Der Tag des deutschen GebrauchShundes.
Interessante Vorführungen in Gießen.
unbedeutender Art, hilft nicht nur der Technischen Nothilfe ein würdiges Denkmal setzen, sondern leistet auch für die spätere deutsche Geschichtsschreibung eine wichtige Vorarbeit.
Material ist an die Reichsführung der Technischen Nothilfe, Berlin-Steglitz, Birkbuschstrahe 18, einzu- senden.
Das Vater-Bender-Heim.
Der Vogelsberger Höhen-Club (DHC.) hat das im Jahre 1925 auf Anregung des bekannten Frankfurter Professors Gg. Bender auf der H e r - chenhainer Höhe errichtete Vater-Bender-Haus endgültig dem Reichsverbande Deutscher Jugendherbergen, Gau Main-Rhein-Lahn- Fulda, für seine Zwecke überlassen. Der VHC. wollte durch Diese Stiftung zum Ausdruck bringen, daß die Leitung der für die wandernde einheitliche deutsche Jugend bestimmten Heime und Herbergen dem Einheitsgedanken entsprechend in eine feste Hand gehört und auch in dieser Hinsicht jede Eigen- brödelei aufhören muh. Auf dieser Grundlage sind die von dem Nachfolger Prof. Benders in der Herbergsleitung, Rektor Ludwig Dem, Offenbach am Main, mit dem Reichsverbande DJH. geführten Verhandlungen nun zu einem beide Teile befriedigenden Ergebnis gekommen.
Seinem ureigensten Zwecke entsprechend bleibt das Heim auch weiterhin eine Raststätte zur körperlichen und geistigen Ertüchtigung der deutschen Jugend. Aus Dankbarkeit gegen den Gründer wir^d der Namen „Vater-Bender-Heim" für alle Zeiten beibehalten. Den Mitgliedern des Vogelsberger Höhen-Clubs, dessen Ehrenmal die Spitze des Berges krönt, steht das Heim jederzeit zu den gleichen Unterkunfts- und Verpflegungssätzen zur Verfügung, wie den Mitgliedern des Herbergsverbandes.
Zur Zeit ist das Heim von zwei Klassen der Ziehen-Oberrealschule in Frankfurt a. M. mit insgesamt 84 Schülern belegt, die in der frischen Vogelsbergluft Erholung finden. Das Heim soll auch künftighin, wie seither, sowohl als Jugendherberge wie auch als Schul-Landheim in gleicher Weise Verwendung finden.
Wer darf Musikunterricht erteilen?
Die Landesmusikerschaft Hessen-Nassau des Fachverbandes B in der Reichsmusikkammer bittet um Aufnahme folgender Zeilen:
Im Kampfe gegen das Pfuschertum im Musikunterricht, unter dem bisher weite Volkskreife zu leiten hatten, ist von der Reichsmusikkammer eine Lizenz eingeführt worden, die einzig und allein zur Erteilung von Musikunterricht berechtigt. Der musikalische Lehrberuf wurde bisher vielfach von Leuten ausgeübt, die zwar eine gewisse Fertigkeit auf ihrem Instrument besaßen, denen aber ander- eits jedes methodisches und pädagogisches Wissen ehlte. Das Publikum hat es seinerseits häufig an )er nötigen Sorgfalt bei der Wahl von Musiklehrkräften fehlen lassen und zog sich schließlich enttäuscht vom Musikunterricht zurück, wenn Zeit und Geld unnütz vertan waren. Eine eingehende methodische Schulung ist im Musikerunterricht unerläßlich: der ernsthaft strebende Musiklehrer schafft sich in einem mehrjährigen Seminarlehrgang die methodische Bildung für sein Instrument, um den Anforderungen der Praxis genügen zu können: er ist allein berechtigt, nach abgelegter Prüfung und Eingliederung in die Reichsmusikkammer die Lizenzkarte zu führen. Der neue Staat hat damit auch diesen Berufsstand von leichtfertigen Elementen gereinigt, die aus geringerem Verantwortungsgefühl ernsthaft Strebenden unlautere Konkurrenz machen. Nicht nur Neuanmeldungen, sondern auch Musikunterricht, der bisher schon erteilt wurde, ist lizenzpflichtig. Kann die Lizenz nicht beigebracht werden, so ist der Musikunterricht verboten und kann nötigenfalls von der Reichsmusikkammer mit staatlichen Mitteln verhindert werden.
Storno tuen.
— Tageskalender für Dienstag: Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Polizei-Akte 909".
Die Fachschaft für das Schutz- und Dienstgebrauchshundewesen, Bezirk Oberhessen, veranstaltete am Sonntag nachmittag auf dem Sportplatz der Spielvereinigung 1900 aus Anlaß des „Tages des deutschen Gebrauchshundes" eine Werbevorführung, die die vielseitige Verwendung des Hundes als Schutz und für den Dienstgebrauch in hervorragender Weise veranschaulichte. Erfreulicherweise war der Besuch der Veranstaltung außerordentlich stark, ein Zeichen dafür, daß man den Bestrebungen der Veranstalter besonderes Interesse entgegenbringt. Beteiligt an den Werbevorsührungen waren die Fachgruppen Gießen, Bad-Nauheim, Lich, Wieseck, Lollar und Großen-Buseck.
Vor Beginn der Vorführungen begrüßte der Bezirksleiter, Kriminalhauptwachtmeister Rien- Hardt, die zahlreich Erschienenen und wies in kurzen Worten auf den Zweck der Veranstaltung hin. Er betonte, welche wertvollen Dienste die Hunde der Menschheit im Weltkriege geleistet hätten und daß durch ihre Tätigkeit manches Menschenleben gerettet worden sei. Auch als Begleit- und Wachhunde könnten diese Freunde der Menschheit bei entsprechender Schulung Hervorragendes leisten. Es sei zu wünschen, daß auch die Behörden den Bestrebungen der Organisation weitgehendes Interesse entgegenbrächten, daß insbesondere die Hundesteuer eine entsprechende Ermäßigung erfahre. Die Fachschaft für Schutz- und Dienstgebrauchshunde würde nicht eher ruhen, bis dieses Ziel erreicht fei. Erfreulicherweise werde dem Hundesport auch von maßgebenden Persönlichkeiten unserer jetzigen Regierung weitgehendes Interesse entgegengebracht. Der Redner schloß seine Ausführungen mit einem dreifachen Sieg-Heil auf den Reichspräsidenten von Hindenburg und unseren Volkskanzler Adolf Hitler.
Bei den anschließenden Vorführungen fiel der Aufmarsch der beteiligten 13 Hunde, die auch bewundernswerte Gehorsamsübungen zeigten, sofort angenehm auf. Es war eine Freude, zu fehen, wie die Vierfüßer, jedes Wort verstehend, die gegebenen Befehle ausführten. Dabei zeigten sie sich auch durchweg als gute Springer. Einzelne kletterten
Kleingärtner und Kleinsiedler werben.
Von der Ortsgruppe Gießen des Reichsbundes der Kleingärtner und Kleinfiedler Deutschlands wird uns mitgetoilt:
Am 15. Juli findet in ganz Deutschland der Werbetag der Kleingärtner und Kleinsiedler statt. Die Bedeutung dieses Tages liegt darin, die Oeffentlichkeit und die Kleingarten- und Kleinsiedlerwelt Deutschlands von den Aufgaben des Reichsbundes der Kleingärtner und Kleinfiedler Deutschlands e. V. in Kenntnis zu setzen. Der breiten Masse des Volkes muß gezeigt werden, daß der Nationalsozialismus und die grundlegende Idee von R. W. D a r r 6 über die Verbundenheit von Blut und Boden auch in den Kreisen der Kleingärtner und Kleinsiedler unter dem Grundsatz des Führerprinzips Einzug gehalten hat.
Der Reichsbund der Kleingärtner und Kleinsiedler Deutschlands e. V., der heute schon nahezu eine Million Mitglieder aufweist, ist in ganz Deutschland die einzige von der Reichsleitung der NSDAP., Amt für Agrarpolitik, anerkannte Organisation auf dem Gebiete des Kleingarten- und Kleinsiedlungswesens. Er ist nicht mehr eine Interessengemeinschaft, die früher ähnliche Organisationen darstellten, sondern er erzieht seine Mitglieder zu vollwertigen Volksgenossen und Nationalsozialisten, sowie zur Nutzung des ihnen anvertrauten Bodens gemäß den Darrs- schen Grundsätzen und der Idee „Gemeinnutz geht vor Eigennutz".
Der Werbetag, der in allen Teilen Deutschlands Massenkundgebungen und Sommerfeste vorsieht,
sogar an einer ca. drei Meter hohen steilen Wand empor. Weiter wurde gezeigt, wie sich der Hund als Begleiter auf der Straße, selbst im Gedränge, benehmen muß. Ein besonders guter Springer sprang über fünf Stühle. Bei einem markierten Ueberfall auf zwei Damen auf einsamem Waldweg kamen die Vorteile der Ausbildung eines Hundes in vortrefflicher Weife zum Ausdruck. Während der ausgebildete Hund auch nicht durch Schläge und Schüsse von dem Angreifer abließ, nahm der zweite dabei beteiligte unausgebildete Hund bei dem ersten Schuß Reißaus. Auch bei einem markierten lieber- fall auf ein Liebespaar mit Handtaschenraub zeigte sich, welche wertvolle Dienste der ausgebildete Hund dem Menschen leisten kann. Nach einem vom Senior der Bezirksgruppe B i e r a u - Wieseck mit einem 13jährigen Hund gezeigten Dressurakt, nahm dieser Hund die Entfesselung seines überfallenen und geknebelten Herrn vor. Interessant war auch die Bewachung eines Fahrrades und die Stellung des fliehenden Diebes durch einen Hund. Daß der Hund ferner als treuer Begleiter im Auto wertvolle Dienste leisten kann, zeigten die beiden Vorführungen: „Bewachen eines Personenkraftwagens" und „Ueberfall auf Insassen eines Autos". Recht interessant und spannend war der Feuerüberfall einer Schmugglerbande auf Grenzschutzbeamte, wobei veranschaulicht wurde, wie sehr der Hund geeignet ist, den schweren Dienst der Grenzschutzbeamten in bester Weise zu unterstützen.
Am Schluß der Vorführungen betonte Bezirksleiter Rienhardt noch die Bedeutung der Ausbildung der Hunde für die Allgemeinheit und forderte die Hundebesitzer auf, von der Möglichkeit der Ausbildung der Hunde durch die Fachschaft weitgehend Gebrauch zu machen. Weiter gab er dem Wunsche Ausdruck, daß weite Kreise dem Hundesport, insbesondere auf dem Gebiet der Ausbildung von Gebrauchshunden, besonderes Interesse entgegenbringen möchten. An die Veranstaltung schloß sich ein gemütliches Beisammensein der Mitglieder und Hundefreunde auf der Liebigshöhe an.
findet seinen Höhepunkt in der großen Kundgebung der Berliner Kleingärtner und Kleinfiedler auf dem Tempelhofer Feld. Hierbei werden Pg. Reichssied- lungskommisfar Staatssekretär Feder sowie der Führer des Reichsbundes, Pg. Dr. K a m m l e r , das Wort ergreifen, deren Reden auf sämtliche deutschen Sender übertragen werden.
ieücner Wochenmarttprcise
* Gießen, 3. Juli. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Süßrahmbutter, das Pfund 1,40 Mk., Landbutter 1,30 bis 135 Mk., Matte 20 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Eier (inländische), Klasse S 10%, Klasse A 10, Klasse B 9%, Klasse C 9, Klasse D 8, ungestempelte 7%, Wirsing (grün), das Pfund 15, Weißkraut 15, Gelbe Rüben, das Bund 10, Rote Rüben 10, Spinat, das Pfund 20, Römischkohl 8 bis 10, Bohnen (grün) 25 bis 3Ö, Erbsen 15 bis 20, Tomaten 30 bis 35, Zwiebeln 15, Kartoffeln (alte) 5 Pf., der Zentner 4,80 bis 5 Mk., neue, das Pfund 10 bis 15 Pf., Himbeeren 30 bis 35, Kirschen 15 bis 25, Heidelbeeren 20 bis 25, Stachelbeeren 15, Johannisbeeren 15 bis 20, Erdbeeren 50, Blumenkohl, das Stück 10 bis 40, Salat 5 bis 10, Salatgurken 25 bis 30, Oberkohlrabi 8 bis 10, Lauch (Suppengrünes) 5, Rettich 5 bis 10, Sellerie 25, Radieschen, das Bund 10, Bohnen (gelb), das Pfund 25.
*
** Finanzamtspersonalien. Versetzt wurden: Steuerinspektor Karl Gröninger vom Finanzamt Gießen an das Finanzamt Groß-Gerau, Steuerpraktikant H. Dörr vom Finanzamt Fürth an das Finanzamt Schotten, Regierungsrat Karl Orth vom Finanzamt Weiden (Landesfinanzamt
Nürnberg) als Vorsteher an das Finanzamt Lauterbach, Steuerpraktikant Ludwig eigner vom Finanzamt Worms an das Finanzamt Grünberg.
** Justizperfonalie. Auf Grund des § 6 des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums vom 7. April 1933 wurde der Amtsgerichtsrat bei dem Amtsgericht Alsfeld Ernst B e r ck mit Wirkung vom 1. April 1934 in den Ruhestand versetzt. .,
** Dienstjubiläum. Der Arbeiter Heinrich Balser aus Rödgen bei Gießen konnte am 1. Juli sein 40jähriges Dienstjubiläum bei der Heeresstand- ortverwaltung Gießen begehen. Aus diesem Anlaß wurden ihm vom Herrn Reichspräsidenten eine Urkunde und vom Wehrkreisoerwaltungsamt V, Stuttgart, ein Geldgeschenk in Höhe von 150 RM. übermittelt. Außerdem erhielt er von den Dienststellen der Heeresstandortverwaltung und des Bataillons verschiedene Geschenke.
** Sterbefälle in Gießen. Es verstarben in Gießen in der Zeit vom 16. bis 30. Juni: 16. Erika Goß, 14 Jahre alt, Katharinengasfe 9; 17. Emil Heppert, ohne Berus, 57 Jahre alt, Kirchen- platz 11; 18. Waltraude Kuhl, 1 Jahr alt, Bleich- straße 5; 19. Heinrich Günther, Kaufmann, 49 Jahre alt, Weserstraße 15; 19. Luise Heister, geb. Diehl, 46 Jahre alt, Lahnstraße 21; 20. Anna Uhrig, ohne Berus, 78 Jahre alt, Johannesstraße 7, 20. Susanns Schmidt, geb. Siegfried, 76 Jahre alt, Löberstr. 11; 20. Karl Philipp, Musiker, 36 Jahre alt, Liebig- straße 72; 23. Marie Wagner, geb. Keil, Wwe., 64 Jahre alt, Löwengasse 24; 24. Maria Olt, geb. Bott, Wwe., 65 Jahre alt, Bleichstrahe 27; 24. Luise Amon, geb. Herdt, Wwe., 70 Jahre alt, Bahnhofstraße 43; 26. Jakob Müller, Gastwirt, 68 Jahre alt,' Rodheimerstraße 81; 30. Friedrich Bintz, Hausmeister i.R., 80 Jahre alt, Am Nahrungsberg 77.
**DerGoethe-Bund schreibt uns: Der Gie- ßener Goethe-Bund kann in diesem Jahre auf eine zwanzigjährige Tätigkeit zurückblicken. Der Gründer und bisherige Vorsitzende des Bundes, Dr. Otto Henning, hat für die für November vorgesehene 20-Jahrfeier des Bundes, die im Rahmen einer Festveranstaltung dem 175. Geburtstag Schillers gewidmet fein soll, den Präsidenten der Reichsschrifttumskammer Dr. Hans Friedrich B l u n ck zur Uebernahme des Festvortrages eingeladen. Wir werden demnächst unseren Lesern einen Rückblick über die Tätigkeit des Bundes geben.
** Die Nachsendung von Postsendun- g e n. Das Postamt Gießen teilt mit: Zu Anträgen auf Nachsendung von Postsendungen sind möglichst die amtlichen Formblätter zu benutzen, die an den Postschaltern und von den Postzustellern zur Abgabe bereitgehalten werden. Die Verwendung dieser amtlichen Formblätter gewährleistet die pünktliche Nach- sendung der Post und ist daher zum Vorteil der Empfänger. ~ ,
** Oe ff entließe Bücherha11e. Im Juni wurden 1198 Bände ausgeliehen. Davon tarnen auf: Literaturgeschichte 1, Zeitschriften 23, Gedichte und Dramen 5, Erzählende Literatur 769, Jugendschriften 127, Länder- und Völkerkunde 76, Kulturgeschichte 6, Geschichte und Biographien 116, Kunstgeschichte 20, Naturwissenschaft und Technologie 23, Heer- und Seewesen 1, Haus- und Landwirtschaft 3, * Gesundheitslehre 3, Religion und Philosophie 2, Staatswissenschaft 20, Fremdsprachliches 3 Bände. Nach auswärts kamen 2 Bände.
** Versammlung der Gießener Neuhausbesitzer. Am Samstagabend fand im Caf6 Ebel eine Werbeversammlung der Ortsgruppe Gießen des Landesverbandes Hessen im Reichsverband deutscher Neuhaus- und Eigenheimbesitzer statt, in der der Geschäftsführer des Landesverbandes, Schneider- Darmstadt, über die bisherigen Erfolge und die Ziele feiner Organisation sprach. Aus den Ausführungen war zu entnehmen — fo berichtet man uns — daß bisher alle Erleichterungen, die für den Neuhausbesitz gewährt wurden, der Arbeit und dem Bestehen des Reichsverbandes zu verdanken feien. Insbesondere der Vollstreckungs- schutz und die Senkung der Grundsteuer seien auf die Tätigkeit des Neuyausbesitzerverbandes zurück-
Was mein einstwar
Vornan von Klothilde von Gtegmann.
Urheberrechtsschutz: Fünf-Türme-Verlag Halle (S.)
20 Fortsetzung. Nachdruck verboten!
Mit dem Ohr an der Tür wartete sie, horchte auf die Schritte im Korridor, immer ihre Armbanduhr vergleichend — endlich war es sieben Uhr, die Zeit des großen abendlichen Diners. Jetzt konnte sie sicher fein, niemanden von Bekannten auf den Gängen zu treffen. Ihre Zofe hatte sie beurlaubt. Sicher saß Lucille längst unten in dem Gesellschaftszimmer, das dies elegante Welthotel auch für die Dienerschaft eingerichtet hatte.
Endlich wagte sie es, schlich aus der Tür ihres Zimmers und eilte in einen Nebengang, der, wie sie wußte, auf die Hintertreppe des Hotels führte, die nur von Dienstleuten benutzt wurde. — Sie hatte Glück. Sie traf niemanden.
Ein paar Kofferträger, die ihr begegneten, hielten die dunkel und unauffällig gekleioete Dame für eine Angestellte oder Modistin, die irgendwelche Geschäfte hier im Hotel hatte. Niemand hätte in ihr Lou de Lormes vermutet, die sich auf Geheiß Siemens stets mit extraoaganzer Eleganz kleidete.
Eine Stunde später saß Madame de Lormes bereits in einem Zuge, der über die Grenze ging.
Sechzehntes Kapitel.
In dem kleinen Alpendorfe kam eines Morgens, in einem Gespann vom Bahnhof her, eine ausländisch aussehende und gebrochen deutsch sprechende Dame an, die als einziger Gast in dem Wirtshause vom Hirschbauer Quartier nahm. Sie ging wenig aus und saß viel iy der Wirtsstube unten.
Freilich, das Wetter hatte sich auch sehr verschlechtert, die Wolken lagen dick über den Bergen, und die weißen Bergriesen mit dem ewigen Schnee verbargen ihre Häupter vor den Augen der Menschen. — Die letzten Gäste flohen aus dem kalt gewordenen Tale — und nur die einsame Dame blieb und schien auch noch keine Absicht zu haben, abzureisen. Sie war sehr freundlich und ließ sich immer in Gespräche mit dem Hirschbauer und seiner jungen blonden Frau ein, schenkte dem Buben, dem fünfzehnjährigen Seppi, Schachteln mit füßem Backwerk und kaufte ihm beim Krämer ab und zu ein paar Bonbons und Rosinenstangen.
So erfuhr sie allmählich einiges von den Neuigkeiten des Dorfes.
„Mich interessiert hier alles", sagte sie freundlich in ihrem gebrochenen Deutsch. „Mir gefällt es hier, ich möchte mich vielleicht hier ankaufen. Sind denn hier noch andere Menschen als die Eingeborenen ansässig?"
„Nicht viele!" meinte die freundliche Hirschwirtin. „Da ist nur oben ein Häusl, dös ghört einem
deutschen Maler — und dann droben auf dem Spitzeck, das kleine Bauernhaus, das soll einem ausländischen Herrn gehören, den man aber kaum hier sieht. Neulich war er einmal ein paar Tage da — aber er ist schon wieder mit feinem Auto auf und davon. Ein komischer Herr, kauft sich hier ein Häusl und ist nie da! Gewöhnlich kommt er bei Nacht und Nebel und fährt auch nachts wieder fort — ich, wenn ich ein Haus hier haben tat, dann würd ich es nicht nur bei Nacht anfchau'n, dann tat ich hier mal ein bifferl bleiben, in der schönen Gottesnatur."
Madame de Lormes' Herz klopfte wie rasend. Sollte sie jetzt, auf der Spur dieses Siemen sein?
„Ja, das muß ein komischer Herr sein", meinte sie und zwang sich zur Ruhe. „Vielleicht ist er alt und häßlich und mag sich nicht vor Menschen sehen lassen?"
„Der alt und häßlich? Da täuscht sich die gnädige Frau aber. Ich hab ihn einmal gesehen, da hat er hier telephoniert, weil wir doch auch die Poststelle haben, wie sein Telephon kaputt war — ein nobler Herr, groß, größer als mein Anton und schlank wie eine Tanne oben auf der Hochalp — bloß im Blick hat er was, ich weiß nicht, aber wenn ich mit ihm zu tun hätt, zu Tod tat ich mich fürchten.
Die hübsche junge Frau schüttelte sich, sie schien noch in Gedanken Furcht zu empfinden.
„Was macht er denn nun, der fremde Herr, wenn er fo bei Nacht und Nebel ankommt? fragte Madame de Sormes, anscheinend harmlos.
Die junge Frau sah sich um:
„Daß nur mein Anton nichts hört", meinte sie, „der sagt, das ist Weiberklatsch: aber ich mein, da oben geht was nicht mit rechten Dingen zu. Denn oben sind zwei Frauen, eine Aeltere — und eine junge Hübsche. Wir selbst haben sie ja nie im Dorfe zu Gesicht bekommen, die Jüngere, denn nur die Aeltere kommt manchmal herunter, Einkäufe machen, und redet kein Wort mehr dabei als nötig ist. Und kein Mensch kommt oben dort ins Haus hinein. Nur der Seppi, der unsere Ziegen am Abhang droben hütet, der sieht manchmal die Junge auf dem Balkon, und die hat immer arg traurig ausgeschaut, und manchmal hat der Seppi auch ein Weinen gehört. Schön wie ein Engel ist die Junge!, sagt der Seppi, und wir im Dorfe meinen, dort oben geht was vor, was nicht recht und billig ist."
„Und warum, wenn Sie Verdacht haben, daß dort etwas Unrechtmäßiges geschieht, haben Sie nicht einmal der Polizei etwas gesagt?"
Die Hirschwirtin wehrte entsetzt ab:
„Wo denken S' hin, gnä’ Frau, wir sehen doch nix Richtiges — und wir werden doch hier keinen Streit anfangen mit einem Herrn, der immer pünktlich feine Steuern zahlt und alles im Dorfe einkauft. Das können S' nicht verlangen. Und wer weiß, ob wir uns nicht irren? Die Stadtleut find ja oft komisch, die haben andere Sitten als wir
einfachen Bergler — am besten, wir kümmern uns nicht drum."
Und sie wandte sich energisch ihren Gläsern zu, die sie mit einem Tuche noch blanker zu putzen suchte, als sie schon waren.
Madame de Sormes sah, hier war keine Hilfe zu erwarten. Aber sie mußte ihren Wan, zu dem Hause von Siemen vorzudringen, ausführen, ehe er roieberfam. Und das konnte ja stündlich fein.
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Am kommenden Morgen stand der Gast vom Hirschengasthaufe schon zeitig auf und ging den Weg hinauf zum Berghange, wo die Ziegen des Hirschenwirts immer weideten. Bald hörte Madame de Sormes auch das luftige Geklingel und sah den Seppi, den Sohn des Hirfchenbauers, die Herde vor sich hertreiben.
Als er die Dame sah, zog er mit einem fröhlichen „Grüß Gott!" feinen grünen Filzhut mit der langen Spielhahnfeder von Dem braunen Krauskopfe. Er und die Dame waren gute Freunde, überhaupt feit sie ihm die heißbegehrte Mundharmonika vom Krämer geschenkt hatte.
Bald gingen die beiden in lebhaftem Gespräch nebeneinander, indessen die Ziegen einen Seitenpfad emporklommen, der sie schnell hinaufführte.
„Bist du den ganzen Tag da oben, kleiner Seppl?" fragte die Dame. „Wird dir das nicht langweilig?"
„Langweilig?" fragte der Seppl zurück. „Aber ich hab doch zu schau'n, den Himmel und die Berge und die Wolken — das ist doch nimmer langweilig."
„Und Menschen siehst du nie oben?"
Der Seppl nickte pfiffig und deutete mit dem Daumen auf ein buntes Bauernhaus, das da schroff am Abhang lag, durch ein Tal von feinem Weideplatz getrennt.
„Dort, in dem Haufe", sagte er geheimnisvoll, „dort sehe ich immer eine Dame, die allein auf dem Balkon ist — arg traurig schaut sie aus. Die könnt ich mir immerzu anschauen, und i denk immer: was mag ihr nur fehlen, daß sie fo allein und fo traurig ist und niemals herauskommt? Vielleicht ist sie krank?! Aber niemand im Dorf hat den Doktor zu ihr raufgehen fehen. Wie eingesperrt schaut sie aus." ,
Sein fröhliches Jungengesicht sah ehrlich bekümmert aus. Plötzlich packte er Lou de Lormes hart am Arm...
„Schaun S'! Jetzt kommt sie wieder! Können S
Wr
Lou de Lormes mußte ihre Augen anstrengen, um auf fo weite (Entfernung genau fehen zu können, wie der Seppl mit feinen Falkenaugen.
Ja! Jetzt glaubte sie eine schlanke Gestalt zu erkennen, die sich weit über den Rand des Balkons lehnte und hinaussah in die unendliche Weite der Landschaft.
Sehn S', das ist sie! So steht sie manchmal eine Stunde um die andere, und ich krieg fast Angst,
daß sie einmal sich herunterstürzt!" sagte der Seppl aufgeregt. „Da ist was nicht richtig! Das wird mir kein Vater und niemand nicht ausreden."
Lou de Lormes sah den Jungen mit dem klugen, offenen Gesicht prüfend an. Vielleicht erwuchs ihr hier noch ein Helfer.
„Hör mich mal an, Seppl!" Jagte sie ernst. „Bist du ein Mann, auf den man sich vollkommen verlassen kann? Der schweigen kann? Oder bist du noch ein dummer Bub, der ausplaudert, wenn man ihm was anvertraut?" '
Der Seppl wurde feuerrot:
„Ein Mann bin ich noch net; aber ausfchwähen tue ich nix, wenn ich einmal versprochen hab zu schweigen/
Seine Worte klangen so ehrlich, in seinen Augen stand eine so überzeugende Wahrheit, daß Lou de Lormes alle Bedenken fallen ließ.
„Nun höre mich an, Seppl!" sagte sie ernst. „Ich will dir etwas sagen, was kein anderer Mensch außer uns beiden vorläufig erfahren darf. Du mußt mir helfen. Ich brauche dich. Du hast recht — dort oben in dem Hause scheint etwas vorzugehen, was unrecht ist. Wenn man dies traurige Fräulein, das du da immer allein auf dem Balkon siehst, vor etwas Schlimmem behüten müßte, würdest du da mitmachen? Es soll dein Schaden nicht sein. Du bekommst eine schöne Geldsumme in dein Sparbuch eingezahlt."
Der Seppl bekam aufgeregte Augen:
„Deswegen mache ich's nicht, gnä Frau, wegen dem Sparbuch; aber wenn ich Ihnen helfen kann, Ihnen und dem Fräulein dort — und wenn was Unrechtes im Gange ist, hernach bin ich dabei!"
Lou de Lormes atmete tief auf.
„Also gut, Seppl, wir sind von heute an Freunde und Bundesgenossen — ja?!"
Sie hielt ihm die Hand hin und der Seppl schlug mit einem mächtigen Schwünge ein.
„Gut ift’s!" sagte er lakonisch.
„Du Seppl, ich will erst mal versuchen, die Dame dort zu sprechen."
„Wird nicht gehn, gnä Frau", meinte der Seppl. „Die dort lassen niemand ein. Eher kommt man in den Himmel, als dort in das Häusel. — Aber versuchen können S' ja."
„Gut! Ich versuche es. Und wenn es mir nicht gelingt, bann muß ich der jungen Dame dort eine Nachricht zukommen lassen; aber so, daß niemand davon erfährt. — Weißt du da einen Weg?"
Der Seppl kniff die Augen zusammen und dachte angestrengt nach. Plötzlich erhellte sich fein Gesicht.
„Ich hab's!" sagte er und erklärte flüsternd feinen Plan.
Lou de Lormes' Gesicht hellte sich auf:
„Du bist ein Prachtkerl, Seppl!" Sie strich ihm über das braune Kraushaar. Dann entnahm sie ihrem Täschchen eine Geldnote und steckte sie ihm, trotz feines Sträubens, einfach in die Tasche der abgewetzten Lederkniehose. (Fortsetzung folgt)


