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Nr. 52 Zweites Blatt

Gtetzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Zreitag, 2. März (934

Dr. Goebbels empfängt die Auslandspreise

Tagewerke:

720

1460

6300

2600

durch

Gemeinde

2700

Gemeinde

durch

Selz

1500

durch

Gemeinde

Selz

1667

Entwässerungsgräben,

1500

3700

1500

2100

Regulierung der Selz Köngernheim

Regulierung der Sörgenloch Regulierung der Udenheim

slellung von Strahen-Abfahrten durch

Gemeinde R a u h e i m

Herstellung von Kanalisations- u. Wasser- teitungsprojekten durch Kreis Gießen

Arbeiten zur Sicherstellung der Gas-, Wasser- und Elektrizitätsversorgung bzw. Reuversorgung bisher noch nicht angeschlossener Haushaltungen mit Gas und Strom durch Gemeinde Rieder- Ingelheim

Verbessesserung des elektrischen Kabel- nehes, Errichtung einer Transforma­torenstation und Beschaffung einer Drehstromdynamomaschine durch Stadt Limburg

Blumen aufzufangen, die man ihnen überall zu­warf. Sie stopften sich die Tornister mit dem frei­gebig gespendeten Tabak der Küste voll, schlürften aus winzigen Täßchen den köstlichen Mokka, und wenn einer Glück hatte, an der Spitze mitzumar­schieren, trug er bald schwerer an den Flaschen süßen Krimweines, als an seinem Gepäck. Ueberall standen am Eingang ihrer Dörfer die Tataren mit Gaben beladen, denn sie hatten unter Bolschewisten­herrschaft viel gelitten, weil die dort ansässigen Griechen, ihre uralten Stammesfeinde, mit den Matrosen aus Sewastopol gemeinsame Sache ge­macht hatten, um mit Brand, Raub und zuweilen auch Mord die Tataren dort auszurotten. Es war noch nicht viel Arges geschehen, denn die deutschen Husarenschwadronen fegten in wenigen Tagen die Küste rein.

Noch in der ersten Stunde unseres Einzuges in Gursuff begannen die Tataren die Griechengeschäfte auszuplündern. Die Neugierde hatte mich trotz der großen Hitze auf die Straße getrieben. Da sehe ich aus einem kleinen Lehmhaus der Tatarenstadt, die ich allein durchschlendere, einen graubärtigen Tata­ren auf mich zutreten. Er verbeugt sich mit türki­schem Gruß tief vor mir und spricht mich an:Ta- bacco?" Ich wußte gleich, daß er mich um die Er­laubnis bat, mir Tabak schenken zu dürfen. Wo soll ich bloß mit all dem Tabak hin?! Aber ich nickte um nicht unhöflich zu sein.Karaschot!" sagte der Alte mit einem vor Freude hundertfach zerfalteten Gesicht, und er zeigt aus einen der mächtigen Fels­blöcke, die hoch über der Stadt im Abendlicht hin­gen, als seien sie in ihrem Sturz von einer golde­nen Hand dort festgehalten. Ich verstand ihn nicht, aber ich sah ihn schon vor mir vorausschreiten und folgte ihm.

Er ging durch Gassen und Gäßchen, über Stein­stufen und ungefügte Felsentreppen, immer auf­wärts. Zwischen den kleinen Quadratwürfeln der Häuser, aus den Fenstern, von den Dächern grüß­ten die Frauen, manche mit Schluchzen. Fern unter mir spielte das Meer mit ungeheuren Lichtbändern, die im Funkeln der Bucht erloschen, um feuriger wieder aufzuglühen, und gleich halboffenen Riesen­muscheln öffneten sich die Felsengrotten. Schweig­sam, von mir selbst entrückt, folgte ich meinem schweigsamen Führer.

Endlich erreichten wir, einem abseitigen Geröll­pfad folgend, ein alleinstehendes Häuschen, das, an einen riesigen Felsblock angelehnt, von einem klei­nen Tobaksgärtchen umzirkt war. Ein fremdlau- tender Ruf meines Führers, und es öffnete sich die Tür, als hätte man uns hinter ihr erwartet, her­aus trat, auf zwei Stöcke gestützt, ein, wie mich dünkte, hundertjähriger, grau wie der Stein seiner

Hütte und unter der Last der Jahre gebeugt, wie diese unter dem Felsen. Er hob die Arme mit groß­artigen priesterlichen Bewegungen zum Gruß. Biel­leicht aber war es nur die Mühe des Alters, die dieser Geste einen so weihevollen Ausdruck gab. Dann verbeugte er sich so tief, daß seine eisgrauen haare stirnüber fielen. Mein Begleiter, der, wie ich vermutete, sein Sohn war, und mich zu ihm ge­führt hatte, um ihn durch den Besuch eines Deut­schen zu ehren, flüsterte ihm ein paar Worte zu. Wieder grüßte der Alte, sich noch tiefer verbeugend. Dann trat er in die Hütte zurück und brachte nach geraumer Weile einen Arm voll edelster getrockne­ter Tabakblätter. Er legte sie meinem Begleiter auf die flachen Hände. Ehe ich noch abwehren oder dan­ken konnte, war der Greis schon wieder in sein Haus zurückgegangen. Mein Führer stieg den Steil­weg hinab. Ich folgte.

hierbei trug er die Tabakblätter vor der Brust, die flachen Hände von sich abhaltend, um keines zu be­schädigen, und zugleich wie eine Aufforderung. Je­der verstand sie, denn aus den Häuschen, an denen wir absteigend vorüberschritten, eilten Frauen und Männer herbei und legten mehr und immer mehr Tabakblätter auf die Hände meines Führers.

Da schritt uns eine junge Tatarin entgegen, und obwohl die Frauen und Mädchen hier meist unver­schleiert sich zeigten, war ihr Gesicht so schön, daß es mich fast erschreckte, es ohne Schleier sehen zu dürfen. Sie stand mit leeren Händen da, und ich sah, wie ihre Wangen sich tiefer bräunten, als schäme sie sich ihrer Armut, zumal sich eben mein Begleiter zu einem Kinde niederbeugte, damit es bequemer das kleine Tabakblatt, das es in den Händen hielt, zu den übrigen legen konnte. Sie hielt die Augen gesenkt, und wir wollten eben vor­übergehen, als sie, den dunklen Schleier ihrer Augen voll aufhebend, mich ansah. Nur einen traumhaften Augenblick lang, dann legte sie den Blick auf das Blatt des Kindes.

Als mein Führer in meinem Hotel angelangt war, trug er die Arme bis zum Kinn voll Tabak­blätter. Ich habe sie unter meine Kameraden ver­teilt. Nur das Blatt des Kindes, auf dem der Blick des Mädchens geruht hatte, habe ich mir aufge­hoben.

Das Blatt ist nun in meiner Hand zu Staub zer­fallen. Noch immer sehe ich, wie über Meer und Felsen weg, den Blick des Mädchens erglühen. Die alte Apothekerbüchse trägt zwischen einem zier­lichen Schlangenornament die Inschrift: Ung. styrax. Weht mich die Erinnerung nicht mit dem Duft des grauen Storarharzes an, das der Rinde des morgenländischen Amberbaumes entquillt?

besonders der steife Kragen der Herren, sind schäd­lich.

Krämpfe im Säuglingsalier.

Das Nervensystem des Säuglings neigt dazu, auf die verschiedenartigsten Reize mit Krämpfen zu reagieren. Das Kind wird bewußtlos, das Ge­sichtchen und der ganze Körper sind Zuckun­gen unterworfen. Erfahrungsgemäß sind diese Krämpfe nicht so gefährlich, wie es nach den äuße­ren Anzeichen den Anschein hat, da sie an sich keine Krankheit, sondern nur eine Krankheitserscheinung sind. Um sie zu bekämpfen, ist es notwendig, die Grundkrankheit durch einen Arzt feststellen zu las­sen. Früher bezeichnete man die meist in der Zeit des Zahnens auftretenden Krämpfe alsZahn­krämpfe". 'Es hat sich aber herausgestellt, daß sie zu dem Zahndurchbruch in keinerlei Beziehung stehen, vielmehr sind sie eine Folge der Englischen Krankheit, die durch mangelhafte Pflege, falsche Er­nährung und Mangel an Luft und Licht bedingt ist. Da besonders der Luft- und Lichtmangel die Krämpfe als Begleiterscheinung der Englischen Krankheit aus­löst, treten diese besonders häufig im Spätwinter und im Frühjahr auf. Dank der besseren Ernährung und Pflege werden dieseZahnkrämpfe", die schon jetzt stark zurückgegangen sind, hoffentlich bald so gut wie ganz aus der Krankheitsskala des Säuglings verschwinden. Im Hochsommer können durch akute Darmstörungen und allzu große Hitzeeinwirkung (über­mäßiges Einpacken des Kindes, allzu starke Sonnenbe­strahlung Krämpfe ausgelöst werden. Auch hier liegt es in der Hand der Mutter, durch vorsorgliche Pflege und Beachtung des Säuglings die Krämpfe zu ver­hindern. Schwieriger find die durch Hirnhaut­entzündung hervorgerufenen Krämpfe, ebenso

Ein Bild von dem Empfang im Reichspropagandaministerium.

Von rechts nach links: Dr. Goebbels, der päpstliche Nuntius O r s e n i g o, der amerikanische Botschafter D o d d.

Hitler schafft Arbeit!

Rachslehend weiter bewilligte Wahnahmen des Arbeitsbeschaffungsprogramms im Rhein 2Hain-

Dränierung von Grundstücken in Flur 7 durch Gemeinde Fauerbach

Entwässerung von Grundstücken mittels Dränage durch Gemeinde Alten- Vuseck

Verebnen von Wiesengelände für Acker­wirtschaft auf staatlichem Gelände in der Hammerau durch Volksstaat Hessen

Rodauregulierung und Wiesenentwässe­rung durch Gemeinde Jügesheim

Oas Tabakblatt.

Eine Erinnerung von Hans Kyser, GOS.

Hans Kyser ist als Dramatiker, Ro­mandichter und in den letzten Jahren vor allem mit vaterländischen Hörspielen hervorgetreten. Die erste nationalsoziali­stische Bühne in Berlin eröffnete 1931 ihren Spielplan mit KysersDie bren­nende Grenze". Kürzlich gelangte in Ber­lin sein neuestes WerkRembrandt vor Gericht" im Deutschen Theater zur erfolg­reichen Uraufführung.

In der alten Apothekerbüchse hoch auf meinem Bücherspind fand ich heute zufällig ihren knopf­losen Deckel öffnend, ein Tabaksblatt. Ein einzelnes, schmales, junggepflücktes, von dem reifen Goldton des sehr edlen türkischen Tabaks, wie er an der Südküste der Krim wächst. Wie ich es anrühre, zer­fällt es zu braunem Staub, und plötzlich flimmert es in dem Staub heiß auf: Lehmhütten und sonnen­gebräunte Holzhäuschen bauen sich da übereinander, steil reckt sich der fromme Elfenbeinfinger eines Minaretts empor. Eine Taufend-und-eine-Nacht- stadt wächst mir auf der Hand.

Gurfuff. Die Zauberstadt der Krim, m eine ame­thystfarbene Bucht des Schwarzen Meeres Zwifcyen gigantischen Blöcken verborgen. Enge und steile Felsenkurven führen zu ihr hinab. Man steht manchmal nur den weißflammenden Fmger des Minaretts, als gebiete er den Wanderern Halt, denn hier ist das Paradies. . ,

Es war in den Tagen des deutschen Knmseld- zuqes. Wir hatten das Jailagebirge überschritten und marschierten an der Südkuste entang um den von Sewastopol flüchtenden Bolschewisten den Mick- weg nach Westen zu verlegen. Es wurde kein Schuß gewechselt. Unsere Landwehrmanner hatten nur die

Herstellung von

Verfchleifung alter Gräben und her-

Gießener Konzeriverein.

Lymphonie-Konzert.

Es bedeutete für das Symphoniekonzert des Gießener K o n z e r t v e r e i n s eine ge­wisse Erschwernis, daß man für diese Veran­staltung auf einen in Anbetracht des stark besetzten Klangkörpers verhältnismäßig kleinen Raum an­gewiesen war. Die starken klanglichen Evolutionen sowohl in der Leonor en- Ouvertüre wie auch in der Vierten Symphonie sind doch für größere akustische Verhältnisse gedacht.

Und dennoch, der überaus begeisterte Beifall am Schluß des Abends bekräftigte die starken musika­lischen Eindrücke.

Professor Dr. Stefan Temesvary laßt sich, wie es hier schon so oft betont werden konnte, in seinem Musizieren vornehmlich durch den Impuls und durch sein tief erregbares Temperament leiten. Da, wo die Höhe des Affektes sich kündet, sei es im tiefsten Erschauern, wie in der Einleitung der Leonoren-Ouverture, sei es im höchsten Aufwallen wie in der Coda des gleichen Werkes oder tm Schlußsatz der Symphonie, da gibt er stets sein Größtes und vermag jeden mit sich fortzureißen und innerlich an feinem Durchleben der Partitur teilnehmen zu lassen. So führte das Adagio der Lonoren-Ouverture in eine ergreifende Tiefe. Das Gegensätzliche der wirkenden Kräfte in der weiteren Entwicklung des Werkes erstand plastisch in engster Verknüpfung. _ , . r. - .

Die Einleitung zu der Symphonie ließ das Bannende, das Suchende ebenso offenbar werden, wie die Frische, mit der das Allegro erfüllt wurde. Das Ritardando beim Eintritt des Zweiten Themas in der Reprise dieses Satzes zeigte deutlich daß diese Maßnahme auch bei der Exposition angebracht gewesen wäre. Das Adagio egte er breit an, das Hauptthema mit weitem Atem getragen, unter feiner Angleichung an thematisch belegten 9teben= stimmen. Nur bei dem Eintritt des ^larinettew themas hätten die Figuren der ersten Violine noch ein wenig mehr abgedämpft werden können Das Allegro vivace war mit einer naturhaften Unmit­telbarkeit erfaßt, die in ihrer Ursprünglichkeit über­zeugen mußte. Das Finale wurde, wie schon oben erwähnt, mit höchstem Schwung und gesteigertstem Lebensgefühl durchweht. r .. . . _

Das Orchester überzeugte ebenso nut seiner klang­lichen Kraft in den einzelnen Jnstrumentengruppen, wie es zumal in den Holzbläsern besondere Vor­züge erkennen ließ.

Für Joh. Seb. Bachs Konzert surZwei Violinen hatte man in Elisabeth D l e f f e n -

bad) (Darmstadt) und Hannemarie Spanier (Frankfurt) zwei ausgeprägte Geigerindividualitä­ten gewonnen, denen es offensichtlich darauf an­kam, die in diesem Werk ruhenden reichen musika­lischen Kräfte in ihrer Energiegebundenheit zu er­wecken. Beiden Künstlerinnen ist ein gesunder, großer, breit gezogener Ton eigen, das der thema­tischen Linienführung überaus günstig zum Vorteil gereichte. Jeder der Sätze wurde in seiner spezifi­schen Eigenart dargestellt und ebenso vom Tuttl des Orchesters akzentuiert unterstützt. Auch hier hätte mehr dynamische Abstufung die Gegensätz­lichkeit des Thematischen noch wirksamer hervor­treten lassen. Dr. H.

deren Giften zu verhindern. Der Kranke kann sich selbst helfen, indem er längere Pausen zwischen den einzelnen Mahlzeiten vermeidet und alle zwei Stunden ein paar Bissen zu sich nimmt. Ost ge­nügt schon ein Schluck Wasser oder ein Bissen Weißbrot, um eine größere Säureansammlung zu verhindern.

Die dritte Art der Magenschmerzen, der Spät­schmerz, stellt sich ungefähr zwei bis vier Stunden nach der Mahlzeit ein. Im Gegensatz zum Hunger­schmerz ist er durch eingeschobene kleine Mahlzeiten nicht zu beheben, sondern wird durch häufige Nah­rungszunahme nur noch verstärkt. Am wirksamsten wird man auch ihn durch eine reizarme, leichte Kost bekämpfen.

Die meisten Magenschme'rzen sind von Ausstößen und Sodbrennen begleitet. Das Sodbrennen be­ruht auf dem Einschleudern der Magensäure in den unteren Abschnitt der Speiseröhre, deren Schleirn- heit besonders empfindlich ist. Durch langsames Essen, Einschränkung zu zahlreicher Nahrungszu­nahme, Vermeidung von zu scharfen Gewürzen kann sich jeder vor diesen unangenehmen Begleit­erscheinungen bewahren.

Krampfadern

als Schönheitsfehler.

In ihrem Anfangsstadium ist die Krampfader noch nicht als Krankheit zu bezeichnen, sondern ist nur ein die schöne Linie des Beines störender Schönheitsfehler. Wird dieser Schönheitsfehler aber vernachlässigt, so können sich daraus außer lästigen Gehbeschwerden und Beinschmerzen ernstliche Ve­nenentzündungen und Geschwüre entwickeln. Durch sorgfältige Pflege können aber auftretende Krampf- , adern, die ja nichts weiter sind als erschlaffte | Venen, wieder zurückgebildet werden. Man ver-

Was gibt esNeues in der Medizin?

Von Dr. p. Wölffel.

meide anhaltendes Stehen und stütze die ge- chwächte Venenwand durch eine richtig angelegte Trikotschlauchbinde. Mit Teilmassagen und Wechsel­bädern, die den Blutumlauf im Bein fördern, wird < man in vielen Fällen den erweiterten Adern ihre , normale Form wiedergeben können.

Erste Hilfe bei Erstickungs- gefahr durch Verschlucken.

Bei der Erstickungsgefahr durch Verschlucken ist eineerste Hilfe", also ein sofortiges Eingreifen unbedingt nötig, da bis zum Eintreffen des Arztes chon schwere innere Verletzungen oder gar der Tod durch Ersticken eintreten können. Wie soll man ich also verhalten, wenn irgend ein Speiseteilchen in diefalsche" Kehle kommt? Jeder Fremd­körper in der Luftröhre erzeugt sofort einen hefti­gen Hustenreiz, der in den meisten Fällen den be­treffenden Körper herauszuschleudern vermag. Ge­lingt dies nicht, so wende man folgendes Haus­mittel an: Der Betreffende wird quer über einen Stuhl auf den Bauch gelegt. Er stützt die Hände auf den Boden und läßt den Oberkörper hängen. In dieser Lage muß er dann dauernd nach ener­gischem Kommando tief atmen, dabei wird er von einem Anwesenden auf den Rücken geklopft. Es hat sich erwiesen, daß auf diese Art der Fremdkörper sehr schnell herausbefördert wird und so die Er­stickungsgefahr beseitigt ist. Am sichersten ist es natürlich, wenn man ein Verschlucken von vorn­herein verhindert. Vor allem also immer die alte Regel, die außer ihrem ästhetischen auch einen hygienischen Wert besitzt, beachten: nie mit vollem Munde sprechen. Denn mit dem tiefen Atmen beim Sprechen, wobei die Luftröhre weit geöffnet ist, wird leicht ein Speiseteilchen in diese mitgerissen. Durch gründliches Kauen jedes Bissens wird man zwischen den Zähnen jede Gräte ober jeden Kno­chensplitter bemerken und karcki den eventuell ge­fährlich werdenden Fremdkörper entfernen.

Blutandrang nach dem Kopfe.

Wie oft wundert man sich, daß gerade besonders blühend aussehende Menschen über zahlreiche Be­schwerden klagen. Fliegende Hitze, ein spannendes Gefühl der Haut, Flimmern vor den Augen, Schwindelgefühl und Kopfschmerzen, das sind die Beschwerden, die den so blühend Aussehenden be­trächtlich quälen können. Hervorgerufen werden diese Erscheinungen durch einen zu starken Blut­andrang zum Kopfe, der auf sehr verschiedenen Ursachen beruhen kann. Störungen der Verdauung, der Herztätigkeit, Leber-, Magen- und Unterleibs­leiden (besonders in den Wechseljahren), allgemeine Schwäche mit übergroßer Reizbarkeit der Nerven, Steigerung des Blutdrucks, all das kann den un­angenehmen Blutandrang auslösen. Es ist Sache des Arztes, nachzufvrschen, welche der Grundkrank­heiten vorliegt. Er wird nach Feststellung die not­wendige Spezialbehandlung leiten. Außer der Spezialbehandlung gibt es aber noch einige all­gemeine Verhaltungsmaßregeln, die von jedem, der einen zu starken Blutandrang hat, befolgt werden müssen. Aufregungen und Ueberanftrengungen sind zu meiden. Bohnenkaffee, Tee, Alkohol und Tabak sind verboten. Alle dick machenden Speisen und Getränke sind zu meiden. Ebenso ist der Genuß von Fleisch, auch Wurst und Schinken, einzuschrän­ken. Der Patient sollte höchstens dreimal in der Woche Fleisch essen und sich sonst mit frischem Ge­müse, Obst und Rohkost begnügen. Vollkornbrot ist weitaus gesünder als Weißbrot. Milch, Butter- : milch, Fruchtsäfte und Mineralwässer sind erlaubt.

Sämtliche Speisen und Getränke sind nicht zu heiß 1 einzunehmen. Warme Fuß- und Sitzbäder bewirken . eine Ableitung des Blutandranges, Fichtennadel- : bäder (28 Grad Celsius, 15 Minuten lang) wirken i beruhigend. Besonders wichtig für den Patienten - ist viel Bewegung an der frischen Luft (mäßig - Sport treiben), Massage und ein ausgesprochen : regelmäßiges Leben. Einengende Kleidungsstücke,

Magenschmerzen.

Man kann den Magenschmerz nach dem Zeit­punkt seines Auftretens nach der letzten eingenom­menen Mahlzeit einteilen. Am häufigsten ist der sogenannte Frühschmerz, der kurz nach der Mahl­zeit oder aber auch schon direkt während der Nah­rungszunahme auftritt. Er äußert sich meistens in einem unangenehmen Druckgefühl in der Magen­gegend. Die Ursachen für den Frühschmerz sind ver­schiedene. In den wenigsten Fällen handelt es sich um organische Veränderungen. Zu hastiges Essen, mangelhafte Kaubewegungen, eine UeberfüUe des Magens, zu scharfe Gewürze und die schädliche An­gewohnheit des Wassertrinkens während der Nah­rungszunahme sind im allgemeinen die Gründe für diesen Magenschmerz. Es liegt also bei dem einzelnen, durch Abstellung dieser schlechten Ge­wohnheiten sich vor dem Frühschmerz zu schützen.

Im Gegensatz zum Frühschmerz beruht der Hun- gekschmerz, der sechs bis acht Stunden nach der Mahlzeit auftritt, auf einer organischen Verände­rung und ist unbedingt von einem Arzt zu be­obachten und zu behandeln. Die Aerzte sind der Ansicht, daß der Hungerschmerz durch einen Krampf der Magenmuskulatur entsteht, der durch eine zu starke Magensäurebildung verursaäst wird. Diese vermehrte Säurebildung ist umso merkwürdiger, als sechs bis acht Stunden nach der Nahrungszu­nahme der Verdaungsprozeß beendet, also auch keine Säurebildung mehr nötig ift Oftmals ist die ungesunde Säurebildung "ein Warnungszeichen für den Ai'zt, daß hier ein Magengeschwür besteht oder in der Entstehung ist. Die Behandlung wird vor allem darauf eingestellt fein, eine weitestgehende Beruhigung der Magenmuskulatur herbeizufuhren und die Säurebildung durch Vermeidung von Ge würzen, Alkohol, Nikotin, Koffein und allen an

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Maßnahmen:

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