Ausgabe 
1.1.1934
 
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Die Hitlerjugend in Oberhessen.

Von Heinrich Hübner, presse« und Propagandaleiier des Oberbannes IV/13.

I.

Wenn ein altes Jahr seinem Ende zugeht und ein neues heranzieht, dann mag es vergönnt sein, einen Augenblick anzuhalten und zurückzuschauen auf das, was geleistet wurde, mehr aber noch das zu erkennen, was noch zu erreichen ist. Und dann wird es mit neuen Kräften und neuem Kampfes­willen im neuen Jahre weiter vorwärts gehen dem Siege zu.

Ein Jahr ist vergangen, das der Geschichte ange­hört und dereinst mit großen Lettern in den Ge­schichtsbüchern stehen wird. Der Marxismus und seine Ausgeburten find aus dem öffentlichen Leben unseres Volkes gescywunden. Der Führer der größ­ten deutschen Volksbewegung aller Zeiten ist der Kanzler des deutschen Volkes geworden. Gewaltig ist die HI. gewachsen, die Jugend, die den Namen des Führers trägt.

Aber die Hitlerjugend kann sich nicht begnügen mit der Tatsache, nun der größte deutsche Jugend- verband überhaupt zu sein. Die HI. hat noch nie einen Zweifel darüber gelassen, daß sie die ganze deutsche Jugend zu umfassen hat, und das ohne Kompromisse. Die evangelische Jugend hat sich noch vor Jahresschluß eingegliedert. Wir glauben, daß das kommende Jahr die Einheit der deutschen Ju­gend sehen wird. Denn es ist eine Utopie zu glau­ben, eine Volksgemeinschaft könne aufgebaut wer­den, wenn die Jugend als Träger der kommenden Generationen noch nicht diese Gemeinschaft hat. Darum wird die Hitlerjugend in dieser Frage uner­bittlich sein. Der Kirche, was der Kirche ist. Aber die Jugend gehört dem Deutschen Reich, die Jugend ist das künftige Volk...

Oberhessen ist heute Oberbann und umfaßt 6000 Hitlerjungen und an die 10 000 Jungvolkjungen.

Heute... Heute arbeitet die Hitlerjugend als Ju­gend des neuen Staates. Sie arbeitet zusammen mit den Behörden und ist anerkannt als die einzig daseinsberechtigte Jugend unseres Volkes.

Einst war das anders ...

Das war im Jahre 1931, als die ersten Jungen in der braunen Uniform zum ersten Male auf der Straße sich zeigten. Wenige waren es damals. Der jetzige Führer des Oberbannes war damals der Führer einer Kameradschaft. In ganz Oberhessen gab es nur eine Gefolgschaft. Der Gefolgschaftsfüh­rer gab damals bekannt, daß die Wandervereini- gungFahrende Hessen", Gruppe Niedereschbach und Holzhausen, in die NSJ. übergetreten seien. So fing es an... Das war damals ein gewaltiger Erfolg. NSJ., nationalsozialistische Jugend, darin waren Schülerbund, Hitlerjugend, Jungvolk und BdM. zusammengefaßt.

Damals erschienen an Zeitschriften der jungen BewegungDer junge Nationalsozialist" (Bilder­zeitung),Der Aufmarsch" (Schülerbundzeitung), Der junge Sturmtrupp" (HJ.-Zeitung),Das deut­sche Jungvolk". Diese Zeitschriften galten für das ganze Reich!

Was den Schülerbund angeht, so was diese Orga­

nisation seinerzeitig nötig gewesen, da es den höhe­ren Schülern vom System bekanntlich verboten war, in der Hitlerjugend Mitglied zu fein.

Sie galten noch nichts damals, diese Jungen, sie waren politisch verhetzte, unreife, dumme Laus­buben, die von einer Partei sich hatten einfangen lassen. Sie gingen noch in die Schule, sie sollten erst mal etwas arbeiten für einen Beruf und wenn sie dann groß und verständig geworden wären, dann könnten sie auch einmal mitreden in der Politik. Ja, gerne wollten sie ja arbeiten für einen Beruf. Gerne wollten sie sich ja führen lassen von der alten Generation, wenn die ihnen Arbeit und Brot gab. Aber die gab ihnen ja keine Arbeit und kein Brot, und wenn sie keine Aussicht hatten in den nächsten zehn, zwölf, zwanzig Jahren Anstellung zu finden, wofür arbeiteten, wofür schafften sie dann überhaupt?! Da kam diese Bewegung, da kam dieser Hitler und diese von allerWeltverfluchtenNazis, die nur schuldig waren, die allein, an dem Elend. Weil die sich nicht damit abfanden, sondern verkündeten, sie würden es besser machen und sie wüßten den Weg. Dann wurde man selber einer von denen, von diesen Nazis, von diesen Lausejungen, die noch nicht trocken waren hin­ter den Ohren und schon von Politik sprachen und vom Kämpfen und von Adolf Hitler und seinem Wollen. Dann zog man im Braunhemd und im Abzeichen über die Straßen und wurde verlacht oder angepöbelt. Aber das machte nichts. Man hatte sich daran gewöhnt. Man steckte in der Schule so manches ein, man riskierte hinausgeworfen zu wer­den, man wurde vielfach im Elternhaus nicht ver­standen und mitunter verstand man sich selber nicht. Dann kam man wieder zu den Kameraden, man marschierte gemeinsam hinaus oder zog nachts durch die Straßen und klebte Flugblätter mit der SA. Man war abgestumpft gegen Schikane aller Art, von welcher Seite sie auch immer kommen mochten. Man war hart geworden. Und das war gut so. Denn ohne diese Härte wäre man nicht als'Sieger hindurchgegangen durch die Zeiten des Terrors und der Verbote . . .

Aeujahrsbotschast des Oberbannführers

hitlerjungen!

Das Jahr 1933 hat uns herrliche Siege sehen lassen. Das Veste aber ist, daß wir wissen, im Jahre 1934 noch weit, weit mehr kämpfen zu müssen.

Luch gilt der erste Gruß heute, Kameraden, die Ihr schon vor einem Jahr an unfern Sieg geglaubt habt.

An Euch alle ergeht der Ruf, niemals schwach und halb zu werden, sondern be­dingungslos und hart alles zu stürzen, was uns entgegensteht auf unserem Wege zu Deutschland.

heil Hitler!

Rupprecht Hainer.

Friedberg, 1. Januar 1934.

Männerchor wartete mit einigen Volksliedern auf, die in hervorragender Weise zu Gehör gebracht wurden. Lebhafter Beifall dankte den Sängern. So­dann wurden die Blinden mit Kaffee und Kuchen bewirtet. Herr Tank vom Stadttheater brachte Wolframs Lied" aus Tannhäuser und dieZu­eignung" von Richard Strauß zu Gehör und fand stärksten Beifall. Frau Heermann war am Klavier eine verständnisvolle Begleiterin. Herr Paul Nieren fand mit drei humorvollen Gedichten besonders dankbaren Beifall. Nachdem die Kriegs­blinden (etwa 37 an der Zahl) und die Kinder mit praktischen Geschenken bedacht worden waren, ge­langten noch einige Darbietungen auf dem Tylophon (Herr Bauer) und ein humoristisches Terzett zur Ausführung, die ebenfalls dankbar ausgenommen wurden.

Bereinigung

für koloniale Wiedergewinnung.

In der jüngsten Monatsversammlung der Ver­einigung für koloniale Wiedergewinnung im Cafe Ebel sprach der Vereinsführer Karl Tetzner über das ThemaDeutschlands Stellung zu den Einge­borenen in seinen Schutzgebieten". Der Redner führte u. a. aus:

Der Erfolg jeder kolonisierenden Macht stütze sich stets auf die Einstellung der kolonisierenden Macht zu den Eingeborenen. Gewaltsame Besitzergreifung, wie man sie besonders bei den älteren Kolonial­mächten England und Frankreich habe beobachten können, führe naturgemäß zu offenen Gegensätzen mit der Eingeborenenbevölkerung. Es fei erklär­lich, daß sich daraus der Haß der Eingeborenen gegen die fremdrassigen Eroberer entwickle, der zu immer neuen Befreiungsversuchen und zu fortge­setzten Kämpfen Rasse gegen Rasse führen müsse. Ganz andere Wege habe Deutschlands Kolonialpolitik verfolgt. Deutschlands Ansprüche auf feine Schutz­gebiete stützten sich meist auf Verträge mit den Ein­geborenen. Die Einstellung der Eingeborenen zur deutschen Verwaltung fei deshalb auch von vorn­herein eine ganz andere, fei freundschaftlicher ge­wesen. Als Deutschland die Schutzgebietsverwaltung übernommen habe, sei vor allem für Frieden in­nerhalb dieser Gebiete gesorgt worden. Bezeichnend für deutsche Art fei die für alle deutschen Schutz­gebiete herausgegebene Richtlinie:Der Eingebo­rene ist das wertvollste Aktivum einer Kolonie". Von allen Schutzherren habe deshalb, so sage der weit gereiste Amerikaner E. H. F o r b e s , der Deutsche die reinsten Hände und die besten Aus­sichten.

Bezeichnend sei es auch, daß in den letzten acht Jahren vor dem Weltkriege keinerlei Aufstände in deutschen Kolonien ausgebrochen seien. Den Eng­ländern und Franzosen gelänge es bis heute noch nicht, in ihren Kolonien für Ruhe und Ordnung zu sorgen. Nicht unwesentlich sei die Tatsache, daß in unseren Kolonien eine Ehe zwischen Schwarz und Weiß nicht gestattet gewesen fei. Dadurch fei Ras­senvermischung verhindert worden. Rassenver- mischuna führe erfahrungsgemäß stets zum Herab- steigen Der höheren Rasse zur niederen und damit zu einem Schwinden des Ansehens, das die höhere vorher bei der niederen Rasse besaß. Den Deut­schen sei es aelungen, in den Schwarzen die Hoch­achtung vor der weißen Rasse unvermindert zu er­halten. In der Schlacht vor Tanga hätten die ein­geborenen Askaris das Feuern eingestellt, als auf der gegnerischen Seite Weiße in den Kampf ein­griffen. Durch den von England aufgezwungenen Kampf von Schwarz gegen Weiß sei aber die Axt an das Ansehen der weißen Rasse bei den Schwar­zen gelegt worden. Das deutsche Volk habe im Lause seiner kolonisatorischen Tätigkeit nachdrück­lichst bewiesen, daß es berechtigter als irgendein an­deres Volk sei, zu kolonisieren.

In seinen abschließenden Ausführungen schilderte der Redner noch ausführlich die deutsche Tätigkeit auf dem Gebiete der Rechtspflege, des Schulwesens und der Krankenpflege. Der Vortrag, der durch eine Anzahl Lichtbilder recht anschaulich gestaltet wurde, wurde von den Zuhörern mit starkem Beifall aus­genommen.

Borrwtizeir.

Tageskalender für Dienstag: Stadttheater, 19.30 bis 22.30 UhrAnneliese von

Gießener Gtadttheaier.

Bunter Abend:Prosit 1934!.

Am letzten Tage des alten Jahres hatte das Stadttheater zu einem Bunten Abend eingeladen, um unter der DeviseProsit 1934!" die Leute mit einem vielseitig-heiteren Programm in die richtige Silvesterstimmung zu bringen. Paul Nieren hatte die künstlerische Gesamtleitung Kapellmeister C u j e konzertierte mit dem Orchester im Hintergrund und sozusagen im ersten Obergeschoß der von Löffler bunt und luftig hergerichteten Bühne. Die ganze Vortvagsfolge war mit einem hübschen Einfall als Rahmenhandlung zusammengefaßt dergestalt, daß man zum Schauplatz der Ereignisse das Jntendanz- büro ausersehen hatte, allwo man gerade mit der Zusammenstellung eines zünftigen Silvesterpro- aramms emsig beschäftigt war und die zum Vor­sprechen und Vorspielen angemeldeten einheimischen und auswärtigen Kräfte vor den Augen des er­staunten und alsbald verständnisvoll erheiterten Publikums auftreten und agieren ließ. Am Schreib­tisch waltete streng und geschäftig Herr L ü p k e als Theaterdirektor, der seine Sonne über Gerechte und Ungerechte scheinen ließ. Fräulein Wielander war die Sekretärin, die in derartigen Aufgaben be­reits eine gewisse Erfahrung besitzt und höchst auf­schlußreiche Telephongespräche mit dem geschätzten Publikum führte. Herr Hub, freudig begrüßt, wirkte als Direktionsdiener, der die Auftretenden anmeldete und einführte und allerhand improvisato­rische Späßchen zum Besten gab. Den Reigen der Darsteller eröffnete Herr Schorn als ergrauter Mime verschollenen Stils, der dennoch auf das Fach des jugendlichen Helden Anspruch erhob und alsbald aus derJungfrau von Orleans" erschröcklich zu de­klamieren begann. Hierauf gab es eine äußerst ar­tistische Nummer: Herr Seitz produzierte sich als Kunstradfahrer und fuhr sogar auf offener Bühne durch Nacht und Nebel, was man gesehen haben muß. Herr Volck, der in diesen Tagen fein Jubi­läum feiert, erschien als reisender Impresario auf gut hessisch mit den hier schon bekannten und stets gern gesehenenLahn-Girls". Eine ganz sensa­tionelle Nummer zeigten die Herren W r e d e und M a r ck s: Marcks als Hellseher in der Maske des verstorbenen Hanussen; Wre-be mit ungeheurem Wortschwall als sein Assistent; Herr Nieren brachte zuletzt die überraschende Pointe und die lustige Lösung dieser vom ganzen Hause mit atem­loser Spannung verfolgten Vorführung. Herr Kühne erschien anschließend als Musik-Clown und verzapfte mit ungerührter Miene die furchtbarsten Kalauer, während Fräulein Otty Weiden mit einem Spitzentanz und einem modernen Step viel

Dessau". Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Der Zarewitsch".

Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Morgen, Mittwoch, Jubiläumsvor­stellung anläßlich der 25jährigen Bühnenzugehörig­keit Karl V o l ck s. Zur Aufführung kommt das Lust­spielDer Herr Senator" von Schönthan-Kadelburg. (Siehe heutige Anzeige.)

Der GießenerKonzertverein lädt in unserem heutigen Anzeigenteil zu einem Konzert des Wendling-Quartetts ein. Interessenten seien auf die Anzeige besonders hingewiesen.

*

** Der Jahreswechsel vollzog sich in un­serer Stadt in bester Ordnung. Um die Mitternachts­stunde von Silvester zum Neujahrstage wurde mit Feuerwerkskörpern wieder lebhaft geknallt. Das Glockengeläute klang feierlich durch die schöne Nacht

Beifall fand. Fräulein Perry und Herr Fier- ment stellten sich als die letzten Ueberlebenden der seinerzeit berühmtenElf Scharfrichter" vor und gaben als Bänkelsängerpaar im Moritatenstil mit Drehorgelbegleitung eine gedrängte Uebersicyt über das im alten Jahr abgelaufene Repertoire. Eine der hübschesten und lustigsten Nummern des ganzen Abends bot Herr Dieten, der sich als Jongleur- Clown zurechtgemacht hatte und unter Assistenz einer jungen Dame und eines eierlegenden Hahns geradezu verblüffende Fertigkeiten entwickelte, die in jeder besseren Variete-Vorstellung mit Anstand hät­ten bestehen können. Nach der Pause sah man zu­nächst Herrn Förderer als Volkstypendarsteller mit einem unerschöpflichen Verwandlungskoffer. Das Tanzpaar B e l l o f f - H a ase fand mit einem Spitzentanz-Walzer und später mit einem ungari­schen Tanz viel Anklang. Etwas sehr Drolliges: Fräulein Erna Renz mit der wirklich witzig aus- gedachten und vorgeführten kleinen Tanzpantomime Wenn am Sonntagabend die Dorfmufik spielt..." Einen auf handfeste Wirkungen berechneten Sketsch brachten Fräulein Stadler und die Herren- f e r und Michel; während das Terzett Geiger, Nieren und Neuhaus einen äußerst geräusch­vollen Ulk im Rundfunksenderaum veranstaltete. Nachdem Direktor V o l ck mit seinen Girls noch einmal drangekommen war, verabschiedeten sich alle Mittvirkenben dieses luftigen Bunten Abends (der übrigens noch einmal wiederholt werden wird) mit einem kräftigenProfit Neujahr!"

Das Haus war ausverkauft. Die Leute gingen in angeregter Stimmung nach Hause. Es ist sehr zu wünschen, daß auch die Winterhilfe-Sammlung an biedern Abend das erwartete Ergebnis gebracht hat.

hth.

Die hundertjährige Lucrezia Borgia.

Don Dr. Gustav W. Gberlein, Rom.

Eine alte, nichts weniger als zeitgemäße Ueber- lieferung will es, daß die Opernsaison in Italien erst bann eröffnet wird, wenn sie in anderen Ländern ihren Höhepunkt schon erreicht ober überschritten hat- am zweiten Weihnachtstage. Sonderbar, daß der stürmische Faschismus diesen altväterlichen Rhyrh- mus nicht durchbricht. Verständlicher scheint es schon, den Spielplan immer mit einem nationalen Werk ZU beginnen. Und reizend ist es von Mussolini, daß er trotz allem etwas Neues eingeführt hat: die unter dem Namen Generalprobe vorausgehende Galavor­stellung, zu der nur geladene Gäste Zutritt haben. Als Gastgeber kommt der Duce auf diese Weise doch

über die Stadt. Erfreulicherweise verlief der ganze Silvester, und Neujahrsbetrieb ohne Inanspruch­nahme der Polizei und der Sanitätskolonne, so daß ein durchaus befriedigender Jahreswechsel zu ver­zeichnen ist. Anläßlich der Jahreswende hatte die Reichsbahn bei verstärkter Zugführung wieder großen Reisebetrieb zu bewältigen.

** Dtenstjubiläum. Am heutigen Dienstag, 2. Januar, kann der Prokurist Hans Herrmann auf eine 25jährige Tätigkeit als Angestellter der Firma P i ft o r Nachfolger, Inh. L. Schüß 1 er, Marktstraße, zurückblicken, Herr Herrmann trat als Handlungsgehilfe in die Firma ein und hat sich durch Fleiß, berufliche Tüchtigkeit, Zuverlässig- feit und Treue das volle Vertrauen des Firmen­inhabers erworben, der ihn denn auch mit der verantwortungsvollen Stellung des Prokuristen be­traute. Bei den übrigen Angestellten der Firma

wenigstens einmal in die Oper und wird zum Mit­telpunkt der obersten Gesellschaft. Die Damen haben auch diesmal wieder die Kleider vorgeführt, die sie von Rechts wegen erst einen Tag später unter dem Lichterbaum vorfinden sollten, und die Offiziere zeig­ten ihre neuen Uniformen zum erstenmal: uniforme da sera, richtige Abenbuniformen. Allgemeine Be­wunderung.

Kurz vorher hatte Mussolini die Mütter der Pro­vinzen empfangen, die kinderreichsten Frauen Ita­liens, 92 an der Zahl, für jede Provinz eine. Die denkbar einfachsten Menschen, von denen viele sonst nie nach Rom gekommen wären.

Und jetzt sitzt er im Frack in der Loge und schaut der giftkundigsten aller giftmischenden Borgia zu. G ig li ist ihr illegitimer Sohn und kriegt mal Gift, mal Gegengift, bis daß er stirbt. Denn so hat der gute Victor Hugo dieses furchtbare Renaissance­geschlecht gesehen, und Maestro Donizetti über, setzte es in Musik, das sprichwörtliche Borgiagift in Honig und Langeweile.

Warum in aller Welt der tiefe Griff in die Mot­tenkiste? Warum diese archäologische Begebenheit? Weil genau vor hundert Jahren, am zweiten Weih­nachtstag, die Donizettische Lucrezia das Licht der Bühne erblickte. Ach, daß sie unter dem damaligen Kerzenschimmer für immer entschlafen wäre!

Donizetti, Zeitgenosse Napoleons, ist erst 51 Jahre alt gewesen, als er in geistiger Umnachtung starb, doch genügte ihm sein Leben, um sechs Dutzend Opern aus dem Aermel zu schütteln. Weshalb man ihn auch Dozzinetti hieß, das Dutzendmännchen. Viel Sorgfalt konnte dabei auf die arme Lukrezia nicht entfallen, immerhin ist es gewiß ein Kunststück ge­wesen, sie nicht ein einzigesmal als Liebhaberin, sondern drei Stunden lang nur ... als liebende Mutter auftreten zu lassen. Trotz ihrer giftstrotzenden Borgiaringe. Es kommt allerdings auch vor, daß der Vorhang sich teilt, Gigli vor die Rampe tritt und einen endlosen Monolog singt, worauf sich aus un­bekannten Gründen der Vorhang wieder schließt. Vielleicht haben unsere Großväter so etwas auch als dramatisch empfunden, es müssen behagliche Zeiten damals gewesen sein. Ich habe Mussolini beobachtet und schätze, daß er sich etwas gelangweilt hat. Aber als niemand die Hände bewegen wollte, gab er bas Zeichen zum Beifall, und bas ganze vornehme Haus klatschte für Gigli, für den Regisseur, vor allem für den Lichtmeister und den Mut der Oper zur Archäologie. Denn sehenswert war es immerhin, wie die Gondeln in Lebensgröße über die Kanäle Vene- digs glitten. Möglicherweise ist es sogar nur die Schuld unserer hochentwickelten Bühnentechnik, wenn wir die musikalische Umrahmung einer Lukrezia so dünn und verstaubt empfinden ...

genießt Herr Herrmann ebenfalls beste Wert­schätzung. Dem Jubilar wurde an seinem Ehren­tage von dem Firmeninhaber eine gebührende An­erkennung und Ehrung bereitet.

** Die Aussagegenehmigung für hes­sische Beamte. Der hessische Staatsminister hat in einem Rundschreiben an sämtliche Dienststellen in Hessen angeordnet, daß zur Erteilung der Aussage­genehmigung für Beamte in Zukunft das Personal­amt des Hessischen Staatsministeriums zuständig ist, und daß diesbezügliche Gesuche an diese Stelle zu richten sind.

** D i e Kartenausgabe der Deutschen Bühne betrifft eine Anzeige in unserem heutigen Blatte, auf die wir besonders aufmerksam machen.

** Vergütung vonUmzugskosten durch den Arbeitgeber. In dem vom Wirtschafts­prüfer Hermann Will zu Gießen herausgegebenen Aktuellen (Steuerfragen" (Rundschreiben Nr. 1, Jahrgang 1934) lesen wir: Wenn der Arbeitgeber einem Arbeitnehmer Umzugskosten ersetzt, liegt die Vermutung nahe, daß die Ausgaben vorwiegend im Interesse des Arbeitgebers erwachsen find. Umzugs­entschädigungen find deshalb grundsätzlich als steuer­freie Dienstaufwandsentschädigungen anzusehen, vor­ausgesetzt, daß die Umzugsentschädigung nicht über bas hinausgeht, was die Ueberfiedlung und Die Be­schaffung und Instandsetzung der Wohnung am neuen Dienstort erforderlich und angemessen ist. (Ur­teil des Reichsfinanzhoses vom 21. Juni 1933 VI A 297/31.)

, Oberbeffen.

Reichsstatthalter Sprenger besichtigt die Ausgrabungen am Glauberg.

Eine Stiftung von 20 000 Mark.

LPD. Nidda, 1. Jan. Reichsstatthalter Gaulei­ter Sprenger hat schon wiederholt sein besonde­res Interesse für die Ausgrabungen am Glauberg gezeigt. Es ist ihm in der Hauptsache darum zu tun, mit der Vollendung der Ausgrabun­gen dem deutschen Volke und vornehmlich der deut­schen Jugend ein Wahrzeichen menschlicher Entwick­lung in vergangenen Jahrtausenden zu schaffen. Dieser Plan geht nunmehr feiner Vollendung ent­gegen. Dieser Tage weilte der Reichs st atthal- t e r mit dem Hessischen Staatsminister Jung und Ministerialrat Ringshausen in Glauberg, wo er die Gründung einer Stiftung von 20 000 Mark bekanntgab, die bezweckt, den beabsichtigten Plan in die Tat umzusetzen. Der Reichsstatthalter gab weiter bekannt, daß der Glauberg zum Naturschutzgebiet erklärt wird und damit die Ausgrabungen und die Wiederherstellung der alten Wohnburg sichergestellt ist.

Hundertjähriges Betehen einer oberhessischen Denagsfirma.

LPD. Friedberg, 1. Jan. Mit dem 1. Ja­nuar 1934 kann der Verlag Carl Binder­nagel auf sein hundertjähriges Beste - h e n zurückblicken. Am 1. Januar 1834 wurde hier durch Carl Bindernagel eine Druckerei gegründet, in der mit dem gleichen Datum das ,Zntelligenz- blatt für die Provinz Oberhessen im Allgemeinen, den Kreis Friedberg und die angrenzenden Bezirke im Besonderen" erschien. Vom anfänglich einmaligen Erscheinen in der Woche schritt der Herausgeber im Jahre 1842 zum zweimaligen und von 1867 an zum dreimaligen Erscheinen in der Woche. Der Titel des Blattes wurde im Laufe der Jahre wiederholt geändert, lautet aber feit 1869 ununter­brochen bis auf den heutigen TagOberheffi - scher Anzeige r". Mit der wachsenden Bedeu­tung des Blattes hielt ein entsprechender Ausbau der Zeitung, wie auch der Druckerei Schritt. Als im Jahre 1916 der Vater des gegenwärtigen Inhabers bie Augen für immer schloß, konnte er seinem Nachfolger, Kurt Bindernagel, einen in jeder Hinsicht vorzüglich fundamentierten Betrieb hinterlassen. Der schon feit langen Jahren täglich erscheinendeOberhessische Anzeiger" erfuhr ins­besondere nach den Jnflationsjahren eine wesent­liche Umgestaltung. Seine Bedeutung reicht heute weit über den Kreis Friedberg. Auch der übrige Verlagsbetrieb wurde technisch auf eine erheblich

Der ewige Medizinmann.

Daß Eingeborene, die 60 Jahre lang bereits unter dem Einfluß der Zivilisation gestanden haben, in wenigen Monaten, die sie sich selbst überlassen sind, in den alten Aberglauben zurücksinken, zeigen Vorgänge, die sich auf der Insel Saibai an der Küste von Neu-Guinea abgespielt haben. Als der neue Geistliche der Insel, Rev. Bryant, dort an- langte, fand er, daß der Medizinmann, den fein Vorgänger vertrieben hatte, die völlige Herrschaft über die Eingeborenen errungen hatte. Die Zauber­dinge, mit denen er Heilung brachte und in Schreckthn setzte, waren ein Alligator-Zahn, eine Adlerfeder, ein Knochen vom Kopf eines Dujongs, einer See­kuh, und ein Stück rosa Schnur. Die Insulaner wandten sich freilich nur in höchster Not an den Zauberer, denn feine Methoden waren durchaus nicht angenehm. Beklagte sich z. B. einer über Stopf- schmerzen, so erklärte der Medizinmann, daß er so­fortden Schmerz herausbringen" werde. Dies be­wirkte er auf die einfachste Weise, indem er dem Patienten mit einem Stück zerbrochener Flasche ein großes Loch in bie Stirn schlug. Bei einer derarti­gen Behandlung wurde es Bryant nicht zu schwer, seine neue Gemeinde davon zu überzeugen, baß ber Zauber" des Midizinmannes nicht viel wert fei, und baß er mit allen feinen Fisematenten weder mehr Fische in bas Kanu locken noch bie Schmerzen aus Kopf ober Magen vertreiben könne.

Paviane greifen Eingeborene an.

Ein zehnjähriges Mäbchen eines ber Eingebore- nen-Stämme in ber Gegend bes Kilimandscharo flüchtete sich kürzlich, von furchtbaren Wunben be­deckt, in ein bei Moschi gelegenes Missionskranken- haus. Das Kind gab an, beim Feuerholzsuchen von einer gewaltigen Horbe von Pavianen angegriffen worben zu fein, bie sich auf es stürzten, ihm alle Kleiber vom Leibe rissen und ihm Hüfte und Ober­schenkel zerfleischten. Die Paviane sind in dieser Gegend sehr zahlreich; sie sind außerordentlich listig und verschlagen. Dies ist jetzt ber brüte Fall, daß ein Eingeborener von rabiat geworbenen Tieren fürchterlich zuaerichtet worben ist. Einer ber vorangegangenen Fälle enbete sogar mit bem Tobe. Die Paviane richten unter der Ernte großen Schaben an und räubern unter den Perlhühnern, die als Haustiere gehalten werden. Ihre einzigen gefürchteten Feinde find die Löwen und Leoparden, die aber mit einer allzu großen Schar dieser Affen auch nicht fertig werden können. Man führt den Vernichtungsfeldzug gegen sie mit vergifteten Lock­speisen unb organisiert Treibjagden mit Knüppeln, Flinten und Netzen,