Nr. 125 Drittes Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheflen)
Freitag, f. Juni 193^
Aus der Provinzialhauptstadt.
Glückliche „Provinz"!
Das Auto hat den Kilometer lächerlich gemacht. Das Flugzeug macht Raum und Zeit zu Bagatellen. Morgens trinkt man am Main den Kaffee, und das erste Frühstück kann man in Berlin einnehmen. Die sogenannte „Provinz" hat aufgehört, eine Se- kundäroahn- oder Postkutschenangelegenheit zu sein. Denn jetzt verleiht der Rundfunk ihr noch dazu den Ehrenbürgerbrief jeder Großstadt. Man sitzt irgendwo in einem, wie es früher von oben herab hieß, „gottverlassenen Nest" und hört, während gerade vielleicht die Kuh brüllt, den Tenor des Festspielhauses singen.
Vielleicht fing es schon mit dem Film an, der früher nur in der Reichshauptstadt den Premierentigern zuerst vorgeworfen wurde. Heute kann man ihn schon am nächsten Tage in Schlesien oder am Neckar sehen. Man läßt sich nichts mehr „vorflimmern", sondern urteilt und verurteilt selbst mit unverbildeterem Instinkt für Qualität. Die „Provinz" war einmal . ein Großstadtmärchen. Heute sind ihr die Annehmlichkeiten der Steinmeere zugefallen, ohne daß sie auf ihre eigenen Vorteile zu verzichten brauchte. Und um den Rest der sogenannten „Kulturerrungenschaften" braucht der „Hinterwälder" den Gefangenen der Mauerschächte nicht zu beneiden.
Man muß sich die Hochnäsigkeit, die Unkultur und den geistes- und gefühlsverwirrten Dünkel der vergangenen Zeit ab und zu wieder einmal vor Augen halten, um die Wandlung würdigen zu können, die inzwischen in unserem Volke Platz gegriffen hat. Im Vorbeigehen hatte die Kultur diese bedauernswerten Geschöpfe gerade noch mit dem Aermel gestreift, und was dabei hängen blieb, war natürlich in den Augen dieser Bildungsnobs nicht weit her. Aber zum Kühemelken und Kornmähen reichte es schließlich ja hin. Der „Provinzonkel" war Hoflieferant für die sich so nennenden „Witz"- blätter und Lodenmantel und Gamsbart sein patentiertes Warenzeichen. Die „Landpomeranze" hinkte um Nasenlängen hinter dem her, was „man" trug. Diese „Mans" merkten dabei nicht, daß sie Herdentiere überspitzter, haltloser Moden waren.
So oder ähnlich lebte die „Provinz" in der Vorstellungswelt jener Allzuvielen, die sich von wer weiß woher in die Großstädte verlaufen hatten und dort die falschey Töne angaben, und die von sich glaubten, daß sie sämtliche Kulturgüter in Erbpacht hätten, Kitsch und Talmi eingeschlossen. Für diese überhebliche Einbildung, die meist die einzige Bildung war, die sie besaßen, waren sie gerne Staubsauger, Asphalttreter, Harlekine ihrer unterschiedlichen Nerven, Zeitraffer, Wohnungsproblematiker und noch allerlei.
Unser Volk ist mitten in der Gesundung Körperlich und geistig. Zwischen Studt und Land sind die Schranken gefallen Und damit ist die „Provinz" Land aller Deutschen geworden. Heilige Heimaterde betritt überall unser Fuß. K. I. G.
(Sin Sinnbild schaffender Arbeit!
pßfr blicken mit Stolz auf ein Jahr erfolgreichen Wiederaufbaus deutscher Arbeit zurück. Das ganze Volk hat sich in einmütiger Schaffensfreude mit dem Bekenntnis zu feinem Führer gefunden. Die deutsche Arbeit fand wieder ihre Arbeiter.
Die edelste und vordringlichste Aufgabe aller Deutschen aber bleibt die Sorge um die Erhaltung des Erreichten und der feste Wille, weiterhin Arbeit zu schaffen, bis auch dem letzten brotlosen Volksgenossen dieser Segen wieder zuteil geworden ist. Darum gebe jeder zur Hebung des deutschen Ar-' beitsmarktes!
Die III. große Arbeitsbeschaffungslotterie gibt mit ihren braunen Losen, die das Sinnbald schaffender
deutscher Arbeit tragen, jedem die Möglichkeit, sich als wertvolle Kraft in die Kampffront gegen die Arbeitslosigkeit einzureihen. Aber, um dem Denken und Fühlen des Volkes vollständig gerecht zu werden, hat die Arbeitsbeschaffungs-Lotterie ihren Gewinnplan sozial erweitert, d. h. sie stellt viele mittlere, beträchtliche Gewinne in Aussicht und sieht dafür von der Ausspielung eines einzigen übergroßen Hauptgewinnes ab.
Jeder kann der Volksgemeinschaft durch diese Lotterie dienen, und vielen wird dadurch noch ein besonderes Maß Freude zuteil werden.
der Reichsjugendführer
stiftet das BdM -Leistungsabzeichen.
Der Reichsjugendführer Baldur v. Schirach hat in diesen Tagen das
BdIN.-Leisiungsabzeichen in Bronze sowie das BdAl.-Leisiungsabzeichen in Silber
gestiftet. Anläßlich dieser Stiftung hat der Reichsjugendführer an die Führerinnen aller Einheiten folgenden Aufruf erlassen:
Liebe Mädels!
Leibesübungen sind die Grundlage seelischer und geistiger Gesundheit. Weltanschauliche Schulung ohne Körperschulung ist unvollkommen, denn unsere
Weltanschauung will die Einheit von Körper, Seele und Geist.
Abgesehen davon hat es sich als unerläßlich erwiesen, den Gesundheitszustand der weiblichen Jugend zu heben und zu fördern, um die Voraus- ; setzung für ein kommendes widerstandsfähiges Geschlecht zu schaffen. Bei den Schulungskursen des BdM. in den Führerinnenschulen usw. ist dafür zu sorgen, daß einem Drittel geistiger Schulung zwei Drittel körperlicher Betätigung hinzugefügt werden. (Sport, Spiel).
Um den Willen des BdM. zu ernster, sportlicher Arbeit zum Ausdruck zu bringen, stifte ich hiermit das BdM.-Leistungsabzeichen in Bronze, das jedes BdM.-Mädel nach Möglichkeit erringen muß, sowie das BdM. - Leistungsabzeichen in Silber, das nach Erwerb des Bronze-Abzeichens durch Erfüllung gesteigerter Anforderungen erworben werden kann.
Die Bedingungen (Leistungsbücher) für die Erlangung des BdM.-Leistungsabzeichens sind durch die zuständigen Dienststellen bei der Reichsjugendführung, Abteilung I, anzufordern. Ich erwarte besonders von den BdM.-Führerinnen, daß sie ihrer Gefolgschaft auch hier vorangehen und als erste . versuchen, das neue Leistungsabzeichen zu erwerben.
gez. Baldur von Schirach.
Platzkonzerte unserer SA.-Kapellen zur Lustfahrt-Werbewoche.
Anläßlich der heute beginnenden und bis zum 8. Juni dauernden Luftfahrt-Werbewoche veranstalten die beiden Gießener SA.-Kapellen am Samstag bzw. Sonntag in dankenswerter Weise Platzkonzerte.
Am morgigen Samstag von 18 bis 19 Uhr konzertiert der Musikzug der Standarte 116 unter Leitung von Qbertruppführer N i e b e r g a l l an der Ecke Plockstraße-Johannesstraße. Zum Vortrag kommt die nachstehende Musikfolge:
1. Ruhm und Ehre, Marsch von Blankenburg.
2. Ouvertüre z. d. Oper „Norma" von Bellini.
3. Geburtstagsständchen von P. Linke.
4. Stolzenfels am Rhein, Lied von I. Meißler.
5. Herzog von Braunschweig, Armeemarsch.
Am kommenden Sonntag von 11.30 Uhr ab gibt die Kapelle des SA.-Reserve st urmbanns 1/116 unter Leitung von Musikzugführer Herrmann ihr Platzkonzert am Hindenburgwall in den Anlagen gegenüber dem Gymnasium. Dabei wird die nachstehende Musikfolge gespielt:
1. Koburger Posias-Marsch, Armeemarsch.
2. Ouvertüre a. d. Oper „Die diebische Elster" von Rossini.
3. Am schönen Elbflorenz, von Schröter.
4. Rosenlieder, von Eulenburg.
5. Große Fantasie a. d. Oper „Walküre" von R. Wagner.
Die beiden Konzerte, die für die Förderung des deutschen Luftsports werben wollen, werden den Besuchern einen schönen musikalischen Genuß be- reiten.
Segelflieger über Gießen.
Es besteht die Wahrscheinlichkeit, daß am morgigen Samstahnachmittag aus Anlaß der Luftfahrt-Werbewoche Segelflieger über unserer Stadt erscheinen werden, die mit einem besonders dafür konstruierten Motorflugzeug in die Höhe geschleppt werden. Von näheren Einzelheiten werden wir morgen Kenntnis geben.
NS.-Gemeinschast„Krast durch Freude"
Fahrt nach Thüringen vom 9. bis 17. Juni 1934.
Letzter Anmeldetermin für diese Fahrt ist Montag, 4. Juni 1934. Der Zug hat seine Zielstation in Eisenach, der alten Wartburgstadt mit ihren Wäldern und Bergkämmen. Von dort aus wird die Verteilung in das Gebiet Bav-Salzungen und Brotterode vorgenommen. Wir kommen in eines der schönsten Gebiete des Thüringer Waldes. Es wird reiche Gelegenheit zum Wandern und zu den verschiedensten Besichtigungen gegeben fein. Die Gesamtkosten betragen einschließlich Verpflegung und Unterkunft 25 Mark. —
Matavina kann fitb nicht entscheiden
Roman von Viktor von Kohlenegg
Ab Moutas in den Kamittendiüttevn
Unö nun, Ellen?
Vornan von Käthe Mehner.
Urheberrechtsschutz: Fünf-Türme-Verlag, Halle (S.)
20 Fortsetzung Nachdruck verboten!
Rakenius gab sich schließlich zufrieden. Und kurze Zeit darauf fuhr Rainer von Rakenius mit feinen Eltern im Wagen davon.
„Ich bin mehr als erstaunt, Rainer, daß Evelyn sich entschuldigt hat. Sollte es ihr wirklich nicht möglich gewesen sein, heute abend mitzukommen?"
Doktor von Rakenius drehte sich unruhig auf feinem Polster. Aus dem Halbdunkel des Wagen- tnnern leuchtete das silberweiße Haar seiner Mutter.
„Sie schien mir aber tatsächlich nicht recht wohl, Muttchen."
„Ihr Frauen müßt immer gleich sonst etwas vermuten", warf auch der Geheimrat ein.
„In letzter Zeit ist Mutter überhaupt nicht allzu gut auf Evelyn zu sprechen, und dabei ist sie doch deine Verwandte, Bella!"
„Ja, leider." Frau Geheimrat von Rakenius seufzte ti^f auf.
Sie waren am Ziel.
Der Wagen hielt. Der Chauffeur riß den Schlag auf. Doch Rainer von Rakenius hals den Eltern selbst heraus..
Im Hause des Kommerzienrats Hilliger war schon alles versammelt, was Anspruch auf Namen und Macht erhob. Der große Saal war von Licht übergossen.
Menschen wogten durcheinander. Herren in dunklen Abendanzügen. Damen in glänzenden Toiletten. Kostbarer Schmuck flimmerte.
Ein Stimmengewirr schlug den drei Menschen entgegen, schien sekundenlang zu verstummen — und belebte sich wieder.
Man sah plötzlich darin, daß Rainer von Rake- nius an dem Abend ohne seine Frau hier erschien, ein weiteres Sympton dafür, daß die Gerüchte über feine unglückliche Ehe richtig fein mußten.
Rainer spürte ganz deutlich die Meinung all dieser Menschen. Er fühlte an ihrer Begrüßung, daß die Teilnahme auf feiner Seite war. Und doch — fein Stolz bäumte sich dagegen auf, der Bemitleidete zu sein. Glühende Scham war in ihm, daß die Konflikte seiner Ehe schon Gesprächsthema der Gesellschaft waren.
Kommerzienrat Hilliger verstand es, Rakenius bald für sich zu beschlagnahmen, und bat ihn hinüber in den Rauchsalon.
„<$ie legen ja doch wenig Wert auf die Geselligkeit, Doktor. Ich denke, wir können die gute Gelegenheit nützen, um uns mit Ihrem Herrn Vater einmal über verschiedene geschäftliche Angelegenheiten zu unterhalten."
Und doch, es mar nicht allein der Geschäfte
wegen. Das ahnte Rainer von Rakenius wohl. Er kannte den Kommerzienrat zu gut. Hilliger hatte bis kurz vor seiner Eheschließung noch den künftigen Schwiegersohn in Rainer gesehen. Es war eine bittere Enttäuschung für ihn gewesen, die sich jetzt jedoch wieder in eine vage Hoffnung zu verwandeln schien.
In diesem Augenblick trat Ruth Hilliger zu den Herren. In dem hellen Abendkleid kam ihre blonde, herbe Schönheit gut zum Ausdruck, und als sie ihre Augen in die Rainers senkte, las Rakenius eine leise Sehnsucht bann.
Vielleicht, es wäre wohl besser gewesen für mich. Du, Ruth, mit deiner feinen Fraulichkeit. Besser als Evelyn, aber .. Wieder drängte sich jäh ein bildschöner Mädchenkopf in seine Gedanken: heiß wallte ihm das Blut zum Herzen. Ellen, Ellen...!
Da verneigte er sich tief und respektvoll vor Hilligers Tochter.
„Entschuldigung, gnädiges Fräulein, leider hatte ich nicht Gelegenheit, Sie früher -zu begrüßen."
Die Mädchenaugen strahlten zu Rakenius auf in hellster Seligkeit.
„Ich entschuldige gern, Herr Doktor. Wann sieht man Sie schon einmal — und auch dann nur flüchtig."
Rainers Züge zeigten ein höflich-freundliches Lächeln:
„Darf ich um den ersten Tanz bitten, gnädiges Fräulein, falls er noch nicht vergeben ist?^
Die alten Herren blieben allein. Man wußte ja: Rainer war noch zu jung, um sich bereits allen gesellschaftlichen Verpflichtungen zu entziehen.
Schmeichelnd setzte die Musik ein. Hingebungsvoll schmiegte sich Ruth Hilliger in Rainers Arme.
„Warum machen Sie sich so selten, Herr Doktor?"
„Selten? Ach, die Arbeit, gnädiges Fräulein — die Arbeit..."
Eine dunkle Röte goß sich über das Mädchen- S.esicht. Ach, wie hatte sie sich einst danach gesehnt, diesem Manne Frau und Kameradin sein zu können, an seinen Arbeiten, seinen Plänen teilnehmen zu dürfen.
Ruth Hilliger hatte eine Frage an Rakenius gerichtet. Dieser fuhr aus tiefen Gedanken auf.
„ „Sie sind maßlos zerstreut, Herr Doktor." Ruth lächelte fragend.
„Zerstreut. ." Rakenius nahm sich zusammen. Eine nervöse Unruhe hatte von ihm Besitz ergriffen. Am liebsten wäre er davongeeilt. Hätte er Evelyn doch nicht allein lassen sollen? Vielleicht war sie wirklich nicht wohl. „Nun ja, psychologisch betrachtet ist Zerstreutheit eigentlich nichts anderes als Konzentration in anderer Richtung. Doch ich will Ihnen kein Kolleg halten. Sie sind ja Philosophin."
„Spötter", kam es leise, sehnsuchtsvoll.
„Aber gnädiges Fräulein — ich meinte es ehrlich" Rakenius lachte und sah in diesem Augenblick ganz jungenhaft aus. „Hören Sie eigentlich noch immer?"
„Ich habe umgesattelt" — bis unter die Haarwurzeln färbte ein glühendes Rot das hübsche, frische Gesicht —, „die Naturwissenschaften liegen mir doch mehr. Ich will mich ganz der Chemie widmen. Schade, daß Sie mir die Entgiftung des Leuchtgases vorwegnahmen."
Rainer von Rakenius fühlte ganz deutlich den ernsten Unterton dieses Gespräches. Es tat ihm weh, daß Ruth Hilliger ewig diese große, unerfüllte Liebe zu ihm im Herzen tragen würde; doch er hatte für sie nie anders als freundschaftlich empfunden. So gab er jetzt der Unterhaltung eine etwas scherzhafte Wendung:
„Nicht wahr... Nun, die Menschheit harrt noch sehnsüchtig auf die Enträtselung anderer Geheim-
Die Musik setzte aus. Rakenius führte Ruth an ihren Platz, entschuldigte sich dann und saß noch etwa bis einhalb zwölf Uhr mit den beiden Herren im Rauchsalon zusammen. Die peinliche Exaktheit im Leben des Geheimrats ließ ihn sich auch dann mit feinen Angehörigen frühzeitig verabschieden.
In Gedanken versunken fuhr Rainer von Rakenius an der Seite feiner Eltern wieder heimwärts.
„Du warft heute aber auch ausnahmsweise zerfahren, Rainer. Von allen Seiten hörte man, daß du vergessen habest, zu begrüßen. Wie kann man nur...?"
„Du hast ganz recht, Muttchen. Vielleicht bin ich wirklich vollkommen unbrauchbar für die Gesellschaft. Mir geht zu viel anderes durch den Kopf. Uebrigens, hattest du die Freundlichkeit, meinen Wunsch zu erfüllen, Vater?"
Rainer konnte in der Dunkelheit nicht sehen, daß die Blicke der Eltern sich während seiner Worte suchten.
„Ja, natürlich. Fräulein Ehlers arbeitet schon seit einigen Tagen draußen in Wahren", erwiderte der Geheimrat.
Nachdenkliche Stille, die Frau Geheimrat von Rakenius plötzlich besorgt unterbrach:
„Hältst du es für richtig, Rainer, daß du dich für eine fremde Dame so verwendest? Könnte es nicht anders ausgelegt werden?"
Und als der Sohn etwas unwillig auffahren wollte, fuhr sie begütigend fort:
„Ich weiß ja — wegen deines Unfalles. Gewiß! Aber konntest du deine Dankbarkeit nicht mit Geld abtragen?"
„Muttchen, es gibt Menschen, denen man ein solches Angebot nicht machen darf, weil es ihr Stolz nicht zuläßt, etwas anzunehmen. Das war schon die einzige Möglichkeit für mich. Zudem war Fräulein Ehlers wirklich in sehr schlechter finanzieller Lage und seit langem stellungslos."
Lichter huschten vorbei. Straßenlampen warfen matte Lichtkegel durch die Fenster der Limousine.
Einsamer wurde die Gegend. Die lange Ausfall- straße nach dem Süden nahm sie auf. Dann bog der Wagen scharf nach rechts ein und hielt.
Die NS.'Gemeinfchaft „Kraft durch Freude" «re wartet für diesen Ferienzug in das Thüringerland noch recht zahlreiche Anmeldungen. Die bisher durchgeführten Fahrten haben gezeigt, wie sehr es die Organisation „Kraft durch Freude" sich angelegen sein läßt, für wirkliche Erholung und Freude aller Teilnehmer Sorge zu tragen. Wer wegen des billigen Preises noch irgendwelche Zwei« fei hat, frage diejenigen, die jetzt von den Ferien« fahrten nach der Nordsee und aus dem Allgäu zu» rückgekommen sind.
Anmeldungen nimmt entgegen die Geschäftsstelle der NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude , Gie» ßen, Haus der Deutschen Arbeitsfront, Zimmer 10» Geschäftsstunden täglich von 8 bis 13 Uhr und von 15 bis 18.30. Der Kreiswart ist zu sprechens Mittwochs und Freitags von 17 bis 19 Uhr.
Kreisbetriebszellenabteilung Gießen.
Am Samstag, 2. Juni, abends 8 Uhr pünktlich, findet im Hause der Deutschen Arbeitsfront, Gießen, Schanzenstraße 18, die Uebergabe der Zeugnisse von dem Schulungslehrgang der NSBO.-Amtswal« ter durch den Gaubetriebszellen-Schulungsleiter Pg, Demmer persönlich statt. Es wird hiermit fämt* lichen Amtswaltern der NSBO. im Kreise Gießen zur Pflicht gemacht, an diesem Abend zu erscheinen, Heil Hitler!
Gez. Hahn, Kreisbetriebszellen-Schulungsleiter.
Hitler-Jugend, Bann 116 Gießen.
Asterweg, Jugendherberge.
Sprechstunden der Abteilung III Sozial-Amt. Abteilungsleiter Heinz Becker. Montags, Mittwoch« und Freitags von 20 bis 21 Uhr für Jugendpflege, Fürsorge, Gesundheitsführung, Berufsfragenr Rechtsreferent Gerichtsreferendar Ludwig Heid. Dienstags und Freitags von 17 bis 18 Uhr Aus« kunft in allen Jugendrechtsfragen.
Heil Hitler!
Der Führer des Bannes 116. gez. Häuser.
Bornottzen.
— Tageskalender für Freitag: NS^ Frauenschast Gießen - Süd, 20.15 Uhr, Haus der Deutschen Arbeitsfront, Ortsgruppenabend. — Licht« fpielhaus, Bahnhofstraße: „Der schwarze Walfisch". — Oberhessischer Kunstverein, 17.15 Uhr, Stadthaus Bergstraße, Zimmer 6, Mitglieder-Versammlung. — Zirkus Busch, 15.30 und 20.15 Uhr, Vorstellungen. — Oberhessische Gesellschaft für Natur- und Heilkunde, 20 Uhr, Forstinstitut, Herr Professor Funk: Führung, Bericht, Vortrag. — VHC., 20.30 Uhr, Hotel Hopfeld, Monatsversammlung mit Vortrag. — Haus der Deutschen Arbeitsfront, 16 und 20 Uhr, Vortrag mit praktischen Vorführungen mit „Mabag"-Heißluftherd.
— Fahrt zum Nürburgring. Das Postamt Gießen gibt im heutigen Anzeigenteil bekannt, daß am kommenden Sonntag ein Postauto zum Internationalen Autorennen nach dem Nürburgring fährt.
— Der Kirschen- und Erdbeermarkt in Ober-Roßbach wird am Sonntag, 8.Juni 1934, wieder eröffnet. Näheres ist aus der heutigen Bekanntmachung ersichtlich.
*
** Verliehenes Ehrenzeichen 1928 der NSDAP. Dem Feldwebel Leis der 1. Kompanie, 15. Jnfcmtrie-Regiment, wurde am 25. Mai 1934 das Ehrenzeichen 1923 Nr. 177 von dem Herrn Reichsftatthalter Sprenger verliehen.
** Das Aufgabengebiet des Roten Kreuzes. Vieles leistet das Rote Kreuz im amtlichen und öffentlichen Sanitätsdienst, im Straßen- Hilfsdienst, Wasserrettungsdienst und in der Ausbildung der ersten Hilfe. Groß sind seine Aufgaben in der Vorbereitung für den Bereitschaftsdienst für Luftschutz und Katastrophen aller Art. Aber auch die sozialen Aufgaben des Roten Kreuzes sind keineswegs geringer als früher. Auch hier hat das — _________________________-
„Du bist auffallend begeistert von dieser — — scheint mir, Rainer. Ist das deine Unruhe?" Der Geheimrat fragte wie zum Abschied noch einmal nach der inneren Verfassung seines Sohnes. Eigentlich sonst nicht seine Art, und doch...
Rainer von Rakenius blieb seinem Vater wohl das erste Mal im Leben die Antwort schuldig. Nur ein gedrücktes „Gute Nacht" kam über feine Lippen.
Dann ging er mit schweren Schritten in fein Haus hinüber.
„Ich habe eine Angst um den Jungen..Fran von Rakenius seufzte tief auf.
Und auch der Geheimrat schüttelte verständnislos den Kopf.
Drüben aber in der großen, eleganten Dielt feiner Villa stand Rainer von Rakenius. Hatten ihm die vielen Menschen tatsächlich eine Unruht suggeriert? Oder war das beklemmende Gefühl in der Herzgegend nur eine Einbildung?
Ohne Umwege begab er sich in fein Schlafzimmer. Nicht einmal fein Arbeitszimmer betrat er. Manchmal arbeitete er eifrig die halbe Nacht hindurch. Jetzt aber lag ein seltsamer Schleier über seinem Denken.
Er kleid"te sich mechanisch aus, stellte den kleinen Reisewecker auf feinen Nachttisch.
„Morgen werde ich alles nachholen", murmelte er vor sich hin. Dann schaltete er das Licht aus.
Seine Gedanken suchten die Fabrik in Wahren. Er sah die großen Laboratoriumssäle, die langen Bleitische! Ach, an einem dieser Tische arbeitete von nun an dieses Mädchen, dieses schöne, wunderbare Mädchen...
Wieder fühlte er, wie fein Herz in Gedanken an sie erzitterte.
„Tagaus, tagein wird sie nun dort arbeiten.. Der Gedanke war ihm unangenehm. Würde nicht einer von seinen Chemikern Gefallen an ihr finden? Würde man sie gut behandeln?
Vielleicht fuhr er doch anderntags einmal mit seinem Vater hinaus. Er mußte sie wiedersehen. Ein einziges Mal nur wiedersehen. Sie sollt« wissen: er war es, der sie beschäftigte: weil er sie noch immer liebte...
Siebzehntes Kapitel.
„Herr Doktor — Herr Doktor!"
Rainer von Rakenius rieb sich die Augen anb sprang in feinem Bett auf.
„Nanu, Johann, was ist denn? Rede doch!"
Dem treuen Alten stand der Schweiß auf der Stirn. Aus feinen Augen starrten Angst und Entsetzen.
„Um Gotteswillen, die gnädige Frau..."
Jetzt wurde Rainer ganz wach:
„Ja, was ist denn, Menschenskind? Reden Sie doch!"
„Unten — hinten — im Gartenpavillo« — tot! Gott, o Gott — tot!"
Mit einem Satz war Rakenius aus dem Bdt Noch begriff er nichts. Noch ahnte er nichts»
LSortfeßung folgt)


