Nr. 204 viertes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Samstag, l.8eptembeN934
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Kirmesfeiern im Land.
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Kirmesbummel.
Vor dem Zuckerstand.
Der Kirmesbaum überragt in stattlicher Höhe die Dächer des Dorfes.
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Unter dem Wirtszelt. — Sinnbild schöner Der Mann, der die drei Pudel gewann.
Volksgemeinschaft.
Kirmes! Fest des Landvolkes! Aber auch Fest der Städter, die zu den Tagen der Kirchweih gerne den W?g in die Dörfer finden. Das ist nicht verwunderlich, denn wie viele Städter haben ihre Verwandten auf dem Dorfe, und wann gäbe es eine schönere Gelegenheit zum Besuch auf dem Lande, als zur Kirchweih! Zu solcher Zeit wird dann die Verbindung in den Familien wieder enger, als es sonst die zeitliche und räumliche Trennung zuläßt, da werden Erinnerungen ausgekramt, da wird darüber gesprochen, was Tante und Onkel, was Vetter und Base machen, wie es ihnen geht — und schließlich erinnert man sich mancher Dinge, die sonst der Alltag verschüttet hält. Wie oft wird im Kreise der Familie die eine oder andere lustige Geschichte, die sich vielleicht einmal vor Jahrzehnten ereignet hat, wieder erzählt und — zum wie often Male wohl? — herzlich belacht. Kirchweihfest — Familienfest im besten Sinne!
Ein wesentlicher Bestandteil der Kirmes sind die Vorbereitungen. Mit der Vorbereitung verbindet sich die ungemischte Vorfreude. Die größte Arbeit fällt natürlich den Frauen zu. Das Haus wird geputzt. Der Nuch von frischgebackenen Kuchen geht durch das ganze Dorf. U*-*) auch sonst wird für einen guten Happen zur Kirmes gesorgt, während sonst der Bauer vor allem an den Verkauf denken muß, um seinen Verpflichtungen nachkommen zu können. Das Kirmesfest hat sich das Dorf redlich verdient. Getreidernte und Drusch sind meist vorbei, die Kartoffeln und die Rüben sind noch nicht so weit; der Bauer hat also etwas ruhigere Zelt. Sonst hätte der Bauer bestimmt nicht Ruhe zum Feiern
Unmittelbar vor dem Kirmestag bringt noch ein vorbereitendes Ereignis die Gemüter, insbesondere die der Kinder, in Bewegung. Der Kirmesbaum wird eingebracht und aufgerichtet! Die längste Tanne oder Fichte ist gerade gut genug dazu. Rur der äußerste Wipfel wird dem Baum belassen. Ein Kranz mit bunten Bändern wird darunter befestigt. Ein großes Loch auf dem Dorfplatz ist ausgehoben. Dann beginnt der schwerste Teil der Arbeit: der Baum muß aufgerichtet werden. Es ist bisher noch immer geschafft worden. Diele kräftige Männerhände helfen, aber etliche Schweißtropfen gibt es doch. Am schönsten ist es, wenn der Wirt auch gleich den Tanzboden im Freien errichten läßt.
Zur Kirmes findet sich meist auch ein Karussellbesitzer mit seinem „Geschäft" ein, wenn es hoch kommt, werden auch eine Schiffschaukel und eine Schießbude aufgestellt. In jedem Falle aber wird eine kleine Bude aus Latten zusammengezimmert, mit Segeltuch bespannt und die Auslage angefüllt mit all dem Kleinkram, der von den Kindern so sehr geschätzt wird. An langen quergespannten ^Schnüren baumeln die Uhren, Herzen, Pfeifen und «dergleichen aus buntem Zucker. Die Kinder gucken -mit begehrlichen Augen ...
Das Wirtszelt darf hier und da auch nicht fehlen. Hier sitzen die Erwachsenen beim Bier und bei Würstchen beisammen. Die Musik spielt, auf dem Tanzboden schwingt sich die Jugend unermüdlich nm Kreise, und vom Karussel her^quietscht die Orgel, die in x-facher Wiederholung einen längst vergessenen Schlager in die Erinnerung zurückbringt.
Der Kirmessonntag ist erfüllt von vielen kleinen »lnzelnen Geschehnissen. Frühes Wecken und Kirchgang leiten den Tag ein. Die „Kirmesborsch" ziehen m manchen Orten noch herum, angetan mit buntem Anputz, mit Blumen auf dem Hut, die Feuerwehr- lapelle gibt ein Konzert und bringt dem Bürgermeister ein Ständchen. Frühstück, Mittagessen und
ein anhaltender Nachmittagskaffee sind im Ablauf des Kirmessonntags nicht unwichtig. Tanz und Musik dauern bis in die tiefe Nacht. Mehr oder weniger aufrecht geht mancher der Feiernden nach Haufe. Wie oft färbt sich im Osten der Himmel heller, wenn der letzte Kirmesgast das Schlüsselloch findet.
Acht Tage später klingt die Kirmes in der Nachkirmes aus, und wenn Dorf- und Stadtbewohner nicht gerade Kirmesreifen in die Umgebung machen, dann ist das Fest wieder für ein Jahr vorbei.
Nur eines ist schade: die Kirchweihen in unserer engeren Heimat haben im äußeren Bild an Reiz und Ansehen dadurch verloren, daß die bäuerliche Tracht mehr und mehr dem sachlicheren städtischen Anzug wich. Vielleicht und hoffentlich gewinnt unser lebendiges und neu belebtes Volksgefühl auch diesen Glanz wieder, der unseren Kirchweihfesten auch wieder eine stärkere eigene Note geben würde.
Das Vergnügen der Jugend — Tanz im Freien.
Landesbauemsiihrerlagung in SanustM
LPD. Darmstadt, 31. Aug. Im großen Saale des Alten Palais fand heute vormittag eine Zusammenkunft aller Landesbauern- führer des Reiches bzw. ihrer Stellvertreter und der Referenten für Förderung landwirtschaftlicher Grundstückszusammenlegung aller Länderministerien statt, der als Vertreter des Reichsstatthalters Regierungsrat Reiner, Staatsminister Jung, Ministerialrat Hillebraudt vom Reichsernährungsministerium, die Vertreter der beteiligten Ressorts des Arbeitsdienstes u. a. beiwohnten. Im Namen der hessischen Regierung hieß
Etaatsmiuister Jung
die Anwesenden willkommen. Er erwähnte insbesondere die erfolgreiche Tätigkeit des Landesbauernführers Dr. Wagner und des Landeskulturrates Reich für die Landesplanung. Darauf nahm
Landesbauernführer Or. Wagner
das Wort und unterstrich, daß der Begriff Melioration nächstens eine noch viel größere Bedeutung in Deutschland bekommen werde. Einmal zwinge uns die Devisenknappheit dazu, die Selbstversorgung auf jeden Fall sicherzustellen, zweitens glaube er, daß neben dem Bau der Reichsautobahnen Meliorationen und Kultivierungen die einzigen werteschaffenden Arbeiten seien. Voraussetzung für den Erfolg sei allerdings, daß die Umlegungsverfahren auf ganze Provinzen geplant würden, um jede spätere Flickarbeit auszuschalten. In Hessen habe man daher mit der Landesplanung angefangen und sei dann schrittweise weitergegangen. Besonders habe man den Bau und die Streckenführung der Autobahn berücksichtigt. Kein Bauer, durch dessen Gebiet die Bahn gehe, habe auch nur einen Quadratmeter Boden verloren. Zum Schlüsse seiner Ausführungen sprach der Landesbauernfuhrer dem Arbeitsdienst Lob und Dank für seine aufopfernde Arbeit aus.
Landeskulturrat Reich
gab dann einen Einblick in das Werden der Melio- rations- und Siedlungsarbeiten in Hessen. Der Mitarbeit des Arbeitsdienstes am Entwässerungs- werk sei es zu danken, daß heute ein Feldbereini
gungsoerfahren, für das man früher 8 bis 12 Jahre gebraucht habe, nur noch 2 bis Z Jahre dauere. Mit Ausnahme der Drainage und der Pumpwerke würden die Kosten durch eine siebeneinhalb- prozentige Landabgabe der Bauern gedeckt. Durch diese Landabgabe werde gleichzeitig Siedlung, Anliegersiedlung, Erhöhung des Besitzes auf Erbhofgröße usw. ermöglicht. Durch die Melioration trete eine Wert- und Ertragserhöhung um rund 25 v. H. ein. Am 8. Juli 1933 fei das Meliorations- und Siedlungswerk im Ried ausgenommen worden. 1400 Arbeitsdienstfreiwillige helfen mit. 120 Arbeitslose aus Offenbach feien in Oberhessen mit bestem Erfolg eingesetzt worden. 330 km Gräben und 1147 neue Wege müßten im Ried angelegt werden. 1935 werde Arbeitsabschnitt I mit 15 300 ha überwiesen werden, 1937 die Arbeitsabschnitte II und III mit 26 000 ha, 1938 Abschnitt V mit 12 000 ha und 1939 Abschnitt IV mit 14 000 ha. Bei dem Landausgleich würden unwirtschaftlich liegende Gemarkungsgrenzen Überschritten, wobei natürlich auf Sonderpflanzungen Rücksicht genommen werde. Ziel aller Arbeit fei es, die Nahrungsfreiheit des Reiches sicherzuftellen.
Die Aussprache wurde durch Ministerialrat Hillebrand eröffnet, der darauf hinwies, daß die hessische Arbeit, die weit Über dem Durchschnitt liege, als beispielhaft für andere Gebiete bezeichnet werden müsse.
Zu dem gemeinsamen Mittagsmahl der Teilnehmer erschien, lebhaft begrüßt,
Reichsstatthalter Sprenger,
der die hohen Verdienste von Landesbauernführer Wagner und Landeskulturrat Reich um das Bodenwerk besonders hervorhob. In Hessen sei schon vor der Machtergreifung ein gutes Stück Vorarbeit geleistet worden. Man sei hier nach einem organischen Plan vorgegangen. Jrn vorigen Jahrs irabe man dank dieser Tatsache sofort an dis Arbeit gehen können. Der Gau Hessen-Nassau werde beweisen, daß der beschrittene Weg der richtige sei. Das Problem, das zu lösen sei, sei einmal das Zur- Verfügmg-Stellen von Boden und zum anderen, Boden so zu kultivieren, daß er den höchsten Ertrag abwerf«.
Ein treuer Leser seiner Heimatzeitung.
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Der Landwirt Konrad Walther in Beuern ist seit über 60 Jahren treuer Leser des Gießener Anzeigers. Der alte Herr, den wir hier im Bild zeigen, ist körperlich und geistig noch sehr rüstig und liest mit großem Interesse täglich seinen Gießener Anzeiger.
Nach einer Begrüßungsrede von Oberbürgermeister W a m b o l d fand eine
Besichtigungsfahrt in das Riedarbeitsgebiet
statt. Besonderes Interesse fanden die Arbeitsstellen im Klein-Häuser und im Bürstädter Bruch sowie die Technische Arbeitsdienstabteilung für Boden- untersuchungen in Bensheim und der Rebmutter- garten in Heppenheim.
Rundfunkprogramm.
Sonntag, 2. September.
6.15 Uhr: Hafenkonzert. 8.15: Zeitangabe, Nach- richten. 8.25: Gymnastik. 8.45: Choralblafen. 9: Evangelische Morgenfeier. 945: Deutsches Schatz- kästlein. Das Hirtenlied. 10.15: Chorgesang. 11: 100 000 Hitler-Jungen marschieren. Funkbericht. 11.30: Don Leipzig: Bachkantate. 12: Militärkon- zert anläßlich der 1100-Jahrfeier der Stadt Langen. 13: Mittagskonzert. Zum 80. Geburtstag Engelbert Humperdincks. 14: Kasperlftunde. 15: Stunde des Landes. 16: Nachmittagskonzert. Orchester des Königsberger Opernhauses. 18: Bekenntnisse zur Zeit. Alfred, Rosenberg: „Krisis und Neubau Europas". 18.20: Fröhliches Zwischenspiel. 18.50: Die Welt fährt vorbei. Funkbericht. 19.20: Konto unvorhergesehene Ausgaben RM. 1,12. Eine ebenso heitere wie ernste Angelegenheit. 19.50: Sportnachrichten. 20: Deutsches Opernkonzert. 22: Leichtathletik- Länderkampf: Deutschland—Schweden. 22.20: Dom Balkon des Römers, Frankfurt a. M.: Generalintendant Meißner spricht für das deutsche Theater. 22.25: Nachrichten. 22.30: Nachrichten aus dem Sendebezirk. 22.45: Tanzfunk. Es spielt das Tanz- funkorchester. 24 bis 2: Nachtmusik.
IHontag, 3. September.
5.50 Uhr: Gymnastik I. 6.15: Gymnastik II. 6 40: Frühmeldungen. 6.50: Wetterbericht. 6.55: Früh- konzert. 8.15 bis 8.35: Von Stuttgart: Gymnastik. 10: Nachrichten. 10.30: Eigene Sendung. 11: Werbekonzert. 11.45: Sozialdienst. 12: Mittagskonzert I. 13: Saardienst, Nachrichten. 13.10: Nachrichten aus dem Sendebezirk. 13.20: Mittagskonzert II. Burleskes von Richard Strauß. 13.50: Nachrichten. 14: Mittagskonzert III. Kreuzfidel und puppenlustig. 14.30: Wirtschaftsbericht. 15: Nachrichten. 15.10: Neue deutsche Dichtung. 15.20: Drei Bücher zu Fragen der Zeit. 15.35: Als Student im Arbeitsdienst. 15.50: Das Lager als politische Lebensform.
Baldur von Schirach spricht heute abend beim „Tag der 100 000“ im Frankfurter Stadion.
Studentenführer Konrad spricht. 16: Nachmittagskonzert. 17.30: Snorris Königsbuch: „Die älteste germanische Geschichtschronik". Von Walther Gehl. 17.45: Lieder für eine Singstimme und Klavier. 18: Stunde der Jugend. Wir erleben unser Vaterland! 18.25: Französischer Sprachunterricht. 18.50: „Zur Winterhilfe". 19: Horridoh, die Jagd geht auf! 1930: Saar-Umschau. 19.45: Das Leben spricht. Soziales Funkbild. 20: Nachrichten. 20.10: Blumen und Liebe. Liederspiel. 21: Tell-Spiele in Altdorf. 22: Pfälzische Bauernmusik. 22.20: Nachrichten. 22.45: Nachrichten aus dem Sendebezirk. 23: Nacht- musik. 24: Nachtmusik.
Dienstag, 4. September.
5.50 Uhr: Gymnastik I. 6.15: Gymnastik II. 6.40: Nachrichten. 6.55: Frühkonzert des Philharmonischen Orchesters Karlsruhe. 8.15 bis 8.35: Gymnastik. 9.45: Eigene Sendung. 10: Nachrichten. 10.45: Praktische Ratschläge für Küche und Haus. 11.45: Sozialdienst. 12: Mittagskonzert I. Nordische Musik (IV). 13: Saardienst, Nachrichten. 13.10: Nach- richten aus dem Sendebezirk. 13.20: Mittagskonzert II. 13.50: Zeitangabe, Nachrichten. 14: Mittagskonzert III. 14.30: Wirtschaftsbericht. 15: Nachrichten. 15.10: Stunde für die Frau. 15 50: Kunst- bericht der Woche. 16: Nachmittagskonzert des Philharmonischen Orchesters. 17.30: Aus Wald und Flur. Tiere unserer Heimat. 17.40: Lieder für eine Singftiwne und Klavier. 18: Ein Blick auf den höchsr^n Berg der Erde. Zwiegespräch 18.15: Aus Wirtschaft uno Arbeit. 18.25: Italienischer Sprachunterricht 18.50: Unterhaltungskonzert. 19 45: Der Zeitfunk bringt: Tagesspiegel. 20: Nachricyren. 2010: Konzert. 21: Der Herzog und die Baders- tochter. Eine Funkballade. 21.40: Unbekannte Lieder. Von Franz Schubert. 22.20: Nachrichten.


