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Dienstag, 3. April 1934

Ur.Z7 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Hände weg vom Saargebiei

und

Deutschlands ältester tätiger Handwerksmeister.

dürfte, was sie unternimmt. Die Skepsis über inter­nationale Maßnahmen zur Behebung der Krise ist unterdessen im Wachsen begriffen, was sich in Eng­land vor allem in einer verstärkten Betätigung der Empire-Leute bemerkbar macht, die zweifellos glau­ben, daß jetzt ihr Weizen blühen müsse. So kann es gut sein, daß die sogenannte Dollarstabilisierung, die von Roosevelt gewiß auch als Beruhigungs­maßnahme gedacht war, die gegenteilige Wirkung hat weil die Amerikaner zu sehr an sich und zu wenig an die übrige Welt gedacht haben.

neues System von Handelsverträgen aus Gegen- eitigkeit setzen, das aber erst erprobt werden muß.

Man versteht es daher, daß die öffentliche Mei­nung in England äußerst beunruhigt ist, und daß kündig neue Gerüchte von London aus um die Welt laufen, wie zum Beispiel das zweifellos ver- rühte, daß der amerikanische Sonderbotschafter Child den Auftrag habe, eine neue W e l t - Wirtschaftskonferenz vorzubereiten. So weit ist es zweifellos noch nicht, da sich die eng­lische Regierung vorerst kaum darüber schlüssig sein

Wissen Sie den Unterschied zwischen einem Kalbs­kotelett und einem Schweineschnitzel? Wissen Sie, wie man einen Gast allein und in Damengesell­schaft begrüßt? Wissen Sie, daß es ungeheuer wich­tig werden kann, die Zubereitung von Mayonnaise auswendig zu kennen?

Der Schreiber dieser Zeilen hätte sicherlich auf diese Fragen niemals eine Antwort gewußt, wenn er nicht zufällig vor wenigen Tagen in einen großen, im Norden der Reichshauptstadt gelegenen Saal geraten wäre, wo diese Fragen eine nicht zu unter­schätzende Bedeutung haben. Bon ihrer Beantwor­tung hängen Lebensschicksale ab.

Der Reichseinheitsverband des deutschen Gast­stättengewerbes veranstaltet nämlich zur Zeit in ganz Deutschland Prüfungen für unge­lernte Kellner, um diesen Berufszweig von ungeeigneten Elementen, die in den letzten Jahren in dieses Gewerbe hineingekommen sind, gründlich zu säubern. Der deutsche Kellner soll wieder das gleiche Ansehen erlangen wie vor dem Kriege, wo man ihn für die Gaststätten der ganzen Welt suchte und seine Zuverlässigkeit schätzte. Wer in den letz­ten sünfJahren nicht ununterbrochen als Kell­ner im Gastwirtsgewerbe tätig war, darf künftighin diesen Berus nicht mehr ausüben. Er kann aushilfsweise angestellt werden und auf einem an-

wenig zu viel von seinen Absichten für die Zukunft hätte verlautbaren lassen, als ursprünglich beschlos­sen war. Beinahe aber in diesem Augenblick er­schien ein junger Herr.

Dieser junge Herr, durch nichts ausgezeichnet als durch seine Jugend und also für den objektiven Beobachter nichts anderes als ein durchschnittliches Exemplar seiner Generation, stürzte sich mit einem freudigen Laut des Wiedererkennens auf die Be­gleiterin des älteren Herrn: Lisa. Es blieb dem alteren Herrn nicht verborgen, daß die fröhliche Be­grüßung ein ebenso fröhliches Echo fand. Der ältere Herr stutzte. Er vernahm die Versicherungen des jungen Herrn über den köstlichen Zufall dieser Be­gegnung nur' mit mißtrauisch gespitzten Ohren, und da er nun überdies den Blick bemerkte, nut dem die beiden in heimlichem Einverständnis ein­ander zuwinkten, wurde ihm vollends klar, daß hier von einem Zufall nicht die Rede fein konnte. Der ältere Herr kam zu der Erkenntnis, daß man stch auf feine Kosten verabredet hatte.

Der ältere Herr lächelte. Der ältere Herr lächelte und es war ein ein wenig verlegenes Lächeln, em Lächeln der Entsagung und auch ein Lächeln der Weisheit. Entsagung, Verlegenheit vor dem Leben und Weisheit immer gehen ste ja Arm m Arm miteinander! Der ältere Herr war klug o, er sah wohl, was hier vorging!

Und da der ältere Herr wußte, daß er in diesem Augenblick ein ganz überflüssiger älterer Herr war, so benutzte er die nächste sich bietende Gelegenheit, um unbemerkt von den beiden, die allerdings über­haupt nichts anderes als sich selbst bemerkten, zu verschwinden. Er drückte sich heimlich m einen Sei­tenweg und blickte ihnen, stehen bleibend, nach. Da gehen sie, dachte der ältere Herr, und: was für eine'Dummheit hätte ich alter Esel da beinahe wie­der gemacht! Ja, nun kam er sich vor wie em Narr. Und er zog sein Taschentuch, nahm den Hut ab und trocknete sich die Stirn, denn die Sonne schien ihm an diesem Tage schon ungewöhnlich warm zu sein.

Der ältere Herr starrte auf eine Gruppe blauer Veilchen, die zu seinen Füßen der Erde entblühten, über ihm zwitscherte im noch unbelaubten Ge­zweig eines Baumes winzig ein Vogel. Und es überfiel den älteren Herrn wie von ungefähr und ganz aus heiterem Himmel die Frage, wie oft es ihm wohl vergönnt fein werde, den Frühling, diese seltsame und verzaubernde Jahreszeit noch zu er­leben. Heber diesen Gedanken aber erschrak der ältere Herr, denn er wußte, daß er mit ihm jäh und unwiderruflich etwas anderes geworden war, als er bisher gewesen, das nämlich, wogegen er sich vor kurzem noch so heftig zur Wehr gesetzt hatte: ein alter Herr!

Der 95jährige Karl Bohn leitet in geistiger körperlicher Frische seinen großen Betrieb als Kla­viertastenfabrikant in Berlin. Der Jubilar kann noch in diesem Jahre sein 80jähriges Handwerks­jubiläum feiern.

Kellner fein dagegen sehr!

5000 Kellnerkandidaten werden zur Zeit in Deutschland geprüft.

ihn zwischen den Fingern und verließ, leise vor ich hin pfeifend, mit federnden Schritten das Haus.

Er wurde bereits an der Pforte des Parks er­wartet. Der ältere Herr, sich über die Hand der jungen Dame beugend und sich wegen der Ver­spätung entschuldigend, erfuhr betroffen, daß nicht er sich verspätet, sondern vielmehr die junge Dame sich verfrüht habe, eine Tatsache, die ihn eine Minute lang beunruhigte. Unerträglicher Gedanke, daß sie etwa auf sein Alter Rücksicht genommen haben könnte! Da dem älteren Herrn aber zugleich zu Bewußtsein kam, daß er ja auch ein Mann mit Namen war ein nicht unbedeutender For- schunqsreisender und vor kurzem erst aus fernen Landen heimgekehrt, daß also solche Rücksicht­nahme sich sehr wohl auf seinen öffentlichen Ruhm beziehen konnte, und da die junge Dame sich eben in dieser Minute zutraulich in seinen Arm hing und ihn aufforderte, zu erzählen, so gelang es ihm binnen kurzem, den Schatten der Sorge zu zer­streuen. Der ältere Herr also, beruhigt, erzählte, er erzählte scharmant. Er befand sich, die hübsche Zuhörerin so nahe zur Seite, in einer sonderbar glücklichen Stimmung. Kein Zweifel: der altere Herr war verliebt, so verliebt, wie nur altere Herren es zuweilen im Frühling sein tonnen, wenn die Schneeglöckchen blühen, er war verliebt und dachte nicht'an Herbst und Winter. Der ältere Herr träumte, indes er erzählte, er träumte, er sah dieses junge Mädchen, Lisa, jung wie die Primeln dort unter den Hecken, sich zur Seite gehen, kaum merk­bar in seinen Arm gelehnt, daß er die schmetter- linqsleichte Last des schlanken Körpers wie eine geheime Liebkosung spürte, sah sie mit sich erngehen in seine Zukunft, seine ein wenig stille aber heitere Zukunft. Und der ältere Herr wiegte sich ein wenig, ein ganz klein wenig in den Hüften und schwenkte seinen Spazierstock und sagte:O ja! Und nun, nach meinen Reisen, gedenke ich mich also hier am Ort niederzulassen."

Nun, das war eine Andeutung, eine zarte und unverbindliche Andeutung, und niemand konnte er­warten, daß eine so gut erzogene und zurückhal­tende junge Dame wie Lisa sogleich bitten wurde: Mit mir!" Nein, niemand konnte dergleichen er­warten und auch der ältere Herr erwartete es nicht. Doch schien ihm die Frage, die m aller Offenheit gestellte Frage, ob er sich zu verheiraten gedenke immerhin nicht ohne einige Bedeutung, und als er auf sein unentschlossenesVielleicht und den bedenkenden Hinweis auf sein Alter unter herz­lichem Lachen nun gar erfuhr, daß er ja nach in den besten Jahren sei, schien es ihm durchaus offenbar, daß man ihn verstanden hatte, vollkommen verstan­den. Und beinahe wäre es geschehen, daß der ältere Herr, in befremdlicher Weise erregt, em

Aelierer Herr im Frühling.

Von Oiemar Moering

Der ältere Herr er befand sich an jener Grenze, die die sogenannten und viel gepriesenen besten Jahre von den grausam unwiderrruflichen des Alters trennt stand vor dem Spiegel und zupfte an feiner Kravatte. Es gibt Situationen, Die auch älteren Herren die Verpflichtung auferlegen, ihrem Aeußeren eine sorgsame Pflege angedeihen zu lassen, und unser älterer Herr gar hatte Grund genug zu solcher Eitelkeit: stand ihm doch nichts Geringeres bevor als eine Verabredung, ein Ren­dezvous mit einer jungen Dame, Lisa, der Tochter eines Studienfreundes, mit welcher er sich zu einem Spaziergang durch die Anlagen des Stadtparks versprochen hatte. Nicht heimlich natürlich wie dürfte ein solcher Verdacht wohl den älteren Herrn treffen? Der ältere Herr, wiewohl Junggeselle, war von durchaus gediegener Art und wußte, was er feinem Freunde und dessen Tochter schuldig war. Der ältere Herr bedurfte nicht der verschwiegenen Wege der Jugend, um ein Rendezvous einzuhalten, und wenn seiner Verabredung vielleicht auch gewisse Absichten zugrunde lagen, Absichten, von denen man nur andeutungsweise sprechen darf, well ihr Ziel noch einer weiteren Zukunft vorbehalten bleiben mußte, so soll man darum nicht schlecht oder mit Spott von dem älteren Herrn denken, denn auch ältere Herren haben noch eine Zukunft, solange sie nicht die erwähnte Grenze überschritten haben und alte Herren geworden sind. Unö niemand nein, niemand kann wissen, ob eme Zukunft, wie sie älteren Herren noch offen steht, eme stille also, aber sickere und friedlich hellere Zukunft eme junge Dame w7e Lisa nicht vielleicht lockte. Wer vermag dergleichen von vornherein zu bestimmen.

ältere Herr also stand vor dem Spiegel, nn seiner Kravatte rückte an den Knöpfen eines tzobL und Lchtete sich eine Heine Beile. Und weil die Frühling-Ionne den Raum mit einem festlichen Schimmer schmückte u"d die fr sche Uuft würzig belebend durch das geöffnete Fenster yerem drang so fiel es dem älteren Herrn auch durchaus Nichts ein, die silbern getönten Haare an seinen Schläfen als ein Zeichen des nahen Atters zu be­trachten. Waren sie nicht vielmehr eine lnterİnte Verzierung feines noch jugendlichen und elastischen Aeußeren, das durch keinen Embonpomt o . .

eine andere Würbe vortäuschende Lächerlichkeit verunstaltet wurde? Der ältere Herr, m emer Laune beschwingter Fröhlichkeit, nickte f Spiegelbild, mit dem einen Auge.Ankernd, h gefällig zu, ergriff feinen Spazierstock, schwenkte

England nachderSevalvalivn des Dollars.

Von unserem (-) Äerichlerstatter.

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) London, März 1934.

Wenn man den Durchschnittsengländer fragt, was er für das bedeutendste Ereignis der Nachkriegs­zeit hatte, so wird er in 99 von 100 Fällen ant­worten: die Devalvation des Pfundes. So groß ist der Eindruck, den dieses Ereignis auf die große Masse der Bevölkerung gemacht hat. Das Schicksal der britischen Währung ist ja auch ent­scheidend für jeden einzelnen in England, da es von der Währung abhängt, ob England als Großmacht bestehen bleibt, ja vielleicht sogar, ob das britische Weltreich überhaupt zu erhalten ist. Denn der Stand des Pfundes entscheidet, ob England weiter die Beherrschung des Weltmarktes behält und die Preise hatten kann, die es seinen Kron­kolonien und Dominien vorteilhaft erscheinen läßt, im großen Reichsverbande zu bleiben. Lebt doch auch in England selbst über vier Fünftel der Bevölkerung von der Ausfuhr, die wieder weit­gehend von dem Stand der englischen Devise be­stimmt wird. Jeder Angriff auf das Pfund, jede Maßnahme, die den englischen Handel schädigt, ist daher für London eine Frage der auswärtigen Politik, eine Frage, die jedermann beschäftigt, viel stärker als auf dem Kontinent etwa Währungs­fragen die Bevölkerung im allgemeinen erregen.

tflur wer das weiß, begreift, warum die A d - Wertung deG amerikanischen Dollars in London eine so außerordentliche Aufregung her­vorgerufen hat, die auch heute noch nicht abgeebbt ist, nachdem das Verhältnis zwischen den beiden Währungen wieder einigermaßen normalisiert ist Der Dollar ist eben sozusagen Die einzige Konkurrenz, Die das Pfund hat; kann man doch ohne Uebertreibung behaupten, daß der Welt­markt zwischen Dollar und Pfund aufgeteilt ist. Diese beiden Währungen erscheinen wie Zwillings­brüder, deren Wohlergehen voneinander abhängig ist. Wenn die Amerikaner behaupten, daß die Hauptursache der Weltwirtschaftskrise die englische Währungspolitik im vergangenen Jahrzehnt ge­wesen fei, so behaupten Umgekehrt die Engländer jetzt, daß die Fehler der amerikanischen Währungs­politik, insbesondere die Rooseveltschen Währungs­experimente, die Schuld daran trügen, daß die Welt nicht zur Ruhe komme, und so daran gehin­dert werde, die Früchte der möglicherweise wieder ansteigenden Konjunktur zu pflücken.

Dieser Eindruck ist durch die letzten Maßnahmen Roosevelts, die eine Neufestsetzung des Goldwertes des Dollars bezweckten, eher verstärkt als geschwächt worden. Die Panik, die durch die starken Goldverschiffungen nach den USA. von London aus ausgelöst worden war, sitzt sozu­sagen noch in jedermanns Knochen; alle Welt be­fürchtet in London, daß sich die Ereignisse von vor vier Wochen wiederholen könnten, und i daß dann das ganze Gebäude, das die englischen : Bankiers so mühsam errichtet hatten, zusammen- I brechen könnte. Das liegt bemerkenswerter Weise weniger an den Beobachtungen, die man auf dem Londoner Markt machen konnte, als vielmehr an den Folgen, Die man von der Entwertung der ame­rikanischen Währung für das kontinentale Europa befürchtet. Zwar hat auch London unter dem Schock der Dollarentwertung Verluste gehabt wie groß sie waren, das hat man charakteristischer­weise bisher verheimlicht es hat sich aber rela­tiv gut gehalten, da es meist nur Durchgang s- ft a t i o n für die Goldverschiffungen anderer Län­der war.

Denn es ist kein Zweifel, daß das amerikanische Beispiel die Hauptursache für die Deva 1 ation der Tschechenkrone war, und daß auch die Schweiz und Holland Verluste erlitten haben, die bedenklich stimmen müssen. Auch Frankreich hat bekanntlich so viel verloren, daß das deutlich spürbar war, so daß möglicherweise auch hier die Vorgänge einen tieferen Eindruck hinterlassen haben, als zunächst erkennbar wird. Den Versuch, den Pfundkurs am Franken zu orientieren, haben die Engländer aufgeben müssen, so daß der Ein­druck entsteht, als ob Die kontinentalen Länder in ihren Währungen erschüttert ober doch durch Die Vorgänge an den Devisenmärkten handelspolitisch geschwächt worden sind. Die Verschärfung der han­delspolitischen Lage in Europa: Zollkonflikte und Versuche neuer 'Handelsabmachungenallround" sind nach englischer Auffassung zumindest kein bloßer Zufall, sondern auf das engste verknüpft mit den Folgen der amerikanischen Experimente.

Nun ist das Schlimme aber nach englischer Auf­fassung nicht so sehr in den unmittelbaren Folgen der Dollardevalation zu sehen, als vielmehr in der Tatsache, daß Wiederholungen des amerika­nischen Experiments (also eine neue Dollarentwer­tung) nicht ausgeschlossen sind, und daß diese bann nicht nur bie gefährbeten europäischen ßänber, fonbern auch bie Engländer selbst zu einem weiteren Abgleitenlassen bes Pfundes zwingen könnten! Denn es ist ja selbstverstänblich, baß bie Reaktionen auf jeben Vorgang sich ein­mal auspenbeln, baß sich also auch jebes noch so sehr gestörte Gleichgewicht boch im Laufe einer ge­wissen Zeit wieberherstellt. Was stört, ist nicht ein einmaliger Vorgang, fonbern seine Wieberholung ober selbst bie Gefahr seiner Wieberholung ... Ge- rabe bas aber wirb von Amerika immer roieber an- gefünbigt! Roosevelt unb fein Schatzsekretär wer­ben nicht mübe, zu verkünben, baß sie sich nicht scheuen würben, ben Dollar noch einmal abzu- trerten, wenn bie Preissteigerungen nicht ausrei­chen sollten. r,, v

Was aber, wenn bas geschieht? Wirb sich bann das Abströmen bes Golbes, an bem Europa ja so wie so schon Mangel leibet, wieberholen? Werben die Holländer, Schweizer und Franzosen das ein zweites Mal aushatten? Oder werden sie nicht alle dazu verleitet werden, es ebenso zu machen wie die Amerikaner, schon um nicht mit ihrem Außen­handel allzu sehr ins Hintertreffen zu geraten? Und selbst wenn die Amerikaner den Dollar zwar in Ruhe lassen, aber wie das wahrscheinlich ist ihr Ziel, die Preise zu erhöhen, nicht er­reichen, wird das allein nicht schon allgemein Die handelspolitische Lage so verschlechtern, daß der Weltmarkt überhaupt zusammenbricht? Auch die letzte Ankündigung über eine neue Handelspolitik der Amerikaner ist ja nach englischer Auffassung zweischneidig: Sie kann zur völligen Beseiti­gung der Freizügigkeit auf dem Welt­markt führen und an feine Stelle ein völlig

dem Platz im Restaurationsbetrieb sein Brot ver­dienen. Wer zwar die fünfjährige Arbeitsausübung nachweisen kann, aber nicht gelernter Kellner ist, wird Kellnerkandidat, das heißt, er wird zu einer der in allen Städten Deutschlands augenblicklich vorgenommenen Prüfungen zugelassen und darf später, sofern er sich durch feine Kenntnisse bie weiße Ausweiskarte erwirbt, als gelernter Kellner feinen bestimmt nicht leichten Beruf ausüben. Fast 500 0 ungelernte Kellner haben sich im Reich bisher zum Examen gemeldet. 700 Anträge sind allein in Berlin gestellt worden. In großen Sälen finden die Prüfungen, die von sechs Fach­leuten vorgenommen werden, statt. 60 bis 70 An­wärter stehen täglich vor den Richtern, die allein zu entscheiden haben: Kellner ober Aushilfsperso- nal!" Ungefähr 25 v. H. der Antragsteller hatten dem Kreuzfeuer der gestellten Fragen nicht stand," erzählt uns Herr Metzler, einer der Prüfungs­meister.

Ein perfekter Kellner muß um nur ein paar Bei­spiele zu nennen die Austeilung der Wein- und Speisekarte auswendig kennen, muß wissen, wie­viel Minuten Bratzeit ein Kotelett beansprucht und muß den Unterschied zwischen einem Gast- und .einem Schankwirt genau erklären können.

Decken Sie mal einen Frühstückstisch, Müller!"

Und er blickte mit scheuen Augen umher, ob viel­leicht außer ihm selbst etwa ein Unbefugter dieses Geheimnis entdeckt haben könnte.

Zeitschriften.

Die Süddeutschen Monatshefte (München) widmen ihre Märznummer den Rheinlanden. Jp wundervoller Anschaulichkeit er­scheinenRheinisches Land und rheinischer Geist" im Aufsatz Paquets als untrennbare, aus tau­sendjähriger Wurzel erwachsene Einheit. Nicht min­der aufschlußreich fetzen die übrigen Beiträge den machtvollen Anfangsakkord fort. Paul Zaunert geht gegen Die überlebte Anschauung vor, daß die Franken und Alamannen der Völkerwanderung am linken Ufer des damals bereitsdeutschen" Stromes dem Einfluß der Keltoromanen erlagen; gerade die neueren Ausgrabungen in Trier und an anderen Orten zeigen, daß sich die Germanen Jahrhunderte vorher bereits ein bodenständiges Volkstum schufen. Eine bedeutsame Ergänzung zu diesem Aufsatz bietet die Zusammenstellung von Einzelfunden und Lese- früchten, in der Tim Klein Brauchtum unb Eigen­art seiner altelsässischen Heimat lebenbig machte. Der Kölner Germanist Friebrich von b er Leyen berichtet van bem rheinischen Gott Wodan, dem wilben Jäger ber Sage, unb vom älteren Siegfrieds- Lieb, bem berühmtesten Sange, ben ber Rhein ber germanischen Wett schenkte. Daß Deutschland nur mit bem lebendigen Vermächtnis des Rheins und seiner unvergänglichen deutschen Kräfte im Kampfe der Zukunft bestehen könne, bezeugen auch die Bei­träge von Karl Justus Dbenauer überRheinische Mystik", von Frantz Schultz über dieRomantik am Rhein", von Konrad Weiß überKünstlerische Rheinfahrt" unb von Hermann Unger, überMusi- kalische Kultur im Rheinland"

DieR h e i n - M a i n i s ch e W i r t s ch a f t s- zeitung", Zeitschrift bes Rhein-Maimschen Jn- bustrie- unb Hanbelstages, Sitz Frankfurt a. M., läßt eine SondernummerDeutscher Außenhandel erscheinen, zu der Reichswirtschaftsminister Dr. Schmidt ein Geleitwort geschrieben hat. Von ben übrigen Beiträgen bes inhaltreichen Heftes, das besonders in unserer Gegend regem Interesse be­gegnen dürste, seien genannt die AufsätzeAußen­handel und Währung" vorn Reichsbankpräsibenten Dr. Schacht unbDeutscher Außenhandel an ber Wenbe" von Dr. Carl L ü e r, Treuhänber ber Ar­beit für bas Wirtschaftsgebiet Hessen, Reichsführer des deutschen Hanbels. Auch bie BeiträgeDer Reichsnährstanb unb ber Außenhanbel",Saarmarkt unb deutsche Ware" undDer Außenhandel in Deutschlands Wirtschaftsentwicklung" verdienen ein­gehende Beachtung.

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