Nr. 204 Erstes Blatt
184. Jahrgang
Samstag, 1. September 1954
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Steuerpolitische Maßnahmen zur Unterstützung der neuen Arbeitsschlacht.
Erweiterung der Steuerfreiheit für Ersatzbeschaffungen.—Belebung der Verbrauchsgüterindustrie durch Einkommensteuersenkung für Familienväter und Senkung der Umsatzsteuer für den lagerhaltenden Großhandel.
Staatssekretär Meinhardt über die neuen Steuergesehe
Berlin, 1. Sept. (DNB.) Staatssekretär Reinhardt sprach am Freitag im Rundfunk im Zusammenhang mit der soeben abgeschlossenen Leipziger Herbstmesse über die steuerpoliti- schen Maßnahmen, die für die kommende Arbeitsschlacht im Herbst und Winter durchgeführt werden. Er führte u. a. aus:
Das neue Einkommen st euergeseh wird am 1. Januar 1 935 in Kraft treten und bereits auf diejenigen Einkommen > Anwendung finden, die im Frühjahr 1935 f ü r ' das Jahr 1 9 3 4 ju veranlagen fein ■ werden. Der Entwurf des neuen Linkommeu- ! fteuergefehes enthält eine Bestimmung, durch die das Gesetz über Steuerfreiheit für Ersatzbeschaffungen wesentlich erweitert wird.
Diese Bestimmung erstreckt sich auf jegliche beweglichen Gegenstände des gewerblichen oder landwirtschaftlichen Anlagekapitals, deren betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer erfahrungsgemäß zehn Jahre nicht übersteigt. Sie erstreckt sich nicht nur auf Ersatzbeschaffungen, sondern auch auf Neuanschaffungen nicht nur auf Erneuerungen, sondern auch auf Erweiterungen des gewerblichen oder landwirtschaftlichen Anlagekapitals. Auf Erweiterungen insoweit, als es sich um kurzlebige Gegen st ände handelt. Als kurzlebig gilt jeder gewerbliche Gegenstand des gewerblichen oder landwirtschaftlichen Anlagekapitals, dessen betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer erfahrungsgemäß zehn Jahre nicht übersteigt. Die Aufwendungen für alle diese Gegenstände können vom Gewinn, des Jahres 1934 voll a b - gesetzt werden, wenn die Anschaffung oder Herstellung bis zum Schluß des Wirtschaftsjahres 1934, in den meisten Fällen also bis spätestens 31. Dezember 1934 erfolgt ist.
Alle diejenigen Gewerbetreibenden und Landwirte, die die Vergünstigung für das Jahr 1934 erhalten wollen, müssen die Auftrage so rechtzeitig erteilen, daß die Lieferung noch vor Schluß des Wirtschaftsjahres 1 9 3 4 erfolgt. In dem Fall können die Aufwendungen für die betreffenden Gegenstände vom Gewinn voll a b g e s e h t werden, so daß die Steuer, mit der der Gewerbeitreibende ober Landwirt für 1934 zu veranlagen sein wird, sich entsprechend ermäßigt. Die Steuerermäßigung beträgt je nach der Lage des einzelnen Falles 10 bis 45 v. h. für den in Betracht kommenden Gegenstand.
Die nächste E i n k o m m e n st e u e r e r k l ärung ist im Februar 1935 für das Kalenderjahr 1934 abzugeben. Jeder Gewerbetreibende und jeder Landwirt hat die Möglichkeit, sein zu versteuerndes Einkommen nach Belieben niedrig erscheinen zu lassen. Es kann sich für das Jahr 1934 sogar einkom - men- oder körperschaftssteuerfrei gestalten. Er braucht nur entsprechend hohe Summen für Anschaffung oder Herst e l l u n g e n von kurzlebigen Anlagen, Gegenständen oder für die Ersatzbeschaf f u n g langlebiger Gegenstände für die Zwecke des zivilen Luftschutzes oder Sanitätsdienstes oder Instandsetzungen und Ergänzungen für Gebäude aufzuwenden. Die gleiche Möglichkeit hat jeder Gebäudeeigentümer, auch wenn er nicht Gewerbetreibender ist, hinsichtlich der Aufwendungen, zu Zwecken des zivilen Luftschutzes und des zivilen Sanitätsdienstes und bei Instandsetzungen an seinem Gebäude.
Eine weitere finanzpolitische Maßnahme ist d a s Gesetz zur Förderung der Eheschließungen. Diese Tatsache wird zu immer größerer Nachfrage nach Möbeln und Hausgerät, und, da die jungen Ehepaare Wohnungen brauchen, nach Kleinwohnungen führen.
Wir haben die Nachfrage nach Gütern und Leistungen bisher in erster Linie durch Gewährung von Steuervergünstigungen verschiedener Art und durch Gewährung von Ehestandsdarlehen gefördert. Wir gehen jetzt dazu über, auch durch allgemeine Steuersenkungen die Nachfrage nach Leistungen und Gütern zu fördern, ohne Bindungen daran zu knüpfen. Das neue Einkommensteuergesetz wird den Familienvätern eine weitere Entlastung br' '-"n. Der Familienvater soll für feine Familie einen größeren Betrag als bisher für die Lebenshaltungskosten zur Verfügung haben.
Durch die allgemeinen Steuersenkungen soll insbesondere die Derbrauchsgüterindustrie
belebt werden. Es ist auch notwendig, daß der Binnengroßhand el wieder zur Lagerhaltung übergeht. Zu dem Zwecke wird im neuen Umsatzsteuergesetz, das mit Wirkung vom 1. Januar 1935 in Kraft treten wird, die Umsatzsteuer für den Binnengroßhandel einheitlich auf 0,5 v. H. festgesetzt werden. Bisher betrug die Umsatzsteuer für den lagerhaltenden Großhandel 2 v. H.
Es gibt für jeden Gewerbetreibenden, Landwirt und G e b ä u d e e i g e n t ü m e r reichlich Möglichkeit, sich ein^ureihen in die Front der Kämpfer um die Verminderung der Arbeitslosigkeit. Jeder, der entsprechend handelt, dient der
Schanghai, 31. Aug. (DNB.) Lin schwerer Lifenbahnanschlag ist etwa 40 Kilometer südlich von Lharbin verübt worden. Banditen hatten die Schien en aufgerissen und brachten einen Personenzug zur Entgleisung. Darauf eröffneten sie ein wildes Gewehr- feuer auf die umgestürzten Eisenbahnwagen, wobei 21 Personen getötet und 25 verwundet wurden. Die Banditen ergriffen darauf die Flucht und entführten sechs japanische Reisende, zwei Amerikaner und einen Dänen. Japanische Vahnwachen lieferten den Banditen ein zweistündiges Gefecht, konnten jedoch nicht verhindern, daß die Räuber mit ihrer Beute entkamen. An die Stelle des Verbrechens ist ein Lazarettzug entsandt worden. Die Rettungsarbeiten und die Bergung der zum Teil entstellten Leichen wurden durch wolkenbruchartigen Regen stark beeinträchtigt.
Sind russische Bahnbeamie die Drahtzieher?
Japan kündivt schärfste Maßnahmen an.
Mukden, 31. Aug. (DNB.) Die mandschurische Polizei erklärt, daß die Urheber der Katastrophe auf der Strecke Charbin—Tschangschun in den Reihen der russischen Eisenbahnan- ge st eilten der Ostchinabahn zu suchen seien. Die mandschurischen Zeitungen, die den japanischen militärischen Kreisen nahestehen, verlangen ein energisches Durchgreifen sowie die B e r - «Haftung einzelner führenderSowjet- 'beamten, die von der Presse beschuldigt werden, daß sie die Bandenübersälle nach Anweisungen des Kommandos der sowjetrussischen Fern-Ostarmee inszenierten. Auf Veranlassung des Führers der japanischen Militärabordnung in Eharbin A n d o wurde eine Untersuchung eingeleitet, die durch japanische und mandschurische Polizei beschleunigt durchgeführt werden soll, da die Ergebnisse dieser Untersuchung von großer politischer Tragweite für die weitere Gestaltung der Lage an der i chinesischen Ostbahn sein werden. Von mandschurischer Seite wird erklärt, daß mehrere Personen in Haft seien, die unmittelbar oder mittelbar andern U e b e r f a l l b e t e i l i g t sein sollen. Die japanischen Militärbehörden betonen, daß nunmehr rücksichtslose Maßnahmen getroffen werden würden, um dem chinesischen Banditentum energisch zu Leibe zu gehen. Der Oberbefehlshaber der japanischen Truppen in Charbin hat Verstärkungen aus Tschangtschun zum Schutze der chinesischen Ostbahn erhalten.
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Das Attentat auf einen Expreßzug südlich von Charbin wirft ein bezeichnendes Licht auf die Verhältnisse in der nördlichen Mandschurei. Alle Maßnahmen der Japaner, namentlich gegen die sowjetrussischen Beamten der Ostchinesischen Eisenbahn, sind immer wieder damit begründet worden, daß nicht eher Ruhe und Frieden einziehen werde, bis die sowjetrussischen Vorposten verschwunden wären, die die Band it en stets von neuemmitWaffenund Geldausrüste- t e n. Wieweit diese Behauptung richtig ist, mag dahingestellt bleiben. Daß aber die Banden in der Nordmandschurei aus irgendwelchen unbekannten Quellen Waffen und Sprengmaterial beziehen, läßt sich wohl doch nicht bestreiten. Aus der Fülle der Anschläge — fast täglich finden Ueberfälle auf japanische Posten und Feldwachen, japanische Geschäfte und Niederlassungen, japanische Eisenbahnanlagen und Bauten statt — geht aber auch hervor, daß die mandschurischen Banden nach einem gut' durchdachten Plan operieren und daß hinter ihnen eine Kraft steht, die sie zielbewußt lenkt.
Volksgemeinschaft, und zwar dadurch, daß er zur Verminderung der Arbeitslosigkeit und sozialen Not und gleichzeitig zur Gesundung von Wirtschaft und Finanzen beiträgt und schließlich sich s e l b ft durch Verbesserung seiner Anlagen und durch Verminderung seiner Steuerschulden nützt. Für jeden Arbeitnehmer, insbesondere für jeden Familienvater, wird sich durch Senkung der Abgaben und Beiträge eine immer größere Möglichkeit ergeben, die Aufwendungen zur Bestreitung der Lebenshaltungskosten seiner Familie zu erhöhen und auf diese Weise zur Belebung der Verbrauchsgüterindustrie beizutragen.
Wenn es jetzt zu einer neuen großangelegten japanischen Strafaktion kommt, so wird sich im Grunde herzlich wenig ändern. Die Banditen verschwinden ebenso spurlos, wie sie auftauchen. Machen die japanischen Truppen Kehrt, dann sind auch die bewaffneten Banden wieder da. Man muß aber nach die
sem schrecklichen Attentat damit rechnen, daß Japan jetzt in der Nordmandschurei wesentlich schärfer v o r g e h e n wird. Es hat bereits wegen der Kontrolle des Verkehrs auf der Ostchinefischen Bahn weitreichende Forderungen an die russische Adresse gerichtet, die wohl nur durch eine japanische Selbsthilfe erfüllt werden können. Aber gerade das ist es, wovor Tokio bisher zurückgeschreckt ist. Wenn auch Rußland bisher sehr viel eingesteckt hat, so ist es doch möglich, daß ein Griff nach der Ostchinesischen Bahn, über deren Schienenstränge nach japanischer Ansicht die Waffentransporte für die Banditen rollen, durch die Fernostarmee des Generals Blücher nicht unbeantwortet bleibt.
Oer Kern der chinesischen Lustwaffe durch Brand vernichtet.
Schanghai, 31. Aug. (DNB.) Im Flughafen von N a n t s ch a n g, dem Zentrum der von Dschiang Kai-schek begründeten chinesischen Luftstreitkräfte, hat ein Brand zwölf große Bombenflugzeuge vernichtet, die erst vor kurzem aus Amerika eingefüfjrt wurden. Es wird Brand st iftung vermutet. 70 Personen wurden verhaftet. Eine eingehende Untersuchung ist eingeleitet. Die Pläne zur Errichtung einer chinesischen Luftstreitmacht sind damit zunächst gescheitert. Die für den Herbst vorgesehenen Hebungen der Luftstreitkräfte mußten abgesagt werden.
6in sozialistischer Flügel in der Faschistischen Partei?
London, 1. Sept. (DNV.-Funkspruch.) „Daily Telegraph" bringt in großer Aufmachung einen Bericht seines Mailänder Berichterstatters, in dem es heißt, von maßgebender sozialistischer Seite verlaute, Mussolini plane eine der kühnsten Taten seiner Innenpolitik. Er sei an mehrere hervorragende Mitglieder der von ihm unterdrückten sozial!- stischen Partei herangetreten mit dem Vorschlag, sie sollten sich ihm anfchliehen und einen neuen „sozial!stischen Flügel der Fasch! st enparle!" bilden. Sie würden dafür hervorragende Posten in der Partei, besonders in den Behörden erhalten, die die Arbeiterfragen kontrollierten. Einer von den betreffenden Sozialisten sei der ehemalige Bürgermeister von Mailand. Eine endgültige Antwort sei noch nicht erfolgt
24 Todesopfer eines Eisenbahnanschlags in der Mandschurei.
Sechs Japaner und 3 Ausländer von chinesischen Banditen entführt.
Genf und Moskau.
In den ersten Septembertagen wird der V ö l k e r • bunbsapparat wieder in Betrieb gesetzt. Die beiden Institutionen der Genfer Liga der Nationen, Rat und Völkerbundsversammlung, treten zu ihrer üblichen Herbsttagung zusammen. Es ist die 15. Versammlung seit Bestehen des Völkerbundes. Aber niemandem scheint der Sinn nach besonderen Jubelfeiern zu stehen. Und es ist ja auch tatsächlich kein Anlaß, in besonderen Festartikeln eines Geburtstagskindes zu gedenken, das Eltern wie Paten immer nur Sorge um sein bißchen Leben gemacht hat und allen an die Friedensmission der Wilsonschen Gründung aufrichtig Glaubenden Enttäuschung über Enttäuschung bereiten mußte. Durch das Fehlen der Vereinigten Staaten und Sowjetrußlands hat der Völkerbund niemals seinen Anspruch auf Totalität durchsetzen können. Unter englisch-französischem Einfluß wurde er durch die Verkettung mit den Pariser Friedensdiktaten zwangsläufig zu einem Werkzeug eines auf Erhaltung des Status quo gerichteten lebensfeindlichen Imperialismus. Der Austritt Japans und Deutschlands hat ihm den letzten Nimbus einer überstaatlichen und weltumfassenden Organisation genommen. Trotzdem ist der Völkerbund als Machtinstrument einer starken Mächtegruppe auch heute noch, wenn auch im andern Sinn, als sein Gründer und die idealistischen Freunde der Völkerbundsidee es sich gedacht haben, wichtig genug, um seine Beratungen vor und hinter den Kulissen mit Aufmerksamkeit zu verfolgen. Insbesondere Deutschland muß, wenn es auch nach seinem Austritt keinerlei Anlaß hat, die Bedeutung der Genfer Institution zu überschätzen, sich mit den Vorgängen im Völkerbund beschäftigen, sobald deutsches Volkstum in feinen lebenswichtigen Interessen von Genfer Beschlüssen berührt wird. Das ist auf der bevorstehenden Herbsttagung einmal im Minderheitenproblem, zum andern in der Organisierung der Saarabstimmung der Fall.
Dem Völkerbund wird der von ihm eingesetzte Dreierausschuß durch seinen Vorsitzenden, den Italiener Aloisi, seinen Bericht über die Vorbereitung der Volksabstimmung im Saargebiet vorlegen. Die Mitglieder des Abstimmungsgerichts, durchweg Angehörige neutraler Staaten, find bereits ernannt worden. Nun aber hat die Regierungskommission noch einen Antrag in Genf ein- gebracht, der die P o l i z e i f r a g e erneut aufrollt. Es war im Juni vereinbart worden, daß die vorhandenen Polizeikräfte, falls sie zur Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung nicht ausreichen sollten, durch Anwerbungen im Saargebiet selber verstärkt werden sollen. Nur falls dieses sich als unmöglich erweisen sollte, sollte die Regierungskommission auf Anwerbung deutsch svrechender neutraler Staatsangehöriger zurückgreifen dürfen. Es ist nicht bekannt geworden, ob Herr Knox überhaupt den Versuch gemacht hat, innerhalb des Saargebiets die von ihm für notwendig gehaltenen Verstärkungen anzuwerben. Die „Deutsche Front", in der die abstimmungsberechtigte Bevölkerung des Saargebiets so gut wie geschlossen zusammensteht, hat allen Provokationen der Separatisten und Emigranten eine 'eiserne Disziplin entgegengesetzt. Im deutschen Lager verneint man daher entschieden die Notwendigkeit, die vorhandene Polizei durch Ausländer zu verstärken und sieht in diesem gänzlich überflüssigen Antrag nur einen Versuch des Herrn Knox, die Weltöffentlichkeit über die wahre Stimmung im Saargebiet zu täuschen. Da die anzuwerbenden Ausländer deutsch sprechen sollen, kommen für die Verstärkung der Polizeikräfte neben Luxemburgern nur Schweizer in Betracht. In der Schweizer Presse hat man auf diese Anregung schon recht sauer reagiert. Die Entsendung einer geschlossenen Schweizer Polizeitruppe gleichsam von Staats wegen wird überall rundweg abgelehnt mit der Begründung, daß die Eidgenossenschaft nicht dazu die Hand bieten dürfe, daß ein Organ ihrer Exekutive der Zankapfel zwischen den beiden großen Nachbarnationen Deutschland und Frankreich werde. Aber die gleichen schwerwiegenden Gründe sprechen auch gegen eine freie Anwerbung schweizerischer Staatsangehöriger durch die Regierungskommission. Denn selbstverständlich würden die Bewohner des Saargebiets nicht unterscheiden zwischen schweizerischen Polizeibeamten und Beamten der Regierungskommission schweizerischer Nationalität. Es wären eben doch in jedem Falle Schweizer, auf die bei vorkommenden Reibungen, wie sie während des Abstimmungskampfes in einer durch die Tätigkeit der Emigranten beträchtlich erhitzten politischen Atmosphäre unvermeidlich sind, das Odium unfreundlicher Stellungnahme zwangsläufig fallen müßte. Wenn also der Schweizer Bundesrat klug beraten ist, so wird er auf diese Zumutung des Herrn Knox nicht hereinfallen und sich aus einer Sache heraushalten, bei der es für die Schweiz keine Lorbeeren zu pflücken gibt.
Ein anderer Punkt der Genfer Tagesordnung, der Deutschlands Interesse verdient, ist der polnische Antrag, die Minderheitenschutzverpflichtungen, die man in den Pariser Vorortverträgen den aus dem Zusammenbruch der Donaumonarchie wie aus der Loslösung der westlichen Randvölker vom russischen Reich neu entstandenen Staaten auferlegt hat, auf alle Mitglieder des Völkerbundes auszudehnen. Deutschland hätte, falls es noch in Genf mitzuraten hätte, gegen diesen Antrag gewiß nichts einzuwenden gehabt, da es selber stets auch ohne Zwang seinen kulturellen Verpflichtungen gegenüber seinen wenigen und zahlenmäßig geringen Minderheiten mustergültig nachgekommen ist. Aber weit weniger begeistert von einem solchen Vorschlag ist man in Frankreich, das ja trotz des Anspruchs auf größte Homogenität nicht nur in Elsaß-Lothringen, sondern auch in Flandern, in der Normandie und


