Einzelbild herunterladen

Hr. 28 Zweiter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)Aeitag, 2. Zebruar 19Z4

eigenen Rochte aufschreibt und festhält.

Lehrstoff freudig aufnahmen und ihn auch bald

nen-Führerinnen der Kreise und andere Teilnehmer, insgesamt nahezu 100 Unterführer, erschienen, um von Gauoberturnwart R. P a ul - Gießen, dem Lei­ter der Lehrgänge, die Anweisungen für die Aus­bildungsarbeit entgegenzunehmen.

Der Lehrgang für das Männerlurnen begann am Samstag in der Turnhalle des Real­gymnasiums und wurde am Sonntag in der Halle des Tv. 1846 fortgesetzt. Gauoberturnwart Paul begrüßte seine Unterführer. Die sofort einsetzende praktische Arbeit machte zunächst mit den vom Gauoberturnwart entworfenen allgemeinen Frei­übungen bekannt, die in diesem Jahre die tur­nerische Tätigkeit in den Vereinen, Kreisen und Be­zirken begleiten werden. Die Uebungen sind ausge­zeichnet durch klaren Aufbau, scharfe Gliederung und fließende Bewegung und wurden daher freudig ge­turnt. Weiter waren u. a. Gegenstand der Beleh­rung und der praktischen Erprobung das Hinder­nisturnen unter Zuhilfenahme der Geräte und die vielseitigen Verwendungsmöglichkeiten des Medizin­balls. Eine rege Aussprache über die Neugestaltung des Dereinsriegenturnens beschloß den praktischen Teil des ersten Lehrgangstages.

Sippenschicksale deutscher Bauern

Eine rafsenkundliche Ausstellung auf der »Grünen Woche- in Berlin.

9JL-$p®Tt

Lehrgänge der technischen Führer des Turngaues Aordheffen.

Wenn wir noch weiter zurückgreifen, zeigt sich allerdings auch, wie in gewissen Gegenden die Bau­ern in das Hörigkeitsverhältnis, in die Leibeigen­schaft gesunken sind. Pfarrer Bernd vom Deygen- dorpe vertauscht am 1. Juni 1398 Leibeigene und hält diesen Tausch in einem Protokoll fest. Eine Urkunde aus dem Jahre 1487 zeigt, wie Heyne Wagenschütte von Pynnow das ganze Dorf Wal­tersdorf an den Rat der Stadt Berlin verkauft. Erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts endete diese Bauerntragik. In einer Urkunde aus dem Jahre 1805 wird festgehalten, wie Graf Johann Ludwig Wallmode, der Vormund der Grafschaft Schaum- ... burg-Lippe, die Sophie Hegehorst aus der Leib- meis eiqenschaft entläßt. Der Gedanke, daß bäuer- der ....... ...............

Cid) er Besitz verpflichtet, findet sichtbaren Linden, Marburg waren die Ausdruck in einer Urkunde, die zeigt, daß im nie- Lehrstoff ,

dersächsischen Bauerntum ein solcher Gedanke schon meisterten. Beim Turnen an den Geraten wurde

seit Jahrhunderten Rechtskraft hatte. Hans Bütt­page aus einem Dorfe bei Celle wird wegen schlech­ter Verwaltungabgemeiert" und zu zeitweiliger Zwangsarbeit verurteilt. Sein Besitz wird seinem Schwager, Heinrich Cammann, überwiesen und zwar, wie es in der Begründung heißt,wegen schlechter Haushallung und täglichen Saufens".

Diese Beispiele zeigen die Möglichkeit, daß alte Dokumente auch heute die Familiengeschichte deut­scher Bauerngeschlechter wieder lebendig machen. Da sind die Erbhofdokumente, Altenteil­verschreibungen, beim Gemeindevorsteher befinden sich noch zahlreiche Akten, im Katasteramt liegen Flurbücher und Erbhofverzeichnisse. Auch die Grund­bücher beim Amtsgericht geben Auskunft über Fa­milienschicksale. In den Archiven der Klöster und Hospitäler findet sich reiches Material, und in den Landesarchiven liegen Steuerakten und Akten, die über die Patrimonialgerichtsbarkeit und über die Schicksale bäuerlicher Sippen Aufschluß geben.

Lebhafte Beachtung finden auch die Darstellun-1 gen dieser Ausstellung über den soziologischen Auf­bau alter Bauerngeschlechter. Da ist die Sippe der Landgrafen aus der Oberpfalz. In dieser Darstel­lung wird gezeigt, wie wertvolles deutsches Blut oft außer Landes gehen mußte, um dort Raum zum Wirken zu haben. Erfreulich ist,es, daß dabei die beutfd)e Art nicht immer vergessen wurde. So ist ein Mitglied dieser Sippe Unterstaatssekretär in Budapest und Führer des VDA. Ein anderes Mit- alied dieser Sippe ist heute wieder als Führer der Landesbauernschaft in Bayern tätig. Schließlich wird auf einer aufschlußreichen Karte dargestellt, wie auch in Bayern das Bauerntum seßhaft ge­blieben ist. Hier ist ein Hof bei Amberg urkundlich seit 1400 im Besitz der gleichen Familie. 13 Höfe i aus der Zeit von 1400 bis 1500 sind bis heute im Be­sitz der gleichen Familie geblieben. Aus allem Ge­zeigten geht eins klar hervor:

Die Rasse ist die Grundlage deutscher Kultur, deutschen Bauerntums. Entartung und Rassenver­fall haben den deutschen Volkskörper im Laufe von wenigen Jahrzehnten in die Gefahr des Dolkstodes gebracht, die nur gebannt werden kann, wenn das ! Bauerntum wieder der Lebensquell des Ideutschen Volkes wird.

In Gießen wurden am Samstag und Sonntaa zwei Lehrgänge des Turngaues Nordhessen (DT.) durchgeführt, die grundleaend und wegweisend für die turnerische Aufbauarbeit im neuen Gaugebiet sind. Aus den zwölf Turnkreisen des Heimatgaues waren die Kreisoberturnwarte, die Kreismänner-

der Kampfrichterausbildung besondere Beachtung geschenkt.

Am Nachmittag fand eine Besprechung unter Lei­tung des Gauoberturnwarts statt. Zur Ablegung der Prüfungen für das Turn- und Sportabzeichen, das SA.-Sportabzeichen und das neue Gymnastik­abzeichen der Frauen wurde aufgefordert. An der Deutschen Turnschule in Berlin, deren Arbeit so fruchtbringend ist, sollen bei allen Lehrgängen die l)em Gau Nordhessen zustehenden Plätze restlos be­legt werden. Das Verhältnis zu anderen Verbänden wurde klar geschildert und die Arbeit im Gau und in den Turnkreisen im einzelnen festgelegt. Alle Vereine sollen Mannschaftskämpfe mit benachbarten Vereinen pflegen. Die Geräte-Meisterschaften des Gaues, die gleichzeitig als Ausscheidungsturnen für die Weltmeisterschaften in Budapest gelten, kommen am 18. Februar in Form eines Bühnenschauturnens zum Austrag. Eindringlich warb der Gauoberturn­wart für die beiden Bezirksturnfeste in Bebra (Nordbezirk) und Friedberg (Südbezirk).

Der Lehrgang für die Frauenführc 'nnen und Frauenlurnwarle

der Turnkreise des Gaues XII wurde nach Eröff­nung durch den Gauoberturnwart am Samstag- nachmittaa in der Turnhalle der Oberrealschule von : Friedel Kasten- Strombera, der Führerin der Turnerinnen des Gaues Norohessen, geleitet, Gym­nastik, Gemeinschaftsturnen am Gerät, Volkslied und Volkstanz u. a. Stoffgebiete beschäftigten am Samstag und Sonntag die Turnerinnen. Viel An­klang fanden die allgemeine Frei- und Keulen­übungen, die Gaufrauenturnwart L. Klent- : Friedberg zusammengestellt hat. Eine zusammen- fassende Besprechung beschloß auch diesen Lehrgang. , Dabei sprach Friedel Kasten über die Neuorganisa- tion der DT., die Gleichtracht der Turnerinnen, das Gymnastikabzeichen, sowie über die Gestaltung der Kreisturnfeste.

Ein Gemeinschaftsabend führte am Samstag die Teilnehmer beider Lehrgänge im

Die Arbeit des Sonntags begann mit einer ein­drucksvollen Morgenfeier. Nochmals wurden dann alle Freiübungen und die vorgeschriebenen Geräte­übungen für die Bezirksfeste durchgeturnt, ebenso die sehr schwierigen Pflichtübungen für die Welt- isterschaften in Budapest. Bekannte Mitglieder der alten Hessenriege aus Gießen, Wieseck, Großen- ~rSchüler", die den

Was lange brach lag, ist wieder fruchtbar ge­worden. Werte aus vergangenen Zeiten sind wieder heroorgeholt worden. Sie haben unter der Ober­fläche gelegen, aber sie haben von ihrem wirklichen Wert nichts eingebüßt. Es ist ein bemerkenswertes Zeichen, daß an hervorragender Stelle der Grü­nen Woche, dre jetzt in Berlin veranstaltet wird, sich eine Ausstellung über Rass en künde und Beoölkerungspolitik befindet, die von der Hauptabteilung für Blutsfragen des Bau­erntums vom Stabsamt des Reichsbauernfuhrers (Dr. R e ch e n b a ch) und vom Rasse- und Sidd- lungsamt der SS. aufgebaut und eingerichtet wor­den ist. Die lebhafte Aufmerksamkeit, die die zahl- reichen Besucher schon in den ersten Tagen gerade dieser Ausstellung zuwandten, zeigt, wie sehr sie dem neuerwachten Bedürfnis dieser Tage entspricht. Hier sind die Grundsätze der Rassenkunde verdeut- licht worden. Die Verteilung der Rassen in Europa ist in bemerkenswerter Weise klargestellt. Diese Ausstellung ist aber auch ein bevölkerungspolitischer Warnruf. Gegenüber der Fruchtbarkeit europäischer Völker im Süden und Osten ist die Vergrei­sung des deutschen Volkes ein Warn­zeichen, das niemand unbeachtet lassen kann. Der deutsche Arbeiter hat zum Lebensunterhall durch­schnittlich 2,50 Mark täglich zur Verfügung, wäh- rend der Staat für eine erbkranke Familie mit fünf Kindern 5,73 Mark täglich zur Verfügung stellen muß, wobei wiederum deutlich zum Ausdruck kommt, daß gerade die Vermehrung der Minder­wertigen besonders stark ist. Die Landflucht be­droht den deutschen Osten. Im Gegensatz dazu ist der Erbhof mit der festeingesessenen Familie der Lebensquell des deutschen Volkes.

Welch eine Fülle von Not und Sorgen in der deutschen Geschichte gerade das deutsche Bauerntum erlebt hat, das zeigen besonders eindringlich die Dokumente zur F a m i l i e n k u n d e. Da wird uns ein Aktenstück über die Zerstörung des Dorfes roaren ote Kreisooerrurnwane, Die xceoniunriei» Reetze gezeigt, das im Dreißigjährigen Kriege durch turnwarte, die Kreisfrauenturnwarte, die Turnerin- den kaiserlichen General G a l la s verwüstet wurde. | ~ - *" w *' '

Erst 1726 kehren die geflüchteten Einwohner wie­der in das Dorf zurück, und nun wird ein Proto­koll über die Verwüstungen und über den Wieder­aufbau ausgenommen. Vor dieser Zeit des Hasses Unter den Deutschen hätte eine gesunde Entwicklung der bäuerlichen Familien das Schlimmste verhüten können. In einem Dokument aus dem Jahre 1605 wird festgehalten, wie Herzog Bogislaw von Pom­mern dem T. Düsterbecken das Schulzengericht des Dorfes Falkenberg verleiht. Noch älter ist die Ur­kunde aus dem Jahre 1589, in dem ein solches Schulzengericht dem Albrecht Ludicke durch den Kurfürsten Joachim Friedrich von Brandenburg verliehen wird. Wir sehen auch, wie im Jahre 1614 die Bauernschaft Nordermoor in Oldenburg ihre

Bayerischen Hof" zusammen. Gauoberturnwart Paul erstattete einleitend einen kurzen, anschau- lichen Bericht über die kürzlich an der Deutschen Turnschule in Berlin stattgefundene Führertagung. Auf Grund der in Berlin von Reichssportführer von Tschammer und Osten und Oberturn­wart Giebing gehaltenen Vorträge gab nun R. Paul ein Bilb ber gegenwärtigen Lage ber DT. Die Turnerschaft werbe, so beschloß ber Redner un­ter lebhaftem Beifall, auf bem Platz, ber ihr zuge­wiesen werde, ihre Pflicht tun und mit ftischer Kraft am Bau des Dritten Reiches mithelfen. Gau- dietwart F o l l m a n n - Kassel sprach in ausgezeich­net Weise über die Erziehungsarbeit ber DT. in Vergangenheit unb Zukunft. Auch DT.-Bezirksführer Dr. Rau- Butzbach, ber Stellvertreter bes DT.- Gauführers A n b r - Hersfeld, fand treffende Worte über das Ziel der turnerischen Arbeit im neuen Staate; fein Sieg-Heil auf das deutsche Volk und seinen Führer wurde begeistert erwidert. Im ge­selligen Zeit des Abends kamen in Heimatdichtung und Lied die verschiedenen Landschaften des den Raum zwischen Weser und Main einnehmenden Gaues zu Wort.

Die Gießener Tage waren arbeitsreich, aber auch erfolgreich. Ihr Schaffen wird sich bald auswirken in allen Vereinen des großen Gaugebiets.

Skiwettkämpfe der Landesuniversität Gießen auf dem Hoherodskopf.

Am Sonntag, 4. Februar, finden auf dem Hohe- rodskopf die Skiwettkämpfe zwischen den Hoch­schulen Marburg, Frankfurt, Gießen und Darmstadt statt. Die Wettkämpfe beginnen am morgigen Samstag mit der Bekanntgabe der Strecke und der Startoerlosung im Jägerheim.

Der Start zum Langlauf über die Strecke von 14 Kilometer erfolgt am Sonntagvormittag, Die Teilnehmer hierzu treten vor dem Klubhaus an. Daran schließt sich der Slalom für Studentin­nen an, und wenig später starten die Assistenten zum Slalom, gefolgt von den Studenten.

Da die Schneeverhältnisse außerordentlich günstig sind, wirb auch nach ber Mittagspause ber Sprung- lauf auf ber Sprungschanze bes Skigaues Vogels­berg burchgeführt.

Es nehmen teil die Hochschulen Marburg, Darmstadt und Gießen im Mannschaftslauf um den Wanderpreis der medizinischen Fakultät der Universität Gießen, die Hochschulen Gießen und Marburg mit je zwei, Darmstadt mit einer Mann­schaft.

Für die Einzelwettkämpfe sind die Meldungen sehr zahlreich. Hieran beteiligen sich auch die Uni­versität Frankfurt a. M. und das Politechnikum Friedberg. Die Wettkämpfe werden vom Institut für Leibesübungen burchgeführt.

Fußball her SA.

SM.-Sturm 15/116 SM.-Sturm 14/116

Am Sonntag treffen sich auf bem Platz bes VfB. bie Fußballmannschaften ber beiben genannten Stürme. Da beibe Mannschaften über erstklassiges Spielermaterial verfügen, erwartet man eine aus­geglichene Begegnung. Der Ausgang -des Kampfes ist schwer vorauszusagen, wenn auch bie Mannschaft bes Sturmes 15/116 ber Papierform nach als etwas stärker anzusprechen ist. Aber ber Sturm 14/116 wirb mit seiner gleichmäßig gut besetzten Mann­schaft einen achtbaren Gegner abgeben. Die Mann­schaften:

15/116: Schwan; Leutheuser, Weinbrenner; Fehling, Michel, Schäfer; Euler, Wilhelm, Heller, Schmibt, Mattern.

14/116: Miebach; Muhl, Lauer; Faber, Blum, Glitsch; Körner, Schmiz, Feuser, Weihrauch, Wagner.

Kleinkaliberschießen im Kreise Gießen-Nord.

Am vergangenen Sonntag hielten die dem Gau Hessen unb bem Deutschen Schießsportverbanb zu-

entspricht.

die keine eigene Oper besitzen und auch durch Gast- en^r'b^eufet a[(o ber Schritt in di- Oper mit Chor

*urn*er°/unb"ffiiebergaVen°SMeihg- denkbar^schwierigsten^^hältnissen aufgeführt hat ten an Werk unb Äiebergaöe. ! unb dieses oft vernachlässigte Werk in 60 Stabten

o. - ___,. S Xäv Ginn iirtiorsr 9Trh»tf GGn . J 1 ... ' V .*' < , « . r_«i. ___J.

finanzielle Zukunft gesichert war.

Die Deutsche Musikbühne 1933/34

Don Heinrich XLV., Erbprinz Muß.

zcnb feine jähe Derwcmblung in einen strahlend ge­rüstetenLeibgarbisten ber Kaiserin" und die

Stimme der Liebe.-

Schon bei ber Gießener Prerniöre vornSchwarz- walbrnäbel" würbe bieStimme ber Liebe" ange-

Die Deutsche Musikbühne trUt in ein neues Stabium ihrer Arbeit. Im Januar 1932 ge­gründet, hat sie in etwa lxk Monaten 73 Städte mit 140 Aufführungen versorgt. Ihr Spielgebiet reichte von Reval und Riga bis Trier und Luxem­burg, von Flensburg und Tonbern bis Groh-Streh- litz in Oberschlesien und bis Singen am Bodensee. Der Sinn dieser Arbeit war nie landläufig und durchschnittlich. Er war auf ein klares, praktisches und künstlerisches Ziel gerichtet. Praktisch sollte die unglaublich große Zahl von Städten, im Reich, an seinen Grenzen und im Ausland erfaßt werden,

wahrhaft populär gemacht hat, so sollte &as auch jener fischen Tenorfilme, die einen ber an ber mit unserem neuen Spielplan möglich werben. Qper, ber Operette ober im Konzertsaal populär ge-

Die Deutsche Musik-Bühne tritt in vielfach ver- änberter Gestalt roieber hervor. Sie hat sich neu zu bestätigen. Sie stellt sich mit Haupt unb ©liebem hinein in bie große Gemeinschaft des deutschen Vol­kes. Sie hat keinen anderen Wunsch, als Ausdruck dieses Volkes zu fein, Vermittler deutscher Opem- kunst in ihrer reinsten und höchsten 5orm Das kann nur geschehen in ber Treue zur Arbeit unb zum Werk. Unb diese Treue ist nur dann echt, wenn sie sich abwendet ebenso von einer trägen Konven­tion, die oft nur die Oberfläche, die Phrase gab und nicht den Gehalt, wie von jeder Sucht nach äußer- licher, sensationeller Neuerung, der der Glaube und darum die Notwendigkeit fehlt. Ein Stil entsteht nur bann, wenn ber Kallmeister ben Notenwert wie ein Heiligtum achtet und ihn mit leidenschaftlicher

Liebe erfüllt; wenn der Spielleiter allen Staub und Rost entfernt und den echten Gefühlswert der Ge­stalten und Vorgänge, die Dämonie unb ben Humor, rein heraushebt und gestaltet. Das ist nicht Treue zum Werk, wenn jede Zutat theatralischer und musikalischer Ueberüeferung weitergeschleppt wird bis zum Ueberdruß, sondern Treue ist das Versen­ken in den ursprünglichen Gehalt, der oft verdun­kelt und verzerrt worden ist. Es ist unsere Aufgabe, auch daran zu arbeiten, daß lebendig und zugleich gläubig die Vermittlung deutscher Opernkunst ge­schehe. Und das schließt ein den rücksichtslosen Kampf gegen den Star und die Primadonna, den Kampf für die Einheit bes Ensembles.

deutscher Opernkunst niemals genügen mußte ber kühne Schritt in bte Choroper gewagt werben, unb insbefonoere bei "Freischütz unb3ar und Zimmermann" sind wir uns der Gefahr dieses Versuchs durchaus bewußt. Da sich aber alles Bild, Technik, Chor - in dem Rahmen unserer Wanderoper verengen muh, so kann bei uns em Chor niemals Volksmenge fein, sondern nur Men­schengruppe, und das ist auch bet ben genannten Opern noch burchaus zu rechtfertigen. Es braucht nicht die ganze Stadt Saardam auf Den Beinen zu sein, es ist auch nicht nötig, daß die gesamte Belegschaft der Werft sich um ben Bürgermeister versammelt. ImFreischütz" ist es burchaus zu rechtfertigen, daß ber Probefchuß nur von einem begrenzten Kreis stattfindet, daß nur bte Jager eines Reviers und die Bewohner etwa emes Ge­höfts beteiligt werden. Und wenn uns die Fülle

Das war und ist der Sinn unserer Arbeit. So wird auch in diesem Jahre eine begrenzte Anzahl j von Opern zur Aufführung kommen. Nach H an­bei, M o z a r t und H u m p e r d i n ck sind es dies-1 mal Weber, Lortzing und Nicolai. Und wiederum ist ber Grundsatz maßgebend, daß jede Rolle zwei- ober breifach besetzt fein muß (bie: Frauenrollen sinb in biefem Jahr teilweise fo< vierfach besetzt), baß jebe Besetzung gleichmäßig durchprobiert ist unb baß jeber Solist auch Chor j zu fingen hat. Die Werke bes ersten Jahres waren J auch unter bem flunbenlrög'"bie'fer feiffämcn Zrbeit lauschten. Es

fernen ober nur,k -'nen Ch°r hat W.r wutztem I^n zweieinhalb Monate für Proben zur Ver­büß das im zweiten Jahr schon nicht mehr moguq oicI für drei Opern in zwe,. unb

war, wenn man nid)t auf Das öebtet Des totng » « Besetzung. Auch konnten bie Abschlu e

ber Menschen unb bie Zahl der Stimmen fehlt, so wird hoffentlich die höhere Lebendigkeit und die Begeisterung unseres Solistenchors diesen Fehler ausgleichen.

Immer ist ja zu bedenken, daß in unserem Or­chester nur 35 Musiker sitzen, daß 22 Solisten bie Soli unb ben Chor zugleich erfüllen müssen, baß Breite unb Tiefe unserer Bühne nach ben Möglich­keiten kleinster Saaltheater diktiert sind, unb baß wir bestrebt sein müssen, biefe Wirklichkeit mit ben unbebingten künstlerischen Erforbernissen in Ein­klang zu bringen und vor allem in unserer Be­grenztheit einheitlich zu fein. Das gilt auch für die Bühnentechnik (und die kritische Wolfsschlucht msbe- sondere). Es muß uns genügen, wenn festgestellt würde, daß bie technische Lösung unserem Rahmen

künbigt: Maria Belings zweiter Tonfilm, neue ' Station einer überraschenb schnellen unb ungewöhn- . i lich erfolgreichen Karriere, bie vom Gießener Stabt- denkbar schwierigsten Verhältnissen aufgefuhrt hat i ^ater in bie Aufnahme-Ateliers bes NDLS. unb - ~-r- -----der Terra führte.Stimme ber Liebe" ist einer

Oper, ber Operette ober im Konzertsaal populär ge-

Die Proben haben im vorigen Jahre auf Burg töorbenen Sänger in ben Mittelpunkt ber Hanblung Lauenstein bei Probstzella ftattgefunben. Diese kost-' stellt. Diesmal ist es Marcel! W i 11 r i s ch. Unb was bare Schöpfung bes Dr. Meßmer gab unserer bie Hanblung betrifft, so ist sie in erster Linie bar- (Dte: Arbeit ben Hintergrund alter deutscher Kultur und auf eingerichtet, bem Liebling bes Publikums aus- iaar! herrlicher Lanbschaft. Der Tag begann um 7.30 Uhr niebtge Gelegenheit zur Entfaltung feiner gesang- ifeia1 mit einer Gymnastikstunde; bie Proben in ben lichen Qualitäten zu bieten. Wittrisch spielt in bie- - y Sälen ber Burg unb ben Gasthäusern des Ortes fern Film den von ber Gunst ungezählter Ver- erftretften sich täglich bis 20 Uhr. Unsere ersten Zu- ehrerinnen überschütteten Kammersänger, ber aber schauer waren bie Bauern von Lauenstein, bie oft unbegreiflicherweise von solchem Ansturm auf fein k.aU, unumo« Mrhott fmifrfiten Es Privatleben wenig entzückt, vielmehr auf ber Suche nach ber Frau ist, bie ihn nicht um feiner Stimme, fonbem um feiner selbst willen liebt;Sehnsucht nach ber Einen", bas ist bas Leitmotiv für bie von Wittrisch sehr exakt, sehr wirksam und stellen­weise mit einer überraschenden Steigerung in die Höhenlage gelungenen Paraderolle. Die Fabel, schwankend zwischen Operette und musikalischem Lustspiel, baut sich auf einer doppelten Verwechslung auf und gibt Maria Beling, bie erheblich we­niger zu fingen hat als Wittrisch, bafür aber mehr zu spielen, eine anmutig ausgenutzte Chance, ihr natürliches Lustspiel-Talent auf eine zwiefache Weise zu entfalten: erst in ber komischen und leicht paro­distischen Verkleidung eines munteren Landmäd- chens, dann in der seriösen und ganz damenhaften Partie des Fräuleins Cläre von Romberg. Sie spielt beides apart und kontrastreich nebeneinander her. Das obligate zweite Paar machen Kurt Vesper- nionn in einer drastischen Dienerrolle beftür-

hübsche unb begabte Marie Luise Claubius als bie kleine Zenzi von Tupfingen. Eine wohlabge- runbete, mit trockenem Humor gegebene Charge bringt Oscar Sima, ben man in biefer ungewohn­ten Maske kaum miebererfennt. Dom Ensemble sind noch Vicky Werkmeister, Karl P l a t e n und Fritz Alberti zu nennen. Die Musik stammt aus ber bewährten Feber von Ebuard K ü n n e t e, ber in mehr als einer Operette feine Eignung für ber- artige Aufgaben bewiesen hat. Seine Hauptschla­ger lautenSehnsucht nach ber Einen" unbWenn Rosen träumen". DieStimme ber Liebe" läuft seit gestern im Lichtspielhaus: für das Gie­ßener Publikum als ein Film mit Maria Beling (unb Marcell Wittrisch) natürlich von befonberer Anziehungskraft. Im Beiprogramm finbet man u. a. hübsche Aufnahmen aus Hagenbecks Tierpark in Stellingen, Bilber aus Rothenburg ob ber Tau­ber und je einen Vorspann zu bem FilmDie Nacht ber großen Liebe" mit Jarmila Novotna unb Gustav Fröhlich unb ber von ber Para­mount gebrehtenRevolution der Jugend".

ßo(bfd>u!nod)ri(f>ten.

Auf der Durchreise ft a r b in Basel im Aller von 66 Jahren ber bekannte Chemiker Professor Dr. phil. Fritz Haber. Haber würbe 1868 in Breslau geboren, ftubierte in Berlin, Heibelberg und Char- lottenburg, promovierte 1891 in Berlin, habilitierte sich 1896 in Karlsruhe, wurde dort 1906 ordentlicher Professor. Als 1911 in Berlin-Dahlem bas Kaiser- Wilhelm-Institut für physikalische unb Elektrochemie geschaffen würbe, übernahm Haber beffen Leitung und erhielt später auch eine ordentliche Professur an der Universität Berlin als Nachfolger von Emil Fischer. Haber tat sich zunächst auf dem Gebiete ber Elektrochemie hervor. Sein Werk über technische Gasreaktionen prädestinierte ihn, während des Krie­ges, bei dessen Ausbruch er sich freiwillig meldete, die Zentralstelle für die Forschungen unb Versuche auf bem Gebiet bes Gaskampf- unb Gasschutzwe­sens zu leiten. Habers bebeutenbfte Leistung ist bie 1910 gelungene Darstellung des Ammoniaks aus ben Elementen Wasserstoff unb Stickstoff, eine Synthese, bie nicht nur wissenschaftlich, fonbem auch weltwirt­schaftlich von größtem Interesse ist. Das Habersche Verfahren, kurz Stickstoff aus ber Luft benannt, liefert jetzt schon zwei Drittel ber Wettprobuktion an Ammoniak unb brei Viertel ber Wettprobuktion an künstlich hergestelltem Salpeter. 1919 erhielt Ha­ber ben Nobelpreis für Chemie für bie Nutzbar­machung bes Stickstoffes in ber Ammoniaksynthese. Er war Mitglied der Akademie ber Wissenschaften In Berlin, Göttingen, München, Leningrad, Stockholm und Harvard.