Bretagne, in den Pyrenäen-Provinzen wie in Savoyen recht beträchtliche > Minderheiten hat. Auch Italien hat bisher nicht recht gezogen, und wie sich die ändern Staaten mit Minderheiten innerhalb ihrer Grenzen, wie z. B. Kanada, Belgien, Dänemark und Spanien, stellen werden, ist noch ungewiß. Bor allem zielt jedoch der polnische Antrag auf Rußland, das zwar als Bund nationaler Räterepubliken seinen Gliedstaaten erhebliche Autonomie eingeravmt hat, aber innerhalb dieser Gliedstaaten doch noch nationale Minderheiten (z. B. Polen in Weißrußland) enthält, die keinerlei Schutz genießen.
Wenn Polen die Frage des Minderheitenschutzes mit besonderem Hinweis auf die Verhältnisse in Rußland gerade jetzt erneut aufs Tapet bringt, so geschieht das nicht von ungefähr. Denn der wichtigste Punkt in den bevorstehenden Erörterungen in Genf wird, auch wenn er bezeichnenderweise nicht auf der Tagesordnung.steht, die Frage der Ausnahme S o w j e t r rrß l ä n d s in den Völkerbund sein. Und gerade Polen hat neben einer Reihe anderer Staaten trotz allen energischen Zuredens aus Paris noch immer schwere Bedenken gegen den Einzug der Bolschewiken in Genf. Sie hängen eng zusammen hüt dem von DärthoU und Litwinow gemeinsam ausgeheckten Plan eines Nordostpakts, der als Ergänzung der unter französischer Vermittlung zustandegekommenen Annäherung zwischen der Kleinen Entente und Moskau die russische Westgrenze bis zum . Meer hin schützen soll für den Fall kriegerischer Verwicklungen im Fernen Osten. Deutschland sowohl wie Polen, die als innere Glieder der gemachten Mächtegruppierung die Leidtragenden bei irgendwelchen militärischen Konsequenzen aus dem vorgeschlagenen Pakt sein würden, haben beide bislang die kalte Schulter gezeigt, weil sie keine Lust verspüren, im Kriegsfälle der einen oder andern hochgerüsteten Flügelmacht ihre Grenzen für Truppendurchmärsche zu öffnen. Auch die als Mitglieder des Nordostpakts noch vorgesehenen baltischen Staaten scheinen wenig Neigung zum Beitritt zu haben, das eben zwischen ihnen, getroffene Abkommen über ein außenpolitisches Zusammengehen deutet jedenfalls nicht auf den Wunsch nach Anschluß an eine größere Mächtekombination hin. Polens Widerstand hat in Paris sehr verschnupft. Das Mißtrauen gegen den ältesten und einstmals unbedingtesten Bundesgenossen ist seit dem deutsch- polnischen VerständigungsabkomnieN in stetem Wachsen und man erwägt in Paris ernsthaft den Gedanken, auf dem machtpolitischen Schachbrett den polnischen Springer durch den russischen zu ersetzen.
Frankreich ist es ja auch, das den neuen Freund mit allen Mitteln in den Völkerbund zu lancieren sucht. England scheint in überraschender Jnkorisecjueng zu seiner neuesten Politik im Fernen Osten der russischen Kandidatur zumindest keinen Widerstand entgegenstellen zu wollen. Da das gewohnheitsmäßig ganz im französisch-britischen Fahrwasser segelnde Völkerbundssekretariat vermutlich alle Künste einer geschickten Regie ins Feld führen wird, um seinen Meistern gefällig zu sein, wären die Aussichten der Bolschewiken, unter der Patronage Frankreichs ohne weitere Förmlichkeiten sich in Genf ins gemachte Bett legen zU können, nicht ungünstig, wenn nicht sich auf einer Seite Widerspruch geltend macht, von bet man solchen lange nicht mehr. gewöhnt war. Es sind diesmal die kleinen Mächte, die mit größter Abneigung die Bemühungen Frankreichs beobachten, die Sowjetunion durch die Aufnahme in den Völkerbund gleichsam salonfähig zu machen. Neben einer Reihe südamerikanischer Staaten (bei Argentinien spielt wie auch bei Polen die Eifersucht auf den Rußland einzuräumenden ständigen Ratssitz noch eine besondere Rolle), neben einigen britischen Dominions, ferner neben Holland und Belgien ist es in erster Linie b i e Schweiz, bas Gastland des Völkerbunds, die sich gegen die Aufnahme der Sowjetunion ganz energisch sträubt. Da gerade in her DölkerbuNosstadt selber, im Kanton Genf, nach heftigen Kämpfen, die fast die Form des Bürgerkriegs angenommen hatten, der extreme Sozialist Nicole die Regierung übernommen hat,.fürchtet man von einem Erscheinen bet Russen in Genf Die Entfesselung einet skrupellosen kommunistischen Propaganda im ganzen Gebiet her Eidgenossenschaft, Die bürgerliche Presse der Schweiz fordert daher einmütig und leidenschaftlich den Bundesrat auf, mit einem eindeutigen „Nelri^ die französischen Kulissenschieber in ihrer Arbeit zu stören und die andern kleineren Mächte zu gleichem Entschluß zu ermutigen. Es ist also, obwohl Frankreich alle Minen springen läßt Und sowohl England wie Italien ihm sekundieren, Noch keineswegs sicher, ob die Zweidrittelmehrheit in der Vötkerbundsver- sammluNg zusammengebracht werden kann, die für Die Aufnahme Rußlands ohne die vorgeschriebene Prüfung seiner Geeignetheit notwendig wäre. EiNe Prüfung müßte näwlich ergeben, daß die Sowjetunion weder „volle Selbstverwaltung" hat, noch die Gewähr bietet für die Erfüllung ihrer internationalen Verpflichtungen (kommunistische Propaganda im Ausland). Beides fordert Artikel 1 der Völkerbundssatzung von neuaufzunehmenden Dundesmitgliedern. Man wird also der Diskussion in Genf mit Interesse entgegensehen.
Wenn Rußland mit solcher Energie feine Stellung in Europa zu festigen sucht, denn diesem Zweck dienen sowohl die Annäherung an die kleine Entente, wie die ^Bemühungen uni Öen Nordostpakt sind den Eintritt in den Völkerbund, so geschieht dies, wie schon angebeutet, im Hinblick auf die Z u ° spitzung der politifchen Lage im Fernen Osten. Auf die auffallende Verschärfung des Tons in den russisch-mandschurisch-japanischen Verhandlungen über den Verkauf der Ostchina- bahn wurde vor einigen Tagen schon an dieser Stelle hiNaewiesen. Die Lage scheint für die Machthaber im Kreml inzwischen noch prekärer geworden zu sein durch eine sich anbahnende Verschiebung in der Konstellation der großen Mächte zum Problem des Fernen Ostens. Frankreich steht dank feiner geringen Interessiertheit an den Machtverhältnissen ringsum den Pazifik zu den beiden heftigsten Konkurrenten Rußland und Japan IN einem Dreiecksverhältnis, das Ihm erlaubt, zur Erhaltung des Friedens feine Vermittlung anzubieten. Amerika Und England indessen seheN ihre wirtschaftliche Stellung auf dem chinesischen Markt, in Ostindien, Afrika Und Südamerika durch die japanische SthleU- beraussuhr bereits ins Wanken geraten, aber auch ihre machtpolitischen Stützpunkte im Pazifik und an feinen Rändern sind durch die japanischen Rüstungen ernstlich bedroht. Das verhalf vor Jahresfrist Litwinow zu der günstigen Aufnahme in Washington. Die Beziehungen zwischen Den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion sind inzwischen merklich abgekühlt, aber die Rückkehr der amerikanischen Kriegsflotte aus dem Atlantischen Ozean in die pazifischen Stationen an der kalifornischen Küste bellten an, daß Amerika Nach wie vor auf betn Quivive steht gegen Westen. England scheint es
vorzuziehen, einen friedlichen Ausgleich mü zu suchen. .. .
Um die Jahrhundertwende hat das Bündnis mit Japan den Engländern dazu gedient, einen Soldaten gegen Rußland zll findest» voll dem es sich von Afghanistan und China her in seiner mbischen Herrschaft bedroht fühlte. Politiker» wie der altere Chamberlain hatten damals bei Deutschland Deckung gegen Rußland gesucht» aber weder bei ihrem eigenen Premierminister Noch in Berlin genügend Unterstützung ihrer Pläne gefunden. ,So wandte man sich an Japan, das mit Hilft englischen Geldes seine Rüstungen so forcieren konnte, daß es wenige Jahre später den Krieg gegen Rußland wagte und gewann. Rußland wandte sich von Asien wieder seinen Interessen m Europa zu, die englische Flanke in Indien wär entlastet. Das englisch-japanische Bündnis hak den Weltkrieg überdauert» es wurde erst 1921 dem Flottenabkommen von Washington geopfert, das auch die Vereinigten Staaten zu Teilhabern machte. Aber für England ist die amerikanische Freundschaft immer weniger ein vollwertiger Ersatz für bas aufgegebene Bündnis mit Japan. Zumal seitdem Amerika sich anscheinend unter Verzicht auf die Philippinen mehr und mehr üuf seine Verteidigungsstellungen zurückzllziehM beginnt, ist England bei der Verteidigung des Empire dtif sich
selbst angewiesen. So sucht es also durch eine Verständigung mit dem alten Bundesgenossen rechtzeitig einem kriegerischen Konflikt vorzubauen, dessen Ausgang immerhin zweifelhaft sein könnte. Diese Verständigung wird vielleicht eines Tages auf eine Teilung der Interessensphären in China zwischen England und Japan hinallslSufen, die letzterem gleichzeitig freie HäNd gegen Rußland lassen würde. Auch wirtschaftlich scheint England durch eintz ähnliche Verständigung die Fortsetzung des scharfen Konkurrenzkampfes vermeiden zu wollen, bet namentlich Mischen den Baumwollindustrien beider Länder entbrannt ist. Auch hier ist der Grundsatz „Divide et impera", teile und herrsche, füt beide Teile zweckmäßiger, als ein kostspieliger Kampf mit ungewissem Allsgang. Solange die japanischen Hafenstädte und Industriezentren von Wladiwostok her für die russischen Bombengeschwader in 6 bis 8 Stunden erreichbar sind, wird Japan kaum der Verlockung entgehen, durch eine machtpolitische wie wirtschaftliche Verständigung mit England sich nach einer Seite hin zu sichern, auch auf die Gefahr hin, von feinem imperialistischen Programm einiges abstreichen zu müssen. So steht die Genfer Herbsttagung des Völkerbundes mit Rußlands Kandidatur in großem weltpolitischen Rahmen und verdient scholl deshalb auch Unsere schärfste Aufmerksamkeit.
Eine französische Gaardenkschrist für den Völkerbund.
Darthou rechnet mit der Rückkehr des Gaargebiets zum Reich.
Paris, 31. Aug. (DNB.) Im Ministerrat erstattete Außenminister Bärthou Bericht über die außenpolitische Lage. Der Minister ließ von seinen Kollegen eine Denkschrift über das Saarge b i e t gutheißen» die et dem Völkerbundsrat zll überreichen gedenkt Die Denkschrift richtet ü; a. an den Völkerbundsrat das Ersuchen, b e - reiis jetzt für den Fäll, daß die Wähler für die Rückgliederung an Deutschland stimmen sollten, die Fragen der DomaNiäl- gruben, des Währungssystems usw. zu regeln. Es handelt sich nach Ansicht der französischen Regierung darum, die Uebergangszeir, die elrten Höheitswechsel im Saargebiet gemäß dem Ergebnis der Abstimmung erforderlich machen könnte, möglichst kurz zu gestalten. Der Völkerbundsrat könnte beispielsweise für alle diese Fragen Verhandlungen zwischen Frankreich und Deutschland anregert, entweder eine direkte Aussprache öder eine indirekte durch Vermittlung des DreiekaUöschllsses unter dem Vorsitz AloisiS.
„Journal" glaubt weitet Mitteilen zu können, daß die Denkschrift auf die Dringlichkeit Hinweisen werde, eine absolute gerechte UNd fr 6 itz Durchführung der Abstimmung zu sichern und vor allem werde betont, daß sofort Maßnahmen ergriffen werden müßten» um die Saar bis zum Abstimmungszeitpunkt ,»ö o r einem Hand st reich z.U schützen". In gut unterrichteten politischen Kreisen verlautet dagegen, daß sich die Denkschrift in her Hauptsache auf wirtschaftliche und finanzielle Fragen beziehe. Sie soll von einem Ausschuß ausgearbeitet worden fein, dem außer dem Außenminister auch der Minister für öffentliche Arbeiten und det Finanzminister ange- hürten. IN det Denkschrift soll die angebliche Möglichkeit eines Wunsches der Abstimmungsberechtigten, die endgültige Entscheidung über die Staatszugehörigkeit des Saargebiets einem späteren Zeitpunkt v o r z u d e h a l t en, erwähnt werden, uNd gewisse Vorschläge für die Regelung des politischen Regimes im Saärgebiet, falls eine Mehrheit für den Status quo zustande kommen sollte.
„Echo de Paris" meint, man stelle in gewisser Beziehung ein Vorurteil über den Ausfall der Wahlen auf, da man fräNzösischerseits bereits heute die Frage des Rückkauftzs der Gruben und die
Umstellung der Währung anschneide. In Wirklichkeit habe Frankreich r e ch t s p ä t die Initiative ergriffen. Man hätte eine Regelung dieser Fragen vör Festsetzung des Äbstimmungs- zeitpunktes verlangen müssen.
Der „Excelsior" Meint, daß Frankreich zugleich sein eigenes R e ch t und das SelbstbestiM- mungsttzcht der SaarbevolkeruNg wahren wolle. Das Blatt nennt als Fragen, die noch zu regeln feien:
1. das Schicksal bet französischen Staatsangehörigen Und der Schutz ihrer Person und ihres Eigentums.
2; Ditz künftige Stellung der ©aargrhben.
3; Die künftigen f k ä n z ö s i s ch - s a a t l ä n d i - scheu Handelsbeziehungen.
Diese seien eine wichtige Frage, wenn man bedenkt, daß die Saär der viertbeste Abnehmer des französischen Außenhandels sei.
Hoffentlich lenke die französische Denkschrift, so sagt das Blatt weiter, die Aufmerksamkeit des Völketbundsrates auch auf das künftige Militär- ft a t u t im Saakgebiet, das strategisch von höchster Wichtigkeit sei. Jede Nachlässigkeit in dieser Hinsicht könne etNste Rückwirkungen haben, auf die Aufrechterhaltung des Friedens. Auch fei Frankreich an der Polizeifrage interessiert. Ebenso fei_ die Frage der Minderheiten (!) und der Gicherhelts- bürgschäften für die Minderheiten zu behandeln, deNn sonst würde wohl die Gtzfdhr bestehen, daß die andersdenkende Bevölkerung in die Rach- bakgebiste flute.
Wie stellt sich die Schweiz zur Frage der Saarpolizei?
Bem, 31. AUg. (DNB.) Uebtzr die Haltung dek Schweiz zur Saarpolizei hat im Bundesrat ein Meinungsaustausch stattaefundem Aus den Ausführungen von Bundesrat Mottä konnte man entnehmen, daß es sich in keiner Weife üm die Zurverfügungstellung eines schweizerischen Kontingentes handeln kann, sondern nur um eine eventuell personr liche Rekrutierung von Schweizern durch Organe der Saarregierung. Ein offizielles Gesuch liegt nickt vor. Bunoesrat Motta ist darüber informiert wöroen, Laß die Frage von der Saarregierung erwogen wökdsN Ist. Der Bundesrat hat keinerlei Beschlüsse gefaßt.
Frankreichs Bemühungen um die Aufnahme Rußlands in den Völkerbund.
Paris, 1. Sept. (DNB. Funkspruch.) Wie die Blätter berichten, hat sich dtzt französische Ministerrat auch mit der Aufnahme S 0 wjetrutzi lands in dtzn Völkerbund beschäftigt. Nach dem „Petit Pakisien^ seien für einen Eintritt Sow- jetrUßländS kN den Völkerbund» soweit biS jetzt bei kannt» Frankreich, Großbritannien und Italien, dagegen seien die Schweiz» Holland, einige südamerikanische Staaten und vielleicht noch ärtoere Länder. Dennoch würde eine Mehrheit für d i e Aufnahme Rußlands zusläNdekommen. Eine an- d e r e Frage sei es allerdings» ob die zur Erlangung eines ständigen Ratssitzes erforderliche Einstimmigkeit erzielt werde. Deshalb fei die Entscheidung über diese Frage vorläufig Zurück ge st el.lt worden.
„Temps^ erklärt u. ä„ Rußland in Genf bedeute wahrscheiNsich das Ende der asiatischen und in gewisser Weiss antieuropäischen Politik, die die Moskauer Regierung lange Zeit getrieben höbe UNd die, wie sie selbst zuzugeben scheine, keinen SiNN mehr habe, seitdem ihr Hauptgegner im Fernen ÖsteN (ein Haupt erhebe. Man müsse anerkennen, daß, solange die japanische Bedrohung bestehe, und Rußland wenigstens die Neutralität der europäischen Mächte brauche, es im Interesse der Sowjetregierung liege, in den Kolonien dieser Machte eine Propaganda ein zu dämmen, die übrigens feit einiger Zeit merklich nachgelassen zu haben scheine. Andererseits werde die Sowjetdiplomatie schon wegen der ständigen Fühlungnahme in Genf Mit den übrigen Mächten unvermeidlich und fogrtr gegen ihren Willen d i e Methoden ber europäischen Diplomatie annehmen müssen. Vön dort bis zu einer Aenderung ihrer geistigen Einstellung sei ein leichter Schritt. Wenn man schließlich im Völkerbund ein Hilfsmittel zUr Aufrechterhaltung der internationalen Ordnung erblicke. Müsse man zugeben» daß die Zulassung Rußlands mit seinen 150 Millionen Bewohnern der Genfer Einrichtung etwas von jenem „ökumenischen" Charak- t e r wiedergeben werde, bett sie seit dem Austritt Deutschlands und Japans verloren habe. Der Eintritt ber Sowjets in die Genfer Familie werde eine DemUnftsehe sein. Wie alle solche Ehen werde sie Nicht aüf Unlösbarkeit Anspruch erheben können.
Weiterhin ablehnend bleibt bas JoUknaf des Debüts, das als Kritiker der ftanzösischen Regie*
Hing den Wunsch bezeichnet, die französisch-russische Allianz zu verwirklichen. Auch die Bemühungen um den Ostpakt laufen im Grunde genommen darauf hinaus, die Unterstützung Rußlands im Falle eintzs europäischen Konfliktes zu erhalten. Aber Man taufe, äuf diese Weise allerhand Gefahren. Schön die Garantie, die Frankreich für die russischen Grenzen übernehmen müsse, wäre eine höchst gefährliche Verpflichtung. Auf die militärische Hilfe der Sowjets rechnen zu wollen, wäre übrigens ein schwerer Irrtum. Die bolschewistischen Führer wüßten äUs dem Ekeignis den größtmöglichen Vorteil zu schlagen, sie hätten aber niemals einen Hehl daraus gewacht, daß sie sich durch keinerlei Verpflichtung gebunden fühlten. Das dürfe mäh niemals vergessen.
Konferenz der nordischen Außenminister
Oslo, 51. August. (DNB.) Auf Einladung ber 'schwedischen Regierung findet am 6. und 7. September in Stockholm eine Konferenz her Außenminister Norwegens, D ä - nemarks, Finnlands und Schwedens statt, um insbesondere übet eine wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen den nordischen Ländern zu btzräten.
Der baltische Pakt.
Riga, 31. Aug. (DNB.) Wie das den lettländi- schen Regierungskreisen nahestehende Blatt „Rits" (d. h. „Morgen") meldet, ist der Rigaer Vertrag über die Zusammenarbeit der drei baltischen Staaten ausdrücklich nur politisch-diplomatischen Inhalts. Im Vertrage fei k e i n M i l i t ä r b ü n d- n i s ob er eine andere Abmachung .für den Kriegsfall vorgesehen. Selbst im. Falle eines Angriffs auf einen ber vertragsschließenden Staaten würde dieser von den anderen beteiligten Staaten nur durch politisch-diplomatische Maßnahmen Unterstützt werden. Ein Militärbündnis fei fölange nicht möglich, als. ein Staat (gemeint ist natürlich Litauen) seine Grenzangelegenheiten als nicht geregelt anfehe. Der in der amtlichen Verlautbarung enthaltene Hinweis über die Anschluß- m ö glichkeit dritter Staaten an den Rigaer Vertrag könne nur im Sinne eines eben1 tueüen Anschlusses Finnlands gebeutet werben, I da im Vertrage ausdrücklich rtur von baltischen s Staaten die Rede feu
Der Vertrag dürfte schott th den nächsten Tagen der lettländischen Regierung zur Bestätigung unterbreitet werben. — In Reval begann am Freitag die baltische Wirtschaftskonferenz, an beC Vertreter der führenden Wirtschaftsorganisationen aus den drei baltischen Staaten teilnahmett.
Vor einer Auslandsreise des Königs von Italien.
_ $ ä t i 9,Sept. (KNB. Funkipruch.) Las „Petit Joütnal" will wissen, daß Mussolini nicht b e a d»f i ch t i g e, italienischen Boden zu verlassen, um den ausländischen Staatsmännern einen Besuch abzustatten, die ihn in Italien aufgesucht haben. Dagegen werde König Viktor Emanuel III. eine Reihe von Auslandreisen unternehmen. Man spreche bereits von wechselssitigen Besuchen des Königs und des Präfidenten dek französischen Republik und von Reisen des Königs nach London, Brüssel und vielleicht Nach Wiett.
Ein deutsch-holländisches Transferabkommen.
Berlin, 31. Aug. lDNB.) Zwilchen bc ■ beut« schen unb ber niederländischen Regierung ist ein Abkommen Unterzeichnet worden, das der Transferierung von Zinsen auf die privaten deutschen Anleihe und sonstigen Schuldverpflichtungen nach Holland regelt. Die für die Zinstransferierung im Rahmen dieses Abkommens erforderlichen Devisen wurden tri volltzr Höhe aus der Bezahlung für zusätzliche Warenlieferungen zur Verfügung gestellt, die Döh der niederländischen Regierung nach Deutschland vergeben werden. Die holländischen Gläubiger, die auf Grund des Abkommens befriedigt werden, verzichten auf einen erheblichen Teil ihrer Zinsansprüche. Die so fttzi werdenden Beträge dienen teilweise ber Amortisation der Schulbverhältnisse und zum änderen Teil der Förderung Der deutschen Ausfuhr.
Mtor°SA und ASM vereint als selbständige Gliederung.
Der Führer unb Reichskanzler hat folgenden Führer-Befehl erlassen: „Das NSKK. zusammen mit den Einheiten det Motöt-SA. werden üoft null ab HU einer Einheit „Nätionalsüzia- listisches Kraft fahr-Korps" gUsammtzn- gefaht- Es ist mir u n m i 11 el b a r unterstellt. Seine Führung übertrage ich dem Chef des Kraftfahrwesens der SÄ„ Öbergruppensührer H ü h n l e i n. . Die Aufgabengebiete Des Nationalsozialistischen Krafifahr-Körps und feine Zusammenarbeit mit den verschiedenen Gliederungen der Bewegung werden gesondert geregelt."
Der Reichsfühker der NSKK., Obergruppenführer Hühnlein,^wende^ sich mit folgendem Ta» g e s b e f tz h l an Motor-SA. Junb_ NSKK.: »»MSA.- unb NSKK.-Männer! Mit Erlaß vom 23. August 1934 hat der Führer als eine für die Weiterentwicklung sich ergebende Notwendigkeit die Zusam- m e n f a s s u n g, v o n Motor-SÄ. und NSKK. zu einer geschlossenen Einheit verfügt und mich zu ihrem Reichsführer ernannt. Diese neue Einheit — das ,»Nationalsozialistische Kraftfahr-Korps" — ist Unmittelbar dem Führer unterstellt und bildet damit gleich SA. und SS. von nun ab einen s elb- st ä n d i g e n Bestandteilder Bewegung. Für mich Und das gesamte Korps bedeutet dieser Beweis des Vertrauens unseres Führers größte Anerkennung und höchsten Ansporn zugleick. Wenn wir auch nunmehr aus dem Verbände der SA. a u s sch e i d e n, um als selbständige Gliederung fortzubestehen, so wird das NSKK. nicht neben ihr, sondern wie bisher in treuester Kameradschaft stets mit ihr sein. Eine Kameradschaft, in Not und Kampf gefeftigtK vermag nichts zu scheiden. Mögen SA. und NSKK, von nün ab auch äuf getrennten Wegen marschieren, dek gemeinsame Quell ihrer Kraft, ber Geist, ber sie verbindet, wird stets ber gleiche bleiben: ber alte stolze SA. - Geist ! Weitere Befehle über bie im Rahmen ber neuen Glieberung zu treffen« ben organisatorischen Maßnahmen folgen.
Nr. Heiner, Stellvertreter des Gauleiters.
Das Gaupresseamt teilt mit:
Der im Rhein-Mcnngebiet allen Nationalsozialisten als selbstloser Kämpfer Adolf Hitlers seit Jahren bekannte Pg. Heinrich ReiNer wurde nunmehr offiziell zum Stellvertreter des Gauleiters von Heffen-Naffau ernannt.
Den „NS -BritzfeN", Folge 26, entnehmen wir über bös arbeitsreiche Leben des Pg. Reiner folgendes! Heinrich Reiner ist ein Mann von meist wenigen, über um so sicherer entscheidenden Worten. Als Wik ihn um einige Daten seines Lebenslaufes batek, entwickelte tzr klar Und knapp ein kämpfte risches, unbeugsames Persönlichkeitsbild, das sich alle schmückenden Beiworte sparen kaNn Und sowohl dem Nationalsozialisten als auch dem Menschenkenner sägt, welcher Persönlichkeit der Gauleiter sein Vertrauen unmittelbar zuwendet, um sie th der politischen Führung des Rhein-Main-Gebietes wirken au lassen.
Im Iahte 1892 zu Höf (Oberfranken) geboren, trat Reiner nach Besuch des Regensburger Gymnasiums als Fahnenjunker in das köNigl. bayr. 4. Pionierbataillon ein Unb erlebte bett Weltkrieg äh allen Brennpunkten in vorderster Linie. Im Herbst 1914 wurde er zum Leutnant befördert und zwei Jahre später zum Adjutanten des Generals Der Pioniere 6 ernannt. Wieder ein Jahr später meldete sich Reiner freiwillig zu ben Fliegern und erlitt im Februar 1918 einen Absturz aus 100 Meter Höhe. Nach seiner Wiederherstellung unb Beförderung zum Oberleutnant nahm er feine Ausbildung wieder auf und blieb auch nach der Novemberrevolte bei den aktiven Formationen. Während eines breimöriätigeh Urlaubs im Jähre 1919 trat Reiner dem Freikorps Epp bei und betätigte sich dort als Werbeoffizier. Im Verbände dieses Freikorps nahm er aktiven Anteil an der BefrsiUng Münchens von ber Räteherrschaft. Im Mai 1920 erfolgte auf eigenen Antrag seine Verabschiedung bet der Reichswehr.
Die berufliche Tätigkeit in München, Ältjoch und Frankfurt a. M. wurde durch die jederzeit offen flum AUsbruck gebrachte nationalsozialistische.Einstellung erschwert unb brachte immer wieder Rückschläge und Kündigungen. Dies war um so schlimmer, als erst in dieser Zeit die Folgtzn der erlittenen Kriegsverletzungen sich bemerkbar machten.
Reiners aktive Tätigkeit in _ber Hitlerbewegung geht bis ins Jähr 1921 zurück. Seine alle Mitglieds^
i


