$)ie echte und die falsche 'Doralies Roman von Anny von Panhuys.
Urheberrechtsschutz: Fünf-Türme-Verlag, Halle (S.)
6. Fortsetzung. Nachdruck verboten!
Das Mädchen hatte in Reginas Schlafzimmer schon sauber gemacht und die Kleider und Wäsche aus dem großen Koffer in den Schrank eingeräumt. Frau Edda schloß gleich den Schrank auf und nahm ein beigefarbenes Kleid aus fließendem Crepe de Chine, das über einem Bügel hing, heraus, betrachtete es von allen Seiten.
„Hübsch. Zieh es, bitte, schnell einmal an — wollen sehen, wie es sitzt."
Regina wollte reden, aber sie brachte diesen fröhlichen Augen gegenüber kein Wort von dem heraus, was sie quälte. Sie entschloß sich, das Haus heimlich zu verlassen.
Sie zog ihr Kleid aus, schlüpfte in das dünne andere, schaute sich dann im Spiegel an — sah, es stand ihr sehr gut...
Frau von Stübnitz zupfte ihr den Scheitel tiefer, meinte: „Die Ondulation verrät die Mooshausener Herkunft, aber schönes Haar hast du. Mein Friseur kommt nachher, er soll dein Haar etwas anders schneiden und ondulieren. Wirst staunen, was der aus dem Haar macht." Sie betrachtete wieder das Kleid. „Da muß eine hübsche Perlschnalle hin. Die leihe ich dir, ich habe so eine." Sie legte ihr den Arm um die Schulter. „Ich freue mich wirklich sehr, so lieben Besuch zu haben."
Regina fühlte starkes Herzklopfen. Sie litt unter der Freundlichkeit der Jugendfreundin Fritz Wolframs, und wie ein Strom brach es über ihre Lippen: „Seien Sie nicht so gut zu mir — ich bin ja gar nicht, die ich scheine, bin eine ganz andere..."
Frau von Stübnitz hielt ihr scherzhaft leicht den Mund zu.
„Weiß schon, weiß schon, Doralies — dein Vater schrieb mir ja ganz ehrlich, was du für ein unberechenbares Müdel wärst. Aber bis jetzt merken wir nichts davon. Du bist allerdings erst seit gestern abend im Hause. Und so schlimm ist das doch auch nicht, liebes Kind. Gib dir nur etwas Mühe, dann schleifst du dich schon ab. Ich habe keine Angst vor deinen Extravaganzen, du siehst gar nicht danach aus. Mooshausen ist ein bißchen öde und langweilig, da hast du für Abwechslung gesorgt. Und in solchen Nestern wird auch übertrieben. Ich kenne das aus meiner Jugend. Da sitzen denn die Frauen zusammen, reihum bei den Freundinnen, trinken Kaffee, essen Kuchen und machen Handarbeiten. Sie sticken und häkeln, und bei jedem Stich, den sie machen, bet jeder Masche, die ihr eifriger Haken
pack», ziehen sie über den lieben Nächsten her, Mu , ii aus einer Mücke einen Elefanten und sticken und häkeln Tratsch und Unfrieden zusammen. Da bist du durchgehechelt worden, und dein bißchen junge Fröhlichkeit wurde ganz falsch beurteilt. Laß, Kind, du bist nicht viel anders, als du aussiehst; deine Jugend hat sich nur gegen die Stille und die Klatschweiber von Mooshausen gewehrt. Als» in meinen Augen bist du keine andere, als du scheinst. Beschuldige dich nicht weiter selbst. Ich schicke dir nachher den Friseur herauf, mit mir hat er heute wenig Arbeit." Sie gab Regina einen scherzhaften Backenstreich: „Man sieht es dir nicht an, das Auf-die-Bäume-Klettern und dergleichen — siehst eher aus wie ein griechischer Jüngling mit deinen gradlinigen Zügen. Nachher müssen wir übrigens deinem Vater telegraphisch deine gute Ankunft melden."
Regina hatte jetzt den Mut zur Wahrheit endgültig verloren. Bei erster Gelegenheit mußte sie eben heimlich fort. Jetzt wollte sie noch bleiben; es war so schön hier. Die gütige Frau, die bequemen Zimmer, die Aussicht auf den kommenden Abend ...
Warum stand mit einem Male Peter Konstantins Bild vor ihr? Sie fror plötzlich. — Was würde er von ihr denken, wenn er wüßte, daß sie eine Betrügerin war?
*
Doralies war nach ihrer Rückkehr von Karlsruhe gut und heimlich wieder ins Schlößchen gelangt. Sie saß oben hinter verschlossener Tür mit ihrem getreuen „Hänschen" beisammen und berichtete, daß bisher alles geklappt hatte. Sie sagte lächelnd: „Bis Montag früh halte ich mich gut versteckt, und sobald Vati Montag früh abgereist sein wird, kann ich mich in allen Räumen und dem Park bewegen, wie ich mag, außer den paar Stunden, wo das Mädchen, die Suse, im Hause ist."
Frau Hensel berichtete Doralies, der Vater sei schon sehr früh zur Ruhe gegangen; anderntags wolle er aber zeitig mit dem Einpacken beginnen und nachmittags noch ein paar Abschiedsbesuche machen.
Doralies war erst nach elf Uhr heimgekommen, jetzt schlug es halb eins. Da ging Frau Hensel, versprach ihr das Frühstück am Morgen sofort zu bringen, sobald sie es unauffällig wagen könne. Doralies schlief ausgezeichnet, weder beim Einschlafen noch beim Aufsteigen beschwerte sie die geringste Reue.
Gegen neun Uhr erschien Berta Hensel mit dem Frühstückstablett und erzählte: „Dein Vater packt schon, befindet sich in bester Stimmung und sagte: Jetzt hat mein Mädelchen schon eine Nacht in Berlin hinter sich. Hoffentlich meldet sie bald ihre gute Ankunft!" Sie war ein bißchen nervös. „Ich will lieber gleich wieder hinuntergehen, falls er etwas wünscht. Wir müssen sehr vorsichtig sein."
Gegen ein Uhr brockte sie das Mittagessen; ihr Gesicht sah ganz verstört aus. Doralies fragte ein wenig erschreckt: „Was ist dir denn, Hänschen? Irgend was stimmt doch nicht mit dir."
Die Aeltere stellte das Essen zurecht, murmelte: „Nun ist das Unglück da — hätte ich mich doch nur nicht auf den Unfug eingelassen."
Doralies fragte lebhaft: „Was denn für'n Unglück? Unke doch nicht bloß, Hänschen — rede lieber deutlich!"
„Eine schöne Geschichte kann das werden! Dein Vater ist vorhin ausgegangen, und nun kam er eben zurück mit wieder riesig vergnügtem Gesicht und sagte zu mir: Liebe Hensel, das Allerneueste! Ich packe wieder aus, denn unterwegs fiel mir ein famoses neues Romanthema ein, und der Roman soll hier spielen. Also bleibe ich vorläufig an Ort und Stelle. Meine Reise werde ich bis zum Frühling verschieben und dann Doralies mitnehmen. Bis dahin hat Frau von Stäbnitz in Berlin sicher schon eine richtige junge Dame aus ihr gemacht." Sie sprach ganz weinerlich. „Nu haben wir die Pastete! Was sollen wir jetzt anfangen? Hast du Mut, runterzugehen und zu sagen: Ich bin noch hier, ich bin gar nicht abgereift nach Berlin! Hast du den Mut, deinen Vater nach Berlin an Frau von Stäbnitz schreiben zu lassen: Meine Tochter hat wieder mal was ganz Tolles eingefädelt, die Berliner Doralies ist eine falsche." Sie wiederholte betont: „Hast d u den Mut?"
Doralies hatte mehrmals die Farbe gewechselt, jetzt machte sie ihrem Herzen Lust: „Das ist wirklich ein ordentlicher Schlag ins Kontor. Wer konnte auch so was ahnen! Ich hätte Vati doch für ein bißchen zuverlässiger gehalten. Wie kann er uns so. einen dicken Strich durch die Rechnung machen!" Sie zuckte die Achseln. „Was soll man tun? Ich weiß so schnell auch keinen Rat. Ein Glück nur, daß Reginas Briefe an mich unter deinem Namen kommen." Sie lachte schon wieder. „Bange machen gilt nicht! Wir werden uns schon aus der dummen Geschichte rauswurschteln. Aber ich muß erst in Ruhe überlegen, Hänschen." Sie warnte: „Tue harmlos, Hänschen — wenn du aussiehst wie jetzt, merkt Vati sofort, daß da was nicht stimmt."
Ihr „Hänschen" aber konnte nicht so schnell harmlos tun, ihr „Hänschen" war aufs äußerste verdattert, keuchte, von kurzen, abgerissenen Atemstößen unterbrochen: „Daß ich zu solchem Schwindel mitgeholfen habe, werde ich mir nie vergeben. Nie!"
Das letzte Nie klang wie ein heiserer Schrei.
Doralies machte warnend: „Pscht!", raunte: „Liebstes, bestes Hänschen, sei doch nur ruhig. Es ist ja alles gar nicht schlimm." Sie umfaßte sie. „Was hat sich denn groß verändert? Weiter nichts, als daß Vati nicht weggereift und ich nicht ganz so frei im Hause bin, wie ich wäre, wenn er verreiste. Aber es geht auch so! Vati macht oft weite
Spaziergänge; wenn er zurückkommt, drückt er dreimal draußen auf den Klingelknopf — er nimmt ja nie den Schlüssel mit. Und so wissen wir genau, wann ich mich nach hier oben verziehen muß. Hier rauf kommt er wohl überhaupt nicht. Im Notfälle, wenn er viel zu Hause bliebe, werde ich nachts ein bißchen im Park spazierengehen und Luft schnappen. Das mit Lutz wird von Vatis Hierbleiben nicht berührt, das mußt d u ja sowieso deichseln. Zu seiner Mutter dürfte i ch doch nicht gehen, wenn sie auch ganz nahe wohnt. Außer dir und Lutz braucht niemand von meinem Hiersein zu wissen." Sie tröstete: „Beruhige dich doch, Hänschen — es besteht keinerlei Gefahr."
Was blieb der gutmütigen Frau anders übrig, als die veränderte Sachlage mit den Augen ihres Lieblings anzusehen.
An diesem Tage berichtete sie Doralies aber noch, daß eine Depesche aus Berlin angekommen, durch die Frau von Stäbnitz die gute Ankunft der falschen Doralies mitteilte, und daß ihr Vater eine Depesche fortgeschickt, in der er nach Berlin meldete, er blieb zunächst in Mooshausen.
Doralies fand die Situation zunächst eher belustigend als beunruhigend. Tagsüber lag sie auf dem Sofa oder im Bett und las; spätabends, wenn ihr Vater schon schlief, schlüpfte sie durch die Hintertür in den kleinen Park, der sich an der Rückseite des Schlößchens hügelabwärts hinzog.
Sie liebte den alten Park schwärmerisch, hatte schon in Kindertagen feste Freundschaft geschlossen mit all den Sandsteinfiguren, die grau und verwittert hier heimisch waren seit ein paar hundert Jahren. Seit die verwitwete Erbprinzessin eines kleinen, längst erloschenen Fürstenhauses das Schlößchen erbauen ließ, um hier, abseits von allem Hofzeremoniell, auszuruhen von einem oben, in Pflichten und kalten Glanz eingezwängten Leben.
Doralies huschte wie ein Nachtspuk durch den Park, stand im Mondschein vor den alten Figuren, streichelte sie, flüsterte ihnen zu: Nun kommt Lutz bald!
Lutz!, das war der Gedanke, an den sich Doralies klammerte, wenn ihr die Aussicht, monatelang so versteckt weiterleben zu müssen, wenig angenehm schien. Lutz! Der Name war für sie wie eine strahlende Sonne, die hoch oben an ihrem Himmel stand und ihr leuchtete. Sie wußte, ihr Vater wäre wenig erfreut darüber, wenn er wüßte, daß sie Lutz lieb hatte, so über alles lieb. Vater war förmlich eifersüchtig, und er hatte einmal zu Berta Hensel gesagt:
„Gut, daß Lutz Gärtner so weit weg kam; die Freundschaft mit Doralies gefiel mir ganz und gar nicht. Ich möchte nicht, daß sich da was anbändelt; für meine Einzige ist mir so leicht keiner gut genug! Außerdem hat mich fein Vater schwer beleidigt."
(Fortsetzung folgt.)
Von der Reise zurück
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Die Beerdigung findet Mittwoch, den 4. April, nachmittags 2 Uhr, vom Trauerhause, Bachstrabe 22, aus statt.
In nichtgeschlossenen, in den Feldgemarkungen liegenden Gehöften sind Hunde festzulegen (anzuketten oder einzusperren), so daß sie die Gehöfte nicht verlassen können.
In tiefer Trauer: Margarethe Renner, geb. Rinn Familie Adolf Reuschling II. Familie Ernst Jung.
Heuchelheim, den 2. April 1934.
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Amtliche Bekanntmachung des Kreisamts Büdingen.
Betr.: Der Schuh des Wildes.
Auf Grund des Artikels 65 des Gesetzes, betr. die Innere Verwaltung und die Vertretung der Kreise und Provinzen, vom 8. Juli 1911 wird zum Schutze des Wildes für den Kreis Büdingen auf die Dauer von vier Wochen bei Meldung einer Geldstrafe bis zu 90 RM. für jeden Fall der Zuwiderhandlung mit sofortiger Wirkung angeordnet:
1. In den Feldgemarkungen sowie im Walde müssen sämtliche Hunde dauernd mit festem Halsband versehen sein und an einer sicheren Leine geführt werden; bas freie Umherlaufen von Hunden ist verboten.
Blutreinigung im Frühjahr
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Herr Dr. Wilhelm Klein
Herr Dr. Mehl
Herr Dr. Neumann-Spengel
2034D
An die Bürgermeistereien des Kreises und den Gendarmeriebezirk Büdingen.
Die Bürgermeistereien des Kreises haben ___
stehende Anordnung ortsüblich bekanntzumachen. Wir beauftragen Sie, den Befolg der Anordnung streng überwachen zu lassen. Die Polizeibeamten sind entsprechend anzuweisen. Bei Zuwiderhandlungen ist Strafanzeige zu erstatten. Wir weisen ferner darauf hin, daß bas Aufnehmen unb Arteignen von Fallwilb ober ermattetem Wilb gesetzlich verboten unb ftraftbar ist. 2032C
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■ V V
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Wilhelm Knetsch
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Die Verwendung von Hirtenhunden zur gleitung von Herden. Von Jagdhunden Polizeihunden unterliegen außerhalb der des unmittelbaren Gebrauchs den gleichen stehenden Vorschriften.
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Hessisches Kreisamt Büdingen: Becker.
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