohr Deutschlands", und Ulrich von Hutten zitierte das venezianische Sprichwort „Alle Städte in Deutschland seien blind, allein Nürnberg sehe auf einem Auge".
Kunstdenkmal, jedes Glasfenster in einer der Kirchen, jede Madonna an einem der alten Häuser, immer nur auf die hohe und tragfähige Kultur derer, die vor uns waren.
Sie haben Nürnberg zu dem gemacht, was die Stadt heute noch ist: ein „S ch a tz k ä st l e i n des Deutschen Reiche s". Aber sie haben der Stadt auch jene Dvppelgesichtigkeit verliehen, die sie heute noch kennzeichnet. Es ist charaktristisch, daß dieses Nürnberg mit seinen dauerhaften klaren Bauten im Mittelalter zugleich den ganzen mittelalterlichen Drang zum Unerklärbaren beherbergte; wie es charakteristisch ist, daß der überaus realistische Maler Albrecht Dürer zugleich der Urheber eines so rätselhaften Blattes war, wie es der Stich „Melancholie" ist. Nürnberg mit feinen korrekt gezogenen und korrekt gewinkelten Straßen und Gassen beherbergt eine zweite, unzugängliche Stadt unter sich: zahlreiche, heute noch kaum enträtselte „unterirdische Gänge" durchziehen die Stadt in verschiedenen Rich» tungen. Und um das Doppelantlitz zu vollenden: gerade auf den verkehrsreichsten, betriebsamsten Platz der Stadt, auf den Marktplatz — der heute zu Ehren des Führers „Adolf-Hitler-Platz" genannt ist — haben die Alten den „Schönen Brunnen" gestellt, dieses geheimnisreiche Kunstwerk von überragender geistiger Bedeutung.
Nur in der Nacht steigt manchmal die verträumte Vergangenheit aus der Tiefe herauf und liegt mit dem Mondschein auf den alten Giebeln und Erkern, Türmen, Brücken und Brunnen der still gewordenen Stadt. Die große Geschichte der Stadt, die mit der Geschichte des Deutschen Reiches so eng verknüpft ist, hebt alles, was ist, in ihr mildes Licht und läßt auch die Gegenwart groß erstrahlen.
3eiffd)riffen.
— Der 1000jährige Geburtstag des persischen Nationaldichters Firdusi, der in seinem Heimatland festlich begangen wird, ist für die I 11ustrirte Zeitung (I. I. Weber, Leipzig) Anlaß gewesen, dem Lande Persien, seiner Kultur und Wirtschaft eine Sondernummer zu widmen. Die Kunst, in der sich die große und reiche Vergangenheit des alten Landes ausdrückt, nimmt einen großen Raum des Heftes ein. Der Direktor der Staatlichen Museen, Berlin, Dr. Kühnel, weiß in seinem Beitrag „Persien in der Kunst" viel Interessantes über die Geschichte zu sagen. „Firdusi und das persische Nationalepos", ein Beitrag des Berliner Professors Dr. Schaeder, berichtet über Gestalt und Wirken des großen Dichters. Auch dem modernen Persien unter der Führung seines zielbewußten Herrschers werden Artikel und Bilder aus den verschiedensten Gebieten gerecht.
Wasser bringen konnten. Auch die Damen beteiligten sich. Ein schönes Bild bot der Abschluß der Ausfahrt, die mit vier Achtern würdig beendet wurde. Im Anschluß daran wurde der Städteachter aus- getragen, an dem sich in diesem Jahre die Wetzlarer Mannschaft leider wieder nicht beteiligen konnte. So mußte die Entscheidung zwischen den beiden Booten der Gießener Rudergesellschaft und der Renngemeinschaft Gießen (Verein Rudersport und GRG.) fallen. Der Ausgang war vorauszu- fehen; die Mannschaft der GRG. gewann den Kampf und setzte sich damit für ein weiteres Jahr in den Besitz der von den Städten Gießen und Wetzlar gestifteten Trophäe.
Ergebnisse des Zubiläumsschießens in Laubach.
Nachstehend bringen wir die inzwischen ermittelten weiteren Ergebnisse des dieser Tage stattgefundenen 6 0. Jubiläumsschießens des Schützenvereins Laubach, verbunden mit einem Freundschaftsfchießen der dem seitherigen Bezirks-Schützen-Verband Hessen-Nassau angehörigen Vereine.
Feldmeisterscheibe (300 Meter): 1.0. Müller (Siegen) 50 Ringe; 2. W. Ruppertsberg (Marburg) 47 R.; 3. I. Reiffenrath (Neunkirchen) 43 R.; 4. A. Manegvld (Marburg) 42 R.; 5. I. Buchhammer (Alsfeld); 6. O. Dula (Marburg) 41 R.; 7. H. Appel (Gießen); 8. A. Vogt (Laasphe); 9. F. Kalkbrenner (Alsfeld) 39 R.
B. Standmeisterscheibe (175): 1. G. Hill (Alsfeld) 55 R.; 2. H. Sauer (Gießen) 54 R.; 3. H. Appel (Gießen) 52 R.; 4. Chr. Tag (Bad Homburg; 5. A. Manegold (Marburg); 6. *£). Müller (Siegen) 51 R.; 7. W. Ruppertsberg (Marburg) 50 R.; 8. H. Buchhammer (Alsfeld); 9. I. Elmshäuser (Marburg) 49 R.; 10.0. Dula (Marburg); 11. A. Fricke (Butzbach) 48 R.; 12. H. Becher (Betzdorf); 13. K. Neumann (Schotten); 14. F. Kalkbrenner (Alsfeld) 47 R.; 15. H. Dula (Marburg).
C. Lorenz-Gewehr-Mei st erscheibe (175 Meter): 1. O. Müller (Siegen) 52 R.; 2. A. Manegold (Marburg) 49 R.; 3. H. Vetter (Marburg) 46 R.; 4. W. Vetter (Marburg).
D. Auflage-Mei st erscheibe (100 Meter): 1. F. Kaiser (Nieder-Fischbach) 36 R.; 2. O. Müller (Siegen) 35 R.; 3. K. Biedermann (Alsfeld); 4. I. Wießler (Butzbach); 5. F. Kalkbrenner (Alsfeld); 6. H. Heinen (Wetzlar) 34 R.; 7. H. Neumann (Schotten); 8. I. Buchhammer (Alsfeld) 9. H. Becher (Betzdorf); 10. H. Sauer (Gießen); 11. I. Reiffenrath (Neunkirchen); 12. O. Dula (Marburg); 13. Dr. Roßbach (Laubach); 14. H. Müller (Schotten); 15. G. Thoms (Wallau); 16. H. Ermert (Herdorf); 17. H. Vetter (Marburg); 18. O. Högy (Laubach) 33 R.; 19. H. Griebel (Marburg); 20. A. Morgenschweiß (Kirchen-Wehbach); 21. G. Hill (Alsfeld), 22. W. Georg (Gießen); 23. K. Pitz (Lau- bgch); 24. Dingeldey (Alsfeld); 25. K. Balser (Wallau); 26. W. Stauf (Siegen).
B. G l ü ck s ch e i b e (100 Meter): 1. K. Pitz (Lau- bach) 0,5 Teiler; 2. K. Becker (Laubach) 5,3 T.; 3. G. Hill (Alsfeld) 5,5 T.; 4. Se. Erl. Graf Georg Friedrich zu Solms-Laubach 5,8 T.; 5. K. Becker (Laubach) 6,4 T.; 7. Arnold Enders (Laubach) 8,0 T.; 8. Fritz Rühl (Laubach) 9,2 T.; 9. K. Pitz (Laubach); 10. derselbe; 11. H. Elmsberger (Biedenkopf) 11,8 T.; 12. A. Enders (Laubach) 12,1 T.; 13. W. Kreicker (Laubach) 12,3 T.; 14. Ed. Göbel II. (Laubach) 12.5 T.; 15. H Bucbhammer (Alsfeld) 113,0 T.; 16. A. Rudersdorf (Haiger) 14,0 T.; 17. H. Elmsberger (Biedenkopf) 14,1 T.; 18. E. Rubl (Laubach); 19. A. Enders (Laubach) 14,4 T.; 20. K. Schlörb (Lauter) 14,5 T.
F. Auflage-Punkttabellen (100 Meter): 1. H. Müller (Schotten) 30 Punkte; 2. H. Kriebel (Marburg) 26 P.; 3. I. Reiffenrath (Neunkirchen); 4. O. Högy (Laubach) 25 P.; 5. H. Sauer (Gießen).
G. Wildstand (laufender Keiler, 60 Meter): 1. H. Heinen (Wetzlar) 34 R.; 2. E. Högy (Lau-
Deutsche Bauern in einem Land des Ueberfluffes.
Das heutige Groß-Rumänien mit seinem bunt zusammengewürfelten Rassengemisch ist ein Land der Gegensätze genannt worden, und wie es hier sehr arme Gebiete gibt, so gibt es auch ein Land des Ueberflusses. Das ist Bessarabien. Die Deutschen haben in dieser Ecke Rumäniens mehr Freiheiten, als ihnen sonst in der Fremde gelassen wird; mit großer Tapferkeit haben sie gegen den Ansturm des Bolschewismus gekämpft und man räumt ihnen dafür auch Stellungen bei Post und Eisenbahn sowie im staatlichen Schuldienst ein. Otto S ch n e l l b a ch, der in der „Deutschen Arbeit" von den deutschen Bauern Bessarabiens erzählt, berichtet, daß zehn Stück Eier dort 20 Pfennige kosten und die Hühner nur paarweise gehandelt werden. Alles ist im Ueberfluß, und alles steht im Anfang. Das i Ackerland ist Schwarzerde und trägt noch immer Frucht, obwohl man seit 100 Jahren einen unerhörten Raubbau treibt. Da man keine Brache und keine Düngung kennt, sondern den prächtigen Mist für die Heizung im Winter verwendet, sind die Ernten in Bessarabien trotz des guten Bodens geringer als in anderen Teilen Rumäniens. Auch mit der Feldbestellung macht man sich nicht viel Mühe; man pflügt mit guten, meist deutschen Geräten, aber man arbeitet nicht tief. Da man dem lieben Gott so gern die Sorge um das Feld überläßt, so hofft man auch auf reichlichen Regen. Regnet es einmal nicht genug, dann gibt es nicht etwa eine schlechte Ernte, sondern eine vollkommene Mißernte, und dann geraten Mensch und Vieh in diesem reichen Lande in große Not. Wenn nach dem Getreide Mais und Wein geerntet sind, dann kommt der harte russische Winter, in dem der Bauer nichts tut. Die Deutschen haben prachtvolle schnelle Pferde, die sich sehr vorteilhaft von den kleinen Panjepferden der Russen und Bulgaren unterscheiden. Aber auf zehn Pferde kommen nur etwa vier Stück Rindvieh, denn die Weide ist schlecht und Futter wird nicht angebaut. Großes Interesse herrscht für die Soja-Bohne, die in dem warmen Klima gedeiht, ohne daß man den Boden besonders vorbereiten müßte. Man wußte zunächst nicht viel mit der Bohne anzufangen, jetzt aber hoffte man, daß Deutschland die Soja-Bohne in größeren Mengen abnehmen wird. Die schwäbischen Bauern, die die Fortschrittlichen im Lande sind, und die auch die Vorkämpfer für die Verwendung deutscher Geräte und Werkzeuge waren, gehen zunächst zu dem Anbau der neuen Frucht über, und werden so in noch engere wirtschaftliche Verbindung mit der alten Heimat kommen. Erhält das Land brauchbare Landstraßen und neue Eisenbahnlinien, dann kann es einen gewaltigen Aufschwung erleben.


