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tischen Imperiums werden empfindlich berührt. Hatte man noch vor einem Jahre in London wie in Washington den Gedanken haben können, mit Hilfe Rußlands, dem man wirtschaftlich entgegen­kam und moralisch den Rücken steifte, die Japaner in Schach zu halten, so ist heute die Möglichkeit nicht von der Hand zu weisen, daß es französischer Vermittlung gelingen könnte, eine Verständigung zwischen Rußland und Japan herbeizuführen, worauf dann der japanische Imperialismus sich ungehemmt dem gelobten Land im Süden zuwen­den könnte, wo ja allein der japanische Siedler Lebensraum in einem ihm zusagenden Klima findet.

Das sind Wetterzeichen, die heute erst fern am Horizont aufleuchten, aber für England ist die Stunde nicht mehr fern, wo es mit der bisher be­triebenen Politik der kleinen Mittelchen nicht mehr weiterkommt. Barthous Auftreten in Genf ließ ja schon jede Rücksicht- auf den Bundesgenossen von gestern fallen. Mit brutaler Offenheit bezichtigte

der französische Außenminister seinen britischen Kollegen der Doppelzüngigkeit und Wandelbar­keit, der am 14. Oktober mit seiner Erklä­rung gegen eine sofortige Rüstungsvermehrung Deutschlands dazu beitrug, daß Deutschland die Abrüstungskonferenz verließ, und heute diesem deutschen Entschluß seine Berechtigung nicht ver­sagen konnte. Wird England diese Ohrfeige ein­stecken oder nun endlich aus dem Hin- und Her­schwanken sich zu einem klaren Kurs aufraffen, den alle wahren Friedensfreunde in der ganzen Welt ersehnen? Heute wie vor zwölf Jahren in Genua, überbringt ein Mann von dem in Eigenliebe und Mißtrauen gehärteten Starrsinn Barthous der nach Verständigung und Frieden dürstenden Welt die eindeutige Absage Frankreichs. Wird die Welt heute wie damals haltlos und führerlos weitertaumeln dem Chaos entgegen, ober wird diesmal der Appell an die Vernunft, den der Führer des neuen Deutsch­land. an die Völker der Welt richtete, mutigere Herzen, entschlossenere Köpfe finden?

slawischen Grenze die Eisenbahn be­nutzen. Um einen großen Umweg längs der Grenze zu vermeiden, wird er von Orsova aus einen Donaudampfer besteigen. Die Rückkehr des französischen Außenministers nach Paris fei für den 29. Juni vorgesehen..

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Die OGPU. hat nach umfangreichen Verhastun- aen in Kiew jetzt auch in Leningrad unge­fähr 300 Beamte verschiedener russischer Fi­nanzinstitutionen wegen wirtschaftlicher Schädigungen fe st genommen. Die Beam­ten sollen die Stadt um mehrere Millionen Rubel geschädigt haben. Der Prozeß soll Mitte Juli statt- linden.

Oer Bugginger Llnglücksstollen geöffnet.

Bisher zwei Tote geborgen.

Oer Vorschlag der Neutralen aus der Abrüstungskonferenz.

Genf, 1. Juni. (DNB.) Zu Beginn der heuti­gen Sitzung des Hauptausschusses der Abrüstungs­konferenz wies Präsident Henderson auf die äußerst kritische Lage der Konferenz hin und schlug or, nach Anhörung der drei noch auf seiner Liste stehenden Redner die Aussprache bis zum Mitt- woch nächster Woche zu unterbrechen, damit in der Zwischenzeit eine Einigungsmogllch- keit gefunden werde. Die Schwierigkeiten könnten nicht dadurch überwunden werden, daß man l e - diglich Reden halte. Die bisherigen Reden hätten, bereits weitgehende Meinungs­verschiedenheiten ergeben. Solle die Kon­ferenz einen vollen Erfolg bringen, dann sei es notwendig, daß man in den einzelnen Punkten gegenseitig nachgäbe, daß man sich ver­ständige und diese Verständigung in die Form eines Abkommens bringe.

Der polnische Außenminister Seü wies bann barauf hin, baß bie b i r e k t e n De r» hanblungen zwischen einer beschränkten Zahl von Mächten außerhalb des Dölkerbun- b e s bzw. des Organismus der Abrüstungskonfe­renz Meinungsverschiedenheiten zwischen diesen Mächten offen gelegt hätten, die innerhalb Der Konferenz einen Pessimismus hervorgerufen hat­ten, den niemand beschreiben könne. Die polnische Regierung hat an diesem Gedankenaustausch nicht teilgenommen, kann sich daher auch in keiner Weise gebunden fühlen durch die Lösungen, die in dieser oder jener Phase der Verhandlungen vorgeschlagen worden sind. Die polnische Delegation sei von Be­ginn der Konferenz an der Meinung gewesen, daß diese ein klares Ziel, nämlich die Begrenzung und Herabsetzung der Rüstungen haben müßte. Die polnische Regierung habe unter sorgfältiger Be­rücksichtigung des eigentlichen Zieles der Konferenz sich während deren ganzer Dauer enthalten, das Budget der nationalen Verteidigung anders abzu­ändern, als in dem Sinne einer Verringe­rung. Mit Unruhe haben wir hier immer rote- der die Tendenz beobachtet, unsere Debatte auf neue Gebiete auszudehnen, die sich immer mehr von denjenigen entfernten, auf die sich die Konferenz im Einklang mit ihrer Aus­gabe eigentlich beschränken mußte. Rach unserer Meinung können wir konkrete Ergebnisse nur bann erreichen, wenn wir uns nach und nach mit ben Problemen beschäftigen, bie geeignet sinb, bie einftimmige Zustimmung aller Staaten zu finben. Die polnische Delegation habe im Februar bes vergangenen Jahres einen Arbeitsplan unterbreitet, ber vielleicht be­weiben war, ber aber wenigstens ben Vorteil ber Einfachheit unb Durchführbarkeit gehabt habe. Po­len wirb auf bem Gebiete ber Verminberung unb Begrenzung der Rüstungen jede Maßnahme annehmen, bie einen allgemeinen Charak - te r haben unb die auf alle Staaten an- gewendet werden.

OerschwedischeAußenminister Sandler

erklärte u. a.: Die Abrüstung wäre das beste Mittel, um die Gleichberechtigung herzustellen. Er verstehe sehr gut, daß ein Volk sich entehrt suhlen müsse, wenn es in einemZustand minderen Rechtes gehalten werde. Schweden würde keine neuen Verpflichtungen hinsichtlich der Sicherheit übernehmen, wenn nicht effektive Abrüstungsmaßnahmen eingeleitet würden. Rur eine allgemeine Abrüstung würbe ein Sicherheitsregime für alle bedeuten. Sander verlas bann eine gemeinsame Erklä­rung ber dänischen, niederländischen, norwegischen, schwedischen, schweizerischen und spanischen Delega­tion, in der diese Länder dem Hauptausschuß u. a. folgende Erwägungen unterbreiten:

Ein Sonberfomifee soll beauftragt wer­den, unverzüglich bie A u s f ü h r u n g Ga­rantien ber künftigen Konvention zu prü­fen. Das Präsidium soll unverzüglich die Er­richtung einer wirksamen kontra Ile über ben handel und die private und staat­liche Herstellung von Waffen und Kriegsmaterial erwägen.

Das Präsidium soll den Text des Ver­tragsentwurfes vom 27. Januar 1933 einfchl. der vom englischen Außenminister er­wähnten Probleme, nämlich des chemischen Krieges, der Offenlegung der Rüstungsausga­ben, der Einsetzung einer ständigen Abrüstungs­kommission sowie des Waffenhandels revi­dieren. Besonders zu berücksichtigen seien u. a. ein vorbehaltloses Verbot des Luft­bombardements und jegliche Vorberei­tung dazu. Die Zerstörung derjenigen Flug­zeuge, die nach dem britischen Entwurf ver­boten werden sollen, Verhinderung der Verwen­dung der Zivilluftfahrt zu militä­rischen Zwecken. Zerstörung der Kampf­wagen und der schweren Landgeschühe.

Angesichts der Rotwendigkeit, so heißt es bann weiter, jeden interessierten Staat zu befragen und angesichts der Tat­sache, daß Deutschland an ben Arbeiten der Konferenz nicht teil nimmt, soll das Prä- [ibiutn ermächtigt werden, jede geeignete Maß­

nahme zu ergreifen, um diesen Entwurf h i n - sichtlich aller Staatenzuergänzen. Es soll außerdem Sache des Präsidiums sein, den Hauptausschuh zu gegebener Zeit einzuberufen, damit er endgültige Beschlüsse fahl.

Oer sowjetrussische Volks­kommissar Litwinow

ber sich nach Sanbler zum Wort melbete, führte u. a. aus, bie Delegierten, bie nach ihm gesprochen hätten, hätten nichts vorgebracht, was [einen Vor- schlügen zuwiberlaufe ober sie ersetzen könnte. Zum Vorschlag Simons, eine [tänbige Kommis­sion einzusetzen, meinte Litwinow, es wäre besser, Die ganze Konferenz in Permanenz zu erklären, natürlich vorausgesetzt, baß es eine Permanenz ber Tätigkeit unb nicht ber Untätigkeit fei. Die Ausgabe biefer ftänbigen Konferenz wäre bie Ausarbeitung von Sicherheits - unb Friebensgarantien neben ber weite­ren Behandlung ber Abrüstungsfrage sowie bie Kontrolle ber Verpflichtungen, bie sich aus einem Abkommen über ben chemischen Krieg ufro. ergeben würben. Der Einwanb Simons, baß bas Inkrafttreten eines Sicherheitsabkommens von ber Abrüstung abhängig sei, sei burch viele Abkom­men ber Vergangenheit widerlegt worden, z. B. die Locarnoverträge. Litwinow sprach zum Schluß von einem Frieden der Solidarität und der gegenseitig verbürgten Sicher­heit und stellte den formellen Antrag, die gegen­wärtige Konferenz jetzt schon in eine Frie­denskonferenz umzuwandeln unb in Permanenz zu erklären.

Dann schlug ber türkische Außenminister, bem sich Titulescu für bie Kleine Entente unb Maximos im Namen ber Mitglieder des Bal­ta n p a k t e s anschlossen, vor, daß die Konferenz Protokolle über die Frage des chemischen Krieges, die ber Offenlegung ber Rüstungsaus- gaben unb über bie Frage der sofortigen Schaffung einer ständigen Abrüstungskommission ausarbeiten solle. Ferner solle die Konferenz sich unver- züalich mit den gesamten Fragen der Sicherheit beschäftigen, um möglichst bald zu einem Abkom­men über die Herabsetzung und Begrenzung der Rüstungen zu gelangen. Das Präsidium solle zu diesem Zweck einen Sonderausschuß ein­setzen, in dem alle an den zu behandelnden Pro­blemen interessierten Mächte vertreten fein sollen.

Pariser Marionetten.

Paris, 2. Juni. (DNB. Funkspruch.) lieber bie Entwicklung ber Abrüstungsfrage zeigt man sich in französischen Kreisen befriebigt. Der Vorschlag bes türkischen Außenministers wirb be- fonbers unterstrichen, weil er ben französi­schen Wünschen in allen Punkten g e - recht werbe. B a r t h o u hatte eine längere Un- terrebung mit bem türkischen Außenminister. Man geht wohl kaum in ber Annahme fehl, baß ber türkische Plan in seinen wesentlichsten Punkten von Frankreich angeregt worben sei. Er läuft auf bie Bilbung eines Sonberausschus- s e s zum Stubium ber Sicherheitsfrage hinaus. Hier zeichnet sich also schon bie neue Front ab: Frankreich-Rußlanb, bie Kleine Entente unb bie Türkei unb Griechenland. So ist in der französischen Presse das WortAbrüstung" fast gänzlich Der» schwanden. Alle Erörterungen segeln unter ber neuen FlaggeSicherheit".

Amerika mahnt seine Schuldner. Roosevelts Botschaft warnt vor Verwen­dung zu Rüstungszwecken.

Washington, 1. Juni. (DNB.) Dem Kongreß würbe vom Weißen Haus bie lange erwartete Bot­schaft über ben Stanb ber auslänbischen Schulben an bie Vereinigten Staaten überfanbt. Darin er­klärte Roosevelt u. a.: Die von Amerika gewährten Anleihen an bie Alliierten haben diesen die Mit­tel zur erfolgreichen Beendigung des Weltkrieges und zur schnelleren Wiederher­stellung normaler Zustände an die Hand gegeben. Das Geld für bie Gewährung biefer Kriegs- unb Nachkriegsanleihen habe sich bie amerikanische Re­gierung vom amerikanischen Volke bor­gen müssen. Die Schulbnerstaaten müßten fick Darüber klar sein, daß das amerikanische Volk sich baoon beeinflussen lassen werbe, wie bie Schulbner­staaten bie ihnen zur Verfügung stehenben Mittel oerroenbeten, ob für ben Wieberaufbau unb für eine angemessene Abtragung ihrer Schulben an bas amerikanische Volk ober für Zwecke un» probuktiver nationalistischer Aus­gaben. Jeber Schulbner habe jeberzeit Gelegen­heit, einzeln fein spezielles Schulbenproblem mit ber amerikanischen Regierung zu erörtern. Wieber- holt habe bie amerikanische Negierung ben Schutt)- nern klargemacht, bah man eingegangene Verpflichtungen heilig halten müsse.

Barthous Brise nach Bukarest und Belgrad.

Paris, 2. Juni (DNB.-Funkspruch). Wie ber Petit Parisien" zu ber bevorstehenden Reise des französischen Außenministers nach Bukarest und Belgrad erfährt, wird Barthou nach feinem Besuch in Bukarest nur bis zur rumänisch-füd-

Die D e f f n u n g des Unglücks stallens im Kalibergwerk Buggingen ist nunmehr erfolgt. Eine kleine Kolonne mit Oberbergrat Zrer- vogel, einigen Aerzten unb Werkssanitätern sinb in die Grube eingefahren, wonach nochmals eine Entnahme und Prüfung von Wetterproben erfolgte, damit der Stollen dann unter den notwendigen Vorsichtsmaßnahmen geöffnet werden kann. Die Deffnungsarbeiten gehen sehr langsam vor sich, die eitens der Behöroen ergangene Weisung, m i t aller Vorsicht vorzugehen, wurde in allen Teilen befolgt, um nicht weitere Menschenleben zu gefährden. Es sind bereits einige Leichen bemerkt worden, deren völlige Vertrocknung man feststellte. Das Kaliwerksgebiet ist in weitem Umkreis durch Gendarmerieposten besetzt. Ebenso wird auch der Eingang zum Werk streng überwacht. Ohne de- anderen Ausweis darf niemand auf den Werkshof.

Zwei mit Sauerstoffapparaten ausgerüstete Trupps stießen bis 800 Meter vom Schacht aus in das Grubengelände vor und nahmen Wetterpro­ben, die noch untersucht werden. Rauch war auf der Wettersohle nicht vorhanden. Die Strecken ind vollkommen in Ordnung. Es wurden zwei Tote geborgen, die, nach ihrer Lage zu urtei­len, auf der Flucht den Brandgasen zum Opfer gefallen find. Die beiden Trupps sind wohlbehal­ten wieder zum Schacht zurückgekehrt. Eine dritte Kolonne hat auf der Wettersohle zwei Verbindungs-

strecken zur Hauptfördersohle zuaemauert, um das Eindringen schädlicher Gase auf Die Wettersohle zu verhindern. Ferner soll bie Dammtür auf ber Hauptforbersohle geöffnet werben. Auch bort sol­len Wekterproben entnommen werben. An ber Befahrung untertags nehmen neben ben zustänbi- gen Stellen ber Werksleitung unb der Bergbehörde auch ein Vertreter der Staatsanwaltschaft und der badischen Medizinalbehörden teil. In Buggingen herrscht vollkommene Ruhe. Ansammlungen vor der Zeche haben nicht stattgefunden.

Bei der Deffnung des Unglücksschachtes entnom­mene Proben haben ergeben, baß in ber 755-m- Sohle noch Giftgase vorhanben sinb. Es wurden bis zu 6 v. H. Kohlenbioxyd und bis 1,4 v. H. Kohlenoxyd festgestellt. Hierbei ist zu be­merken, daß 0,1 v. H. Kohlenoxyd sofort tödliche Wirkung hat. Die beiden aufgefundenen Leichen, die mumifiziert find, wurden von den Be­legschaftsangehörigen sofort als die beiden Arbei­ter erkannt, die die Rettungsmannschaft am 7. Mai noch zu retten versuchte, die den Versuch aber in­folge völliger Erschöpfung aufgeben mußte. Die Leichen werden einzeln auf einem besonderen Ehrenfriedhof, der an den Bugginger Friedhof an­geschlossen wird, beigesetzt werden. Wenn sämtliche Toten zutage gefördert worden sind, wird im Werkshof eine Gedenkfeier für bie Grubenopfer ftattfinben.

OieNeichsstraßenverkehrsordnung

Im Reichsgesetzblatt erscheint die Reichsstraßen­verkehrsordnung. Zum ersten Male wird dadurch ein einheitliches Reichsrecht für ben gesamten Straßenverkehr gegeben. Der Kraftverkehr war bisher einheitlich reichsrechtlich, der übrige Straßenverkehr war in den verschiedenen deutschen Ländern selbständig geregelt. Für den Kraftverkehr galten aber außer dem reichsrechtlichen Kraftverkehrsrecht noch daneben die landesrecytlichen Bestimmungen. Nunmehr erfolgt die Vereinheit­lichung des Rechts des ganzen Straßenverkehrs durch die Reichsstraßenverkehrsordnung.

In zwei Hauptteilen werden geregelt: einmal die Voraussetzungen für die Teilnahme am Verkehr in sachlicher und persönlicher Beziehung, b. h. insbe­sondere Anforderungen an die Fahr­zeuge unb ihre Führer, bann die Der- kehrsvorschriften selbst. Alle Verkehrsteil­nehmer werden nach den gleichen Bestimmungen behandelt; Sonderrechte (Vorrechte) bestehen grund­sätzlich nicht mehr. Bisher bestanden zahlreiche Einzelvorschriften. Aus ihnen ist bas ihnen Ge­meinsame herausgehoben unb in eine General­klausel umgegossen worden. Diese Vereinfachung war geboten und möglich: Selbst die größte Zahl Einzelvorschriften erfaßt bei der Vielfältigkeit der Lebensverhältnisse doch nicht alle erdenklichen Fälle; weiter schützt Befolgung der Vorschriften doch nicht immer vor Vorwürfen. Endlich ist ins einzelne gehende Reglung auch gar nicht nötig; denn nach der Rechtsprechung folgt die Pflicht zu verständigem und vorsichtigem Hanseln auch ohne Rücksicht auf Sonderbestimmungen aus ber allgemeinen jebem Verkehrsteilnehmer obliegenden Sorgfaltspflicht.

Die Generalklausel, die das Verhalten aller Ver­kehrsteilnehmer regelt, lautet: Jeber Teilnehmer am öffentlichen Verkehr hat sich so zu verhalten, daß er keinen andern schädigt oder mehr als nach den Umständen unvermeidbar behin- Eine Großbank,

Bilanz und Geschäftsbericht der Commerz- und Privatbank.

Eine ber brei beutschen Großbanken, bie trotz »xt Stützung weiter auf privatwirtschaft- runblage arbeiten, bie Commerz- unb P r i v a t b a n k -A G., hat in biefen Tagen ihren Jahresabschluß unb Geschäftsbericht veröffentlicht. Sie hat insofern bie Öffentlichkeit angenehm über- rascht, als burch biefen Abschluß alle Vermutungen bezüglich einer etwa notroenbig roerbenben Sanie­rung gründlich ab absurbum geführt werben. Die wirtschaftlichen Pessimisten haben auch in biefem Falle Unrecht behalten.

Die per 31. Dezember v. I. abgeschlossene B i - lanz ber Commerzbank zeigt, bah biese schon im Jahre 1933 burch Heranziehung von Reserven unb neuen Geschäftsgewinnen grünblid) berei­nigt ist und daß unter die früheren Verluste nun­mehr ein Schlußstrich gezogen ist. Dieses Ziel konnte erreicht werden, ohne daß das Aktienkapital etwa nochmals verkleinert zu werden braucht. Zum Zwecke der Bilanzbereinigung sind 20 Millionen Mark den offenen Reserven entnommen worden. Der gesamte Gewinn des Jahres 1933 rft unter Verzicht auf eine Ausschüttung zu dem gleichen Zweck verwendet worden, unb aufjerbem sind auch stille Reserven herangezogen worden, um die BilanzberSini- gung aus eigener Kraft so durchgreifend wie mög­lich durchführen zu können. Auf diese Weise konn­ten nicht nur die durch frühere Verluste notwendig gewordenen Abschreibungen und Rück­te 11 u n g e n vorgenommen werden, sondern es ind außerdem Dollarnotes im Nennbeträge von insgesamt acht Millionen Dollar g u r ii d ge­tauft worden. Die Abwertung des Dollars ließ diese Rückkäufe als außerordentlich förderlich für die Gesellschaft erscheinen, denn sie führte ihr be­trächtliche Buchgewinne zu. Die Abschreibungen mußten vor allem auf die dem Karstadt-Konzern gewährten Kredite infolge ber bekannten Notlage bieses Konzerns vorgenommen werben. Auch bicfe Abschreibungen sinb also nunmehr burch Inan­spruchnahme ber Reserven ber Commerzbank ge­tätigt worben, ohne bah biese bas zur Sanierung der Banken ins Leben gerufene staatliche Ent­lastungsinstitut nochmals in Anspruch zu nehmen brauchte.

Die Commerz- unb Privatbank hat also nunmehr bie große Bankenkrise des Jahres 1931 überwunden und ist endgültig konsolidiert. Die staatlichen Stüt- zungsmahnahmen waren ausreichend, um dem

b e r t oder b e l ä ft i gt. Der Grundgedanke dieser Bestimmung ist, von Gesetzes wegen lediglich den im Derkehrsinteresse erforderlichen Erfolg vorzu­schreiben, nicht aber den Weg aur Erreichung dieses Erfolges. Und dieser Grundgedanke beherrscht auch die übrigen, insbesondere bie technischen Vorschriften.

Die wesentlichen Neuerungen sinb:

1. Führerscheinfreiheit für alle Kraft­fahrzeuge bis zu 20 km/<5tb. Höchstgeschwindigkeit; baneben bleibt die feit mehr als 10 Jahren gel- tenbe Führerscheinfreiheit ber Kleinkrafträber be­stehen.

2. Zahlenmäßig festgelegte Höchstgeschwin- b i g f e i t e n wirb es grundsätzlich nicht mehr geben. Eine Ausnahme kommt für Kraftfahrzeuge in Betracht, bie nicht luftbereift find. Allgemein bleibt die Möglichkeit örtlicher Beschränkungen.

3. Neugestaltet ist der Ueberholungsvor- gang. Wer von einem schnelleren Verkehrsteil­nehmer eingeholt worden ist, hat «hm ein Zeichen au geben, sobald er bereit ist, sich überholen zu lassen.

4. Ein besonderes Vorfahrtrecht haben Kraftfahrzeuge und Straßenbahnen vor anderen Verkehrsteilnehmern; auch sonst ist das Vorfahrt- recht umgeftaltet worden.

5. Neue Vorschriften über die Beschaffen­heit der Kraftfahrzeuge: a) Erhöhung der zulässi­gen Breite; b) die bisherigen Beschränkungen für Eigengewicht, Gesamtgewicht und Zuladung fallen fort; Begrenzungen gibt es nur noch für ben Rad- bruck, ber entscheidend ist vom Standpunkt ber Be­nutzbarkeit von Wegen unb Brücken; c) im übrigen ist für bie Bauart weitgehenbe Freiheit gelassen; es gilt, ähnlich wie für bas Verhalten ber Verkehrs­teilnehmer, eine Generalklausel: Fahrzeuge müssen so gebaut unb ausgerüstet sein, baß ihr ver­kehrsüblicher Betrieb niemanben schädigt ober mehr als unoermeibbar behinbert ober belästigt.

die sich selbst Hilst.

Bankunternehmen eine Gesundung aus eigener Kraft zu ermöglichen. Die Aktionäre haben nur in­sofern nochmals ein Opfer bringen müssen, als sie auch für das Jahr 1933 roieberum auf eine Dividende verzichten müssen. Aber bas war erwartet worden. Die Ueberraschung besteht nur darin, daß die Commerzbank schon diesmal in so beträchtlichem Umfange eigene HRittel für bie endgültige Bereinigung ihrer Bilanz auf- wenden und diese außerdem durch die Verminde­rung ihrer ausländischen Dalutaschuld nm acht Mil­lionen Dollar wesentlich verbessern konnte. In dem Geschäftsbericht der Verwaltung wird gezeigt, in welchem Maße die erfolgreichen Arbeitsbe- fchaffungs - u. Wirtfchaftsbelebungs- Maßnahmen der Reichsregierung diese Selbst­hilfe erleichtert Haden. Die Gelder, die die Re­gierung der Wirtschaft zur Durchführung der ver­schiedenen Arbeitsbeschaffungsaktionen zur Verfü­gung stellte, haben nämlich zu einer Vermeh­rung der Bankkreditoren geführt, die in ben letzten Jahren so stark zurückgegangen waren.

Die Zunahme der flüssi ge.n Mittel der Banken unb ber anderen Geldinstitute hat bann be­trächtliche Steigerungen ber Kurse aller Anlagewerte, ber Aktien wie der Renten, hervor­gebracht, woburch das Aktivvermögen der Banken wieber angereichert würbe und eingefrorene Gelder wieber aufgetaut werben konnten. Die fortschreitenbe Gesundung des Rentenmarktes, die ja die wichtigste Voraussetzung für die von ber Reichs­regierung erstrebte organische Senkung bes Zinses ist, wird künftig ben Banken weitere flüssige Mittel zuführen, die deren Bilanz fortschreitend entlasten unb ihnen eine bessere Kreditversorgung ermöglichen werben.

Die Commerzbank betont in ihrem Bericht, daß sie bie Pflege Des Mittel- unb Klein- kredits als ihre besondere Aufgabe betrachte. Sie hat z. B. im Jahre 1933 insgesamt 13 507 neue Kredite im Betrage von zusammen etwa 284 Mil­lionen Mark neu ausgegeben. Hierunter Befanben sich 11823 Kredite unter je 20 000 Mark. Die an- gestrebte organische Zinssenkung wird es ben nun­mehr konsolidierten Großbanken ermöglichen, ben kleinen unb mittleren Wirtschaftsträgern wesentlich mehr Krebit unb zugleich billigeren Kredit zu ver­schaffen. Daher ist neben ber Zinssenkung auch bie Bereinigung ber Großbilanzen für die beutsche Ge­samtwirtschaft von größter Bebeutung.