Nr. 205 Erstes Blatt
184. Jahrgang
Montag, 3. September 1934
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Das Problem der Tropen.
Don E. von Ungern-Siernberg
Es hat bisher als ein allgemeingültiger Grundsatz gegolten, daß die tropischen Teile unseres Erdballs von der weißen Rasse aus physiologischen und medizinischen Ursachen nicht besiedelt werden könnten. Der Weiße, hieß es, sei bestenfalls in der Lage, unter Wahrung gewisser Vorsichtsmaßnahmen als Angestellter oder Plantagenbesitzer eine Reihe von Jahren in den Tropen zu verbringen, ohne seiner Gesundheit zu schaden; zur physischen Arbeit aber sei er unfähig, und seine Nachkommen seien bereits in der zweiten oder dritten Generation dem Untergang geweiht oder entartet. Vor etwa fünfzig Jahren, als die Wissenschaft noch nicht den gelben Tod zu bekämpfen verstand und selbst das Anlaufen der Dampfer in den großen Häfen Südamerikas, wie z. B. in Santos, mit Gefahren verbunden war, als die Hamburg-Südame- rikanische Dampsschiffahrts - Gesellschaft dort noch Fieberhospitäler für Mannschaften und Passagiere unterhalten mußte, mochte diese Annahme unwidersprochen bleiben. Der weiße Mann der gemäßigten Zone verstand es nicht, sich dem tropischen Klima anzupassen. Er wollte es im übrigen auch gar nicht: er ging dorthin mit dem Bewußtsein eines Herrenmenschen, dem die Arbeitskraft der Eingeborenen zur Verfügung stand, der unter möglichst vorteilhaften Bedingungen sein europäisches Leben fortsetzen wollte. Der Strom der Auswanderer ergoß sich hauptsächlich in Länder mit gemäßigtem Klima, nach den Vereinigten Staaten von Nordamerika, nach Südbrasilien, Argentinien, Südchile usw. Die Länder der Tropen aber blieben zwangsläufig der Masseneinwanderung verschlossen.
Seitdem nun die von der weißen Rasse bewohnten Länder der Erdkugel für die anwachsende Bevölkerungszahl eng zu werden begonnen haben und der Bevölkerungsüberschuß nach einem neuen Leerraum drängt, ist das Problem der Erschließung der Tropen und die Beschaffung von Lebensbedingungen für den weißen Mann wieder in den Vordergrund der Betrachtungen getreten. Die Frage ist für Australien von ganz besonderer Bedeutung, das den fünften Kontinent der vordrängen- den gelben Rasse verschließen und „w e i ß" erhalten will. Man darf sagen, daß Australien mit seinen nur 6,5 Millionen Einwohnern, von denen etwa fünf Sechstel in den Städten wohnen, e i n Raum ohne Volk ist. Namentlich der tropische, teilweise sehr fruchtbare Norden ist gänzlich unbevölkert. Der Vizekanzler der Universität Melbourne, Sir James Barret, hat kürzlich nach eingehendem Studium eine Arbeit veröffentlicht, in der er das Vorurteil der Unbewohnbarkeit der Tropen für die weiße Rasse bekämpft. Er führt als Beispiel Queensland an, in dem sich nun b e - reits durch drei Generationen eine rein weiße Bevölkerung vortrefflich dem rein tropischen Klima angepaßt habe und in der Lage sei, physische Arbeit zu leisten, ohne daß ihre Gesundheit darunter litte. Allerdings beträgt die Gesamtbevölkerung dieses Gebietes von einer halben Million Ouadratmeilen nur 169 770 Einwohner, aber seit dem Jahre 1923 hat sich die Bevölkerungszahl um 29 000 allein durch Geburtenzuwachs vermehrt. Die Körperbeschaffenheit der Männer aus dem tropischen Queensland, die als Soldaten den Weltkrieg mitmachten, ist ausgezeichnet. Der von den Physiologen angeführte Grund gegen die Besiedlung der Tropen durch Weiße, daß der Farbige dem Weißen dort überlegen sei und bessere Arbeit leisten könne, dürfe nicht verallgemeinert werden. Nur beweise der Farbige durch die Art, sich zu kleiden und durch seine Lebensgewohnheiten größere Klugheit. So lege er z. B. bei physischer Arbeit meistens seine Kleidung ab und führe dadurch eine bessere Regulierung der Körpertemperatur herbei.
Depression und Weltwirtschaftskrise haben Tausende und Abertausende von Weißen, die bisher tm tropischen Ni e d e r l ä n d i s ch - I n d i e n und auf den Inseln des Pazifik ein Herrendasein führten, hohe Gehälter bezogen und Reichtümer an- fammeln konnten, vollständig entwurzelt. Regierung und Plantagenunternehmer sahen sich gezwungen, die teuren weißen Kräfte durch schlecht bezahlte Eingeborene zu ersetzen, und so ist denn allmählich ein weißes Proletariat entstanden, das endgültig bei den Farbigen den Nym- bus des mächtigen und unantastbaren weißen „Tuan" vernichtet hat. Unter diesen ruinierten Weißen befindet sich mancher früher wohlhabende Händler oder Pflanzer, der nicht mehr in der Lage ist, seinen Wohnort zu verlassen, weil er keine Mittel mehr dazu hat. Viele dieser Unglücklichen verschwinden aus dem Gesichtskreis der anderen Europäer, um ein Asyl im Busch zu suchen, und niemand weiß, wie sie existieren und ob sie überhaupt noch leben. In Neu-Guinea, in den Neuen Hebriden und in den anliegenden Inselgruppen gibt es heute Briten, Franzosen und Holländer, die alles verloren haben. Ihr Geschäft ist kaputt und ihr Anwesen verschuldet. Es fehlt ihnen das Geld zur Heimreise; ihre Lebenskraft ist untergraben, und nun lungern sie an den tropischen Gestaden herum. Es ist ein ungemein akutes Problem, einen Ausweg für diese Menschen zu schaffen. Wollte man sie heimbefördern, — sie würden sich kaum wieder als nützliche Mitglieder der europäischen Gemeinschaft ein'gliedern. Aber ihre langen Tropenerfahrungen könnten sie befähigen, als Pioniere in tropischen Siedlungsgebieten zu wirken, sofern von staats- wegen die notwendigen wirtschaftlichen und hygienischen Vorbedingungen geschaffen werden könnten. Die Südsee ist entzaubert. Der Besucher jener paradiesischen Inseln, die man in Europa in Filmen zu sehen bekommt, stößt heute überall auf eine -große Zahl von armen, heruntergekommenen Weißen, die schon lange ihren Rassestolz eingebüßt haben, sich leicht als Handlanger der kammunisti-
Amerika vor einem neuen Riesenstreik.
Rund eine Million Textilarbeiter in den Ausstand getreten. — Man befürchtet Ausschreitungen als Folge kommunistischer Heharbeit.
Washington, 3. Sept. (DNB.-Funkspruch.) In der Nacht zum Sonntag begann der größte Streik, der jemals von dem amerikanischen Gewerkschaftsbund ins Werk gesetzt worden ist. A n - nähernd eine Million Ange st eilte der Baumwoll-, Woll- und Kunstseiden- i n d u st r i e dürfte die Arbeit e i n g e st e l l t haben. Da der heutige Montag ein nationaler Feiertag ist, wird es erst am Dienstag möglich sein, sich ein klares Bild davon zu machen, in welchem Umfang in den einzelnen Staaten die Arbeit ruht. Die Streikführer erklären, daß eine Million Textilarbeiter Streikbefehl erhalten hätten. Andere Schätzungen dagegen besagen, daß es sich nur um 660 000 Arbeiter handelt, nämlich um 407 000 Baumwollarbeiter, 150 000 Seiden- und Kunstseidenarbeiter und 130 000 Wollarbeiter, die in 2781 Fabriken beschäftigt seien. Im Süden der Vereinigten Staaten wird der heutige Arbeitsfeiertag nicht allgemein innegehalten und infolgedessen wird sich bereits ein Eindruck gewinnen lassen, wie weit die Behauptung der Arbeitgeber zutrefft, daß die M e hrzahl der Angestellten gegen den Aus st and sei. Der Präsident des Baumwolltextilinstitutes, Sloan, hat am Samstag erklärt, die Arbeiterschaft von 12 Fabriken im Süden habe mit überwältigender Mehrheit gegen die Befolgung des Streikbefehls gestimmt. Befürchtungen, daß es zu Zusammenstößen zwischen Streikenden und Arbeitswilligen kommen könnte, werden allgemein geäußert.
Die Arbeiterführer im Süden erklären, sie seien entschlossen, durchzuhalten und glaubten, daß die Arbeitgeber sich gezwungen sehen würden, die von den Arbeitern gestellten Bedingungen anzunehmen. Die Forderungen der Textilarbeiter lauten wie folgt:
1. Sechsstündiger Arbeitstag und fünftägige Arbeitswoche bei gleicher Bezahlung für alle Bezirke.
2. keine Verminderung der jetzigen Wochenlöhne.
3. Aufhören der Zurücksetzung in der Behandlung organisierter Arbeiter.
4. Aufhören des Brauches, die Zahl der von einem Arbeiter benutzten Websiühle zu vermehren, ohne zugleich den Lohn zu erhöhen.
5. Anerkennung des Verbandes als Vertreter der Arbeiter bei Verhandlungen.
6. Einsetzung eines Schiedsgerichtes.
7. Stärkere Vertretung des Bundesamtes zur Behebung der Wirtschaftskrise in den Arbeitsämtern der einzelnen Bezirke.
Aus Pawtucket (Rhode Island) wird berichtet, daß die Arbeiterführer ankündigten, sie würden zu jeder Fabrik, die dem Streikbefehl nicht Folge leistet, starke Streikpostenabteilungen schicken, um die Arbeitseinstellung zu erzwingen. Die Fabrikbesitzer erklären ihrerseits, sie hätten für bewaffnete Schutz wachen gesorgt und würden den Betrieb mit nichtorganisierten Arbeitern in Gang halten. Diese beiden Erklärungen eröffnen die Aussicht auf ernste und möglicherweise blutige Zusammenstöße. In Georgia hoffen dort einige Fabriken, am Dienstag den Betrieb wieder aufnehmen zu können. Polizei wird in Bereitschaft gehalten, um jeder Ruhestörung entgegenzutreten. Der Vorsitzende des Streikausschusses, der in England geborene Textilarbeiter Francis Gorman warnte in einer Rundfunkansprache vor R u I) e ft ö r u n g e n , die sogar „angesichts von Herausforderungen" unterbleiben müßten. Die Streikführer haben auch Abordnungen an die Gouverneure der in Frage kommenden Staaten gesandt mit dem Ersuchen, die Ordnung im Notfälle unter Heranziehung von Truppen aufrechtzuerhalten. Sie fürchten, daß die Kommunisten die Gelegenheit benutzen wer-
schen Propaganda anwerben lassen oder dunkle Gewerbe betreiben, bis sie langsam zugrunde gehen.
Ueberall im Osten erwacht das R a s s e n b e - wußtsein der gelben Völker. Unter der Führung Japans rüsten sich etwa 800 Millionen Farbige, die Weißen aus ihren bevorzugten Stellungen zu vertreiben. Abgesehen von der Entsendung von Kriegsschiffen, der Anlage von strategischen Stützpunkten und dem Handels
privilegien, tun die europäischen Mächte kultur- und sozialpolitisch nichts, um den weißen Pionieren in den entfernten Tropen zu Hilfe zu kommen. Ist es erst durch die Erfahrung bewiesen, daß die weiße Besiedlung von tropischen Gebieten erfolgreich durchgeführt werden kann, so gibt es noch tropische Landstrecken genug, die den Weißen vorbehalten bleiben könnten. Wenn auch Java zum Beispiel von in der Zivilisation verhältnismäßig fortgeschrittenen Malaien dicht bewohnt ist, so sind doch Sumatra und namentlich Borneo, ebenso wie Neu-Guinea und Nordaustralien, zu großen Teilen noch von gänzlich wilden Stammende- völkert, die dem Aussterben geweiht sind. Wer wird die Nachfolge antreten?
Heute wehrt sich nur Australien gegen den Andrang der Farbigen. Aber während für Rüstungen und Abwehrmaßnahmen Millionen und aber Millionen verausgabt werden, scheut man die Mittel, um von Staats wegen hygienischeund wirtschaftliche Vorbedingungen für eine er
den, die Streikenden zu Gewalttätigkeiten aufzureizen.
Heber 20 Millionen Hilfsbedürftige in den Vereinigten Staaten.
Washington, 3. Sept. (DNB. Funkspruch.) Die Zahl der Unterstützungsbedürftigen in den Vereinigten Staaten dürfte nach einem Bericht des
Chardin, 3. Sept. (DRB. Funkspruch.) Die chinesischen Banditen, die den blutigen Ueberfall auf einen Expreßzug bei hsuangschenpao auf dem Gewissen haben, konnten von den mandschurischen und japanischen Regierungstruppen e i n g e h o l t und umstellt werden. Den Banditen wurde die Forderung übermittelt, sofort alle Gefangenen freizugeben. Um das Leben der entführten Passagiere zu schonen, wurde auf Weisung des Oberkommandos kein Feuer gegen die Banditen eröffnet. Sollten die Banditen die Forderung der Auslieferung ablehnen, so werden sie bis zur freiwilligen Uebergabe umzingelt gehalten. Die Banditen sind bereit, die Entführten unter der Voraussetzung freizulassen, daß man ihnen freien Abzug gewährt. Das japanische und mandschurische Oberkommando haben jedoch diese Bedingung abgelehnt.
Der dänische und der amerikanische Reisende, die nach dem furchtbaren Eisenbahnanschlag als Geiseln verschleppt worden waren, konnten befreit werden. Die beiden Befreiten sind Ange st eilte einer amerikanischen Filmgesellschaft: beide sind unverletzt; der Amerikaner ist aber völlig erschöpft. Die bei
folgreiche Massenansiedlung von Weißen in jenen Landstrecken zu schaffen. Professor Sir James Bar- lett hat den Erfolg der weißen Besiedlung von Queensland nachgewiesen Wenn die Bevölkerungs- zahl dort auch heute noch sehr gering ist, so läßt sie sich doch leicht durch eine verstärkte Einwanderung erhöhen, falls der Staat die notwendigen Mittel zur Verfügung stellen würde. Vom rein geschäftlichen Standpunkt aus betrachtet, würden sich Siedlungen erst auf lange Sicht bezahlt machen und hohe anfängliche Ausgaben erfordern, aber sozialpolitisch würde sich der Versuch lohnen und vielleicht wertvoller sein als der Bau von Panzerkreuzern. —
Vor wenigen Jahren hat der Instrukteur der bolivianischen Armee, General Kundt, den Vorschlag gemacht, am Oberlauf des Amazonenstromes eine Massenansiedlung von Weißen durchzuführen. Die dafür erforderlichen Mittel wurden von Kundt auf rund 1,2 Milliarden Mark beziffert. Der Vorschlag wurde als Utopie abgelehnt. Nun haben sich in jenen überaus fruchtbaren tropischen Landstrichen aber doch aus eigener Initiative an den Ostabhängen der Anden weiße Siedler, darunter auch zahlreiche Deutsche niedergelassen, haben durch eigene physische Arbeit Kaffee- und Kakaoplantagen angelegt, haben durch den Verhältnissen angepaßtes Leben die Gefahren des Klimas gut überstanden, und es soll ihnen verhältnismäßig gut gehen. Natürlich eignet sich nicht jedes Tropengebiet für eine weiße Farmertätigkeit, die undurchdringlichen Urwälder Zentral-
Sekretärs des Nothilfeausschusses an Präsident Roosevelt im Februar 20 bis 23 Millionen, also etwa ein Sech st el der Bevölkerungs- zahl der Vereinigten Saaten, erreichen. Die bisherigen Gesamtausgaben für die N o t h i l f e seit dem Jahre 1930 werden auf drei Milliarden Dollar geschätzt.
den haben berichtet, daß sie bei dem nächtlichen Ueberfall aus dem Zuge gezerrt und, an den Händen gefesselt, wie Vieh davongetrieben worden seien. Jedesmal wenn sie mit ihren Entführern an japanischen Truppen vorbeigekommen seien, seien die beiden Gefangenen von den Banditen gegen etwaige Schüsse als Schuhschild benutzt worden. Sie seien dann auf eine 3 n- fet gebracht worden, wo sie von einem japanischen Erkundungsflugzeug entdeckt worden seien. Daraufhin seien von japanischen Kanonenbooten Mannschaften gelandet worden. Dem Dänen Iohansen fei es gelungen, seine Fesseln zu lösen, und dann den Amerikaner Curt) zu befreien. Beide seien dann zum Fluh geeilt, wo sie an Bord eines der Kanonenboote gebracht worden seien.
Ein neuer Eifenbahnanschlag in der Mandschurei.
Mukden, 2. Sept. (DNB.) In der Nacht zum Montag haben chinesische Banditen an der Strecke Kirin — Keschan einen Arbeits - 3 u g zur Entgleisung gebracht, wobei acht Personen getötet und viele verwundet wurden.
brasiliens, die Regenwälder Zentralafrikas usw. können keinen Daueraufenthalt für Weiße bieten, aber der Glaube, daß die Tropen als solche dem Weißen verschlossen bleiben müßten, dürste sich heute als Fehlschluß erweisen.
0er erste Gonderzug zum Reichsparieitag.
Die ersten tausend Mann Arbeitsdienst in Nürnberg eingetrossen
Nürnberg, 3. Sept. (DNB. Funkspruch.) Von den Arbeitsdienstabteilungen, die am Reichsparteitag in Nürnberg teilnehmen, sind am Montagfrüh kurz nach 5 Uhr die ersten tausend Mann eingetrossen. Es handelt sich um den Arbeitsdienst Berlin-Potsdam und vier Lehrabteilungen der Reichsschule Berlin - Potsdam. Vor dem Stadion-Buhnhof nahmen die einzelnen Abteilungen mit ihren Fahnen und Musikkapellen Aufstellung. Gcruarbeitsführer Major a. D. La nc eile hatte seine Kameraden als erster in Empfang genommen. Kurze Zeit später traf dann Reichsinspekteur Schmeer von der Reichsorganisationsleitung des Reichsparteitages mit dem Stab seiner Mitarbeiter ein, um den ersten Sonderzug zum Reichsparteitag zu begrüßen. Er schritt die Front ab und begrüßte die Kameraden mit einer kurzen An-
Zwei Geiseln ans der Gewalt der chinesischen Vandilen befreit
Die Eisenbahnräuber von mandschurischen und japanischen Truppen umstellt.
Schuschniggs Programm.
Eine Rede des österreichischen Bundeskanzlers auf der Innsbrucker Landesgedenkfeier für 1809.
Innsbruck, 3. Sept. (DNB.) Innsbruck prangte am Sonntag zu Ehren der Landesgedenkfeier 1809 in festlichem Flaggenschmuck. Schon in den frühen Morgenstunden langten zehntausende Tiroler Schützen in ihren Trachten in Sonderzügen und Kraftwagen an. Dor dem Denkmal Andreas Hofers hielten Bundespräsident Miklas, der Landeshauptmann von Tirol Dr. Stumpf und Generaloberst Graf Dank! Ansprachen. Nach ihnen ergriff Bundeskanzler Dr. Schuschnigg das Wort. Nachdem er des Heldenkampfes von 1809 gedacht hatte, ging er auf die Gegenwart über und führte u. a. aus: Unsere Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, daß nicht ein Fuß breit deutschen Bodens dieses Landes irgendwann und irgend jemand überantwortet wird, weil wir verantwortlich find für die Zukunft. Man muß sich dann endlich damit abfinden, daß wir Oesterreicher die S e l b st b e st l m m u n g in Anspruch nehmen. Den Zeitpunkt, wann wir unser Volk zum Bekenntnis rufen werden — aber gewiß nicht in der Form der alten Parlamentswahlen —, die
sen Zeitpunkt werden wir Oesterreicher selbst bestimmen. Wir wollen Wächter und Bürgen des Friedens sein. Darum der Kampf um die Freiheit und Selbständigkeit, die — wie ich ausdrücklich hier feststellen will — von allen Seiten gleichermaßen zu achten ist. Wir wollen den Frieden mit allen, denen die Liebe zum Vaterland gemeinsam im Herzen sitzt, aber es darf keine Waffen geben außer in den Händen derer, die bereit sind, sich für das Vaterland zur Verfügung zu stellen. Geheime Waffenlager, die man für alle Fälle reserviert — ausgeschlossen! Und es muß die klare Erklärung kommen, daß man nichts zu tun haben will mit den Methoden des Terrors, daß man einverstanden ist mit dem Grundsatz: Oesterreich den Oesterreichern! So sehr uns allen die Befriedung im Volke am Herzen liegt, so klar ist es mir, daß wir zu diesem Frieden nicht kommen können, solange irgendwo irgendeine Emigrantenpolitik den Ausschlag gibt. Die Geschichte lehrt: Emigrantenpolitik ist nie aufbauend und positiv.


