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greitag, 2. November 1934

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Nr. 257 Drittes Blatt

Montagabend selbst Vorstellung hat. (Siehe heutige

%lnd wie steßt es mit ÜXerrn 3ßrendet?

"Wer ßat das ÜKatsßandgestofjten?

in

Nachdruck verboten!

5 Fortsetzung

holen?"

(Fortsetzung folgt!)

Armierungssoldaten erhalten das Ehrenkreuz.

im die

gekommen. Seitdem hatte sie keinen arroeren nnh banfbar An

danken gehabt als durch ihre Arbeit der geliebten fühlen, so bin ich schon glücklich und dan ^r ^n

«ÜPiff SifsÄiÄK «.*.= 31" »*'»"I >* * «'

Edelgard war aufgesprungen, als Kutschner her­eingekommen Nun reichte sie ihm mit einem wehen Lächeln die Hand.

Fräulein Edelgard", sagte Kutschner bewegt,es geht mir nahe, Sie und Ihre hochverehrte Frau Mutter in Kummer zu sehen. Ist es etwas Ve-

Zum zweiten Mal hat der Führer zum Win­terhilfswerk aufgerufen. Immer noch herrscht in weiten Kreisen des deutschen Volkes bittere Not, die uns zwingt, Hand anzulegen und zu helfen. Aber nicht die Not allein soll uns zu diesem Werk an­treiben; stärker als sie ist die Tatsache, daß das deutsche Volk wieder eins geworden ist, und daß darum über alle Unterschiede der Klassen, Stände und Konfessionen hinweg das Gefühl gemeinsamer Verbundenheit Ausdruck finden soll.

zitterte.

Edelgard, liebes Fräulein Edelgard, tut es Ihnen ein wenig leid, daß ich fortgehe?"

Er fragte es leise, stockend.

Weh tut es mir", gab Edelgard zur Antwort. Ich kann es mir gar nicht denken, Herr Direktor, wie es ohne Sie im Büro gehen soll!"

Nur im Büro?" fragte Kutschner heiß.Edel- : gard, dürfte ich hoffen, daß Sie mich ein wenig t vermissen? Nicht nur als Chef, sondern auch als ! Menschen?"

Nun sah sie auf. Sein Ton hatte etwas, was sie

aus tiefster Seele. Ich weiß, witvi» ----------

zwischen uns liegt. Ich bin gegen Sie ein alter Mann. Sie stehen erst am Anfang des Lebens. Ihre Fugend und Schönheit haben ein Recht, das Höchste zu fordern. Aber Fräulein Edelgard, vielleicht ist die reife Liebe eines Mannes, der, wie ich, einsam geblieben ist, weil er den richtigen Menschen noch nicht fand, vielleicht ist diese Liebe ein besserer Schutz und Schirm für ein junges Menschenkind als die jugendliche Leidenschaft eines Gleichaltrigen. Die Sorgen Ihrer Frau Mutter um Ihre Zukunft, Fräu­lein Edelgard, Ihr eigenes Bangen, daß Sie einmal einsam und schutzlos im Leben dastehen alles wäre mit einem Schlage vergangen, könnten Sie sich mir fürs Leben anvertrauen. Fräulein Edelgard,

Edelgard schwieg Sie wußte nichts zu erwidern. Die leidenschaftlichen und doch angstdurchzitterten Worte des Mannes hatten sie vollkommen verwirrt. Was sollte sie ihm antworten? Ob sie für ihn fühlte? Gewiß tat sie das. Aber doch wohl in einem anderen Sinne. Liebte sie ihn?

Nein! Sie liebte ihn wohl nicht.

Aber wußte sie denn, was überhaupt Liebe war? Nein! Auch dies Wissen war ihm fremd. Sie hatte noch nicht einmal in Gedanken davon geträumt. Als sie zum Erwachsensein herangereift, war gerade der Zusammenbruch des mütterlichen Vermögens gekommen. Seitdem hatte sie keinen anderen Ge-

meifter der NSDAP, vom 10. Oktober mitgeteilt, wonach im Einvernehmen mit dem Reichsminister der Finanzen der Verkauf der ZeitschriftDer Kriegsruf" durch die Heilsarmee im ganzen Deut­schen Reich, und zwar mit sofortiger Wirkung, auf öffentlichen Straßen und Plätzen, von Haus zu Haus, in Gast- und Vergnügungstätten, oder an anderen öffentlichen Orten zugelassen wird. Eine Verwendung von Sammelbüchsen und von Musik­kapellen ist bei dem Vertrieb nicht gestattet.________

Edelgard." ,r ,

Er wollte stürmisch ihre Hande ergreifen. Doch er bezwang sich. Er fühlte ihr unmerkliches Zuruc^ weichen fühlte, was sie sagen wollte. Und er sprach eg aus, was auf ihren Lippen und in ihrem Herzen

Seine ernsten Augen sahen mit so tiefer Liebe in die ihren, seine Stimme gab so sehr die Bewegung eines gütigen Männerherzens wieder, daß Edelgard

Schritte im Nebenzimmer. Die Mutter kam.

Warum wollte sie nur, daß Kutschner noch nicht sprach? War es nur darum, weil in ihr selbst alles noch zu unklar war und sie die Mutter vor Unklar­heiten bewahren wollte? Oder war es etwas

einen Direktorposten drüben in der amerikanischen Zentrale. An meine Stelle kommt ein anderer Herr."

O Gott", sagte Edelgard. Ihre Hand, die noch immer selbstvergessen in der des Mannes ruhte.

sprechen?"

Bitte nicht!" sagte Edelgard hastig.Lassen Sie mir Zeit, Robert. Es ist jetzt alles in mir so oer-

Das hätten Sie wohl nicht gedacht, daß dieser nette und sympathische junge Mann sich unver» sehens in einem so zweideutigen Licht prasen« fieren würde, wie es in der heutigen Fortsetzung unseres RomansDas Halsband" in den Famil'enblättern geschieht. Vermutlich haben Sie Herrn Ewald Brendel, als Verwandten des Hauses Finkendey, bisher für mindestens ebenso unschuldig und unverdächtig gehabten wie etwa den tüchtigen Assessor Luzius ober gar den Herrn Konsul. Die Geschichte mit den beiden Briefmarken mag ja auch allenfalls noch hingehen, und wahrscheinlich fanden Sie sogar Herrn Brendels Haltung in dieser etwas pein­lichen Situation, in die der junge Veußner sich

Hals über Kopf hineinmanöveriert hatte, ebenso kameradschastlich wie wir selbst. Aber wie steht es heute? Nehmen die Dinge etwa unversehens eine bedrohliche Wendung für Herrn Brendel? Was sind das für verfängliche Fragen, die man plötzlich an ihn stellen muß? Zwar bestreitet er lächelnd, sich in letzter Zeit in Geld. Verlegenheit befunden zu haben, und ist sogar bereit, sich von Herrn Assessor Lusius anpumpen zu laßen,- aber was ist das mit dem vorerst rätselhaften Namen Auerbach auf einem hauptpostlagernden Brief nach Hannover? Das ist doch Brendels Schrift, er gibt es selber zu, und der Brief spielt eine fatale Nolle in unserer Halsband- geschichte. Was hallen Sie davon? Schreiben Sie uns bitte Ihre Meinung. Am Sonntag, 4. November 1934, ist der letzte Einsendungstermin. Wer ist der Oiev?

Edelgard schwieg, ihre schönen Augen füllten sich mit Tränen.Aber daran vermag ich gar nicht zu

ELP. Zum Winterhilfswerk hat der Landesbischof der Evangelischen Landeskirche Nassau-Hessen fol­genden Ausruf erlassen:

anderes?

Wie schwer ihr Herz plötzlich schlug! Sie wollte es nicht wissen und wußte es dennoch:

Sie fürchtete die Aussprache mit der Mutter, weil erst dann unentrinnbar die Bindung an Robert Kutschner gegeben war. Erst dann hatte sie sich ihm wirklich versprochen.

Weißt du, was Liebe ist?" klang eine geisterhafte Stimme in ihr.

Ich weiß es nicht!" antwortete etwas in ihrer Seele. .. £

Aber du wirst es wissen, später einmal!" tonte wieder diese unerbittliche Stimme in ihr.Einmal, wenn es zu spät ist."

Was ist Ihnen, Edelgard?" fragte Kutschner be­sorgt. Er sah, wie Edelgards zarte Gestalt zusam- menschauerte.

Es ist plötzlich so falt!" antwortete sie mühsam.

Kalt?" fragte Kutschner erstaunt.Aber es rührt sich doch kein Lüftchen. Und es ist heute so schwül wte im Hochsommer. Soll ich Ihnen einen Mantel

Aus der Provinzialhauptstadt

Oer Winter ist da!

mittag ebenfalls geschneit, die Schneedecke ist, wie der Klubwirt Bender uns auf Anfrage mitteilt, durchweg etwa 10 Zentimeter hoch. Heute früh wur­den auf dem Hoherodskopf 6 Grad Kälte festgestellt, in Gießen waren es in der letzten Nacht 1,4 Grad.

Lehrerschaft und Reichs-Buchwoche.

Die Ministerialabteilung für Bildungswesen, Kul­tus, Kunst und Volkstum hat an die Direktionen der höheren Schulen, der gewerblichen Unterrichtsanstal­ten und an die Kreis- und Stadtschulämter fol­gende Verfügung gerichtet:

Wir weisen hiermit auf den durch den Herrn Reichsminister für Volksaufklärung und Propa­ganda erlassenen Aufruf zurWoche des deutschen Buches" hin.

Wir erwarten, daß sich die Lehrerschaft in Stadt und Land als die mit in erster Linie Berufenen freudig an der Durchführung der Reichsbuchwoche beteiligt und die eingesetzten Arbeitsausschüsse un­terstützt.

Wo solche etwa auf dem Lande nicht in Tätigkeit treten, wird der Lehrer eine Möglichkeit finden, in Verbindung mit der Bürgermeisterei, den politi­schen Organisationen und den Ortsgeistlichen der Gemeinde den Sinn derWoche des deutschen Buches" nahezubringen, sei dies auch nur an Hand der Orts- und Schülerbücherei.

Darüber hinaus ist vornehmlich im Deutschunter­richt der Schule das Buch als Kulturgut heraus­zustellen, wobei auch auf die sprachschöpferische Be­deutung der Bibel hinzuweisen ist."

Veranstaltungen

zurWoche des deutschen Buches".

Man schreibt uns: Die in der Vorbesprechung mit den Vertretern der Regierung und Behörden be­handelten Pläne zur Ausgestaltung derWoche des deutschen Buches" konnten leider nicht alle in die Tat umgesetzt werden.

Vor allen Dingen ist es die von den Gießener Buchhändlern geplante große Buchausstellung, deren Ausführung auf Schwierigkeiten stieß, weil einmal ein für die Dauer der achttägigen Ausstel^ hing benötigter Raum nicht zur Verfügung stand, dann aber auch, weil die hierfür nötigen Mittel nicht aufgebracht werden konnten. Die Ausstellung wird nunmehr, wenn auch m wesentlich kleinerem Rahmen, im Foyer des Stadttheaters zustandekom- men und für die Besucher zu bestimmten Stunden des Tages geöffnet fein

Die große Kundgebung, die ursprünglich auch am Montag, 5. November, abends, gleichzeitig mit der Veranstaltung in Berlin zusammen stattfinden sollte, mußte auf Sonntag, 4. November, vormittags 11 Uhr vorverlegt werden, weil das Theater am

ELP. Zur Durchführung des Deutschen Bibeltages 1934 ist für die Landeskirche unter Leitung des Pfar­rers Prof. Lic. Dr. Allwohn, Frankfurt a. M., ein Arbeitsausschuß gebildet worden, der die tätigen Kräfte des kirchlichen und staatlichen Lebens orga­nisatorisch erfaßt. Der Ausschuß will die Dekanate und die Gemeinden bei der Veranstaltung von Bibel­feiern und -festen beraten und im übrigen darauf hinwirken, daß die kulturellen Stellen im Staate, in Schule und Universität das große Gedenken, daß wir 400 Jahre Lutherbibel und damit 400 Jahre Schriftdeutsch haben, in seiner Bedeutung für Volks­tum und Volksleben würdigen. In den Städten und in den größeren Gemeinden werden unter der Lei­tung der Prödfte und der Dekane örtliche Unteraus­schüsse gleicher Zusammensetzung gebildet, die :~ , Einvernehmen mit dem Landesausschuß für

Durchführung des Deutschen Bibeltages sorgen.

DNB. Der Reichsmimster des Innern weift Beantwortung verschiedener Anfragen darauf hin, daß die in seinem Erlaß vom 15. Oktober 1934 ent­haltene Anweisung, wonach Armierungs-Arbeiter

Ob Edelgard!" Wie Sonnenleuchten floß es über Kutschners Züge.Ich bin Ihnen also nicht zuwider? , Sie fühlen sich wohl in meiner Nähe? Oh, das gibt Hoffnung. Das ist ein Hoffnungsstrahl, Fräulein

Sie meinen, Fräulein Edelgard, liebhaben ist nicht Liebe. Ob. ich weiß, es ist ein Unterschied, wie zwischen einem winzia kleinen Blütenkeim und einer strahlend erblühten Blume Aber sowie der zarte Keim sich voll und üppig entfalten kann, wird er treu gehütet: so ist es auch mit der Liebe.

Wenn ich nur weiß, daß Sie em wenig für mich

WUUMSMW?

Noman von Klothilde v. Etegmann.

dadurch erschüttert war.

Wenn Sie mit diesem Wenigen zunächst vorlieb­nehmen wollen, dann ist es gut."

Sie lächelte ihn schüchtern an. Und sie duldete es, daß er leise seinen Mund auf ihre Stirn drückte.

Und die Mutter, Edelgard?" fragte Kutschner, nachdem er sich zart von Edelgard gelost hatte. Darf ich Ihrer Mutter von meiner Hoffnung

Unserer evangelischen Kirche ist hierin seit alters her der Weg gewiesen:Was ihr getan habt einem unter diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan." (Matth. 25, 40).

Es ist niemand anders als Gott selber, dem wir durch Lindern der Not die Ehre geben. Nationaler Wille zu helfen und christliche Liebe müssen daher Hand in Hand gehen. Die Glieder unserer Kirche, insbesondere diejenigen, die ein Amt in der Kir­chengemeinde verwalten, werden darum gerne ihre ganze Kraft zum Gelingen dieses gewaltigen Wer­kes miteinsetzen."

Oer Kriegsruf" der Heilsarmee darf verlaust werden.

In einer Mitteilung des Hessischen Staatsmini­sters vom 25. Oktober (Abt. Ib Innere Ver­waltung) wird ein Rundschreiben des Reichsschatz­

zubilden.

An freien Sonntagen arbeitete sie mit dem alten Gärtner zusammen in dem Garten. Soweit es in ihren Kräften stand, sollte der geliebte Heimatbesitz nicht verkommen. So hatte sie niemals Zeit gehabt, gleich anderen jungen Mädchen über die Liebe zu reden oder von ihr zu träumen. Vor allem hielt .... o ., ,, x

eine tiefe unbewußte Scheu sie ab, mit ob er fläch- wirrt. Ueberlassen Sie mir den Zeitpunkt, zu dem lichen Gedanken und Worten an dies heilige Geheim- ich mit der Mutter sprechen will.'

nis zu rühren.Ich tue alles, was Sie wollen, Edelgard! sagte

So wußte sie jetzt in ihrer Verwirrung tatsächlich er glücklich.Ich verstehen Ihre Scheu. Sie wollen nicht ob das Liebe war, was sie für Kutschner sich noch bedenken, prüfen Sie wollen Ihre Frau empfand. s Mutter nicht mit ungewissen Dingen beunruhigen.

Kutschner spürte ihre Verwirrung. Er spürte, wie Aber, nicht wahr, Edelgard, Sie werden die Wart^ ihre Hand die eben noch so lebenswarm in der ! frist nicht zu lange setzen? Ich mochte Ihnen doch

' ' . . .....-S.1 r: J. ... rxr-- l hürfon ITnh fwinilichkeiten vor

und seitdem man ihr diesen Ausspruch hinterbracht, Hoffnung und Gewißheit hinausgehen in die Ferne? - " " - von ihren Jugendfreundinnen zurück- . Darf ich drüben hoffen und glauben, daß Sie meiner ..... * " " 7 ein wenig liebevoll gedenken? Dann will ich warten

In dem Rundschreiben des Reichsschatzmeisters der NSDAP, wird ausdrücklich festgestellt:Maß­gebend für diese außerordentliche Entscheidung war der Wille des Führers, der gewünscht hat, daß die Arbeit der Heilsarmee, die sich überdies politisch ja niemals betätigt hat, nicht behindert werde. Ich konnte mich auch davon überzeugen, daß die von der Heilsarmee gesammelten Mittel nicht in das Ausland fließen, sondern im Inland bleiben und zum größten Teil zu charitativen Zwecken verwen­det werden."

Nie Schiller-Gedenkfeier in den Schulen.

Die Ministerialabteilung für Bildungswesen, Kul­tus, Kunst und Volkstum hat den Schulleitungen folgendes mitgeteilt:

Da der 10. November in diesem Jahre auf einen Samstag (Staatsjugendtag) fällt, sind die Feiern zum Andenken an den 175. Geburtstag Friedrich v. Schillers bereits am 9. November zu veranstalten.

Oas Betreten und Befahren des Flughafens Gietzen.

Die Polizeidirektion Gießen teilt uns mit: In letzter Zeit wurde wiederholt die Wahrnehmung gemacht, daß der durch rotweiße Bretter kenntlich gemachte Flughafen durch das Publikum betreten und mit Fuhrwerken aller Art befahren wurde. Verschiedentlich wurden auch Reiter beim lieber- queren des Flughafens beobachtet. Das Publikum wird auf die bestehende Polizeiverordnung für den Flughafen Gießen nochmals aufmerksam gemacht. Nach der Verordnung ist das Betreten und Be­fahren des Flughafens sowie das Reiten auf dem­selben verboten. Mit Rücksicht auf die erheblichen Gefahren, die nicht allein dem Publikum, sondern auch den Fliegern entstehen können, darf erwartet werden, daß das Publikum der Polizeiverordnung mehr Beachtung schenkt, damit die mit der lieber« wachung des Flughafens beauftragten Polizei­beamten nicht zum Einschreiten gezwungen werden.

Deutsche Arbeitsfront.

Derufsgemeinschaft der Techniker.

Die nächste monatliche Zusammenkunft findet nicht am 3. November, sondern erst am Samstag, 10. November, im Hotel Hindenburg, Seltersweg, statt. Es spricht Pg. Georg H e ß, Mitglied der Vereinigung zur kolonialen Wiedergewinnung, über Mit Lettow-Vorbeck im Kampf um Deutsch-Ost­afrika".

Deutscher Bibeltag 1934

denken", schloß sie leise.

Da war es mit Kutschners Selbstbeherrschung vorüber. Den ganzen Weg hierher, diesen letzten Weq des letzten Abends, hatte er schon mit sich ge­kämpft, ob er sprechen sollte. Nun war diese Szene ihm wie ein Wink des Schicksals.

Fräulein Edelgard", sagte er und hielt noch immer die Hand des jungen Mädchens, die sie ihm, in ihren trüben Gedanken versunken, noch immer überlassen hatte,Fräulein Edelgard, wäre es nicht möglich, Ihrer hochverehrten Mutter etwas von der Zukunftsangst um ihr einziges Kind zu neh­men? Die Leiden der Vergangenheit, den Kummer

und den Verlust des Sohnes kann man nicht un- konnten Sie ein wenig sur Mich fühlen? geschehen machen. Vielleicht aber wurde sie alle- leichter tragen, wüßte sie ihre einzige Tochter ge­borgen. Fräulein Edelgard, ich hätte noch nicht ge­sprochen, aber auch für mich ist heute ein schwerer :iag. Ich habe meine Abberufung aus der Zentrale hier erhalten und muß in den nächsten Tagen nach Neuyork abreisen."

Nach Neuyork? Aber Sie kommen doch in ab­sehbarer Zeit wieder?"

Edelgard sah mit ehrlichem Erschrecken Kutschner «an. Das konnte doch nicht sein, daß dieser Mann, lden sie als Chef und Mensch gleicherweise verehrte, won hier fortging. Sie arbeitete so von Herzen gern mnter ihm. Sie konnte es sich gar nicht vorstellen, Daß sie einem anderen unterstellt werden sollte.

Kutschner sagte jetzt leise und schwer:

,Nein, Fräulein Edelgard, ich komme voraus- Nichtlich für viele Jahre nicht wieder. Ich übernehme

Nachdem der Winter am 18. Oktober seine An­trittsvisite auf einen Tag im hohen Vogelsberg gemacht hatte, ist er heute früh auch bei uns in Gießen eingekehrt. Nach einer verhältnismäßig kalten Nacht mit stark bedecktem Himmel und nach

sonderes, was sie beide bedrückt? Kann ich Ihnen in irgend etwas helfen?"

Edelgard schüttelte wehmütig den Kopf:

Nein, Herr Direktor, das können Sie nicht. Ich ----- - ,

erwähnte nur in einem Gespräch mit Mutti unse- unruhig machte, erschreckte. Aber sie konnte nicht ren Joachim, da brach der ganze Schmerz in Mutti sprechen. Kutschner, der das Gefühl hatte, daß er wieder auf. Und der Arzt yctt mir ausdrücklich ge- nun weiterreden müßte um jeden Preis, ehe das saat, jede schmerzliche Erregung wäre Gift für ihr Mädchen etwas erwidern konnte, ehe er den Mut. Herz. Mutti ist nicht gesund. Ich versuche ihr das verlor, fuhr leidenschaftlich fort: ,AI

immer auszureden; aber ich glaube, sie tut nur so als ließe sie sich darüber Hinwegtäuschen. Sie macht sich wohl oft große Sorgen, was aus mir werden soll, wenn sie einmal nicht mehr

Fräulein Edelgard! Horen Sie mich an, ich kann nicht von hier fortgehen. Ich kann nicht von

li^be^Sie 0^räul^ein^Edelaard^^Jch^"liebe Sie'ihre Hand, die eben nocy |o ievenswarm in oer I srisi niaji zu lu.^r icpcu- '

Äfft« wi-m°I^r-uu-nd°s Mm g-rubll kalt wurde, sich zu lafen^ud)te. 1 butjen. Unt, nor

Wtffrn uns liegt. Ich bin gegen S>° em aller Er trat zuruck. ^°rt mich! Haus ^öffnet hat - nein, Edelgard, bas wäre

als Schweinen Fräulein Edelgard? Dann weiß ich Ihrer und meiner nicht würdig " .

genug Sie lieben mich nicht."Ich spreche mit Mutter, sobald ich es. irgend

Seine Stimme klang schmerzvoll. Tiefe Trauer lag kann!" sagte Edelgard und brach hastig ab. Sie horte auf seinem gütigen männlichen Gesicht, (fbelgarb :" "" nm

konnte es nicht ertragen, ihn so zu sehen.

So habe ich es nicht gemeint", flüsterte sie.Ver­zeihen Sie, ich bin so verwirrt. Ich habe Sie gewiß lieb. Ich bin immer froh, wenn Sie in meiner Nähe

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Den Abschluß derWoche des deutschen Buches" bilden eine große Sonderveranstaltung des Goethe- Bundes, sowie ein Platzkonzert der Reichswehr­kapelle am Sonntagvormittag vor dem Stadttheater.

Außerhalb dieser offiziellen Veranstaltungen sind innerhalb der einzelnen Organisationen noch fol­gende Veranstaltungen geplant: Ende November im aeoen 81/» Uhr erft xnd- Rahmen der NS -Kulturgemeinde ein Kriegsdichter- kiih em Morgen begann es geger18/. Uhr erst zag. ferner an einem noch festzusetzenden Tage

hast, dann imme rf 9 z ch sch ß Vorlesungen und Ausstellung für das Jungvolk (am

Ä-i Nachmittag, unb bi- HI. unb ben (am war. Natürlich hat der Schnee auf den 23ürger= i 21benb)_, . ,

ft eigen und den Fahrbahnen bis zur Stunde noch ; HirdlC UN0 WmteryttfLlWerf. fein weißes Kleid zustande gebracht, aber die Dächer | unb die Bäume haben von ihm ein winterliches Ge­wand erhalten. Unsere Jugend und die Freunde > des Skisports werden über diesen verhältnismäßig frühen Einzug des Winters besondere Freude emp­finden ob aber die weiße Herrlichkeit Bestand haben wird, bleibt abzuwarten.

Auf dem Hoherodskopf hat es gestern nach­

hatte sie sich von ihren Jugendfreundim gezogen. Was sollte sie auch mit ihnen?

Ihre Interessen waren so ganz andere wie ihre und Geduld haben.' eigenen. Ueberdies war sie nach der Berufsarbeit ......."""

viel zu müde. Ihre wenigen Freistunden waren ihr zu schade zu einem oberflächlichen Gespräch über Kleider, die neuesten Modetänze, Filmhelden und zum Klatsch über allerhand Menschen. Sie zog es vor, des Abends bei der Mutter zu bleiben, zu lesen, ihre Sachen auszubessern oder sich in Sprachen fort-